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Gender-gerechte Bezeichnungen in Romanen

Begonnen von Lothen, 30. Januar 2019, 13:38:50

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Alana

@Fianna Sehr gern. Was mir noch einfällt, wäre "Durchlaucht", das wurde auch für beide Geschlechter benutzt, wenn ich richtig informiert bin. Das würde, finde ich, auch gut zu einem Diplomaten passen. Ansonsten könntest du auch selbst einen Begriff erschaffen, in dem du, siehe Coppelias Post, ein passendes Wort aus dem Lateinischen entlehnst.
Ich brauche jetzt kein Entenfett.

Churke

Zitat von: Fianna am 16. Juni 2020, 14:21:42
Ist es überhaupt heute ein genderfreier Begriff oder vielmehr das englische generische Maskulinum (weswegen ihr es auch in einem SF-Setting als generisches Maskulinum, nur eben auf Englisch, seht?)

Spielt das irgendeine Rolle? Gendern kannst du diese Begriffe ja sowieso nicht. Du musst den Commander nehmen, wie sie ist. Oder das Setting ändern.

Zitat von: Anjana am 16. Juni 2020, 15:41:09
Als den Coach als neutralen Begriff, die Coachin und den Coacher und sowas wie Coachier oder so.   ?

Englisches Setting ist kein denglisches Setting.

Anj

ZitatEnglisches Setting ist kein denglisches Setting.
Ach was, echt?  ::)
Ich schrieb ja: es passt vielleicht nicht zu 100%. Allerdings ging es in einem anderen Post durchaus auch um derartige Begriffe aus dem englischen und das gendern von ebendiesen.
Aber wenn es nicht passt, kann man meinen Beitrag ja auch einfach ignorieren.
"Wenn du andere Leute ansiehst, frage dich, ob du sie wirklich siehst, oder ob du nur deine Gedanken über sie siehst."
Jon Kabat-Zinn.

Fianna

@Churke .
"Female Commander" (oder "weibliche Commander") hätte ich in diesem Fall als Gegenwert verstanden.

@Alana @Coppelia in
Danke für eure Hinweise.
Für die Idee des genderfrei umgedeuteten Begriffes habe ich außerhalb des TiZi einige Reaktionen und Zuspruch bekommen.
Für 20.000 Zeichen ist das evt etwas zuviel Input, aber bei einem späteren Projekt mit derselben Figur kann ich das ja immer noch machen.
Der Begriff, für den ich mich für die Kurzgeschichte entscheide, ist dann eine sehr formelle Anrede. In einer Novelle oder einem Roman kann ich dann auf einem anderen Planeten zu einer moderneren Anrede übergehen, die diesen Diskurs berücksichtigt.

In unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, Ländern oder Planeten wird mit Sprache und Anrede ganz anders umgegangen. Ich finde, mit dieser Begründung kann jeder Autor später noch in sein Setting Diskurse um Gender und Sprache aufnehmen.

Araluen

Zitat von: Alana am 16. Juni 2020, 15:14:48
Ich habe gerade Star Trek TNG geschaut, da ist mir "female Officer" nicht untergekommen, sondern ich habe es als neutral wahrgenommen. Star Trek war bei sowas seiner Zeit ja auch eher voraus. Allerdings muss die Tatsache, dass es mir nicht aufgefallen ist, nicht heißen, dass es nicht existiert.
Da stimme ich zu. Ich schaue auch gerade TNG. Da haben wir Counsselor Troi, Lieutenant Yar oder Captain Garret - alles Frauen und keine von ihnen kriegt ein female an den Titel rangehängt.

FeeamPC

ZitatAllein durch mein Erlebnis wäre ich sehr dafür, die Variante zu nutzen über die ein Leser am meisten stolpert. Die zum Nachdenken bringt oder wenigstens für Irritation und ein Aufmerken sorgt.

Nachdenken an sich ist gut, aber Leser, die in der Geschichte über etwas stolpern, werden aus der Geschichte herausgerissen, und das ist eigentlich eine schriftstellerische Totsünde.

Mindi

Mich persönlich verstören so eingedeutschte Genderformen von englischen Begriffen und ich würde sie auch als "Denglisch" sehen. Vermutlich gibt es viele Beispiele, wo das gemacht wird und es mich nicht stört oder es mir nicht so bewusst ist, da fällt mir aber gerade nichts ein. Coachin klingt mindestens genauso scheußlich und falsch auf mich wie Hostin. Wenn man schon englische Begriffe nutzt, dann sollten sie auch ihrer Sprache treu bleiben oder ins Deutsche übersetzt werden. Wobei Host einer Videokonferenz eigentlich im deutschen auch so verwendet wird.
Host hat im englischen noch andere Bedeutungen, die man der Situation entsprechend auch übersetzen kann. Gastgeber eines Empfangs z. B. ist auch ein "host", genau wie ein Moderator einer Show.

"Rang" und "(Nach)Name" würde ich als stimmig empfinden. Auf jeden Fall, wenn man englische Begriffe nutzen möchte. Wie das bei deutschen wirkt, müsste ich vermutlich beim lesen testen, ob man darüber stolpert oder nicht. Wie ist es denn z. B. in der Bundeswehr? Soweit ich weiß, gibt es dort auch keine "weiblichen" Ränge, also wie Offizier und General. Wie werden dann Frauen angesprochen? Frau "Rang"?

Aber ich sehe es da ähnlich wie @Alana. Ich bin keine Bautechnikerin - ich bin Bautechniker. Für mich klingt die weibliche Form wie eine Entschuldigung.
"When we are asleep in this world, we are awake in another." - Salvador Dalí

Zit

Lustig. Für mich klingt es wie eine Entschuldigung, wenn ich männliche Begriffe verwende als würde ich mich schämen, eine Frau zu sein. Von wegen Frauen sind bei männlichen Bezeichnungen mitgemeint. (Gab es da nicht so eine Studie, dass Mädchen sich vorstellen können, Berufe auszuüben, wenn man diese Berufe auch in weiblicher Form vorstellt?) Was mir aber schwer fällt, ist neutrale Bezeichnungen zu finden. So ähnlich wie Elter von Eltern/ Elternteil. Bei dem Wort scheint mir einfach wie man auf die Form gekommen ist. Aber wie ist das bei Begriffen wie Fahrer, Schriftsteller, Kosmetiker — wären das dann Fahre, Schriftstelle und Kosmetike, wenn ich das neutral ausdrücken will? Gibt es da Ansätze dazu wie man Deutsch anpassen kann?
"I think therefore I am
getting a headache."
Unbekannt

Evanesca Feuerblut

ZitatGibt es da Ansätze dazu wie man Deutsch anpassen kann?
Ich kenne einige Menschen, die als Endung "-on" bzw. "lon" nutzen.
Also "Autorlon", "Fahrlon" usw. Aber mir ist zumindest nichts Einheitliches bekannt.

Zit

Interessant. Davon habe ich noch nicht gehört. Werde das später recherchieren. (Sicherheitshalber: Ist das beim zweiten ein großes I wie in Igel oder ein kleines l wie in lesen?  :versteck:)
"I think therefore I am
getting a headache."
Unbekannt

Evanesca Feuerblut


Aphelion

#116
Zitat von: Mindi am 17. Juni 2020, 11:07:20
Wie ist es denn z. B. in der Bundeswehr? Soweit ich weiß, gibt es dort auch keine "weiblichen" Ränge, also wie Offizier und General. Wie werden dann Frauen angesprochen? Frau "Rang"?
Ja, "Frau Leutnant" usw.

Bei "Bundeskanzlerin" ist das aber anders: https://www.sueddeutsche.de/politik/anrede-frau-bundeskanzler-oder-ihre-exzellenz-1.419763

Sprich: Auch im Deutschen gibt es unterschiedliche Handhabungen, aber innerhalb eines Bereichs sind die Regeln so starr wie eine Kokosnuss.

Maja

Braucht man an der Stelle denn überhaupt unbedingt einen Artikel? Reicht es nicht zu sagen "Sie ist Commander"? Dann muss man sie nicht missgendern, aber auch nicht ein bemüht klingendes Konstrukt wie "Sie ist die Commander" verwenden.
Niemand hantiert gern ungesichert mit kritischen Massen.
Robert Gernhardt

Arcor

Ich buddele den Thread mal wieder etwas aus, da ich mit meiner Überarbeitung an ein grammatisches Problem im Deutschen stoße.

Und zwar habe ich in meiner Menagerie eine Figur, die ein Golem ist. Golems haben keine Geschlechtsmerkmale und daher erschien es mir natürlich, die Figur in der Überarbeitung weder männlich noch weiblich zu machen (in der ersten Version war sie männlich). Als Pronomen habe ich das undeklinierte sier verwendet, das auch @DunkelSylphe in Die Götter müssen sterben verwendet hat. Erst wollte ich hen nehmen, aber sier gefällt mir inzwischen schlicht besser.

Mein Problem jetzt: Im Deutschen ist es der Golem. Männlich.  :-\ Und die Bezeichnung taucht häufiger auf im Roman. Und jetzt stehe ich hier und frage mich, ob das in Ordnung geht für eine Figur, die geschlechtslos ist, oder ob ich mich über die deutsche Grammatik hinwegsetzen und das Golem überall schreiben soll.

Vorschläge, Meinungen, Tipps anyone?  ???
Not every story is meant to be told.
Some are meant to be kept.


Faye - Finding Paradise

Frostschimmer

"das Golem" ist grammatikalisch falsch und sieht in meinen Augen total schrecklich aus, falsch eben. Mich persönlich würden auch diese künstlichen Genderbegriffe total stören. Wenn das Wesen geschlechtslos ist, würde ich die Sätze möglichst so schreiben, dass er/sie vermieden werden und sonst eben den Namen hinschreiben, oder in deinem Fall eben "der Golem". In dem Fall hat der Golem selbst kein Geschlecht, das ist nur die grammatikalisch korrekte Bezeichnung. Haben die Namen?