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Alltag aus - Geschichte an ???

Begonnen von Lapislazuli, 28. September 2007, 21:22:33

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Lapislazuli

Ich bin im Moment bestrebt mir sowas wie eine Schreibroutine zuzulegen: also möglichst regelmäßig schreiben mir keine feigen Ausreden vorschieben, warum morgen ein viel besserer Tag zum schreiben wäre. Wörterzählen hilft. Aber jetzt gibt es da noch eine Sache, über die ich schon seit längerem nachdenke - und zwar:
Wenn man sich zum Schreiben hinsetzt, wie schaltet man den Alltag einfach aus und konenzriert sich einfach nur auf die Geschichte, die man schreiben möchte. Geht das überhaupt? Kann man das irgendwie steuern?

Es gibt bei mir Zeiten, da habe ich kein Problem damit, mich einfach zu konzentrieren. Aber dann gibt es Tage da sitze ich vor dem geöffneten Dokument und ich denk an alles mögliche - also vor allem die ganzen kleinen Dinge, über die ich mich schon den ganzen Tag lang aufgeregt und geärgert habe und die ich gern wirklich einmal abhaken würde und mich auf meine Geschichte konzentrieren, die mir wirklich wichtiger ist als solche Alltags-Blödsinnigkeiten. Ich schreibe immer Abends (in der Früh geht meistens gar nichts) und ich freu mich eigentlich immer den ganzen Tag drauf, und dann setzt man sich hin und es geht nichts (also ich red jetzt nicht von der klassischen Schreibblockade, das ist ja dann wieder was anderes)

Ich möchte mich einfach gern ein wenig mehr über die Dinge stellen und die Schreiberei nicht von Launen oder meiner zufälligen Tagesverfassung abhängig machen.
Jetzt würde mich interessieren, wie ihr mit diesem Problem umgeht, oder für wie viele von euch das für euch überhaupt ein Thema ist. Bestimmt macht das jeder anders. 






Grey

Hm, also wenn ich nicht weiterkomme, weil ich zu viel anderes im Kopf habe, dann mache ich ganz bewusst was anderes, was mich ablenkt, und wo mein Kopf nicht so doll beansprucht wird - auf youtube Animevideos gucken zum Beispiel ... oder Musik hören oder ein Bild von meinen Lieblingscharakteren zeichnen. Zur Zeit hab ich aber eigentlich eher ein Problem damit, dass ich gar nicht immer dann schreiben kann, wenn ich gern würde ... weil es eben auch andere Dinge gibt, die gemacht werden MÜSSEN ...

Rumpelstilzchen

Zuerst muss ich mir die richtige Stimmung zum Schreiben schaffen, Jalousien runter, Musik und Laptop an, die letzten geschriebenen Seiten durchgelesen und dann bin ich in meiner Geschichte, falls ich das nicht vorher schon war.

Funktioniert allerdings nicht, wenn ich dutzende von anderen Dingen im Kopf habe, dann finde ich mich nämlich kurze Zeit später surfend im Internet oder mit Solitär auf dem Bildschirm wieder. Und dann tue ich lieber etwas Produktives, wie aufräumen, haushaltstechnische Dinge, etc. Irgendwann verirren sich meine Gedanken dann von ganz alleine wieder in meine Geschichte.

Manja_Bindig

Hm... das schreiben ist bei mir sehr in den Alltag integriert. WEnn ich nicht grad Schlüsselszenen habe, die ich mir immer als besonderes Schmankerl aufhebe oder Bettszenen(die ich grundätzlich nur unter Alkoholeinfluss kann) - schreib ich überall. Im Café, beim Warten auf die Straßenbahn, bei einem meiner Weiberabende kritzel ich auch nebenbei gern... in der Uni... *schäm*

Hm... ich bin ein Überallschreiber... das schreiben ist zu sehr Bestandteil meines täglichens Lebens, als dass ich mich groß in Stimmung bringen müsste. :) Es reicht, den Füller in die Hand zu nehmen.

Aneirin

Hallo Lapislazuli,

ZitatWenn man sich zum Schreiben hinsetzt, wie schaltet man den Alltag einfach aus und konenzriert sich einfach nur auf die Geschichte, die man schreiben möchte. Geht das überhaupt? Kann man das irgendwie steuern?
Ich denke, Routine ist gerade dazu da, um diese Sache in den Griff zu kriegen. es ist dann eben Schreibzeit und nicht Zeit,  sich über die kleinen und großen Dinge des Alltags zu ärgern. In deinen Job konzentrierst du dich doch auch auf deine Arbeit, auch wenn dich privat gerade was nervt.  Beim Schreiben ist es nicht anders.

Ich schreibe regelmäßig, wenn ich mit der Straßenbahn zur Arbeit fahre und da setze ich mich hin, hole den Block und den Stift raus und los geht. Voraussetzung ist natürlich, dass ich weiß, was ich schreiben will und nicht auf eine Inspiration warten muss, was meine Helden denn nun mal tun könnten. Ich plane deshalb die nächsten Schritte in der Geschichte immer sehr sorgfältig voraus.

Grüße
Aneirin

nurel

Kann man das überhaupt, Alltag und seine Geschichten voneinander trennen. Beginnt man nciht auch im Alltag manchmal abzuschweifen und in seiner Story zu versinken?  ::)

Cailin

@ nurel:
Das vielleicht schon, aber da es hier explizit ums Schreiben geht, hat das eine meiner Meinung nach nur bedingt mit dem anderen zu tun.

Für mich funktioniert das 'Reinkommen' auch über gewisse Rituale. Nervennahrung und was zu Trinken bereitstellen, PC anmachen, die letzten Zeilen / Seiten nochmal lesen um wieder den Anschluss zu finden... Und wenn alles nix hilft dann eine Runde Headbangen (schreibt man das so?) auf voller Lautstärke. Und wenn auch das nichts bringt, gehe ich erst einmal eine Runde mit dem Hund gassi und erkläre ihm mein Problem. (Wer uns dabei begegnet muss mich für absolut durchgeknallt halten ... :gähn: )

Dorte

Ich habe überhaupt keine Probleme, reinzukommen - wenn mir nach Schreiben ist. Es gibt halt Tage, da habe ich keinen Bock und da schreibe ich auch nicht. Dann gibt es Tage, an denen ich lieber spinne und plotte, das mache ich gerne beim Abwaschen oder Aufräumen. Und an anderen Tagen schreibe ich dann. Ich setze mich an meinen Rechner oder packe den Alphasmart raus und tippe. Irgendwann habe ich dann keine Lust mehr und höre dann auf. Rituale gibt's nicht. Höchstens, dass ich gerne nette Musik dabei höre - manchmal aber auch lieber Stille.

Grey

Zitat von: Cailin am 30. September 2007, 12:04:21
Und wenn alles nix hilft dann eine Runde Headbangen (schreibt man das so?) auf voller Lautstärke.

Du headbangst um dich in Stimmung zu bringen?? :rofl: Wie genial ist das denn, das will ich auch mal ausprobieren! :vibes: Darf man mal fragen welche Musik du dazu hörst?

Cailin

Zitat von: Grey am 30. September 2007, 12:44:00
Darf man mal fragen welche Musik du dazu hörst?

Darf man  ;)  Poison von Alice Cooper oder The Wall ... (naja, vielleicht ist 'Headbangen' dann der falsche Ausdruck ... Hach ... Immer diese Jugendsprache. Ich werds nicht mehr lernen  :d'oh: ) Solche Sachen eben. Funktioniert allerdings aus verständlichen Gründen nicht bei romantischen oder ruhigen Szenen.   ::)

Hm .. könnte das der Grund sein, dass man mir vorwirft, meine Romane wären teilweise ein bisschen zu 'hart' ....? ??? ;D

Maran

Wenn mir zuviel Alltagsdinge um die Ohren fliegen, als daß ich in eine Geschichte flüchten kann ... denn ja, das ist normalerweise immer mein Ausweg ... dann nehme ich Papier und Stift zur Hand und schreibe mir erst einmal alles von der Seele. Das kann jedoch manchmal ziemlich viel Zeit in Anspruch nehmen, so daß dann kaum noch Zeit bleibt, an der Geschichte weiterzuschreiben.

Hmm ... ich weiß nicht, ob der folgende Tip auch beim Schreiben funktioniert. Zum Einschlafen ist er wirklich gut geeignet. Ich habe ihn aus einer Biographie von Ray Croc, ist also nicht auf meinem Mist gewachsen:
Man stelle sich eine große Schultafel vor, auf die man mit imaginärer Kreide all das aufschreibt, was einen beschäftigt und wovon man im Moment nichts wissen will. Praktisch so eine Art Brainstorming. Dann kommt der große, nasse Schwamm und wischt einen Punkt nach dem anderen weg.

Lapislazuli

Danke für eure Antworten. Manches davon hat mir vielleicht schon auf die Sprünge geholfen. Ich will gern für mich persönlich eine Strategie finden zum Abschalten und um den Kopf frei zu bekommen. Also ich erlaub mir jetzt einmal laut zu denken, denn vielleicht will ja der eine oder andere noch mitdenken, oder findet sich hie und da auch in Situationen wo man sowas brauchen kann.

- das Headbangen ist finde ich ein sehr guter Ansatz. Bewegung baut Stress ab. Also sich irgendwie sportlich abreagieren, das funktioniert sicher. Leider bin ich total unsportlich. Spazieren gehen (oder mit dem Hund Gassi, ist hier auch gefallen), oder eine Runde mit dem Rad durch die Gegend fahren, müsste auch gehen. Oder Singen, laut Musik hören. Irgendwas körperliches tun.  Ich selbst mache nicht viel mit dem Körper aber viel mit dem Kopf. Vielleicht wäre da ein Ausgleich gut ...

- Marans Idee: aufschreiben, was nervt und dann ist es vielleicht erledigt.  Das ginge in die Richtung der "Morgenseiten", wie man sie in Julia Camerons Schreibratgebern (z. B. Von der Kunst des Schreibens) empfolen bekommt: jeden Morgen drei Seiten lang (mit der Hand) drauflosschreiben, was den Schreibfluss lockert, und so kann es bestimmt auch sein, dass man sich das eine oder andere nervige Problemchen irgendwie "wegschreibt". Das mit dem Tafellöschen ist auch nicht schlecht: sich bewusst machen, was nervt mich eigentlich so sehr? Und dann erkennen das ist nicht wichtig, es gibt Schlimmeres und es gibt Wichtigeres - weg damit.

Normalerweise habe ich kein Problem damit mich zu konzentrieren. Aber es gibt Phasen, da nervt und beschäftigt einen alles mehr als sonst. 
Wie gesagt, ich hab es mir abgewöhnt, auf die Muse, die Inspriation, die richtige Stimmung oder sonstwas zu warten. Dann kann ich nämlich warten bis ich schwarz werde - vielleicht. Ich glaube aber an eine gewisse Magie, die sich einstellt, sobald man einmal angefangen hat. Passiert mir oft - meistens zumindest. Wenn nicht , dann schreib ich trotzdem weiter.

Bin im Moment an einer schwierigen Stelle meines Romans. Selbsterkenntnis, Schlüsselszene, Überleitung zum Schluss - vielleicht macht mir das auch irgendwie Angst (obwohl ich ja eh weiß wie's werden soll). Und da sowas ja auch immer mit Fragen verknüpft ist, die mich auch selbst betreffen und beschäftigen, ist das keine ganz einfache Sache, von dem her ist abschalten vielleicht gar nicht notwendig oder möglich ...

Ich hoff ich hab euch jetzt nicht restlos verwirrt.

Manja_Bindig

@Cailin: Noch so eine... ich mach immer KADONK gegen meinen Schreibtisch, wenn ich hänge... und da die Wohnheimwände arg dünn sind, merkt das meine arme Mitbewohnerin immer sofort... ^^

Drachenkind

Ich habe es aufgegeben, mich unter systematischen Druck zu setzen, weil ich eh froh sein kann, wenn ich zum Schreiben komme.
Wenn ich Zeit dazu habe, packe ich sie am Schopf, auch schon mal, wenn ich noch bei meiner Jüngsten sitze, bis sie eingeschlafen ist. Das Klappern vom Laptop wirkt offenbar beruhigend.

Für mich ist wichtig, den Schwung zu erwischen, wenn er kommt. Ich denke viel vor, das geht neben der Hausarbeit, beim Kinder-rum-Fahren oder mit-dem-Hund-Gehen ganz gut, aber entscheidend ist der innere Schwund, der sich manchmal aus heiterem Himmel einstellt. dann kann ich innerhalb weniger tage mehrere Kapitel schreiben und die zeit nist auch auf einmal da. Wenn der Schwung nicht da ist, quäle ich mich nur rum und es kommt hinterher doch nichts ordentliches raus.

Wenn der Schwung kommt und ich habe gerade wirklich keine Zeit und keinen PC muss das gute alte NOtizbuch ran.

Wenn ich merke, ich kriege zur zeit nichts Neues zustande, feile ich lieber an dem,w as schonda ist herum. Lese mein eigenes Manuskript noch mal durch. Oft komme ich dann auch wieder ins richtige Fahrwasser.

Judith

Mir hilft es manchmal, ein wenig zu lesen. Und zwar ein Buch, das ich schon kenne und das ich mag. Durch das Lesen komm ich in die Handlung des Buches rein und somit aus meinem Alltag raus. Wenn es ein gutes Buch ist, dann ist es idealerweise auch ein inspirierendes, also eines der Sorte "sowas will ich auch schreiben können". In der Regel löst das bei mir dann nach wenigen Seiten den Drang aus, selbst zu schreiben. Und da ich das Buch kenne, besteht nicht das Problem, dass ich unbedingt wissen will, wie es weitergeht, und daher dann erst recht nicht mehr zum Schreiben komme.
Ich hab da sogar gewisse Buchfavoriten, wie etwa "Die Brüder Löwenherz", "The Sarantine Mosaic", "Der Schatten des Windes", "Erdzauber" oder auch nicht veröffentlichte Texte von befreundeten Autor(inn)en aus dem Internet.  ;)

Allerdings klappt das nicht immer - manchmal tauche ich nämlich erneut so sehr in die Handlung ein, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Und das wars dann mit dem Schreiben...