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By its cover - Buchumschläge und ihre Evolution

Begonnen von Schreinhüter, 03. Juni 2012, 11:06:10

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Alana

Komisch, so etwas habe ich noch nie gesehen. Aber das klingt gut, da würde ich wohl auch nachschauen.
Alhambrana

Ryadne

Zitat von: Alana am 05. Juni 2012, 20:11:00
Aber die schlimmste Sünde bei Covern ist, wenn die Cover einer Reihe nicht zusammen passen.

Finde ich prinzipiell auch nicht so toll, vor allem sehe ich manchmal keinen Sinn dahinter. Zum Beispiel bei den Drachenlanze-Büchern, als die noch weiß mit Elmore-Covern waren; da hat sich ständig Höhe und Seitenschrift verändert, keine Ahnung, was das sollte.
Aber manchmal steckt dahinter auch Sinn. Es gibt eine Reihe - irgendwas mit Fae oder Fay im Titel - da war das erste Cover grausig und so komisch auf Erotik getrimmt. Nach Beschwerden wurden dann in der Folge schönere und neutralere Cover gewählt, sowas ist ja durchaus löblich. :)

Seltsam finde ich übrigens auch, wenn Reihen innerhalb kurzer Zeit in völlig unterschiedlichen Editionen und Versionen auf den Markt kommen. So z.B. bei der "Chronik der Unsterblichen". Da hab ich ein buntes Kuddelmuddel an Covers und Formaten in meinem Regal stehen, weil irgendwie dauernd neue Auflagen mit veränderter Optik rauskamen und ich einfach nicht so schnell gelesen habe, alsdass ich dann bei ein- und derselben Optik hätte bleiben können.

Zitat von: Kati am 05. Juni 2012, 20:19:09
Ich mag die Bücher, bei denen auf dem richtigen Cover halt wirklich nur der Titel steht mit ein paar Verziehrungen und dann ist ein Loch drin, durch das man bloß das Gesicht der Frau sieht und, wenn man dann umblättert, hat man das ganze Bild.  ;D Ich kann an denen nie vorbeigehen, muss sie immer aufschlagen, um mir das ganze Bild anzugucken.

Das finde ich auch bei "Mein kleiner Horrortrip" sehr schön gemacht. Auf dem Cover stehen nur die ganzen Autoren (ist eine Anthologie) und dann so aufgerissene Augen, die auf der ersten Seite einen dazugehörigen Körper enthalten. :)

Dämmerungshexe

Bevor ich einen neuen Thread aufmache, schreibe ich mal hier weiter, da es an sich ganz passend ist - Buchcover haben sich gerade in den letzten Jahren dank den ganzen neuen Möglichkeiten zum Selbstverlag usw. ja wieder stark verändert. Und ich finde, leider nicht wirklich zum Besseren. Wir hatten im Titel-TÜV ja schon einige Diskussionen um die Gestaltung und die Qualität und ich selber habe erst vor kurzem am eigenen Leib erfahren, wie so etwas abläuft.

Allgemein finde ich es natürlich gut, dass es inzwischen fast jedem möglich ist selber mehr oder minder professionell zu veröffentlichen und dass es auch genügend Kleinverlage gibt, die denen, dei nicht die Kraft dazu haben, eine Chance bieten. Auch die Arbeit der Leute, die in diesem Sektor für eher kleine Budgets Cover gestalten haben natürlich ihre Berechtigung und es gibt genügend, die da einen soliden Job abliefern.

Was mir aber auffällt, wenn ich mich durch die Neuerscheinungen durchwühle, ist ganz einfach ein schleichender Verfall der Qualität. Mir ist klar dass aufwändige Illustrationen bei Klein- und Selbstverlagen nicht möglich sind. Und mit Renderings und Photoshop (inkl. zahlreicher Bildagenturen im Internet), kann dem auch leicht abgeholfen werden. Aber die Ergebnisse sprechen leider nicht immer für sich.
Gerade ich als Grafikerin bekomme da inzwischen richtig Kopfschmerzen von. Vor allem wenn dann mit Schrift nicht sauber umgegangen wird oder einfach die Gesamtkomposition schräg ist. Auch diese Haltung, dass der Titel möglichst alles schon erzählen muss, geht mir langsam gegen den Strich. "Das verkauft sich sonst nicht" heißt es dann von Verlagsseite aus - und das muss man dann schlucken, weil es geht ja ums Verkaufen - zumindest für die Verlage. Und am Ende sieht praktisch jedes Cover aus wie das nächste.
Aber mal davon abgesehen, dass ich als Freundin von einfachen, schlichten, grafischen Covern heutzutage im Genre Fantasy fast aufgeschmissen bin - ich finde die Entwicklung auch in soweit bedenklich, dass das das Image ist, dass das Genre nach außen transportiert: billig und unprofessionell. Da wundert es mich nicht, wenn immer noch Autoren zögern, Freunden, Bekannten und überhaupt jemanden zu sagen, dass sie Fantasy schreiben.
Mir erscheint das inzwischen wie ein Teufelskreis, in dem wir uns leider immer weiter nach unten bewegen. Denn wenn die Verkaufszahlen stimmen, dann muss es ja passen, egal ob wir es nun schön finden und es gut ist, oder nicht ...
,,So basically the rule for writing a fantasy novel is: if it would look totally sweet airbrushed on the side of a van, it'll make a good fantasy novel." Questionable Content - J. Jacques

Nuya

Ich kann dazu nur sagen, dass alles Geschmackssache ist. Der eine kauft ein Cover, was ein anderer nicht mal eines zweiten Blickes würdigt. Manche ignorieren Cover und gehen nach dem Klappentext, weil es ihren Ansprüchen nicht genügt.
Ich verstehe was du meinst, aber ich selbst habe schon Erfahrungen damit machen (müssen), dass nur weil ich es absolut nicht leiden kann, es Leute gibt, die es umwerfend finden.

Und das ist bitte ohne Wertung für Cover zu verstehen, die hier in letzter Zeit gezeigt wurden, sondern eine allgemeine Aussage, zB auch auf die Frage: Gesichter auf Cover oder nicht. :)

DoroMara

ZitatAber mal davon abgesehen, dass ich als Freundin von einfachen, schlichten, grafischen Covern heutzutage im Genre Fantasy fast aufgeschmissen bin - ich finde die Entwicklung auch in soweit bedenklich, dass das das Image ist, dass das Genre nach außen transportiert: billig und unprofessionell. Da wundert es mich nicht, wenn immer noch Autoren zögern, Freunden, Bekannten und überhaupt jemanden zu sagen, dass sie Fantasy schreiben.

Das finde ich eine mutige Aussage, welche mir aber auch schon im Kopf herumgeisterte. Auf Bilder reagieren wir einfach sehr emotional und unterschiedlich.
Ich nehme jedoch an, dass die Menschen früher auf die "Marvel-Comics" auch so reagierten und heute sind sie Kult. Als ich in Asien herumreiste, war ich Kitsch gegenüber viel offener als hier in Europa. Geschmack kann sich verändern.
Als Autorin habe ich mich auch schon gegen Covers gesträubt und bin nicht durchgekommen. Heute finde ich sie nicht mehr so schlimm, werde mich aber wieder dagegen einsetzen, wenn ein Cover zu billig wirkt.
Ich glaube, wir können diese Cover-Bewegung im Fantasybereich einfach im Kleinen bei uns ändern.

FeeamPC

#35
Um meine Oma zu zitieren: Früher war alles besser.

Früher (ganz früher), da wurden die Bücher ohne Einband geliefert, und der Kunde ließ sie sich dann passend zu seinem Geschmack und seiner Hausbibliothek einbinden.
Noch früher, da gab es Bücher, die waren in Metall  gehüllt und so sehr mit Edelsteinen übersäät, dass jedes Hochglanzcover heute dagegen fade wirkt.
Und viele Bücher, die heute distinguiert unifarben im Antiquariat herumstehen, hatten zu ihrer Zeit schreiend bunte Schutzumschläge.

Geschmäcker ändern sich, auch Bücher unterliegen der Mode, und ich denke, wir müssen unsere Leser da abholen, wo sie stehen, und nicht versuchen, sie zu Äthetik zu erziehen. Das klappt nämlich meistens nicht.
Was dagegen interessant ist, sind die Versuche einiger amerikanischer Verlage und Selbstverleger, ein- und dassselbe Buch mit verschiedenen Covern auf den Markt zu bringen, um zu sehen, was die Leser mögen. Auch bei Ebooks.
Bislang dachte ich immer, das wäre ein absolutes No-Go, weil damit ja die Gefahr größer wird, dass ein Kunde ein Buch zweimal kauft (nicht jeder erinnert sich an den Titel, aber viele an das Cover eines Buches, das sie schon gelesen haben). Doppeltkaufende Kunden sind meist nicht begeistert. Bei Ebooks ist die Gefahr kleiner, weil z.B. Amazon einen darauf aufmerksam macht, dass man ein Ebook schon gekauft hat, wenn man es versehentlich zweimal anwählt.


Fianna

Ich liebe gezeichnete Cover - oder zumindest welche, die wirklich gezeichnet aussehen.
Die englische Version von Jennifer Roberson Sworddancer-Romanen (die Doppelbände von DAW Books) finde ich klasse.
Besonders den 2. Doppelband (also Band 3 & 4), auf dem die Figuren in einer Eislandschaft gezeigt werden und auf eine sich schwärzende (weil verfluchte) Schwertklinge blicken...
... gut, die magentafarbene Schrift hätte auch ne andere Farbe haben können.
Man suchte vermutlicg eine warme Farbe, die nicht rot ist...
... Aber diese ganzen Details in der Zeichnung mit Pelzen, Haaren usw. sind so klasse - vom Stil her ist das mein persönliches Wunschcover.

Kann es noch nicht linken (nur mobil online).

Dämmerungshexe

Ich habe nicht gesagt, dass früher alles besser war. Einige der Gestaltungsmöglichkeiten die man heutzutage hat finde ich wirklich toll, gerade mit partiellen Lackierungen, Prägungen usw.

Aber ich habe das Gefühl wir holen im Moment den Leser dort ab, wo er hingedrängt wurde. Die meisten meiner Bekannten, die auch Fantasy lesen sind mit den Covern  eher unzufrieden. Aber es gibt eben kaum etwas anderes, es sei denn es handelt sich um Klassiker wie den Herr der Ringe.
Natürlich steht das Budget nicht jedem zur Verfügung, aber statt dann auf Biegen und Brechen etwas zu machen, das an die HD-Optik herankommt, die man heutzutage gewohnt ist und daran zu scheitern, wäre ich manchmal echt froh, wenn man statt dessen mit etwas mehr Kreativität und Feingefühl an die Sache herangehen würde.

Ich weiß, dass da sehr viel Geschmack mit rein spielt, aber wenn ich in der Buchhandlung vor der Fantasy-Abteilung stehe, dann graust es mich manchmal wirklich. Ich glaube ich habe schon lange kein Buch in dem Bereich mehr gesehen, dass mich wirklich allein vom Cover her vom ersten Augenblick an fasziniert hat. Und alles andere scheint mir inzwischen Einheitsbrei zu sein.
,,So basically the rule for writing a fantasy novel is: if it would look totally sweet airbrushed on the side of a van, it'll make a good fantasy novel." Questionable Content - J. Jacques

Sascha

@Dämmerungshexe: Naja, mal ehrlich : Es ist halt Deine Profession.
Wenn ich in Büchern oder Filmen was über Computerei lese/sehe, rollt's mir auch die Fußnägel auf. Letztens erst bei "Whoami" wieder. Das ist so meilenweit an der Realität vorbei, grausam. Und meine Frau (Krankenschwester Intensivstation) kriegt gerne mal die Kriese, wenn es um medizinische Aussagen geht.
Jeder ist halt in dem Bereich besonders empfindlich, wo er sich besonders gut auskennt. Vieles, was hier in den Cover-Threads bemängelt wird, fällt mir erst auf, wenn es jemand anspricht. Und manchmal kapiere ich noch nicht mal dann das Problem. Insofern verstehe ich Deine Bauchschmerzen einerseits, andererseits bist Du da eben (wie ich in der Computerei) "berufsgeschädigt" und wesentlich empfindlicher als der durchschnittliche Leser.

Franziska

Ich versteh das Problem nicht, und wieso sind die Selfpublisher daran schuld? Ich finde eher, dass die Cover von Selfpublishern sich in den letzten Jahren sehr verbessert haben, weil sich die Szene professionalisiert hat. Klar gitbs da immer noch Ausnahmen, aber dass da jemand ein Foto von zu Hause mit einer Neonschrift drauf oder so hat, und das dann in den Charts ist, kommt seltener vor. Ich finde die Cover von Cassandra Krammer oft viel schöner als Verlagsbücher. Ja die ganzen Romantasy-Cover finde ich grausam und die sehen auch alle gleich aus. Aber ich lese das ja auch nicht, und offenbar spricht es die Zielgruppe an. Wann waren die Cover denn besser? Wenn man sich die aus den 80ern anguckt, da muss ich oft eher lachen, als dass ich die ansprechend finde. Gerade bei den Jugendbüchern gibt es sehr schön gestaltete Bücher, finde ich. Was würdest du denn da wollen, ein gemaltes Bild? Ja, das gibts vielleicht wirklich seltener. Finde ich aber nicht unbedingt schlimm. Grafische Cover: Der Zirkel? Fällt mir da gerade als Beispiel ein.

Pandorah

Ich unterschreibe mal bei Franziska. Ich finde ganz und gar nicht, dass sich die Cover verschlechtern. Es gab schon immer Cover, da haben sich mir die Zehennägel aufgerollt und Cover, die ich toll fand. Das ist echt Geschmack.

Mittlerweile finde ich auch Cover nicht mehr schrecklich, die Figuren aus einem Programm haben. Das war am Anfang einfach ungewohnt, und Ungewohntem begegnet man meist erst mal mit Misstrauen, bis man sich dran gewöhnt hat. Das heißt aber nicht, dass es schlecht ist. Ich kenne auch ausreichend gemalte und gezeichnete Cover von großen Verlagen, die mich absolut nicht ansprechen. Ist halt so.

Fianna

Ich meinte dieses hier: Farbschattierungen, Lichtreflexe, winzige Haarsträhnen, Schattenwurf... Geil.
Fias Lieblingscover (leider etwas klein)

Guddy

Eine schlechte(=unprofessionelle) Fotografie ist so schlecht wie eine schlechte Zeichnung und ein schlechtes Renderbild. Nur: Eine schlechte Fotografie erkennt der Laie sofort, ebenso wie eine schlechte Zeichnung - weil man sie häufiger bereits gesehen hat. Man kann sofort benennen, was einen stört.
Beim Rendering ist das anders. Auf den ersten Blick sieht es ungewohnt aus - auf den zweiten Blick auch. Ist es gut oder schlecht gemacht? Man weiß es nicht, hat wenig Vergleichswerte. Wenn man ein Renderbild als solches erkennt, es nicht real wirkt, ist es bei vielen unten durch. Aber eine Zeichnung? Wenn man sie als Zeichnung erkennt, ist sie nicht unten durch.

Leider heißt das auch, dass nur wenige 3D-Künstler ihr Handwerk verstehen. "Ich habe ein Renderprogramm, es spuckt Bilder aus - also kann ich es." 
Nope. So einfach ist das nicht.

3D (also das Rendering) ist eine Gratwanderung, die die meisten Publisher und Autoren - meiner Ansicht nach - nicht beherrschen. Oftmals greife ich mir bei den Covern an den Kopf und denke mir: "Das meint ihr nicht ernst!" Ich persönlich greife nach keinem Buch, dessen Cover "billig" aussieht und das ist bei 3D oft der Fall. Nicht, weil ich 3D nicht kenne, sondern weil ich 3D kenne.

Es ist ein schmaler Grat aber ich finde es großartig, dass immer mehr Leute diesen Schritt wagen, vor allem dann, wenn es gekonnt ist. Dann ebnet es den Weg, man ist gewissermaßen ein Vorreiter.


Ich persönlich bevorzuge gezeichnete Cover. Es ist einfach mein Ding.

FeeamPC

Ich glaube, jetzt läuft die Diskussion etwas auf ein Nebengleis. Hier geht es um Cover allgemein und ihre Gestaltung, nicht speziell um Fantasy-Cover und nur zum Teil um die Diskussion der Medien, mit denen Bilder hergestellt werden. Zumindest ich fasse das Thema eher als generelles Cover-Gestaltungs-Thema auf.
Und da hat jeder seine besonderen Lieblinge. Ich zum Beispiel schwärme für Leder-Intarsien.

Dämmerungshexe

Zitat von: Sascha am 10. September 2015, 19:37:09
@Dämmerungshexe: Naja, mal ehrlich : Es ist halt Deine Profession.
Wenn ich in Büchern oder Filmen was über Computerei lese/sehe, rollt's mir auch die Fußnägel auf. Letztens erst bei "Whoami" wieder. Das ist so meilenweit an der Realität vorbei, grausam. Und meine Frau (Krankenschwester Intensivstation) kriegt gerne mal die Kriese, wenn es um medizinische Aussagen geht.
Jeder ist halt in dem Bereich besonders empfindlich, wo er sich besonders gut auskennt.

Ja, das verstehe ich. Aber hier geht es nicht um eine verfälschte Darstellung, sondern um die Ausführung des Jobs an sich.
Deine Frau würde auch nichts davon halten, wenn jemand auf der Intensivstation auftaucht und ihren Job machen will "weil er ja weiß wie es geht, habs mal im Fernsehen gesehen und war jahrelang Putzfrau im Krankenhaus ..." Das Beispiel klingt schräg, aber mit solchen Leuten schlägst du dich als Grafiker tatsächlich herum. Unser "Problem" ist, dass nichts "kaputt" geht, wenn wir mal nicht richtig aufpassen und man "braucht ja nur einen Computer und die richtigen Programme und schaut sich halt YouTube-Tutorials an"

Und zum Thema: "Man kann den Leser nicht zur Ästhetik erziehen." - Leser sind Konsumenten und als Konsument wird man heutzutage von allem und jedem in eine Richtung erzogen. Man kann ich (wie ich aus persönlicher Erfahrung weiß) den Geschmackssinn mit dem ganze Überzuckerung und den Geschmacksverstärkern vollkommen desensibilisieren und verderben. Und ähnliches gilt auch für visuelle Gestaltung und Design.
Da liegt meine allgemeine Kritik: wir wissen inzwischen als Gesellschaft um die Macht von Wort und Bild und ihrer Präsentation. Wir sind dem aber trotzdem ausgeliefert, solange sich niemand um die Ethik dahinter kümmert, sondern diese Funktion für sich ausnutzt. (Mit ein Grund, warum ich das Studium zum Master schießlich abgebrochen habe, weil es nur darum ging: wie bringen wir es dazu, zu funktionieren? Nicht: ist es richtig, dass es so funktioniert und was könnten wir besser machen?)

Zurück zur Cover-Gestaltung ...
Ich denke nicht, dass die Disskusion grad nebensächlich wird. Ich schließe mich Guddys Meinung an:
Zitat von: Guddy am 11. September 2015, 00:02:30
Leider heißt das auch, dass nur wenige 3D-Künstler ihr Handwerk verstehen. "Ich habe ein Renderprogramm, es spuckt Bilder aus - also kann ich es." 
Nope. So einfach ist das nicht.

3D (also das Rendering) ist eine Gratwanderung, die die meisten Publisher und Autoren - meiner Ansicht nach - nicht beherrschen. Oftmals greife ich mir bei den Covern an den Kopf und denke mir: "Das meint ihr nicht ernst!" Ich persönlich greife nach keinem Buch, dessen Cover "billig" aussieht und das ist bei 3D oft der Fall. Nicht, weil ich 3D nicht kenne, sondern weil ich 3D kenne.

Ich persönlich mag auch Kitsch und Trash - wenn sie gut gemacht sind. Aber nur weil man dank diversers CGI-Techniken inzwischen fast alles auch zuhause und von Hand machen kann, heißt das leider noch lange nicht, dass es gut gemacht ist. Es hapert nicht an der Begeisterung und der Leidenschaft derjenigen, die das machen, aber  - und für solche Aussagen wird man heutzutage ja fast gesteinigt - das ist eben nicht alles. Mein größtes Problem ist eben nicht, dass ein Motiv tatsächlich mal gerendert oder gephotoshopt ist, sondern dass es zu oft schlecht gemacht ist und dann auch noch Typografie usw. einfach nicht passen.

Wie gesagt geht es mir hier vor allem darum, dass diese Dinge (meiner Meinung nach) den Qualitätsanspruch repräsentieren, den wir als Leser und Autor stellen. Ein Steak mag von nem Gourmetkoch gemacht sein, beste Qualität und super zubereitet - verpackst du es in einem schmierigen Papier von der Würstelbude um die Ecke wird derjenige, der es isst, das entsprechend bewerten. "Das Auge isst mit".
Vielleicht bin ich da wirklich etwas extrem - aber ich kaufe mir tatsächlich Bücher nicht (oder in der Englischen Originalausgabe, was mein Leseerlebnis doch schmälert), weil ich die Cover einfach scheußlich finde. Früher habe ich mir da keine so großen Gedanken drum gemacht, aber trotzdem haben mich die Cover meiner Bücher schon immer beeinflusst, mir vor, beim und nach dem Lesen ein gewisses Feeling mit auf den Weg gegeben. Und wenn das Feeling des Covers "billig und unprofessionell" ist, dann schlägt sich das auch auf den Inhalt nieder.

Ja - als Grafikerin bin ich da wahrscheinlich vorbelastet. Aber ich bin nicht Grafikerin geworden, weil ich "was Kreatives und mit Computern" machen wollte, sondern weil ich Bücher liebe. Sie sind für mich eine Einheit - Inhalt, Satz, Cover. Und ich bin Autorin im fantastischen Genre, weil ich es als etwas herrliches betrachte, mit dem man einen unglaublichen Spielraum an Möglichkeiten hat. Es ist für mich genauso gute Literatur wie alles anderen Genres, aber ich merke, dass viele meiner Mitmenschen das anders empfinden - nicht weil sie schlechte Fantasy gelesen haben, sondern, weil sie die Cover kennen. früher mögend ie kitschig und trashig gemacht worden sein, aber eben nicht immer billig.

Und ich will hier auch nicht die Selfpublisher und Kleinverlage an den Pranger stellen, sie seien Schuld daran. Ich finde es wie gesagt gut, dass es inzwischen all diese Möglichkeiten gibt. Und ich weiß auch, dass es sich irgendwo rentieren muss, dass das Budget stimmen muss, usw. Deswegen habe ich auch mit meinem Verleger nicht lange ums Cover diskutiert, weil es sein finanzielles Risiko ist und er am besten wissen muss, wie er das handhabt. Aber eine gewisse Enttäuschuung ist doch schon da, wenn man sich wirklich Mühe gibt beim Schreiben und am Ende dann doch Kompromisse eingehen muss, weil die Branche eine gewisse "Erwartungshaltung" hat was das Coverdesign angeht.
Wie egsagt: ich denke, das wird einfach uns Autoren und unserer Arbeit nicht gerecht. Aber es ist an uns, uns da zu wehren und was zu ändern.
,,So basically the rule for writing a fantasy novel is: if it would look totally sweet airbrushed on the side of a van, it'll make a good fantasy novel." Questionable Content - J. Jacques