• Willkommen im Forum „Tintenzirkel - das Fantasyautor:innenforum“.
 

Das Gute und Schlechte an fremden Doppelgängern

Begonnen von heroine, 13. April 2014, 21:41:53

« vorheriges - nächstes »

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

heroine

Alternative Überschrift: mein Charakter geht mir fremd, wenn andere Künstler einen gleichen oder ähnlichen Protagonisten haben.

Ich habe meine Patin gefragt und selber rumgestöbert, es gab tatsächlich ein paar ähnliche Beiträge, aber nichts das es so ganz auf den Punkt bringt, den ich als Hauptpunkt sehe. Also wenn ich falsch liege und es in einem der folgenden Beiträge besser aufgehoben wäre bitte verschieben.

Es geht in die Richtung:
Das war meine Idee! Ich war zuerst da!
http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,4415.0.html
Verschiedene Figuren und trotzdem alles gleich?
http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,14228.0.html

Guddy hat mich irgendwann darauf hingewiesen, dass sie ein spezieller Charakter (eine Filmszene) extrem an meine momentane Protagonistin erinnert. Mit dem Ergebnis, dass ich sofort den Film schauen musste um Parallelen zu finden und vor allem auch um meinen Charakter von dem anderen abzuheben und die Unterschiede zu finden. Daraus hat sich der Gedanke entwickelt.

Es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Eigenschaften, die zur Personencharakterisierung verwendet werden, selbst das Aussehen, das ja doch einmalig sein sollte, ist in gewisser Weise begrenzt und selbst wenn hunderte Kombinationen eines Lebenslaufs denkbar sind, häufig kommt es zu Parallelen bei Figuren. Dazu wird das ganze von Klischees geprägt. Selbst als Autor schiebt man den Protagonisten irgendwie ein eine Rolle hinein, die er irgendwie ausfüllen soll (Held, Angsthase, Vater, Unschuldslamm, Opfer, Rebell was auch immer). Von daher interessieren mich ein paar Punkte über die ich selbst auch schon nachgedacht habe.

Habt Ihr schon einmal einen Charakter entdeckt, der einem eurer Protagonisten nicht nur ähnelt sondern wirklich starke Ähnlichkeiten hat?
Wenn Ihr einen Protagonisten habt, den Ihr in der Art noch nie erlebt hat, was genau macht ihn so einzigartig?
Welche Auswirkungen hat der fremde Doppelgänger auf den eigenen Charakter?
Wie reagiert Ihr als Schöpfer auf eine Kopie?

Meine Gedanken zu den einzelnen Punkten:
Die meisten meiner Charaktere haben irgendwo Ähnlichkeiten, wirkliche Doppelgänger sind sehr sehr selten. Allerdings vor allem bei Helden, Hauptfiguren und zum Teil auch bei Klischeefiguren - so verpönt sie sind, manchmal mag ich es sie als Kontrast einzufügen - sind Überschneidungen häufig und manchmal braucht man wirklich eine Weile um den Unterschied klar ausmachen zu können.

Bei Charakteren bei denen ich bewusst geistige Experimente starte passieren mir so Doppelgänger sehr selten. Z.B. hatte ich mal einen sehr ängstlichen Magier, der Theoretiker geworden ist, weil er Magie für zu unberechenbar hielt und der aufgrund sehr neurotischer Eigenheiten immer wieder diverse Ängste entwickelt hat, die sich aber sobald er sich damit beschäftigt hat in Abneigungen verwandelt haben. (Knapp: was er nicht kannte ängstigte ihn, was er kannte mochte er nicht) Ich weiß klingt schrecklich, aber die gute Seite an ihm war: bei Menschen galt genau diese Einstellung nicht. Unglaublich offen gegenüber Menschen, freundlich, neugierig, sozial, überhaupt nicht wertend. Eine uneingeschränkte Liebe für die Gesellschaft. Manchmal gar nicht so leicht das unter einen Hut zu bringen (vor allem ihn nicht über alles jammern zu lassen). Zurück zum Thema, Doppelgänger habe ich eigentlich fast nie gefunden wenn ich versucht habe in einer Figur Dinge zu vereinen, die eigentlich nicht leicht zu vereinen sind. Also bei bewussten Experimenten. Wobei ich durchaus neugierig wäre ob jemand einen Doppelgänger zu dem guten Kerl kennt und wie der andere Künstler das umgesetzt hat.

Welche Auswirkungen ein Doppelgänger auf meine Charaktere hat, hängt eigentlich davon ab ob ich das andere Gesamtwerk mag. Manchmal kommt tatsächlich so was wie Inspiration zustande, dass mir bewusst wird, dass mein Charakter ja noch viel mehr Seiten hat, die er auch ausleben kann. Wenn ich das Werk nicht mag, dann konzentriere ich mich mehr auf Abgrenzungen, dann verändert sich tatsächlich gelegentlich etwas bei der Entwicklung des Charakters.

Naja und als Schöpfer, manchmal bin ich neugierig. Einmal war ich extrem beleidigt, weil ich irgendwie das Gefühl hatte dass der Charakter mehr verdient hatte als die Umsetzung die er bekommen hat. Es ist komisch, dass ich darauf überhaupt emotional reagiert habe. Andererseits... nun ja, das waren meine Eindrücke und Gedanken dazu und ich freue mich natürlich über alle Gedanken dazu.

Guddy

Ich habe noch nie einen Charakter (sei es Film, Buch, Computerspiel oder beliebigem, anderen Medium) gesehen, der nicht irgendwem ähnelt. Je gröber man ihn zusammenfasst, desto mehr Charaktere vereinen sich unter einem gewählten Oberbegriff. Umgekehrt, je feiner man ihn charakterisiert, desto weniger andere Charas fallen einem dazu ein. Das ist vollkommen natürlich, das bedingt einfach die schiere Anzahl an Publikationen und Welten. Selbst die künstlich auf "einzigartig" getrimmten Charaktere ähneln irgendeinem anderen, schon dagewesenen.

Mich persönlich stört es nicht, ich freue mich im Gegenteil, wenn ich jemanden sehe, der meinem Protagonist ähnelt. Es gibt Grundzüge, in denen mein Hauptprotagonist einem Klischee entspricht, wieder andere Feinheiten ähneln komplett konträren Typen. Das kann die Art sein, wie er das Haar aus dem Gesicht streicht. Gaston aus Die Schöne und das Biest, Flynn aus Rapunzel, der Haupttyp da aus Stirb langsam.... das sind nur drei, ziemlich verschiedene Leute, die meinem Char in irgendeiner Form ähneln.
Ein Protagonist, der dem meinen wirklich krass ähnelt, ist mir, soweit ich das jetzt gerade spontan überdacht habe, noch nicht begegnet. Ich lasse mich da aber gerne eines Besseren belehren.
Sollte ich mal einen entdecken, bei dem es der Fall ist, so wäre es mir nur dann ein Dorn im Auge, wenn wirklich alles 1:1 gleich wäre inklusive Aussehen. Und natürlich, sollte es eine wirkliche, "arglistige" Kopie sein. Im Chat war es so, dass einer meinen anderen Char wirklich kopiert hatte. Seitdem reagiere ich auf solche bewussten Kopien recht paranoid und bei einer Person später hat mich die Ähnlichkeit seines Chars mit meinem wirklich genervt.

Wichtig ist mir nur, dass die Gesamtperson einzigartig bleibt, dass all die Facetten, die für sich genommen beliebig sind, ihn zu einem interessanten Individuum machen.

Doppelgänger haben auf meine Chars eigentlich keine Auswirkungen. Es sei denn, diese Chars sind Nebencharaktere, die ich noch nicht ausformuliert hatte. Dann lasse ich mich vielleicht inspirieren.

Siara

#2
Interessant :hmmm:

Für mich gibt es hier zwei Arten von Charakteren, bei denen ich das sehr unterschiedlich erlebe:

Zum einen sind da die Charaktere, die man aktiv erschafft, denen man aktiv Eigenschaften zuweist und bei denen man überlegt, wie sie in dieser oder jener Situation wohl handeln. Man weiß also quasi alle Fakten über sie, kennt sie theoretisch. Wenn mir dann irgendwo eine Figur begegnet, die viele Details oder auch Grobes mit diesem Charakter teilt, dann ist das schwierig. Gerade dann, wenn ich den Doppelgänger mag und länger mit ihm zu tun habe, in einem Roman zum Beispiel. Dann ist es mir tatsächlich schon passiert, dass mein Char sich unbeabsichtigt dem Doppelgänger genähert hat. Ich habe die Grundlage geschaffen, und ausgeformt wurde sie dann irgendwie von außen. Nicht gut.

Es gibt aber eben auch andere Charaktere, die man aktiv nur grob skizziert und die von ganz allein zu dem werden, was sie sind. Das sind jene, die mir beim Schreiben "real" erscheinen, die gerne mal ein Eigenleben entwickeln und die mich selbst überraschen. Bei denen kenne ich ebenfalls die Fakten, aber ich kenne auch die Umsetzung ihrer Persönlichkeit, kenne sie wie einen Menschen. Der Unterschied ist dergleiche wie zwischen einem Menschen, über den man schon sehr viel gehört hat und einem Menschen, den man persönlich sehr gut kennt. Die Fakten zu wissen reicht nicht, erst wenn man ihn kennen lernt, sieht man, was diesen Menschen besonders macht. In diesem Fall ist es mir noch nie passiert, dass ich einen echten Doppelgänger gefunden habe. Klar gibt es auch da das Phänomen: "Hey, so ähnlich erging es meinem Char in der Vergangenheit auch, und außerdem hat er dieselbe Haarfarbe." Aber das war's dann auch. Ich kenne ihn mit dem, was er ist, mit seinen Feinheiten und dem, was ihn einzigartig macht. Schon existiert sowas wie ein Doppelgänger nicht mehr. Auch bei Freunden/Verwandten ist vielleicht schon aufgefallen, dass einer von ihnen auf den ersten Blick einem anderen ähnelt. Aber man kennt diese Menschen, und das führt dazu, dass einem auf eine Gemeinsamkeit folgend zehn Unterschiede einfallen, die gerade diesen einen besonders machen. Und das können, wie Guddy es bei den Gemeinsamkeiten anmerkte, auch bei den Unterschieden Kleinigkeiten sein. Zum Beispiel die Art, wie derjenige sich die Haare zurückstreift. Diese Charaktere sind einfach zu tief und ich kenne sie zu gut, als dass sie mir irgendwo nochmal genauso über den Weg laufen könnten. Allerdings weiß ich nicht, ob Leser das nicht eventuell anders sehen würden, denn die kennen diese Figur schließlich nicht so, wie ich sie kenne.

Wenn es mir, wie oben beschrieben, passiert, dass der Char langsam mit seinem Doppelgänger verschmilzt, habe ich es bisher so gehandhabt, dass ich aktiv Unterschiede eingefügt habe. Nicht, weil es mich gestört hat, dass es einen weiteren wie xy gibt, sondern damit ich mich selbst davon abhalte, xy an seinen Doppelgänger anzugleichen.
I'm going to stand outside. So if anyone asks, I'm outstanding.

Sascha

Hmmm... Doppelgänger?
Hat nicht jeder Charakter auch ein Stück weit Vorbilder?
Mein Kurt z.B. ist in meiner Vorstellung eine Mischung aus Hannibal Smith (A-Team) und Dolph Lundgren.
Die Statur hat er eher von Lundgren, groß, breit, stark, aber seine Art ist ein bißchen die von Hannibal Smith. Vor allem seine Gerechtigkeitsliebe und auch der Humor.
Und jetzt kommt der Gag: Meine erste Testleserin hat in der Figur vor allem Schimanski gesehen. :o Und den Typ mag ich nun so gar nicht!!
Insofern wäre mal interessant, wenn man solche Doppelgänger entdeckt, ob andere das genau so sehen. Ich glaube, im eigenen Kopf leben die Figuren anders als in dem der Leser. Ich weiß nicht, ob das dann ein Zeichen dafür ist, daß man sie dem Leser nicht gut genug beschreibt, oder dafür, daß man ihm Raum läßt, sie mit seiner eigenen Phantasie auszufüllen.

Churke

Zitat von: heroine am 13. April 2014, 21:41:53
Es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Eigenschaften, die zur Personencharakterisierung verwendet werden, selbst das Aussehen, das ja doch einmalig sein sollte, ist in gewisser Weise begrenzt und selbst wenn hunderte Kombinationen eines Lebenslaufs denkbar sind, häufig kommt es zu Parallelen bei Figuren.

Parallelen - ja. Aber Doppelgänger?
Gewisse soziale Szenen neigen zu gewissen Archetypen. Archetypen sind wie Politiker: Sie sind alle gleich und agieren nach dem selben Drehbuch. Das müssen sie auch, sonst wären sie nicht in der Position, in der sie sind. Trotzdem ist keiner wie der andere. Die Kunst besteht darin, diese Unterschiede zu erkennen und damit zu spielen.

Zitat
Wenn Ihr einen Protagonisten habt, den Ihr in der Art noch nie erlebt hat, was genau macht ihn so einzigartig?
Das ist wie mit Fingerabdrücken: Die sehen auch alle gleich aus - bis man genau hinschaut.  ;D

Issun

Glücklicherweise hatte ich noch nicht das Problem, auf einen Doppelgänger einer meiner Figuren zu stoßen. Die meisten davon sind, wie Siara es oben beschreibt, über ziemlich lange Zeit "gewachsen". In ihren Biografien und Beschreibungen befinden sich also Elemente aus ganz unterschiedlichen Zeiten, zu denen mich unterschiedliche Themen besonders interessiert und inspiriert haben. Die wichtigen Charaktere sind ziemlich ausführlich ausgearbeitet, sodass ich nicht glaube, allzu bald einen Charakter zu finden, der so ähnlich ist, dass es problematisch wird. Andererseits bin ich da auch leicht zu verunsichern. Wenn ich größere Ähnlichkeiten mit anderen Figuren entdeckte, finde ich meine Idee nicht mehr originell und glaube manchmal, Änderungen an meinem Entwurf vornehmen zu müssen. Das kann natürlich ausarten und wirklich unangenehm werden, wenn ich die Ideen eigentlich beibehalten möchte. Ich versuche, mir klarzumachen, dass es immer wieder Ähnlichkeiten geben wird, und dass die Charaktere ja noch viele andere Facetten haben, die sie zu Individuen machen. Ich gebe aber zu, dass ich noch ein gewisses Problem damit habe und solche Parallelen dann immer wieder kritisch überdenke und mir den Kopf zerbreche, ob ich sie nicht doch streichen oder abändern sollte. Ich glaube, wenn ich eine Figur fände, die meiner in allem ähnelt, würde ich mein Projekt völlig gefrustet aufgeben oder hysterisch versuchen, meine Figur zu ändern, sodass sie am Ende wahrscheinlich völlig kaputt wäre. Ich weiß, das ist doof, aber ich habe mich da im Verdacht.  ;)
Klar muss sein, dass alle Menschen mehr oder minder aus einem Ideenpool schöpfen, dass viele dieselben Bücher lesen, sich für Ähnliches interessieren usw. Also würde ich vom Kopf her sagen: Auch größere Parallelen sind nicht tragisch, solange man sicher sein kann, dass die eigenen Ideen wirklich eigene sind, und dass es genug Unterschiede gibt, damit es noch lohnend ist und einem ein gutes Gefühl gibt, sich mit der Figur zu beschäftigen. Ich bin aber erleichtert zu sehen, dass andere Schreiber sich Ähnlichkeiten gar nicht so zu Herzen nehmen, ich glaube, das ist die Haltung, die es eher ermöglicht, unverkrampft zu schreiben.

Coppelia

#6
Mir wurde auch schon häufig gesagt, dass meine Figuren Parallelen zu anderen Figuren haben. Wenn ich dann genauer hingesehen oder genauer nachgefragt habe, habe ich meistens die Antwort bekommen, dass es einer Kleinigkeiten und einzelne Elemente waren, die an andere Figuren erinnert haben (wie z. B. dass eine Figur lange schläft, wenn sie kann. Was übrigens sehr viele Menschen machen. ;)).
Daher nehme ich den Einwand inzwischen nicht mehr wirklich ernst. Häufig kann sich auch eine Art von Kompliment dahinter verbergen, wenn z. B. ein Fan von Dr. House sagt, meine Figur erinnere ihn an besagten Dr. House.

In unserer Zeit, wo alle Figuren "gut" aussehen müssen :P, passiert es zweifellos sehr schnell, dass alle Männer und alle Frauen ähnlich aussehen, damit sie irgendwelchen aktuellen Schönheitsidealen entsprechen. Nichts für mich, aber wenn der Roman verkauft werden soll, habe ich den Eindruck, dass das manchmal unumgänglich ist.

Wenn man seine Figur ordentlich charakterisiert, wird immer etwas Individuelles dabei herauskommen. Ich habe auch eh das Glück oder vielmehr Pech, irgendwo weit neben dem Mainstream herumzuirren, sodass es mit dem, was ich mache, generell nur sehr wenige Überschneidungen gibt. Wenn aber etwas wirklich ähnlich wäre, wenn ein zweites Kessel oder so existieren würde, dann fände ich das sehr ärgerlich. Zum Glück ist die Gefahr gering.

Einige meiner Figuren haben historische Vorbilder, und es ist daher unvermeidlich, dass sie denen in Hinblick auf Charakter, Biografie (zum Teil) und Verhalten ähneln. Bei einigen ist das ausgeprägter als bei anderen. Es stört mich in dem Fall auch nicht, wenn das historische Vorbild erkannt wird. Das muss man als Leser übrigens auch erstmal hinbekommen, ganz leicht ist es nicht. Ich halte es auch nicht für ehrenrührig, mich von der Realität inspirieren zu lassen. ;)

Was Figuren für mich einzigartig macht, sind natürlich ihre Charaktereigenschaften, aber auch sehr stark ihr Hintergrund in der jeweiligen Welt, in der sie leben. Sie haben ein bestimmtes Umfeld, sie sind Zeitzeugen, haben dies und jenes erlebt. Das hat sie und ihr Weltbild geprägt und ihr Schicksal bestimmt. Deswegen fällt es mir so schwer, eine Figur in eine andere Welt oder eine andere Zeit zu verpflanzen.

Was ich aber überhaupt nicht ausstehen kann, ist, wenn andere Leute tatsächlich über dieselbe (z. B. historische) Figur schreiben wie ich. Um deren Werke mache ich entweder einen ganz großen Bogen, oder ich finde sie nach extremen Anlaufschwierigkeiten super. Wahrscheinlicher ist aber, dass ich mich gar nicht erst durchringen kann, sie anzurühren. So war es auch schon immer, und woran es liegt, weiß ich nicht.

HauntingWitch

Ich sehe das ein bisschen wie Churke und ein bisschen wie Siara.

Erstens das:
Zitat von: ChurkeGewisse soziale Szenen neigen zu gewissen Archetypen. Archetypen sind wie Politiker: Sie sind alle gleich und agieren nach dem selben Drehbuch. Das müssen sie auch, sonst wären sie nicht in der Position, in der sie sind. Trotzdem ist keiner wie der andere. Die Kunst besteht darin, diese Unterschiede zu erkennen und damit zu spielen.

Ausserdem sind es nicht nur bestimmte soziale Kreise, sondern es gibt auch bestimmte Typen von Menschen (innerhalb derer wiederum jeder auch individuelle Eigenschaften hat). Und je nach unseren Erfahrungen, unserer Weltanschauung, unserem Wertesystem und unseren Vorlieben neigen wir dazu a) mit gewissen Typen mehr zu tun zu haben als mit anderen und b) haben wir eine entsprechend selektive Wahrnehmung. Das führt dazu, dass wir solche Ähnlichkeiten sehen, wo andere vielleicht keine sehen (Sascha hat ein gutes Beispiel gebracht).

Dieses Phänomen ist meiner Meinung nach also einerseits völlig natürlich, andererseits aber gleichzeitig sehr subjektiv, um nicht zu sagen, absurd. Wir haben immer Bange, zu viel zu kopieren oder zu viel kopiert zu werden und wir werden immer Elemente bei Charakteren und Geschichten finden, bei denen uns das Gefühl eine Kopie zu sehen (eines unserer eigenen Charaktere) oder produziert zu haben (eines fremden Charakters) beschleicht. Aber dieses Gefühl entsteht durch unsere Wahrnehmung und worauf wir den Fokus legen. Ich denke, Buch- und Filmcharaktere sind im Grunde genauso individuell wie reale Menschen – aber wir sehen das je nachdem nicht.

Mir ist eigentlich noch nie ein fremder Charakter begegnet, bei dem ich das Gefühl hatte, er gleicht einem der meinen zu sehr. Es gibt solche, die als Teilvorlage gedient haben (z.B. Christine aus Phantom der Oper für eine meiner Protas), bei denen weiss ich das aber und all die Dinge, die hinzukommen, die ich von woanders habe, heben sie doch wieder von der Vorlage ab. Mir passiert es eher, dass ich in Realität jemandem begegne, der genauso aussieht wie einer meiner Protagonisten. Aber es passiert mir recht oft, daher ist vermutlich auch das wieder vor allem meine Wahrnehmung. ;)

Ich versuche auch nicht gezielt, meine Charaktere einzigartig zu gestalten, denn das würde gekünstelt wirken und wäre somit nicht mehr ,,echt". Natürlich hoffe ich, dass sie auch für andere einzigartig wirken (für mich sind sie es ja sowieso), aber ich mache mir keine bewussten Gedanken, um das zu erzeugen. Meine Charaktere sind, wie sie sind, wie sie vor meinem inneren Auge erscheinen und sich in meinem Gehirn formen. Und wenn einer halt mal eine Klischee-Figur sein sollte, dann würde ich das nicht krampfhaft ändern wollen, denn das würde ihn für mich nur unnatürlich machen. Dann habe ich doch lieber eine natürlich wirkende Klischeefigur. ;D

Cailyn

Für mich ist es wichtig, in welchem Genre die Charaktere erschaffen werden. Es gibt gewisse Figuren, die für mich z.B. gerne wiederholt in Fantasy passen. Als bestes Beispiel der alte weise Mannn oder die mürrische Hexe. Das ist dann zwar stereotyp, aber als Nebenfiguren dienen sie ja dieser Funktion und können ohne viel Aufwand in eine Geschichte gezogen werden.

Ebenso finde ich klischierte Figuren in lustigen Geschichten fast ein Muss. Da kann man sich dann aber überlegen, wo man mit dem Klischee bewusst brechen möchte, um die Figur doch noch einmalig zu machen.

Die unschöne Sache ist natürlich das Kopieren von Autor zu Autor. Geht gar nicht. Aber das wissen wir alle. Ich denke aber, dass das meist nicht böswillig geschieht, sondern unbewusst.