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Legende, Prolog oder doch ganz anders?

Begonnen von Mrs.Finster, 18. Oktober 2008, 10:32:04

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Mrs.Finster

Guten Morgen! :)

Oft liegen Fantasygeschichten ja Legenden, Mythen oder Weißsagungen zu Grunde, auf dem der ganze Plot aufgebaut wurde. Wie haltet ihr es damit? Schreibt ihr die Legenden auf die erste Seite und kennzeichnet es mit dem Satz: ,,Aus den Chroniken von XY´´ oder wäre die Methode es in einen Prolog zu verarbeiten der elegantere Weg? Als Bsp denke ich da vielleicht an den Großvater, der seinem Enkel davon erzählt. Es gibt ja zahlreiche Möglichkeiten, wie sich so etwas verarbeiten lässt. Nur will mir davon nichts so recht gefallen  :-\ Habt ihr auch schon Erfahrungen damit gemacht?
Glück ist, wenn die Katastrophen in meinem Leben endlich mal eine Pause einlegen :-)

Aidan

Guten Morgen!

Ich bin kein großer Fan von Prologen. Ich könnte mir zwar vorstellen, die Prophezeihung meiner einen Geschichte vorweg zu schreiben, aber ich denke nicht, dass ich es tue. Es gibt ja doch teilweise den Punkt, wo der oder die Prota über diese Prophezeihung "stolpert". Und da möchte ich sie eigentlich auch erst plazieren. Genauso wie ich lieber meine Figuren Legenden erzählen lasse, als diese vorweg zu packen.

Ansonsten können Rahmengeschichten auch manchmal sehr nett sein, erinnert mich aber tendentiell an ein paar Kinderbücher, die ich gelesen habe. Warum weiß ich nicht. Wenn man allerdings eine Figur als Erzähler einsetzt, die zum Beispiel die Geschichte von Bla bla blubb erzählt, dann gibt das auch gleichzeitig eine bestimmte Perspektive und "Stimme" vor.
"Wenn du fliegen willst reicht es nicht, die Flügel auszubreiten. Du musst auch die Ketten lösen, die dich am Boden halten!"

,,NEVER loose your song! Play it. Sing it. But never stop it, because someone else is listening."

Manja_Bindig

Legenden baue ich inzwischen in den Haupttext ein - der Chara hört was, liest in einem Buch, aber wenn die Legende für ihn relevant ist - was selten ist - bekommt er es rechtzeitig(also immer viel zu spät ;) ) mit.

Prologe... hm, manchmal. In Prologen lege ich gern den auslösenden Faktor des Plots fest. Zum Beispiel stelle ich eine Person vor, lass den LEser sie begleiten - und bring sie am Ende um, weil ich ne Leiche brauche.

An und für sich gehe ich jedoch inzwischen gerne direkt in den Plot rein. Vorgeschichten von Charas schreib ich zwar formuliert auf, baue das dann aber in den Text ein - die Ausformulierung dient nur dazu, dass ich mehr Überblick habe und ggf. in der Situation mit drin bin.

Coppelia

#3
In den Lottiromanen gibt es im Prolog eine Prophezeiung, aber etwas anders als ich es sonst aus Fantasy kenne. Es ist auch keine Prophezeiung, die erfüllt werden muss, sondern mehr eine düstere Voraussage, was in den Romanen passieren wird. Verschlüsselt sozusagen. Der Prolog handelt davon, wie meinem Prota diese "persönliche Prophezeiung" gemacht wird. Da er aber nicht an Prophezeiungen glaubt, ist er darüber hauptsächlich eingeschnappt und weiß nicht so recht, ob er sich veräppelt oder bedroht fühlen soll - sein Weltbild sieht nämlich Prophezeiungen nicht vor, und er ist Philosoph, der sehr viel auf sein Weltbild hält.
Im Lauf der Handlung versucht er dann gern zu beweisen, dass Prophezeiungen Unsinn sind. Natürlich erfüllt sich diese trotzdem (oder darum?).

Es muss irgend einen Grund geben, warum Prophezeiungen so beliebt sind. Aber wenn sie nicht in die Handlung integriert sind, sondern nur in gestelzten Worten in der Gegend herumstehen, finde ich sie persönlich einfach nur langweilig. Ach ja: schlimm finde ich auch an den Haaren herbeigezogene Reime. :rofl:
Der Auserwählte wird erscheinen
auf seinen eigenen Beinen
Ein Artefakt ist in seinem Besitz,
das ist kein Witz,
er muss nach der Rettung der Welt suchen
und das Böse wird über ihn fluchen.
(na ihr versteht schon ... ;))

Sarina

Also Prologe verwende ich nur als Einleitung in die Geschichte, um z.B. für die Hauptfigur ein Motiv für die Handlungen zu geben (wobei die Figur noch gar nicht dabei ist). Z.B. es wird jemand umgebracht oder etwas zerstört, wird verflucht oder wird Sterbenskrank. So etwas in der Art.
Legenden oder ähnliches würde ich nicht unbedingt schon einbauen...

Falckensteyn

In meiner Neufassung des Manuskripts habe ich die Weissagung zwischen Prolog und 1. Kapitel in ein Gedicht gepackt. Das schiebe ich einfach so ein. Wenns meine Testleser später mal als gelungen bewerten, werd ich's drinnlassen. Das Gedicht habe ich bestimmt schon 10x überarbeitet. Es gefällt mir gottlob immer besser.

felis

Ich bin auch ein Feind von Prologen.
Da bei den Magiern auch eine alte Legende eine nicht unwesentliche Info enthält stolpert eineer meiner Protas darüber in einer alten Schriftrolle, die er aus einer abgebrannten Bibliothek gerettet hat. Irgendwo mitten im Roman.  ;)

Maja

Auch um die Gefahr hin, eine lebhafte Diskussion zu stören, muß ich doch jetzt die Themenstarterin abwatschen ;)
Dieser Thread liegt im falschen Board. Er gehört *nixht* nach "Autoren helfen Autoren", und ich habe so schöne Regeln geschrieben, aus denen das ganz ganz ganz klar hervorgeht (*sniff* niemand liebt mich! Niemand liest meine Regeln!)
Ich verschiebe den jetzt mal an seinen richtigen Ort - aber das mir das nie wieder vorkommt, ja? Und nächtes Mal bitte bitte bitte die Regeln lesen...
Niemand hantiert gern ungesichert mit kritischen Massen.
Robert Gernhardt

Rumpelstilzchen

Wo das Thema nun im richtigen Board steht, will ich auch mal meinen Senf dazu geben ;)

Ich mag Prologe, beim Schreiben und beim Lesen, weil man zuerst etwas über die Geschichte im Allgemeinen erfährt. Außerdem machen sie neugierig, zumindest die meisten, aber Ausnahmen gibt es natürlich immer.
Beim Schreiben verwende ich sie entweder für Geschehnisse, in denen mein Prota nicht verwickelt ist oder Geschehnisse, die schon einige Zeit zurückliegen. Und warum nicht auch eine Prophezeiung im Prolog.

Maran

Als Leserin mag ich gut geschriebene Prologe, weil sie mich in eine Geschichte hineinversetzen, weil sie mich neugierig machen, wie es weitergeht, weil ich einen Eindruck vom Stil des Autors/der Autorin bekomme, weil sie auch eine gute Methode sind, einen Charakter vorzustellen etc. Was ich nicht so sehr leiden kann, ist der folgende abrupte Absturz ins erste Kapitel ...  :o

Als Schreiberin (Autorin will ich mich nicht gerade nennen) mag ich Prologe, weil sie mir helfen, mich wieder in die Geschichte hineinzufinden, wenn ich mal den Faden verloren habe oder mich in irgendwelchen plot-Labyrinthen verirre.

Trotzdem denke ich, daß ein Prolog nur dann geschrieben werden sollte, wenn er zu der Geschichte passt. ... Ich fürchte, mein Beitrag ist nicht gerade hilfreich ... 

Lisande

Ich habe auch prinzipiell nichts gegen Prologe. Ganz besonders mag ich sie, wenn sie etwas erklären, was jeder in der Welt weiß, dem Leser aber vorgestellt werden muss. Manchmal gibt es solche Situationen, in denen man einfach gewissen "allgemein bekannte" Dinge (Legenden gehören zum Beispiel gern dazu) nicht vernünftig im eigentlichen Plot unterbringen kann, weil es keinen Sinn macht, den Prota darüber stolpern zu lassen (er kann's ja eh im Schlaf runterbeten). Und, wie Rumpelstilzchen so treffend festgestellt hat: ein guter Prolog kann neugierig machen. Was will man mehr?

Tenryu

Prologe sind nicht so mein Ding; und ich habe bislang auch erst einen richtigen geschrieben. Ansonsten verwende ich sie nur, um bei einer Fortsetzung die Ereignisse des vorangehenden Bandes kurz zusammenzufassen.

Weissagungen finde ich nur dann interessant, wenn sie die Grundlage einer Tragödie bilden, d.h, wenn sie sich auf jeden Fall am Ende auch erfüllen. Ob man sie der Geschichte als Prolog voranstellen muß, ist eine andere Frage. Ich denke, daß eigentlich jede Geschichte auch ohne auskommen kann, indem man die wichtigen informationen in den ersten 1-2 Kapiteln liefert.

Luisa

@Coppi
Oh, diese Reime kenne ich. Dann merkt man immer wieder, das Autoren oft nicht wirklich poetisch veranlagt sind. Ich habe mal eine Prophezeihung in der Form in einen Deutschaufsatz geschrieben, in der 5. Klasse. Mein Lehrer mochte es auch noch  ;D

Zum Thema:
Ich mag Prologe. Besonders wenn du am Anfang nicht weißt, was du mit ihnen anfangen sollst und es dir später langsam erschließen kannst.
Was ich schrecklich fände sind Prologe wie in deinem Beispiel. Der Opa erzählt dem Enkel die Geschichte. Kurze Szene und dann nur langes Gerede. Irgendwann verlierst du die ursprüngliche Szene eh aus dem Kopf und konzentrierst dich nur noch auf die Legende. Dann bitte nur die Legende und zwar ohne das Geschwafel vorher.

Bei Legenden kann aber auch einiges schief gehen. Ich finde, man sollte nur dann eine einfügen, wenn sie auch wirklich eine Rolle spielt, die zum Tragen kommt. Wenn darin nur die Entstehung der Welt oder etwas in der Richtung erzählt wird, nervt das. Denn es ist nicht wichtig für die Handlung, sondern wurde vom Autor nur eingefügt, damit er sich später die Beschreibung seiner Welt sparen kann und sofort drauflosschreiben kann.

Beate

Ich habe bei meinem aktuellen Roman einen Prolog vorneweg gestellt. ich hatte einfach das Problem, dass ich das Aussehen meiner "Wesen" nur so beschreiben konnte. Denn die sehen sich ja alle gleich und es hätte mir nirgends gepasst. So konnte ich sowohl das Aussehen als auch die "weltlichen" Erzählungen dazu in einen Prolog packen, der bereits eine Einführung in das Thema ist, aber noch nichts von der eigentlichen Handlung verrät. Auch die Figuren, die im Prolog vorkommen, tauchen sonst nirgends auf.

In der Elenientrilogie ist es so, dass der Prolog immer im Stil einer Geschichtsaufzeichnung ist und irgendein Artefakt erklärt, das sehr wichtig in dem entsprechenden Buch ist. Das ist auch eine nette Art und Weise, allerdings durch den staubtrocknen Stil etwas schwer zu lesen, wenn man sich auf einen super geschriebenen Roman freut ;).

Judith

#14
Ich mag Prologe, die gleich mitten ins Geschehen springen und eine Szene erzählen, die so dann nicht mehr in den Roman passen würde - also etwas, das lange vor der eigentlichen Romanhandlung stattgefunden hat oder etwas aus der Sicht einer Figur, die später kein Perspektiventräger mehr ist.
Daher mag ich die Prologe bei George R. R. Martins "Lied von Eis und Feuer" und ganz besonders auch den Prolog in "Ein Lied für Arbonne" von Guy Gavriel Kay. Hier wird man als Leser gleich mal in eine Szene hineingezogen, die eine Weile vor den Geschehnissen der eigentlichen Handlung stattfindet, trotzdem aber dann noch eine ganz wichtige Rolle spielt.

Legenden als Prolog mag ich allerdings meistens nicht. Ganz ehrlich: Wenn ich die Welt noch nicht kenne, dann interessiert mich eine Legende über ihre Entstehung/ihren bevorstehenden Untergang/über die Entstehung eines Volkes/etc. nicht sonderlich. Sowas finde ich als Einstieg extrem bremsend, und wenn so etwas bei Büchern vorkommt, die ich trotzdem unbedingt lesen will, führt das meist dazu, dass ich mich schrecklich über die ersten Seiten hindurch quäle.  :-\