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Kleinverlage und Kooperationen

Begonnen von Maria, 06. Februar 2013, 05:13:00

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Maria

Die Frage mag ein wenig naiv klingen und ich als Autorin habe vom Verlagswesen ja nur die Sicht von außen, aber angesichts der vielen engagierten Kleinverlage im Bereich Fantasy, die kommen, dann in Schwierigkeiten geraten und wieder verschwinden (leider), siehe Arcanum oder die Schwierigkeiten bei scratch haben in mir die Frage aufkeimen lassen, warum solche kleinen Verlage untereinander nicht vermehrt kooperieren, um gemeinsam zu wachsen.

Ich sehe, dass unterschiedliche Kleinverlage ihre Stärken in unterschiedlichen Bereichen haben, der eine Verleger kennt gute Lektoren oder ist selbst ein guter Lektor, der andere glänzt bei den Covern, der dritte kennt gute und günstige Druckereien, der nächste wohnt um die Ecke einer Buchmesse und könnte dort einen Stand aufmachen, wieder der nächste ist bei diversen Fantasycons und anderen Veranstaltungen vor Ort, und so weiter...  Jeder einzelne ist sein eigener Vertreter in den Buchhandlungen der Region und könnte das auch für die anderen machen, ein weiterer ist ein cooler Webdesigner und der nächste hat Kapazitäten, bei den social Media das Ding zu rocken  ... usw...

Was man an finanziellen Möglichkeiten als Kleinverleger und Kleinverlegerin nicht hat, das könnten Kooperationen zum Teil auffangen und gemeinsame Ressourcen würden diesen engagierten Menschen helfen, zu überleben, gemeinsam zu wachsen und wären sicher auch gut für uns Autoren.

Was hindert? Die Angst, sich gegenseitig die Autoren wegzuschnappen? Die Befürchtung, dass der andere einen ausnützt ohne selbst seinen Teil beizutragen?

Koriko

Ich denke die Gründe sind manigfaltig. So leicht wird man das nicht beantworten können. Vielleicht fürchten die Verleger ihre Selbstständigkeit, das Unterordnen und die Einschränkungen. So sind beispielsweise gGeschmäcker verschieden. Wenn sich 3 Verlage zusammen tun, dann muss das Verlagsprogramm auch angepasst werden, um allen dreien gerecht zu werden. Damit fallen vielleicht einige Projekte hinten runter, die Verleger A gerne gemacht hätte aber B und C sind dagegen. Viele Geschmäcker bedeutet, dass sich jeder ein wenig einschränken muss, damit eine Zusammenarbeit funktioniert. Da sind viel mehr Absprachen notwendig, viel mehr logistische Tätigkeiten. Das ist nicht immer einfach, da gerade Kleinverlage zumeist eher "nebenher", sprich als Hobby, geführt werden.
Zudem wird das Konkurrenzdenken immer im Hinterkopf bleiben. Ich denke die Sache mit dem Autoren wegschnappen, ist da eher nebensächlich. Zumeist sind die Kleinverlagsautoren ja eher unbekannte Größen, sprich der name sorgt nicht automatisch für volle Kassen.

Ich glaube Torsten hatte mal eine Liste erstellt, in der ein Großteil aller Kleinverlage zu finden sind, das geht zumindest ein wenig in die Richtung zusammen zu arbeiten. Zudem gibt es durchaus auch Kooperationen - so arbeiten z.B. Bookshouse und Sieben Verlag eng zusammen.

"Das schönste aller Geheimnisse: ein Genie zu sein und es als einziger zu wissen." - Mark Twain

www.assjah.de
www.juliane-seidel.de
www.like-a-dream.de

Zanoni

Konkurrenzdenken scheint wirklich einer der wesentlichen Gründe zu sein. Einerseits hinsichtlich der Leser und andererseits hinsichtlich der Autoren.

Obwohl in der Praxis eigentlich Quatsch ist. Denn jeder Verlag entwickelt sein ganz eigenes Programm, seine ganz eigene Ausrichtung - wenn nicht gleich von Anfang an, so doch mit der Zeit. Und durch diese eigene, ganz spezielle Ausrichtung werden sich andere Autoren einfinden, die mit dem jeweiligen Verlag gerne zusammenarbeiten und infolge dessen auch andere Lesergruppen. Natürlich wird es auch zu gelegentlichen Überschneidungen kommen, klar. Doch bei der Leserschaft sehe ich da kein allzu großes Problem. Denn wenn einen ein bestimmtes Buch interessiert, dann wird man es lesen wollen - egal, ob es noch irgendein anderes Buch aus einem anderen Verlag gibt, das einen ebenfalls interessiert. Wirklich heikel wäre halt nur, wenn sich mehrere Verlage gleichzeitig für einen bestimmten Autor interessieren - bspw. weil dessen Romane besonders gut verkäuflich sind. Doch selbst würde sich bei einer Kooperation zwischen den Verlagen nichts an der gegenwärtigen Situation ändern, weil es ja heute schon so ist, dass besonders erfolgreiche Autoren die Auswahl zwischen mehreren Verlagen haben.

Doch gerade die ganz eigenen Ausrichtungen der Verlage sind sicherlich auch ein Grund dafür, warum inhaltliche Kooperationen so schwierig sind. Was der eine Verlag genial findet, kann der andere geradezu gruselig finden - und umgekehrt. Der eine Verlag legt besonders viel Wert auf diesen Aspekt, während dieser dem anderen völlig egal ist, weil er auch andere Aspekte achtet. Selbst wenn ein Vertrauensverhältnis da is, und beide Seiten an einer möglichen Zusammenarbeit sehr interessiert sind, kann es daher bei der konkreten Auswahl von bestimmten Stoffen trotzdem scheitern.

Daher glaube ich, dass zwei Punkte besonders wichtig sind, dass es überhaupt zu Kooperationen kommen kann. 1. Vertrauen, dass die Beteiligten sich fair gegenüber verhalten. 2. Sehr klare, leicht nachvollziehbare Regeln für eine Zusammenarbeit. Und vielleicht noch als 3. Punkt, die Beschränkung der Zusammenarbeit auf die Umsetzung, die Werbung und/oder den Vertrieb der Titel, aber nicht auf die Auswahl oder inhaltliche Aspekte. Denn so kommen sich die Verlage nicht allzu sehr in Quere, wenn es um die Entwicklung ihres eigenen Programms geht. Und wenn dann doch Konkurrenzsituationen auftreten sollten - bspw. wenn ein Autor zwischen verschiedenen Verlagen auswählen kann - dann muss das "sportlich" gesehen werden, bei dem mal der einen und mal der andere, gewinnt. Sobald so etwas aber persönlich genommen wird, sind drohende Konflikte vorprogrammiert.

Meines Erachtens sind Kooperationen auf sehr vielen Gebieten möglich, aber nicht auf allen. Vertrauen aufzubauen, und so eine Art "Ehrenkodex", an den sich alle Beteiligten halten, könnte dabei der schwierigste Part sein. Aber wenn man klein anfängt, und nach und nach - so wie das Vertrauen wächst - etwas mehr zusammen macht, dann kann es funktionieren. Und ich glaube, je klarer und eindeutiger das Programm (und die dahinterstehende, sogenannte "Philosophie") der Verlage ist, desto einfacher wird eine Kooperation. Weil man dann weiß, wer was (wie) macht und erkennt, dass die jeweiligen Schnittmengen meist sehr viel kleiner als vermutet sind.