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Autor Thema: Sprachen  (Gelesen 67797 mal)

Offline Silvasurfer

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Fantasysprachen und andere Fremdsprachen
« Antwort #105 am: 24. August 2019, 14:00:25 »
Falls ich dieses Thema einfach nur nicht gefunden habe, bitte korrigieren und entschuldigung, aber ich möchte es unbedingt einmal ansprechen.

Habt ihr schonmal mit dem Gedanken gespielt eine Fantasysprache zu erfinden oder habt es sogar umgesetzt, wie weit auch immer?

Lange Zeit habe ich mit dem Gedanken nur gespielt und oft auch sofort aufgegeben, als es an die Konjugation von Verben ging zum Beispiel und das war nur der Anfang und der Erste EInblick in dem, was na Gestaltung von Sprache die eigentliche Musarbeit ist in meinen Augen.
In der Tat habe ich erst dann begonnen diesbezüglich die Ärmel hochzukrämpeln, als mir relativ kürzlich endlich eine Idee aus heiterem Himmel kam und zwar für eine sinnvolle Grammatik, SInnvoll im Sinne von es passt zur Mentalität des Volkes.

Und in diesem Zusammenhang möchte ich diese Erfahrung gerne teilen und freue mich von eigenen Erlebnissen zu hören.

Sprachen haben mich immer interessiert und díeses Erlebnis geschah für mich, als ich mich endlich neben lateinischen und germanischen Spprachen an die asiatische Welt gewagt habe und zwar mit Japanisch.
Dies alles ist vor dem Hintergrund eines umfangreichen Studiums von Sprachen im allgemein geschehen, da es mir dank meiner Mutter immer leicht viel Sprachen zu lernen ich allerdings eine Faula Socke bin, ein Habenichts und Taugenichts und Tu-Nicht-Gut. Ich wollte quasi endlich mal auch arbeit in die Sache stecken und die Sprachen die ich bereits behersche plus eine neue mal so richtig lernen mit Fleiss und Muse, weil ich mir shcon oft anhören musste, dass ich Fremdsprachen lernen sollte und ich sah darin nicht den grossen Sinn, ich wollte Schreiber sein, kein Fremdsprachenlehrer. Jaja, was wir wirklich wollen, ich meine Oft die Antwort zu kennen und stelle dann zu meiner Uberraschung fest, dass mich Fremdsprachen jetzt sogar so sehr reizen, dass mein Buch ertmal na zweiter STelle gerückt ist, wenn auch immer noch in Arbeit.

Und während also einige japanische besonderheiten der Grammatik Thema waren und ich gleichzeitig über spanische besonderheiten und generell über sprachliche besonderheiten nachdachte, wie einzigartige grammatische Strukturen, Wörter die es in anderen Sprachen nicht gibt etc dämmerte es mir auf einmal: Ein Charakter begann über seine eigene Fantasysprache in meinem Kopf zu sprechen, mit der Aussage, wir haben nur sehr wenige Verben! (Ihr müsst verstehen, dieser Charakter kommt aus einem sehr leistungsorientierten Volk, blablabla ist blablabla kann man tun, muss man nicht, hauptsache jedoch man tut es)

Und um das zu unterstreichen, gibt es eben nur diese wenigen verben, die allerdings sehr bedeutungsvoll sind und die Sprache gleichzeitig stark vereinfachen, tun zum Beispiel, im Sinne von sich eine Fähigkeit aneignen, etwas meistern, der Rest sind Subjektmarker und Objektmarker wie im Japanischen, um Fälle zu vermeiden und unendlich viele Nomen und Adjektive um die Dinge eben ganz genau zu unterscheiden, die man tut, genau so wie ein Wort das im Grundegenommen beutet: Als eine Arte und Weise es zu tun. Es ist ein sehr kurzes Wort allerdings, "su" das aus allem was folgt ein adjektiv macht und aus dem verb dem es folg ein adverb, ich nenne adverbmarker. Was adjektive angeht, ist díeses Volk, ähnlich wie Frauen mit Farben umd genau unterscheiden zu können, wie die Welt ist haben sie so viele adjektive, wie ich sie finden kann und fügen ihrer Sprache stämndig neue adjektive hinzu. Ich suche nopch nach einer grammatischen Struktur, die es effizient dem VOlk ermöglicht auch Wortnschöpfungen im alltag zu gebrauchen.
Erst wenn man alt ist verwendet man höchst vorsichtig ein weiteres Wort für tun/meistern was Können beinhaltet und erweitert die wenigen Verben um díeses Wort, das kaum benutzt wird, man hat wenn man díeses Wort für tun verwendet diese Fähigkeit von der man spricht gemeistert.

So sagt man zumbeispiel nicht ich liebe dich sondern sagt ich meistere Liebe mit dir und erts wenn man alt ist und durch dick und dünn gegangen, dann sagt man ich habe liebe mit dir gemeistert, wörtlich übersetzt beziehungsweise tun in Yodas Sinne: Versuche es nicht, TUE es, Ich mache liebe mit dir, sagen sie dann und implizieren damit, ass sie wissen, mein Partner liebt mich in der tat, ich liebe meinen Partner in der Tata und es zu sagen, bedeutet genau das, was ich tue.
Die klar definierte grammatische Struktur dieser Sprache und die Art und Weise, wie sie díeses Volk charakterisiert plus die Tatsache, dass ich eine Art indigene grammatische Struktur verwendet habe, die hinsichtlich Zeitformen und Konjugation "vereinfacht" und ""primitiv" ist gibt mir die Möglichkeit leichtfüssig möglichst vielen Wörtern und ihren Bedeutungen zu suchen. Das kam als Bonus hinzu.

Daher möchte ich zusammenfassend festhalten, was zumindest in meinen Augen besonders wichtig ist beim Erfinden von phantastischer Sprache (WICHTIG!!! Das ist alles natürlich Meinungssache und so wie ich mich kenne, denkt Zukunftschris wahrscheinlich und schüttelt bereits mit dem Kopf über meine Worte):

1. Die Sprache muss für das Volk charakteristisch sein, Deutsch erklärt so maches der Deutschen Mentalität, genau wie Spanisch die Spanische Mentalität wuinderbar auf den Punkt bringt usw und so fort.
Das können einzigartige Wörter sein, die es in anderen Sprachen nicht gibt, genau wie fehlende Wörter, denn Sprache prägt Identität, wie Linguisten immer wieder feststellen.
2. Wenn man ein klares Bild der grammatischen Struktur hat, das in sich logisch im Sinne der Logik des Volkes ist, dann macht das Wörter erfinden mehr Spass als umgekehrt! Ich habe diesbezüglich auch eine Zeitling einfach Wörter erfunden, musste diese dann konjugieren wie gesagt und habe schnell vor Unbehagen gegenüber all der Unklarheit in Zeitformen und grammatischen Sturktuten aufgegeben, bin umgekehrt aber sehr zuversichtlich, dass ich wenn auch keine komplette Sprache zumindest am Ende ein für die Geschichte brauchbares Ergebnis haben werde, dass dann immer noch ausgebaut werden kann. Hier ist 1. vor allen DIngen wieder wichtig für mich, da ich auch eine mit einer unfertigen aber brauchbaren Sprache zufrieden bin, wenn die Sprache in ihrer Kernlogik, spricht Grammatik für das Volk perfekt Sinn ergibt.
3. Eigene Grammatik verstehen. Ich kenne sowohl bilingual aufgewachsene Sprachgenies, als auch Sprachgenies die "nur" mit einer Muttersprache aufgewahsen sind und manche Menschen beherrschen "lediglich" ihre Muttersprache diese aber so umfangreich, dass sie im Kopf einen Duden aufschlagen können der sehr Eindrucksvoll ist und auch über mehr Auswahl an Ausdrucksmöglichkeiten verfügen als manch einer der 5 oder 7 Sprachen spricht, selbst wenn man das Wissen in all diesen Sprachen einfach summieren würde. Jede Sprache ist reich, wer meint irgendeine Sprache sei einfach oder dumm wird opfer eines alten portugiesischen Sprichworts: Wenn du mit dem Finger auf etwas zeigst, zeigen drei Finger immer zurück auf dich.
Ja es gibt Sprachen die sehr leivht zu lernen sind, vergleichbar mit anderen, ie zum Beispiel die SPrache, die ich mir momentan aus den Fingern sauge aber das heisst nicht, dass sie arm in ihrem Sprachgebrauch sind. Selbst mit obsszöner Umgangssprache können wahre poeten eine ganzes Symphonieorchester im Kopf zum spielen bringen.
Punkt ist, ehe ich mich verliere: Alle Sprachgenies, die ich bisher beobachten konnte haben eines gemeinsam, was ich leider zu oft abgewunken habe: Sie legen grossen Wet darauf ihre eigene Muttersprache so umfangreich wie möglich zu beherrschen und das grundlegende Verständnis der eigenen Muttersprache scheint das Fundament zu sein für ein Verständnis von Fremdsprache, ob erfunden oder erlernt, denn Logos, Logik ist das Wort.

Das wäre für jemanden, der einfach nur kommunizieren möchte ja alles schön und gut, für Schreiber jedoch, unabhängig ob man nun eine SPrache erfindet oder nicht ist das doch ein wichtiger Punkt, meiner Meinung nach.

Zusätzlich zu meinem Beitrag noch eine Frage bezüglich Sprache erfinden, da es meiner Meinung das interessanteste ist im Kontext von Welten bauen und Geschichten erzählen:

Welche Sprachlichen besonderheiten findet ihr besonders interessant?
Und gibt es jemanden unter euch der eine fantasysprache gelernt hat, elbisch oder so?

Offline Maja

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Re: Fantasysprachen und andere Fremdsprachen
« Antwort #106 am: 24. August 2019, 14:12:14 »
Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir schon ein Thema dazu haben, aber in der Kategorie Weltenbau, wo es auch besser hinpasst. Ich suche und verschiebe nachher, mit dem Handy geht das so schlecht.  :)
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Robert Gernhardt

Offline Araluen

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Re: Fantasysprachen und andere Fremdsprachen
« Antwort #107 am: 24. August 2019, 14:18:42 »
Hier ist ein Thread zum Thema phantastische Sprachen.

Ich persönlich seh keinen größeren Mehrwert in der tatsächlichen Entwicklung einer Fantasysprache a la Tolkien, außer den Spaß an der Entwicklung an sich, wenn man ihn daraus zieht.
Wenn ich aber ganze Gespräche in Elfisch, Orkisch oder was auch immer lesen muss, überblättere ich sie direkt - ich verstehs ja eh nicht, also warum damit aufhalten? Deshalb sehe ich für die Geschichte darin auch keinen Mehrwert weder inhaltlich noch atmosphärisch. Da ich da Passage springe, bringt sie mir auch atmosphärisch nichts.
Von daher stimmt für mich die Kosten/Nutzen Rechnung an der Stelle nicht.
Was ich durchaus mache, ist die Entwicklung kurzer Phrasen (Sei gegrüßt, Schönen Tag noch, Auf Wiedersehen,  Waffen runter usw.) oder prägnanter Begriffe, die sich idealerweise selbst erschließen. Dabei achte ich dann darauf, dass es wirkt als stünde da ein System sprich Grammatik dahinter und kein Silbengenerator. Viel tiefer gehe ich aber nicht. Aber ich bin auch eher Naturwissenschaftler und Techniker als Sprachler.
Zur Schulzeit habe ich tatsächlich mal etwas Sindarin gelernt samt Tengwar. Ich hatte aber niemanden zum Unterhalten, weshalb sich das schnell im Sande verlief.

Offline Rakso

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Re: Fantasysprachen und andere Fremdsprachen
« Antwort #108 am: 24. August 2019, 15:03:37 »
Das mit der „Logik von Völkern/Sprachen“ empfinde ich als etwas zu kritisch vereinfacht. Klar, unterschiedliche Sprachen haben unterschiedliche Strukturen, ein anderes Vokabular mit anderen Nuancen, Feinheiten oder verwischten Unterscheidungen. Das alles prägt natürlich eine Sprechergemeinschaft, ist kulturell bedingt oder (sprach-)historisch gewachsen. Wichtiger finde ich aber den Gebrauch von Sprache. Was sagt man, wie sagt man was, etc. und welche Intention verbirgt sich dahinter. Viel wichtiger sind, glaube ich, eher kulturelle, religiöse, politische, ökonomische und soziale und ökologische Beeinflussung einer Gruppe. So ist eine Volk, eine Kultur, in deren Sprache es weder Genus noch Sexus gibt nicht zwangsläufig egalitärer oder weniger patriarchalisch als eine mit 8-10 Genera.
Und irgendwann kommt man dann zur Unübersetzbarkeit von Sprache, da nicht immer die selben Details mitschwingen. Aber auch das ist innerhalb einer Sprach ja unterschiedlich, etwa wenn man Alltagsdeutsch mit dem Fachgebrauch von Philosophen vergleicht. Das gilt natürlich auch für andere, nicht jeder Altgrieche war ein Philosoph, nur weil sich dort solche Gedankenkonstrukte entwickelt haben. Der „normale“ Grieche hat wohl nicht so gesprochen, wie Platon oder Aristoteles, entsprechend sind all die Feinheiten, die man gerne im 19. und  20. den alten indogermanischen Sprachen (Altgriechisch, Latein, Sanskrit) unterstellt zwar vorhanden, ihre Relevanz aber für den aktiven, alltäglichen Sprachgebrauch wohl geringer.

Aber gerade das finde ich sehr interessant. Besonders, wenn es um Sprachkontakt geht, den es ja fast immer und überall gab und gibt. (Entsprechend ist die „Logik“ von Sprachen nicht zwangsläufig ihre eigene, oder besteht nur aus „ihrer“ Logik, da sie doch sehr stark von anderen beeinflusst worden ist, bei Deutsch sind das z. B. Englisch, Französisch und Latein (via Französisch) und das Japanische hat viele Wörter, Wortfelder und Wortgebrauch mit der Schrift aus dem Chinesischen übernommen).

Für meine Projekte entwickle ich auch gerne Sprachen. Die Grammatik ist nicht so das Problem für mich, eher die Ästhetik der Wörter und Formen. Bei manchen klappt das besser als bei anderen, leider nicht bei der Sprache, die für meine Projekte am wichtigsten ist. Geht leider schon ein paar Jährchen so.
Wenn ich daran arbeite, stehen bei mir selten irgendwelche philosophischen oder „volkslogsichen“ Fragen im Vordergrund, eher: Was ist ein cooles Feature? Mit was lässt sich das kombinieren, passt es typologisch? Mir ist eher der Spaß am Kreieren von schönen Lautkombinationen, Wortsemantikfeldern, Konjugationen und Deklinationen oder interessante Formen von Aktantenmarkierung (nicht wie, sonder was!) wichtig. Außerdem arbeite ich auch historisch und soziolinguistisch daran. Wie sahen die Vorstufen dieser Sprache aus, von welchen Sprachen wurde sie beeinflusst, wie hat sich ein bestimmter Dialekt dahin entwickelt, wie funktionieren Soziolekte in dieser fiktiven Welt, etc.

Leider ist, wie ich finde eine schriftliche Geschichte eher unpraktisch für Sprachenbastler. Das lateinische Alphabet kann nicht wirklich viele Laute darstellen und bracht dann lange Buchstabenkette oder Sonderzeichen, da schalten leider viele Leute gleich ab. Aber die Sprachen schlagen sich doch in den Geschichten nieder, zum einen da ich versuche, den von mir imaginierten Slang und Sprachvarianten ein wenig ins Deutsche zu übertragen, wenn es geht. Und natürlich sieht man das auch an den Namen. Theoretisch hat bei mir jeder (aufmerksame) Leser die Möglichkeit die Ethnie/Spezies (menschlich wie nicht-menschlich) am Namen zu erkennen, da jede Sprache andere Cluster- und Silbenstrukturen hat, sowie andere Laut- und (vor allem) Buchstabenkombinationen.

Edit:
So sagt man zumbeispiel nicht ich liebe dich sondern sagt ich meistere Liebe mit dir und erts wenn man alt ist und durch dick und dünn gegangen, dann sagt man ich habe liebe mit dir gemeistert, wörtlich übersetzt beziehungsweise tun in Yodas Sinne: Versuche es nicht, TUE es, Ich mache liebe mit dir, sagen sie dann und implizieren damit, ass sie wissen, mein Partner liebt mich in der tat, ich liebe meinen Partner in der Tata und es zu sagen, bedeutet genau das, was ich tue.

Interessantes Konzept. Ist das von komplexen Verben inspiriert? Im Farsi etwa kann man nicht "antworten", sonder "gibt Antwort", also eine Kombination von geben + Antwort. Buchstabieren ist "Buchstabe sagen" oder auch "schlagen", (unwillentlich) hinfallen heißt "Erde essen". Im Grunde funktioniert das so, dass ein light verb (geben, schlagen, machen, etc.) quasi die Valenz bestimmt (bezieht sich das Verb auf eine oder mehrere Personen) und das Substantiv/Adjektiv dazu bestimmt die Semantik.
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Offline Silvasurfer

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Re: Fantasysprachen und andere Fremdsprachen
« Antwort #109 am: 25. August 2019, 11:48:51 »
@Rakso, ja wie die Sprache ungefähr grammatisch funktioniert, was verben angeht hast du es es gut auf den Punkt gebracht und verglichen.
Was Logik von Völkern angeht, stimmt es zwar dass der Sprachgebrauch abweichen kann, allerdings haben Linguisten auch klar beobachtet das Sprache Identität prägt und manche würden sogar sagen, dass die Person, das Ego Sprache IST, denn ich denke, also bin ich ;) Und denken, das geschieht in Sprache.  Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einen Linguisten, der mir erklärte, dass jede neu erlernte Sprache eine neue Persönlichkeit mit sich bringt, das habe fast schon etwas schizophrenes und so stellt man fest, dass man auch als Nichtmuttersprachler in bestimmten Themen dann doch lieber die Fremdsprache benutzt um sich auszusprechen… Aber natürlich drückt sich ein Sokrates im Grieschichen anders aus als Kontemporäre Umgangssprache und genau das meine ich mit meinen dritten Punkt, mehrere Sprachen zu sprechen heisst nicht unbedingt ein Sprachgenie zu sein und manch einer, der "nur" eine Sprache spricht verfügt manchmal über ein grösseres Vokabular als jemand der viele Sprachen spricht, selbst wenn man die einzelnen Vokabeln in all diesen Sprachen zusammenzählt, als seien es neue Synonyme...

Offline Faol

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Re: Sprachen
« Antwort #110 am: 26. August 2019, 10:24:54 »
Hab es mal mit dem bestehenden Thread zusammengeführt.
 Two roads diverged in a wood, and I -
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.
(Robert Frost - The Road Not Taken)

Lisa Bell

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Re: Sprachen
« Antwort #111 am: 01. Oktober 2019, 15:25:44 »
Künstliche/erfundene Sprachen sind für mich ein Dauerbrenner in der Geschichten-Schreiberei. In den Genre SciFi und Phantastik, aber auch ein einfachen Abenteuergeschichten kann Platz für eine neue Sprache sein. Mir persönlich macht es unheimlichen Spaß, sich mit einer Sprache und ihren Regeln, an die sie sich hin und wieder selbst nicht halten will, auseinander zu setzen. Ich fand nach dem Lateinunterricht aber Sprachtheorie/Linguistik ohnehin sehr spannend. Irgendwann erwacht in der Sprache dann ihr eigener Geist, man versucht einen Dialekt durch Vokalverschiebung usw. anzudeuten. Dann macht das Sprachenerfinden am meisten Laune.
Aber genau daraus ergibt sich für Autoren/innen meines Erachtens die große Falle. Die Sprache entwickelt sich selbst weiter, wie eine Geschichte, die sich auf einmal allein entfesselt, obwohl man das doch mal ganz anders entworfen hatte. Es kann dann passieren, dass Geschichte und Sprache nicht mehr zusammenpassen, wenn die Kunstsprache den Rang eines eigenen Werkes bekommt.
Es mag unter uns kleine Tolkiens geben, die im Grunde nur eine Welt erfinden, weil sie dort ihre Kunstsprachen gesprochen sehen wollen. Vielleicht handelt es sich aber auch hierbei nur um ein Gerücht aus den weiten des Internet. Ich finde es völlig legitim, sich die Mühe zu sparen und auf existente Fremdsprachen zurückzugreifen. Der kulturelle Kontext, aus dem man diese dann herausreißt, sollte bei der Planung bedacht werden. Vielleicht ist dann eine Transplantation von möglichst exotischen Begriffen in die eigene Fantasywelt hilfreich. Ein Beispiel: Man sucht nur Namen und Ortsbegriffe, will sich aber eine komplizierte Spracherarbeitung sparen. Man nehme eine beliebige Fremdsprache, die ihre Worte aber in lateinischen Buchstaben schreibt. Dann holt man sich 20 Nomen (oder Verben und Adjektive) mit beliebiger Bedeutung aus dem Google-Übersetzer. Mit diesen 20 oder mehr Wortstämmen, denen man eine neue Bedeutung zuordnet (Baum, Dorf, Fluss oder Berufsbezeichnungen), kann man dann neue Komposita wie Steinbach oder Waldberg bilden. Die klingen dann exotisch, aber trotzdem homogen, da sie die gleiche Sprache (und damit das gleiche Lautsystem) als Grundlage haben. Braucht man neue passende Wortstämme, googelt man einfach mehr Vokabeln im Übersetzer (der einem die Begriffe praktischerweise auch noch vorspricht) und ordnet ihnen eine neue Bedeutung zu.
Ideal für diese Umarbeitung sind Sprachen, die ihre Stämme verändern, also flektieren. Englisch ist sehr schlecht geeignet, denn es flektiert wenig und außerdem ist ein gewisses Maß an Sprachkompetenz in Deutschland üblich. Türkisch sprechen weniger Menschen, es benutzt lateinische Buchstaben und flektiert stark.
Wir wollen neue Namen für einen General? Das türkische Wort für Messer ist bicak. Allerdings haben i und c eigentlich (wegen der Aussprache) keinen Punkt bzw. ein Häkchen. Müsste man es mit einer deutschen Aussprache verschriftlichen, käme man eher bei Be-Tschak heraus. Und Betschak sieht für mich schon nach einem anständigen Namen für den General aus: exotisch und gleichzeitig auszusprechen, da ich nach Gehör eine eigene Umschrift gewählt habe. Gefällt einem das Ergebnis nicht, kann man einfach mal die Silben in eine andere Reihenfolge bringen oder einen Vokal durch einen anderen ersetzen. Ist man zufrieden, braucht seine Truppe an Kriegern noch Verstärkung. Tschetal und Keschik sind seine Gehilfen (also Gabel und Löffel).
Mittlerweile glaube ich, es ist am zuverlässigsten, die Sprache (und Weltenbau) abzuschließen, bevor man seine Geschichte aufs Papier bettet. Lässt man beides nebeneinander wachsen, kann eine Symbiose entstehen. Glück gehabt. Oder ein kreatives Werk überwuchert das andere und dann steht man da mit einer halbfertigen Geschichte und einer ausgefeilten Sprache, aber irgendwie stammt beides aus verschiedenen Welten. Das war zumindest meine Erfahrung. Bereichernd war sie, obwohl nicht das rauskam, was ich wollte. Für ein paar Namen und Begriffe, um eine Sprache vorzutäuschen, die früher mal die Weisen sprachen etc., tut es nach meiner Erfahrung auch die vorgestellte Methode.

Teben von Westend

  • Gast
Re: Sprachen
« Antwort #112 am: 06. Oktober 2019, 20:06:39 »
Ich bastle selbst auch an Sprachen, weil mich das Thema fasziniert. Eigentlich war mein Anspruch an mich selbst anfänglich, zumindest die großen Sprachen vollständig auszuarbeiten. Ob ich das irgendwann nochmal bewerkstellige sei dahingestellt. Eigentlich ist es ja gar nicht so schwer, wenn man erst mal verstanden hat, wie Sprachen überhaupt aufgebaut sind. Mittlerweile entstehen die bei mir halt so irgendwie nebenbei. Wenn mir irgendeine völkische Weisheit in den Sinn kommt, dann schreibe ich sie auf und überlege mir Worte, die cool klingen. Dabei beziehe ich mich oft auf vorhandene Sprachen. Eine meiner Sprache ist eine Mischung aus Arabisch und Persisch bspw.

Jazara tu-do haf, Saj’araji ba-sama.  /// In der Wüste ist dein eigener Schatten nutzlos

Jazara. Wüste
tu-do. Du bist
hafano. gehen
Saja Schatten
Araji. eigener, eigene, Eigentum
sama. nützlich
ba-. Verneinungsform.

Daraus wird dann wörtlich übersetzt etwas wie: Wüste du bist gehen, Schatten eigener nicht nützlich.

Wichtig ist es mir allerdings, dass die Eigennamen irgendwie auf die Sprachen hindeuten. Das Volk der "Kataren" bspw. stammt von "kat" was so viel wie "besitzen, reich sein" bedeutet. Das Gebirge "Ivendiil" stammt von den älteren Begriffen "iven" = "weiß" und "dila" = "Schild" ab, bedeutet also "Weißschild" bzw. "Weißschildgebirge".

Außerdem habe ich in meinen Geschichten ganz unphantastische Namen wie "Katrin" und "Roland" - auch diese wollen irgendwie erklärt werden. "Katrin" kommt von "Katarin" also war urspr. einfach ein Name des oben erwähnten Volkes. "Roland" kommt von "Rof" = "Wolf". Aber auch nichtweltliche Namen haben eine Bedeutung. "Jondoan" bezieht seinen Stamm aus dem Wort "Jon" bzw. "Ion". Der "Iontoar" war ein Religionsstifter, sein Name lebt in etwa so weiter wie "Mohammed" bei Muslimen oder "Christ" in "Christian", "Christoph", "Christine" etc.

Der letzte Name deutet auch noch etwas an, das mir wichtig ist: Sprache wandelt sich! Nur weil man etwas früher "Ion" geschrieben hat, heißt das man es immer so schreiben muss.

Zuletzt stolpere ich gerade in altdeutschen Schriften immer wieder einmal auf interessante Namen, die ich dann einfach 1:1 übernehme. Mein heiliges Buch bspw. heißt "Begunde", das ihr angehörige Volk sind "die Gunden". Gefunden habe ich diesen Begriff in Hartman von Aues Erec: "diu sper begunden si neigen"

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