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Was macht das Lebens des Protas so besonders? [Erledigt]

Begonnen von Mera, 30. August 2022, 14:59:30

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Mera

Zitat von: Skalde am 30. August 2022, 18:32:27Hm, ich finde, hier wird teilweise zu sehr aus unserem gesellschaftlichen / kulturellen Hintergrund auf diese Frage geschaut.

Jaaa, danke. Allein das nimmt mir gerade wirklich viel Druck!

Zitat von: Skalde am 30. August 2022, 18:32:27So wie ich Dich verstehe, wissen die Menschen, dass sie immer wiedergeboren werden, bis zu ihrem letzten Zyklus, oder? Sie wissen nur nicht, dass sie nach ihrem letzten Zyklus zu Göttern werden ... Verstehe ich das richtig?

Die Menschen in dieser Zeit wissen dass sie einen erneuten Zyklus durchlaufen werden. Nur eben nicht, dass sie im letzten Zyklus so richtig auf die Probe gestellt werden.
Ihr Glaube besteht daraus, dass die Mutter, die Schöpferin von allem, Sternenstaub sammelt, sie formt und ihnen Leben einhaucht, um sie danach in einen Körper zu schicken.
Noch mehr Lore, falls das wen interessiert:
Sorry but you are not allowed to view spoiler contents.


Zitat von: Skalde am 30. August 2022, 18:32:27D.h. ich würde mich entsprechend erst einmal fragen, was der Tod für diese fiktive Kultur für einen Stellenwert hat? Sogesehen müsste doch jeder Tod, theoretisch, als etwas Gutes angesehen werden, da er einen dem letzten Zyklus näherbringt oder gar die Erlösung bedeutet?

Der Tod ist in dieser Kultur tatsächlich nur das Ende eines Weges. Die Götter verurteilen auch Selbstmord nicht. Im Endeffekt steht es jeder Seele frei, diese Entscheidung zu treffen.
Was die Götter aber beurteilen, sind die Gründe für das Handeln einer alten Seele.

Wenn Cylis einen Mord mit der Begründung begeht, dass ihm die Nase des anderen nicht gefallen hat, dann würde ihn das definitv zurückwerfen. Wenn allerdings eine Seele Cylis um den Tod bitten würde und er diesen dann von diesem Leben löst, wäre das eine ganz andere Sache. Dann würden die Götter das wieder als gütig betiteln, weil Cylis die Bürde auf sich genommen hat, den Weg des anderen zu beenden.

Die Götter kennen aber auch die Begriffe von Gnade und Vergebung.
Selbst wenn Cylis mal einen Fehler macht, solange er ihn zutiefst bereut, die Seele betrauert und für ein friedlicheren folgenden Weg betet, dann wird ihm das vergeben.

Kommt ihr mit?
Wenn alles einfach wäre ...

Yamuri

#16
ZitatIst das wirklich so? Sorry, aber wenn es wirklich so etwas wie geistig weiterentwickelte Wesen gibt (oder gar Götter), liegt es in der Natur der Sache, weil wir weniger weit entwickelt sind, dass wir nicht wissen können, was diese in Ordnung finden oder gut heißen. Vielleicht sind sie ja der Meinung, dass ein einzelnes Wesen überhaupt nichts wert ist und nur die Gemeinschaft zählt?

Um ein Wesen als "geistig weiterentwickelt" oder "göttlich" wahrzunehmen, brauchen wir zunächst eine Definition davon, was für uns "geistig weiterentwickelt" bedeutet. Und damit wissen wir was ein Wesen, das aus unserer Perspektive "weiterentwickelt ist" für Werte hat. Alles andere würden wir gar nicht als "weiterentwickelt" oder "göttlich" wahrnehmen.

Im Grunde kann der Mensch bei einer ihm fremden Spezies und Art ja nie wissen, was diese für gut finden und was nicht. Es stimmt also schon, dass der Mensch nicht wissen kann, aber der Mensch beurteilt ja aus seiner Perspektive. Wenn also ein Wesen bestimmte Werte hat, die ein Mensch als erstrebenswert empfindet, wird er dieses Wesen eher als ein "weiterentwickeltes" Wesen empfinden. Und das kann sich natürlich von Mensch zu Mensch auch unterscheiden, was als "göttlich" oder "weiterentwickelt" wahrgenommen wird.

Insofern war meine Aussage zu verallgemeinernd. Aber mit dem Konzept der alten Seele ist einfach verknüpft, dass diese alte Seele nach der letzten Inkarnation eine Form der moralischen Weisheit erlangt. Das ist in dem Konzept so wie ich es kenne, einfach so verankert. Daher würde es mich irritieren, wenn das einfach über den Haufen geworfen wird und ich fände es dann aus persönlichen Gründen eben nicht mehr stimmig. Ist aber meine persönliche Meinung dazu.

Der Punkt den du mit dem Tod angesprochen hast, ist aber sehr interessant.

@Mera: Ja, ich komme mit und finde deine Erläuterung dazu schlüssig. :)
"Every great dream begins with a dreamer. Always remember, you have within you the strength, the patience, and the passion to reach for the stars to change the world."
- Harriet Tubman

Skalde

Erst einmal vorweg, wow, ich finde, Du hast Dir bezüglich der Gesellschaft / Religion etc. wirklich ausführlich Gedanken gemacht - das bereichert eine Geschichte auf jeden Fall (selbst wenn das im Roman nur teilweise zur Sprache kommt).

Ich lasse jetzt mal außer Acht, was die Menschen nicht und nur die Götter wissen. Das ist für die eigentliche Frage, die du gestellt hast, in meinen Augen gerade nur zweitrangig.

Zitat von: Mera am 30. August 2022, 18:57:43Die Menschen in dieser Zeit wissen dass sie einen erneuten Zyklus durchlaufen werden. Nur eben nicht, dass sie im letzten Zyklus so richtig auf die Probe gestellt werden.
Ihr Glaube besteht daraus, dass die Mutter, die Schöpferin von allem, Sternenstaub sammelt, sie formt und ihnen Leben einhaucht, um sie danach in einen Körper zu schicken.

Wie gesagt, in diesem Fall würde sich vermutlich eine ganz andere Haltung zum Thema Tod entwickeln, als wir sie in unserer Gesellschaft einnehmen (größtenteils). Wenn der Tod nur das Ende eines Weges ist und den Menschen klar ist, dass der Weg danach mit einem neuen Leben weitergeht, wird das Leben auch nicht als so einzigartig gesehen. Es ist halt nur eins von vielen, das der Mensch durchläuft.

Insofern würde ich glauben, dass die Eltern ihren Sohn (sofern sie ihm gut gesonnen sind) auch nicht verurteilen würden. Zum einen würden sie ihn darauf hinweisen, dass er es getan hat, um zu überleben und seinen Weg zu gehen, zum anderen würden sie die anderen verstorbenen Menschen ja ihren eigenen Weg in einem neuen Leben erneut antreten. Ihr Tod wäre also weniger schlimm ... (theoretisch in ihrer Kultur)

In diesem Zusammenhang würde ich mich wirklich zuerst fragen, wie diese Gesellschaft zum Thema Tod, Mord, Kämpfen etc. steht? Ich würde auch noch einmal die Gewissensbisse des Protas überdenken? Hätte er sie wirklich so extrem? Würde er sich nicht auch mit der Vorstellung beruhigen, dass sie nicht "wirklich" gestorben sind, sondern "nur" ein neues Leben beginnen?

Ich will wie gesagt damit gar nicht in Frage stellen, dass natürlich ein Mord in meinen Augen schrecklich und nicht zu entschuldigen ist - aber die Frage im Rahmen des Romans ist ja, wie eine solche Gesellschaft, in der der Tod nicht endgültig ist, damit umgehen würde. Eher ein abstraktes Gedankenspiel, was wäre wenn ...

Zitat von: Yamuri am 30. August 2022, 18:58:54Aber mit dem Konzept der alten Seele ist einfach verknüpft, dass diese alte Seele nach der letzten Inkarnation eine Form der moralischen Weisheit erlangt. Das ist in dem Konzept so wie ich es kenne, einfach so verankert.

Ja, rein persönlich bin ich ganz bei Dir. Auch ich würde meinen, dass moralische Weisheit dahin führen würde, jegliche Form der Gewalt zu verurteilen und Liebe als oberstes "Gesetz" zu betrachten. Andererseits gehört zum Prinzip der Dualität eben neben Licht, Liebe, Kreation etc. auch Dunkelheit, Schatten, Chaos etc. So bitter das vielleicht sein mag, aber ohne das Böse kann es keine Liebe geben, ohne Leiden kein Glück u.s.w. Aber gut, das ist nun wieder ein ganz andere Diskussion, die nichts direkt mit dem eigentlichen Thema zu tun hat  ;D




Mera

Zitat von: Skalde am 30. August 2022, 19:24:09Erst einmal vorweg, wow, ich finde, Du hast Dir bezüglich der Gesellschaft / Religion etc. wirklich ausführlich Gedanken gemacht - das bereichert eine Geschichte auf jeden Fall (selbst wenn das im Roman nur teilweise zur Sprache kommt).

Erstmal danke dafür. :herzchen: ich hab mir wirklich viele Gedanken um ihre Kultur und deren Religion gemacht.

Zitat von: Skalde am 30. August 2022, 19:24:09In diesem Zusammenhang würde ich mich wirklich zuerst fragen, wie diese Gesellschaft zum Thema Tod, Mord, Kämpfen etc. steht? Ich würde auch noch einmal die Gewissensbisse des Protas überdenken? Hätte er sie wirklich so extrem? Würde er sich nicht auch mit der Vorstellung beruhigen, dass sie nicht "wirklich" gestorben sind, sondern "nur" ein neues Leben beginnen?

Er hatte erst zwei Jahre zuvor ein dämonische Feuer überlebt, wo etwa 2/3 der Bevölkerung starb und ganz zum Schluss hatte er nur eine Seele vor dem Ende in den Flammen bewahren können. Deswegen ist er da schon ein wenig angeknackst.

Mord, Tot und Kämpfe gehören zu ihrem Leben (sind mehr so Game of Thrones Zeiten) aber Cylis hat einfach das Gefühl, dass er schon zu viele Seelen verloren hat.

Und zur Geburt seiner Ziehschwester (etwa 10 Jahre vor diesem Ereignis) ist seine Ziehmutter beinahe gestorben, die nur durch den Segen der Mutter weiter am Leben festgehalten hatte und im Laufe der Jahre zu einer lebenden Leiche wurde, bis er Gevatter Tods Lieder sang, um sie von diesem Weg zu erlösen.

... ich sagte schon, dass eine alte Seele wirklich hart auf die Probe gestellt wird  :schuldig:  :darth:


Ich habe wirklich viel Input von euch bekommen und danke euch sehr.  :pompom:  Falls euch noch was einfällt, schreibt gerne, aber ich würde das Thema als Erledigt kennzeichnen. Hab über vieles nachzudenken  :idee:  :winke:

Danke nochmal!
Wenn alles einfach wäre ...