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LGBT: Diversität in der Fiktion und wie man sie schreibt

Begonnen von Nachtblick, 23. Oktober 2013, 20:51:35

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AlpakaAlex

Zitat von: Mondfräulein am 27. März 2022, 00:06:58
Wie oute ich trans Figuren vor den Leser*innen? Gerade bei binären trans Figuren ist das ja nicht so offensichtlich.
Das ist auch immer wieder mein Problem bei meiner Urban Fantasy Welt. Weil hier ist der Fakt: In der Welt ist geschlechtsangleichung via Magie problemlos möglich. Das heißt alle Sachen, die ich sonst wo lese (Charakter erwähnt, dass er Hormone nimmt, hat etwaige verräterische Narben oder etwas in der Art), sind nicht ohne weiteres möglich. (Logik dahinter ist: Wenn die Magie in der Welt jemanden von einem Menschen in ein Tier verwandeln kann, dann sollte es auch ohne Probleme möglich sein, einen weiblichen Körper in einen männlichen zu verwandeln und anders herum.) Und ja, da rätsele ich immer wieder. In meinem einem Projekt, das ich wohl nicht veröffentlichen werde, da outet sich der trans Charakter dann gegenüber der Protagonistin, die sein Love Interest ist. Und in 7 Nächte, das ich gerade überarbeite, trägt eine trans Frau halt Buttons - unter anderem einen trans Pride Button. Außerdem gibt es noch eine andere trans Frau darin, die an eine historische Person angelehnt ist, wo ich also die Hoffnung habe, dass Leute eins und eins zusammenzählen ... Aber ich weiß nicht, ob diese Hoffnung begründet ist.

Wie gesagt, mit Indigo, also dem nicht-binären Charakter aus Sturmjägerinnen ist es einfacher. Denn they verwendet they/them Pronomen. Wunderbar. Kein weiteres outing nötig. (Na ja, und es gibt außerdem eine Sexszene, wo their Körper beschrieben wird, so dass Lesende dann auch erfahren, dass they keine Brüste, aber dafür eine Vulva hat.)

Zitat von: Mondfräulein am 27. März 2022, 00:06:58
So generell möchte ich im Moment alle mögliche Repräsentation sehr gerne schreiben. In meinen Projekten gibt es im Moment zu wenig asexuelle Figuren, da muss ich nochmal drüber nachdenken, wie ich das ändern kann. Da finde ich das mit dem Outing auch schwierig. Klar findet man immer einen Weg, das einzubauen, aber irgendwie fällt mir das bei homosexuellen/bisexuellen/pansexuellen Figuren immer leichter. Vielleicht sollte ich mal darüber nachdenken wieso und woran das genau liegt. Liegt es an mir oder liegt es an der Orientierung selbst, weil die Gesellschaft ganz anders darauf reagiert und damit umgeht?
Das ist tatsächlich ein Problem, das ich weniger habe. Warum? Weil viele meiner Figuren oft über Sex reden. (Na ja, außer in 7 Nächte, aber das ist halt auch irgendwo zwischen YA und NA anzusiedeln.) Ich habe allerdings auch sehr, sehr wenige asexuelle Figuren, was ich ehrlich sagen muss. Also ich habe in Sturmjägerinnen einen asexuellen Charakter, aber das war's. Aromantische Figuren kommen bei mir dagegen immer mal wieder vor - weil ich halt selbst aromantisch bin und mich damit eher identifizieren kann.

Ich meine, technisch gesehen habe ich immer mal wieder Figuren, die keinen Sex haben, aber diese haben Sex eher nicht, weil sie damit verbundenes Trauma haben - das ist nun einmal keine Asexualität.

Zitat von: Fianna am 27. März 2022, 00:48:41
War das jetzt problematisch, weil die Figur Dysphorie erlebt - oder wäre das an sich kein Problem, aber es war das erste Buch dieses Genres, das mit einer trans Figur ins Auge fiel, und dann auch noch mit Dysphoriebeschreibungen?
Oder war es problematisch, dass aus der Autorenbiographie nicht heraus geht, ob es own voice ist? Hätte es diesen Kritikpunkt nicht gegeben, wenn es klar eine own voice Darstellung ist?
Ich weiß jetzt natürlich nicht, um welches Buch es geht. Was ich allerdings vermuten kann: Viele trans Menschen mögen es nicht, wie Dysphorie speziell von cis Menschen dargestellt wird. Weil es eben an der Realität häufig vorbei geht - was eben auch daran liegt, dass dann etwaige cis Menschen es sich selbst gar nicht vorstellen können und dann halt nun einmal auch keine Bücher lesen von trans Menschen, sondern nur ein paar Artikel, die dem Thema aber nicht gerecht werden können.
Außerdem ist häufig bei Medien, die von cis Menschen gemacht werden, das Thema Transition viel zu zentral. Also statt eine trans Figur einfach ihr geschlecht sein zu lassen, wird die Narrative total auf die Transition selbst fokussiert, auf Outing, auf Dysphorie, auf Drama. Und das ist halt einfach extrem störend und ja, auch problematisch.
Das ist halt effektiv so, als würde man die Geschichte eines Schwarzen Charakters komplett auf Rassismus fokussieren und dabei komplett außen vor lassen, dass auch Schwarze Menschen ein Leben haben.

Zitat von: Fianna am 27. März 2022, 00:48:41
Hättet ihr vielleicht Lust auf einen Lesezirkel für queere Bücher?
Prinzipiell ja, aber mit zwei Kaviats: 1) Ich lese sehr, sehr langsam. 2) Dann lieber für queere Phantastik-Bücher, weil tbh halt queere Contemporary Bücher sich für mich auch viel zu oft auf das "anders sein" konzentrieren.

Zitat von: Wolfson am 27. März 2022, 08:30:08
Leider ist es teils so, dass Länder Regelungen haben, die das Zeigen von bestimmten Themen verbietet oder Menchen die solchen Themen angehören schützen will und ihnen daher verbietet, Rollen zu besetzen. D.h. = Eine Person im Rollstuhl muss von einer "gesunden" Person gespielt werden, damit die rollstuhlfahrende Person nicht ausgebeutet werden kann (ob sie aber das selber spielen will fragt leider keiner) also Schutz = Diskrimminierung. Das kenne ich sowohl aus America als auch aus Deutschland und der EU. In Japan zb sind Rollstuhlfahrerinnen ein schweres Thema und bisher kenne ich nur 1 Anime und 1 Game mit einem Kind im Rohllstuhl, mehr nicht.
Ich weiß nicht, wo du das aufgeschnappt hast, aber das stimmt so nicht. Also ja, es stimmt, dass es Länder gibt, die solche Themen verbieten (Russland sei hier als Beispiel genannt), aber westlichen Medienmacher - egal ob Deutschland, UK, USA, Frankreich oder die Skandinavischen Länder - haben keinerlei solcher Regelungen. Also es ist hier nicht verboten, trans Personen medial darzustellen und es ist auch nicht verboten behinderte oder trans Schauspieler*innen für diese etwaigen Rollen herzunehmen. (Quelle: Ich kenne viele Leute, die in den Medien arbeiten, und arbeite aktuell auch an einem Projekt fürs ZDF, das spezifisch um behinderte Figuren geht.) Das einzige, was es gibt, das in den UK solche Dinge oft verhindert: In den UK gibt es sehr strenge Vorschriften für Accessibility am Set, wenn man behinderte Schauspieler*innen hat. Das sorgt dafür, dass viele Medienunternehmen sich die Mühe nicht machen wollen und dann lieber jemanden nehmen, für den sie diese Sachen nicht reinbringen müssen.

Sieht man übrigens auch daran, dass es in allen westlichen Ländern Projekte gibt, die eben behinderte oder trans Figuren mit entsprechenden Schauspieler*innen haben. In Deutschland wären die besten Beispiele die Daily Soaps, die so verquer es klingt, was das angeht immer Vorreiterfaktor haben und tatsächlich lange schon solche Figuren gespielt von solchen Darsteller*innen beinhalten.

Und eben das sieht man auch so in den USA oder UK (und in Frankreich sowieso - Frankreich ist überraschend gut darin, casual representation einzubringen und war das auch schon zu meiner Kindheit). Die Sache ist halt nur eben: Außerhalb von Soaps, die eben eh meistens mit no-name Darsteller*innen besetzt sind, wird zu viel Wert auf name recognition gegeben. Und dafür ist es halt cooler, einen Bryan Cranston in einem Rollstuhl zu setzen, als einen wirklich noch namenlosen Darsteller zu nehmen, der tatsächlich im Rollstuhl sitzt. Dazu kommt an der Stelle halt eben neben dem realen Verkaufsfaktor auch noch, dass ein Projekt mit Bryan Cranston mehr Budget gestellt bekommen wird, als ein Projekt mit Steve Millar, dem realen Rollstuhlfahrer den niemand kennt.

(Übrigens bitte trans Menschen, nicht Transmenschen. Trans ist ein Adjektiv.)

Was Anime und Behinderungen angeht, ist es so ein kompliziertes Thema. Die Sache ist nämlich, dass Japan wirklich sehr, sehr rückständige Regelungen hat, was die Einbindung von behinderten Menschen in die Gesellschaft angeht. Also in der Regel war es so, dass behinderte Menschen in Japan für die längste Zeit in (schlechte) Betreuungsheime abgeschoben und dann vergessen wurden. Es ist erst in den letzten ca. 15 Jahren so, dass Leute dagegen vorgehen - übrigens auch wirklich größtenteils Privatpersonen und nicht die Politik. Deswegen sieht man auch erst in den letzten fünf Jahren nun vermehrt Darstellungen in Anime/Manga von behinderten Personen (abseits von Figuren, die coole Prothesen haben oder aus coolnessgründen blind sind). Aber es ist kompliziert. Eine gute Freundin von mir ist jetzt aus Japan "geflohen", weil die japanische Gesellschaft einfach kaum Accessible für sie mit ihrer Hörschädigung war.
 

Wolfson

#166
Zitat von: AlpakaAlex am 27. März 2022, 11:57:03

(Übrigens bitte trans Menschen, nicht Transmenschen. Trans ist ein Adjektiv.)


Unterscheide bitte dass ich von Transmenschen rede und nicht von transgeschlechtlichen Menschen als Wortwahl. Transmensch, Transmann, Transfrau sind zum einen offizielle Begrifflichkeiten, zum anderen ist es ein Teil des gesammten Wortes wie bei Transporter, du sagst ja nicht trans Porter - der verlgeich hier ist bewisst, denn trans heiß nichts anderes als ewtas zu bewegen und ja auch für TS gilt das in vielerlei hinsicht.

Wo ich das mit den Darstellern hernehme, kommt aus England, und zudem gibts es keine deutschen Filme mit Transmenschen und ja auch das mit den Rollifahrer kommt von England. Zumindest war es die letzten 5-10 Jahre so.

Ich weiß nicht ganz ob du bei deinem NB Charakter - Indigo (ist der Name oder?) - eher an eine intergeschlechtliche Person gedacht hast? Also quasie biologisch mit der Veranlagung gebohren, dass they keine Brüste wuchsen, aber sich das Geschlechtsmerkmal im Unterleib bilden konnte? Zumindest habe ich das so herausgelsen o.o, verzeih mir also, wenn ich da was missverstehe.

Was mir mal zum Thema heut auf Arbeit noch eingefallen ist:
Dr. How behandelt ganz beiläufig sowas auch in etlichen Folgen, zb spricht er mit einem Pferd, das lieber eine Stute ist.
Wem es dazu mal historisch kitzelt, dem empfehle ich den Film "Lilly Elbe" - gibt es glaube auch als Buch Original "Danish Girl", Allerdings ist die reale Originalperson Intergeschlechtlich gewesen, im Film kommt das leider nicht mit durch.

Was mir noch zum Thema Outing einfällt:
Ist zwar ein Anime über Boylove, aber finde es schön gemacht, dass es dem einen Charakter so relativ egal ist, wie seine Kumpels reagieren - Sasaki and Miyano
Auch gut rübergebracht fand ich es bei  Overlord in der Staffel I, als Albedo von Kinderkriegen redet und die Zwillingswächter ja an sich beide vertrauscht sind als "Its a trap"

Ich hasse den folgenden Satz gleich selber XD, aber: "Je normaler man das Thema direkt einbidet, desso eher normalisiert und integriert es sich vielleicht." - den Satz bitte nicht so scharf nehm.

AlpakaAlex

Zitat von: Wolfson am 27. März 2022, 14:24:54
Unterscheide bitte dass ich von Transmenschen rede und nicht von transgeschlechtlichen Menschen als Wortwahl. Transmensch, Transmann, Transfrau sind zum einen offizielle Begrifflichkeiten, zum anderen ist es ein Teil des gesammten Wortes wie bei Transporter, du sagst ja nicht trans Porter - der verlgeich hier ist bewisst, denn trans heiß nichts anderes als ewtas zu bewegen und ja auch für TS gilt das in vielerlei hinsicht.
Ein trans Mann ist kein bewegter Mann. Ein trans Mann ist ein transgeschlechtlicher Mann - das trans ist letzten Endes nur eine Kurzform fürs transgeschlechtliche. Die Schreibweisen mit Transmann etc. stellen das Transsein als das Hauptmerkmal des Menschen da und differenzieren sie von anderen Menschen. In dem Fall ist ein Transmensch eben auf einmal kein normaler Mensch mehr sondern wird zu einem komplett neuen Wesen - weil halt ein getrenntes Nomen. Dann ist auf einmal auch eine Transfrau rein sprachlich gesehen keine Frau mehr - sondern etwas getrenntes, weil es ein eigenes Nomen hat. Ist es aber eine trans Frau ist sie eine Frau, die mit einem Adjektiv beschrieben ist. So wie eine rothaarige Frau eine Frau ist oder eine Schwarze Frau eine Frau usw. Deswegen ist es so wichtig, trans als Adjektiv zu benutzen - weil Sprache eben Macht hat, wie wir in einem Autor*innenforum alle wissen sollten. Und wenn man halt immer wieder "Transfrauen" liest, also ein Wort das transgeschlechtliche Frauen deutlich von cisgeschlechtlichen Frauen unterscheidet, dann lernt das Gehirn auch: "Ja, aber es sind eben keine echten Frauen." Und genau deswegen: trans Menschen, trans Frauen, trans Männer.

Trans hat übrigens auch nichts mit Bewegen zu tun - sondern mit dem lateinischen "trans", was soviel wie "jenseits", "hinter", "auf der anderen Seite" bedeutet. Cis dagegen bedeutet "diesseits", "zwischen" oder "auf dieser Seite". Die Begriffe wurden ihrerseits von Magnus Hirschfeld festgelegt, als dieser in den 1920er Jahren dazu forschte.

Das gilt übrigens auch für Transporter. Der Transporter kommt vom lateinischen trans portare - "über etwas hinüber bewegen" oder "zu etwas hinbewegen".

Zitat von: Wolfson am 27. März 2022, 14:24:54
Wo ich das mit den Darstellern hernehme, kommt aus England, und zudem gibts es keine deutschen Filme mit Transmenschen und ja auch das mit den Rollifahrer kommt von England. Zumindest war es die letzten 5-10 Jahre so.
Ich weiß halt nicht, woher du die Info hast, aber sie stimmt wirklich nicht. Es gibt und gab nie Gesetze, die so etwas verboten hätten. Deswegen gab es auch in Großbritannien über die vergangenen Jahrzehnte immer wieder Filme und Serien, in denen sowohl behinderte Schauspieler*innen, als auch trans Schauspieler*innen vorkamen - manchmal sogar in Hauptrollen.

Die einzige Einschränkung, die es in den UK gab, war um die 1990er Jahre herum Section 28, die Darstellung von LGBTQ* in Medien, die an Familien oder Kinder gerichtet waren, verboten hat. Aber diese ist bereits seit Mitte der 90er Jahre außer Kraft gesetzt worden. (Nicht, dass es die UK daran hindern würde, bspw. amerikanische Cartoons teilweise zu schneiden - man denke nur daran, dass Steven Universe in den UK stärker zensiert war, als in Russland ... Aber das hängt nicht mit Gesetzen zusammen, sondern mit queerfeindlichen Medienmachern.)

Queerfeindlichkeit ist übrigens auch der Grund, warum deutsche Filme eben dann keine trans Schauspieler*innen casten - zusammen eben mit dem ausgerechneten Erfolg und dem Budgetgrund. Das hat nichts mit irgendwelchen Gesetzen zu tun. Genau deswegen halte ich es auch für kritisch diese Falschinformationen zu verbreiten - weil sie eben dann auf einmal die Schuld von den Medienmacher*innen runternimmt und auf die Gesetzesgeber*innen verlagert.

Und das gilt natürlich auch für Behinderungen. Also ja, wie gesagt, es ist in den UK aufwendiger behinderte Menschen mit am Set zu haben - aber das sollte kein Hindernis darstellen, wenn man wirklich gute Filme/Fernsehen machen will.

Die Sache ist ja eben auch, dass man sieht, was passiert, wenn man den betroffenen Leuten eine Chance gibt, entsprechende Figuren darzustellen. Dann wird eben auf einmal ein behinderter Darsteller wie Peter Dinklage zum großen Star. (Deswegen weiß ich es auch sehr zu schätzen, dass Disney nun vermehrt Wert darauf legt, behinderte Figuren mit behinderten Darsteller*innen zu casten.)

Wie gesagt: Es ist halt wirklich darauf zurückzuführen, dass a) das Thema trans nicht wirklich verstanden wird, b) trans Schauspieler*innen häufig nicht bekannt sind und c) eben auch viele Entscheidungstreffende aktiv transfeindlich sind und deswegen nicht echte trans Menschen fördern wollen.

Aber Soaps bekommen all diese Dinge - Behinderung und trans schon seit teilweise 20 Jahren auf die Reihe. Es ist also durchaus möglich. Man muss es nur wollen.

Zitat von: Wolfson am 27. März 2022, 14:24:54
Ich weiß nicht ganz ob du bei deinem NB Charakter - Indigo (ist der Name oder?) - eher an eine intergeschlechtliche Person gedacht hast? Also quasie biologisch mit der Veranlagung gebohren, dass they keine Brüste wuchsen, aber sich das Geschlechtsmerkmal im Unterleib bilden konnte? Zumindest habe ich das so herausgelsen o.o, verzeih mir also, wenn ich da was missverstehe.
Nein, they ist tatsächlich trans nicht-binär. Die Brüste hat they nur wegmachen lassen, weil die them unangenehm waren, von wegen Dysphorie und so. Allerdings auch mit magischen Mitteln, weswegen they keine Narben oder so hat.
 

Andersleser

#168
Zitat von: Wolfson am 27. März 2022, 08:30:08
Leider ist es teils so, dass Länder Regelungen haben, die das Zeigen von bestimmten Themen verbietet oder Menchen die solchen Themen angehören schützen will und ihnen daher verbietet, Rollen zu besetzen. D.h. = Eine Person im Rollstuhl muss von einer "gesunden" Person gespielt werden, damit die rollstuhlfahrende Person nicht ausgebeutet werden kann (ob sie aber das selber spielen will fragt leider keiner) also Schutz = Diskrimminierung. Das kenne ich sowohl aus America als auch aus Deutschland und der EU. In Japan zb sind Rollstuhlfahrerinnen ein schweres Thema und bisher kenne ich nur 1 Anime und 1 Game mit einem Kind im Rohllstuhl, mehr nicht.

Also von einem Verbot habe ich diesbezüglich nie gehört. Es gibt auch behinderte Schauspieler*innen. (Sonst dürfte es ja schon seit Jahren keine Filme geben, in denen ein Mensch das Down Syndrom hat), als Beispiel jetzt - aber es gibt ja auch Schauspielende mit anderen Behinderungen, allerdings nicht unbedingt bekannte, aus verschiedenen Gründen, die die Macher denken oder meinen:
1.: Behinderung - der Mensch der braucht ja dies oder das, und Barrierefrei ist es hier ja nicht und sonstige ausreden. Ausreden deshalb, da es oft Problematiken sind, die man leicht beheben kann und die meist tatsächlich kein oder kaum Geld kosten. Es braucht nur ein Umdenken und manchmal ein Minimum an Kreativität. (Wenn ein Protagonist im Verlauf einer Serie, oder des Films erst im Rollstuhl landet macht es natürlich Sinn, einen eigentlich laufenden Schauspieler zu nehmen, denn er muss ja vorher laufen. Das kann ich akzeptieren.)

2.: Es wird oft gesagt "Es gibt ja aber kaum welche, wir haben ja ein Casting gemacht, wir haben ja danach gesucht - der andere war eben besser" (Da ist der Fakt, dass der Zugang zu guter schauspielerischer Ausbildung ja oftmals auch nicht barrierefrei ist, oder man aus (leider Unwissen) eher abgelehnt wird.) Im Grunde wird gesagt, gibt es zu wenig und selbst wenn man will und tatsächlich gut ist/es tatsächlich kann, wird es oftmals nichts, weil dann doch lieber auf den "unkomplizierteren" einfacheren Weg eines nicht behinderten Schauspielers gesetzt wird. Weil das kennt man immerhin. (Und dann muss solch ein Casting auch erst mal ankommen, bei betreffenden.) Wobei es durchaus Ausnahmen gibt. Denn es gibt sie. Bei "In aller Freundschaft" z.B. spielt Tan Caglar (er sitzt selbst im Rollstuhl) einen Arzt. Oder Samuel Koch, der auch schon Rollen hatte - klar er hatte vorher schon Bekanntheitsgrad, das wird schon geholfen haben, macht seine Leistung aber nicht schlechter. Genauso hatte Tan Caglar vorher Bekanntheitsgrad, so als Comedian, Autor und Sportler. Das ist natürlich schon hilfreich um einen Fuß in die Tür zu bekommen. Dann gäbe es Kleinwüchsige Schauspieler*innen besagte mit Down Syndrom usw.

In Amerika sehe ich da tatsächlich mehr, andererseits sehe ich auch sehr viel aus jenem Raum. Zum Beispiel bei Switched at Birth, wo tatsächlich gehörlose und Schwerhörige Menschen für ihre Rollen genommen wurden, denn es sind erstaunlich viele Schauspieler*innen mit Hörschädigungen unterwegs. Jetzt aktuell Marvel: Gehörlose Schauspielerin. Aktuell kann man Marvel auch aufführen, die Schauspielerin Alaqua Cox trägt eine Prothese und ist Gehörlos, sie spielt die Figur "Echo".
Aber in Deutschland gab es auch ein Casting, wo tatsächlich Hörgeschädigte Menschen für eine Buchverfilmung gesucht wurden (Freak City). Insgesamt ist in Amerika aber gefühlt öfter Behinderung in Serien und Filmen irgendwo mal "zu sehen", was hier ja oft gar nicht der Fall ist. Gut in einer Teenie-Serie meist irgendwo im Gang der Schule oder so, absolut übersehbar, aber immerhin "da". Aber eben auch tatsächlich in größeren Rollen, als nur als Statist. Und es gibt zumindest im englischsprachigen Raum ja auch sehr bekannte Schauspieler*innen mit Behinderungen

Würde mich gerade interessieren wo du es her hast, dass man es nicht "darf". Weil es durchaus (auch in D) behinderte Schauspieler*innen gibt.

Zitat von: Wolfson am 27. März 2022, 08:30:08
TS sollen (müssen) für 3 Jahre in therapeutische Behandlung (KK zahlt aber nur max 64 Sitzungen XD)

Hier habe ich auch dezent Fragezeichen im Hirn und muss das mal ein bisschen "geraderücken". Nicht das irgendwer noch in Panik verfällt, bei der Zahl:
Die Krankenkasse verlangt nach deren Richtlinien nur 18 Monate Begleittherapie, jedenfalls war das sonst immer so, daher frage ich mich gerade woher du das mit den 3 Jahren hast. :hmmm: Man kann auch sämtliche Operationen, so man denn will, nach den 18 Monaten genehmigt bekommen (Hormone kann man früher bekommen, Richtwert gern 6 Monate, kommt aber immer drauf an, was Therapeut*in sagt und tut) - und ob man dann in Therapie bleibt oder nicht, kann man dann ja selber gucken. Dazu wird man ja nicht gezwungen. "Pflichtsache", wenn man denn OPs möchte, sind 18 Monate. Der Zeitraum sollte sich doch jetzt eigentlich nicht verlängert haben. Klar, man braucht durchaus ein Schreiben vom Therapeuten - wenn man so will, kann man da an Menschen geraten, die es immer weiter rauszögern, aber an sich sind 3 Jahre keine Pflicht. Es gibt auch keine tatsächlichen gesetzlichen Regelungen dazu, immer nur Richtlinien - und diese bezogen sich bisher immer auf 18 Monate. Selbst wenn sich was geändert hat, glaube ich kaum, dass der Zeitraum höhergesetzt wird. Immerhin ist es wie gesagt eigentlich nur das, an das die Krankenkasse sich klammert (und die müsste vom Sinn her eigentlich schon eine Operation zahlen, wenn therapeutisch alles ausgeschöpft ist) Was an sich zwar wieder unterstellt, dass man es "wegtherapieren" kann, was man natürlich nicht kann, aber das ist ein anderes Thema.

Zitat von: AlpakaAlex am 27. März 2022, 11:57:03
Außerdem ist häufig bei Medien, die von cis Menschen gemacht werden, das Thema Transition viel zu zentral. Also statt eine trans Figur einfach ihr Geschlecht sein zu lassen, wird die Narrative total auf die Transition selbst fokussiert, auf Outing, auf Dysphorie, auf Drama. Und das ist halt einfach extrem störend und ja, auch problematisch.
Das ist halt effektiv so, als würde man die Geschichte eines Schwarzen Charakters komplett auf Rassismus fokussieren und dabei komplett außen vor lassen, dass auch Schwarze Menschen ein Leben haben.

Ohja, eindeutig. Es ist ja echt oft so, dass wenn es nicht die Cis-Hetero Schiene ist, dann ist es mit viel Drama, oder eben tatsächlich auf das Thema komplett fokussiert. Dann werden Geschichten geschrieben, oder gezeigt, die ganz stark um Outing und Co. gehen oder irgendwo währenddessen. Die Entwicklung, die Gefühle, Erlebnisse evtl. Mobbing... Klar, die brauch es auch, auch die sind wichtig und gut und können helfen (wenn gut gemacht), ehrlich gesagt bin ich auch voll dafür dass es solche gibt, eben sofern sie gut sind. Aber es ist schon schön, auch welche zu haben, wo es eben mal kein Drama, kein großes Outing usw. gibt. Wo es ein Stück weit, oder sogar komplett, ideal ist. Einfach normal - um zu zeigen: "Hey Leute es ist nicht komisch, das ist normal!"
Martin Gancaczyk sagt das auch immer super bei seinen Büchern: Die Geschichten wären einfach genau die gleichen, selbst wenn seine Figuren nicht Homosexuell wären und man bei einem das Geschlecht tauschen würde, die Handlung wäre identisch. Es ändert also nichts, dass der Held nicht hetero ist. -> Und das finde ich, muss echt eingesehen werden. Dass es Schnuppe ist. Dabei helfen dann solche Bücher, die es einfach völlig selbstverständlich drin haben sehr. Meiner Meinung nach brauch es beide Arten Bücher. Leider überwiegen die "Casual Queerness" Bücher noch nicht. Da könnte wirklich gern mehr kommen  ;D

Was ich bei Trans Figuren raten würde zu vermeiden: Den Geburtsnamen dieser zu nutzen um die Figur zu outen (Deadnaming). Das wird nämlich schon recht viele stören. Vor allem, wenn der Charakter halt eigentlich schon lange "angekommen" ist und alles als akzeptiert gelten soll. Dann wird das eher als (schlechter) Versuch eingeordnet, zu verdeutlichen, dass die Figur Trans ist.

Zitat von: AlpakaAlex am 27. März 2022, 11:57:03
Zitat von: Fianna am 27. März 2022, 00:48:41
Hättet ihr vielleicht Lust auf einen Lesezirkel für queere Bücher?
Prinzipiell ja, aber mit zwei Kaviats: 1) Ich lese sehr, sehr langsam. 2) Dann lieber für queere Phantastik-Bücher, weil tbh halt queere Contemporary Bücher sich für mich auch viel zu oft auf das "anders sein" konzentrieren.
Da empfehle ich direkt Martin Gancarczyk  ;D

Wolfson

Zitat von: Andersleser am 27. März 2022, 15:57:17
Hier habe ich auch dezent Fragezeichen im Hirn und muss das mal ein bisschen "geraderücken". Nicht das irgendwer noch in Panik verfällt, bei der Zahl:
Die Krankenkasse verlangt nach deren Richtlinien nur 18 Monate Begleittherapie, jedenfalls war das sonst immer so, daher frage ich mich gerade woher du das mit den 3 Jahren hast. :hmmm: Man kann auch sämtliche Operationen, so man denn will, nach den 18 Monaten genehmigt bekommen (Hormone kann man früher bekommen, Richtwert gern 6 Monate, kommt aber immer drauf an, was Therapeut*in sagt und tut) - und ob man dann in Therapie bleibt oder nicht, kann man dann ja selber gucken. Dazu wird man ja nicht gezwungen. "Pflichtsache", wenn man denn OPs möchte, sind 18 Monate. Der Zeitraum sollte sich doch jetzt eigentlich nicht verlängert haben. Klar, man braucht durchaus ein Schreiben vom Therapeuten - wenn man so will, kann man da an Menschen geraten, die es immer weiter rauszögern, aber an sich sind 3 Jahre keine Pflicht. Es gibt auch keine tatsächlichen gesetzlichen Regelungen dazu, immer nur Richtlinien - und diese bezogen sich bisher immer auf 18 Monate. Selbst wenn sich was geändert hat, glaube ich kaum, dass der Zeitraum höhergesetzt wird. Immerhin ist es wie gesagt eigentlich nur das, an das die Krankenkasse sich klammert (und die müsste vom Sinn her eigentlich schon eine Operation zahlen, wenn therapeutisch alles ausgeschöpft ist) Was an sich zwar wieder unterstellt, dass man es "wegtherapieren" kann, was man natürlich nicht kann, aber das ist ein anderes Thema.

Bitte bitte genau lesen und nicht aus dem Kontext reisen. Es ging dabei um Juristische Angelegenheiten und Regelungen, nach dem Gesetzen in DE muss man 3 Jahre einen Altagstest nachweißen, dieser geht nur in Begleitung eines Therapeuten, dass dies aber völllig irrealistisch ist habe ich damit in Klammern hinter klargestellt! ich finde es schön, wie man als eigener Mensch der Sache hinterfragt wird am selbst erlebte....
Ts dürfen auch nach wie vor 3 Jahre vor wie nach dem Beschluss keine Kinder nachweißlich haben, bzw nachgewiesen bekommen. Was du mit den Hormonen und Ops sagst stimmt, teils, es gibt Ausnahmen, die auch da anders Regeln. Ich bezog mich aber nicht auf das medizinische sondern rein Rechtliche was das Gericht verlangt.

Andersleser

#170
@Wolfson
Ich schrieb es auch vor allem deshalb, weil sich dein Text auch im Gesamten so las, als sei die Therapie in der länge verpflichtend (und das ist es nunmal nicht)
Bezüglich Alltagstest: Man muss nicht nachweislich 3 Jahre Therapie gemacht haben, man muss nur 3 Jahre als (Geschlecht hier einfügen) gelebt haben und das geht auch ohne Therapie - denn laut dem TSG ist das rechtliche vollkommen unabhängig vom Medizinischen zu betrachten und Therapie fällt unter medizinisch. Heißt: Vä/Pä kannst du auch haben ohne je in Therapie gewesen zu sein (wenn man anderes hört, ist das noch veraltet, von der Zeit, wo man dazu tatsächlich medizinische Schritte benötigte). Ich weiß aber natürlich, dass jeder anderes auf seinen Weg erlebt hat, selbst wenn es eigentlich einheitliche Regelungen geben sollte. Aber es gleicht ja nicht jeder Weg dem eigenen. Muss ich so natürlich auch einsehen, wenn dein Weg so war.
Aufs rechtliche bezogen nochmal:
Fürs Rechtliche sind es ja eh andere Gutachter und die wollen ihre Liste abhaken. Die haben den Translebenslauf und stellen ihre Fragen - wenn daraus hervorgeht, dass man diese geforderten 3 Jahre im empfundenen Geschlecht gelebt hat, dann genügt das - dazu braucht man keinen Therapienachweis, auch das Gericht braucht keinen therapienachweis. Wenn du magst können wir gern noch per PN drüber schreiben, falls es sonst vom Thema wegführt mein ich.

Araluen

Wäre es nicht auch im Sinne der Diskussion, wenn man erst einmal dankend annimmt, dass sich hier ein Betroffener für uns öffnet und Einblicke in seine Erlebenswelt gibt, bevor man ihn kritisiert und korrigiert? Ich bin mir sicher, es ist nicht so gemeint und geschriebenen Text fehlt es einfach an Tonfall, Gestik und Mimik. Aber bei mir kommt es so an, als würde man @Wolfson nahezu unterstellen von der Thematik keine Ahnung zu haben, obwohl Wolfson betroffen ist. So gibt es meines Wissens nach tatsächlich keine einheitliche Regelung, die vorschreibt, ob es nun trans Mann oder Transmann oder Trans*Mann oder oder heißen muss. Es gibt nur durchaus einen Teil der Community (aber eben nicht die Ganze), der Transmann aus den von dir genannten Gründen @AlpakaAlex ablehnt. Wenn Wolfson für sich aber fein ist mit Transmann, warum sollte man Wolfson diese Bezeichnung dann absprechen und korrigieren?
Mit Sicherheit hat Wolfson den Werdegang auch so erlebt mit der Aussage: "Das ist so vorgegeben." (andernsfalls hätte Wolfson mit Sicherheit einen kürzeren Weg gewählt) Was soll Wolfson dann anderes vermuten, als das es so vorgegeben ist?
Ich kritisiere nicht, dass nachgefragt wird, gerade wenn Verständnisprobleme vorhanden sind. Aber tut es auf Augenhöhe und schaut nicht auf jemanden herab, der uns hier an seinem wirklich privatesten Teil seines Lebens teilhaben lässt.

Solmorn

@Araluen danke, so etwas ähnliches ging mir auch durch den Kopf, ich habe nur nicht die Worte dafür gefunden!

@Wolfson vielen Dank, dass du das alles mit uns teilst :knuddel:
"Wenn Klugheit ein verwinkeltes Haus wäre, dann würden diese Leute außen vor der nackten Wand stehen und sich wundern, warum es innen so dunkel ist." - Babaduck, interdimensionaler Parasit (verkatert)

AlpakaAlex

Zitat von: Araluen am 27. März 2022, 17:49:06
Es gibt nur durchaus einen Teil der Community (aber eben nicht die Ganze), der Transmann aus den von dir genannten Gründen @AlpakaAlex ablehnt.
Ich bin aber selbst nun einmal ja auch trans und ich empfinde es als sehr, sehr enthumanisierend "Transmensch" genannt zu werden, was @Wolfson unter anderem ja nun einmal auch tut.
Große Teile der trans Communtiy kämpfen halt so weitreichend dafür und gegen so viel Gegenwehr, etwas gegen das "Transfrau", "Transmann", "Transmensch" zu machen, weil es eben das Geschlecht und sogar die Menschlichkeit abspricht - und letzten Endes hat Wolfson ja nicht angefangen, diese Formen zu wählen, weil er sich selbst darüber viele Gedanken gemacht hat, sondern weil er es von der cis Gesellschaft übernommen hat.
Die meisten trans Menschen wollen trans als Adjektiv haben - und ich finde das müssen auch andere trans Menschen akzeptieren. Also von mir aus darf sich Wolfson selbst als Transmann bezeichnen - aber nicht trans Menschen als "Transmenschen" oder andere trans Frauen/Männer als "Transfrauen/Transmänner".
 

Andersleser

#174
Zitat von: Araluen am 27. März 2022, 17:49:06
Wäre es nicht auch im Sinne der Diskussion, wenn man erst einmal dankend annimmt, dass sich hier ein Betroffener für uns öffnet und Einblicke in seine Erlebenswelt gibt, bevor man ihn kritisiert und korrigiert? Ich bin mir sicher, es ist nicht so gemeint und geschriebenen Text fehlt es einfach an Tonfall, Gestik und Mimik. Aber bei mir kommt es so an, als würde man @Wolfson nahezu unterstellen von der Thematik keine Ahnung zu haben, obwohl Wolfson betroffen ist. So gibt es meines Wissens nach tatsächlich keine einheitliche Regelung, die vorschreibt, ob es nun trans Mann oder Transmann oder Trans*Mann oder oder heißen muss. Es gibt nur durchaus einen Teil der Community (aber eben nicht die Ganze), der Transmann aus den von dir genannten Gründen @AlpakaAlex ablehnt. Wenn Wolfson für sich aber fein ist mit Transmann, warum sollte man Wolfson diese Bezeichnung dann absprechen und korrigieren?
Mit Sicherheit hat Wolfson den Werdegang auch so erlebt mit der Aussage: "Das ist so vorgegeben." (andernsfalls hätte Wolfson mit Sicherheit einen kürzeren Weg gewählt) Was soll Wolfson dann anderes vermuten, als das es so vorgegeben ist?
Ich kritisiere nicht, dass nachgefragt wird, gerade wenn Verständnisprobleme vorhanden sind. Aber tut es auf Augenhöhe und schaut nicht auf jemanden herab, der uns hier an seinem wirklich privatesten Teil seines Lebens teilhaben lässt.

Ich denke ich war auch mit gemeint? Also wenn: Es war absolut nicht von oben herab gemeint und wenn es so ankam, dann tut mir das wirklich leid und dann Entschuldige ich mich gern @Wolfson

@Araluen Ich wollte wirklich nur schreiben, damit nicht jemand völlig entmutigt wird, wenn die Person dann plötzlich diese Zahl liest und gerade noch ganz am Anfang des Weges steht. In solcher Situation sind 3 Jahre extrem und ein solch großer Zeitraum, der denken lassen kann, dass man niemals so lange durchhält.  :-\ Für manche Menschen wäre das ein Zeitraum der einem Ende gleich kommt. Und damit drücke ich mich leider wirklich nicht dramatisch aus. Gerade wenn man ansonsten kaum Infos dazu hat, kein Forum, keine Bekannten oder Gruppen. Nur deshalb wollte ich das erklären, weil es wichtig ist.
Dass nicht jeder den gleichen Weg hat und geht und dieser bei jeder Trans Person völlig unterschiedlich lange dauert sollte eigentlich klar sein (hoffe ich), wenn nicht, dann hiermit: Es ist bei jedem Menschen ein anderer Zeitraum. Ich wollte einfach nur kurz anmerken, wie es sich mit den 3 Jahren verhält - natürlich, wenn es bei Wolfson so war, dann ist es ungünstig gelaufen und das möchte ich gar nicht abtun, aber es ist eben nicht bei allen so. Das wollte ich ausdrücken. Weil es das Gesetz halt nicht so vorsieht. Heißt aber ja nicht, dass es nicht dennoch so passiert - das wird auch einfach kommen, weil es eben mal eine andere Gesetzeslage gab und Richter*innen und Gutachter*innen verschieden arbeiten und manche Dinge verlangen die nicht okay oder nicht notwendig sind. Früher musste man tatsächlich alle medizinischen Schritte gehen um überhaupt die Vä/Pä zu bekommen (Vornamens und Personenstandsänderung), heute kann man diese auch ohne Therapie bekommen - weil es dazu tatsächlich nur von Wolfsson besagte Gutachter und das Gericht braucht.

Ich wollte jedenfalls keinen Angreifen. Sollte hier was auch irgendwie doof rüberkommen (ich hoffe nicht, ich habe mich jedenfalls bemüht), dann gern wieder drauf Aufmerksam machen. Wenn man Fragen hat, warum es mir wichtig ist, kann man mich gern per PN fragen - ich möchte nur nicht alles Privates öffentlich breittreten. Daher schrieb ich auch Wolfson schon - ich befinde mich also schon in Klärung und hoffe dass ich nicht verletzend war  :)

Araluen

#175
Zitat von: AlpakaAlex am 27. März 2022, 18:26:56
Zitat von: Araluen am 27. März 2022, 17:49:06
Es gibt nur durchaus einen Teil der Community (aber eben nicht die Ganze), der Transmann aus den von dir genannten Gründen @AlpakaAlex ablehnt.
Ich bin aber selbst nun einmal ja auch trans und ich empfinde es als sehr, sehr enthumanisierend "Transmensch" genannt zu werden, was @Wolfson unter anderem ja nun einmal auch tut.
Große Teile der trans Communtiy kämpfen halt so weitreichend dafür und gegen so viel Gegenwehr, etwas gegen das "Transfrau", "Transmann", "Transmensch" zu machen, weil es eben das Geschlecht und sogar die Menschlichkeit abspricht - und letzten Endes hat Wolfson ja nicht angefangen, diese Formen zu wählen, weil er sich selbst darüber viele Gedanken gemacht hat, sondern weil er es von der cis Gesellschaft übernommen hat.
Die meisten trans Menschen wollen trans als Adjektiv haben - und ich finde das müssen auch andere trans Menschen akzeptieren. Also von mir aus darf sich Wolfson selbst als Transmann bezeichnen - aber nicht trans Menschen als "Transmenschen" oder andere trans Frauen/Männer als "Transfrauen/Transmänner".
Dann überdenken vielleicht einfach deine Wortwahl. Schreibe nicht: Das ist falsch. Denn zum Einen ist es das nicht und zum Anderen sprichst du Wolfson damit etwas ab, was von Wolfson als Betroffener gewählt wurde. Sondern schreibe genau das, was du eben geschrieben hast: "ich bin selbst betroffen und fühle mich mit dem Begriff nicht wohl. Deshalb möchte ich darum bitten, hier in der Diskussion diesen anderen Begriff zu verwenden, der auch in der Community größeren Zuspruch hat, weil (Argumente)" Dann diskutiert ihr auf Augenhöhe.

@Andersleser: ich bin auch nach wie vor fest überzeugt, dass keine böse Absicht hinter deinen Worten stand, sondern das Bedürfnis nach Aufklärung. Ich fand lediglich das Wie unglückluch, was in einem Gespräch von Angesicht zu Angesicht vermutlich völlig anders rüber gekommen wäre.

Um mal wieder back to topic zu kommen. Bereits bei Sailor Moon war bereits in den 90ern ein queerer Cast selbstverständlich. Denken wir an Michiro und Haruka, das Amazonentrio oder die Generäle des Dark Kingdom. In den Synchros wurden da zuweilen die seltsamsten Sachen gemacht von Haruka ist tatsächlich ein Mann, Michiros Cousine (wie auch immer das die Beziehung besser macht) oder Fisheye (Amazonentrio) würde kurzerhand in eine Frau verwandelt. Was in Japan damals offenbar kein Problem war, ging in Europa und den USA offenbar gar nicht.

Andersleser

#176
Zitat von: Araluen am 27. März 2022, 20:31:29
@Andersleser: ich bin auch nach wie vor fest überzeugt, dass keine böse Absicht hinter deinen Worten stand, sondern das Bedürfnis nach Aufklärung. Ich fand lediglich das Wie unglückluch, was in einem Gespräch von Angesicht zu Angesicht vermutlich völlig anders rüber gekommen wäre.

Ich glaube ich verstehe was du meinst - ich hab meine zwei Beiträge eben nochmal nachgelesen, die sich damit beschäftigt haben. Und ich schätze ich habe mich wirklich etwas blöd ausgedrückt - es klingt etwas in die Richtung "belehrend" wenn man es so nennen kann, glaub ich.  :-\
Beim nächsten Mal versuche ich meine Formulierungen wieder besser hinzubekommen, ich kann es ja besser - ich glaube mir ist hier einfach was durchgegangen, weil das was bei mir ausgelöst hat. Beim Lesen vor dem Abschicken hat es sich noch okay gelesen, mit Abstand und dem Blick von Außen wirkt es doch etwas ungünstig.

Zitat von: Araluen am 27. März 2022, 20:31:29
Um mal wieder back to topic zu kommen. Bereits bei Sailor Moon war bereits in den 90ern ein queerer Cast selbstverständlich. Denken wir an Michiro und Haruka, das Amazonentrio oder die Generäle des Dark Kingdom. In den Synchros wurden da zuweilen die seltsamsten Sachen gemacht von Haruka ist tatsächlich ein Mann, Michiros Cousine (wie auch immer das die Beziehung besser macht) oder Fisheye (Amazonentrio) würde kurzerhand in eine Frau verwandelt. Was in Japan damals offenbar kein Problem war, ging in Europa und den USA offenbar gar nicht.

Ich hab deutlich zu wenig Erfahrung mit Sailor Moon glaube ich. Ich hab das nie wirklich doll verfolgt (hab eher andere Animes geschaut) obwohl ich immerhin von der Haruka und Michiro Sache weiß. Aber ich weiß noch, dass ich als Kind bei den Folgen, die ich gesehen habe, mir nie sicher war, ob Haruka nun ein Junge oder ein Mädchen ist. Ich fand sie vom Aussehen aber cool.
Ich glaube ich wusste erst was Sache ist, als mir das irgendwann mal eine Freundin erzählt hat.
Echt doof was die da gemacht haben (also was du erzählst) wusste gar nicht was da noch so war, von deinen Beispielen her.

AlpakaAlex

Zitat von: Araluen am 27. März 2022, 20:31:29
Um mal wieder back to topic zu kommen. Bereits bei Sailor Moon war bereits in den 90ern ein queerer Cast selbstverständlich. Denken wir an Michiro und Haruka, das Amazonentrio oder die Generäle des Dark Kingdom. In den Synchros wurden da zuweilen die seltsamsten Sachen gemacht von Haruka ist tatsächlich ein Mann, Michiros Cousine (wie auch immer das die Beziehung besser macht) oder Fisheye (Amazonentrio) würde kurzerhand in eine Frau verwandelt. Was in Japan damals offenbar kein Problem war, ging in Europa und den USA offenbar gar nicht.
Queerness in den Anime/Manga der 1990er ist ein sehr spannendes Thema. Weil die Leute zu dem Zeitpunkt tatsächlich auch außerhalb der queeren Untergrundszene angefangen haben, sich damit auseinander zu setzen - und das hatte einige richtig gute Sachen dabei, aber auch ein wenig cringe. Also Sailor Moon war unglaublich, unglaublich wichtig für die queere Szene in Japan. Also man kann wirklich kaum Ausdrücken, wie wichtig es war. Es hat eben dafür gesorgt, dass es wirklich queere Rep geben konnte in Sachen LGBTQ. Allerdings gab es in der Zeit eben auch so ein wenig Wirrungen dahingehend. Genannt sei hier CLAMPs: "Jede Art von Liebe ist valide! .... Auch die Liebe zwischen einem 26jährigen Lehrer und seiner 10jährigen Schülerin!" Es ist also alles ein wenig kompliziert. Ich meine, wir hatten auch Angel Sanctuary, was grundlegend auf "Fast jeder Charakter ist trans oder gendernonconforming" hatte, aber auch "Die Hauptromanze ist zwischen Geschwistern". Und nun sei gesagt: Ich selbst sehe kein Problem mit Romanzen zwischen etwa gleichaltrigen Verwandten, aber es sehen eben doch die meisten Leute als sehr kritisch. Also ja: Die 1990er Jahre waren definitiv sehr kompliziert.

Falls es übrigens interessiert: Ich habe erst letztens eine Übersicht zur Geschichte des Yuri-Genres, also lesbischen Manga und lesbischer Literatur in Japan geschrieben. Falls das interessiert.
 

Nikki

#178
ZitatIch meine, wir hatten auch Angel Sanctuary, was grundlegend auf "Fast jeder Charakter ist trans oder gendernonconforming" hatte [...]

Wobei, zumindest in der deutschsprachigen Übersetzung, die vermenschlichten (im Sinn von menschliche Bedürfnisse, Ambitionen etc., im Gegensatz zu göttlichen, dämonischen Entitäten, deren Motive auf einer entrückteren Ebene liegen) trans Figuren in ein transfeindliches Setting geschrieben sind. Arachne/Arakune, meiner Meinung nach die offenkundigste trans Figur, ist ständigen Anfeindungen ausgesetzt, die als eine Art Running Gag "kaschiert" worden sind. Generell herrscht ein cis-/binär normatives Weltbild zwischen den vermenschlichten Figuren vor, das bis zu den Erzengeln Raphael und Jibril durchdringt, wenn deren Männlichkeit/Weiblichkeit immer wieder thematisiert und stereotypisiert wird.

Sorry but you are not allowed to view spoiler contents.
Ähnlich verhält es sich mit Arachne/Arakune, die, bis zum handlungstechnischen Twist, in erster Linie dazu da zu sein scheint, um auf ihre Kosten Witze reißen zu können.

Der Anime Sailor Moon hatte ja sogar genderfluide Figuren mit den Starlights, deren Queerness nie großartig thematisiert wurde, sondern einfach als gegeben hingenommen wurde. Diese leben sowohl als männlich, als auch weiblich und switchen immer wieder zwischen ihren Geschlechtern/Gendern. Leider geht die Figurenzeichnung allein auf die Kappe des Produktionsteams des Anime, der ja parallel zur Originalquelle, dem Manga, entstanden ist. Takeuchi, Erschafferin des Manga, hat sich von der Entscheidung, die Three Lights (die offizielle Identität der drei Sailor Krieger*innen) männlich zu gestalten, äußerst irritiert gezeigt, da ihrer Meinung nach Sailor Krieger*innen nur weiblich sein können. Da der Anime über eine bloße Adaption des Manga hinausgeht und, meinem Eindruck nach, international sogar erfolgreicher als der Manga war, halte ich eine genderqueere Lesart der Starlights - selbst wenn der Manga sie nicht hergibt - für durchaus legitim.

Mein Freund liest prinzipiell jede Figur als trans bzw. queer, sofern die Geschichte nichts Gegenteiliges nahelegt. Ich finde diesen Zugang extrem spannend und konstruktiv, weil er die vermeintliche cis-binäre Mehrheit dekonstruiert und auch die cis-heterosexuelle Norm hinterfragt. Ich selbst bin leider noch zu sehr im cisnormativen Weltbild gefangen, um diesen Ansatz ebenso konsequent zu verfolgen, halte ihn aber, wie gesagt, für extrem ergiebig. Ich finde, es sollte nicht Priorität haben, möglichst viele Figuren zu konstruieren, die sich dem LGBTQ+-Spektrum zuordnen lassen, sondern vielmehr darauf hinauslaufen, ein Setting zu schaffen, das so inklusiv ist, dass Leser*innen einen LGBTQ+-freundlichen Raum wahrnehmen, ohne mit der Nase darauf gestoßen zu werden, und es sich dort, emotions- und fantasietechnisch, gemütlich machen können.

Ich finde es befremdlich, wenn ich lese "Ich habe zu wenige Figuren aus dem jeweiligen LGBTQ+-Spektrum", weil das bei mir unweigerlich Assoziationen mit Tokens weckt. Wenn nicht auf organischem Weg Figuren mit diesen und jenen Merkmalen aus einer Geschichte erwachsen, frage ich mich, wieso künstlich jene im Nachhinein dazu konstruiert werden müssen und ob es sich dann nicht genauso konstruiert liest. Ich spreche hier aus meiner persönlichen Schreiberfahrung, bei der sich die meisten Figuren auf ganz natürliche Art und Weise entwickelt haben, ohne dass ich dazu einen Charakterbogen oder eine To-Do-Liste abgearbeitet habe. Etliche haben sich im Nachhinein dem LGBTQ+-Spektrum als zugehörig erwiesen, vorgenommen habe ich es mir nur selten.

[Editiert]

Yamuri

Ich muss ehrlich gestehen, ich empfinde die Darstellung von LGBT+ in japanischen Serien (spreche hier aber nicht von Anime, sondern Realserien) und zum Teil auch chinesischen Serien absolut nicht respektvoll. Ich habe oft den Eindruck es wird sich lustig gemacht und trans sein als etwas Schräges, Abnormales dargestellt. Teilweise sind sie auch die Bösewichte. Einzig bei Homosexualität beobachte ich positive Beispiele, doch ganz besonders in japanischen Serien hat jeder zweite homosexuelle Charakter mit dem Trauma der Vergewaltigung zu kämpfen (entweder es ist ihm bereits passiert, oder wird in der Serie thematisiert). Vielleicht sehe ich die falschen Serien, aber es ist mir einfach aufgefallen, weil ich seit 7 Jahre ausschließlich ostasiatische Serien sehe, und daher kann ich beim besten Willen nicht sagen, dass die Darstellung in den ostasiatischen Medien zum Thema sonderlich respektvoll wäre. Auf diese Weise möchte ich nicht dargestellt werden (ich sehe mich selbst als nicht-binär, obwohl ich manchmal auch zu trans Mann tendiere, weil ich mich einfach stärker mit dem Männlichen identifiziere).