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Autor Thema: Wie eklig darf's sein?  (Gelesen 3663 mal)

Offline Sanjani

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Re: Wie eklig darf's sein?
« Antwort #15 am: 26. März 2015, 17:23:46 »
Oder es tritt der Effekt "Autounfall" ein: Es ist schaurig, aber man kann einfach nicht wegsehen, weil der Anblick einen einfach komplett fesselt.

Das stimmt, aber wenn du die Leute hinterher fragst, was wissen sie dann wirklich noch von alledem, was sie gesehen haben? Wissen sie noch, in welcher Art die Knochen vom Unfallopfer verrenkt waren und welche Muster das Blut auf der Straße gemalt hat etc.? Also ist der fesselnde Blick wirklich auch mit der Wahrnehmung vieler Details verknüpft? Das würde mich wirklich interessieren :)
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Offline Shedzyala

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Re: Wie eklig darf's sein?
« Antwort #16 am: 26. März 2015, 19:49:54 »
Insofern: Ja, wenn ich einen Zombie auftreten lasse, will ich den Leser damit ekeln, weil sich mein/e Prota(s) auch ekeln. Ansonsten könnte ich ja auch einen menschlichen Gegner auftreten lassen.

Das würde ich nicht so unterschreiben. Bei einem Kampf gegen menschliche Gegner gibt es immer auch eine moralische Komponente, denn schließlich wird jemand getötet. Also müssen es immer entweder die Bösen sein oder mein Prota steht vor dem Dilemma, dass er als "Guter" so langsam mehr umgebracht hat als die Bösen. Bei Untoten fragt niemand, ob der Kampf jetzt nötig war.

Aber im Prinzip verstehe ich schon, was du meinst ;)
Wenn sie dich hängen wollen, bitte um ein Glas Wasser. Man weiß nie, was passiert, ehe sie es bringen …
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Offline Sanjani

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Re: Wie eklig darf's sein?
« Antwort #17 am: 27. März 2015, 15:09:55 »
aber gerade bei Zombies ist der Ekel natürlich vorprogrammiert. Man nutzt Zombies als Gegner, weil sie eklig sind, weil sie schaurig sind, weil sie den/die Prota(s) besonders anwidern, weil sie schwer zu bezwingen sind usw. Insofern: Ja, wenn ich einen Zombie auftreten lasse, will ich den Leser damit ekeln, weil sich mein/e Prota(s) auch ekeln. Ansonsten könnte ich ja auch einen menschlichen Gegner auftreten lassen.

Ich hab noch mal darüber nachgedacht und sehe das auch nicht so. Bei Zombies kann man nämich auch noch ganz unterschiedliche Komponenten einflechten, z. B. ist ein Untoter wirklich untot? Hat er keine Seele mehr oder vielleicht doch noch irgendwo? Das würde wieder ganz andere Fragen für den Prota aufwerfen. Andere Aspekte wären dann natürlich die Unbezwingbarkeit bzw. Schwierigkeit damit und auch die möglicherweise Unberechenbarkeit, denn einen menschlichen Gegner kann ich wahrscheinlich etwas besser einschätzen als einen untoten Gegner. Aber natürlich spielt auch der Ekel eine Rolle, z. B. weil er mich daran hindert mich zu wehren, weil ich mich vorher übergeben muss oder so fasziniert bin, dass ich keinen Finger rühren kann oder oder oder. Ich finde, da gibt es verschiedene Aspekte, und der Ekel ist sicher kein Alleinstellungsmerkmal. Ich selber lese keinen Horror, aber ich hab schon von einigen gehört, dass das Eklige gerade nicht das ist, was sie dazu bringt, sich zu gruseln. Ich selber finde, es gibt weitaus bessere Möglichkeiten, Grusel oder Ähnliches zu verursachen als irgendwas besonders eklig darzustellen.

Aber frag 10 Leute und du erhältst 20 Meinungen und das ist auch ok so.

LG Sanjani
Die einzige blinde Kuh im Tintenzirkel :)

HauntingWitch

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Re: Wie eklig darf's sein?
« Antwort #18 am: 27. März 2015, 15:18:54 »
Das stimmt, aber wenn du die Leute hinterher fragst, was wissen sie dann wirklich noch von alledem, was sie gesehen haben? Wissen sie noch, in welcher Art die Knochen vom Unfallopfer verrenkt waren und welche Muster das Blut auf der Straße gemalt hat etc.? Also ist der fesselnde Blick wirklich auch mit der Wahrnehmung vieler Details verknüpft? Das würde mich wirklich interessieren :)

Aus Eigenerfahrung: Ja. Das ist aber vermutlich genauso individuell wie alles andere. Der eine verdrängt es, der andere wird das Bild Tage, Wochen, vielleicht sogar Jahre lang nicht mehr los und kann es jederzeit detailgetreu wiedergeben.

Zum Thema Details wird ja sowieso immer gesagt, dass es nicht die Menge an Details ist, die es ausmacht, sondern die Signifikanz. Sprich ein ausdrucksstarkes Detail sollte demnach eher im Gedächtnis bleiben als ein Dutzend gleich grausige. Mir fällt gerade auf, dass ich darüber noch nie nachgedacht habe. Könnte ich mal beobachten, bei einem King-Buch oder so.  ;D

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