Tintenzirkel - Das Fantasyautorenforum

Allgemeines => Tintenzirkel => Thema gestartet von: JarlFrank am 28. Juni 2016, 17:18:04

Titel: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: JarlFrank am 28. Juni 2016, 17:18:04
Ich habe gerade einen englischen Artikel einer Autorin gelesen, die sich über Piraten beschwert hat und meinte, das sei im Endeffekt Diebstahl und sollte nicht schöngeredet werden. Das hat mich an einen Artikel von Neil Gaiman erinnert, der der Meinung ist dass Piraten in gewisser Weise gut fürs Geschäft sind und der selbst nichts dagegen hat, wenn Leute seine Bücher illegal herunterladen (er vergleicht das in etwa damit, dass sich jemand ein Buch von einem Freund oder aus einer Bibliothek ausleiht - das Endergebnis ist das gleiche: die Person hat es gelesen ohne dafür bezahlt zu haben).

Es gibt oft Threads in Autorenforen wo Autoren, die gerade festgestellt haben dass ihr neustes Werk irgendwo kostenlos als PDF herunterladbar ist, völlig entsetzt sind und sich darüber aufregen. Dann entbrennt immer eine Diskussion inwiefern "Piraterie" okay ist oder nicht.

Wie seht ihr das, wenn es um eure Werke geht? Würdet ihr euch aufregen und alles versuchen, um die illegalen Downloads zu stoppen? Oder würdet ihr es einfach ignorieren, weil sowas eh unvermeidbar ist? Oder würdet ihr sogar hoffen, dass sich das am Ende positiv auf eure Verkaufszahlen auswirkt, da die Piraten, wenn ihnen das Buch gefällt, zu loyalen Fans werden könnten?

Ich persönlich habe eine eher positive Einstellung zu den Piraten. Früher habe ich selbst viel auf Torrentseiten heruntergeladen und durch eine große Scifi und Fantasy Sammlung ein paar Autoren entdeckt die mir sehr gefielen, und deren Bücher ich dann prompt kaufte. Also kann ich aus eigener Erfahrung sagen dass hier durch Piraterie überhaupt erst Käufe entstanden sind! :)
Ein guter Freund von mir gehört außerdem zu den Leuten, die sich alles nur illegal herunterladen und eigentlich gar nichts von ihren Unterhaltungsmedien kaufen. Filme, PC-Spiele, TV-Serien... er lädt sich alles illegal herunter, und wenn er mal was nicht auf einer Torrentseite findet... naja, Pech gehabt. Dann verzichtet er eben drauf oder wartet bis es irgendwann auftaucht. Wenn so jemand Piraterie betreibt, dann entgehen dem Urheber natürlich auch keine Gewinne - da die Person das Produkt sowieso nicht gekauft hätte. Aber die Person kann ja trotzdem in ihrem Freundeskreis Werbung dafür machen.

Ich schreibe nicht nur Geschichten sondern bin auch in einem kleinen Team, das ein PC-Rollenspiel entwickelt (wird aber noch lange dauern, bis wir da mal was Vorzeigbares entwickelt haben), und ich weiß ganz genau, dass es nach der Veröffentlichung irgendwann auf illegalen Downloadseiten landen wird. Das passiert mit so gut wie jedem Spiel, selbst denen von kleinen Entwicklern. Aber das juckt mich nicht im geringsten. Auch der Gedanke, dass irgendjemand ein Buch von mir als PDF auf so eine Seite hochladen könnte löst bei mir keine Wut aus. Ich würde das eher ein Zeichen von Erfolg sehen: immerhin hat das Buch jemandem so gut gefallen, dass er es auf diese Weise teilen wollte. Das passiert nicht mit jedem Buch!

Für mich sind Piraten, die mein Zeug illegal ziehen, keine Diebe, sondern Leute, die das Produkt (sei es Buch oder Spiel) wahrscheinlich eh nicht gekauft hätten - also ist es für mich kein entgangener Gewinn - und die jetzt, wenn es ihnen gefallen hat, Mundpropaganda dafür machen können.

Hätte ich die Wahl zwischen den beiden Optionen:
- 2000 Leute kaufen mein Buch, niemand lädt es sich illegal herunter
- 1500 Leute kaufen mein Buch, 1500 laden es sich illegal herunter
Dann würde ich die zweite Option wählen. Das sind insgesamt zwar weniger Verkäufe, dadurch auch weniger direkter Gewinn für mich, aber insgesamt habe ich dadurch mehr Leser, die potentielle Fans werden könnten. Und wenn wir annehmen, dass jedem, der es gelesen hat, das Buch gefällt, habe ich insgesamt mehr Leute, die Mundpropaganda betreiben können, mehr die Rezensionen schreiben können, mehr die vielleicht meine Facebook-Seite liken könnten, etc etc.

Was ist eure Meinung dazu?
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Malinche am 28. Juni 2016, 17:42:39
(er vergleicht das in etwa damit, dass sich jemand ein Buch von einem Freund oder aus einer Bibliothek ausleiht - das Endergebnis ist das gleiche: die Person hat es gelesen ohne dafür bezahlt zu haben).

Auch wenn das Ergebnis das Gleiche ist, finde ich, dass der Vergleich hinkt, denn wenn ich einem Freund ein Buch ausleihe oder in die Bibliothek gehe, gibt es in der Kette vor mir dennoch jemanden, der das Buch legal erworben hat.

Natürlich gibt es möglicherweise einen gewissen Werbeeffekt, wenn das eigene Werk über Piraterie verteilt wird, solche Aussagen kenne ich auch zur Genüge, sehe sie mittlerweile aber kritisch, auch wenn ich nicht bestreiten will, dass es in manchen Fällen diese Effekte geben kann.
Aber ich denke, es greift einfach zu kurz, bei der Piraterie-Frage nur zu betrachten, ob einem dadurch selbst konkreter Schaden oder potenzieller Nutzen entsteht (und es gibt durchaus Fälle, in denen durch Piraterie existenzbedrohende Schäden entstanden sind). Ich klaue einem Konditor auch nicht den Kuchen aus der Auslage und sage: "Aber ich kann dann allen meinen Freunden erzählen, wie lecker der schmeckt." Das Problem für mich ist die Geistehaltung dahinter, das mangelnde Unrechtsbewusstsein, wo ein Stück weit sicher auch Gesellschaft oder Politik in der Verantwortung sind, klarer zu machen, dass solche Aktionen Delikte sind und bleiben. Ob ich das Produkt normalerweise gekauft hätte oder nicht, ändert nichts an der Sachlage, dass ich ein Dieb bin, sobald ich es mir widerrechtlich aneigne.

Ich rege mich nicht über Gebühr darüber auf, ich weiß, wie handlungsunfähig wir leider den meisten illegalen Downloadportalen gegenüber sind und wie wenig es bringt, sich daran aufzureiben - aber ich halte nichts davon, das Kind nicht beim Namen zu nennen. Vor allem habe ich dafür kein Verständnis, wenn genügend alternative Kanäle offenstehen, an das gewünschte Medium zu kommen. Ich verstehe jeden, der für ein teures Hardcover nicht mal eben dreißig Euro auf den Tisch legen kann (das kann ich in der Regel auch nicht), aber für genau so etwas gibt es Bibliotheken. Da bekomme ich meinen Lesestoff auch annähernd für lau. Es gibt mittlerweile sogar Möglichkeiten der Online-Ausleihe. Ich kann das Nutzen illegaler Lösungen dann nachvollziehen, wenn es keine legalen gibt. Aber gerade die Bücher, die auf Downloadportalen landen, wären auf anderem Wege mindestens ebenso mühelos zugänglich, und da hört mein Verständnis einfach auf.

Und wenn ich mich nur in Kreisen bewege, wo illegale Downloads hip und gang und gäbe sind, ist die Wahrscheinlichkeit meiner Meinung nach gering, dass ich irgendwann doch losgehe und mir ein Buch ganz normal kaufe. Wozu, wenn ich es mir von meinen Freunden auf den Rechner saugen kann?

Letztlich muss es natürlich jeder halten, wie er mag. Ich habe auch keine Energie für übertriebene Hexenjagden. Aber ich halte es mittlerweile für sehr blauäugig und gelinde gesagt auch ziemlich daneben, eine kriminelle Handlung mit einem Schulterzucken abzutun oder zu etwas besonders Coolem zu erklären. Man muss die Kirche auch im Dorf lassen, klar. Aber einfach sagen "ach, die tun doch nix" kann ich schlichtweg nicht, weil das genau die Geisteshaltung ist, die Piraterie erst möglich macht.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Aljana am 28. Juni 2016, 17:44:16
Mein Mann und ich diskutieren das Thema auch oft. Und diese Meinung vertreten ja viele. Selbst Paolo Coelho hat mal gesagt, er habe irgendwann mal eine geklaute Version seines Buches gefunden, die einer auf russisch übersetzt hätte. Was ihm einen ganzen neuen Markt aufgetan hat.
Unterbinden kann man das eh nicht. Sobald man etwas irgendwo freigibt, und sei es noch so gut geschützt, kann es illegal verbreitet werden.
Ich denke, man muss auch sein eigenes Konsumverhalten betrachten. Wer nicht will, dass seine Werke geklaut werden, der darf auch nichts aus grauen Kanälen ziehen. Und Hand aufs Herz, wer hat noch nie was gestreamt, oder was im Internet gefunden, wo er nicht mit Sicherheit sagen kann, der Film/Serie/Text ist da nicht illegal gelandet?

Klar, die einen achten darauf, die anderen suchen quasi danach. Doch wenn man in einem studentischen Umfeld gelebt hat (wo Tonnen an gecrackten Daten immer im Umlauf waren), dann fiel auch wie oft der Satz 'Das hab ich gesehen und hätte gern jetzt die DVD's/den Schuber dazu.'

Ob das richtig ist, oder nicht, da wage ich mir kein Urteil drüber zu bilden. Das Internet hat den Markt einfach verwässert und es gibt heute  so unenedlich viele Möglichkeiten. Aber auch ich denke nicht, dass es schadet.

Der Ansatz meines Mannes ist: Wer es sich frei irgendwo zugänglich gemacht hat, den kannn man nicht als 'Kunden' verlieren, weil der eh nie Kunde wäre. Im besten Fall wird er dadurch Fan und danach Kunde, weil ihm aufgeht, dass da verdammt viel Mühe, Zeit und Arbeit drin steckte. Aber wenn es nur den legalen Weg gäbe, dann hätte dieser Freibeuter des Internets das eigene Werk nie angefasst.

Da ist, finde ich, Wahres dran und darum gibt es ja auch mittlerweile neue Konzepte wie Startnext oder Patreon oder so. Nach dem Motto: Ich mach was Tolles und wenn es euch gefällt, dann unterstützt mich, dass ich weiter machen kann.
Es ist im Prinzip das krasse Gegenteil zu der alten GEZ-Diktatur, die propagierte: Jeder muss für Kunst zahlen, aber WIR sagen EUCH was wir für Kunst halten und wo euer Geld hingeht.

In diesem ganzen sich umwerfenden System sind die Piraten ein kleiner Stein, der manches ins Rollen bringen kann.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Sprotte am 28. Juni 2016, 17:46:49
Es gibt Portale wie readfy, auf denen die Leser kostenloses Buchfutter vorfinden. Sie müssen nur Werbung ertragen. Aber bei vielen Nutzern illegaler Plattformen geht es um das Haben ohne zu bezahlen, weil die Diebeskunst hochwertiger und idealistischer dargestellt wird als die Arbeit und Kunst eines Autors.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: JarlFrank am 28. Juni 2016, 18:07:45
(er vergleicht das in etwa damit, dass sich jemand ein Buch von einem Freund oder aus einer Bibliothek ausleiht - das Endergebnis ist das gleiche: die Person hat es gelesen ohne dafür bezahlt zu haben).

Auch wenn das Ergebnis das Gleiche ist, finde ich, dass der Vergleich hinkt, denn wenn ich einem Freund ein Buch ausleihe oder in die Bibliothek gehe, gibt es in der Kette vor mir dennoch jemanden, der das Buch legal erworben hat.

Klar, das ist natürlich vom Umfang her nicht vergleichbar - wenn ich ein Buch in meinem Freundeskreis verleihe sehen das vielleicht 10 Leute, wenn ich es auf einem illegalen Downloadportal hochladen würde womöglich 10.000 - aber auch bei illegalen Downloads gibt es eine Person, die das Buch legal erworben hat, und zwar den ursprünglichen Uploader.
Aber klar, es ist insofern anders, dass diese Kette endlos weitergeführt werden kann. Jemand lädt ein Buch illegal hoch, zwanzig andere laden es herunter und laden es dann selbst auf anderen Downloadportalen hoch, etc etc...
Das Problem gibt es beim Verleihen natürlich nicht, aber der Vergleich mit der Bibliothek ist nicht komplett fehl am Platz, finde ich.

Zitat
Natürlich gibt es möglicherweise einen gewissen Werbeeffekt, wenn das eigene Werk über Piraterie verteilt wird, solche Aussagen kenne ich auch zur Genüge, sehe sie mittlerweile aber kritisch, auch wenn ich nicht bestreiten will, dass es in manchen Fällen diese Effekte geben kann.
Aber ich denke, es greift einfach zu kurz, bei der Piraterie-Frage nur zu betrachten, ob einem dadurch selbst konkreter Schaden oder potenzieller Nutzen entsteht (und es gibt durchaus Fälle, in denen durch Piraterie existenzbedrohende Schäden entstanden sind). Ich klaue einem Konditor auch nicht den Kuchen aus der Auslage und sage: "Aber ich kann dann allen meinen Freunden erzählen, wie lecker der schmeckt." Das Problem für mich ist die Geistehaltung dahinter, das mangelnde Unrechtsbewusstsein, wo ein Stück weit sicher auch Gesellschaft oder Politik in der Verantwortung sind, klarer zu machen, dass solche Aktionen Delikte sind und bleiben. Ob ich das Produkt normalerweise gekauft hätte oder nicht, ändert nichts an der Sachlage, dass ich ein Dieb bin, sobald ich es mir widerrechtlich aneigne.

Ich würde es nicht als Diebstahl bezeichnen. Diebstahl beinhaltet, dass ich jemandem was wegnehme, was er danach nicht mehr hat. Klaue ich den Kuchen aus der Auslage, hat der Konditor ihn nicht mehr und kann ihn auch nicht verkaufen. Wenn jemand mein Buch kopiert und irgendwo als PDF hochlädt, verschwinden ja keine Bücher aus dem Lager. Das Problem, illegale Downloads mit Diebstahl gleichzusetzen, ist, dass das einfach zwei verschiedene Straftatbestände sind. Das eine nimmt etwas weg, das andere fertigt bloß unerlaubte Kopien an.

Zitat
Letztlich muss es natürlich jeder halten, wie er mag. Ich habe auch keine Energie für übertriebene Hexenjagden. Aber ich halte es mittlerweile für sehr blauäugig und gelinde gesagt auch ziemlich daneben, eine kriminelle Handlung mit einem Schulterzucken abzutun oder zu etwas besonders Coolem zu erklären. Man muss die Kirche auch im Dorf lassen, klar. Aber einfach sagen "ach, die tun doch nix" kann ich schlichtweg nicht, weil das genau die Geisteshaltung ist, die Piraterie erst möglich macht.

Ich bin zwar anderer Meinung, kann deine Haltung aber durchaus nachvollziehen. Es kommt wahrscheinlich auch einfach darauf an, wie man aufgewachsen ist. Die ersten Computerspiele, die ich in meiner Kindheit gespielt habe, hatte mein Vater damals auf Disketten von Arbeitskollegen kopiert, und als ich dann auf dem Gymnasium war war es völlig üblich, dass wir in unserem Freundeskreis gegenseitig Spiele verliehen und auf CD brannten. Durch meinen Kumpel der aus Rumänien kam und von dort immer Raubkopien mitbrachte habe ich viele meiner Lieblingsspiele überhaupt erst entdeckt - ohne die Piraterie hätte ich wohl nie davon erfahren. Einige davon habe ich später dann auch gekauft.

Für mich war das in meiner Jugend immer etwas völlig normales. Oft führte es auch dazu, dass ich, wenn mir etwas gut gefiel, dann auch tatsächlich Geld dafür ausgegeben habe, um die Entwickler zu unterstützen. Deshalb habe ich auch jetzt als Autor noch eine positive Einstellung gegenüber der Piraterie, und mich würde es nicht stören, wenn irgendwann, wenn ich mal mehr Werke rausgebracht habe, ein Torrent mit meinem Gesamtwerk auf Piratebay erscheinen würde oder so. Das einzige, was ich dagegen unternehmen würde, wäre einen Kommentar darunter zu setzen: "Wenn es euch gefällt, kauft es bitte," und damit wäre das für mich erledigt.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Tintenteufel am 28. Juni 2016, 18:15:56
Aber bei vielen Nutzern illegaler Plattformen geht es um das Haben ohne zu bezahlen, weil die Diebeskunst hochwertiger und idealistischer dargestellt wird als die Arbeit und Kunst eines Autors.

Ich wäre vorsichtig mit solchen Spekulationen. Ich weiß es natürlich nicht ganz genau, aber es wird kaum jemand das einscannen von Buchseiten oder das Raubkopieren von eBooks oder PDFs als "Kunst" bezeichnen. Selbst das Cracken von Videospielen ist keine "Kunst", man bewundert die technische Raffinesse und Geschwindigkeit - so wie ich bei einem guten Auto die Fähigkeiten der Entwickler bewundern kann.
Und wenn wir den Markt mit dem größten Teil von Piraten nehmen - Film und Videospiele - dann wird das sehr deutlich:
Es ist Diebstahl, natürlich. Aber der Hauptantrieb ist nicht, dass mir das Produkt nicht gefällt. Der Hauptantrieb ist, dass ich mit Diebstahl leichter und unkomplizierter an ein höherwertiges Produkt komme. Convenience ist das Zauberwort.
Videospiele werden piratisiert, weil ein gestohlenes/gecracktes Videospiel für mich einfacher und besser zu handhaben ist. Ich brauche keine dauerhafte Internetverbindung, ich muss nicht täglich bei EA anfragen, ob ich meine 60€ Lizenz heute benutzen darf oder bei ihnen grad der Server spinnt. Ich kann die Dateien verändern, ohne meinen Account (und damit meine 60€ Lizenz) zu verlieren. Ich muss keine Angst vor Zwangs-Patches haben, die meinen Spielstand und hunderte Stunden "Arbeit" ruinieren (können). Kurz: Ich habe meine Ruhe beim spielen.

Ein weiterer Punkt, der von Gegnern oft genannt wird, ist derjenige der "Lost Sales". Jeder Pirat ist letzten Endes danach ein verlorener Kauf, also ein Minus.
Das stimmt so eben nicht. Man kann nicht beweisen und nicht einmal davon ausgehen, dass Diebe das Produkt gekauft hätten, wenn es nicht kostenfrei gewesen wäre. Einige Leute kaufen die Lizenz und cracken trotzdem nochmal - eben wegen der Vorteile. @Aljana hat das schon angesprochen.

Kompliziert wird es dann bei Sachen, die vom Gefühl her mehr Kunst und weniger Produkt sind - d.h. Film, Musik und Buch.

Nochmal komplizierter wird es dann bei der rechtlichen Frage. Womit ich meine, dass die Frage "Ist das eigentlich Diebstahl?" mit der Frage "Sollte das als Diebstahl gelten?" zusammen geworfen wird.
Momentan ist es Diebstahl, ganz klar. Da gebe ich Malinche auch Recht. Man muss das Kind beim Namen nennen.
In manchen Fällen sollte es aber keiner sein. Wenn einer das 200€ Textbuch raubkopiert, das ich mir eigentlich hätte kaufen müssen, weil der Professor bei einem Abzockerverlag gelandet ist und jetzt Wert drauf legt, dass ich mir das für die fünf Seiten kaufe, die in der Prüfung dran kommen, damit der seine Verluste wieder einfährt...ehm, nein? Das ist vielleicht kein Diebstahl vom Professor, aber mindestens Wegelagerei.
Das Feld wird ja nur noch komplizierter durch Künstler und Autoren, die völlig freiwillig ihr Werk kostenlos hergeben und darauf vertrauen, dass die Fans, die den tatsächlichen Wert zu schätzen wissen, sie finanziell unterstützen. Und das funktioniert. Sogar in der Videospielindustrie mit dem Humble Bundle oder beim Entertainment via Twitch, YouTube o.Ä.
Auch bei Autoren funktioniert das oder kann jedenfalls funktionieren.

Persönlich...ich persönlich habe keine Werke, die man klauen könnte. Einerseits sehe ich die Geisteshaltung dahinter auch problematisch - weil sie letztlich beinhaltet, dass es Gründe gibt, nicht für eine Dienstleistung/Ware zu zahlen. Und insbesondere wenn Kunst da zuerst unter den Hammer fällt, wird diese Gesellschaft noch positivistischer, noch widerlicher ökonomischer.
Andererseits würde ich gerne mit eben diesen neuen Finanzierungsmethoden arbeiten - insofern bin ich gespalten. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass die "Piraten" und junge Leute weit aufrichtiger sind, als sie oft dargestellt werden.
Sie wissen, dass diese Dinge einen Wert haben und dass letztlich von ihrem Profit auch der Erfolg abhängt. Diese Leute sind bereit, zu zahlen und sie tun das gern und viel - wenn das Produkt es wert ist.
Ich finde aber ganz witzig das Neil "I'm not your Bitch" Gaiman nichts gegen Piraterie hat.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Fynja am 28. Juni 2016, 18:19:31
Das Thema gehört zu denen, bei denen ich mir vermutlich selbst noch keine vollständige Meinung gebildet habe. Generell sehe ich aber bei den Konsumenten an sich weniger das Problem, sondern mehr bei den Leuten, die die Bücher zum Download bereitstellen. Ich sehe das Downloaden an sich auch eigentlich nicht als Diebstahl an, eher als ein Kopieren, da die Datei selbst ja nicht verschwindet - ich weiß, dass das es nicht unbedingt besser macht, und verstehe jeden, der sich trotzdem darüber aufregt, aber für mich persönlich ist es deswegen nicht mit Diebstahl gleichzusetzen und nochmal eine komplett andere Thematik.

Ich finde es wichtig, dass bei einer solchen Diskussion zwischen den riesigen Download-Portalen, bei denen die Betreiber evt. sogar noch Geld mit den Werken anderer machen, und eventuellen Privatkopien, die zwischen Freunden rumgereicht werden, getrennt wird. Ich glaube, für mich persönlich ziehe ich da die Grenze, wo jemand anderes mit meinen Werken Geld macht, darüber würde ich mich wohl auch fürchterlich aufregen, aber eben mehr über den Betreiber und/oder Uploader als über den Konsumenten. Wenn aber mein ebook analog zum Verleihen im kleineren, nicht-kommerziellen Rahmen, weitergegeben wird, wäre das für mich völlig in Ordnung.

(Ich verurteile auch nicht pauschal die Portale an sich, da ich es generell gut finde, kulturelle Werke, Software usw. leicht erreichbar zu machen, aber sobald der kommerzielle Aspekt mit einspielt und das Geld an Leute geht, die es nicht verdient haben, geht es mir doch zu weit.)

Wie gesagt, noch sehe ich das Thema sehr zwiegespalten und deswegen finde ich es schwierig, mir eine feste Meinung dazu zu bilden. Eigentlich würde ich super gerne mal ein eigenes Experiment mit eigenen Werken starten, um zu sehen, ob es tatsächlich Auswirkungen auf die Verkaufszahlen hat und wie diese ausfallen. Generell stimme ich aber der Aussage zu, dass es nahezu unmöglich ist, Piraterie ganz zu verhindern und man deswegen statt ständiger Verbote und Abmahnungen vielleicht mal neue Wege suchen sollte, um mit dem Problem umzugehen.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Sascha am 28. Juni 2016, 18:25:33
Ich würde das eher ein Zeichen von Erfolg sehen: immerhin hat das Buch jemandem so gut gefallen, dass er es auf diese Weise teilen wollte. Das passiert nicht mit jedem Buch!
Auf die Gefahr hin, Dir da eine Illusion zu nehmen: Meinen Kurt durfte ich bereits zwei Tage nach Erscheinen als eBook auf einer bislang nicht greifbaren Plattform sehen, für lächerliche 15 Cent. Der Typ, der das hochgeladen hat, wird es nicht in den zwei Tagen schon gelesen haben, das glaube ich nicht. Und ich glaube auch nicht, daß er die vorhererschienene Print-Version gelesen und dann extra zum Hochladen das eBook gekauft hat. Nein, ich glaube, daß er sich einfach ein recht günstiges eBook geholt hat, um es hochzuladen und sich damit einige Downloads zu "erkaufen".
Was ich von den Leuten halte, die die "Raub"-Kopien laden und lesen, ist die eine Sache. Die andere ist, was ich von den Betreibern der Portale halte, die damit dicken Reibach machen.
Alles hier nachzulesen:http://Fantasy.Raubal.de/schnaeppchen_und_schmarotzer.html (http://Fantasy.Raubal.de/schnaeppchen_und_schmarotzer.html)
Davon ab gibt es irgendwo schon einen sehr ausführlichen Diskussionsthread zu dem Thema, irgendwas mit "Alarm, die Downloadportale sind wieder aktiv" oder so.

(Ich hab das früher übrigens auch lockerer gesehen – ohne selbst solche Portale zu nutzen –, aber Meinungen ändern sich.)
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Alana am 28. Juni 2016, 18:42:01
Piraten sind Diebe. Sie laden Dateien, die nicht zum kostenlosen Download freigegeben sind und an denen sich oft Kriminelle bereichern. Wer sich unberechtigt etwas nimmt, ist ein Dieb. Fertig. Da gibt es keine Diskussion.

Dass wir vielleicht andere Marketingstrategien brauchen, steht auf einem anderen Blatt. Aber wer nicht bereit ist, für ein Buch das Gleiche auszugeben wie für einen Kaffee, und es deswegen klaut, für den habe ich ganz bestimmte Namen.

Und das mit dem "Diebe werden zu Käufern" stimmt erstens bei Büchern nicht und ist zweitens Quatsch, selbst wenn es so wäre. Man findet heute für jedes Buch eine Leseprobe online bequem zum Runterladen. Man muss also kein finanzielles Risiko mehr eingehen oder ein Buch klauen, um zu testen, ob man es lesen will.

Und im Gegensatz zu vielen hier sehe ich das Problem nicht bei den Portalbetreibern, das sind teilweise Kriminelle, die sich bereichern wollen, teilweise Leute mit Hacker Mind Set, die damit ihre Einstellung zu digitalem Besitz deutlich machen wollen. Die sind aber nicht das Problem. Das Problem sind die Tausenden von Menschen, die entweder nicht wissen, dass sie klauen und wem sie damit schaden (hier ist Aufklärung wichtig) oder *hierBegriffeinsetzen* denen es egal ist, wem sie damit schaden, weil sie es als Kavaliersdelikt sehen. Bei den Nutzern der Seiten muss man ansetzen. Gibt es die nämlich nicht mehr, sterben die Portale entweder aus oder spielen wirtschaftlich keine Rolle mehr.

@Privatkopie: Das große Problem: Diese Leute, die das machen, geben sich die Sachen festplattenweise weiter. Diese Leute und alle, die sie damit infizieren, werden nie wieder für irgendwas bezahlen, außer einmal im Jahr für die gold bedruckte Hardcoverausgabe des amerikanischen Jahresbestsellers.

@Es ist ja nur eine digitale Kopie: Man kann auch andersrum argumentieren. Diese Diebe haben hinterher ein Exemplar von etwas auf ihrer Festplatte, das ihnen nicht gehört. Sie können es nutzen, obwohl sie das Nutzungsrecht nicht erworben haben. Das IST Diebstahl.

@Das ist wie Ausleihen von Printbüchern: Nein.
1. Printbücher nutzen sich ab. Ebooks nicht.
2. ein verliehenes Printbuch kann immer nur einer lesen.

@Es ist Werbung: Nein. Denn die Leute, die geklaute Bücher weitergeben, geben damit auch die Adresse des Online-Portals und ihre kriminelle Einstellung weiter. Man wird durch solche Leute eher noch ehrliche Leser verlieren, weil der Gruppendruck von solchen Leuten sehr stark ist. "Du bist ja dumm, wenn du dafür bezahlst, ich kanns dir doch geben."

@Man gewinnt treue Leser: Ja. Aber leider Leser, die trotzdem kein Geld für Bücher ausgeben. Sie warten dann unter großen Verehrungsbezeugungen des Autors im illegalen Portal heißhungrig darauf, dass die Bücher ihrer Lieblingsautoren endlich hochgeladen werden. (Ich habe Screenshots gesehen und das macht mich echt traurig.)

Edit: Wie cryphos richtig bemerkt hat, sind nicht alle Hacker Verbrecher oder Raubkopierer. Ich meinte mit Hacker Mind Set eine gewisse Einstellung gegenüber digitalem Besitz, die unter Hackern sehr verbreitet ist, nämlich dass alles, was digital ist, allen gehört und daher kostenlos kopiert werden darf. Nicht alle Hacker denken so, das ist mir klar, und wenn ich damit etwas unglücklich verallgemeinert habe, tut es mir leid. Ich werde das hier jetzt aber nicht löschen, da sonst einige Folgebeiträge keinen Sinn mehr ergeben.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Trippelschritt am 28. Juni 2016, 19:21:10
Für mich ist es Diebstahl, aber ich rege mich nicht darüber auf, weil ich dagegen machtlos bin.

Liebe Grüße
Trippelschritt
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Alana am 28. Juni 2016, 19:24:02
@Trippelschritt: Ich versuche, aufzuklären, dabei ist man nicht machtlos. Und ich bin absolut kompromisslos bei meinem eigenen Konsumverhalten. Ich kaufe Bücher und Musik nur legal, lasse es mir niemals von irgendwem als illegale Kopie geben und ich streame Musik und Bücher nicht mal legal, weil die Vergütung für die Urheber bei diesen Modellen an Diebstahl grenzt. Serien und Filme streame ich legal, weil dabei die Urheber in den seltensten Fällen noch mal Geld sehen, wenn der Film bzw. die Serie mal produziert ist.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Mondfräulein am 28. Juni 2016, 19:31:12
Piraten sind Diebe. Sie laden Dateien, die nicht zum kostenlosen Download freigegeben sind und an denen sich oft Kriminelle bereichern. Wer sich unberechtigt etwas nimmt, ist ein Dieb. Fertig. Da gibt es keine Diskussion.

Ich bin absolut gegen diese Argumentation, und zwar nicht, weil ich dir erklären will, dass es weniger schlimm ist. Es geht dabei überhaupt nicht darum, was schlimmer ist und was weniger. Aber meiner Meinung nach ist es einfach faktisch nicht richtig, dass das Herunterladen einer illegalen Kopie von irgendetwas, das für den Verkauf bestimmt ist, dasselbe ist wie Diebstahl. Wenn ich etwas stehle, dann bringe ich mich in Besitz eines Gegenstandes, der vorher im Besitz von jemand anderem war. Ich stehle eine Packung Kaugummi aus dem Supermarkt, der Supermarkt hat eine Packung Kaugummi weniger. Ich eigne mir etwas an, das danach jemandem fehlt. Bei einer Raubkopie ist das aber anders: Ich kopiere einen Gegenstand, den es hinterher zweimal gibt. Ich nehme so gesehen niemandem etwas weg, aber ein Schaden ist ja trotzdem da.

Meiner Meinung nach ist das mit dem Diebstahl eine Metapher, die nicht so richtig passt. Sie wird verwendet, um aufzuzeigen, dass Raubkopien nicht in Ordnung sind, aber ich glaube, das funktioniert nicht so recht. Das Problem ist meiner Meinung nach eben auch, dass dadurch viele Menschen denken, dass sie nichts Falsches tun, weil sie anders als bei einem Diebstahl niemandem etwas wegnehmen, sondern nur etwas kopieren. Die Metapher wird dem Sachverhalt nicht gerecht, weil sich ein Diebstahl aus dem Supermarkt eben nicht mit einer Raubkopie gleichsetzen lässt. Ich will dabei überhaupt keine Aussage darüber treffen, ob das eine schlimmer ist als das andere, aber der Sachverhalt ist in beiden Fällen eben anders und deshalb sollte man auch nicht den selben Begriff für beides verwenden.

Man könnte Raubkopien genauso gut mit Kopien von Markenwaren vergleichen. Wenn ich in Asien billige Kopien eines bestimmten Markenturnschuhs produziere und hier verkaufe, dann ist das im Prinzip nicht direkt Diebstahl, denn ich nehme dem Originalhersteller keine Schuhe weg, aber es entsteht auch ein Schaden. Aber: So einen Schuh kann ich nicht so einfach im Internet verbreiten und unendlich oft teilen wie ein eBook. Es gibt bestimmt noch viele andere Unterschiede, die Metapher passt eben auch nicht so richtig. Ich denke, es braucht eben für illegale Kopien von Kunstwerken eine eigenen Begriff, um dem komplexen Sachverhalt gerecht zu werden. Denn so ganz haargenau wie Diebstahl ist es eben doch nicht.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Alana am 28. Juni 2016, 19:34:02
Ich zitiere mich mal selbst:

Zitat
@Es ist ja nur eine digitale Kopie: Man kann auch andersrum argumentieren. Diese Diebe haben hinterher ein Exemplar von etwas auf ihrer Festplatte, das ihnen nicht gehört. Sie können es nutzen, obwohl sie das Nutzungsrecht nicht erworben haben. Das IST Diebstahl.

In meinen Augen ist das Diebstahl, aber ja, ich stimme zu, dass der Begriff im herkömmlichen Gebrauch vielleicht nicht ganz passt. Jedoch wird diese Argumentation meistens von Leuten verwendet, die die Tat verharmlosen wollen, daher spielt das in der normalen Argumentation keine Rolle. Bis es einen besseren, passenden Begriff gibt, werde ich das Wort Diebstahl dafür verwenden, weil es ausdrückt, wie sich die geschädigten dabei fühlen und weil es auch deutlich macht, dass jemandem geschadet wird.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Mondfräulein am 28. Juni 2016, 19:41:31
@Alana: Ich habe eben die Befürchtung, dass gerade die Diebstahl-Metapher da vielleicht ein wenig zur Verharmlosung führt. Wenn ich sage, dass es ein Diebstahl ist und andere merken, dass die Metapher nicht so recht passt, dann könnten sie auch einfach denken, dass ich einfach nicht Recht habe, es ist ja nicht direkt ein Diebstahl ergo es ist in Ordnung. Diesen Schluss will ich vermeiden, indem ich in solchen Zusammenhängen eben nicht von einem Diebstahl spreche.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Alana am 28. Juni 2016, 19:49:31
Diesen Effekt hatte ich aber noch nie. Im Gegenteil. Mit dem Wort Diebstahl bekommst du Aufmerksamkeit und die Leute sind bereit, sich anzuhören, was du zu sagen hast. Und entweder, sie teilen das Hacker Mind Set, dann kannst du sie eh nicht überzeugen, oder sie klauen bewusst, dann auch nicht. Die aber, denen es an Aufklärung mangelt, die kann man schon überzeugen und ich glaube nicht, dass die Benutzung des Wortes Diebstahl bei denen irgendetwas verharmlost. Wenn du hingegen anfangen würdest, lange drumherum zu reden, würdest du ganz schnell die Aufmerksamkeit verlieren. Außerdem: viele Wörter haben sich dem modernen Leben angepasst. Warum soll es kein Diebstahl sein, sich ein Nutzungsrecht zu nehmen, das einem nicht gehört? Ist das nicht die eigentliche Definition? Man verschafft sich etwas, was einem nicht gehört?
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Steffi am 28. Juni 2016, 19:51:59
Dass Raubkopien Diebstahl sind, steht außer Frage.

Trotzdem verfolge ich die immer wieder aufbrennende "Mein Buch ist schon wieder auf Plattform XY!" Empörung ... schmunzelnd. Denn m.E. nach ist es Irrsinn zu glauben, als Autor hätte man da wirkliche Verluste. Das ist wie mit der Debatte um Film- und Musikdownloads: Glaubt die Industrie denn wirklich, dass an jeder Raubkopie eine legal erworbene Kinokarte verloren geht? Die Filme werden geschaut, weil sie eben da und verfügbar sind, nicht zwangsläufig, weil jemand kein Geld für eine DVD ausgeben möchte.

Die Leute, die auf Plattformen Bücher ziehen, sind zu geizig, sich Bücher zu kaufen. Das würden sie auch bleiben, wenn es die Plattform nicht gäbe. Ich sehe das daher pragmatisch. Natürlich ärgert es mich, natürlich bleibt es Diebstahl, aber ich glaube nicht, dass die Verluste für mich als Autor wirklich spürbar werden.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Alana am 28. Juni 2016, 19:53:45
@Steffi: grundsätzlich hast du recht. Das Problem ist dieses hier, ich zitiere mich noch mal:

Zitat
@Es ist Werbung: Nein. Denn die Leute, die geklaute Bücher weitergeben, geben damit auch die Adresse des Online-Portals und ihre kriminelle Einstellung weiter. Man wird durch solche Leute eher noch ehrliche Leser verlieren, weil der Gruppendruck von solchen Leuten sehr stark ist. "Du bist ja dumm, wenn du dafür bezahlst, ich kanns dir doch geben.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Steffi am 28. Juni 2016, 19:57:37
@Steffi: grundsätzlich hast du recht. Das Problem ist dieses hier, ich zitiere mich noch mal:

Zitat
@Es ist Werbung: Nein. Denn die Leute, die geklaute Bücher weitergeben, geben damit auch die Adresse des Online-Portals und ihre kriminelle Einstellung weiter. Man wird durch solche Leute eher noch ehrliche Leser verlieren, weil der Gruppendruck von solchen Leuten sehr stark ist. "Du bist ja dumm, wenn du dafür bezahlst, ich kanns dir doch geben.

Stimmt, so eine Freundin habe ich tatsächlich auch.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Kati am 28. Juni 2016, 19:58:07
Zitat von: Alana
@Es ist ja nur eine digitale Kopie: Man kann auch andersrum argumentieren. Diese Diebe haben hinterher ein Exemplar von etwas auf ihrer Festplatte, das ihnen nicht gehört. Sie können es nutzen, obwohl sie das Nutzungsrecht nicht erworben haben. Das IST Diebstahl.

Ich bin da bei dir, Alana. Das ist genau das, was viele Leute nicht verstehen. "Ich habe doch aber nichts weggenommen." Doch, hast du. Wenn du wirklich nichts weggenommen hättest, dann hättest du ja jetzt kein Buch auf der Festplatte, das du umsonst lesen kannst. Es geht doch bei Unterhaltungsmedien nicht um das Papier mit Tinte drauf, das man klaut oder die CD, auf die Musik gepresst ist. Es geht um den Inhalt, und ob ich den digital oder "zum anfassen" klaue ist da für mich kein großer Unterschied. Es ist Diebstahl des Inhalts, den ich mir aneigne und konsumiere, ohne dafür zu bezahlen. Deshalb passt der Vergleich, auch der von Malinche mit dem Kuchen vom Bäcker, für mich auf jeden Fall. Wenn man nämlich davon ausgeht, dass man nur physische Dinge, die man anfassen kann, klauen kann, denkt man meiner Meinung nach nicht weit genug. Natürlich erstellt man beim Klauen von digitalen Inhalten eine Kopie, aber das ist irgendwie auch Haarspalterei. Darüber kann man streiten, aber es ändert im Endeffekt nichts am Sachverhalt: Man eignet sich etwas an, ohne dafür zu bezahlen. Und das ist die Definition von Diebstahl. Man kann das meiner Meinung nach ruhig so nennen. Wer sich dagegen wehrt als Dieb bezeichnet zu werden, weil er der Meinung ist das illegale Downloaden ist ja gar kein Diebstahl, wird diese Meinung auch nicht ändern, wenn man es anders nennt.

Inwieweit Raubkopien Schaden anrichten, kann ich nicht beurteilen, da ich noch nichts veröffentlicht habe und es mir deshalb auch noch nicht passiert ist. Da vertraue ich lieber auf die Berichte von den Leuten hier, denen es schon selbst passiert ist oder die sich damit auskennen.  :)

EDIT: Hat sich mit Alana und Steffi überschnitten.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Sprotte am 28. Juni 2016, 20:03:34
Bei KabelTV wird es "Erschleichen von Leistungen" genannt, wenn jemand die Plombe am Übergabepunkt entfernt und sich ankabelt, ohne dafür zu bezahlen. Weil es ja auch etwas ist, was nicht "fehlt", aber eben widerrechtlich genutzt wird.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Mondfräulein am 28. Juni 2016, 20:12:27
Die Definition von Sprotte passt für mich viel eher, denn es ist für mich immer noch kein Diebstahl, nur weil ich etwas habe, was mir nicht gehören sollte. Dafür fehlt mir eben einfach, dass jemandem dieser Gegenstand genauso fehlt. Meine Erfahrung ist auch eher, dass Leute einem dann eher weniger zuhören, weil sie genau so argumentieren: Sie nehmen niemandem etwas weg, sie haben nur zusätzlich etwas. Wenn ich darauf beharre, dass es ein Diebstahl ist, besteht die Gefahr, dass ich für andere das Problem künstlich hochpushe und sie mich nicht mehr ernst nehmen. Ist mir oft passiert.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Alana am 28. Juni 2016, 20:16:45
Dieser Begriff erfüllt aber absolut den Tatbestand der Verharmlosung. ;) (Damit meine ich nicht, dass Sprotte das verharmlosen will.)
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Sprotte am 28. Juni 2016, 20:19:43
Tut er. Und trifft auch nicht wirklich zu:
Zitat
§ 265a
Erschleichen von Leistungen

(1) Wer die Leistung eines Automaten oder eines öffentlichen Zwecken dienenden Telekommunikationsnetzes, die Beförderung durch ein Verkehrsmittel oder den Zutritt zu einer Veranstaltung oder einer Einrichtung in der Absicht erschleicht, das Entgelt nicht zu entrichten, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in anderen Vorschriften mit schwererer Strafe bedroht ist.
https://dejure.org/gesetze/StGB/265a.html

Im Prinzip braucht es ein neues Gesetz, um digitalen Diebstahl wirklich zu benennen. Immerhin sprechen wir von einer Raubkopie. Raub ist noch ein wenig schwergewichtiger als Diebstahl. *blättert im StGB* Das Problem am Diebstahlsparagraphen ist, daß er von einer "fremden, beweglichen Sache" spricht.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Alana am 28. Juni 2016, 20:21:43
Ich finde auch, dass es eigentlich schlimmer ist als Diebstahl, denn meistens geht damit auch Anstiftung zur Straftat und Weitergabe von illegal beschafftem Material einher. Ist das nicht Hehlerei? ;D :P Und ja, da müsste dringend ein neues Gesetz her.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Tintenteufel am 28. Juni 2016, 20:30:24
[ALANA]
Diskriminierendes Vokabular gesternt.
[/ALANA]

Womit wir dann aber wieder bei der Frage sind:
Sollte alles in der Sache als Diebstahl gelten?
Was passiert, wenn das Buch losgelöst vom Autoren ist. Wenn ein Verlag die Rechte an einem alten Buch hat und das gerät außer Druck - sagen wir mal sogar aus berechtigten Gründen, weil niemand mehr einen Charakter namens "N***** Jim" lesen möchte - und jemand macht diese alte Kopie massenhaft verfügbar. Ist das noch Diebstahl?
Ich finde nicht, dass es schlimmer ist als Diebstahl - es entsteht immerhin selten nachweislicher ökonomischer Schaden. Höchstens ein moralischer.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Alana am 28. Juni 2016, 20:41:01
Es entsteht sehr wohl materieller Schaden, und nicht zu knapp, einfach dadurch, dass immer mehr Leute auf die illegalen Portale wechseln und die Jugendlichen schon mit der Einstellung aufwachsen, dass es kein Diebstahl ist. Klar kannst du nicht alle zu Käufern machen, aber die Nutzer solcher Portale sind schon lange nicht mehr nur die, die sich Tausende Ebooks auf einmal runterladen und dann nie anschauen. Der große Schaden entsteht durch die Geisteshaltung, die bei den Menschen entsteht, die ansonsten vielleicht für die Sachen bezahlen würden. Hier wächst eine weitere Generation heran, der digitales Eigentum egal ist. Das ist ein riesiger materieller Schaden, selbst wenn nur 1% von denen potentielle Käufer für digitale Inhalte sind.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Mondfräulein am 28. Juni 2016, 20:50:37
Was man meiner Meinung nach braucht sind nicht härtere Gesetze sondern eine breite Debatte darüber, wie man in Zeiten des Internets mit digitalem Eigentum umgehen will. Über welche Plattformen soll man Produkte herunterladen oder konsumieren dürfen? Zu welchem Preis? Was davon bekommt der Künstler? Wieviel Mitspracherecht hat der Künstler? Der Markt wird sich zwangsläufig ändern, die Musikbranche macht das vor. Es ist ja schon voll im Gange.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Tintenteufel am 28. Juni 2016, 20:56:08
Die am meisten geklauten Serien, Filme und Videospiele überhaupt sind zufälligerweise auch die am meisten gekauften mit dem größten Profit. Hm...
Das ist kein Schaden, das ist nicht erfülltes Potential. Und du wirst leider nie beweisen können, dass auch nur einer der Leute, die das illegal herunter geladen haben, das auch so gekauft hätten.
Klar ist die Geisteshaltung schlecht. Die führt unter anderem zu der Haltung, Künstler als Tanzäffchen zu betrachten - weswegen ich es so seltsam finde, dass Neil Gaiman Piraterie okay findet. Aber das ist halt kein materieller Schaden. Weil wir über immaterielle Güter mit immateriellem Wert reden, die immateriell vervielfältigt werden und niemand kann zuverlässig nachweisen, ob diese Leute das Buch andernfalls gekauft hätten oder nicht. Das ist eine reine Ideologiefrage, ob nicht-erfülltes Potential tatsächlicher Schaden ist. Im Übrigen die gleiche Frage, die bei TTIP so gerne hochgeholt wird, wo große Firmen wegen nicht erfülltem Verkaufspotential klagen dürfen. Nur, um das mal im größeren Maßstab zu sehen.
Definitiv ist es kein materieller Schaden, der entsteht. Der Verlag sitzt nicht auf hunderttausenden ungedruckten eBooks, die jetzt plötzlich keiner haben will.

Die Argumentation mit dem "immer mehr Leute gehen auf die illegalen Portale und Jugendliche haben keine Vorstellung von Wert mehr" sollte dir irgendwie bekannt vorkommen. Die Nummer hat die Musikindustrie schon vor Jahrzehnten abgezogen, damals ging es um Kasettenrekorder und Radiosendungen, glaube ich. Du weißt schon, die Musikindustrie? Dieser bitterarme Kleinbetrieb, der allein in Deutschland jedes Jahr ein paar hundert Millionen Umsatz macht mit CD Verkäufen und sich seine persönlichen Braunhemden hält?
Die Argumentation gab's dann nochmal bei Videorekordern. Dann nochmal bei DvD Brennern. Dann nochmal bei Napster. Ich glaub der aktuelle Sargnagel für die Multimilliarden Dollar Großindustrie ist iTunes, dieses kommunistische Diebesportal.
Womit ich sagen will:
Diese Generation hat genau so eine Vorstellung von Wert und eine Einstellung zu Besitz und Preis, wie die Kommunen-Hippie-Generation mit ihren Kasettenrekordern. Anderes zu behaupten ist Schwarzmalerei und Milennial-Bashing. Man braucht sich nur nicht konventionelle Kunst-/Unterhaltungsmodelle und ihren riesigen Erfolg bei Leuten unter 25 angucken, um das zu verstehen.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: FeeamPC am 28. Juni 2016, 22:02:32
Meine Meinung zu Piraten: Teeren, Federn und Kielholen.

Aber mal im Ernst:
JarlFrank schreibt :
Zitat
Diebstahl beinhaltet, dass ich jemandem was wegnehme, was er danach nicht mehr hat.
Okaaaaay ...

Und jetzt stellt euch vor, Ihr habt einen tollen Plot, schreibt den hier im Tintenzirkel in den Roman-Thread, und ein Dutzend Zirkler stürzen sich darauf und nehmen exakt den Plot und machen daraus ihr eigenes Buch (so etwas die die etwas ausgeschmückte Version eines Plagiats).  Euer Buch, wenn ihr es denn endlich fertigstellt, kauft kaum noch einer, weil, die Story haben ja schon so viele geschrieben und gelesen.  Ist kein Diebstahl, weil euch ja nichts materielles weggenommen wurde, oder?
ODER?

Seit wann muss Diebstahl materiell sein? Ideenklau ist ein anerkannter Begriff der deutschen Sprache, es gibt den Begriff des geistigen Eigentums, und, ganz strenggenommen, ist auch das Urheberrecht überhaupt nicht materiell. Überlegt das mal zu Ende.

Wenn ihr Piraten befürwortet und ihre Diebstähle für "normal" erklärt, dann solltet ihr konsequent sein und alle eure Ideen und Werke unter public domain ins Internet stellen.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Fynja am 28. Juni 2016, 22:24:39
Ich weiß, dass niemand mich spezifisch angesprochen hat, aber ich wollte nur nochmal klarstellen, dass nur, weil ich persönlich einen Unterschied zwischen Diebstahl und Kopien sehe, das nicht bedeutet, dass ich selber illegal herunterlade oder Piraterie gleich gutheiße. Auch habe ich mit meinem Posting nur die Frage des Threads beantwortet - wie ich selber zu Piraten stehen würde, die meine Werke illegal herunterladen würden, und nur, weil ich mich weniger an den Downloadern an sich stören würde, bedeutet dass nicht, dass ich kein Problem dabei sehe.

Was den Begriff selbst angeht, habe ich wie Mondfräulein das Gefühl, dass es wenig bringt, die Piraten, Downloader oder wie man sie nennen will, gleich als Diebe darzustellen, weil ich auch eher denke, dass sie dann gleich auf Abwehrhaltung gehen und Aufklärungsversuche nur noch mehr an ihnen abprallen. Und nur, weil ich zwischen den Begriffen distanziere, nehme ich auch noch keine Wertung vor, was jetzt schlimmer oder weniger schlimm ist. Das kann man so pauschal meiner Meinung nach ohnehin nicht sagen, selbst beim "reellen" Diebstahl kommt es letztendlich auf den Kontext und den Gegenstand bzw. die Anzahl der Gegenstände selbst an. Und ein Plagiat ist für mich eigentlich noch einmal etwas ganz anderes (für mich wesentlich Gravierenderes).

(Ich spreche hier auch keinen bestimmten Beitrag an, ich habe nur das Gefühl, klarstellen zu müssen, wie mein eigenes Posting gemeint war. Letztlich kann die Ausgangsfrage doch ohnehin nur jeder für sich beantworten, wenn es um die eigenen Werke geht, und ich weiß ja auch, dass ich niemandem vorschreiben kann, wie er das zu sehen hat und wollte das auch gar nicht.)
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Mondfräulein am 28. Juni 2016, 22:29:17
Ich kann nur alles unterschreiben, was Fynja sagt. Einen Plot zu kopieren ist ein Plagiat, was ein anderes Vergehen ist, als ein Diebstahl, aber deshalb nicht weniger schlimm. Falls das irgendjemand so gelesen haben sollte: Ich habe absichtlich absolut keine Aussage darüber getroffen, wie illegales Herunterladen von Büchern zu bewerten ist, sondern lediglich darüber gesprochen, wie man so etwas benennen sollte. Ich habe nicht gesagt, dass es kein Diebstahl ist und deshalb nicht schlimm und keine große Sache.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Katha am 28. Juni 2016, 22:34:18
Die am meisten geklauten Serien, Filme und Videospiele überhaupt sind zufälligerweise auch die am meisten gekauften mit dem größten Profit. Hm...

Ich behaupte mal das liegt daran, dass diese Spiele und Filme die unterhaltsamsten oder best beworbensten sind, die der Markt aktuell zu bieten hat. Das hat nichts mit einer positiven Wechselwirkung von Verkäufen und Raubkopien zutun. ;)

Vor einiger Zeit habe ich an einem Videospiel mitgearbeitet, dass ziemlich groß beworben und anschließend DRM-free veröffentlicht wurde. Die Resonanz in der Community war groß und unser Mut, das Spiel auch auf Steam ohne Kopierschutz zu veröffentlichen wurde gelobt. Am Ende lagen die Verkaufszahlen trotzdem weit unter den Erwartungen, während die Anzahl illegaler Downloads (soweit wir diese nachvollziehen konnten) die tatsächlichen Verkäufe um zwei Drittel überstiegen. Natürlich heißt das nicht, dass all diese Raubkopierer das Spiel auch gekauft hätten, wenn es keine Möglichkeit des kostenlosen Downloads gegeben hätte. Aber wenn auch nur die Hälfte aller Piraten Geld investiert hätte, dann hätten wir unsere Produktionskosten wieder eingespielt und ich hätte meinen damaligen Job nicht verloren.

Ich bin Piraterie gegenüber also sehr negativ eingestellt und versuche Leute in meinem Umfeld auch immer davon zu überzeugen, sich ihre Spiele, Filme, Musikalben und natürlich Bücher auf legalem Wege zu beschaffen. Und ob man das nun Diebstahl nennen kann oder nicht ist mir dabei auch völlig egal. Piraterie ist scheiße. Punkt.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Alana am 28. Juni 2016, 22:47:59
Niemand stellt Piraten als Diebe dar. Sie machen sich dazu.

Ich bin auch der Meinung, dass man intelligente Lösungen finden kann, um Piraterie zu nutzen (siehe manche Games, bei denen das recht erfolgreich gemacht wurde, indem man eine einfache Variante ohne Kopierschutz rausgegeben hat und sogar hoffte, dass sich das Spiel illegal verbreiten würde und alle dann die Vollversion kaufen) oder einzudämmen. (Pay what you want Modelle, leider in D für Bücher nicht möglich)  Und ich bin sehr dafür, diese Dinge zu testen, einfach, weil ich sie für erfolgversprechender halte, als eingefleischte Piraten bekehren zu wollen.

Ich weigere mich jedoch, Verständnis für Leute aufzubringen und gütlich auf die zuzugehen, die in vollem Bewusstsein absichtlich klauen, obwohl sie wissen, dass Menschen dahinter stehen, die viel Herzblut und Arbeit in die digitalen Produkte investieren und von deren Verkauf leben.

@Mondfräulein: Doch, ich bin für härtere Strafen und zwar auch für Einzeltäter. Und wenn es nur ist, dass sie jedes Buch bezahlen müssen, das sie runtergeladen haben. Denn sonst wird nie eine abschreckende Wirkung entstehen und es wird nie ein Umdenken stattfinden. Ich bin aber auch für Aufklärung und ich bin vor allem für Vereinfachung. Es muss den Menschen so einfach wie möglich gemacht werden, digitale Produkte legal und fair zu bekommen. So wie es ja inzwischen bei Musik ist. Ich habe selbst einen Epub-Reader, und ganz  ehrlich, manchmal grenzt es an Folter, was man machen muss, um ein Buch auf den Reader zu bekommen. Ich bin dafür, jeden Kopierschutz bei Ebooks abzuschaffen, denn sie halten Piraten nicht auf, sondern bestrafen nur die ehrlichen Käufer.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Feuertraum am 28. Juni 2016, 22:58:33

Und jetzt stellt euch vor, Ihr habt einen tollen Plot, schreibt den hier im Tintenzirkel in den Roman-Thread, und ein Dutzend Zirkler stürzen sich darauf und nehmen exakt den Plot und machen daraus ihr eigenes Buch (so etwas die die etwas ausgeschmückte Version eines Plagiats).  Euer Buch, wenn ihr es denn endlich fertigstellt, kauft kaum noch einer, weil, die Story haben ja schon so viele geschrieben und gelesen.  Ist kein Diebstahl, weil euch ja nichts materielles weggenommen wurde, oder?
ODER?

Bei allem Respekt, liebe FeeamPC, aber Ihre Aussage kann ich beim besten Willen nicht unterschreiben.
Erstmal behaupte ich, dass ein Plot aufgrund seiner nicht vorhandene Schöpfungshöhe urheberrechtlich nicht geschützt ist. Untersucht man die Plotstrukturen von Büchern/Filmen etc. fällt auf, dass fast alle nach demselben Schema abgespielt werden.
Würde ich also einen Actionroman schreiben wollen, so wird er im Grunde genommen ablaufen wie Beverly Hills Cop 1 - 3. Oder Starsky und Hutch. Oder James Bond. Oder Magnum. Oder oder oder ....
Davon abgesehen können sich noch so viele Menschen auf "meinen" Plot stürzen: dennoch werden sich die Geschichten unterscheiden. Außerdem - um noch mal ein wenig Holz in das Feuer der Spekulation zu werfen - gibt es keine Garantie, dass die anderen Geschichten um einiges früher fertig sind und auch von einer riesigen Leserschaft gekauft und verschlungen werden.

Zitat
Seit wann muss Diebstahl materiell sein? Ideenklau ist ein anerkannter Begriff der deutschen Sprache, es gibt den Begriff des geistigen Eigentums, und, ganz strenggenommen, ist auch das Urheberrecht überhaupt nicht materiell. Überlegt das mal zu Ende.

Es mag sein, dass "Ideenklau" ein anerkannter Begriff der deutschen Sprache ist, aber vor Gericht werden Sie damit nicht durchkommen. Ideen sind urheberrechtlich nicht geschützt. Der Text, mit dem Sie die Idee in Worte kleiden natürlich schon. Aber die Idee selber kann jeder verwenden.




Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: cryphos am 28. Juni 2016, 23:28:09
Ein Dienstleister erbringt eine Leistung um davon leben zu können. Dienstleister, welche genug zum (Über-)leben haben können ihre Dienstleistungen verschenken. Alle anderen sind darauf angewiesen, dass sie für Ihre Dienste entlohnt werden.
Ergo: Wer eine Dienstleistung beansprucht muss sie bezahlen, insofern diese nicht verschenkt wird.
Autoren sind "Dienstleister". Sie schaffen Literatur als Dienstleistung für die Menschheit. Wer diese Dienstleistung beanspruchen möchte bezahlt anteilig für den erbrachten Dienst (Kaufpreis, Leihgebühr, etc.)
Jeder der diesen Dienst nutzt ohne dafür zu Zahlen und sich den Dienst damit widerrechtlich zu Eigen macht ist ein Verbrecher. Leihen ist ungleich widerrechtlich zu Eigen machen.

@Es ist Werbung: Werbung macht nicht satt und ich habe meine Dienstleistung nicht erbracht um Werbung zu machen. Ich fand es immer wieder schön, wenn mich Startups als Freelancer anheuerten oder anheuern wollten um für Sie technische Spezifikationen zu erstellen und dann nichts zahlen wollten, weil ihr tolles Produkt ja super Werbung für mich und meine Arbeit sei. Bullshit! Zum ersten ist es keine gute Werbung, zum zweiten macht es nicht satt und zum dritten entscheidet der Dienstleister wann er was verschenkt und wann nicht.

@Es ist ja nur eine digitale Kopie: Ja und? Von was lebt der Autor? Von seinem Brotjob! Geschrieben wird dann Nachts, in den Mittagspausen oder gar nicht mehr, weil der Brotjob den armen Autor auffrisst. Wie viele Künstler hätten produktiv arbeiten können, wenn man für Ihre (angemessen) Werke zahlte?

@Man gewinnt treue Leser: Juhuu, ich bin der meistgelesene Autor dieser Welt, aber wovon lebe ich, wenn keiner zahlt?

@Privatkopien: Privatkopien müssen sein! Wer ein Produkt kauft soll es nutzen können. Wer eine Musikcd kauft und sich eine Kopie für seinen MP3 Player anfertigt oder eine CD für das Auto kopiert, ist meiner Meinung nach kein Verbrecher. Immerhin hat er den Dienstleister mit dem Kauf bereits entlohnt. Wer die Kopien aber weitläufig verteilt ist in meinen Augen ein Verbrecher. Wo hier die Grenze ganz genau ist, ist schwer zu definieren. Klar ist aber, auf einem Downloadportal ist sie überschritten.

@Es ist wie das ausleihen von Printbüchern: Ja, wenn das eBuch gelesen und danach gelöscht wird. Oder man verleiht den eBookreader gleich mit.  Wird eine Kopie übergeben und verweilt im Besitz des anderen ist es was ganz anderes, ebenso wenn des dann plötzlich Kopien der Kopie gibt ...

@Alana: Du erwähntest das "Hacker Mind Set". Bitte beachte dass Hacker nicht mit Verbrechern gleichzusetzen sind. In der Hackerethik gibt es einige wichtige Leitsätze, die den meisten Menschen leider nicht bekannt sind. Ich unterstelle dir jetzt einfach, dass du diese auch nicht kennst und deswegen den Begriff Hacker im falschen Zusammenhang/Konnotation verwendet hast.
Zugriff auf Computer und allem, was einem etwas über die Welt lehren kann, soll unlimitiert und total sein.
    Ein Hacker soll frei sein, anhand bestehender Ideen und Systemen zu lernen und auf diesen aufzubauen. Der Zugriff gibt Hackern die Möglichkeit Dinge zu reparieren, auseinander zu nehmen oder zu verbessern und somit zu lernen, wie diese funktionieren. Dies gibt ihnen das Wissen um Neues zu erfinden und somit die Verbreitung von Technologie zu bestärken
Informationen sollen frei sein und somit jedem verfügbar sein.
    Dies ist direkt mit der ersten Aussage verbunden. Jede Information die der Hacker benötigt um etwas zu reparieren, verbessern oder neu zu erfinden sollte frei verfügbar sein. Ein Austausch von Ideen stärkt die Kreativität. Jedes System profitiert von den Grundsätzen der Transparenz, welche auch in einer Demokratie angestrebt werden. Frei soll im Sinne von Freiheit verstanden werden und nicht im Sinne von kostenlos.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: FeeamPC am 29. Juni 2016, 00:05:36
Feuertraum, ich fürchte,, ich habe michnicht deutlich genug ausgedrückt. Ich meinte nicht einen beliebigen Plot, unentwickelten wie die Heldenreise. Ich meinte einen ausgefeilten Plot, wie er im "Mein Roman"-Thread steht. Mit allem drum und dran. Den zu gebrauchen, würde ich als geistigen Diebstahl betrachten.

Und was die Freiheit von Ideen angeht, so ist sie durchaus nicht so frei. Sonst hätten wir nämlich kein Patentamt. Das, was da geschützt wird, sind auch "nur" Ideen. Ich betrachte ein Buch als gleichwertig mit einem Patent- in beides sind nämlich gehörig viele Arbeitsstunden eingeflossen, und über beidem hat der Erfinder oder Autor sehr viel nachdenken und und Herzblut vergießen müssen.

Ansonsten: Wer meine Bücher kauft, darf sie gerne für seinen eigenen Gebrauch kopieren nach Herzenslust. Ich arbeite nämlich in meinem Verlag komplett ohne DRM. Wie Alana bereits schrieb, DRM bestraft nur die ehrlichen Käufer, die unehrlichen holen sich die geklauten Dateien eh ohne DRM.
Aber da, wo jemand ein Geschäft daraus macht, meine DRM-freien Bücher auf Piraten-Portale hochzuladen, oder wo jemand meinst, er würde mir (und meinen Autoren) einen Gefallen damit tun, wenn möglichst viele Leute die Bücher gratis lesen könne, da ziehe ich eine deutliche Grenze. Das möchte ich, bitteschön, immer noch selbst entscheiden, wenn es ein Buch gratis geben soll.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Alana am 29. Juni 2016, 00:20:11
@cryphos: Privatkopien für den Eigenbedarf sind in Ordnung, darum ging es ja nicht. Und ich weiß, dass nicht alle Hacker Verbrecher sind, das habe ich auch nicht gesagt. Aber ich kenne einige, habe auch schon den CCC besucht und dort mit vielen über das Thema Raubkopien gesprochen. Die meisten Hacker sind der Meinung, dass alles, was sich digital kopieren lässt, das Eigentum aller ist und daher kostenlos kopiert und verteilt werden darf. Das bedeutet natürlich nicht, dass alle das auch tun oder gutheißen, aber diese Einstellung findet sich eben sehr häufig.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Araluen am 29. Juni 2016, 07:06:33
Und jetzt stellt euch vor, Ihr habt einen tollen Plot, schreibt den hier im Tintenzirkel in den Roman-Thread, und ein Dutzend Zirkler stürzen sich darauf und nehmen exakt den Plot und machen daraus ihr eigenes Buch (so etwas die die etwas ausgeschmückte Version eines Plagiats).  Euer Buch, wenn ihr es denn endlich fertigstellt, kauft kaum noch einer, weil, die Story haben ja schon so viele geschrieben und gelesen.  Ist kein Diebstahl, weil euch ja nichts materielles weggenommen wurde, oder?
ODER?
Ideendiebstahl und Piraterie sind aber auch zwei paar Schuhe. Ich persönlich fände es schlimmer meine Idee unter dem Namen eines anderen zu finden, am schlimmsten unter einem, den ich persönlich kenne, als dass es Raubkopien meines Werkes gibt. Das sind zwei völlig unterschiedliche Sachverhalte.

Ich vertrete definitiv nicht die Ansicht, dass alles, was im Netz zugänglich ist, automatisch auch Allgemeingut wird. Es gibt nicht umsonst ein Urheberrecht und das sollte geschützt werden. Immerhin hat sich da jemand hingesetzt und verdammt viele Arbeitsstunden investiert, mehr, als man sich meistens vorstellen kann, und Arbeit wird in unserer Gesellschaft in der Regel entlohnt. Aber das kann sie nicht, wenn dies durch Piraterie umgangen wird. Das Wort Piraterie selbst zeigt auch, dass es hier um illegale Beschaffung geht und wenn etwas illegal ist, sollte man es nicht klein reden, nur weil es jeder tut. Ob hier nun gestohlen, kopiert oder plagiatisiert wird, ist in meinen Augen da aber sinnlose Haarspalterei. Das interessiert allenfalls die Justiz, wenn es um eine Festlegung von Strafmaßen geht. Wenn ich jemanden niederschlage, ist es schließlich auch erst einmal egal, ob es leichte, schwere oder fahrlässige Körperverletzung, Notwehr oder gar Mord ist (bis das Ganze vor die Justiz geht). Der wichtige Fakt dabei ist, dass ich etwas Falsches getan habe und dafür zur Rechenschaft gezogen werden muss.
Was ich damit sagen will: Wie wir es nennen, ist nicht relevant. Es ist viel wichtiger, dass es ein Unrechtsbewusstsein gibt. Und das tut es leider in den meisten Fällen nicht. Im Gegenteil, nicht wenige erfreuen sich daran, etwas zu bekommen und dabei einen anderen zu übertölpeln (den sie gar nicht kennen), weil sie für ihre Ware nicht bezahlen mussten. Zum anderen fehlt es stark an Aufklärung und straffen, klaren Richtlinien. Da gibt es viel zu viele Grauzonen, in die man sich flüchten kann, entweder als Betreiber einer Plattform oder als Nutzer. Die besten Beispiele, die mir hier einfallen sind Kinox und der Youtube-mp3-Konverter. Ich weiß nicht einmal selbst genau, auf welchem Stand man da mittlerweile ist.

Und wenn mein Werk als illegaler Download zu finden wäre? Ich würde mich vermutlich ärgern, aber keine Hexenjagd starten. Das Netz ist leider zu anonym, um als Normalmensch da etwas auszurichten. Vermutlich würde ich auch drunter schreiben, dass man sich das Buch kaufen soll, wenn es gefällt. Natürlich stecke ich damit selbst auch den Kopf in den Sand. Aber viel mehr Handlungsspielraum habe ich auch nicht (abgesehen von einer Anzeige gegen unbekannt, die vermutlich im Sande verläuft).

*stellt einen Teller mit nicht kopierten Keksen hin*
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Nycra am 29. Juni 2016, 09:37:56
Also da alle meine Bücher auf allen gängigen Piratenseiten vertreten sind, gebe ich auch mal meinen Senf dazu ab. Ich toleriere es nicht.

Ich habe einen speziellen Dienst dafür beauftragt, die gegen die Piratenseiten vorgehen. Was noch vor zwei Jahren (auch von großen Verlagen) als "lohnt sich nicht, dagegen vorzugehen" abgetan wurde, funktioniert inzwischen sogar sehr gut. So gut sogar, dass die  Agentur, die ich damit beauftragt inzwischen massiv Konkurrenz bekommen hat und sogar große Anwaltskanzleien auf diesen Zug aufspringen wollen. Wenn ich heute einen Hoster abmahne, dass er die Piratenseite löschen soll, tut er es. Inzwischen gibt es nur noch einen einzigen, der sich dazu weigert, aber diesem sitzt bereits eine Staatsanwaltschaft im Nacken (Hoster können in einigen Ländern inzwischen selbst in Haftung genommen werden, wenn sie nicht gegen solche Seiten vorgehen). Natürlich laden die Piraten die Sachen woanders wieder hoch. Aber es gibt inzwischen mindestens drei dokumentierte Piraten, die aufgegeben haben, weil ihnen der Arbeitsaufwand zu groß war.

Oh, und glaubt nicht, dass die Piraten so selbstlos sind, wie sie sich oft darstellen. Nein, das ist ein Trugschluss. Die meisten dieser Seiten haben irgendwo einen Hinweis, dass wenn hier geklickt wird, der Download schneller läuft. Dieses Banner wird von einem Unternehmen bezahlt, dass dahinter steht. Damit verdienen die Piraten indirekt Geld an den Büchern - und das nicht zu wenig. Bei dem zerschlagenen Piratenportal von Spiegelbest geht man davon aus, dass er mehrere hunderttausend pro Jahr verdient hat - die Dunkelziffer wird sogar höher geschätzt, er soll sogar Millionär gewesen sein. Teilweise bekam er für einen Klick zwei bis drei Euro und wenn man das vergleicht mit dem, was ein Autor an einem Ebook verdient, ist das der blanke Hohn.

Momentan ist das alles noch Sisyphos-Arbeit mit wenig Aussicht auf Erfolg. Aber das dachte man auch, was den Standort von Firmen in Irland zum Thema Datenschutz und Steuerfreiheit angeht. Es wird etwas kommen, dass die Problematik ändert. Aber leider viel zu langsam, als das wir heute einen Effekt sehen. Aber je mehr Leute dagegen vorgehen, desto enger wird es für die Piraten, davon bin ich überzeugt. Wer das als Werbemittel ansieht, glaubt vermutlich noch an den Weihnachtsmann, denn da bin ich voll auf Alanas Seite, der Effekt ist in Deutschland gleich Null. Dafür spricht, dass es ja Seiten gibt, auf denen man sich das neue Buch von xxx vorbestellen kann, weil man ja schon das alte illegal runtergeladen hatte und es so toll war ...

Trotzdem - oder gerade deswegen? - werde ich Counterfights weiter beauftragen, denn für mich funktioniert es. Von 100 Löschungen pro Tag sind wir auf 15 pro Woche runter - auch mit neuen Titeln, und da dauert es in der Regel bei mir maximal eine Stunde, bis eine Piratenseite das nagelneue Ebook hochgeladen hat.

Wie ich neulich im Radio hörte, sind wir im übrigen das Land, das am meisten elektronische Inhalte klaut, das sollte man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: JarlFrank am 29. Juni 2016, 10:25:49
[ALANA]
Diskriminierendes Vokabular gesternt.
[/ALANA]

Ich würde das eher ein Zeichen von Erfolg sehen: immerhin hat das Buch jemandem so gut gefallen, dass er es auf diese Weise teilen wollte. Das passiert nicht mit jedem Buch!
Auf die Gefahr hin, Dir da eine Illusion zu nehmen: Meinen Kurt durfte ich bereits zwei Tage nach Erscheinen als eBook auf einer bislang nicht greifbaren Plattform sehen, für lächerliche 15 Cent. Der Typ, der das hochgeladen hat, wird es nicht in den zwei Tagen schon gelesen haben, das glaube ich nicht. Und ich glaube auch nicht, daß er die vorhererschienene Print-Version gelesen und dann extra zum Hochladen das eBook gekauft hat. Nein, ich glaube, daß er sich einfach ein recht günstiges eBook geholt hat, um es hochzuladen und sich damit einige Downloads zu "erkaufen".
Was ich von den Leuten halte, die die "Raub"-Kopien laden und lesen, ist die eine Sache. Die andere ist, was ich von den Betreibern der Portale halte, die damit dicken Reibach machen.
Alles hier nachzulesen:http://Fantasy.Raubal.de/schnaeppchen_und_schmarotzer.html (http://Fantasy.Raubal.de/schnaeppchen_und_schmarotzer.html)
Davon ab gibt es irgendwo schon einen sehr ausführlichen Diskussionsthread zu dem Thema, irgendwas mit "Alarm, die Downloadportale sind wieder aktiv" oder so.

(Ich hab das früher übrigens auch lockerer gesehen – ohne selbst solche Portale zu nutzen –, aber Meinungen ändern sich.)

Wenn jemand etwas illegal hochlädt und dafür Geld verlangt, ist das natürlich wieder eine ganz andere Sache. Das würde ich auch nicht mehr unter Piraterie zählen, sondern unter Betrug oder Abzocke oder ähnlichem.

Piraten sehen ein Produkt und denken sich, ach, das würde ich gerne kostenlos verbreiten, aus welchen Gründen auch immer (entweder weil man eine gewisse Einstellung zu digitalen Daten hat, oder weil das Produkt einen beschissenen Kopierschutz hat den man knacken will, etc). Es gibt sogar viele Piratengruppen, die bei PC-Spielen in der "how to install" readme einen Satz wie "if you like it, buy it! Support the developers!" hinzufügen, oder bei Scans von Büchern und Comics am Ende noch eine Seite hinzufügen, auf die sie "If you like it, buy it!" schreiben.
Piraten sind Leute, die aus verschiedenen Gründen - meist mit Idealismus verbunden - kostenlos Daten verbreiten.

Leute, die etwas hochladen um einen Gewinn daraus zu ziehen, indem sie z.B. ein ebook das bei Amazon 3 Euro kostet für 30 Cent verticken, sind keine Piraten. Die denken sich nicht "ich will digitale Produkte frei zugänglich machen oder mit Leuten teilen", sondern die denken sich einfach nur "ich will Profit machen, egal wie". Die Beweggründe sind grundsätzlich andere, und das Ergebnis ist auch ein grundsätzlich anderes.

Wie gesagt, wenn irgendwann jemand auf die Idee kommen sollte, all meine Werke in einem Torrent hochzuladen, würde mich das nicht im geringsten aufregen. Ich würde mich sogar in gewisser Weise geehrt fühlen.
Wenn aber jemand Bücher von mir auf einer zwielichtigen Bezahl-Seite hochlädt und für ein paar Cent vertickt, um Profit daraus zu schlagen... das ist was völlig anderes, und da würde auch ich versuchen, das so schnell wie möglich zu unterbinden. Für mich gibt es da einen riesengroßen Unterschied.

@Steffi: grundsätzlich hast du recht. Das Problem ist dieses hier, ich zitiere mich noch mal:

Zitat
@Es ist Werbung: Nein. Denn die Leute, die geklaute Bücher weitergeben, geben damit auch die Adresse des Online-Portals und ihre kriminelle Einstellung weiter. Man wird durch solche Leute eher noch ehrliche Leser verlieren, weil der Gruppendruck von solchen Leuten sehr stark ist. "Du bist ja dumm, wenn du dafür bezahlst, ich kanns dir doch geben.

Jein. Ich habe selbst schon PC-Spiele gekauft, von denen ich nie irgendwas erfahren hätte, wenn nicht mein Kumpel, der eigentlich ausschließlich illegal herunterlädt, mir davon erzählt hätte. Er hat es illegal heruntergeladen, es hat ihm gefallen, er hat mir davon erzählt, ich hab es mir angeschaut, fand es auch cool, dachte mir ich möchte die Entwickler unterstützen und hab es mir gekauft.

Und ich bin nicht der einzige, bei dem das so ist. Es gab sogar irgendein relativ obskures Spiel, das erst durch die Piraten und das Hochladen auf Piratebay größere Verbreitung gefunden hat, weil alle Piraten davon ziemlich begeistert waren. Durch deren Mundpropaganda haben die Entwickler dann am Ende mehr Verkäufe gemacht, als sie es ohne die Piraten je hätten tun können. Ich weiß nicht mehr genau, welches Spiel es war, aber es waren die Piraten, die es aus der Unbekanntheit herausgehoben haben, was am Ende zu wesentlich mehr Gewinn für die Entwickler geführt hat.

Sicher, es kommt immer auf den Einzelfall an, und ich will nicht bestreiten dass es Fälle gibt, in denen die illegalen Downloads dem Produkt am Ende geschadet haben. Aber es gibt eben auch Fälle, bei denen das Gegenteil der Fall ist.

Womit wir dann aber wieder bei der Frage sind:
Sollte alles in der Sache als Diebstahl gelten?
Was passiert, wenn das Buch losgelöst vom Autoren ist. Wenn ein Verlag die Rechte an einem alten Buch hat und das gerät außer Druck - sagen wir mal sogar aus berechtigten Gründen, weil niemand mehr einen Charakter namens "N***** Jim" lesen möchte - und jemand macht diese alte Kopie massenhaft verfügbar. Ist das noch Diebstahl?
Ich finde nicht, dass es schlimmer ist als Diebstahl - es entsteht immerhin selten nachweislicher ökonomischer Schaden. Höchstens ein moralischer.

Auch ein guter Punkt. Es gibt viele ältere Fantasy-Bücher, die heute nicht mehr im Druck sind und nur noch aus zweiter Hand zu bekommen sind, und da sind sie meist schweineteuer. In wenigen Glücksfällen hat der Autor das Selfpublishing entdeckt und das Buch auf diese Weise neu veröffentlicht (wenn die Rechte wieder bei ihm liegen), aber in vielen Fällen ist das Buch einfach vergriffen und wenn man es haben will, muss man ordentlich dafür blechen. 100 Euro für ein Paperback? Uff! Vielleicht, wenn man Sammler ist, aber wenn man einfach nur ein altes, vergriffenes Fantasybuch lesen möchte...

In solchen Fällen ist Piraterie meiner Meinung nach völlig legitim. Da entsteht niemandem ein Schaden, da entgeht auch niemandem ein Gewinn, da das Buch sowieso seit über 10 Jahren nicht mehr im Druck ist. In so einem Fall ist die Piraterie sogar positiv, weil sie ein Werk, das möglicherweise in Vergessenheit geraten wäre, aus dieser hervorholt.

Meine Meinung zu Piraten: Teeren, Federn und Kielholen.

Aber mal im Ernst:
JarlFrank schreibt :
Zitat
Diebstahl beinhaltet, dass ich jemandem was wegnehme, was er danach nicht mehr hat.
Okaaaaay ...

Und jetzt stellt euch vor, Ihr habt einen tollen Plot, schreibt den hier im Tintenzirkel in den Roman-Thread, und ein Dutzend Zirkler stürzen sich darauf und nehmen exakt den Plot und machen daraus ihr eigenes Buch (so etwas die die etwas ausgeschmückte Version eines Plagiats).  Euer Buch, wenn ihr es denn endlich fertigstellt, kauft kaum noch einer, weil, die Story haben ja schon so viele geschrieben und gelesen.  Ist kein Diebstahl, weil euch ja nichts materielles weggenommen wurde, oder?
ODER?

Seit wann muss Diebstahl materiell sein? Ideenklau ist ein anerkannter Begriff der deutschen Sprache, es gibt den Begriff des geistigen Eigentums, und, ganz strenggenommen, ist auch das Urheberrecht überhaupt nicht materiell. Überlegt das mal zu Ende.

Wenn ihr Piraten befürwortet und ihre Diebstähle für "normal" erklärt, dann solltet ihr konsequent sein und alle eure Ideen und Werke unter public domain ins Internet stellen.

Das ist wieder ein völlig anderer Sachverhalt. Das fällt auch nicht unter die Definition von "Diebstahl", sondern ist ein Plagiat, was ein eigener Straftatbestand ist. Ist auch deshalb völlig anders als wenn jemand kostenlos eines meiner Bücher als PDF hochladen würde, weil hier jemand aus meinem geistigen Eigentum Profit schlägt. Das bewegt sich moralisch auf einer ganz anderen Ebene.

Ich habe kein Problem mit Piraten, aber das heißt nicht, dass ich all meine Ideen unter public domain ins Internet stellen muss. Das hieße ja, dass ich andere daran rumbasteln lasse, bis am Ende etwas völlig anderes herauskommt als das, was ich ursprünglich im Sinn hatte. Ganz andere Hausnummer.

Ich denke schlichtweg so: wenn jemand ein Werk von mir auf Piratebay oder irgendeiner anderen illegalen Downloadseite hochlädt, dann ist es da. Kann ich nix gegen machen. Jetzt könnte ich mich aufregen und versuchen, irgendwie dafür zu sorgen, dass es von dort verschwindet (was nicht klappt), und dadurch die Piraten in gewisser Weise noch anfeuern, weil sie mich dann als Arsch empfinden und sich moralisch im Recht sehen würden. Oder ich könnte akzeptieren, dass sowas passiert, und dass sowas auch immer passieren wird (es ist egal, was wir hier dagegen zu unternehmen versuchen, die Seiten sind meistens irgendwo in Osteuropa gehostet, wo das niemanden juckt), und den Piraten freundlich entgegentreten und sie darum bitten, mein Werk zu kaufen wenn es ihnen gefällt. Auf sowas reagieren die Piraten meistens weitaus positiver, und das stimmt auch einige wenige zum Kauf um. Ja, nur einige wenige, machen wir uns nichts vor - aber trotzdem besser als nichts.

Rege ich mich also über etwas auf, das einfach passiert und gegen das ich nichts machen kann? Oder akzeptiere ich, dass es existiert, und versuche die positiven Seiten daran zu sehen? Ich weiß, welche Option besser für meine Nerven ist. Und womöglich ist sie auf Dauer auch besser für meinen Geldbeutel.

Ich bin nicht gegen das Urheberrecht. Ich finde das Urheberrecht gut. Aber ich werte "kleinere" Vergehen dagegen als weniger problematisch als größere (Raubkopien sind für mich kein Grund zum Aufregen; Plagiat oder das Verkaufen von illegal angefertigten Kopien schon).
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Fianna am 29. Juni 2016, 11:34:09
Auch ein guter Punkt. Es gibt viele ältere Fantasy-Bücher, die heute nicht mehr im Druck sind und nur noch aus zweiter Hand zu bekommen sind, und da sind sie meist schweineteuer. In wenigen Glücksfällen hat der Autor das Selfpublishing entdeckt und das Buch auf diese Weise neu veröffentlicht (wenn die Rechte wieder bei ihm liegen), aber in vielen Fällen ist das Buch einfach vergriffen und wenn man es haben will, muss man ordentlich dafür blechen. 100 Euro für ein Paperback? Uff! Vielleicht, wenn man Sammler ist, aber wenn man einfach nur ein altes, vergriffenes Fantasybuch lesen möchte...
Das geht mir bei vielen Büchern so. Dann muss man seine "Ich will, ich will... sofort und auf der Stelle"-Mentalität eben zügeln. Dieser Preis ist nicht in Stein gemeißelt, das ist eine Sache von Angebot und Nachfrage.
Wenn Du ein Jahr lang das Buch beobachtest, dann dann gibt es irgendwann zwischendurch ein günstigeres Angebot, und das kann man dann kaufen.


(Deswegen habe ich leider am meisten Ebooks von Amazon statt von Thalia - ich gucke regelmäßig bei bestimmten Büchern, ob der Preis gefallen ist, und wenn ich dann ein interessantes Ebook sehe, kaufe ich es anstatt erst auf eine andere Seite wie Thalia zu gehen.)
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Alana am 29. Juni 2016, 11:46:44
Nur weil etwas legal nicht verfügbar ist, heißt das nicht, dass man es sich klauen darf.

Und ja, manchmal kommt es vor, dass Piratenaktivität sich auf die Verkäufe eines Produktes positiv auswirkt. So etwas ist interessant und ich sehe das als Denkansatz, den man weiterverfolgen kann. Ich glaube, daraus hat sich ja auch das Freemium Modell entwickelt. Aber es ist und bleibt eine Tatsache, dass diese Leute gesetzeswidrig handeln und dass sie dabei nicht immer jemandem schaden, ist für mich keine Entschuldigung. Dafür ist das Problem in seiner Gesamtheit einfach zu groß.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Araluen am 29. Juni 2016, 12:09:18
Wenn jemand etwas illegal hochlädt und dafür Geld verlangt, ist das natürlich wieder eine ganz andere Sache. Das würde ich auch nicht mehr unter Piraterie zählen, sondern unter Betrug oder Abzocke oder ähnlichem.

Piraten sehen ein Produkt und denken sich, ach, das würde ich gerne kostenlos verbreiten, aus welchen Gründen auch immer (entweder weil man eine gewisse Einstellung zu digitalen Daten hat, oder weil das Produkt einen beschissenen Kopierschutz hat den man knacken will, etc). Es gibt sogar viele Piratengruppen, die bei PC-Spielen in der "how to install" readme einen Satz wie "if you like it, buy it! Support the developers!" hinzufügen, oder bei Scans von Büchern und Comics am Ende noch eine Seite hinzufügen, auf die sie "If you like it, buy it!" schreiben.
Piraten sind Leute, die aus verschiedenen Gründen - meist mit Idealismus verbunden - kostenlos Daten verbreiten.

Leute, die etwas hochladen um einen Gewinn daraus zu ziehen, indem sie z.B. ein ebook das bei Amazon 3 Euro kostet für 30 Cent verticken, sind keine Piraten. Die denken sich nicht "ich will digitale Produkte frei zugänglich machen oder mit Leuten teilen", sondern die denken sich einfach nur "ich will Profit machen, egal wie". Die Beweggründe sind grundsätzlich andere, und das Ergebnis ist auch ein grundsätzlich anderes.

Und wo und vor allem wie willst du da die Grenze ziehen? Lässt man Sonderfälle zu, erschafft man wieder Grauzonen, die ausgenutzt werden können. Klar, manche Piraten teilen einfach gerne und sonnen sich darin, dass sie es geschafft haben, ein Produkt an der Marktkette vorbei kostenlos anzubieten. Einen Heiligenschein der Selbstlosigkeit besitzt aber auch von denen sicher keiner. Natürlich wiegt es schwerer, wenn jemand Geld mit meinem Produkt macht, ohne, dass auch ich davon profitiere, als wenn mein Produkt einfach irgendwo eben noch kostenlos in meist schlechterer Qualität zur Verfügung steht. De facto ist beides aber nicht rechtens und muss schlicht und ergreifend unterbunden werden. Vor allem damit jene, die Geld daraus schlagen, aus dem Verkehr gezogen werden. Dann müssen die Idealisten unter den Piraten eben in den sauren Aofel beißen. Zumal ich es sehr selbstgerecht von diesen Idealisten finde, zu entschieden, ob das Kunstprodukt eines anderen Allgemeingut ist oder nicht. Es ist meins, also entscheide ich.

Auch ein guter Punkt. Es gibt viele ältere Fantasy-Bücher, die heute nicht mehr im Druck sind und nur noch aus zweiter Hand zu bekommen sind, und da sind sie meist schweineteuer. In wenigen Glücksfällen hat der Autor das Selfpublishing entdeckt und das Buch auf diese Weise neu veröffentlicht (wenn die Rechte wieder bei ihm liegen), aber in vielen Fällen ist das Buch einfach vergriffen und wenn man es haben will, muss man ordentlich dafür blechen. 100 Euro für ein Paperback? Uff! Vielleicht, wenn man Sammler ist, aber wenn man einfach nur ein altes, vergriffenes Fantasybuch lesen möchte...

In solchen Fällen ist Piraterie meiner Meinung nach völlig legitim. Da entsteht niemandem ein Schaden, da entgeht auch niemandem ein Gewinn, da das Buch sowieso seit über 10 Jahren nicht mehr im Druck ist. In so einem Fall ist die Piraterie sogar positiv, weil sie ein Werk, das möglicherweise in Vergessenheit geraten wäre, aus dieser hervorholt.
Man wird es kaum glauben, aber man kann sich tatsächlich seine Schuhe anziehen, vor die Tür gehen und da findet man Büchereien, Antiquariate und Flohmärkte. Und genau an solchen Orten findet man auch alte, längst vergriffene Werke. Aber auch online kann man über Second Hand leicht an vergriffene Bücher heran kommen und muss nicht immer Riesenbeträge dafür hinlegen. Eine deutsche Ausgabe von "Der Wurm Ouroborus" hat mich 6€ gekostet. Gut, "Die Analand-Saga" (Abenteuerspielebuch) würde mich derzeit gebraucht etwa 40€ pro Band kosten. Das lasse ich bleiben. Die finde ich in der Bücherei.

Ich denke schlichtweg so: wenn jemand ein Werk von mir auf Piratebay oder irgendeiner anderen illegalen Downloadseite hochlädt, dann ist es da. Kann ich nix gegen machen. Jetzt könnte ich mich aufregen und versuchen, irgendwie dafür zu sorgen, dass es von dort verschwindet (was nicht klappt), und dadurch die Piraten in gewisser Weise noch anfeuern, weil sie mich dann als Arsch empfinden und sich moralisch im Recht sehen würden. Oder ich könnte akzeptieren, dass sowas passiert, und dass sowas auch immer passieren wird (es ist egal, was wir hier dagegen zu unternehmen versuchen, die Seiten sind meistens irgendwo in Osteuropa gehostet, wo das niemanden juckt), und den Piraten freundlich entgegentreten und sie darum bitten, mein Werk zu kaufen wenn es ihnen gefällt. Auf sowas reagieren die Piraten meistens weitaus positiver, und das stimmt auch einige wenige zum Kauf um. Ja, nur einige wenige, machen wir uns nichts vor - aber trotzdem besser als nichts.

Rege ich mich also über etwas auf, das einfach passiert und gegen das ich nichts machen kann? Oder akzeptiere ich, dass es existiert, und versuche die positiven Seiten daran zu sehen? Ich weiß, welche Option besser für meine Nerven ist. Und womöglich ist sie auf Dauer auch besser für meinen Geldbeutel.

Ich bin nicht gegen das Urheberrecht. Ich finde das Urheberrecht gut. Aber ich werte "kleinere" Vergehen dagegen als weniger problematisch als größere (Raubkopien sind für mich kein Grund zum Aufregen; Plagiat oder das Verkaufen von illegal angefertigten Kopien schon).
Da kann ich dir zustimmen. Es ist auf jeden Fall besser für die Nerven und derzeit im Rahmen meiner Möglichkeiten.
@Nycra: Da muss ich aber auch gleich sagen, dass ich es toll finde, dass du dich durchbeißt und es tatsächlich Erfolg hast. Man müsste wohl wirklich endlich einmal den KOpf aus dem Sand nehmen.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Fianna am 29. Juni 2016, 12:16:02
Man wird es kaum glauben, aber man kann sich tatsächlich seine Schuhe anziehen, vor die Tür gehen und da findet man Büchereien, Antiquariate und Flohmärkte. Und genau an solchen Orten findet man auch alte, längst vergriffene Werke.
Das ist mir danach auch noch eingefallen. Ich habe ein paar Klassiker von einem Bekannten geschenkt bekommen, der nichts dafür haben wollte, weil er meinte, die älteren Fantasy-Bücher haben praktisch Kilopreise in den Antiquariaten, die er besucht.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Tintenteufel am 29. Juni 2016, 12:47:16
Man wird es kaum glauben, aber man kann sich tatsächlich seine Schuhe anziehen, vor die Tür gehen und da findet man Büchereien, Antiquariate und Flohmärkte. Und genau an solchen Orten findet man auch alte, längst vergriffene Werke.
Das ist mir danach auch noch eingefallen. Ich habe ein paar Klassiker von einem Bekannten geschenkt bekommen, der nichts dafür haben wollte, weil er meinte, die älteren Fantasy-Bücher haben praktisch Kilopreise in den Antiquariaten, die er besucht.

Ist richtig. Ich hab auch nicht gesagt, dass Piraterie in diesem Fall der einzige Weg ist. Aber definitiv einer, bei dem absolut niemand zu schaden kommt. Der Autor ist hin, der Verlag hat keine Alternative und weder die Bücherei noch das Antiquariat erleidet irgendeinen materiellen Schaden.
Und, wie ebenfalls schon gesagt: Der Hauptgrund für Piraterie ist Convenience. Klar könnte man durch die Stadt jagen, dutzende wundervoller kleiner Antiquariate durchstöbern, alte Wälzer entziffern, alles auf der Suche nach dieser einen bestimmten Ausgabe, die man will.
Oder man googlet zwei Minuten.

Zitat
Nur weil etwas legal nicht verfügbar ist, heißt das nicht, dass man es sich klauen darf.
Doch, genau das heißt es. Für Marktfetischisten sowieso, weil das einfach nur das Gesetz von Angebot und Nachfrage ist. Ich will etwas, ich kann es nur so bekommen, ich bekomme es genau so.
Für die Kommunisten unter uns: Niemand, absolut niemand, hat das Recht ideelle Werte unter Verschluß zu halten. Insbesondere nicht, wenn wir von älteren Büchern reden, bei denen keiner der ursprünglichen Macher irgendetwas davon hat. Es ist in meinen Augen obszön, die Verteilung von Kunst, Kultur und Wissen "Diebstahl" zu nennen - die anderweitig unterdrückt werden würde, wie...oh, sagen wir mal einer der hunderten verbotenen Klassiker der Weltliteratur (https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_books_banned_by_governments).
Bei neueren Werken, wo der Autor noch lebt, klar da muss der für seine Arbeit entschädigt werden. Aber niemand kann verlangen für ins Gemeingut und die Weltkultur übergangene ein Monopol zu besitzen. Schon gar nicht für Kunst.

Die Sache ist deutlich komplizierter als "Piraten sind Diebe und gehören hinter Gitter". Deutlich.
Was ist mit Star Wars beispielsweise? Du bekommst die Originaltrilogie nicht mehr. Nicht in der ursprünglichen Theaterfassung (https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_changes_in_Star_Wars_re-releases). Eigentlich nichtmal in der späteren VHS-Fassung von 1980. Nicht mal auf VHS. George Lucas hat jede Fassung nach den Videos von 1981 höchst persönlich vergewaltigt und mit noch mehr Mist vollgestopft. Nach gängigem Recht ist es schlicht illegal, sich die ursprünglichen Fassungen irgendwie zu besorgen, zu streamen oder sogar Fan Edits im Internet zu gucken, die sie restaurieren.
Müssen wir warten, bis Lucas tot ist und beten, dass er in den nächsten vierzig Jahren die Negative nicht verbrennt? Nein. Manche Güter - insbesondere Kultur und Kunstgüter - sind Gemeingut.
Genau das ist auch ein Fall von Convenience. Ich KÖNNTE warten und betteln, dass Lucas bitte, bitte endlich die Originaltrilogie raus bringt. Ich könnte mir für 300$ eine halbwegs usprüngliche Kopie aus aller Welt zusammen suchen. Oder ich google fünf Minuten.

Das Star Wars Argument lässt sich auch für einige fast vergessene Bücher verwenden, bei denen man sich nicht mehr sicher sein kann, ob sie Gemeingut sind oder nicht. Alles von H.P.Lovecraft beispielsweise.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Alana am 29. Juni 2016, 12:51:01
Lieber Tintenteufel, an dieser Stelle denke ich, sind die Differenzen zwischen uns zu groß, so dass eine weitere Diskussion keinen Sinn hat. Von dieser Einstellung, die du da vertrittst, wirst du mich nie überzeugen. Und ich dich auch nicht von meiner. Die Welt braucht  unterschiedliche Meinungen. :)
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: FeeamPC am 29. Juni 2016, 13:17:31
Klitzekleiner Nachtrag:

Es landen sogar Bücher auf Piratenseiten, die offiziell gratis zu bekommen sind. Das macht überhaupt keinen Sinn – außer, wenn die Piratenseite damit Geld macht.
Den Rest kann man sich denken.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Evanesca Feuerblut am 29. Juni 2016, 13:35:58
Noch nie war es so einfach wie heutzutage, an kostenlose oder billige Bücher zu gelangen. Noch bevor ich einen Blog hatte, konnte ich mir über Amazon bei Gratisaktionen welche herunterladen oder in Leserunden (Gegenleistung: Rezension auf dem Portal und auf Amazon) Bücher gewinnen.
Buchhandlungen meckern darüber, dass ihnen teilweise Gewinne entgehen, weil die Vielleser darauf warten, ob sie bei einer der 500 täglichen Verlosungen auf Facebook das Buch gewinnen, statt es zu kaufen.
Sobald man einen Buchblog eröffnet - oder auch nur das Wort "Buch" in der URL der eigenen Webseite irgendwo hat - bekommt man mehr Rezensionsexemplare hinterhergeworfen, als man überhaupt lesen will. Und das nicht nur von Indies, ich hatte letztens eine Anfrage von einem Bastei-Lübbe-Autor im Postfach.
Dank des Bloggerportals von Randomhouse kann sich jeder Buchblogger bis zu 10 Bücher auf einmal kostenlos zuschicken lassen. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, wer auf Randomhouse fixiert ist, könnte theoretisch nie mehr ein Buch kaufen ;-)

Von den hier angesprochenen Flohmärkten, Antiquariaten, oder Bibliotheken, die ihr Aussortiertes zu Kilopreisen, für symbolische Zahlung oder ganz kostenlos hergeben (weil sie es sonst auf den Müll werfen müssten) will ich gar nicht erst reden.

Es ist also nicht so, dass Piraterie nötig wäre, um überhaupt Zugriff auf das Kulturgut Buch zu erhalten. Bei weitem nicht. Es gibt so absurd viele Wege, legal an Gratisbücher zu kommen, dass es schon fast schädigend ist, wenn zu Viele das System zu extensiv nutzen.

Meine eigene Pirateriestory ist etwas ... schräg, aber erzählenswert:

Ich habe mich vor einiger Zeit selbst gegoogelt, weil ich auf Twitter von einer Lästerhomepage gelesen habe, die irgendwie auch Profile für Leute erstellt, die selbst gar nicht dort sind/sein wollen, wenn jemand anders die Handynummer hat. Was ein Glück, dass kein Mensch meine neue Nummer hat, aber ich wollte trotzdem mal vorsichtshalber googeln, ob ich da gelandet bin.
Und fand was GANZ anderes.

Allen Ernstes eine Webseite, die eine eBook-Versionen meines am Liebsten totgeschwiegenen SP-Erstlings gratis zum Download angeboten hat.
Zunächst einmal: Okay, es ist nichts Besonderes dabei, dass Raubkopien von eBooks durchs Netz flitzen. Wie oben bereits erwähnt, dauert das manchmal keine halbe Stunde. Als ich "Licht und Schatten" allerdings 2009 bei BoD hochgeladen habe, war die elektronische Version noch nicht verfügbar. Erst ein- oder zwei Jährchen später hätte ich gegen 90€ das Manuskript in eine elektronische Form konvertieren lassen können, aber... Nein. Einfach nein xD. Habe ich nicht getan. Das Buch hat sich kaum verkauft und ich bekam schon den damaligen Preis für das Starterpaket nicht mehr rein, da war irgendein kostenpflichtiges Upgrade erst Recht nicht drin.

Wieso zum Geier gibt es also überhaupt ein eBook von "Licht und Schatten"? Hat da jemand die Seiten eingescannt - oder, angesichts dessen, dass eines der angebotenen Formate .txt ist - gar einfach ein gekauftes Exemplar abgetippt? :O
Hat der Mensch keine Hobbys?
Das war 2012.
Ich habe an den Betreiber eine freundliche Mail geschickt, mit der Bitte, das eBook runterzunehmen, da ich das Buch selbst 2014 vom Markt genommen habe (seitdem eiert das immer noch unverkaufte, letzte von Amazon vorbestellte Neuexemplar noch... auf Amazon herum, die 2,50€ dafür habe ich vor Jahren kassiert und niemand wollte es haben).

Da wurde es auch irgendwann tatsächlich runtergelöscht. So weit, so brav. Nur, dass ich im Folgenden feststellte, dass derselbe Mensch/die selbe Firma (die Support-Mailaddy, an die man eine Takedown-Notice senden konnte, war auf allen Webseiten die gleiche) es dann rund 16 mal wieder hochgeladen hat. Derzeit ist Ruhe, nachdem ich JEDES Mal an die gleiche Adresse die Takedown-Notice schrieb, dabei zusehends unhöflicher wurde und andeutete, dass ich das nächste Mal einen Anwalt einschalte.

Und dann dachte ich, ich schaue, ob es noch irgendwo herumschwirrt und wurde auf einem Wordpress-Blog ohne Impressum fündig, wo das PDF angeboten wird *seufz*. Das ist von 2013 und ich habe Wochen gebraucht, bis Wordpress mal reagiert hat und den Blog löschen ließ. Hat aber geklappt.
Es ist "Licht und Schatten". Auch wenn die angeblichen Downloadzahlen schon beeindruckend sind - was mich hier wirklich geschädigt hat, war was anderes.
Das Buch war vom Markt. Finanzielle Einbußen? Jetzt nicht wirklich.
Aber jeder, der nach mir googelte, hatte auf den ersten Seiten fast nur die Raubkopierer. Für tatsächlich interessierte Leser war es fast unmöglich, mich zu finden oder Kontakt zu mir aufzunehmen.

Das hat mich fast am Meisten geärgert, dass solche illegalen Downloadportale durch das hohe Besucheraufkommen meine legalen Kontaktdaten quasi verdrängt haben. Und das ist ein Schaden, den man mitdenken muss.

Kurz:
Ich kann Piraterie nicht gutheißen, auch nicht aus ideologischen Gründen, weil es außer Faulheit und Convenience gerade im deutschsprachigen Raum keinen Grund gibt, sich Bücher illegal zu ziehen. (Man könnte sich darüber streiten, ob es z.B. nicht was ganz anderes ist, wenn in einem diktatorischen Regime bestimmte Bücher verboten sind und nur so weitergegeben werden können. Das ist aber eine andere Baustelle, mir geht es um ganz normale Unterhaltungsliteratur und den deutschsprachigen Raum.)
Und die große Beliebtheut von Filesharingseiten führt dazu, dass die tatsächlichen Seiten der Autoren nicht mehr auffindbar sind, wodurch ein zusätzlicher "Potentialschaden" neben dem möglicherweise entgangenen Kapital entsteht.

Klitzekleiner Nachtrag:

Es landen sogar Bücher auf Piratenseiten, die offiziell gratis zu bekommen sind. Das macht überhaupt keinen Sinn – außer, wenn die Piratenseite damit Geld macht.
Den Rest kann man sich denken.
Ohne Worte.  :'(
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: cryphos am 29. Juni 2016, 14:13:11
Was ist mit Star Wars beispielsweise? Du bekommst die Originaltrilogie nicht mehr. Nicht in der ursprünglichen Theaterfassung (https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_changes_in_Star_Wars_re-releases). Eigentlich nichtmal in der späteren VHS-Fassung von 1980. Nicht mal auf VHS. George Lucas hat jede Fassung nach den Videos von 1981 höchst persönlich vergewaltigt und mit noch mehr Mist vollgestopft. Nach gängigem Recht ist es schlicht illegal, sich die ursprünglichen Fassungen irgendwie zu besorgen, zu streamen oder sogar Fan Edits im Internet zu gucken, die sie restaurieren.
Müssen wir warten, bis Lucas tot ist und beten, dass er in den nächsten vierzig Jahren die Negative nicht verbrennt? Nein. Manche Güter - insbesondere Kultur und Kunstgüter - sind Gemeingut.
Genau das ist auch ein Fall von Convenience. Ich KÖNNTE warten und betteln, dass Lucas bitte, bitte endlich die Originaltrilogie raus bringt. Ich könnte mir für 300$ eine halbwegs usprüngliche Kopie aus aller Welt zusammen suchen. Oder ich google fünf Minuten.

Das Star Wars Argument lässt sich auch für einige fast vergessene Bücher verwenden, bei denen man sich nicht mehr sicher sein kann, ob sie Gemeingut sind oder nicht. Alles von H.P.Lovecraft beispielsweise.
Ja Georgie hat es verbockt. Seine neue Fassung ist nicht so dolle. Aber er hat das Script geschrieben, das Drehbuch dazu, die Story erfunden und die Filme produziert. Das Zeug gehörte ihm, bis er es an Disney verkaufte. Wieso sollte er/Disney also nicht entscheiden dürfen, wie er seine Werke verkauft? Du willst die verlängerte Version nicht? Dann kauf dir die alte. Du hast das Geld nicht um diese Rarität zu kaufen? Also darfst du sie dir jetzt kostenlos kopieren?
Ähm nö!
Du hast kein Recht dir diese Sachen zu besorgen!

Nach einer gewissen Zeit werden diese Dinge gemeinfrei und dürfen legal kopiert werden. Bis dahin haben weder du noch sonst jemand das Recht sich diese Sachen anzueignen. Wenn dadurch die eine oder andere Perle verloren geht, schade, sehr schade. Doch mitnichten ist irgendetwas Gemeingut, weil es digital verfügbar ist.

Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist das momentan geltende Recht. Die Schutzfristen sind in meinen Augen zu lang, zu viel geht deswegen verloren. Wie Firmen die jeweiligen Landesgesetze ausnutzen um Profit zu machen und die Werke ausschlachten (siehe Happy Birthday) ist eine Schweinerei. Hier muss was geändert werden.

Dennoch lieber Tintenteufel, hast du nicht das Recht zu entscheiden, was du dir kopieren darfst und was nicht.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Araluen am 29. Juni 2016, 19:04:49
Solange ein Künstler lebt und das Urheberrecht an seinem Werk hat, ist es das Recht des Künstlers zu entscheiden, was mit seinem Kunstwerk geschieht.
Wenn ein Autor seinen Roman als PDF auf seiner Homepage hochlädt und vermerkt, dass dieses PDF frei im Netz verbreitet werden kann, damit jeder dieses Werk lesen kann, dann hat er willentlich entschieden, dass es kostenlose Kopien im Netz gibt. Genauso sollte er aber selbst entscheiden dürfen, dass es nur lizensierte, also zu kaufende Kopien gibt. Ebenso kann George Lucas beschließen, seine Filme neu zu drehen (ich finde die Neufassung auch eher daneben gegriffen) und die Alte in der Versenkung verschwinden zu lassen.
Es ist vermessen von den Piraten, zu behaupten, alles, was im Netz zugänglich ist, sei frei und Allgemeingut und könne damit verbreitet werden. Den Urheber treten sie damit mit Füßen. Und wenn man konsequent bleibt mit der Aussage, dass oben genanntes zutrifft, dann hindert das auch niemanden daran, Kunstwerke, ob Bücher, Filme oder Musik zu verändern. Mir gefällt das Ende von Star Wars nicht? Schneide ich eben einfach ein neues hinein. Ich mag den Prota nicht? Streiche ich einfach seine Kapitel.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: canis lupus niger am 08. Juli 2016, 19:58:14
Wer sich eine Leistung erschleicht, begeht eine Art Diebstahl. Ob derjenige das Produkt eines Autors auf seinen Rechner kopiert, ohne dafür zu bezahlen, oder ob er nachts über den Zaun des Freibades klettert, um kostenlos zu baden. Auch im Freibad entsteht kein unmittelbarer Schaden, wenn derjenige nicht irgendwas zerstört. Wer sich ein Auto "ausleiht", das am Straßenrand parkt, tut auch etwas Illegales, selbst wenn der Schlüssel steckte und der Wagen vollgetankt wieder zurück gebracht wird. Aber der Täter nutzt ohne Erlaubnis etwas, dessen Bereitstellung Aufwand/Kosten erfordert hat (Material, Arbeitszeit, etc.). Und jeder, der so einen Aufwand erbracht hat, um ihn sich hinterher bezahlen zu lassen (um zum Beispiel den Aufwand rückwirkend zu finanzieren), hat auch einen verd***ten Anspruch darauf, dass das passiert. Wer nicht bezahlen will, soll gefälligst auch auf den Nutznieß verzichten. Wie bereits gesagt, gibt es genug Bücher, die legal kostenlos zu erwerben sind. Jemandem etwas wegzunehmen, nämlich das Recht auf die Benutzung einer Sache, ist ein Dieb. Punkt!

 
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: flowrite am 10. Juli 2016, 10:46:38
Meiner Meinung nach fällt unser Rechtsempfinden gegenüber der Realität, dem technologischen Fortschritt zurück. Ob illegal angebotene E-Books als Diebstahl verfolgt werden bzw. im Vorfeld verhindert werden muss, ist als Frage ungefähr vergleichbar damit, ob es gesundheitsschädlich sei, bei erhöhten Ozonwerten draußen zu sein. Klar kann man in der Wohnung bleiben, aber das macht ja auch wieder krank auf längere Sicht. Auch Autoren profitieren heute vom Internet, sei es für die Recherche oder für den Austausch mit anderen Autoren.
Piraterie gibt es und kann nicht verhindert werden, ohne dass legale Käufer unter denselben Maßnahmen leiden – und womöglich aus Trotz die Seiten wechseln.

Für viele ist es ein Sport, bei der Nutzung des Internets (wie bei allem anderen) nach dem Maximalprinzip zu verfahren, sich Schleichwege zu erschließen, und nach ökonomischen Gesichtspunkten ist das auch vernünftig. Dies gepaart mit einem Mangel an konventionellem Rechts- und Moralempfinden verdirbt die bisherigen Wege des produktionsseitigen Erwerbs. Das ist wie eine Dampfmaschine mit über die Zeit undicht gewordenem Kessel. Man kann sie weiter benutzen, solange wie noch genügend Effizienz die Alternative der Reparatur oder Ersatzes kostenaufwendiger erscheinen lässt. Aber irgendwann ist Schicht. Übertragen aufs Thema heißt das für Autoren und Verlage, dass sie sich neue Vertriebswege erschließen müssen, damit sie nicht verhungern. Zu jammern, dass die bestehenden Wege nicht mehr so profitabel sind wie sie nie waren: Kann man machen. Man kann auch Drogen nehmen oder sich Blei in den Kopf jagen. Man kann aber auch echte Lösungen suchen.

Hier zwei Ideen, die sicherlich beide Vor- und Nachteile haben:
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Zit am 10. Juli 2016, 15:30:40
Zitat
und zum Schutz des geistigen Eigentums an Online-Literatur.

Vertseh ich nicht. Meine Rechte als Urheber sind schon durchs Recht abgedeckt, wozu ein Verein?
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: flowrite am 10. Juli 2016, 15:57:45
Ein Verein könnte dir die laufende professionelle Plagiatssuche abnehmen, oder dir Beihilfe / Ermäßigung zu notarieller Beglaubigung eigener Veröffentlichungen gewähren ... Das eine lässt dich überhaupt erst wissen, wenn einer dein Recht verletzt hat, (braucht ja nicht online sein, sondern ... siehe Hegemann-Affäre) das andere verleiht deinem Anspruch notfalls die nötige Beweiskraft vor Gericht. Wenn du ein Verlag hast, kann er das nachweisen, dann ist das nicht dein Bier. Im Selbstverlag erschienene Bücher sind da schon problematischer, die kannst ja du genauso plagiiert haben von dem anderen.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Zit am 10. Juli 2016, 16:22:13
Prozesshilfe kriege ich auch über den BVjA bzw. macht das auch der VS in ver.di (sofern man bei einem von beiden Mitglied ist). Außerdem gibt es auch Agenturen, die die Verfolgung aufnehmen, wie @Nycra eine engagiert hat. (Ich gehe davon aus, dass die Agentur ihre Entlohnung selbst erarbeiten muss oder eher einen kleineren Betrag monatlich kostet.) Ich wüsste nicht wozu es da nochmals einen Verein braucht. Zuerst dachte ich, du sprichst von einem Verein, der Stipendien vergibt, aber auch das wäre wieder ein Tropfen auf dem heißen Stein bzw. bekämpft das eigentliche Problem nicht.
Das eigentliche Problem ist, dass viele Menschen vergessen haben, wozu Gesetze da sind. Meiner Meinung nach sind es Regeln für das Zusammenleben, auf die wir uns als Gesellschaft geeinigt haben. Da kann ich mich nicht einfach auf egoistische, selbsbereichernde Weise hinwegsetzen und denken, dass mir das alle anderen verziehen werden. Nur weil hundert Leute mir was vom blauen Pferd erzählen macht es das nicht wahrer.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: flowrite am 10. Juli 2016, 16:54:11
Nun ja, offensive oder defensive Bekämpfung ... so eine Agentur kann nur offensiv, aber offensiv ist immer auch etwas egoistisch. Wer defensiv sich verteidigt, mag wie ein Feigling erscheinen, aber auch das trocknet den Sumpf aus und kann ganz neue Möglichkeiten erschließen, Wegbereiter für neue Arten der Veröffentlichungen und des Umgangs mit Online-Literatur. Es ist ziemlich ermüdend, ständig gegen andere zu kämpfen und macht keinen Spaß, weshalb es eben solche Agenturen gibt. Nycra hat offenbar gute Erfahrungen mit der offensiven Ansatz gemacht, das gönne ich ihr sehr, der ist summa summarum bestimmt nicht ganz billig. Ein Verein kann aber beide Strategien parallel verfolgen

So eine Vereinssatzung, wie sie mir vorschwebt, ist aber doch etwas höher aufgehangen und hält auch Anreize bereit für junge Autoren, zu veröffentlichen. Demnächst eröffne ich einen Thread im Tintenzirkel, um meine Idee vorzustellen, vielleicht findet sie ja doch Anklang bei dir und anderen.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Zit am 10. Juli 2016, 16:57:07
Ja, vermutlich musst du da wirklich mal weiter ausholen. ;)
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: canis lupus niger am 11. Juli 2016, 07:49:14
Das eigentliche Problem ist, dass viele Menschen vergessen haben, wozu Gesetze da sind. Meiner Meinung nach sind es Regeln für das Zusammenleben, auf die wir uns als Gesellschaft geeinigt haben. Da kann ich mich nicht einfach auf egoistische, selbsbereichernde Weise hinwegsetzen und denken, dass mir das alle anderen verziehen werden. Nur weil hundert Leute mir was vom blauen Pferd erzählen macht es das nicht wahrer.

Genau das ist aus meiner Sicht der springende Punkt. Es gilt heutzutage als überholt, sich an Regeln und Gesetze zu halten. Ein selbstbewusster und intelligenter moderner Mensch MUSS alle Gesetzeslücken und alle Schwächen unses Rechtssystems ausnutzen um sich selber zu bereichern. Woran man nicht gehindert kann, ist erlaubt, und jeder, der das nicht ausnutzt, ist dämlich. Er gilt als träge, hinterwäldlerisch, dumm, obrigkeitsgläubig und nicht-selbstbestimmt. Er stellt sich als Loser und leicht auszunutzendes Opfer dar. Er fordert es regelrecht heraus, selber betrogen zu werden, weil er es nicht besser verdient hat.

Zu zynisch? Meiner Erfahrung nach nicht. Warum lieben Kinobesucher die Lokis und Luzifers mehr als die "guten" Jungs? Weil sie gerissen und egozentrisch sind, Eigenschaften, mit denen "man" sich heutzutage gerne identifiziert. Sich auf Kosten anderer erfolgreich durchmogeln und sich mehr Vorteile verschaffen zu können als andere, wird gesellschaftlich höher bewertet, als Ehrlichkeit.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Zit am 11. Juli 2016, 21:30:08
Ich denke, dass die "Bösen" eher das symbolisieren, was man sich selbst nicht traut. Eben in Hinsicht auf Gesetze, die es verbieten.
Ob es wirklich so krass ist wie du sagst, weiß ich nicht. Den Eindruck habe ich nicht, aber mein Wirkunsgkreis ist auch recht klein. Mir fällt eher auf, dass die Leute gern das Hirn zu Hause lassen beim Einkaufen und hofiert werden wollen vom Verkäufer, also mit respektlosen Ansprüchen kommen. (Die wir uns aber letztlich selbst zuschreiben können, wenn "der Kunde ist König" bis zum Exzess durchgedrückt wird, auch gerade von der Chefetage.)
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: canis lupus niger am 15. Juli 2016, 09:01:50
Ich sehe es tatsächlich so, dass "anständig/ehrlich" heutzutage mit "doof" gleichgesetzt wird. Gegen Gesetze zu verstoßen, sofern man dafür nicht bestraft wird (bzw. werden kann, weil man nicht erwischt wird oder die Sache wegen "Geringfügigkeit" nicht verfolgt wird), gilt als intelligent und als legitime Entfaltung der eigenen Persönlichkeit.

Dass es verschiedene Ansichten darüber gibt, welche Gesetzesverstöße gesellschaftlich akzeptabel sind und welche nicht, sieht man ja sogar hier in dieser Diskussion. Sogar eine Gemeinschaft von potenziell Geschädigten (nämlich Autoren und z.T. [Selbst-]Verlegern) ist geteilter Meinung darüber, ob man für die Nutzung des geistigen Eigentums Anderer bezahlen muss oder nicht, wenn es die Möglichkeit gibt, sie sich straflos widerrechtlich kostenlos zu beschaffen ...
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: FeeamPC am 15. Juli 2016, 11:07:47
Ich erlebe das nicht nur in meiner Eigenschaft als  Verlegerin, die ja genauso wie die Autoren dadurch schamlos beklaut und um den Ertrag sauer verdienter Arbeit gebracht wird, sondern auch in meinem Hauptberuf, dass die Leute frischfröhlich erwarten, dass man sich über Gesetze hinwegsetzt.
Hauptargumente:
Sie können doch einfach ...
Ist ja nur ausnahmsweise ...
Ich brauche das aber ...
Ich habe keine Zeit ... (mich um die legale Beschaffung zu kümmern)
Ich habe das einfach vergessen ...
Passt heute nicht in meine Termine ...
Letztlich egoistische Bequemlichkeit, die selbst dann beibehalten wird, wenn ich denen sage, dass mich das meinen Job kosten kann. Interessiert die nicht.

Klar.

Möchte nur mal wissen, ob die hinter der roten Ampel genauso reagieren.
Herr Polizist, lassen sie mal das Knöllchen und die Punkte sein, ist doch niemand zu Schaden gekommen, nur weil ich mal eben bei Tiefrot über die Ampel gefahren bin. Sie können ja in meinem Fall ruhig mal ein Auge zudrücke. Mach ich auch nicht immer (aber immer öfter)...
Außerdem, es ist ja nur ein virtueller Schaden, weder Sachen noch Personen sind zu Schaden gekommen ...

Verdammt, Gesetze sind zum Einhalten da, selbst wenn sie nicht in jedem Fall einsichtig sind. Sie sind notwendig, damit eine so große Menge Menschen einigermaßen reibungslos zusammen leben kann. Wenn die Gesetze nur noch als willkürliche Spielbälle nach Lust und Laune ausgelegt werden, dann herrscht irgendwann blanke Anarchie.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Feuertraum am 16. Juli 2016, 08:34:47
Frage an FeeamPC: Angenommen, Sie erwischen einen Ladendieb. Wie verhalten Sie sich?

a) Sie nehmen ihm das Gestohlene wieder ab, drohen mit dem Zeigefinger ein "Dududu" und schmeissen ihn aus dem Geschäftslokal mit dem Hinweis, dass diese Person Hausverbot hat

b) Sie halten ihn fest, bis die Polizei ihn in Gewahrsam nimmt.

Lautet die Antwort a), dann wird dort der Diebstahl ein- und ausgehen, bei solch harmlosen Konsequenzen.

Lautet die Antwort jedoch b), dann zeigen Sie dem Ladendieb, was passiert, wenn man gegen geltendes Recht verstößt.
Wundern Sie sich jedoch nicht, wenn einige Wochen später nach diesem Vorfall ein Schreiben von einem Anwalt in Ihrem Briefkasten liegt, in dem es heißt, dass Sie wegen Freiheitsberaubung angeklagt werden - schließlich haben Sie den Ladendieb gegen seinen Willen ja festgehalten und damit eine Straftat begangen.

Ein vollkommen schwachsinniges, an den Haaren herbeigezogenes Beispiel?
Leider nein.
Einem Kollegen aus einer anderen Filiale ist genau das passiert. Ladendieb geschnappt, bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten (eingesperrt), ihn dann den Gesetzeshütern übergeben und ein paar Wochen später mit der Begründung der Freiheitsberaubung angeklagt worden.
Leider weiß ich nicht, wie der Fall ausging, und ich kann im Sinne des gesunden Menschenverstandes nur hoffen, dass diese Anklage ruckzuck abgeschmettert wurde.
Nur allein dadurch, DAS er schon angezeigt wurde, zeigt doch, dass man reele Chancen sah, seine Rechte durchzuboxen.

Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Sascha am 16. Juli 2016, 10:01:09
@Feuertraum: Unsere Juristen werden die genaue Formulierung kennen, aber m.W. hat jeder Bürger das Recht, einen Straftäter vorläufig festzuhalten, um ihn dann asap der Polizei zu übergeben.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: FeeamPC am 16. Juli 2016, 10:51:48
Dass er Anklage erheben kann, zeigt nicht, dass sie berechtigt ist oder sein könnte. Unser Rechtssystem erlaubt Anklageerhebung auch in völlig aussichtslosen Fällen.
Außerdem ist so ein Verhalten der Täter wohl eher ein Auswuchs der US-Rechtssprechung, im Fernsehn gesehen, wo man tatsächlich mit solchem Unfug nicht nur durchkommen, sondern dicke Summen Schadensersatz erstreiten kann (genauso sinnvoll, wie McDoof wegen der eigenen Gewichtszunahme oder die Tabakindustrie wegen des Lungenkrebses anzuklagen, in beiden Fällen hat man genau gewusst, was man tat, und will die Verantwortung nicht übernehmen, bzw. die Anwälte wittern dickes Geld, was es in den USA tatsächlich gibt).
Der Haken ist nur, unser Rechtssystem arbeitet deutlich anders, und auch eventuelle Schadensersatzsummen sind sehr deutlich geringer.
Und ja, ich darf einen Ladendieb festhalten,  wenn ich ihn auf frischer Tat ertappe.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: canis lupus niger am 16. Juli 2016, 12:12:37
Ein Rechtsanwalt bekommt sein Geld in jedem Fall, egal, ob er einen Fall gewinnt oder verliert. Bezahlen muss immer der Verlierer eines Prozesses, bzw. seine Rechtschutzversicherung. 

Allerdings werden die Anwaltshonorare hierzulande durch eine Gebührenordnung vorgegeben, und auch die Höhe eines erreichbaren Schadensersatzes ist begrenzt. In den USA ist das nicht der Fall. Dort sind die grotesk hohen Schadenersatzforderungen auch dadurch bedingt, dass bis zu 70 % der erstrittenen Beträge an die Anwaltskanzlei gehen.

Aber eine Anzeige wegen Freiheitsberaubung ist ohnehin keine privatrechtliche Sache, sondern ein Straftatbestand, da muss erstmal die Polizei die anzeige für berechtigt einschätzen, ehe sie an die Staatsanwaltschaft weiter geht, die dann wiederum Klage einreicht. Trotzdem bekommt der Anwalt sein Geld von seinem Klienten, falls dieser zahlungsfähig ist. Aber er wird sich wohl vorher darüber vergewissert haben.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Eluin am 16. Juli 2016, 12:27:52
@Feuertraum: Unsere Juristen werden die genaue Formulierung kennen, aber m.W. hat jeder Bürger das Recht, einen Straftäter vorläufig festzuhalten, um ihn dann asap der Polizei zu übergeben.
Laut meiner Schulung im Sicherheitsdienst hat jeder - vor allem Ladendetektive bzw. Sicherheitspersonal - das Recht jemanden festzusetzen, bis die Polizei eintrifft und den Fall aufklärt.

Aber um beim Thema Piraterie zu bleiben: ich schüttel auch immer wieder den Kopf, wenn mich Leute fragen, ob ich nicht EBooks usw. kopieren könnte  ::) Gut, gedruckte Bücher leihe ich durchaus aus, aber gerade das kopieren von digitalen Medien, wo ich weiß, dass der Autor die nicht kostenlos verteilt, finde ich alles andere als fair. Dann wird nämlich weiter und weiter kopiert. Ausgeliehene Bücher bekomme ich schließlich zurück. Mittlerweile streue ich diese Gedanken ala "Ich will auch irgendwann vom Schreiben leben können - also seid auch zu anderen Künstlern (Musik, Bücher, Fotografen, ...) so fair und bezahlt sie für ihre Leistungen" immer weiter in meinem Familien- und Freundeskreis. Genauso aber auch umgekehrt, dass sich Künstler nicht unter Wert verkaufen (wie eine Freundin, die auch gerne mal dies, das und jenes kostenlos macht für Institutionen, die das Geld hätten). Eben damit dieser "das gibt es ja umsonst"-Gedanke mal weniger wird.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Leon am 03. August 2016, 15:53:34
Ich denke, bei den heutigen technischen Möglichkeiten gibt es nichts, was nicht kopiert, gefälscht oder geklaut werden kann. Ich persönlich finde, der oder die Täter, sofern man ihnen habhaft werden kann, müssten wesentlich härter bestraft werden. Über eine Geldstrafe oder Bewährung lachen die sich doch kaputt.  >:(

Grüßle
Leon
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Grummel am 03. August 2016, 16:11:26
@Feuertraum: Unsere Juristen werden die genaue Formulierung kennen, aber m.W. hat jeder Bürger das Recht, einen Straftäter vorläufig festzuhalten, um ihn dann asap der Polizei zu übergeben.

OT und zur Info. ;)


§ 127 Abs. 1 S. 1 StPO
Wird jemand auf frischer Tat betroffen oder verfolgt, so ist, wenn er der Flucht verdächtig ist oder seine Identität nicht sofort festgestellt werden kann, jedermann befugt, ihn auch ohne richterliche Anordnung vorläufig festzunehmen.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Loki am 03. August 2016, 16:14:10
Ich finde Piraterie in Form von Downloads persönlich auch nicht unbedingt schlimm, wenn es sich um ein Werk von mir halten sollte. Es ist natürlich eine Art Cyber-Diebstahl aber ich würde mich eher darüber freuen, dass derjenige das Buch gerne lesen möchte. Wenn es ihm gefällt entsteht dadurch vielleicht sogar Mund zu Mund Propaganda oder er kauft den nächsten Band?

Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: canis lupus niger am 03. August 2016, 18:15:48
Ich finde Piraterie in Form von Downloads persönlich auch nicht unbedingt schlimm, wenn es sich um ein Werk von mir halten sollte. Es ist natürlich eine Art Cyber-Diebstahl aber ich würde mich eher darüber freuen, dass derjenige das Buch gerne lesen möchte. Wenn es ihm gefällt entsteht dadurch vielleicht sogar Mund zu Mund Propaganda oder er kauft den nächsten Band?

Dazu zitiere ich mal einen der ersten Posts zu diesem Thema, dem ich mich nur aus ganzem Herzen anschließen kann:
@Es ist Werbung: Nein. Denn die Leute, die geklaute Bücher weitergeben, geben damit auch die Adresse des Online-Portals und ihre kriminelle Einstellung weiter. Man wird durch solche Leute eher noch ehrliche Leser verlieren, weil der Gruppendruck von solchen Leuten sehr stark ist. "Du bist ja dumm, wenn du dafür bezahlst, ich kanns dir doch geben."

@Man gewinnt treue Leser: Ja. Aber leider Leser, die trotzdem kein Geld für Bücher ausgeben. Sie warten dann unter großen Verehrungsbezeugungen des Autors im illegalen Portal heißhungrig darauf, dass die Bücher ihrer Lieblingsautoren endlich hochgeladen werden. (Ich habe Screenshots gesehen und das macht mich echt traurig.)

Auch mir ist es wichtiger, dass meine Machwerke Leser finden, als dass ich hinter jedem Euro hinterher jage. Aber wenn es mir ganz egal wäre, ob ein Leser meine (z.T. jahrelange) Arbeit wenigstens mit einem geringen E-Book-Kaufpreis honoriert, dann könnte ich sie auch gleich selber kostenlos veröffentlichen.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Tintenteufel am 03. August 2016, 19:12:55
Verdammt, Gesetze sind zum Einhalten da, selbst wenn sie nicht in jedem Fall einsichtig sind. Sie sind notwendig, damit eine so große Menge Menschen einigermaßen reibungslos zusammen leben kann. Wenn die Gesetze nur noch als willkürliche Spielbälle nach Lust und Laune ausgelegt werden, dann herrscht irgendwann blanke Anarchie.

Oder - schock schwere Not - die Leute gehen über rote Fußgängerampeln, wenn niemand zu sehen ist.  ::) Wahrhaft, Anarchie wie in Somalia ist das.
Was immer noch keine Entschuldigung ist, um beispielsweise aktuelle Musik raubzukopieren oder lebende Künstlern auch zu bezahlen. Aber es gibt durchaus Elemente, die hier bei "Raubkopierer" mit durcheinander geworfen werden, die einen anderen Hintergrund, ein anderes Ziel und vor allem eine völlig andere Funktion in einer Internetgesellschaft haben.
Die Zugänglichmachung von gewissen Gütern wie Bildung und Kulturgut beispielsweise.
(Nochmal, nur damit man mich nicht wieder falsch versteht: Nein, darum geht es nicht allen Piraten. Außer vielleicht der Partei. Aber es ist ein Teil davon und den sollte man eben nicht mit Ladendieben gleichstellen und auch bitte nicht so tun, als wären die Ladendiebe die einzigen.)

Weswegen ich die Star Wars Sache nochmal kurz aufgreife: George Lucas hat das Recht dazu, Star Wars eben zu schneiden, zu ändern und das auf dem Markt befindliche Produkt zu ändern, ja, natürlich. Weil er eben das gesetzliche Recht dazu hat. Der Mann hat sich aber nicht alles allein ausgedacht. Nicht mal den geringsten Teil. Das Endprodukt Star Wars trägt sehr deutlich die Spuren aller, die daran mitgearbeitet haben - es gibt dazu einige interessante Sachen nachzulesen, aber jedenfalls hat George Lucas Star Wars nicht allein geschaffen. Er besaß/besitzt halt nur die Rechte dran. Und nur weil das so ist, muss das noch nicht gut sein. Oder fair oder gerecht oder irgendetwas anderes. Das ist erstmal nur ein Gesetz und das kann ungerecht sein.

Denn, Canis, es sollte eines nicht vergessen werden: Nicht jedes Gesetz ist vernünftig. Das Thema wird aber leider oft vergessen, wenn es um die gefühlt eigene Haut geht - bei Böhmermann z.B. war ein großer Teil der Bevölkerung ja absolut dafür, eine Ausnahme zu machen. Der Mann hat ja das Gesetz nur gebrochen um zu zeigen, wie bescheuert es ist. Und scheinbar gibt ihm die halbe Republik Recht.
Womit ich sagen will: Ja, es gibt Streit darüber, welche Gesetze man straffrei brechen dürfen sollte. Das ist das Anzeichen einer gesunden Gesellschaft, die ihre Werte und Pflichten ständig überprüft und an eine sich entwickelnde Welt anpasst.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Araluen am 04. August 2016, 06:26:50
George Lucas wird Star Wars auch nicht völlig alleine neu aufsetzen und abändern. Da sitzen auch wieder Leute mit dabei.  Ich würde vermuten sogar einige, die schon bei der ersten Version dabei waren. Er muss sich da mit allen Beteiligten selbst einigen oder eben auch nicht. Das liegt in seinem Ermessen, nicht dem der Fans und hängt eigentlich auch nicht mit der Fragestellung dieser Diskussion zusammen.

Was die Ampeln angeht: Ich bin ganz froh, dass die Deutschen sich in der Regel brav an die Ampelschaltung halten. London, Neapel und Rom fand ich in Sachen Verkehr lebensgefährlich, als ich da zu Fuß unterwegs war - alles eine Sache der Gewohnheit, natürlich. Wie sinnvoll aber Verkehrsregeln sind, sieht man auch wunderbar an dem Verkehrschaos indischer Städte. Die haben auch Verkehrsregeln, hält sich aber aus Unwissen und Ignoranz niemand dran und so sieht es auf den Straßen auch aus. Es funktioniert zwar irgendwie, aber ich denke, viele Leute könnten ihre Zeit für den Arbeitsweg mindestens halbieren, wenn es geordneter zuging und sich einfach alle an die Regeln halten. Das hat jetzt auch nicht viel mit der Diskussion zu tun, wollte ich aber am Rande erwähnen, da die arme Ampel so oft bemüht wird.

Unterscheiden sollte man tatsächlich zwischen Raubkopierern und dem zugänglich Machen von Bildung und Kultur. Hier wird nach Raubkopierern gefragt, Leuten die widerrechtlich, denn ich als Autor habe nicht zugestimmt, mein Werk verbreiten. Das geht nicht und kann sich auch nicht dahinter verstecken, dass Kultur verbreitet werden soll. Ob und vor allem wie ich meine Kultur verbreite, ist immernoch meine Sache. Und wie schon gesagt wurde. Wenn ich will, dass jeder mein Werk liest, unabhängig davon, ob ich etwas davon habe, dann lade ich das Werk auf einer Homepage zum kostenlosen Download hoch. Da brauche ich nicht die Hilfe der Piraten.
Anders verhält es sich natürlich, wenn jemand Drittes, mit Vorliebe Regierungen, entscheiden wollen, ob und wie Kultur verbreitet wird. Stichwort Zensur. Das man dagegen etwas machen sollte, ist verständlich, aber nicht die Frage hier.

Zudem sollte nicht die Frage bestehen, welche Gesetze man straffrei brechen kann und sollte. Das ist kein Zeichen gesunder Gesellschaft, sondern zunehmender Egozentrik. Wenn eine gesunde Gesellschaft ihre Werte und Pflichten ständig überprüft, dann hinterfragt sie bestehende Normen, bricht sie aber nicht, nur um mal zu gucken, welchen Vorteil sie dabei für sich heraus schlagen kann.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Tintenteufel am 04. August 2016, 09:53:54
Weil schneller zur Arbeit kommen eines jeden Traum ist.  ::)

Das ist sehr wohl Teil der Frage, weil ich mich eben dagegen wehre, dass bestimmte illegale Vorgänge mit Diebstahl gleich gestellt werden. Gehören sie nämlich nicht.
Es hat beispielsweise Ryan Reynold das Gesetz gebrochen, als er (höchstwahrscheinlich er) das Deadpool Test Footage auf Torrentseiten zur Verfügung gestellt hat. Jeder, der es illegal und gegen den Willen des Rechteinhabers (der Firma Fox) runtergeladen hat, auch. Ohne diese illegale, rechtswidrige und von Fox überaus unerwünschte Handlung wäre es aber nie zur Veröffentlichung eines der erfolgreichsten und besten Filme der letzten Jahre gekommen.
Bzw. die Fans hätten nie gesehen, dass das existiert und nie eine volle Version davon verlangt.
Und das ist ein komplexerer Vorgang als "Man habe sich gefälligst an Gesetze zu halten" - weil solche Gesetze und die Verteufelung von Raubkopiererei, Piraterie usw. oft genug nicht den eigentlich Kreativen helfen, sondern den Rechteverwertern wie Fox oder Lucas oder auch einfach mal guter Kunst im Weg stehen.

Zitat
Zudem sollte nicht die Frage bestehen, welche Gesetze man straffrei brechen kann und sollte. Das ist kein Zeichen gesunder Gesellschaft, sondern zunehmender Egozentrik. Wenn eine gesunde Gesellschaft ihre Werte und Pflichten ständig überprüft, dann hinterfragt sie bestehende Normen, bricht sie aber nicht, nur um mal zu gucken, welchen Vorteil sie dabei für sich heraus schlagen kann.

Das verstehe ich jetzt nicht.
Wie anders hinterfragt man denn bitte Normen, wenn nicht indem man Gesetze, die diese Normen festhalten und durchsetzen sollen, ignoriert, aus der Verantwortung nimmt und auch bricht? Durch Diskussion in den Medien? Funktioniert so gut wie nie, wenn nicht vorher jemand das Gesetz bricht. Siehe Majestätsbeleidigung und Böhmermann. Der Paragraf dümpelt seit Jahren unbeachtet im Strafgesetzbuch herum, selten angewandt, nie ein Thema. Jetzt kümmert man sich drum, dass der raus genommen wird - und das eben in direkter Folge, weil ihn jemand ziemlich krass und öffentlichkeitswirksam gebrochen hat.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass man das auch auf Literatur anwenden kann. Dass sich Beispiele für Autoren finden, die einige kürzere Werke irgendwo vor Jahrzehnten veröffentlicht haben. Werke die dann wieder auf Torrentseite Beachtung erfahren und den Autor vielleicht dazu antreiben, sich noch einmal darum zu kümmern.
Oder Autoren, die so verdammt obskur sind, dass man sie eigentlich gar nicht anders findet - Ligotti z.B., der seine Geschichten regelmäßig in Auflage von 500 Stück drucken lässt.
Soll auch Fälle geben, wo Künstler von ihrem Verlag in Geiselhaft genommen werden und dann selbst dazu aufrufen, den Kram zu raubkopieren.  Oder Autoren die bei einem Verlag gelandet sind, der überhaupt kein Interesse an einer Verbreitung hat.

Wie gesagt: Nur weil es ein Gesetz gibt, muss das noch lange nicht gut sein. Kann einer Gesellschaft sogar ziemlich im Wege stehen.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Leon am 04. August 2016, 10:51:04
Ich finde Piraterie in Form von Downloads persönlich auch nicht unbedingt schlimm, wenn es sich um ein Werk von mir halten sollte. Es ist natürlich eine Art Cyber-Diebstahl aber ich würde mich eher darüber freuen, dass derjenige das Buch gerne lesen möchte. Wenn es ihm gefällt entsteht dadurch vielleicht sogar Mund zu Mund Propaganda oder er kauft den nächsten Band?
Piraterie ist schlimm! Man wird um seine mühevolle, Monate oder Jahre harter Arbeit, die man in sein Buch steckte betrogen. Für mich ist das ganz klar Diebstahl.

Grüßle
Leon
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Araluen am 04. August 2016, 12:12:39
Weil schneller zur Arbeit kommen eines jeden Traum ist.  ::)
Relativ zu betrachten. Der ideale Tag findet im Urlaub statt. Das ist klar. Fange ich aber später mit der Arbeit an, muss ich auch später aufhören, habe also wegen sinnlosen im Verkehrschaos Stehen, noch weniger vom Tag, als ohnehin schon. Oder, wenn ich feste Arbeitszeiten habe, muss ich das vom Prinzip her vermeidbare Verkehrschaos fest einplanen und somit wesentlich früher aufstehen - auch nicht erstrebenswert

Das ist sehr wohl Teil der Frage, weil ich mich eben dagegen wehre, dass bestimmte illegale Vorgänge mit Diebstahl gleich gestellt werden. Gehören sie nämlich nicht.
Eine Definitionsfrage, da gebe ich dir recht. Über diese Haarspalterei sollten sich aber Juristen Gedanken machen und mal eine klare Aussage treffen.

Es hat beispielsweise Ryan Reynold das Gesetz gebrochen, als er (höchstwahrscheinlich er) das Deadpool Test Footage auf Torrentseiten zur Verfügung gestellt hat. Jeder, der es illegal und gegen den Willen des Rechteinhabers (der Firma Fox) runtergeladen hat, auch. Ohne diese illegale, rechtswidrige und von Fox überaus unerwünschte Handlung wäre es aber nie zur Veröffentlichung eines der erfolgreichsten und besten Filme der letzten Jahre gekommen.
Die Frage ist hier, was steckt da alles dahinter? Warum wurde das Test Footage niemanden gezeigt? Wartete man vielleicht einfach auf den richtigen Moment, hatte den Streifen auf der Filmproduktionsliste einfach ganz hinten gestanden, fehlte das Geld oder gab es einen anderen Grund? Du hast recht, die Angelegenheit ist komplex. Ebensowenig wie man einfach sagen kann, dass Ryan Reynolds ein Dieb ist, kann man sagen, dass Fox ganz gemein der Welt einen Weltklassefilm vorenthalten wollte.

Und das ist ein komplexerer Vorgang als "Man habe sich gefälligst an Gesetze zu halten" - weil solche Gesetze und die Verteufelung von Raubkopiererei, Piraterie usw. oft genug nicht den eigentlich Kreativen helfen, sondern den Rechteverwertern wie Fox oder Lucas oder auch einfach mal guter Kunst im Weg stehen.
Natürlich, es gibt immer einen größeren Fisch, der isch den größten Brocken aus jeder Situation schnappen kann und der Rest kann nur daneben stehen. Lässt man die Gesetze gegen Raubkopiererei fallen, finden sich neue große Fische, die davon profitieren und der Autor steht als kleiner Fisch wieder hungrig daneben. Derzeit hat er aber immerhin das Recht sein Futter zu verlangen.

Zitat
Zudem sollte nicht die Frage bestehen, welche Gesetze man straffrei brechen kann und sollte. Das ist kein Zeichen gesunder Gesellschaft, sondern zunehmender Egozentrik. Wenn eine gesunde Gesellschaft ihre Werte und Pflichten ständig überprüft, dann hinterfragt sie bestehende Normen, bricht sie aber nicht, nur um mal zu gucken, welchen Vorteil sie dabei für sich heraus schlagen kann.

Das verstehe ich jetzt nicht.
Wie anders hinterfragt man denn bitte Normen, wenn nicht indem man Gesetze, die diese Normen festhalten und durchsetzen sollen, ignoriert, aus der Verantwortung nimmt und auch bricht? Durch Diskussion in den Medien? Funktioniert so gut wie nie, wenn nicht vorher jemand das Gesetz bricht. Siehe Majestätsbeleidigung und Böhmermann. Der Paragraf dümpelt seit Jahren unbeachtet im Strafgesetzbuch herum, selten angewandt, nie ein Thema. Jetzt kümmert man sich drum, dass der raus genommen wird - und das eben in direkter Folge, weil ihn jemand ziemlich krass und öffentlichkeitswirksam gebrochen hat.
Das ist eine Frage der Herangehensweise. Ich gehe mal davon aus, dass sich Böhmermann hingesetzt hat, die Nachrichten verfolgte und isch zurecht an den Kopf fasste, was den Paragraphen der Majetätsbeleidigung anging. Er hat sich kritisch damit auseinander gesetzt und dann in Rahmen seines Berufs beschlossen, dieses Gesetz zu brechen, um auf seine Absurdität hinzuweisen. Ich behaupte jetzt aber mal ganz frech, dass der Großteil der Piraten  nicht vorm Rechner sitzen und sich überlegen wie ungerecht und realitätsfremd doch die Urheberrechtsgesetze sind, wenn sie sich den neues Teil von Call of Duty vom Freund in gecrackter Version ziehen oder eben Bücher, Musik oder Filme herunter laden. Die brechen das Gesetz, weil sie es toll finden, so etwas zu bekommen, ohne etwas leisten zu müssen. Obwohl es in der Regel genügend legale Wege gäbe, um an das gleiche Produkt zu kommen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass man das auch auf Literatur anwenden kann. Dass sich Beispiele für Autoren finden, die einige kürzere Werke irgendwo vor Jahrzehnten veröffentlicht haben. Werke die dann wieder auf Torrentseite Beachtung erfahren und den Autor vielleicht dazu antreiben, sich noch einmal darum zu kümmern.
Oder Autoren, die so verdammt obskur sind, dass man sie eigentlich gar nicht anders findet - Ligotti z.B., der seine Geschichten regelmäßig in Auflage von 500 Stück drucken lässt.
Soll auch Fälle geben, wo Künstler von ihrem Verlag in Geiselhaft genommen werden und dann selbst dazu aufrufen, den Kram zu raubkopieren.  Oder Autoren die bei einem Verlag gelandet sind, der überhaupt kein Interesse an einer Verbreitung hat.
Und wer sagt, dass der Autor Lust hat seine Novellen von vor vier Jahren noch einmal aufzuarbeiten, nur weil da jetzt plötzlich ein paar Leute danach schreien, die sich vorher nicht dafür interessiert haben, weil sie es ja hätten kaufen müssen? Klar freut sich ein Autor, wenn er hört, dass seine Werke Anklang finden. Aber das zählt für mich als Argument pro Piraterie nicht.
Wenn Ligotti für sich entschieden hat, dass seine Werke nur in einer Stückzahl von 500 auftauchen (keine Ahnung, ob das Verlagsvorgabe oder seine eigene Wahl ist), dann ist das halt so. Und wenn dann jemand Ligotti lesen möchte, muss er sich eben ein bisschen anstrengen. Arbeit hat noch keinem geschadet, wenn man etwas wirklich will. Aber an dem Punkt waren wir schon einmal.
Und wenn ein Autor bei einem Verlag landet, der kein Interesse an der Verbreitung hat, muss er sich eben einen anderen suchen (ich weiß, leichter gesagt als getan) oder selbst andere Wege gehen. Die Initiative muss aber vom Autor ausgehen und nicht von Piraten, die sich damit brüsten dem Autor auf die Beine helfen zu wollen. Wenn er das Buch selbst so in Umlauf bringt, von mir aus auch unauffällig, weil der Verlag es nicht merken soll, weil er im Knebelvertrag drin hängt oder was weiß ich. Dann ist das in Ordnung für mich persönlich. Dann ist das aber auch keine Piraterie mehr, auch wenn es wie welche aussieht. Das ist nur schwer zu differenzieren von außen. Die Frage war aber auch, wie ich reagieren würde, wenn mein Buch plötzlich irgendwo als Raubkopie auftaucht, ergo ohne mein Wissen. Ich finde das persönlich anmaßend von den Piraten.

Wie gesagt: Nur weil es ein Gesetz gibt, muss das noch lange nicht gut sein. Kann einer Gesellschaft sogar ziemlich im Wege stehen.
Das kann ich unterschreiben. Die Gegenmaßnahme muss aber auch nicht unbedingt die Sahne auf dem Kuchen sein. Die goldene Mitte ist das Ziel, auch in Fragen Piraterie und da wird offensichtlich noch lange gesucht.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: FeeamPC am 05. August 2016, 12:01:04
Nicht alle Gesetze sind sinnvoll, das stimmt. Aber über Sinn und Unsinn sollte die Gemeinschaft entscheiden, nicht jemand, der nur, weil es ihm gerade einen Vorteil bringt, das Gesetz für sinnlos erklärt.
Und ich finde, ein Autor hat einen überaus berechtigten Anspruch darauf, sein Buch bezahlt zu bekommen, egal, wer es aus welchem Grund liest.

Schreiben ist Arbeit.
Schreiben kostet Nerven.
Schreiben kostet Zeit.
Schreiben kostet real: Strom für den Computer, Papier für den Ausdruck, Heizung für das Arbeitszimmer usw.
Schreiben kostet für Qualität: Lektorat und Korrektorat gibt es keineswegs immer umsonst
Schreiben kostet für Werbung: Angefangen mit dem Cover ist auch da oft einiges an Geld geflossen

Wieso soll da irgend jemand entscheiden dürfen, dass ich für meine Arbeit und meine Kosten kein Geld verlangen darf, weil das "unfair" ist oder kulturschädigend oder was auch immer, und ich froh sein kann, wenn andere sich die Früchte meiner harten Arbeit gratis reinziehen?

In meinem Geschäft kann auch keiner einfach hingehen, sich ein paar Tablette einstecken und sagen, sei froh, dass die überhaupt jemand einnehmen will. Ich bin nicht bereit, einen Unterschied zwischen materiellen und immateriellen Gütern zu machen. Weil, Kosten und Zeit stecke ich gleichermaßen in beide.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Sascha am 05. August 2016, 12:48:00
In meinem Geschäft kann auch keiner einfach hingehen, sich ein paar Tablette einstecken und sagen, sei froh, dass die überhaupt jemand einnehmen will. Ich bin nicht bereit, einen Unterschied zwischen materiellen und immateriellen Gütern zu machen. Weil, Kosten und Zeit stecke ich gleichermaßen in beide.
Du meinst, so wie manche Chefs: "Wie? Mehr Geld? Sei froh, daß Du überhaupt für mich arbeiten darfst!" ;D
Ich hatte so einen. Damals war das gar nicht zu Lachen …

Aber das zeigt, wie diese Haltung eben heute "en vogue" ist. Es wird von "oben" so gelehrt.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: FeeamPC am 05. August 2016, 13:11:46
Dein damaliger Chef hat praktisch das Gleiche in grün (oder schwarz) gemacht, ja.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Feuertraum am 05. August 2016, 19:34:10
Und ich finde, ein Autor hat einen überaus berechtigten Anspruch darauf, sein Buch bezahlt zu bekommen, egal, wer es aus welchem Grund liest.

Schreiben ist Arbeit.
Schreiben kostet Nerven.
Schreiben kostet Zeit.
Schreiben kostet real: Strom für den Computer, Papier für den Ausdruck, Heizung für das Arbeitszimmer usw.
Schreiben kostet für Qualität: Lektorat und Korrektorat gibt es keineswegs immer umsonst
Schreiben kostet für Werbung: Angefangen mit dem Cover ist auch da oft einiges an Geld geflossen

Wieso soll da irgend jemand entscheiden dürfen, dass ich für meine Arbeit und meine Kosten kein Geld verlangen darf, weil das "unfair" ist oder kulturschädigend oder was auch immer, und ich froh sein kann, wenn andere sich die Früchte meiner harten Arbeit gratis reinziehen?

In meinem Geschäft kann auch keiner einfach hingehen, sich ein paar Tablette einstecken und sagen, sei froh, dass die überhaupt jemand einnehmen will. Ich bin nicht bereit, einen Unterschied zwischen materiellen und immateriellen Gütern zu machen. Weil, Kosten und Zeit stecke ich gleichermaßen in beide.

Aber genau da liegt doch das Problem: Heutzutage ist es der Gesellschaft egal, was für Kosten der Anbieter hat, Hauptsache, er kriegt es billig(er). Kleines Beispiel: "Ich arbeite bei VW, ich habe Anspruch auf 20% Rabatt!" (kam übrigens des Öfteren, dieser Spruch.)
"Der Karton ist beschädigt, dafür zahle ich keine 30 € mehr, maximal noch zehn, und das ist mehr als großzügig."
Diese Beispiele lassen sich noch etwas weiterführen, sprengen dann aber den Rahmen des Postings.
Fakt ist: wir handeln immer mehr und immer stärker nach dem ökonomischen Prinzip, allerdings in extremeren Dimensionen: Der Computer muss die allerneueste und allerbeste Hardware haben, man muss da alle Ego-Shooter drauf zocken können, aber mehr als 200 € bin ich nicht bereit, dafür auszugeben.

@ Sascha: Solche Chefs sind großartig, nicht wahr? Das Fatale ist: in manchen Großkonzernen arbeitet man mit den übelsten Tricks, um die Belegschaft in Verträge zu "prügeln", in der sie für weniger Geld mehr Stunden und mehr Leistung erbringen "dürfen". Da werden Gewaltandrohungen gegen Betriebsräte ausgesprochen, da setzt man das Mittel von Erpressung ein (entweder so, oder die Filiale wird geschlossen und ihr verliert euren Arbeitsplatz).
Ich denke da nur an Schlecker, die eine Zeitarbeitsfirma gegründet hatte, alle seine Angestellten entließ UND ihnen gleichzeitig einen neuen Arbeitsvertrag für Schlecker anbot - natürlich zu den wesentlich bescheiderenen Konditionen.

Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: canis lupus niger am 06. August 2016, 05:45:14
Ich denke da nur an Schlecker, die eine Zeitarbeitsfirma gegründet hatte, alle seine Angestellten entließ UND ihnen gleichzeitig einen neuen Arbeitsvertrag für Schlecker anbot - natürlich zu den wesentlich bescheiderenen Konditionen.

DAS hat kürzlich sogar DHL gemacht, mit seinem Frachtdienst. Ist heute absolut üblich.

Weshalb (mehr) bezahlen, wenn ich etwas auch für weniger oder kostenlos bekommen kann. Mit dem Arbeitskräftemangel, der sich durch die schrumpfende Bevölkerung abzeichnete, hätte sich das (zumindest auf dem Arbeitsmarkt) etwas entspannt, aber warum ist besonders unsere Wirtschaft so sehr an den Millionen ungelernter und kaum sprachkundiger Zuwanderer interessiert? Genau: Billige Arbeitskräfte mit einem riesigen Nachholbedarf an Konsum. Ideale, anspruchs- und rechtlose Niedriglöhner, die man mit Brot und Spielen ruhig halten kann. Aber das sprengt ein bisschen die Diskussion um die Produktpiraterie.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Tintenteufel am 06. August 2016, 11:04:20
Das ist ein Strohmann-Argument, Fee. Niemand hat gefordert, Autoren nicht zu bezahlen und alle Piraterie zu legalisieren.
Ich hatte gesagt, dass es Fälle gibt, in denen das illegale verbreiten digitaler Güter kein Diebstahl im moralischen Sinne ist, nur im juristischen. Und dass Einzelne das Recht haben, darüber zu entscheiden - weil viele Einzelne eben eine Gemeinschaft bilden. Oder was sind die paar hunderttausend illegale Streamer von Game of Thrones in diesem Land sonst? Hunderttausende unzusammenhängende Einzeltäter?

Klar ist es Diebstahl, wenn man in einem Laden einfach etwas mitnimmt. Hat niemand was anderes behauptet. Hat auch keiner gesagt, dass du froh sein sollst, dass andere deine Waren überhaupt stehlen wollen.
Ich hatte, sehr deutlich wie ich meine, gesagt, dass finanzielle Einzel- und Besitzinteressen in manchen Fällen eben einfach nicht wichtiger sind als die kulturelle Bedeutung. Die kulturelle Bedeutung. Wir reden hier nicht von Brot, das man an jeder Ecke kaufen oder selber machen kann, sondern von der Allgemeinheit gehörenden Gütern wie selbst Popkultur und Kunst. Das ist bei materiellen Gütern nicht anders. Wenn morgen die Kirche den Vatikan schließt und alle Touristen rauswirft, weil es ja eben ihr Gelände ist, würdest du dich wahrscheinlich genau so beschweren. Und das völlig berechtigt, weil der Vatikan vielleicht "im Besitz" der Kirche ist, aber eben auch uns allen gehört. Als Teil einer gemeinsamen Kultur.
Wenn du also keine Trennung zwischen immateriellen und materiellen Gütern machen willst, dann bitte in beide Richtungen.

Dass die Gesellschaft als Ganzes nur egozentrisch und geizig wäre stimmt auch nicht. Es gibt eine lange, lange Liste an sehr modernen Erfindungen und Entwicklungen, die sich auf rein freiwilliger Basis finanzieren. Gerade im Bereich immaterieller Güter. Fängt bei Patreon an, geht über Kickstarter, Twitch, diverse YouTuber (Spenden) und hört beim Humble Bundle auf, das immer wieder Unsummen einnimmt, obwohl man auch gar nichts bezahlen müsste.
Nur, weil man als Schreiber in diesem Fall selbst betroffen ist, sollte man doch bitte nicht den Untergang des Abendlandes herbei reden.
Klar gibt es Arschlöcher und Diebe, die gab es vorher aber auch schon und die gibt es überall.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: FeeamPC am 06. August 2016, 17:55:08
Kultur in deinem Sinne, Tintenteufel, ist auch nur möglich, wenn Geld dafür vorhanden ist. Entweder ein reicher Mäzen, oder viele kleine Leute, die kleine Summen zusammentragen. Gratis arbeiten können nur die, deren Bedürfnisse gedeckt sind, der Rest der Menschheit kann sich das nicht leisten, Kultur hin oder her. In den gemeinsamen Besitz der Menschen kommt die Kultur erst dann, wenn der Besitzanspruch eines einzelnen Menschen erloschen ist, beim Buch das Urheberrecht. Bis dahin hat der Autor ein Anrecht darauf, für die Nutzung seiner Arbeit entlohnt zu werden.
Wobei man sich natürlich über die künstliche Dehnung des Urheberrechts streiten kann, 70 Jahre nach dem Tod des Erschaffers ist maßlos übertrieben, dann leben meist nicht einmal mehr dessen Kinder. Aber das ist Disneys Verantwortung und eine ganz andere Arena.

Was ich völlig daneben finde, ist, wenn Kunst, die nicht mehr dem Urheberrecht unterliegt, zudem in staatlichem Besitz ist, also deren Besitz von der Gemeinschaft mit Steuergeldern finanziert wird, von einzelnen Museen unter Verschluss gehalten wird mit Fotografierverbot und so. Das wäre, als wenn man aus Goethes Werken nicht oder nur gebührenpflichtig zitieren dürfte, nur weil sie in einer Bibliothek stehen.

Aber noch einmal, alles gratis abzugreifen, nur weil eine bestimmte Anzahl Leuten beschließt, dass sie das dürfen, finde ich weder moralisch richtig noch förderlich für die Kultur, selbst wenn wir die Gesetze hier einmal außen vor lassen. Das führt am Ende dazu, dass Leute, die sonst bereit wären, der Gemeinschaft auch einmal etwas gratis zu überlassen, sich quer stellen und sagen: So nicht. Dann kostet eben alles.

Oder du musst hingehen und den Künstlern ein bedingungsloses Grundeinkommen zugestehen.
Dann wären vermutlich plötzlich sehr viele Leute Künstler.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Herbstblatt am 08. April 2021, 03:21:02
Ich grabe hier diesen alten Thread wieder mal aus, da ich meinen Roman, den ich vor ungefähr einem Jahr veröffentlicht habe, nun auf merkwürdigen Downloadportalen aufscheint und wenn ich das richtig sehe, innerhalb von ein paar Tagen fast 2000 Bewertungen bekommen hat.
Mit ein bisschen google bin ich auch auf andere Autoren gestoßen, deren ebenfalls Werke frei zum Download bereit stehen. Äh. So etwas ist wirklich unter aller Sau. Ich bin ein wenig verwundert, dass einige hier das nicht als Diebstahl anzusehen scheinen. Kunst hat seinen Preis, sowie alles andere auch, anders kann man als Künstler nicht überleben. Außerdem sind Ebooks eh schon so billig.

Als Werbung oder Mundpropaganda könnte ich das in meinem Fall nicht bestätigen. Meine Verkaufszahlen haben sich nicht geändert.

Ich überlege, in Zukunft meine Romane nicht mehr als Ebook anzubieten, nur mehr als Taschenbuch, aber bringt das überhaupt etwas? Ich meine, es ist schon ein Unterschied, wenn man offiziell den Roman in digitaler Form runterladen, konvertieren und irgendwo hochladen kann, als wenn man sich mit dem Taschenbuch die Mühe machen muss, 600 Seiten erst mal abzutippen?

Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Maubel am 08. April 2021, 03:53:07
Piraterie ist ein Problem, aber viele solcher Seiten sind gar nicht echt. Vor allem deine Beobachtung mit den 2000 Bewertungen hat mich stutzig gemacht. Meistens befinden sich nämlich gar nicht deine Bücher in den Dateien, sondern ein Virus oder was ganz anderes und die Bewertungen sind genauso fake und nur da um Leute zu deinem "Buch" zu locken. Kurzum, dir entgehen keine 2000 Leute, die alle in den letzten Tagen dein Buch gelesen haben. Wie du schon bemerkt hast, hat es nämlich keinen Effekt auf deine Verkaufszahlen, weil es eben gar keiner gelesen hat (also von dort). Es hat nur irgendein Algorithmus dein Buch mit aufgeschnappt und den Titel etc. diesen unseriösen Anbietern zur Verfügung gestellt.
Sicher gibt's auch irgendwo deine Dateien zur Verfügung, was natürlich ein Problem ist. Die kannst du anschreiben und bitten, es zu entfernen. Das müssen sie dann auch. Nur meistens ist es nach einer Woche wieder drauf, weshalb ich mich gar nicht erst damit befasse. Wer auch immer sich auf diese Weise Bücher zulegt (und es werden nicht mehr sein, als über legale Wege, zumindest in Bezug auf Leute, die dieses "Kostenlos"-Buch dann auch lesen), den würdest du sonst auch nie erreichen. Von daher, ja, ärgerlich, aber ich würde deshalb jetzt nicht das Ebook-Geschäft aufgeben. Und glaub mir, dein Roman würde trotzdem in den obengenannten Seiten stehen (und genauso wenig vorhanden sein).
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Fianna am 08. April 2021, 04:09:53
Es gibt eine Anleitung einer DELIA-Autorin, wie man vorgehen muss, um seine Ebooks auf illegalen Plattformen zu löschen. Leider kann ich es nicht direkt verlinken (pdf), aber in diesem Blogartikel  (http://htps://romance-alliance.com/e-book-piraterie-welche-folgen-haben-illegale-downloads-auf-betroffene-autoren/) ist es erklärt und verlinkt. 
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Evanesca Feuerblut am 08. April 2021, 08:14:13
Ich hatte 2018 auch mal darüber gebloggt, wie man sich das einstellen kann: https://schreibmeer.blogspot.com/2018/03/zeitsparend-gegen-ebook-piraten-kampfen.html
Es klappt mehr oder weniger zuverlässig, inzwischen habe ich aber auch eine höhere Sichtbarkeit, sodass man erst auf Seite drölf bei Google die Piraten findet.

Und Print only schützt nicht vor Piraterie, wobei ich nie rausfinden werde, ob es sich um eine echte piraterisierte Version handelt oder um so einen Fake-Virus:
Zitat
Allen Ernstes eine Webseite, die eine eBook-Versionen meines am Liebsten totgeschwiegenen SP-Erstlings gratis zum Download angeboten hat.
Zunächst einmal: Okay, es ist nichts Besonderes dabei, dass Raubkopien von eBooks durchs Netz flitzen. Wie oben bereits erwähnt, dauert das manchmal keine halbe Stunde. Als ich "Licht und Schatten" allerdings 2009 bei BoD hochgeladen habe, war die elektronische Version noch nicht verfügbar. Erst ein- oder zwei Jährchen später hätte ich gegen 90€ das Manuskript in eine elektronische Form konvertieren lassen können, aber... Nein. Einfach nein xD. Habe ich nicht getan. Das Buch hat sich kaum verkauft und ich bekam schon den damaligen Preis für das Starterpaket nicht mehr rein, da war irgendein kostenpflichtiges Upgrade erst Recht nicht drin.

Wieso zum Geier gibt es also überhaupt ein eBook von "Licht und Schatten"? Hat da jemand die Seiten eingescannt - oder, angesichts dessen, dass eines der angebotenen Formate .txt ist - gar einfach ein gekauftes Exemplar abgetippt? :O
Hat der Mensch keine Hobbys?
Das war 2012.
Ich habe an den Betreiber eine freundliche Mail geschickt, mit der Bitte, das eBook runterzunehmen, da ich das Buch selbst 2014 vom Markt genommen habe (seitdem eiert das immer noch unverkaufte, letzte von Amazon vorbestellte Neuexemplar noch... auf Amazon herum, die 2,50€ dafür habe ich vor Jahren kassiert und niemand wollte es haben).
(Zitat aus einem alten Post von mir weiter vorne (https://forum.tintenzirkel.de/index.php?topic=19388.msg881308#msg881308) in diesem Thread.)
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Elona am 08. April 2021, 14:09:38
Was das angeht bin ich ja irgendwie total doof. Ich wüsste noch nicht einmal welche Seiten es da überhaupt gibt (um das überprüfen zu können).  :rofl:
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Herbstblatt am 08. April 2021, 14:30:09
Oh, danke für die Links. Nur, @Fianna, deiner funktioniert leider nicht? :[

Für mich sieht das ein meinem Fall auch nach Scam aus. Stört mich immer noch, dass mein Titel in dem Zusammenhang ebenfalls aufscheint. Übrigens habe ich in der kdp-Community einen netten Thread dazu gefunden: https://www.kdpcommunity.com/s/question/0D5f4000015tYYECA2/know-your-pirates-copyright-infringement?language=en_US
Der Thread sagt so ziemlich das, was Maubel geschrieben hat. Das wirft für mich, die digitalen Inhalten grundsätzlich skeptisch gegenübersteht, ein anderes Licht auf die ganze Geschichte. Trotz meiner Bedenken möchte ich nicht auf das ebook-Geschäft verzichten.

Wenn man Printbücher nicht abtippt, werden sie wohl eher eingescannt...

Keine Ahnung, wie relevant die DMCA für uns europäische Autoren ist, vielleicht kann und möchte jemand hierzu etwas sagen?

@Elona: Google einfach deinen Titel oder deinen Namen... (auch wenn in dem kdp-Thread davon abgeraten wird, haha.) Ich hab meinen Künstlernamen gegoogelt, um zu sehen, ob sich der vielleicht mit einer anderen Person oder Sonstigem überschneidet. Da ist es mir aufgefallen.
Für mich ist das Ganze auch Neuland, haha.

/edit: ich sehe gerade, Evanesca Feuerblut schreibt in ihrem Blog über die DMCA.
Titel: Re: Wie steht ihr zu Piraten, die eure Werke illegal runterladen?
Beitrag von: Vidora am 12. Juni 2021, 14:54:13
Mag schon was älter sein, der Thread, aber das Thema bleibt ja aktuell ...

Ich verstehe da keinen Spaß. Und es geht mir dabei gar nicht so sehr um entgangene Käufe, also das Geld an sich. Natürlich kann keiner genau sagen, ob und wie viele der Downloader es am Ende vielleicht gekauft hätten, wenn sie die Datei nirgends gratis hätten abgreifen können, aber ich denke, ein paar wären es schon. Ich meine, in irgendeiner Umfrage mal gelesen zu haben, dass ungefähr 30% der Befragten anonym angegeben haben, sie würden kaufen, wenn sie es nicht downloaden könnten.

Dennoch geht mir regelmäßig der Puls, wenn ich mich mit dem Thema auseinandersetze. Meine Bücher sind eigentlich fast immer innerhalb von 24 Stunden nach Veröffentlichung schon auf einschlägigen Seiten zu finden, und mich macht das wirklich wütend, weil es für mich ein Zeichen von Geringschätzung ist. Zusätzlich regt es mich auf, wenn sich die Uploader dann als Robin Hoods aufspielen, die "von den reichen Autoren nehmen und den armen Usern geben" ... sorry, aber da kommt mir alles hoch. Ich bin definitiv nicht reich, muss selber sehen, was ich mit meinem Geld mache.

Wenn jemand gar kein Geld hat, aber meine Bücher so dringend braucht, dass er ohne scheinbar nicht leben kann, dann soll er mir eine freundliche Mail schreiben, und mich fragen, ob ich es ihm schenke. Das würde mich weit weniger aufregen, als es einfach ohne meine Erlaubnis hochzuladen und sich dafür noch zu feiern. Ich verlose auch öfter Sachen, verschenke Bücher in meinem Newsletter, und alle meine Romane sind über KU ausleihbar ... wie gesagt, der potenzielle finanzielle Verlust ist bei dieser Sache für mich ein zweitrangiger Faktor; was mich anpisst, ist, dass es sich anfühlt, als wäre meine Arbeit nichts wert. Sie nehmen sich die Bücher einfach, weil sie es können und fühlen sich noch gut dabei.

Was mich zusätzlich massiv stört, ist das Ungleichgewicht, das zwischen Rechteinhabern und Uploadern herrscht. Die Leute, die meine Bücher illegal hochladen, machen 2-3 dumme Klicks, und zwar "hochladen" -> "Datei auswählen" -> "bestätigen". Auf vielen Hostern müssen sie nicht mal einen Account anlegen, sondern können sofort loslegen. Während ich als Rechtinhaber teilweise sogar meinen Ausweis einscannen muss, oder eine aktuelle Tageszeitung mit meiner Unterschrift (kein Scherz) ... würde mich nicht wundern, wenn bald noch eine Blutprobe verlangt wird. Das steht einfach in keinem Verhältnis. Wer außer dem Rechteinhaber könnte denn wohl ein Interesse daran haben, so eine Datei löschen zu lassen? Es ist einfach absurd. Aber ich höre jetzt auf, darüber zu reden, ist nicht gut für meine Gesundheit.

Ich bin persönlich extrem enttäuscht und abgestoßen von Leuten, die meine Bücher illegal hochladen.