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Glaubensvorstellungen, Religionen, Konfessionen

Begonnen von Mithras, 09. August 2014, 15:46:31

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Mithras

Interessanterweise habe ich bislang kein Thema gefunden, das sich explizit mit der Rolle von Religionen in euren selbst erdachten Welten beschäftigt, was vielleicht auch an meiner eigenen Blindheit liegen mag. Da Religionen jedoch mein persönliches Steckenpferd sind, möchte ich doch gerne wissen, wie ihr es denn mit ihnen haltet. Vor allem vier Aspekte interessieren mich:
- Welche Rolle spielt Religion in euren Welten? Auf welche Bereiche wirkt sie sich aus?
- Wie baut ihr Religionen auf? Worauf achtet ihr?
- Wie real sind eure Religionen in den jeweiligen Welten? Lasst ihr Zweifel am Wahrheitsgehalt der heiligen Schriften oder der Existenz der bekannten Götter, oder geht es darum gar nicht?
- Und zu guter Letzt, angeregt durch dieses Thema: Welche Religionen habt ihr euch denn ausgedacht, und was hat euch inspiriert?

Da ich euch an dieser Stelle nicht sofort mit meinen eigenen Religionen erschlagen will, halte ich mich kurz und gehe zunächst nur auf meine Grundvorstellungen ein. Bei Gelegenheit schiebe ich dann eine Einführung in die jeweiligen Glaubenssysteme nach.
Meine Welt ist im Wesentlichen spätmittelalterlich geprägt und befindet sich an der Schwelle zu einer Art Renaissance. Gerade in einer archaischen Welt, in der sich große Umbrüche abzeichnen, ist das Denken der Menschen noch stark von Glauben und Aberglauben geprägt, da vielfach rationale Erklärungsmöglichkeiten fehlen und Unsicherheit das Denken und Handeln von Menschen bestimmt. Religion spielt für mich daher eine zentrale Rolle, nicht zu letzt, weil mich die Verbindung aus weltlicher und geistlicher Macht überaus fasziniert und wunderbares Konfliktpotential für eigene Geschichten birgt, ebenso wie das Aufeinanderprallen verschiedener (religiöser) Weltvorstellungen. Vor allem interessiert mich der reale Ursprung religiöser Vorstellungen und Mythen, in der realen Welt wie auch in fiktiven Universen. Grundlegende Motive wie der Garten Eden und die Sintflut finden sich im gesamten östlichen Mittelmeerraum, von Griechenland bis in den Iran, was zeigt, wie intensiv der Austausch an Ideen und Motiven in der Antike gewesen sein muss und wie komplex die Ursprünge von Religionen sein können. So, wie es mir in der Realität Spaß macht, über die Parallelen zwischen Mithraskult, Zoroastrismus und Christentum und mögliche Erklärungen nachzudenken, liebe ich es, derartige Zusammenhänge in meinen eigenen Geschichten zu erfinden und Religionen zu erschaffen, die auf den Leser authentisch und greifbar und gleichermaßen vertraut wie auch neuartig wirken sollen. Wichtig ist dabei, dass die Ursprünge meiner Religionen meist von zentraler Bedeutung für meine Geschichte sind, weil es mir letztlich auch darum geht, wie Religion instrumentalisiert werden kann, um völlig andere Ziele zu erreichen. Die Suche nach der Wahrheit hinter Mythen, Legenden und heiligen Texten nimmt daher eine zentrale Rolle für mich ein.

So viel erst einmal von meiner Seite. In den nächsten Tagen werde ich dann eine Übersicht über meine drei Hauptreligionen folgen lassen. Bis dahin wünsche ich euch viel Spaß beim Diskutieren und warte neugierig auf interessante Beiträge! :)

canis lupus niger

#1
Auch für mich ist das ein ungeheuer spannendes Thema, wenn ich auch zugeben muss, in meiner eigenen Reihe auf religiöse Aspekte weitgehend verzichtet zu haben. Weltanschauliche und religiöse Reportagen interessieren mich aber ungeheuer, und ich lese leidenschaftlich gerne Fachbücher, die diese Themen behandeln. Ob es sich jetzt um die Geschichte der römisch-katholischen Kirche handelt, um die Ausbreitung des Islam, um Buddhismus, Hinduismus, Shintoismus oder einige der bekannten antiken Religionen. Es ist faszinierend zu überlegen, ob die Kulturen sich ihre Religionen geschaffen haben, oder ob im Gegenteil die Religionen die jeweilige Kultur geformt haben. ich denke, oft genug fand das abwechselnd statt. 

Das Gruselige daran ist, dass real geschehene Religionsgeschichte locker jede Fantasy und jeden Horror-Roman in den Schatten stellt.

In der Isrogant-Reihe, an der ich seit einiger Zeit mitschreiben darf, sind die aggressiven  Machtbestrebungen einer neuen Sekte Teil der Grundproblematik.

Kampfmops

Bei meiner erdachten Welt steht die religiöse Ordnung um einiges über der weltlichen. Die bestehenden Regierungen herrschen zwar, doch ist das alles auf tönernen Füßen errichtet. Denn durch die Religionen, können (und werden) sich bei mir die Völker spalten.
Die Religionen wirken sich auf nahezu alle Bereiche aus. Es gibt wenige Atheisten und erst recht viel weniger, die auch dazu stehen.
Es gibt vielen religiös geprägten Extremismus in meiner Welt, der die Völker selbst intern auf einem Pulverfass sitzen lässt.

Beim bauen meiner Religion beginne ich meistens damit, das ich den/die angebeteten Gott/Götter beschreibe (dort geht es vor allem ihre Persönlichkeit). Daran mache ich dann meistens die Rituale und Zeremonien fest. Also ein gerechter Gott, der nicht gnadenlos richtet, wird ja um einiges anders angebetet als ein gnadenloser Gott. Daraus ergeben sich dann meistens auch die Heiligen Schriften und Gotteshäuser, wobei die Gotteshäuser meistens von der allgemeinen Architektur der Völker abhängt.

Ich achte vor allem darauf, das es einer realen Religion nahe kommt. Natürlich schreibe ich keine Heilige Schrift von ihnen nieder (das würde wahrscheinlich viel zu lange dauern), doch zumindest so Grundgebote und absolute Verbote schreibe ich schon auf. Was man ja auch nicht unbedingt vergessen sollte, finde ich, ist die Wirkung die diese Religion auf ihre Gläubigen hat.

In meiner Welt versuche ich die Religionen sehr real darzustellen. Natürlich gibt es Zweifler, aber die halten wegen der Extremisten meistens die Klappe, weil ihnen meistens ihr Leben wichtiger ist als ihre Meinung.

Die Götter selbst treten nie in Erscheinung, doch mir geht es vor allem darum, was die Religion mit den Personen macht. Sie wird ja nicht überall auf die gleiche Art verbreitet. Es kommt oft auch auf den nutzen der Prediger oder derer, in dessen Dienst sie stehen an.


Nun zu meinen Ausgedachten Religionen.
Im allgemeinen sind sie sich alle sehr ähnlich. Es sind alles monotheistische Religionen mit Opferritualen. Es gibt 3 Religionen, bis auf eines meiner Völker hat also jedes seine eigene Religion, das vierte Volk ist atheistisch geprägt.
Innerhalb der Völker gibt es Clans die untereinander verschiedene Ansichten haben und bei denen die Religionen auch abweichen, so ähnlich wie bei Katholiken und Protestanten.
Die Religionen merkt man an, das sie den Völkern entsprechen, da dort auch der Hass den sie auf die anderen Völker haben gepredigt wird und oft vor allem dazu genutzt wird um die Gläubigen aufzustacheln. Dies geschieht übrigens auch unter den Clans, aber nicht ganz so extrem.

Eine richtige Übersicht, würde hier glaube ich etwas langweilig werden, deswegen habe ich mal die Kurzfassung genommen. ;)

Wovon ich inspiriert wurde, lässt sich schwer sagen. Ich habe beim schreiben irgendwie an diesen kompletten religiös geprägten Extremismus gedacht, der leider in der Realität existiert. Ich habe nichts gegen Religiosität, wenn das dann aber bedeutet deswegen andere Menschen zu diskriminieren, hört bei mir der Spaß auf.

Den letzten Punkt will ich nicht unkommentiert lassen.
Natürlich ist mir bewusst das die Parolen solcher Extremisten, mit der Religion auf die sie sich berufen am Ende meist nicht mehr viel gemeinsam haben, aber doch wurde (und werden) wegen dem Glauben an einen oder mehrere Götter schon viele Gräueltaten begangen und mit dem Glauben (angeblich) begründet.     



Churke

Religion...
Religion pflegt für politische Zwecke instrumentalisiert zu werden. Nun sind Politiker aber gemeinhin korrupt und ihre Ziele kriminell. Und ein Mann, der für sich für Anspruch nimmt, der Vollstrecker eines göttlichen Willens zu sein, will vor allem niemandem Rechenschaft ablegen, ist also ein Tyrann.
Deshalb ist im Zweifel völlig egal, worum es in der betreffenden Religion geht, man findet immer einen gerechten Grund, andere Leute umzubringen.

Ja, ich schreibe viel über Religion, aber meistens im Zusammenhang mit Politik. Ich brauchte auch noch keine Religion zu erfinden, bislang hat mir immer gereicht, was es schon gibt.

Mithras

#4
Juhu, Antworten! ;D

Zitat von: Churke am 12. August 2014, 22:58:47Ich brauchte auch noch keine Religion zu erfinden, bislang hat mir immer gereicht, was es schon gibt.
Das wäre bei mir nicht möglich. Eigene Welten erfordern eigene Religionen, auch wenn diese durch real existierende Religionen inspiriert sein können. Es macht mir aber zugegebenermaßen sehr viel Spaß, genau das zu tun.

Zitat von: Kampfmops am 12. August 2014, 22:19:56Wovon ich inspiriert wurde, lässt sich schwer sagen. Ich habe beim schreiben irgendwie an diesen kompletten religiös geprägten Extremismus gedacht, der leider in der Realität existiert. Ich habe nichts gegen Religiosität, wenn das dann aber bedeutet deswegen andere Menschen zu diskriminieren, hört bei mir der Spaß auf.
Religiöser Fanatismus war auch eines meiner zentralen Motive, als ich begonnen habe, einen Plot zu entwickeln, da man hier wunderbar Konflikte heraufbeschwären kann, ohne direkt Schwarz-Weiß-Schemata zu bedienen - es langt, dass dieses Denken in den Köpfen vorherrscht, und schon hat man einen guten Ausgangspunkt. Daran anknüpfend habe begonnen, die Religionen weiter auszugestalten und stärker mit Politik zu vermischen, so dass religöser Fanatismus mittlerweile in den Hintergrund getreten ist.

Zitat von: Kampfmops am 12. August 2014, 22:19:56Eine richtige Übersicht, würde hier glaube ich etwas langweilig werden, deswegen habe ich mal die Kurzfassung genommen.
Kommt darauf an, wen du fragst. Mich langweilt so etwas nie, und ich kümmere mich auch nicht darum, ob ich andere Menschen mit meinen Ausführungen langweile, die nun unweigerlich folgen müssen! ;D Ich habe mittlerweile drei große Glaubenssysteme erfunden, die sich an verschiedenen realen Religionen orientieren:

Die Amešnu-Religion:
Sorry but you are not allowed to view spoiler contents.


Die Ptachothes-Religion (vorläufiger Name):
Sorry but you are not allowed to view spoiler contents.


Der Hjeldur-Glaube:
Sorry but you are not allowed to view spoiler contents.


Romy

#5
Zitat von: Mithras am 09. August 2014, 15:46:31
Interessanterweise habe ich bislang kein Thema gefunden, das sich explizit mit der Rolle von Religionen in euren selbst erdachten Welten beschäftigt, was vielleicht auch an meiner eigenen Blindheit liegen mag.
Jain. ;)
Wir haben schon Threads, die zumindest in eine ähnliche Richtung gehen. Z.B. ist mir spontan Folgender eingefallen: http://forum.tintenzirkel.de/index.php/topic,5687.0.html
Da wurde zumindest zwischendurch mal in eine sehr ähnliche Richtung diskutiert, auch wenn die Ausgangsfrage etwas spezieller war. Ich finde es gut, dass Du noch mal einen neuen Thread mit allgemeinerer Fragestellung aufgemacht hast. :)


Mit Religion und Göttern beschäftigen sich auch viele meiner Romane. Allgemein habe ich schon so einige Welten erschaffen und für jede davon Götter und Religionen erdacht, oft spielen sie für die Handlung und/oder die Figuren auch eine wichtige Rolle, manchmal laufen sie eher am Rande, aber sie sind auf jeden Fall immer im Alltagsleben meiner Figuren vorhanden.
Eine Welt ohne Religion erscheint mir unrealistisch, dafür muss man ja nur in unsere eigene Vergangenheit schauen, einfach jede irdische Kultur hatte (und hat) eine Form des Glaubens. Glaube, Religion und Aberglaube hat den Menschen - vor allem in der vortechnisierten Zeit - Halt gegeben und ihnen geholfen Dinge zu erklären, die wir uns heute auf logische, naturwissenschaftliche Weise erklären können. Doch selbst der heute weit verbreitete Atheismus ist letztlich nur eine Form des Glaubens, denn schließlich kann man nicht beweisen, das Gott nicht existiert. Egal ob man nun gläubig ist oder auch nicht, objektiv und logisch gesehen ist das eben einfach unmöglich. ;)

Zitat von: Mithras- Wie baut ihr Religionen auf? Worauf achtet ihr?
Also im Mittelpunkt steht stets eine Anzahl von Göttern. Selten habe ich mal einen Monotheistischen Gott oder Vielgötterei, meistens sind es zwar mehrere, aber in einem überschaubaren Rahmen. Zahlen die sich für mich bewährt haben sind 4, 8 oder 12 Götter. ;D Darauf greife ich bevorzugt zurück. *
Den Göttern werden dann Eigenschaften/Jahreszeiten/Elemente etc. zugeordnet für die sie stehen, oft sind sie Geschwister, seltener im Gegenteil Liebende.
Manchmal kommen dann noch Halbgötter (Kinder der Götter), Götterboten, Patrone oder Symbole dazu und je nachdem wie wichtig die Religion für die Romanhandlung ist, denke ich mir dann auch aus, wie die Götter und ihre jeweiligen Anhänger der Welt zueinander stehen, wie genau die Religion organisiert ist, wer sie anführt, wo die Hauptsitze sind, wie die Götter ganz genau verehrt werden, also Zeremonien u.ä., welche Farben die Roben haben, falls es überhaupt Roben gibt, etc.

Zitat von: Mithras- Wie real sind eure Religionen in den jeweiligen Welten? Lasst ihr Zweifel am Wahrheitsgehalt der heiligen Schriften oder der Existenz der bekannten Götter, oder geht es darum gar nicht?
Oft sehr real, bzw. ich habe jedenfalls häufig gläubige Protas, die ihre jeweilige Religion für real halten.
In meiner Götter-Trilogie spielt ja sogar eine (menschgewordene) Göttin die Hauptrolle, in jener Welt wandeln die Götter auch gerne mal auf Erden, sprechen mit ihren Lieblingen und hinterlassen ihre Spuren. In dieser Geschichte spielt auch Fanatismus eine große Rolle, der umso mehr dadurch angestachelt wird, dass diese sehr realen Götter ihren Streit miteinander haben und die Menschen ihn unter sich weiter führen ...
Auch die Welt, in der meine Vögel spielen ist sehr religiös geprägt und die Götter spazieren gerne mal durch die Gegend, wenngleich sie sich den Menschen eigentlich nicht zeigen, aber zumindest meine beiden Hauptfiguren haben schon mal den ein oder anderen gesehen, auch da sind sie also sehr real, sind aber eigentlich nur am Rande relevant.
Widerum in einem weiteren Roman, den ich bisher noch gar nicht angefangen habe zu schreiben (und es dieses Jahr wohl auch nicht mehr schaffe), geht es um Fanatismus (und ja, auch Politik) als Hauptthema. Die gesamte Gesellschaft ist sehr gläubig und das ganze Leben ist auf Religion und Götter ausgerichtet und manche Menschen haben wohl auch schon eindeutige Zeichen der Götter zu sehen bekommen, mein Hauptprota (oder Anta?), der der Fanatischste von allen ist und sich nach einem solchen greifbaren Zeichen sehnt, allerdings noch nicht. Wenn ich erst mit Schreiben anfange, freue ich mich schon darauf, mit diesem Widerstreit zu spielen.  :snicker:

Ich könnte noch andere Beispiele aufführen und ausführlich beschreiben, wie gesagt, jede meiner Welten, die ich mir je ausgedacht habe hat Götter und Religionen. Wirklich jede davon ausführlich zu beschreiben würde hier definitiv den Rahmen sprengen. ;D






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EDIT:
* Wobei mir gerade eingefallen ist, dass ich ausgerechnet in meiner Götter-Trilogie 9 Götter habe. Die Neun sind Geschwister, die acht Jüngeren haben das Jahr quasi unter sich aufgeteilt, es gibt acht Monate, jeweils zwei in einer Jahreszeit. Die Älteste und Anführerin der Göttergeschwister hat keinen eigenen Monat, ist aber in jedem der acht Monate jeweils an der Seite des jüngeren Geschwisterchens präsent und wird das ganze Jahr über verehrt.

Mithras

Zitat von: Romy am 17. August 2014, 17:59:39
Also im Mittelpunkt steht stets eine Anzahl von Göttern. Selten habe ich mal einen Monotheistischen Gott oder Vielgötterei, meistens sind es zwar mehrere, aber in einem überschaubaren Rahmen. Zahlen die sich für mich bewährt haben sind 4, 8 oder 12 Götter. ;D Darauf greife ich bevorzugt zurück. *
Den Göttern werden dann Eigenschaften/Jahreszeiten/Elemente etc. zugeordnet für die sie stehen, oft sind sie Geschwister, seltener im Gegenteil Liebende.
Manchmal kommen dann noch Halbgötter (Kinder der Götter), Götterboten, Patrone oder Symbole dazu und je nachdem wie wichtig die Religion für die Romanhandlung ist, denke ich mir dann auch aus, wie die Götter und ihre jeweiligen Anhänger der Welt zueinander stehen, wie genau die Religion organisiert ist, wer sie anführt, wo die Hauptsitze sind, wie die Götter ganz genau verehrt werden, also Zeremonien u.ä., welche Farben die Roben haben, falls es überhaupt Roben gibt, etc.
Nicht schlecht. Für einen klaren Polytheismus konnte ich mich ehrlich gesagt nie wirklich anfreunden, wobei ich nicht sagen kann, woran das liegt. Zugegeben, ich hätte bei so vielen Göttern das Problem mit der Benennung, da ich mich an real existierenden Sprachen orientiere und somit eine Sonnegottheit nicht einfach nach ihrem Gestirn auf Latein/Griechisch/wasauchimmer benennen kann - Sol/Helios geht halt einfach nicht. Wenn man sich an eher weniger bekannten Sprachen wie Persisch, Arabisch oder Hindi orientiert, erlaube ich mir prinzipiell etwas mehr, weil da die Gefahr der Wiedererkennung meines Mangels an Kreativität weniger groß ist. Die Benennung meiner Gottheiten in den polytheistischen Vorgängerkulten meiner heutigen Religionen bereitet mir noch immer Kopfzerbrechen.

Was ich außerdem bisweilen erlebe: Jedes Volk, klassischerweise Elfen, Zwerge, Drachen und Co., hat seinen individuellen Schöpfer, der mit seinen Kollegen im selben Pantheon hockt - und das ist dann die Religion. Fertig, das war's. Oder es werden Gottheiten gewählt, die die Elemente verkörpern und mehr auch nicht. Die Hauptaufgabe von Religionen ist es doch, Antworten auf die elementaren Fragen des Lebens zu geben, und auch, wenn es natürlich Meeres-, Sturm-, Sonnen- oder Erdgottheiten gibt, ist das ja noch nicht alles. Erdgottheiten verkörpern häufig Fruchtbarkeit und Leben (oder auch den Tod, wenn die Toten vergraben werden), Sonnengottheiten stehen häufig für Wahrheit, Gerechtigkeit und "das Gute". Und dann gibt es noch abstrahierte Versionen von Naturgottheiten (Mondgötter sind bisweilen auch Zeitgötter, vor allem dann, wenn der Mondkalender verwendet wird - z. B. Thoth bei den Ägyptern), und dann Gottheiten die ausschließlich für abstrakte Dinge stehen wie etwa Liebe, Weisheit oder das Jenseits. Manche Gottheiten vereinen diese Attribute auch auf komplexe Weise in sich, wie etwa Osiris, der ganz konkret als Gott des Nils und der Fruchtbarkeit verehrt wurde und durch seinen Sieg über den Tod gleichsam zum Herrscher der Unterwelt, zum Richter der Toten und zum Garanten des ewigen Lebens wurde. Generell finde ich Gottheiten, die eher abstrakte Konzepte als matzerielle Dinge repräsentieren, spannender - was vielleicht auch meine Vorliebe für monotheistische Konzepte erklärt.

sehr interessant finde ich die Äußerung eines Benutzers in einem anderen Forum, wonach Monotheismus nicht so gut in Fantasywelten passe, weil es in vielen GFantasywerken ja um die Umtriebe der Götter gehe. Das finde ich sehr kurz gefasst, weil es voraussetzt, dass die Götter in den jeweilen Fantasywelten wirklich genau so existieren, wie sie vom Autor beschrieben werden und der Leser keinen Raum für Zweifel hat, ob das so wirklich stimmt. Deshalb habe ich mit wirklich realen Göttern ich in meiner Probleme. Es macht für mich ja gerade den Reiz von Religion aus, dass man nicht genau wissen kann, was wahr oder was falsch ist - man kann es nur glauben. Der Glaube kann eine Religion wiederum lebendig machen, was ein ganz bestimmendes Element in meiner eigenen Geschichte ist, und was dafür sorgt, dass sich selbsternannte Propheten, Engel oder Götter über die Menschen erheben. In all meinen Religionen steckt ein wahrer Kern, der zum Teil auf historische Ereignisse und Entwicklungen zurückgeht, und auch die selbsternannten Propheten/Engel/Gottheiten sind nicht einfach nur Menschen, sondern tragen einen "Hauch des Göttlichen" in sich und sind die Erben von etwas, das viel älter als die Menschheit ist. Das bedeutet aber nicht, dass es in meiner Welt tatsächlich so etwas wie Schöpfergottheiten gibt, dafür bin ich einfach zu sehr Darwinist und bleibe im Rahmen dessen, was evolutionsbiologisch erklärbar ist - Molekularbiologie/Gentechnik mit eingeschlossen. :darth:

Moni

Wie immer, wenn ich solche Threads lese, muß ich schuldbewusst an mein unfertiges Essay zum Thema Götter in der Fantasy denken und daran, dass ich das endlich mal schreiben sollte.  :versteck: Gerade das Thema Monotheismus vs Polytheismus ist ja durchaus spannend und man kann seitenweise darüber schreiben...
Deutsch ist die Sprache von Goethe, von Schiller...
und im weitesten Sinne auch von Dieter Bohlen[/i]
Stefan Quoos, WDR2-Moderator

»Gegenüber der Fähigkeit, die Arbeit eines einzigen Tages sinnvoll zu ordnen,
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Johann Wol

Johannes Lauba

Das Thema "Religion" ist immer wieder spannend, auch in Fantasyromanen. Es ist unglaublich was einige sich dazu ausdenken, um ihrer erschaffenen Welt, den darin vorkommenden Kulturen und Völkern einen Hintergrund zu geben.
Ich schwanke immer bei der Spiritualität in meinen Überlegungen. Religion umfasst ein äußerst breites Spektrum an Möglichkeiten. Mir fällt auf, dass einige Monotheismus und Polytheismus erwähnen.

Ich hatte mal die Idee für ein Buch (geht in die Richtung Science-Fiction), in dem einige Astronauten in ein schwarzes Loch fliegen und sich dann in einem riesigen Raum mit unzähligen Computerleuchten und Prozessoren wiederfinden. Sie kommen aus ihrem Schiff heraus und eine Maschine menschlicher Gestalt empfängt sie. Sie erklärt den Reisenden, dass sie im Kern der Welt gelandet sind. Hier läuft das Computerprogramm ab, dass ein Wissenschaftler namens Gott konstruiert hat, um damit ein biologisch-physikalisches Experiment zu machen.
Die Maschine erklärt weiterhin, dass sie ein Admin-Programm ist, dass früher zur Versorgung und Wartung eines eingeschränkten Bereiches vorgesehen war. Es gab mehrere solcher Admin-Programme, doch als einige Menschen begannen, die Admin-Programme als Götter anzubeten, wurde der Wissenschaftler zornig und begann mit dem Virenprogramm "Christ", die Admin-Programme zu "jagen" und den Menschen wieder den Glauben an den einen Gott als Schöpfer zur Ansicht zu bringen. Das Virenprogramm Christ sollte alle Bereiche übernehmen, die die Admin-Programme vorher abgedeckt hatten.
Leider ist aus der Idee nichts geworden, obwohl ich das auch äußerst faszinierend fand. Es gibt auch einen Fachausdruck für den "Glauben", dass alle Menschen nur im Laufe eines Experiments entstanden sind und praktisch nur in einem riesigen Reagenzglas leben, aber der ist mir leider entfallen. Vielleicht fällt es ja einem von euch ein, dann würde ich mich sehr darüber freuen, wenn ich dann nochmal Rückmeldung erhalte.

jainoh

Religion ist für mich ein total wichtiger, zentraler Bestandteiler meiner Welten. Wenn ich eine SciFi- oder Fantasywelt erschaffe, bin ich oft tatsächlich zuerst auf der Suche nach dem vorherrschenden Glauben darin und baue darum dann die Figuren, ihre Handlungen und die Welt auf. Wenn ich mich entscheide, dass es keine Religion geben soll, ärgere ich mich oft hinterher, weil der Umstand, dass es nichts besonderes in dieser Hinsicht gibt, oft dann Möglichkeiten zur Handlung einschränkt. Die Religion einer Welt beeinflusst so viele Teile des Lebens, im Vorbeigehen, wie ein Schrein, oder im Großen, wie ein heiliger Tag, vorgeschriebene Kleidung oder ein Gesetz.
Es ist dann auch interessant zu sehen, wie die religiösen Rahmenbedingungen bestimmte Handlungen von den Figuren nahezu erzwingen. Auch spannend ist immer die Frage, ob die Figuren glauben. Wirklich fest glauben, dass die Religion auch wirklich die Wahrheit ist. Der Frage hab ich mich auch schon gestellt, weil in der Geschichte Dinge passieren, die dem entgegen wirken.
Meine Religionen sind immer so real wie möglich, gleich wie einschränkend oder merkwürdig, meine Figuren glauben oder nicht, aber die Religion als Teil der Gesellschaft ist wichtig.

Geschichten, in denen ich Religionen mit verwendet habe: in einem Fantasy-RPG waren die meisten Hauptfiguren kabbalistische Götter, die ein Ritual vorbereitet haben, das die Welt in ihrer Verfassung retten sollte. In diesem Ritual haben sie ihre neue Mitte gewählt. In dieser Geschichte, die ich mit einer Freundin als RPG geschrieben habe, haben wir die kabbalistischen Seraphim mit römischen, griechischen, indischen und christlichen Heiligenfiguren und Göttern verbunden und verglichen, zum Teil war eine Figur die Inkarnation vieler Götter zugleich, die Verbindungen waren erstaunlich. Bei der Recherche für diese Geschichte hab ich oft stundenlang die Göttersagen aus verschiedenen Ländern gelesen. Spannende Lektüre.

Meine Religionen, soweit sie mir gerade einfallen:
Ich habe eine Fantasy-Welt, in der große Drachen mit starker Magie einen Gottcharakter haben. Sie bekämpfen sich um Land und bestimmte Personen, indem sie mit Magie ausgerüstete kleinere Drachen, sogenannte Boten aussenden. Den Willen dieser Götter setzen außerdem noch die von ihnen selbst gewählten und mit Insignien der Macht ausgezeichneten Magier durch. Jeder Magier hat dabei einen Bereich abzudecken, erhält von den Drachen die Kraft dazu, aber muss auch dem Willen des Drachen dienen. In derselben Welt gibt es eine weitere Gesellschaft, die den Elementen Wind, Feuer, Erde, ect. sowie den sieben Monden der Welt mit zugeordneten Priestern dienen. Diese Gesellschaft ist den Gesetzen des Glaubens sehr ergeben, in Tempeln, die bei Neuaufbau einer Stadt auch zuerst aufgebaut werden, wird nahezu täglich ein Ritual durchgeführt. Ein drittes Volk derselben Welt glaubt an eine natürliche Kraft, die den Weg durch das Leben lenkt. Dieses Volk glaubt an ein Weiterleben nach dem Tode, dass in einem Wald abläuft, der im Prinzip die Fortsetzung des wirklichen Lebens ist, nur freier, leichter und für ewig.

In einer Geschichte (auch rpg) haben Pandorah und ich eine Gesellschaft erfunden, die aus starken, sehr macho eingestellten Frauen und schwachen, sehr rechtlosen Männern bestand. Diese Gesellschaft wurde nahezu vollkommen bestimmt von einem Kaleidoskop von Göttinnen, deren Regierungszeit von ungefähr einer Woche sich im Wechsel in den Alltag einmischte, weil jede Göttin die Farbe der Kleidung, den Tempel, der aufzusuchen, die Speisen, die zu essen und die Handlungen, die zu unterlassen waren bestimmt hat. In einigen Wochen darf z.B. nicht gelacht, getanzt werden, in anderen ist das Feiern wilder Parties mit Lachen, Tanzen und Sex nahezu ein Muss, um der Göttin zu gefallen. Blumen spielen in diesem Zusammenhang auch eine sehr große Rolle. Diese Religion hat sich in so ziemlich jeden noch so kleinen Teil des Lebens eingemischt.

In einer Geschichte (Fantasy / rpg) haben auch Pandorah und ich eine Gesellschaft erfunden, die Menschen als Sklaven auf ihren Planeten entführt. Ihre Religion war auf die regierenden Prinzen ausgerichtet. Die Gebete, Tempel und Gesetze waren für die Normalbevölkerung vollkommen irrelevant. Die Religion hatte rein spirituellen Charakter und diente den Priestern in den abgelegenen Tempeln der Erleuchtung. Es gab diese Tempel für das gemeine Volk nur als eine Art Ort, um Rat zu bekommen. In ihnen war auch immer die Bibliothek der jeweiligen Stadt, damit Wissensdurst gestillt wurde.
Die entführten Menschen hatten in diesem Szenario ebenfalls keinerlei Religion sondern den Glauben an die eigene Tatkraft, aber es spielte im weiteren auch kaum eine Rolle.

In dem letzten Beispiel (versprochen) hab ich ein Volk den eigenen Planeten als 'Mutter-Göttin' verehren lassen. Ihr Wille, durch Vulkanausbrüche, Stürme auf dem Meer oder Erdbeben, wurde befolgt, indem man sich davon auf dem Weg lenken ließ, der die meisten des Volkes auf Suche nach dem Partner über den Planeten führte. Außerdem waren die Personen dieses Volkes sehr zurückgelehnt, komplett nicht materialistisch eingestellt. Geld oder Macht spielen dort gar keine Rolle.

Romy

Zitat von: Moni am 19. September 2014, 16:12:35
Wie immer, wenn ich solche Threads lese, muß ich schuldbewusst an mein unfertiges Essay zum Thema Götter in der Fantasy denken und daran, dass ich das endlich mal schreiben sollte.  :versteck: Gerade das Thema Monotheismus vs Polytheismus ist ja durchaus spannend und man kann seitenweise darüber schreiben...
Ja Moni, ich erinnere mich, dass wir schon vor Jahren über das Thema gesprochen haben und Du mir sogar Deine Notizen zu Deinem Essay gezeigt hast. ;) Ursprünglich hatte ich ja auch mal meine Diplomarbeit über Religion in der Fantasy schreiben wollen, habe es dann aber wieder (zugunsten eines anderen Fantasythemas) verworfen, weil es einfach ein ziemlich weites Feld ist. ::)


@ Johannes: Die Idee klingt für mich ziemlich genial. Warum hast Du das nie geschrieben? :)

Barty Blankschädel

Ja, die Religionen...

Religionen sind ein wichtiger, fester Bestandteil in den meisten Fantasyromanen, denn Religion ist überall da, wo es keine oder kaum Wissenschaften gibt, besonders stark vertreten. Wer nicht durch Fakten beweisen kann muss nun mal Glauben. Ich denke zumindestens, ein Fantasy - Roman muss zwangsläufig auch eine Religion beinhalten, etwas in das die Leute der meist mittelallterlichen Szenarien ihre Hoffnungen legen können.

In Phalecrath, meiner Welt, spielt Religion eine wichtige Rolle. Es herrscht der ryukanische Glaube, der den Lehren eines sagenhaften Wanderpredigers entsprungen ist. Des heiligen Ryukani um genau zu sein. Das war vor fast 1800 Jahren, als die Welt von Jahrhunderten - andauernden, schweren Kriegen gezeichnet war und die Herrschaft der Drachenregenten beendet war. Die Drachenregenten benutzten ein übermaß an Nawa - der göttlichen Magie, die allen Wesen innewohnt. Zusätzlich durch die Drachen verstärkt, die sie unterjochten und kontrollierten, besaßen sie ungeheure Macht. Und die war auf Dauer nicht gut für meine Welt. Sie wurden Größenwahnsinnig und legten Städte und Dörfer in Flammen und versklavten sogar die Drachen. Da tauchte eine Gruppe mutiger Rebellen auf, die sich dieser Herrschaft widersetzten. Ich will nicht ausschweifen, jedenfalls waren am Ende die Drachenregenten besiegt worden und einer der Rebellen wurde als Melgascar I der erste zentrale König in Phalecrath. Ryukani war ebenfalls unter den Rebellen und ein guter Freund des Königs. Er lehrte der damaligen Bevölkerung den gemäßigten Umgang mit der Nawa und das Leben im Einklang mit der Natur. Diese, neue Einstellung zur Nawa brachte endlich Frieden. Dies war der Ursprung des ryukanischen Glaubens.

Der Glaube besagt außerdem, das wie schon erwähnt in jedem Wesen die Nawa innewohnt - die göttliche Magie. Ursprung dieser Nawa und Ursprung der ganzen Welt sind dem ryukanischen Glauben nach die Sieben Erhabenen und Crathon, das Sein. Crathon schuf einst die sieben Erhabenen und diese schufen dann die Welt...
Dieser Glaube wird in meiner Welt schon sehr ernst genommen und ist den meisten Bewohnern bewusst, er wird ihnen quasi mit in die Wiege gelegt. Ja, fast jede Stadt hat einen Nawa- Tempel, in dem ein Teil der Nawa eines jeden, in einer Gebetsprozedur, in einem heiligen Stein - den Kalei - Steinen, abgelegt werden kann. Als Opfergabe der Götter sozusagen. Außerdem ist es möglich, mit Nawa den Kontakt zu Tieren aufzubauen, die Elemente zu beherrschen und sogar in Verbindung mit den Halbgöttern, den Mycrea, zu treten.
Dennoch gibt es auch eine politische Struktur, eine Königin, Fürsten und Herrschaftshäuser die ihre Macht und Titel nicht aus der Religion schöpfen. Dennoch ist sie gegenwärtig. Aber in den letzten Jahrzehnten keimten innerhalb meiner Welt auch erste Zweifel auf, einige wenige Skeptiker stellen mittlerweile sogar diesen uralten, vorbildlichen Glauben in Frage.

Wichtig ist, dass die Religion eine gute Hintergrundgeschichte hat. Man sollte sich ihrer Wurzeln stets bewusst sein. Es sollte gute Argumente geben, warum sich die entsprechenden Völker dazu entschlossen haben, diesen Weg des Glaubens einzuschreiten. Man sollte sich das immer gedanklich durchspielen - würde ich dieser Religion beitreten? Könnten sie Argumente vorlegen um mich zu überreden? Würde ich mich selbst näher damit beschäftigen um mehr darüber zu erfahren?

Inspiriert hat mich vor allem der alte Glaube der Germanen. Mochten sie auch einst von den Römern wie Cesar oder Tacitus als Barbaren dargestellt worden sein, oder mochten christliche Herrscher wie Karl der Große auch die Germanen als wilde Heiden sehen, als "gottlose" Primitivlinge, so stellt sich das Bild des germanischen Glaubens doch als sehr differenziert und nach heutigem Sinne fortschrittlich heraus, wenn man sich damit näher beschäftigt.

Die Germanen waren sehr gastfreundlich, so verlangte es ihr Glaube. Sie hatten großen Respekt gegenüber der Natur und allen Lebewesen. Sie vereehrten Bäume und fällten sie nur in Notfällen. Und sie hatten viele Götter. Wodan, Donar, Tiwaz und Frija, die Wanen und wie sie alle heißen. Und dann die Sagen der Götterdämmerung... All das hat mich sehr inspiriert. Hat mich bewegt.


Shedzyala

Ich finde Religion auch immer sehr wichtig und es fühlt sich für mich schlicht falsch an, wenn ich eine Geschichte in einer Welt lese, in der sich nie ein religiöses System entwickelt hat. Allerdings arbeite ich die Religion meiner Welten immer erst am Schluss ist. Denn erst wenn ich meine Welt mit ihren Kriegen, der Landschaft und den Einwohnern kenne, kann ich mir Gedanken machen, welche Art von Glauben sich wohl bei dieser Voraussetzung entwickelt hat.

Auch schätze ich sehr den Polytheismus, allerdings eher am Hinduismus statt am griechisch-römischen Götterbild orientiert. Ein Pantheon ist meist chaotisch, die Menschen (Elfen, Zwerge ...) können sich vielleicht auf eine Handvoll relevanter Götter einigen, aber dazu gibt es eine Vielzahl von Haus- und Dorfgottheiten. Auch verbinden verschiedene Menschen mit derselben Gottheit verschiedene Eigenschaften. Ich mag dieses ungenaue einfach lieber.

Womit ich bisher Probleme habe, sind religiöse Widersprüche. Eigentlich gehört es zu einer Religion dazu, dass es auch widersprüchliche Aussagen gibt, die von den Gläubigen aber hingenommen werden. Ein Stück weit sucht man sich eben doch aus, woran man glauben will. Nur habe ich Angst, dass mir die Leser solche Widersprüche als unlogische Fehler auslegen, die ich wohl beim Ausarbeiten übersehen habe. Deshalb hab ich mich bisher davor gesträubt, meinen Religionen ihre kleinen Fehler zuzugestehen.
Wenn sie dich hängen wollen, bitte um ein Glas Wasser. Man weiß nie, was passiert, ehe sie es bringen ...
– Andrzej Sapkowski, Die Dame vom See

Lothen

Zitat von: Shedzyala am 23. Februar 2015, 21:07:42Womit ich bisher Probleme habe, sind religiöse Widersprüche. Eigentlich gehört es zu einer Religion dazu, dass es auch widersprüchliche Aussagen gibt, die von den Gläubigen aber hingenommen werden. Ein Stück weit sucht man sich eben doch aus, woran man glauben will. Nur habe ich Angst, dass mir die Leser solche Widersprüche als unlogische Fehler auslegen, die ich wohl beim Ausarbeiten übersehen habe. Deshalb hab ich mich bisher davor gesträubt, meinen Religionen ihre kleinen Fehler zuzugestehen.
Das ist, glaube ich, ein ziemlich häufiges Problem, nicht nur bei Religion. Auch Charaktere oder Geschichtsschreibung können gewollt widersprüchlich sein und es liegt am Autor, dem Leser nahezubringen, dass das gewollt ist und nicht an schlampiger Arbeitsweise liegt.

Ich denke, solche Widersprüche sollte man idealerweise einfach thematisieren - dann merkt vermutlich auch der Leser, dass es beabsichtigt ist.

Guddy

Mir ist bei anderen Romanen wichtig, dass die Religion gewachsen ist - entweder aus sich selbst heraus, an anderen Religionen entlang gehangelt oder vielleicht auch als bewusstes Gegenstück entworfen.
Dabei mag ich auch Widersprüche, Ungereimtheiten und Vorstellungen, aus denen die jeweilige Kultur eigentlich bereits entwachsen ist.


Generell existieren die Götter etc. in meiner Welt allerdings wirklich und existieren nebeneinander her. Man weiß nicht alles, manches Volk hat auch Fehlinformationen in seinen Glauben integriert. Bei dem Glauben geht es nicht um das "Warum wurde die Welt erschaffen/Warum scheint die Sonne/Warum dies und das?", sondern primär um das Leben danach. Wo geht man hin, wenn man stirbt? Was hat das leben an sich für einen Sinn?

Die unterschiedlichen Völker haben Unterschiedliches erlebt, Begebenheiten aus prähistorischen Zeitenanders interpretiert usw., sodass es trotz alledem nicht "den" Glauben gibt - und dass es Sekten, Kulte, "nette" und "weniger nette" Gottheiten gibt, ist natürlich obligatorisch.