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Der gebildete Autor

Begonnen von Kalderon, 25. Juni 2006, 00:59:01

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Arielen

Du meinst wir drehen uns im Kreis?

Ich glaube in gewissem Sinne stimmt das auch. Wir sind uns ja überwiegend einig, was einen Autor für UNS ausmacht, und haben auch festsgestellt, wie es sonst aussieht, und im Moment geht das ganze durch die Abi-Diskussion in eine ganz andere Richtung und auch an die Substanz einiger Leute hier. Es war aber interessant die Meinungen zu lesen, auch wenn sie manchmal sehr kontrovers waren.

@Maja: Das mit der "großen Schule des Schreibens weiß ich nicht. Das mit den anderen Diplom kann ich nicht beurteilen, da auch andere Umstände da mitspielen. Gute Noten werden schon sehr oft honoriert, aber ich glaube, Chefs können selten verknusen, daß ein Berufsanfänger klüger zu sein scheint als sie. Bei zu guten Noten tritt wohl der Effekt ein, daß die Leute zunächst denken "Der/die sieht uns nur als Sprunbrett und ist schneller weg als wir was von ihm/ihr haben, dann nehmen wir doch lieber einen Zweier-Kandidaten, der ist vielleicht treuer. Und ist der Bruch im Lebenslauf erst mal da werden die Leute misstrauisch.

@Moni/Hyndara: Und "Dumm bleiben" soll die Masse, deshalb wird nicht das Lesen sondern der Fernsehkonsum gefördert. Je weniger die Leute zum Denken kommen, desto weniger stellen sie Dinge in Frage. Die Fußball WM und der Terz, der darum gemacht wird, erinnert mich sehr an die römischen Gladiatorenkämpfe.
Alles liegt im Auge des Betrachters

lapaloma

#91
Wieso die Diskussion schon beenden? Haben wir denn wirklich alle Aspekte beleuchtet? Oder ist es gar die Angst vor der Auseinandersetzung?
Das kann doch nicht sein, bei Menschen, die in ihren Geschichten, im ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, Helden mit Schwertern gegen fürchterliche Kreaturen antreten lassen ;-)

Kalderon fragt zu Beginn dieser Diskussion: ,,Kann man überhaupt ein gutes Buch schreiben, wenn man nicht alles Mögliche studiert hat, wie beispielsweise Germanistik, Literaturgeschichte etc.?"
Ich möchte diese Frage mit folgender 'Provokation' erweitern: ,,Kann jemand ein gutes Buch schreiben, wenn er vom Leben nichts versteht?"
Was ich damit sagen will ist folgendes:
Bildung besteht nicht bloß aus angelesenem Wissen und hübschen Diplomen, sie lässt sich nicht auf das reduzieren, was Dietrich Schwanitz in seinem Buch ,Bildung' so treffend zusammengefasst hat. Nein, Bildung hat meines Erachtens auch eine ganz praktische Seite. Wer auch dort gebildet ist, hat es wahrscheinlich leichter im Leben und er kann vielleicht auch näher am Leben schreiben.
Wenn ich also nicht nur weiß, was die alten Griechen so getrieben haben, sondern auch weiß, wie meine Umwelt funktioniert und wenn ich damit umgehen kann, so ist das eben auch Bildung.

Aber um nicht nur bei der Theorie zu bleiben: Von welchem Handwerk versteht ihr etwas? Was seid ihr in der Lage zu entwerfen, zu bauen, zu reparieren, zu unterhalten, zu züchten, anzubauen, zu ernten und zu heilen? Wisst ihr, wie eure Heizung funktioniert und könnt ihr sie reparieren?
Oder um das an einem weiteren Beispiel zu illustrieren: Vielleicht habt ihr euch theoretisches Wissen über Pilze angeeignet, doch seid ihr in der Lage, Pilze im Wald zu sammeln und daraus eine schmackhafte Malzeit zuzubereiten, ohne nachher im Krankenhaus zu landen?

Praktisches Wissen, wie es z.B. Handwerker und Bauern haben, ist ungemein wertvoll. Einen Teil davon kann ich mir anlesen, doch vieles davon muss ich erfahren. Auch dieser Art der Bildung sollte sich ein Autor meines Erachtens nicht verschließen.

Mit herzlichen Grüssen, Sid

PS. Überlege mir gerade, ob ich einen Kurs für Fantasy-Autoren aufziehen soll: Unter anderem mit dem Schmieden eines Schwertes und anschließenden Kampfübungen. Wetten, dass die Beschreibung eines Schwertkampfes dann viel realistischer tönt?

Arielen

Zitat von: Sid am 04. Juli 2006, 07:26:48
Wieso die Diskussion schon beenden? Haben wir denn wirklich alle Aspekte beleuchtet? Oder ist es gar die Angst vor der Auseinandersetzung?
Das kann doch nicht sein, bei Menschen, die in ihren Geschichten, im ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, Helden mit Schwertern gegen fürchterliche Kreaturen antreten lassen ;-)

Ich möchte diese Frage mit folgender 'Provokation' erweitern: ,,Kann jemand ein gutes Buch schreiben, wenn er vom Leben nichts versteht?"
Was ich damit sagen will ist folgendes:
Bildung besteht nicht bloß aus angelesenem Wissen und hübschen Diplomen, sie lässt sich nicht auf das reduzieren, was Dietrich Schwanitz in seinem Buch ,Bildung' so treffend zusammengefasst hat. Nein, Bildung hat meines Erachtens auch eine ganz praktische Seite. Wer auch dort gebildet ist, hat es wahrscheinlich leichter im Leben und er kann vielleicht auch näher am Leben schreiben.
Wenn ich also nicht nur weiß, was die alten Griechen so getrieben haben, sondern auch weiß, wie meine Umwelt funktioniert und wenn ich damit umgehen kann, so ist das eben auch Bildung.

Praktisches Wissen, wie es z.B. Handwerker und Bauern haben, ist ungemein wertvoll. Einen Teil davon kann ich mir anlesen, doch vieles davon muss ich erfahren. Auch dieser Art der Bildung sollte sich ein Autor meines Erachtens nicht verschließen.

PS. Überlege mir gerade, ob ich einen Kurs für Fantasy-Autoren aufziehen soll: Unter anderem mit dem Schmieden eines Schwertes und anschließenden Kampfübungen. Wetten, dass die Beschreibung eines Schwerterkampfs dann viel realistischer tönt?


Hey, das ist doch ein neuer IMpuls, dem ich voll und ganz zustimme. Es kann zwar sein, daß unsere Mods, diese Diskussion dann hier herauslösen wollen, aber warum nicht. Dem Thema "Erfahrung gegen Bildung" stimme ich dir aber auch zu.
Um ein lebendiges Buch zu schreiben braucht ein Autor auch Lebenserfahrung. Das ist mir auch schon aufgefallen.
Ohne hier jemanden brüskieren zu wollen, aber sehr viele Zwanzigjährige, die grade aus der Schule kommen und mit dem Studium beginnen kommen aus einem geschützten Raum und schreiben aus dieser Erfahrung heraus über Menschen. Wenn sie nicht selber schon dunkle Seiten in ihrem Leben (z. B. lebensbedrohliche Krankheiten, Verlust naher Verwandter oder der Lebensumstände, Trennung der Eltern) mitgemacht haben, finden sich noch viele idealistische Vorstellungen in ihren Geschichten, die dunklen Seiten der Charaktere kommen noch nicht so deutlich heraus. Die Bebachtungsgabe ist noch nicht so stark durch Erfahrunge geschärft. Ich will nicht sagen, daß viele jüngere Autoren schlechter schreiben, sie schreiben nur anders. So war das bei mir auch. Wenn ich meine Geschichten betrachte, die ich in der Schule geschrieben habe, so unterscheiden sie sich wie Tag und Nacht von meinen heutigen.

Ist man doppelt so alt, hat man schon mehr Erfahrungen mit dem Leben gemacht, Höhen und Tiefen, Erfüllung von Träumen und Desillusionierung, die Zahl der Menschen, die man auf gute oder schlechte Weise kennen gelernt hat ist größer geworden. Man ist vielleicht durch Erlebnisse bitter und zynisch geworden. Oder irgendwas anderes ist passiert. Das muss aber nicht so sein, ich kenne auch Leute, die haben sich in den 20 Jahren nicht verändert und schreiben auch nicht viel anders als sie mit 20 geschrieben habe.

Was das mit Bildung zu tun hat? Wie Sid schon sagte, Erfahrung ist genauso wichtig. Und dazu gehört meiner Meinung nach nicht nur die Erfahrung in handwerklichen Dingen. Sondern auch die Erfahrung, die man im Leben sammelt, vor allem im Zusammenspiel mit anderen Menschen. Wer Zurücksetzung aufgrund seines Geschlechtes oder seines sozialen Standes schon einmal erlebt hat wird so etwas sicher besser einbringen können, als jemand, der das nur aus zweiter Hand weiß.

Alles liegt im Auge des Betrachters

Moni

#93
Zitat von: Arielen am 04. Juli 2006, 06:52:54
Du meinst wir drehen uns im Kreis?

Ich glaube in gewissem Sinne stimmt das auch. Wir sind uns ja überwiegend einig, was einen Autor für UNS ausmacht, und haben auch festsgestellt, wie es sonst aussieht, und im Moment geht das ganze durch die Abi-Diskussion in eine ganz andere Richtung und auch an die Substanz einiger Leute hier. Es war aber interessant die Meinungen zu lesen, auch wenn sie manchmal sehr kontrovers waren.


Genau das denke ich. Man kann ja durchaus ein anderes Topic zum Bildungsthema aufmachen, aber wirklich neue Aspekte zum gebildeten Autor kann ich in keinem der Postings mehr entdecken.
Macht doch einen Thread über die Erfahrung auf, aber hier kommt echt nix neues mehr, zumal ein Thread, der über 7 Seiten und mehr geht, erfahrungsgemäß nicht mehr wirklich überschaut werden kann und sich irgendwann einfach alles nur noch wiederholt.
Wenn ich mich recht erinner, hat Kalderon auf Seite 5 seine Frage bereits als beantwortet betrachtet, was ich als weiteres Zeichen werte, daß eine endlose Weiterführung nicht fruchtbar sein kann.

Lg
Moni
Deutsch ist die Sprache von Goethe, von Schiller...
und im weitesten Sinne auch von Dieter Bohlen[/i]
Stefan Quoos, WDR2-Moderator

»Gegenüber der Fähigkeit, die Arbeit eines einzigen Tages sinnvoll zu ordnen,
ist alles andere im Leben ein Kinderspiel.«[/i]
Johann Wol

Maja

Ich finde nicht, daß dieser Thread geschlossen werden sollte. Der einzige Grund, warum das manchmal nötig ist, ist, daß er zu sehr ins Off-Topic abdümpelt. Wenn keiner mehr hierzu was zu sagen/schreiben hat, wird er wie alle anderen ehedem hochgekochten Themen erst noch ein wenig vor sich hindümpeln und dann einschlafen.
Aber der übergang vom gebildeten Autor zum Gebildeten Menschen ist fließend genug, daß ich ihn nicht OT nennen möchte.
Niemand hantiert gern ungesichert mit kritischen Massen.
Robert Gernhardt

Moni

ZitatDem Thema "Erfahrung gegen Bildung" stimme ich dir aber auch zu.

Dann nenn ihn doch um, ich finde einfac nicht, daß diese Diskussion dann noch mit dem, was Kalderon ursprünglich fragte, bseonders viel zu tun hat.  :hmhm?:

Deutsch ist die Sprache von Goethe, von Schiller...
und im weitesten Sinne auch von Dieter Bohlen[/i]
Stefan Quoos, WDR2-Moderator

»Gegenüber der Fähigkeit, die Arbeit eines einzigen Tages sinnvoll zu ordnen,
ist alles andere im Leben ein Kinderspiel.«[/i]
Johann Wol

Maja

Das stimmt wahrscheinlich.
Aber die von Kalderon angestoßene Diskussion hat gezeigt, daß es hier ein Thema gibt, bei dem offenbar Diskussionsbedarf besteht.
Niemand hantiert gern ungesichert mit kritischen Massen.
Robert Gernhardt

Moni

Zitat von: Maja am 04. Juli 2006, 09:28:17
Das stimmt wahrscheinlich.
Aber die von Kalderon angestoßene Diskussion hat gezeigt, daß es hier ein Thema gibt, bei dem offenbar Diskussionsbedarf besteht.

Ich sag einfach gar nichts mehr dazu...  :-X Kriegt ja scheinbar jeder alles in den falschen Hals...  :'(
Deutsch ist die Sprache von Goethe, von Schiller...
und im weitesten Sinne auch von Dieter Bohlen[/i]
Stefan Quoos, WDR2-Moderator

»Gegenüber der Fähigkeit, die Arbeit eines einzigen Tages sinnvoll zu ordnen,
ist alles andere im Leben ein Kinderspiel.«[/i]
Johann Wol

Arielen

Zitat von: Maja am 04. Juli 2006, 09:28:17
Aber die von Kalderon angestoßene Diskussion hat gezeigt, daß es hier ein Thema gibt, bei dem offenbar Diskussionsbedarf besteht.

Na ja, es ist auch eines, bei dem die Emotionen richtig hochschlagen, weil es stellenweise ja auch richtig persönlich wurde und wird. Und weil es us auch als Autoren und Menschen beschäftigt. Da können auch schon einmal unbedachte Worte und unglückliche Formulierungen fallen.

Alles liegt im Auge des Betrachters

Termoniaelfe

*MODMODUS EIN* :darth:

So, ich nun auch noch.

Also, ich bin der Meinung, dass das Thema wirklich gut ist und, wie Maja schon sagt,
Zitatdaß es hier ein Thema gibt, bei dem offenbar Diskussionsbedarf besteht.

ABER, auch ich bin, wie Moni der Meinung, dass dieser Fred, mit 7 Seiten schon lang genug ist.
ZitatMacht doch einen Thread über die Erfahrung auf, aber hier kommt echt nix neues mehr, zumal ein Thread, der über 7 Seiten und mehr geht, erfahrungsgemäß nicht mehr wirklich überschaut werden kann und sich irgendwann einfach alles nur noch wiederholt.

Ich tendiere auch zu einem neuen Fred. Und ich möchte nicht, dass Ihr zwei Euch deshalb in die Köppe bekommt.

LG
Termi

*MODMODUS AUS* :darth:

Manja_Bindig

Aha, Termi. u tendierst zu Fred... und was ist mit George? ;)

Aber gut, ich mach nen neuen Thread auf.