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Recherche: Wie korrekt sollten Bücher sein?

Begonnen von Cairiel, 30. Januar 2016, 11:09:33

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Cairiel

Danke für eure Antworten! Sehr interessant, was ihr dazu denkt. Leider fehlt mir gerade die Zeit, detailliert auf jeden einzugehen, deswegen halte ich für heute kurz:

Zitat von: Lothen am 30. Januar 2016, 11:50:06
Ich denke, die meisten dieser "Fehler" entstehen daduch, dass Leute davon ausgehen, sie wüssten genug über ein bestimmtes Thema, um es zu beschreiben, z.B. aus anderen Büchern, Filmen o.ä. Das kann stimmen, kann aber auch ein Trugschluss sein. Als Autor lässt man sich ja auch viel von der eigenen Intuition leiten und beschreibt bestimmte Szenen einfach aus dem Bauch heraus, ohne lange zu überlegen, ob das so auch realistisch ist.
Genau das und was du, @PinkPuma, über die Polizisten schreibst, ist ein wichtiger Punkt. Wenn Pferde in Filmen nur so am Rande vorkommen, wird so vieles falsch gezeigt, dass es mich wenig wundert, wenn Autoren das einfach in den Büchern so übernehmen. Sie haben es ja praktisch schon "live" im Fernsehen so gesehen, dass sich die Tiere augenscheinlich so verhalten, also muss es ja stimmen.  :wums: 

@Norrive, oje, du bringst mich gerade auf einen weiteren Punkt.  ;D  Der Love Interest des Protas meiner erwähnten Geschichte ist hauptberuflich Pianist, und ich habe auch bei ihm eine Heidenangst, dass ich etwas falsch mache ... Ich kenne zwar über ein paar Ecken einen Berufsmusiker und einen, der irgendwas in Richtung Orchester studiert hat und sich gerade abmüht, diesbezüglich einen Platz zu finden, und ich habe die beiden schon miteinander fachsimpeln gehört, aber das ist so mein einziges Wissen aus erster Hand. Beim Rest muss Google helfen. Ich hoffe, ich bekomme das vernünftig hin.  :d'oh:

Zum Thema Vokabular: Ich finde, ein wenig kann man den Leser schon zumuten, so etwas wie das Pferd durchparieren (natürlich immer vorausgesetzt, die Figur kennt sich genügend aus!). Ich würde jetzt garantiert nicht anfangen, über Schulterherein und Travers und Spins zu schreiben, aber bei Kleinigkeiten ... Ein Matrose wird auch nicht dem Leser zuliebe in rechts und links denken, was das Schiff betrifft, sondern von Steuerbord und Backbord, und das kann man auch einem meerfremden Bayern zutrauen.  ;D

@Denamio, das ist mir noch gar nicht so aktiv aufgefallen, aber es macht Sinn, was du schreibst. Da werde ich in Zukunft auch mal ein Auge drauf haben.

Sascha

Naja, als Computerfuzzi ist man ja einiges an grottigen Fehlern in Büchern und Filmen gewohnt. Das geht aber meines Erachtens nicht mal auf das Konto "Der Autor/Regisseur wußte es nicht" sondern eher auf "Scheiß auf Realismus, Hauptsache, es kommt geil."
Meine Frau kriegt immer die Krise bei medizinischen Sachen, ist halt ihr Job.
Aber generell sind wir alle nicht gefeit gegen – auch grobe – Schnitzer. Irgendwie kann man auch nicht jeden Kleinscheiß recherchieren. Ich schreib auch irgendwo ganz rotzfrech, daß Bodyguards normalerweise keine Dirty-Harry-Wummen im Gürtel tragen, sondern kleinere Kaliber im Schulterhalfter. Kleines Kaliber, um nicht gleich die nächsten drei Leute hinter dem Angreifer zu durchlöchern, und Schulterhalfter, weil's nicht so auffällt. Zumindest beim Kaliber weiß ich selbst, daß es auch Manstopper-Munition vom doch recht großen Kaliber 9mm gibt, aber ich hab's trotzdem stehenlassen. Einem Profi mag das durchaus die Fußnägel aufrollen. ;D
Also, ich sehe das schon auch so: Mut zur Lücke! Solange es keine zentralen Themen sind! Das Kernthema des Buches darf natürlich nicht komplett unsachlich geschildert werden. Wobei, siehe oben zur Computerei, das auch noch keinen Blockbuster verhindert hat.

Übrigens: Ja, Du kannst einem Bayern schon backbord und steuerbord zutrauen. Aber "durchparieren" hab ich noch nie gehört und wüßte sowas von garnix damit anzufangen. Wenn das der Fachausdruck für "Anhalten" ist, ja Himmel, dann kann man das auch auf Deutsch hinschreiben, ehrlich. Okay, wenn man einen Pferdetrainer sprechen läßt, dann bitte Fachausdrücke, klar. Und wenn's geht irgendwie übersetzen. Wenn man aber dem Leser beschreibt, daß Old Bill grad seinen Gaul zum stehen bringt, dann bitte so, daß der Leser es auch versteht. Ein Passagier auf dem Schiff würde wohl auch eher in links/rechts denken, obwohl der Kapitän natürlich "back-/steuerbord" sagt.

Fianna

@Sascha
"Durchparieren" ist nicht gleich "anhalten". Erklärung folgt.

@Tigermöhre
Ich habe ja schon gesagt, dass ich durchparieren nicht in einem Fantasyroman verwenden würde. Das eine ist aktiv, das andere passiv.
Das Pferd "hält an" (klingt nach einem Auto :( ), klingt nach einem aktiven Vorgang. Es ist aber passiv, reagiert auf die Aktion des Reiters (der durch pariert).
Beim Anhalten ist es Subjekt (es bestimmt aus eigenem Antrieb die Handlung), beim Durchparieren ist es Objekt (Wen pariert der Reiter durch? Das Pferd).

Cairiel

Zitat von: Sascha am 30. Januar 2016, 18:51:03
Übrigens: Ja, Du kannst einem Bayern schon backbord und steuerbord zutrauen. Aber "durchparieren" hab ich noch nie gehört und wüßte sowas von garnix damit anzufangen. Wenn das der Fachausdruck für "Anhalten" ist, ja Himmel, dann kann man das auch auf Deutsch hinschreiben, ehrlich. Okay, wenn man einen Pferdetrainer sprechen läßt, dann bitte Fachausdrücke, klar. Und wenn's geht irgendwie übersetzen. Wenn man aber dem Leser beschreibt, daß Old Bill grad seinen Gaul zum stehen bringt, dann bitte so, daß der Leser es auch versteht. Ein Passagier auf dem Schiff würde wohl auch eher in links/rechts denken, obwohl der Kapitän natürlich "back-/steuerbord" sagt.
Weißt du, woher ich als Bayer, der in seinem Leben viermal auf einer Fähre gestanden hat und das die komplette Schiffserfahrung war, diese Begriffe kenne? Aus Büchern. Fantasy. Hätte nie ein Autor sowas geschrieben, wäre ich wenn überhaupt erst sehr spät damit konfrontiert worden. ... Nein, vermutlich gar nicht. Ich weiß auch noch genau, welches Buch das war, das ich da als Kind verschlungen habe und diese seltsamen Begriffe um sich warf.  ;D
Deine Logik verstehe ich nicht ganz. JEDER Reiter denkt von durchparieren. Du schreibst, bei einem Kapitän ist es klar, dass er von steuer-/backbord denkt bzw. redet. Aber für einen Reiter gilt das nicht? Und hey, dann muss ein Leser halt mal ein einzelnes Wort nachschlagen, sofern es sich nicht aus dem Kontext ergibt. Hat man was gelernt, wie ich mit den Schiffen.

@Fianna, well, rein begrifflich könnte man ja schreiben, der Reiter hält sein Pferd an. Aber sowas würde ich wie gesagt nur aus Sicht eines Pferdelaien so schreiben.

Trippelschritt

#19
Schwierige und spannende Frage. Meine erste Antwort, so ganz aus dem Bauch heraus, war: Sicher muss man etwas entweder sauber recherchieren, wenn man es nicht weiß oder man muss jemanden fragen, der sich damit auskennt. Und dann kamen die ganzen "abers". Mein Vorbild Ursula Le Guin hat einmal gesagt, dass man nicht überall Fachmann sein muss und von Segeln und Booten versteht sie nichts. Und trotzdem ließ sie ihren Helden in Magier der Erdsee in einem kleinen Segelboot mit Namen Lookfar tagelang übers Wasser shippern. Sie hat ihren Text eben so geschrieben, dass es plausibel und auch korrekt war. Sie hatte eben vieles im Allgemeinen gelassen.
In manchen Fällen geht das aber nicht. Vor allem dann nicht, wenn etwas in die Handlung eingreift. Besonders schlimm in Kampfszenen - egal welcher Art - wenn der absolute Neuling den Könner besiegt/überlistet. Ohne einen Zufall von außen ist das kaum möglich. Pferde ist auch etwas. In Westernfilmen klappt das, weil die alle reiten können, auch wenn da manchmal mexikanische Steigbügel unter Indianerdecken hervorschauen. Das ist geschenkt. Aber in so manchem Tatort wurde es bereits peinlich. Und noch schlimmer, wenn ein bekannter Schauspieler reiten soll, der es nicht kann.

Ich muss immer lachen, wenn jemand über eine jahrhunderte alten geheimen Pfad wandelt, den niemand mehr kennt. Im buschkand ist der nach drei Jahren zugewachsen, im Grasland dauert es länger, aber nicht wesentlich. also Vorsicht bei den Details. Andererseits, ohne Details klingt es selten authentisch.
Das Beste ist also, einen sachkompetenten Betaleser hinzuzuziehen. Von amerikanischen Verlagslektoren kenne ich Beispiel, wo vom Autor eine Bestätigung verlangt wurde, dass das und das Polizeipraxis ist. (Eine mündliche Auskunft mit Quelle reichte dann aber.)

Das kann auch Erfolgsautoren erwischen. Zwei dicke schnitzer in einem historischen Roman waren für mich mindestens ein Schnitzer zu viel. Da konnte der Rest auch gut sein.

Liebe Grüße
Trippelschritt

Edit: Durchparieren ist runterschalten  ;D , nicht unbedingt anhalten.

Guddy

@Fianna Öhm.. und was ist dann mit "Er hielt das Pferd an", "ließ es zum Stehen kommen" usw.?

Ein kleiner Exkurs zum Thema "Zähne": Ich habe damals eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin gemacht und kenne mich mit Zähnen, den entsprechenden Fachausdrücken und der Anatomie des Kopfes sehr gut aus. Noch immer, obwohl ich seit ein paar Jahren aus dem Beruf raus bin, denke ich in Zahlen. Wenn jemand mir sagt, welcher Zahn ihm wehtut und um meinen Rat bittet, antworte ich versehentlich so was wie: "Ah, der 37er, puh, klingt als sei die Pulpa gereizt. Darf ich mal eine kleine Perkussionsprobe machen?" Aber nur, weil ich die Begriffe kenne und damals täglich verwenden musste, erwarte ich nicht, dass in einem Roman selbige auch verwendet werden. Da darf der Protagonist gerne davon reden, dass ihm der "Seitenzahn" wehtut oder ihm der Nerv rausgebohrt wurde, obwohl er eigentlich herausgezogen und -geschabt wurde.
Anders sähe es aus, wenn der Autor behauptet, ausnahmslos jeder Mensch habe von Natur aus 32 Zähne oder der 11er habe regulär drei Wurzeln statt eine.

Trippelschritt

Zitat von: Guddy am 30. Januar 2016, 19:13:39
@Fianna Öhm.. und was ist dann mit "Er hielt das Pferd an", "ließ es zum Stehen kommen" usw.?

Anders sähe es aus, wenn der Autor behauptet, ausnahmslos jeder Mensch habe von Natur aus 32 Zähne oder der 11er habe regulär drei Wurzeln statt eine.

Für mich zwei akzeptable Formulierungen, auch wenn ich nicht gefragt wurde.
Und die Zähne? Keine 32? Auch früher nicht, als man noch kauen musste?

Liebe Grüße
Tippelschritt

Guddy

#22
Es gibt durchaus einige Menschen, die zB. zusätzlich zu den Weisheitszähnen noch 9er haben, die entweder auch durchbrechen, oder im Kiefer verbleiben. Außerdem gibt es natürlich auch häufiger mal Leute, die lediglich die Anlagen für bspw. 28 Zähne haben, meist, weil die Weisheitszähne oder die oberen 2er (also die seitlichen Schneidezähne) im Bauplan fehlen.

Das reguläre Gebiss besteht natürlich trotzdem aus 32 bleibenden Zähnen. ;) Aber so selten sind Abweichungen absolut nicht. Sind einfach Feinheiten. Oder Korinthen. ;)

Angela

Mein Jüngster hatte fünf zusätzliche Zähne, eher Zahnanlagen, die aus dem Knochen herausoperiert werden mussten, gemeinsam mit den Weisheitszähnen, der arme Junge.

Steuerbord und Backbord halte ich für Allgemeinbildung, Wanten und Schoten, da frage ich mich dann schon, verwende das aber noch, statt dem Krähennest verwende ich Ausguck, der Smutje zum Beispiel ist bei mir schlicht der Schiffskoch, das versteht jeder. So überlege ich mir, was ist halbwegs gängig, was eher nicht.

Durchparieren habe ich noch nie gehört und lebe auf einer Pferdeinsel, aber ich reite auch nicht. Meine Reiterfreundin kennt es aber auch, hat es mir gerade wie Trippelschritt erklärt.

cryphos

#24
Sachverhalte in Büchern sollten in der Sache richtig geschildert werden und wenn möglich mit Worten, welche die Mehrheit der Zielleserschaft versteht - Sachbücher und Fachliteratiur mal ausgenommen.
Letzthin habe ich den vierten Teil der Millennium Triologie (sorry, das wurde so angepriesen) als Hörbuch gehört. Abgeshen davon das Teil 4 der Triologie Nonsense ist bekam ich bei der Schilderung der IT-Security und der Hacks Lachanfälle weil vieles für den Fachmann einfach falsch war und das Fachvokabular unterirdisch bzw. falsch gebraucht. Wie bitte will man durch Sourcecode eine Brücke zwischen dem Internet und einem zweiten, vom Internet vollkommen losgelösten Netz, eine Brücke bauen? Klar, mir als Fachmann fällt das auf, aber die Mehrheit der Leserschaft wird es nicht auffallen und sie meinen verstanden zu haben was da passiert.

Oder 2009 habe ich eine älteres Buch gelesen und es wird ein Kampf mit Degen und Florett geschildert. Ich verstehe ein bisschen was vom Fechten, aber die Kampfszene war für mich sterbenslangweilig, weil der Autor selbst Fechter war und im Fachchinesisch alles schilderte. Ich zeigte es zwei Fechtern. Diese waren hellauf begeistert, schnappten sich zwei Besenstiele und spielten die Szene für mich nach. Als ich es sah war ich baff wie gut die Szene choreographiert war. Der Mehrheit der Leserschaft bleibt das aber verschlossen. Hier wäre es toll gewesen, hätte der Autor es  in verständlicheren Worten geschildert.

Angela sprach vorher Seefahrerromane an. Was bringt eine tolle Seeräuberstory, wenn man wegen der ganzen Fachbegriffe zur Seefahrt nichts versteht?

Demnach ist meine Devise: So exakt wie möglich, so frei wie nötig.

Wenn ich meine ein Begriff sei zu sehr im Fachchinesisch oder ich bekomme von Betas gesagt, man versteh das wegen einiger Begriffe nicht, dann versuche ich es mit allgemein bekannteren Worten oder oder ich führe den Begriff ein. Das kann durch eine Fußnote passieren, im Glossar geschehen oder indem ich es in die Geschichte einbinde.

Fianna

Smutje und Krähennest halte ich mit für die leichtesten Begriffe, das wird in so vielen Filmen und Büchern verwendet. Das würde ich bei Erstverwendung evt unauffällig erklären, aber dascwürde ich noch nicht in meiner "Nur x Fremdwörter verwenden"-Regel mit als Fremdwort rechnen.

Sascha

Zitat von: Cairiel am 30. Januar 2016, 19:07:46
Deine Logik verstehe ich nicht ganz. JEDER Reiter denkt von durchparieren. Du schreibst, bei einem Kapitän ist es klar, dass er von steuer-/backbord denkt bzw. redet. Aber für einen Reiter gilt das nicht? Und hey, dann muss ein Leser halt mal ein einzelnes Wort nachschlagen, sofern es sich nicht aus dem Kontext ergibt. Hat man was gelernt, wie ich mit den Schiffen.
Mag ja sein, daß ein Reiter in diesen Begriffen denkt. Aber wenn man sie als Autor verwendet, dann doch bitte auch erklären. Das ist so fernab normaler Sprache, und sorry, aber Reiten ist für mich auch kein Massenphänomen wie von mir aus Fußball. Ich könnte zwar persönlich dem Gaul mehr abgewinnen als 22 Deppen (Disclaimer: Damit meine ich Profi-Fußballer, nicht die Hobbyisten. Ich bin FCB-geschädigt.) auf dem grünen Rasen, aber Begriffe wie etwa Abseits oder Foul sind eben durch die (für mich durchaus nervige) Dauerberieselung mit Fußball aus allen Richtungen schon regelrecht in den normalen Sprachgebrauch übergegangen. "Durchparieren" nicht.
Wenn ich mal etwas zu sehr in die Computerei abdrifte, krieg ich von Tina gleich ein gelangweiltes "Technobabbel!" an den Kopf geschmissen, und dabei versuche ich das Ganze noch verständlich zu schreiben. Obwohl mit dem Computer wesentlich mehr Menschen zu tun haben als mit dem Reiten.

Wenn Reiter unter sich sagen "Parier mal deinen Rappen durch!", wo ich sagen würde "Halt mal den Zossen an!" (mir wurst, ob Rappe, Stute, Wallach oder Sauerbraten), dann sollte das natürlich genauso ins Buch kommen, wie das Seemanssprech unter Matrosen. Ich lach mich scheckig, wenn jemand tatsächlich einen Seemann sagen läßt "Nach links abdrehen!" oder so. Nur sollte dann auch gleich mal die Erklärung für 90% der Menschen hinterherkommen, die eben damit nichts anfangen können. Lassen wir mal die Reiter bei Dir die Hauptrolle spielen, und sie schmeißen ständig mit Begriffen um sich, die ich nicht verstehe, ohne daß Du es mir irgendwie erklärst (obiges Beispiel: "Na gut, wenn es sein mußte, dann hielt er sein Pferd eben an."), dann nervt mich das Buch. Ganz allgemein, egal welches Fachgebiet.

Das hat aber eigentlich nichts mehr mit der Ursprungsfrage nach Recherche zu tun. Schlechte Recherche ist es, wenn man einen Fachmann wie den hinterletzten Laien brabbeln läßt, weil man die Fachsprache nicht kennt. Aber vor allem tatsächlich sachliche Fehler (wie ja eben völlig unnatürliches Verhalten von Pferden oder so, cryphos' Beispiele sind für mich natürlich wesentlich erheiternder) sollten nur bei Nebensächlichkeiten vorkommen, da sind sie verzeihlich. Finde ich.

Fianna

Kommt immer drauf an, in welcher Perspektive man schreibt.
Wer reiten nicht so formell gelernt hat, benutzt durchparieren nicht, wer als Handwerker oder so ein Schiff klaut, spricht von "links" und "rechts" (ausser er/sie ist Schiffsbauer) und so weiter.

Sascha

Zitat von: Fianna am 30. Januar 2016, 20:55:26
Kommt immer drauf an, in welcher Perspektive man schreibt.
Wer reiten nicht so formell gelernt hat, benutzt durchparieren nicht, wer als Handwerker oder so ein Schiff klaut, spricht von "links" und "rechts" (ausser er/sie ist Schiffsbauer) und so weiter.
Das meinte ich ja. Natürlich muß man Fachleute passend sprechen (und denken) lassen.
Verständlich für den Leser muß es aber eben trotzdem noch sein.

Tanrien

#29
Zitat von: Norrive am 30. Januar 2016, 16:01:31
Für mich ist es wichtig, dass Themen, die einen großen Teil vom Buch ausmachen, sauber recherchiert sind. Ansonsten kann ich bei Nischenthemen auch als Leser ein Auge zudrücken, gerade wenn ich selbst keine Ahnung habe. [...]
Kurz gesagt, der Rechercheumfang skaliert mit der Wichtigkeit im Buch und der Größe der Nische, aus dem das Thema kommt.
Hier würde ich noch am ehesten zustimmen, aber ich glaube, ich sehe das sehr, sehr viel entspannter als (fast?) alle hier. Solange ich es im Roman noch glaubwürdig finde, habe ich mit Recherchefehlern kein Problem. Ich bin ja im Bereich Politikwissenschaft und wenn ich mich da jedes Mal aufregen würde, wenn jemand mal wieder einen Staat irgendwie total zufällig aufbaut... Hätte ich keine Nerven mehr. ;) Nein, aber ernsthaft, ich finde es maximal schade, wenn nicht richtig recherchie wurde, weil sich Autoren Sachen ja oft einfach machen und Sachen so biegen, dass es für den Plot passt. Bei richtiger Recherche käme aber vielleicht ein cooles weiteres Hindernis für einen coolen weiteren Plotstrang zustanden. Edit: So halte ich es folglich auch als Autor, das war ja jetzt sehr Leser-Sicht-lastig. Ich recherchiere, damit der Plot komplexer und eingebundener wird. Fachausdrücke deswegen eher nicht, aber ich schreibe ja auch auf Englisch, da muss ich ja teilweise schon mit der regulären Sprache kämpfen.

Das einzige, was mich mit ein bisschen Nachdenken vielleicht doch aufregt, sind Fehler, mit denen dann grob Politik gemacht wird. Ich denke an sowas wie den Stonewall Film. Aber das sind ja auch wieder keine Recherchefehler, sondern wenn Autoren bzw. Macher bewusst etwas verändern, obwohl sie es besser wissen.