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Genrewechsel - Auszeit vom Phantastischen?

Begonnen von Arne, 06. November 2013, 22:03:04

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Arne

Nach den vielen wenig guten Nachrichten in Bezug auf die Chancen als deutscher Fantasy-Erstling wage ich mich gegenwärtig an ein Experiment. Bisher habe ich drei phantastische Romane geschrieben, wovon ich seit längerem versuche, zwei an den Mann zu bringen (Der Dritte - eigentlich Erste - wird irgendwann einmal eine Neufassung verpasst und dann seine Chance bekommen). Wie vielleicht zu erahnen, hatte das bislang keinerlei Erfolg.
Da aber in meinem letzten Buch der phantastische Teil sehr hinter dem menschlichen Aspekt der Geschichte in den Hintergrund gerückt ist, kam mir die Idee, es einmal auf die "normale" Weise zu versuchen. Nun mache ich mir also zum ersten Mal die Füße in einer ganz unphantastischen Geschichte nass und werde schauen, wohin es mich führt. Wenn es was wird, habe ich die Hoffnung, eine etwas breitere Auswahl an möglichen Adressaten zu finden, um endlich einmal als Schriftsteller weiterzukommen. Die Phantastik bleibt dabei meine erste Liebe und wird von mir nicht verlassen. Sie hat nur zurzeit Urlaub ;-)
Hat jemand hier ähnliche Ausflüge gemacht/macht sie längst? Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht? Ich zum Beispiel hatte zu Beginn durchaus mit dem Fehlen der übergeordneten phantastischen Idee zu kämpfen. In meinen vorherigen Werken gab es stets den hintergründigen und doch alles mal subtil, mal sehr deutlich durchdringenden phantastischen Aspekt, der die Welt gleich eine Spur komplexer und ausgefüllter werden ließ. Das zu kompensieren, musste ich erst einmal ganz neu ausloten.

Franziska

Das ist doch nicht Off Topic :psssst:
Ich glaube, die meisten hier schreiben nicht nur Phantastik. Ich habe schon immer auch realistisches geschrieben. Eigentlich mehr als Fantasy. Bisher habe ich einen Fantasy und vier realistische Romane geschrieben. Und ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich überhaupt nochmal Fantasy schreibe. Irgendwie fehlen mir da die Ideen. Wenn dann schon eher SF. Mich haben schon immer mehr die Beziehungen der Figuren und ihre Entwicklungen interessiert als komplexer Weltenbau. Mit komplexen Figuren kann man einem Text ja auch Tiefe verleihen. Und die reale Welt ist doch auch komplex genug. Aber ich glaube, ich verstehe trotzdem, was du meinst. Wenn man gewohnt ist solche komplexen Welten zu entwerfen, ist es vielleicht erstmal schwer, etwas anderes zu schreiben. Dann muss man sich auf den Plot und die Figuren konzentrieren. Wenn man sich den Buchmarkt anguckt, istder Fantasyboom offensichtlich vorbei. Es kann also nicht schaden, in ein oder zwei anderen Genre etwas zu versuchen, würde ich sagen.

Grey

 :wache!:

Sehr richtig, das ist keineswegs Off Topic, sondern ein sehr schreibbezogenes Thema. Ich habs daher mal verschoben.

HauntingWitch

Lustig, dass du den Thread gerade jetzt eröffnest, ich hatte das "Problem" vor etwa einem halben Jahr bzw. bin immer noch dabei. Es war so, dass ich plötzlich mehr Zugang zu realistischen Dingen hatte und so richtig Fantastisches mir einfach nicht mehr zufliegen wollte. Erst einmal war da grosse Panik in meinem Kopf, denn um Himmels willen, ich liebe die Fantasy doch und möchte sie nicht verlieren. Nachdem mich der Tizi dann ermutigt hat, habe ich diese realistischen Sachen tatsächlich in Angriff genommen und festgestellt: Das fantastische Element rutscht mir immer wieder rein, ich kann das gar nicht wirklich weg lassen. Es passiert einfach. Nur steht es teilweise nicht mehr im Vordergrund. Ein Roman ist (noch) nichts davon geworden. Einer steht vielleicht in den Startlöchern, wobei ich auch da schon wieder zu leicht fantastischen Ideen abdrifte. Das Ergebnis: Ich habe jetzt eine Menge "Übungen" in meinem elektronischen Archiv und bin vermutlich noch lange nicht fertig damit. Aber das andere ist auch noch da. Wo genau mich das hinführt, weiss ich noch nicht. Fest steht schon einmal, dass es dem Horror in meinen Geschichten (was ich eigentlich am liebsten schreibe) mächtig zugute kommt.

Malinche

In welchem Genre versuchst du dich denn gerade, Arne? :)

Zitat von: Arne am 06. November 2013, 22:03:04
Da aber in meinem letzten Buch der phantastische Teil sehr hinter dem menschlichen Aspekt der Geschichte in den Hintergrund gerückt ist, kam mir die Idee, es einmal auf die "normale" Weise zu versuchen. Nun mache ich mir also zum ersten Mal die Füße in einer ganz unphantastischen Geschichte nass und werde schauen, wohin es mich führt. Wenn es was wird, habe ich die Hoffnung, eine etwas breitere Auswahl an möglichen Adressaten zu finden, um endlich einmal als Schriftsteller weiterzukommen. Die Phantastik bleibt dabei meine erste Liebe und wird von mir nicht verlassen. Sie hat nur zurzeit Urlaub ;-)

Zitat von: Franziska am 06. November 2013, 23:07:39
Und ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich überhaupt nochmal Fantasy schreibe. Irgendwie fehlen mir da die Ideen. Wenn dann schon eher SF. Mich haben schon immer mehr die Beziehungen der Figuren und ihre Entwicklungen interessiert als komplexer Weltenbau. Mit komplexen Figuren kann man einem Text ja auch Tiefe verleihen. Und die reale Welt ist doch auch komplex genug.

Meine phantastischen Projekte spielen ja auch in den meisten Fällen in der realen Welt und ich finde, phantastische Elemente lassen sich auch sehr gut mit komplexen Figuren verbinden. Also nicht, dass ihr direkt etwas anderes behauptet hättet, aber ich würde das jetzt nicht so als Gegeneinander aufstellen, als ob die Beziehungen und Entwicklungen der Figuren in einem Fantasy-Setting weniger herausgearbeitet werden könnten als in einem realen bzw. unter dem Einsatz phantastischer Elemente leiden müssen. Finde ich nämlich gar nicht. :)

Bei mir ist es so, dass ich momentan an meinem zweiten komplett realistischen Buch sitze (das erste ist Kinder-/Jugendbuch, das zweite wird wohl eher in Richtung Young Adult gehen). Hauptsächlich deshalb, weil meine Agentur mir recht klar gesagt hat, dass sie für Fantasy momentan keine Vermittlungschancen sehen, und nachdem mich das anfangs gefrustet hat, nehme ich es als Herausforderung, auch ohne phantastische Elemente einen Zauber in der Geschichte zu finden, der mich selbst gefangennehmen kann. Schwierig finde ich dabei nicht so sehr, dass nichts Phantastisches vorkommen "darf", sondern eher, dass ich mich mit bestimmten Genrekonventionen konfrontiert sehe, die mir vorher nicht bewusst waren. Es ist ja auch schon ein großer Unterschied, ob ich einen Krimi, einen Mystery-Thriller oder eben ein realistisches Jugendbuch schreibe. Wobei ich das jetzt nicht als unbedingtes Gegenstück zur Fantasy ansehe, denn auch da gibt es zahllose Konventionen und unterm Strich natürlich auch Anforderungen an die Markttauglichkeit - daher denke ich, den Unterschied in meinem Fall macht vielleicht eher, dass ich vorher für mich geschrieben habe und nun im Hinblick darauf, dass das Machwerk für einen ominösen "Markt" interessant und kaufbar sein soll. Was ja dann schon wieder eine andere Diskussion wäre.

Zitat von: Arne am 06. November 2013, 22:03:04
Hat jemand hier ähnliche Ausflüge gemacht/macht sie längst? Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht? Ich zum Beispiel hatte zu Beginn durchaus mit dem Fehlen der übergeordneten phantastischen Idee zu kämpfen. In meinen vorherigen Werken gab es stets den hintergründigen und doch alles mal subtil, mal sehr deutlich durchdringenden phantastischen Aspekt, der die Welt gleich eine Spur komplexer und ausgefüllter werden ließ. Das zu kompensieren, musste ich erst einmal ganz neu ausloten.

Ich denke, das lässt sich eigentlich immer ganz gut lösen und hängt dann auch immer vom Genre ab, in dem man sich bewegt. Aber es lassen sich doch auch in der realen Welt genug Eigentümlichkeiten und Widersprüche finden, die man ähnlich einem phantastischen Aspekt als "Bühne" nutzen kann, als Bezugspunkt sozusagen.

Persönlich glaube ich, dass ich auch vieles über die Sprache und sprachliche Bilder ausgleiche, um es wieder ein wenig phantastischer zu Gestalten - es sind dann eben die Gedanken der Protagonistin, die sich dies oder jenes vorstellt oder etwas vergleicht, und keine tatsächlichen magisch-phantastischen Wesenheiten, die in den Schatten tanzen. ;)
»Be suspicious of the lemons.« (Roxi Horror)

Thaliope

Zitat von: Malinche am 07. November 2013, 10:33:11und nachdem mich das anfangs gefrustet hat, nehme ich es als Herausforderung, auch ohne phantastische Elemente einen Zauber in der Geschichte zu finden, der mich selbst gefangennehmen kann.

Ach, das hast du schön gesagt  :vibes:  :wolke:
Und wenn man sich mal in der nicht-phantastischen Literatur umschaut, findet man ja an allen Ecken und Enden "phantastoide" Elemente.

LG
Thali

Luna

#6
Zitat von: Franziska am 06. November 2013, 23:07:39
Wenn man sich den Buchmarkt anguckt, istder Fantasyboom offensichtlich vorbei. Es kann also nicht schaden, in ein oder zwei anderen Genre etwas zu versuchen, würde ich sagen.
Fantasy wird nie totzukriegen sein. Ein Glück. Bereits in meiner Ausbildungszeit, um 1994 rum, als Fantasy noch nicht so der Trend wie heute war, hatte sie in Wiesbadens Buchläden eigene Regale und ich kann mir nicht vorstellen, dass die mal verschwinden werden.

Zitat von: Malinche am 07. November 2013, 10:33:11
Hauptsächlich deshalb, weil meine Agentur mir recht klar gesagt hat, dass sie für Fantasy momentan keine Vermittlungschancen sehen, und nachdem mich das anfangs gefrustet hat, nehme ich es als Herausforderung, auch ohne phantastische Elemente einen Zauber in der Geschichte zu finden, der mich selbst gefangennehmen kann. Schwierig finde ich dabei nicht so sehr, dass nichts Phantastisches vorkommen "darf", sondern eher, dass ich mich mit bestimmten Genrekonventionen konfrontiert sehe, die mir vorher nicht bewusst waren. Es ist ja auch schon ein großer Unterschied, ob ich einen Krimi, einen Mystery-Thriller oder eben ein realistisches Jugendbuch schreibe. Wobei ich das jetzt nicht als unbedingtes Gegenstück zur Fantasy ansehe, denn auch da gibt es zahllose Konventionen und unterm Strich natürlich auch Anforderungen an die Markttauglichkeit - daher denke ich, den Unterschied in meinem Fall macht vielleicht eher, dass ich vorher für mich geschrieben habe und nun im Hinblick darauf, dass das Machwerk für einen ominösen "Markt" interessant und kaufbar sein soll. Was ja dann schon wieder eine andere Diskussion wäre.
Marktorientiertheit und dem ,,nur Veröffentlichen, was im Trend ist" ::). Daher sind mir viele Verlage/Agenturen suspekt und mir schwillt regelmäßig der Kamm, wenn ich etwas in der Art wieder irgendwo lese. Keine Sorge, im Moment bin ich ganz ruhig ;D. Das würde bei mir eher eine Trotzreaktion im Sinne von Jetzt erst recht auslösen, aber das ist trotzdem nicht der Grund, warum ich persönlich der Fantasy treu bleiben werde.
Ich würde mich eher als Hobby- und Gelegenheitsschreiber bezeichnen. Derzeit finde ich neben meinen anderen Hobbys nicht die Zeit zum Schreiben, ok, auch aufgrund von Ideenlosigkeit sieht es ziemlich mau aus :seufz:. Ich bin zufrieden damit, nur für mich und meine Freunde zu schreiben und da schreibe ich das, was ich selbst am liebsten lese oder lesen würde. High- und Lowfantasy a là Schwert der Wahrheit, George R. R. Martin, Erikson etc., exotische, fremdartige Orte, Welten, Rassen und Kreaturen, schwebende Festungen, Schwertergeklirr, Magie, Dämonen :wolke: .... Apropos exotisch und fremdartig, da möchte ich doch dieses 896 Seiten dicke Schätzchen hier Der Weg der Könige und der Auftakt zu einem 10 Band Epos, ans Herz legen. Der Autor hat eine echt einzigartige eigene Welt erschaffen und in dem Buch finden sich Illustrationen und Skizzen einiger Wesen, sowie Kartenmaterial der Welt. So, genug geschwärmt.
So etwas würde ich auch gerne mal erschaffen. Eine eigene Welt. Und da liegt für mich auch der Reiz, der Zauber des Schreibens. Realität habe ich jeden Tag genug ;D. Science Fiction könnte ich mir übrigens als Mass Effekt, Star Trek (NG, Voyager, DS 9) und Babylon 5 Fan auch noch vorstellen zu schreiben, aber da mag ich mich wegen der Technik nicht so recht ranwagen.

Malinche

[OT] @Luna: Das Kammschwellen kann ich zwar grundsätzlich verstehen, aber seit ich selbst einen Agenturvertrag habe, sehe ich es auch ein wenig differenzierter. Mir verbietet ja niemand, Fantasy zu schreiben, und tatsächlich tue ich das auch weiterhin, bringe es teilweise eben selbst unter und habe trotzdem die Hoffnung, dass irgendwann mal etwas davon auch mit auf eine Buchmesse fahren wird.
Und es lässt sich auch nicht einfach auf "nur das, was im Trend ist" runterbrechen, denke ich. Eine gute Agentur handelt zwar natürlich im Eigeninteresse, aber letztlich doch auch in dem ihrer Autoren, wenn sie realistisch bleibt und guckt, wo sie ihre Schreiber unterbringen kann, anstatt den Autorennamen mit Manuskripten zu verbrennen, bei denen ihnen von vornherein klar ist: Das können wir im Moment leider einfach nicht unterbringen. Eine gute Agentur sagt ihren Autoren außerdem: Das und das hat zur Zeit realistische Chancen auf eine Vermittlung. Wenn du es kannst, versuch das zu schreiben. Aber verbieg dich nicht zu sehr. Ich merke es zumindest bei meiner Agentur, dass es denen sehr am Herzen liegt, dass ich mich weiterhin mit meiner Schreibe identifizieren und meine eigene Erzählstimme behalten kann. Es geht also nicht ums Verbiegen. Die Herausforderung ist ja gerade, bei allem Blicken auf den Markt auch sich selbst treu zu bleiben. Und um noch mal eine Lanze zu brechen, es ist auch nicht so, dass Agenturen grundsätzlich keine Experimente machen. Klar, meinen Vertrag habe ich mit realistischem Jugendbuch bekommen und nicht mit Fantasy, aber es ist ein sehr eigenwilliges, schwieriges Projekt, das sich in der Realität schwer vermitteln lässt und das war meiner Agentur auch durchaus bewusst - trotzdem haben sie es darauf ankommen lassen und mich genommen. :)

Das passt jetzt nicht so ganz zum Thema, sorry, aber wir hatten diese Diskussion schon so oft und es ist mir einfach ein Bedürfnis, da ein wenig Differenziertheit reinzubringen. Natürlich wäre es schön, wenn sowohl Agenturen als auch Verlage sich vielleicht mal mehr trauen würden, und natürlich ist es teilweise ärgerlich, wenn viele Dinge mit dem lapidaren Verweis auf "den Markt" nicht möglich sind. Das steht außer Frage. Aber ich finde eben auch, dass wir es uns zu einfach machen, wenn wir darüber bloß schimpfen und Agenturen und Verlage als die Bösen abstempeln. Einfach ist in diesem Leben eben nix. ;) Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden ...

[/OT]

»Be suspicious of the lemons.« (Roxi Horror)

Franziska

@Malinche: ich habe doch nicht gesagt, Fantasy wäre nicht komplex, oder in Fantasy wären die Figuren nicht kompley. Man kann natürlich eine komplexe Welt, komplexe Figuren und einen komplexen Plot haben. Ich wollte nur sagen, dass realistische Stoffe eben auch komplex sein können.

@Luna: Klar wird Fantasy immer da sein. Aber es geht eben nicht mehr so gut wie vor fünf Jahren. Ich habe ja nicht gesagt, dass man aufhören soll Fantasy zu schreiben, wenn es einem Spaß macht.

Malinche

Zitat von: Franziska am 07. November 2013, 11:24:38
@Malinche: ich habe doch nicht gesagt, Fantasy wäre nicht komplex, oder in Fantasy wären die Figuren nicht kompley. Man kann natürlich eine komplexe Welt, komplexe Figuren und einen komplexen Plot haben. Ich wollte nur sagen, dass realistische Stoffe eben auch komplex sein können.

Hatte ich ja auch nicht so verstanden. Es klang nur ein wenig, als ob der Fokus auf der Figurenentwicklung ein Hauptgrund für ein eher realistisches Setting wäre, was ich nicht so empfinde. Aber ich glaube, wir sind in der Hinsicht einer Meinung. :)
»Be suspicious of the lemons.« (Roxi Horror)

Luna

OT
@ Malinche
Das ist wirklich eine andere Geschichte, aber das, was Du von Deiner Agentur schreibst, hört sich doch gleich viel besser an. Mir fällt eben so oft nur das Negative auf, blöde selektive Wahrnehmung :pfanne: , wie z. B. Theas geniale Idee im Mein Roman Thread, die mit "Zeitreisen sind in Deutschland nicht verkäuflich" abgetan wurde und das fände ich wirklich schade, wenn diese Geschichte für die Schublade wäre.
/OT

Pygmalion

Hm, zählt die freundliche Unterhaltung eines Mädchens mit dem Tod, der sie dann auf ihren Wunsch hin auch mitnimmt, jetzt noch zu Fantasy? :D

Geschichten in der "Realen Welt" können auch finanziell lohnend sein, denn da gibt es mehr Ausschreibungen, die zum Teil auch ordentlich Geld abwerfen (neben einer Veröffentlichung). Bisher habe ich aber zu den Themen nie einen Zugang gehabt, vielleicht kommt das noch. Bis dahin bleibe ich beim Fantasy mit gelegentlichen Ausflügen woanders hin ;)

ZitatMarktorientiertheit und dem ,,nur Veröffentlichen, was im Trend ist" ::). Daher sind mir viele Verlage/Agenturen suspekt und mir schwillt regelmäßig der Kamm, wenn ich etwas in der Art wieder irgendwo lese. Keine Sorge, im Moment bin ich ganz ruhig ;D. Das würde bei mir eher eine Trotzreaktion im Sinne von Jetzt erst recht auslösen,
Du hast eben einen anderen Anspruch an dich, nämlich nicht, davon leben zu wollen oder möglichst viel zu verkaufen. Wenn jemand aber von seinen Büchern leben möchte, würde so eine Trotzreaktion zu seinem finanziellen Ruin führen. Daher muss sich so jemand immer ein wenig am Markt orientieren und an dem, was eben relativ gute Chancen hat, verkauft zu werden. Oder man schreibt eben das Hammerbuch und kann danach quasi schreiben, was man will und den Markt dazu bringen, sich an einem selbst zu orientieren :D
Stephen King könnte vermutlich auch eine Bauanleitung für ein Kartenhaus gewinnbringend verkaufen.
Zu langsam geschrieben: Ein Verlag muss eben Geld verdienen... wenn er schon 2 Experimentbücher in seinem neuen Programm hat, von denen er nicht weiß, wie sie sich verkaufen werden, kann er sich wirtschaftlich dann eben kein drittes leisten...Das heßt ja nicht, dass sowas generell unverkäuflich ist.
Ich glaube das ist mit jedem Genre so, dass es da "auf und ab" gibt. In weiteren fünf Jahren könnte Fantasy wieder voll boomen, wer weiß das schon?


Alastair Kaya

Dieses Thema spricht mir so aus der Seele! Zu meinen Anfangszeiten habe ich immer wieder herum probiert und musste beim Schreiben feststellen, dass ich es nicht lassen konnte, irgendetwas Fantastisches in die Geschichte zu packen. Eine geheime Welt, eine dunkle Organisation, einen Fluch oder Bann, eine Weissagung, oder einfach nur eine Kreatur, die es eigentlich nicht gibt. Es gab mir das Gefühl, die Schranken, in die mich unsere reale Welt weist, zu ignorieren und meiner Fantasie freien Lauf zu lassen.  :wolke:

Mit der Zeit, nachdem ich die Skizzen für mein aktuelles Fantasy-Projekt verfeinert habe, beschlich mich immer öfter der Gedanke, was denn passierte, wenn Kalayda (so der Arbeitstitel) meine vorerst letzte Romanreihe dieses Genres würde. Wenn ich mein ganzes Pulver in dieser Welt verschieße. Erst war ich entsetzt. Der Gedanke, ich würde meine Fantasy betrügen! Nicht doch! Letztlich bin ich dennoch zum Entschluss gekommen, es würde keinen Unterschied machen. Die Schranken, die ich in der wahren Welt zu sehen glaubte, gibt es nicht wirklich. Was zählt, ist Schlüssigkeit! Und die kann mir sowohl bei der Fantasy, als auch im Realismus entgleiten.

Ich bekenne mich unbedingt als Fantasy-Liebhaber. Es macht mir einfach zu sehr Spaß, irgendwelchen Hirngespinsten nachzugehen, sie zu etwas Großem zu formen und mich in dieser Welt immer und immer wieder zu verlieren. Das heißt aber nicht, dass unsere Welt nicht auch ein Grund zum Träumen ist. Damit schließe ich mich auch der Meinung meiner Kollegen an. Im Realismus gibt es genug Elemente, die etwas Magisches an sich haben. Sei es eine mysteriöse Verschwörung in Form einer Verbrecherorganisation, oder einfach nur der Zufall, dass sich zwei unglücklich Verliebte unentwegt begegnen, als wollte das Schicksal sie mit allen Mitteln zusammenführen.

Jetzt fühle ich mich frei im Schreiben, was mir passt, und es ist einfach nur schön. Und auch in der realen Welt gibt es genug Möglichkeiten, zu schummeln. Vielleicht träumt ein Charakter auch nur. Solange es nicht völlig aus dem Zusammenhang gegriffen scheint, ist alles möglich. Genres sind Schubladen, und in solche werde ich mich nicht stecken lassen.
Oder mit anderen Worten: Ich liebe Schokolade, aber manchmal muss es eben eine Tüte Gummibärchen sein. ;)

Und was die Marktorientierung angeht ... primär ist mir das herzlich egal. Ich schreibe, weil ich Spaß dran habe. Zu schreiben, nur um Hinz und Kunz zu gefallen, würde mir so vorkommen wie ein Arzt, der nur für ihn lukrative Krankheiten behandelt. Klar leiste ich keinen Eid, der mich an meine "Muse" bindet, aber sind wir uns es nicht selbst schuldig, unser Herz sprechen zu lassen und einfach zu schreiben, was wir am besten können? Zu oft stehe ich in meiner Buchhandlung und packe Kisten aus, wobei ich jedes Mal wütender werde, wenn ich sehe, wie schamlos kopiert wird und "dem Trend" hinterher gejagd wird. Sei es "Shades of Grey", wonach jeder meinte, es muss jetzt Erotik her, oder "Twilight", wonach alles plötzlich Romantasy genannt wurde und nicht eher Ruhe gegeben wurde, wenn nicht mindestens einer gebissen wird.

Damit will ich sagen, wer eine Vampirsaga schreiben will, soll das tun, wenn das sein Bedürfnis. Aber eine halbgare Kopie rauszuhauen, nur weil der Markt gerade scharf drauf ist, ist für mich keine Kunst, sondern nur einfallsloser Dilettantismus. Ich muss aber auch sagen, dass ich ein Idealist bin, also dürft ihr mir da ruhig widersprechen.

Naudiz

ZitatHat jemand hier ähnliche Ausflüge gemacht/macht sie längst? Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht?

Ich bin niemand, der sich gerne in Schubladen stecken lässt, also ja, ich habe schon nicht-phantastische Projekte in Angriff genommen. So wirklich von Erfolg gekrönt (im Sinne von "zu Ende geschrieben") war das zwar bisher noch nicht, aber es hat mir mindestens genauso viel Spaß gemacht wie meine phantastischen Projekte. Wenn nicht sogar mehr, denn auch wenn die Fantasy natürlich die Möglichkeit bietet, so gut wie alles einzubauen, worauf man gerade Lust hat, lebe ich nun einmal in der Realität, und das macht es für mich einfacher, loszulassen und einfach drauf los zu schreiben. Weil ich weiß, wovon ich schreibe, und bereits von Anfang an ein Gefühl für das Setting und damit meist auch für die Geschichte habe.

Ehrlich gesagt, vermisse ich in meinen realistischen Projekten das Fantasy-Element so überhaupt nicht. Das liegt daran, dass für mich die Realität genug phantastisch anmutende Dinge zu bieten hat. Krankheiten, auf die sich die Mediziner keinen so rechten Reim machen können, naturwissenschaftliche Phänomene, die sich kein Professor erklären kann, wahnwitzige (Verschwörungs-)Theorien, ... Die Auswahl ist so groß, ich kann mich manchmal gar nicht so recht entscheiden, was ich nun behandeln will.

Das erleichtert es mir schon einmal ungemein, einmal eine nicht-phantastische Geschichte zu schreiben. Der eigentliche Punkt, der es mir so leicht macht, ist aber glaube ich, dass in meinen Romanen ohnehin nie das Genre im Vordergrund steht, noch nicht mal so wirklich die Story, sondern viel mehr die Figuren, ihre Beziehungen zueinander, ihre Motivationen, Emotionen und Abgründe. Und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass gerade die Abgründe interessanter sein können als jede epische Schlacht zwischen Orks, Elfen und Drachen.

Churke

Ich habe mich mal historisch versucht. Ein Rundumschlag über den Untergang des alten Rom. Es beginnt im Jahr 406 mit dem Triumph bei Faesulae und endet im Jahr 410, nach der Plünderung Roms. Es ist die Geschichte eines dekadenten, durch und durch korrupten Imperiums, das, sich der Realität verweigernd, noch im Zusammenbruch nach der Weltherrschaft greift. Die Verlage fanden's nicht so gut wie ich und dabei ist es dann geblieben.  Hat aber trotzdem Spaß gemacht und war sehr interessant. Die besten Geschichten schreibt immer noch das Leben. ;)