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Arbeit als Krankenpfleger

Begonnen von Franziska, 25. November 2011, 19:41:49

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Franziska

In meinem aktuelen Roman ist der Hauptcharakter ein Krankenpfleger. Ich kenne zwar ein paar, und habe dadurch schon etwas mitbekommen, aber mir bleiben doch noch einige Fragen. Wenn jemand in diesem Beruf arbeitet, oder jemanden kennt, wäre ich dankbar, wenn er mal nachfragen könnte.
Es soll ein Krankenhaus in einer Kleinstadt sein, in dem er arbeitet, als ein kleines Krankenhaus.
Die erste Frage wäre: Was gibt es da für Abteilungen? Also es soll nicht Onkologie oder so sein. Gibt es sowas, dass er einfach in der Unfallstation, oder Notfallabteilung arbeitet? Er soll auf keinen Fall an Operationen beteiligt sein müssen.
Bisher habe ich nur mal erwähnt, dass er verletzte Personen pflegt.

Zweite  Frage: Wie ist so der Tagesablauf? Wenn er zur Arbeit kommt, was macht er dann zuerst? Sich umziehen, nehme ich mal an. Gibt es dazu einen Umkleideraum? Gibt es dann einen Plan auf den er guckt, zu welchen Patienten er muss? Gibt es beim Schichtwechsel eine Absprache, welche neuen Patienten da sind? Eine allgemeine Teambesprechung?
Geht er dann einfach reihum zu den Patienten, wenn sie ihn rufen, oder wartet er, bis neue Patienten kommen Ich bin doch zuiemlich verwirrt, was er da eigentlich genau macht. Ich möchte es auch nicht ständig detailliert beschreiben, eigentlich nur einmal.


Tanrien

Huhu Franziska,

zwar kenne ich einige Krankenschwestern, aber das ist sehr wahrscheinlich eh von Krankenhaus zu Krankenhaus unterschiedlich, da werden dir die Informationen von Google genauso weiterhelfen. Was du dir vielleicht angucken kannst sind die Tätigkeitsberichte auf Krankenschwester.de, da gibt es auf einen extrem detallierten beispielhaften Tagesablauf. Auf der ersten Seite ganz unten ist auch was zu Schichten im Rettungswagen.

Franziska

Danke, das hilft mir schon ein bisschen. Zwar nicht die Station, auf der er sein soll, aber ich werde es wohl eh nicht allzu genau beschreiben. Hauptsache ich schreibe nicht irgendwas falsches.

Maran

Meine Mutter war Krankenschwester, ich selbst habe über einen kurzen Zeitraum hinweg als Schwesternhelferin gearbeitet. Meine Erfahrungen liegen ca. 20 Jahre zurück, sind also nicht aktuell.

Das Krankenhaus war ursprünglich ein relativ kleines Kreiskrankenhaus. Abteilungen nach dem Umbau: Intensiv, Chirurgie, Innere und Gynokologie. Alles, was darüber hinausgeht, ging (und geht wohl noch) in die Uniklinik. Dazu kommen noch OPs, Labor, Leichenhalle und diverse andere Abteilungen, die ein Krankenhaus am Laufen halten. (Küche, Handwerker etc.) Es gibt natürlich eine "Notaufnahme", ich rate allerdings davon ab, sich diese wie in gewissen amerikanischen Serien vorzustellen.  ;) (Als "Springer" hatte ich, vor allem am Wochenende, des Öfteren das zweifelhafte Vergnügen, die Leute hin- und herzuschieben.  :-\) Ich glaube nicht, daß es eine "Unfallstation" im Sinne des Wortes gibt. Im Prinzip läuft es wie in einer Arztpraxis ab. Der Patient wird aufgenommen, untersucht, gegebenenfalls sofort behandelt, und dann weitergereicht. Im Großen und Ganzen ziemlich unspektakulär.

Ein Pfleger ist generell nicht an Operationen beteiligt, denn dafür braucht es eine spezielle Ausbildung. Das gilt in der Theorie auch für Intensivpflege (in der Praxis sah das damals etwas anders aus, von wegen Sitzwache und so ...). Ansonsten sind Pfleger/Schwestern überall dort zu finden, wo es etwas zu pflegen gibt, nämlich auf den Stationen. Dabei ist es primär völlig unerheblich, um welche Art der Station es sich handelt, weil "Pflege" im Kern relativ identisch ist. (Lagern, füttern, zur Toilette begleiten oder auf den Topf setzen, aus der Sch... ziehen, Betten beziehen, Gebisse reinigen etc.) Mit der Gesundheitsreform hat sich der Schwerpunkt der Pflege zur Dokumentation hin verlagert, wobei man über Sinn und Unsinn des Ganzen streiten kann.

Zum Tagesablauf:
Drei Schichten: Früh, spät und nachts über acht Stunden. Zu meiner Zeit gab es einen Umkleideraum mit Spinden, was auch tatsächlich von einigen genutzt wurde. Die Umkleidezeit gehörte mit zur Arbeitszeit. Jede Schicht beginnt mit einer Übergabe, d.h. alles Wichtige/Neue wird erörtert (Patientenwechsel, Beobachtungen, ärztliche Anordnungen). Alles weitere war schicht- und patientenabhängig.
Frühschicht: Wenn die Nachtschicht es noch nicht getan hat, dann erst einmal Patienten waschen, bzw. ihnen alles dafür bereitstellen. Dann Frühstück verteilen, ggf. füttern. Danach Fieber und Blutdruck messen, Pulsen (alles bei Bedarf, bzw. auf ärztliche Anordnung. Betten machen. Medikamente verteilen. Irgendwann ist Morgenvisite, d.h. die Ärzte machen ihren Rundgang, i.d.R. von mindestens einer Schwester/Pfleger begleitet. (An die genaue Reihenfolge kann ich mich nicht mehr erinnern, sry.) Mit dem Mittagessen geht es dann weiter wie gehabt. Zwischendurch immer wieder aufspringen, um zur Klingel zu laufen (sprich: Wünsche der Patienten erfüllen). Übergabe an die Spätschicht.
Spätschicht:
Im Prinzip wie Frühschicht, nur eben mit Kaffee und Abendessen.
Nachtschicht:
Ist normalerweise die ruhigste Schicht bis zum frühen Morgen, wenn es mit dem Waschen losgeht. Die Nachtschwestern machen regelmäßig ihren Rundgang.

Franziska

vielen Dank Maran. Damit kann ich schon mal viel anfangen. Es ist echtunglaublich, dass man hier zu jedem Thema einen Experten findet.
Eine Frage hätte ich noch: Hat der Pfleger auch Zeit einem Patienten zum Beispiel die Haare zu kämmen? Und was genau ist Lagern? Heißt das Menschen, die sich nicht bewegen können umzulagern? Aber wieviele gibt es denn, die sich nicht bewegen können?
Oh je, ich habe echt keine Ahnung von Krankenhäusern, ich hatte das Glück da seit meiner Geburt nicht mehr hingemusst zu habe, außer als Besuch.

Rumpelstilzchen

Ich habe gerade auch mal nachgefragt ;)  Und ergänze die ein oder andere Info. Vielleicht hilft es dir weiter.

In kleineren Krankenhäusern ist eine reine Notaufnahme wohl eher selten, sondern ist mit in der normalen Aufnahme integriert. Es gibt auch kleine Krankenhäuser, wo die Notaufnahme mit in anderen Stationen integriert ist.

An Stationen kenne ich aus unserem Krankenhaus Innere, Chirurgie, Urologie und Gynäkologie.

Maran

Zitat von: Franziska am 26. November 2011, 14:45:50
Hat der Pfleger auch Zeit einem Patienten zum Beispiel die Haare zu kämmen?

Ob er die Zeit dazu hat, ist ein anderes Thema, aber es gehört schon mit zu den Aufgaben, genauso wie rasieren.

Zitat von: Franziska am 26. November 2011, 14:45:50
Und was genau ist Lagern? Heißt das Menschen, die sich nicht bewegen können umzulagern? Aber wieviele gibt es denn, die sich nicht bewegen können?

Genau das heißt es. Ein Patient wird von einer Seite auf die andere gedreht. Das dient der Decubitus-Prophylaxe. Wenn man permanent auf einer Seite liegt, dann sterben die Zellen mit der Zeit ab, da sie nicht mehr versorgt werden können. Dann kommt es zuerst zu unansehnlichen schwarzen Flecken und mit der Zeit zu offenen Wunden. Man kann dies selbst bei intensivster Pflege nicht hundertprozentig verhindern, aber man kann es in Grenzen halten.
Wieviele Patienten es gibt? Das kann man pauschal nicht sagen. Aber es betrifft generell nur Menschen, die sich selbst nicht aktiv bewegen können.

Franziska

vielen Dank euch beiden für die Infos! Ich denke, dann wird er auf der Inneren arbeiten. Da wäre es doch wahrscheinlich, dass er sowohl kranke als auch verletzte Patienten hat oder? Anstonsten muss ich es ein bisschen ändern, es kommt ja auch nicht so oft vor.

Vali

#8
Der von Tamrien verlinkte Tagesablauf ist ein sehr gutes detailliertes Beispiel. So in etwa hat auch mein Tagesablauf im Pflegepraktikum ausgesehen.
Das allgemeine Krankenhaus meiner Heimatstadt hatte als Stationen nur 3 Chirurgische, 3 Internistische, 1 Gynäkologie, 1 Geburtshilfe und eine halbe HNO Station (bestehend aus 2 Zimmern auf der Ganäkologiestation) und OP (mit Anästhesie natürlich), ein Zahnarzt, Labor, eine kleine Radiologie. Wenn sich deine Figur um Verletzte kümmert, passt die Unfallchirurgische/Orthopädische Station wohl am besten. Dort landen alle zu operierenden und bereits operierte Patienten, die sich irgendwas gebrochen oder gerissen haben. Also der verunglückte Motorradfahrer, der umgeknickte Vereinssportler, die ungeschickt gestolperte Dame, die gestürzte Oma, der Opa, der ne neue Hüfte braucht usw.

Dokumentation spielt heutzutage eine große Rolle. Zu jedem Patient gibt es eine Pflegedokumentationsmappe (sog. Kardex), wo alles, was man mit dem Patienten angestellt und erhoben hat jeden Tag aufzeichnet. Dort werden Fieberkurven eingetragen, Blutdruck, Gewicht, Medikamente, ggf. Blutzucker, ggf. wie und wie oft ausgeschieden wurde, alle Anordnungen vom Arzt, alle gemachte und geplante Untersuchungen und Eingriffe, ach einfach alles. Da wo man Freihand was eintragen kann, kommt der allgemeine Eindruck und sonstiges rein, was nicht in die Kurve gepasst hat. Da steht dann zum Beispiel "Der Patient hatte heuten guten Appetit und ist schmerzfrei" oder "Der Patient fühlt sich niedergeschlagen, weint den ganzen Tag, hat kaum Appetit und hat Angst dass er wie seine Frau damals nicht von der OP erwacht" oder "Patient schläft unruhig und ruft im Schlaf seinen Hund Fifi".

Bei der Übergabe wird jede Mappe durchgegangen und man erzählt sich das wichtigste, das geschehen ist. Da wird zum Beispiel die Mappe von Herrn Müller aufgeschlagen und dann heißt es "Herr Müller, ein 30 jähriger Patient nach Fahrradunfall, dritter Post-OP-Tag, hat heute einen neuen Gips bekommen und bekommt jetzt Antibiose bei neu aufgetretenem Fieber von 39°C und Brennen beim Wasserlassen, ansonsten weiterhin guter Allgemeinzustand, OP-Narbe reizlos. Heute abend neue Infusion und Urinstix machen und wenn alles gut geht, Entlassung am Montag." Es wird also immer wiederholt, wer der Patient ist, weswegen er hier ist, wie sein Zustand ist, was sich verändert hat, was gemacht wurde und was in der folgenden Schicht zu tun ist.
Wer sich welche Zimmer krallt oder andere Funktionen (z.B. Bestandsaufnahme der Lagerräume und Bestellung, Richten von Infusionen, Eingeben von vom Arzt bestellten Untersuchungen, Aufnahme von neuen Patienten) übernimmt, wird glaube ich untereinander ausgemacht. Ist von Haus zu Haus aber immer unterschiedlich.

Patienten, die sich selbst nicht waschen können, bekommen natürlich auch ihre Haare gemacht. Hängt natürlich davon ab, wie stressig der Ablauf ist und wie die Pfleger-Patient-Beziehung ist. Ein Pfleger, der gestresst ist und den Patienten nicht mag, macht wahrscheinlich nur das nötigste, einmal Gesichtwaschen, die Zähneputzen, grob rasieren und die Haare bürsten. Ein Pfleger, der fürsorglich ist und nicht unter Zeitdruck steht, ist auch mal so nett und hilft auch beim Frisieren und Schminken.

Lagern ist die Patienten in möglichst optimale Körperhaltung zu bringen. Dazu müssen die Patienten nicht immobil sein. Jemand der zum Beispiel Atemprobleme hat, sollte im Bett lieber sitzen und braucht dann viele stützende Kissen. Auch Polster zum Beispiel für ein hochgelagertes Bein können mal verrutschen und das Bein muss neu gelagert werden. Aber natürlich ist damit auch gemeint, immobile Patienten so umzulagern, dass sie sich nicht wundliegen.