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Einer Figur die Stimme nehmen

Begonnen von Goldrabe, 15. Mai 2022, 18:54:09

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Goldrabe

Huhu, liebe TiZis,

kaum bin ich hier und schon brauche ich eure Hilfe. Ich habe folgendes Problem bei meinem Projekt.

Ich muss einer Nebenfigur die Stimme nehmen. Sie befindet sich in einer Kampfszene. Davor kann sie sprechen, danach muss sie dauerhaft stumm sein. Es wird mit Schwertern, Händen und Füßen gekämpft, aber ohne Magie. Ihr Gegner ist übernatürlich stark. Das Setting gibt nicht so viel her: Ein Gang im Berg, brennende Fackeln, sonst nichts.
 
Meine erste Idee war, dass im Kampf der Kehlkopf entsprechend verletzt wird. Durch einen Schlag, durch Quetschen oder Würgen. Allerdings erfüllt der Kehlkopf ja auch andere wichtige Aufgaben, beispielsweise beim Essen und Trinken und beim Atmen. Die Figur soll aber ohne weitere Einschränkungen aus dem Kampf hervorgehen. Abgesehen von dem Stimmverlust natürlich.

Die nächste Idee war, dass nur die Stimmbänder reißen. Ist das möglich durch Gewalteinwirkung? Ohne dass weitere Verletzungen entstehen, die die Figur einschränken?

Vielleicht gibt es ja noch andere Möglichkeit außer den Verletzungen am Kehlkopf? Vielleicht ist die Lage gar nicht so verzwickt und ich stehe einfach auf dem Schlauch? Vielleicht habt ihr ja noch ein paar Ideen? Das würde mich sehr freuen, denn Google und meine Überlegungen bringen mich nicht mehr weiter.

Vielen lieben Dank schon mal im Voraus. :winke:
"Die Tugend nistet, wie der Rabe, mit Vorliebe in Ruinen."
Anatole France

Araluen

#1
Neben der Möglichkeit die Stimmbänder durch pure Gewalt von außen zu verletzen, fiel mir spontan Löschkalk ein. Eingeatmet bildet das mit der Feuchtigkeit der Schleimhäute eine Lauge - geht natürlich auch auf die Atemwege. Wie man in der Szene an Löschkalk kommen könnte? Wird und wurde tatsächlich gelagert in Säcken als Baustoff. Ich glaube bei Zafon hatte ich auch mal gelesen, dass dort die Leichen in einem Massengrab mit Löschkalk bedeckt wurden gegen den Geruch. Ob das tatsächlich gemacht wurde, weiß ich aber nicht.
Ansonsten fiel mir noch Mutismus ein. Ich bin mir aber auch nciht sicher, wie sinnvoll umsetzbar das in deiner Szene wäre.
Möglich wäre vielleich tnoch ein heftiger Schlag auf den Kopf. Ich bin kein Mediziner und weiß nicht, ob das wirklich machbar ist. Aber rein hypothetisch könnte so getroffen werden, dass das Sprachzentrum deiner Prota derart durcheinander gerät, dass sie kein sinnvolles Wort mehr rauskriegt.

Schneerabe

#2
Ich habe hier einen alten Thread ausgebuddelt, wo ausgiebig über das Stimmbänder durchtrennen geschrieben wurde. (Schöne Themen) ;D. Klingt erstmal, als wäre es etwas knifflig, das als Kampfwunde davonzutragen, aber nicht komplett umöglich:hmmm: :

https://forum.tintenzirkel.de/index.php?topic=5658.15
"To hell or to Connacht."

Andersleser

In "Unsere kleine Farm" kam in Staffel 9 ein Junge vor, der wohl Bleichmittel oder
ähnliches? Eingeflößt bekommen hatte - dadurch hat er dann Verätzungen(?) im Hals gehabt bzw. eben auch eine Schädigung der Stimmbänder oder so. Jedenfalls konnte er durch fiese Verletzungen im Hals (nichts äußerlich sichtbares) nicht sprechen, weil die Schäden eben Dauerhaft waren. Inwiefern das nun funktioniert weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht mehr ganz genau was es war. Obwohl ich meine, dass es wohl Bleiche war...
Schätzungsweise in einem Kampf wohl schwierig zu nutzen, außer es wären zwei gegen einen und einer hält fest

Goldrabe

Die Idee mit dem Löschkalk und Bleichmittel finde ich schonmal gut. Vielen Dank dafür, euch beiden.
ZitatWie man in der Szene an Löschkalk kommen könnte?
Der könnte dort wirklich in Säcken rumstehen. Der Gang im Berg, wo die Szene spielt, ist von Zwergen angelegt worden und schon seit langer Zeit verlassen. Die Säcke könnten sie zurückgelassen und zuvor als Baustoff verwendet haben... oder wirklich für ein Massengrab.

Das wäre also in Ordnung. Wie erwähnt, wird es allerdings schwierig, das im Kampf zu nutzen. Der Kalk oder die Bleiche müsste ja geschluckt werden, um tief in den Hals zu den Stimmenbändern zu gelangen. Denke ich zumindest.  :hmmm:

@Schneerabe wow, den Thread habe ich nicht gesehen. Da hast du recht, wirklich schöne Themen dort  ;D Vielen Dank für den Hinweis. Nur bei mir ist es, wie du sagst, ein bisschen kniffliger. Im Kampf einen so präzisen Stich in den Hals hinzubekommen, dass die Stimmbänder zerschnitten werden, ist schon schwierig. Und passt auch nicht so zur Szene, ist irgendwie zu akkurat, zu fein.

Ansonsten wurde im alten Thread noch vorgeschlagen, die Zunge abzutrennen / zu verletzten. Sehr grausam und blutig. Das finde ich prima. Das passt gut zur Szene und den Figuren. Allerdings habe ich da auch wieder das selbe Problem. Wie schneidet man einer Figur die Zunge ab? Im Schwertkampf gegen einen ebenbürtigen Gegner, der sich mit Klinge, Füßen und Fäusten wehrt?
"Die Tugend nistet, wie der Rabe, mit Vorliebe in Ruinen."
Anatole France

Gizmo

Ich hatte eine ähnliche Situation mit einem Nebencharakter (stumm werden durch einen Verletzung) und dabei ein wenig recherchiert. Nach dem, was ich damals herausgefunden habe, kann es durch Schnitte oder Stiche in der entsprechenden Region durchaus dazu kommen, dass der Stimmapparat so geschädigt wird, dass er anschließend nicht mehr richtig verheilt. Die Stimmbänder schwingen nicht mehr, vernarben, sind durchtrennt o.ä., sodass sie nicht mehr vibrieren und die Laute nicht mehr erzeugt werden können, die man zum sprechen braucht. So etwas kann vermutlich auch während eines Kampfes passieren.
Das Problem dabei für deine Situation könnte, dass es dazu einen längere Heilungsphase braucht, und diese Zeit kann sich nicht jede Story nehmen (rein von der Zeitlinie her).

Da ich dein Setting nicht kenne: Gibt es vielleicht die Möglichkeit, es auf eine magische Art oder mit einer bestimmten Kampftechnik zu lösen?
"Appears we just got here in the nick of time. What does that make us?"
"Big damn heroes, sir!"
- Joss Whedon's "Firefly", Episode 5, "Safe"

Evanesca Feuerblut

Das Problem an der Zunge ist (zusätzlich dazu, dass du da erstmal rankommen musst im Kampf): Wenn das nicht umgehend und zügig behandelt wird, ist das etwas, woran eine Person mega schnell ausblutet. Einfach mal eben rausschneiden, liegen lassen und dann verheilt das einfach ohne weitere Probleme zu verursachen, ist nicht. Gerade im Mittelalter war das auch eine recht grausame Hinrichtungsmethode.

Araluen

ZitatWie erwähnt, wird es allerdings schwierig, das im Kampf zu nutzen.
Löschkalk ist ein Pulver, recht feinstäubig, wenn ich mich recht erinnere. Man Könnte Säcke versehentlich oder absichtlich aufschlitzen, beherzt zugreifen und eine volle Ladung deiner Prota ins Gesicht werfen (wird ja auch gern mal mit Sand gemacht, um dem Gegner die Sicht zu rauben). Der eingeatmete Staub reagiert dann ätzend im Hals. Beim "ins Gesicht werfen" sei natürlich zu beachten, dass auch die Augen sehr empfindlich sind.

Goldrabe

ZitatDas Problem dabei für deine Situation könnte, dass es dazu einen längere Heilungsphase braucht, und diese Zeit kann sich nicht jede Story nehmen (rein von der Zeitlinie her).

Da ich dein Setting nicht kenne: Gibt es vielleicht die Möglichkeit, es auf eine magische Art oder mit einer bestimmten Kampftechnik zu lösen?
Ja, es gibt Magie, aber nur sehr limitiert und in der Szene hilft sie mir nicht wirklich. Ich hätte zwar eine Hexe (ups, die habe ich wohl vergessen zu erwähnen). Sie kämpft aber auch nicht mit. Sie könnte höchstens im Anschluss die Wunde mit Magie heilen, sodass die Blutung gestoppt ist und die Stimmbänder zerrissen bleiben. Das Problem dabei: Die Hexe hat kein Grund dafür. Sie ist auf der Seite des Gegners. Da müsste ich mir ein Motiv für sie aus der Tasche zaubern... schwierig  :hmmm:

ZitatWenn das nicht umgehend und zügig behandelt wird, ist das etwas, woran eine Person mega schnell ausblutet.
Danke auch für diesen Einwand. Auch bei der Zunge ist der Heilprozess also mein größtes Problem. Sehr schade, denn die Zunge-Ab-Idee hat mir am besten gefallen.

Ich werde mich auf den Löschkalk konzentrierten. Die Idee gefällt mir ja auch und ich habe das Problem mit dem Heilen nicht. Meine Figur bekommt eine ordentlich Staubwolke ins Gesicht. Die Augen verschließt sie vorher, damit denen nichts passiert. Ihr Hals und die Stimmbänder werden dann verätzt.
Oder sie wird an den Haaren gepackt und in den Löschkalk-Sack getunkt  :pompom:

Danke nochmal für die Löschkalk-Idee. Da wäre ich nicht drauf gekommen, trotz so vieler Chemie-Vorlesungen  :wums:







     
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Anatole France

Mefisto

Mal eine ganz doofe Frage. Wenn es eine ,,Fantasiewelt" ist – kann man dann nicht einfach ein Pulver erfinden aus einer Pflanze oder aus einem Stein, der im Kampf einen bestimmten Effekt haben soll, das verwendet wird (erstellt z.B. von der Hexe) und das kann entweder nach einer gewissen Zeit oder durch ein Gegenmittel oder gar nicht geheilt werden. Du kannst dir dann noch einfallen lassen wieso nicht gleich, oder wieso nicht durch Magie etc. Deine Welt, deine Ideen deine Kräuter 😉

Goldrabe

Danke für den Einwand, @Mefisto. Meine Welt ist zwar eine Fantasiewelt. Ich habe mich aber beim Worldbuilding vom Barockzeitalter inspirieren lassen und keine Technologie, Kräuter oder Pflanzen dazu erfunden. Nur die Magie und ein paar Fabelwesen habe ich mit reingeworfen, aber die sind auch alle vom Aberglauben inspiriert, der zu dieser Zeit vorgeherrscht hat. Das ist zwar keine eiserne Regel, aber ich bin deshalb gar nicht auf die Idee gekommen, ein Pulver zu erfinden. Manchmal sieht man eben den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Und ich hab mich wohl zu sehr darauf konzentriert, meiner Figur durch stumpfe Gewalteinwirkung die Stimme zu nehmen. Da hat mir der Austausch hier geholfen. Mittlerweile bin auch auf eine gänzlich andere Idee gekommen. Meine Figur könnte auch nach dem Kampf ein Schweigegelübde ablegen.
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