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Schamanismus - suche Literatur, Homepages, Videos,...

Begonnen von Malou, 26. Mai 2022, 08:52:51

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Malou

Hi ihr Lieben,

Ich würde gern auf euer geballtes Schwarmwissen zurückgreifen  :idee:  :flausch:

Kleine Vorgeschichte zu dieser Suchanfrage
Sorry but you are not allowed to view spoiler contents.



So, nun zum Eigentlichen :) Ich suche gute und verlässliche Quellen, um mich noch tiefer mit dem Thema "Schamanismus" zu befassen. Gelesen habe ich bereits:

Das Ziel ist es nicht, die schamanischen Konzepte eins zu eins zu übernehmen, sondern sich daran zu inspirieren. Ich möchte es mir offen lassen, manche Dinge nur in ihrer Grundidee oder gar nicht zu übernehmen und meine eigene Welt daraus zu basteln. Ich würde natürlich keineswegs den Anspruch erheben, den Schamanismus mit diesem Roman realistisch darzustellen und das auch kommunizieren. Ich würde aber sehr gerne so einige Elemente und Details mitnehmen, sodass jemand, der sich damit auskennt, das auch erkennen und sich hoffentlich daran erfreuen kann. Die beiden Bücher, die ich bereits zu Recherchezwecken gelesen habe, waren sehr spannend und lehrreich und das möchte ich auch in den Roman einfließen lassen  :vibes:


Gerne würde ich mich detaillierter zu folgenden Themen im Hinblick auf "Schamanismus" informieren:

  • Runen - solche, die beim Schamanismus, vor allem dem europäischen, Verwendung finden
  • Krafttiere / Schutztiere - welche Bedeutung hat welches Krafttier prinzipiell? Mir ist klar, dass die zugeschriebenen Eigenschaften auch kulturell verschieden sind und es auch sehr individuell sein kann, aber so ne Grundtendenz hätte ich schon gerne, die einen gewissen Sinn ergibt.
  • Die Geister der Pflanzenwelt
  • Die Bedeutung und Verwendung der Elemente im Schamanismus - Erde, Feuer, Wasser, Luft, Leere
  • Der Aufbau der Anderswelt - im nordischen Schamanismus spricht man von neun Welten, z.B. Asgard. Ich weiß aber noch nicht, ob ich damit einhergehen möchte, da es so nicht zum aktuellen Konzept passt... Vielleicht gibt es weitere Inspirationen. Die Idee mit dem Weltenbaum spricht mich beispielsweise an und passt auch
  • Feste, wichtige Daten und Jahreszeiten (z.B. Die acht Jahresfeste)
  • Der Umgang mit Sterben und dem Tod - Rituale, Totenkulte usw.
  • Thema "Besessenheit" - ich habe gelesen, darüber lernt man erst in fortgeschrittenen Seminaren etwas, was sicherlich einen sehr guten Grund hat. Ein paar Basisideen, worum es genau geht und wie man vorgeht, wären toll, wenn irgendwie machbar
  • Die Bedeutung von Sonne und Mond - Vollmond, Neumond,...
  • Ernährung
  • Rituale - Geburt, Hochzeit, Sterben, Weiteres, z.B. habe ich von einem Ritual mit Kakao gelesen...
  • Typische Mythen, Legenden und Lieder
  • Sexualität
  • Wesenheiten und Gottheiten

Besonders interessiert mich natürlich der nordische (z.B. sibirische), keltische, germanische oder sonstwie europäische Schamanismus, aber ich bin offen für weitere weltweite Quellen.

Das sind wie ihr seht sehr viele Themen, die mich weiterhin interessieren. Deswegen frage ich hier nach, ob ihr ein Buch kennt, das viele von diesen Themen zufriedenstellend abdeckt. Wenn ich mir für alles noch ein weiteres Buch kaufe, bin ich bald bettelarm  :rofl: sehr gerne nehme ich aber auch Tipps an für Homepages, auf denen man sich zuverlässig belesen kann oder auch Youtube-Videos. Ich bin da beispielsweise auf Benjamin Maier gestoßen, der mir so auf den ersten Blick ganz gut gefällt und auch sehr wissend scheint.


Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn hier jemand Tipps oder auch selbst Wissen hat, das er/sie bereitstellen möchte, gern auch über PN  :vibes:
»Ich werde dich nicht töten, Ossian von Cumhaill. Nein, ich werde zusehen, wie du lebst.«.


Fianna

#1
Huhu,

ich habe eine Bekannte gefragt, die folgende Bücher empfiehlt:


  • "Schamanismus bei den Germanen. Götter - Menschen - Tiere - Pflanzen", Thomas Höffgen, ISBN: 978-3-946425-20-5 sie kommentiert es mit "Das hier ist das beste Buch für die Fragen!")
  • "Heilung für Mutter Erde. Wie wir uns und unsere Umwelt verwandeln können.", Sandra Ingerman


Wolfson

#3
Huhu Malou,

zum Thema kann ich dir leider nur Tipps geben und Erfahrungen berichte.

Hochzeiten im Nordischen (Region nicht ganz bekannt)
Für die Hochzeit wurde ein kräftiges und Gesundes Pferd geopfert (in der Regel an Odin(oder einen seiner abertausenden Namen)) Das Blut wurde für die Zeremonie mit dem Bandschwur benutzt und das Fleisch für die Gäste zubereitet. (Während der Zeremonie) Ähnliche Rituale findet man heute noch in anderen Kulturen.

Totenkult der Wikinger und Nord
In der Regel wurden die Toten mit dem Schiff nach Valhalla geschickt - diese wurden mit Brandpfeilen angezündet - Reverenzen siehst du dazu zb bei der Nibälungen Saga und auch bei The Witcher gibt es so eine Szene im Spiel Teil 3 sehr gut dargestellt. In der Regel geht die erste Ehefrau mit auf das Boot ihres Mannes um ihn zu begleiten (verbrannte in der Regel lebändig) Gift zu nehmen gald als Verpönt unter den Nord und als Feige. Man stirbt lieber würdig in der Schalcht, auch die Frauen.
Es gibt ein Schiff auf dem Land als Grabstätte, man weiß noch nich ganz warum, die Ausgrabungen dazu laufen noch. Je größer das Boot, desso Mächtiger und Geehrter der Herrscher (auch bei einigen Kämpfern bekannt)

Schamanismus / Druidentum
Neben den Relegionen zu den Nordischen Göttern (gibt es ein schönes Buch zu - https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1054518328)
hast du auch die Natur und Geisterwelt, dazu liefert das obrige Buch noch 2 Bandbücher (gibt es auch als Pack zu kaufen)

Typische Mythen und Sagen
Emfpehlung fürs Ohr - Faun Saga, Faun Mythen und Märchen und allgemein Faun und Folk-Musik. Faun erklärt auch woher die Sagen kommen und teilen ihre Recherchen.
Ich kenne einige Bücher über Horuskope, die auch das Nordische oder indigenen Völker aufgreifen. Darin findest du dann auch deine Rune (Achtung hier! *), dein indianisches Tier, deinen Baum fürs nordische und noch vieles mehr.

Beispiel an mir: Steinboch, Affe/Ziege(Chinesisch), Schneeganz(Indigen), Kiefer(Baum), Ewaz(Rune)

* Runen
Wenn du dich darin vertiefen willst, schau dir die Literatur allein dazu an, die nur Runen an sich behandelt. Sie sind zum einen sehr allumfassend und verstreut, denn Runen als "Alphabet" bezeichneten einen Futak/Furtak (also das verwendete Alpabet) meist für einen Stamm/ eine Siedlung/ eine Region und daher existierten sehr viele davon. Runen sind eigene Studienteile geworden für Sprachwissenschaft und nordische Geschichte (und sicher noch mehr)
Ich war mal mit einem Menschen zusammen, der konnte Runen singen und tanzen (nein keine Baumschulwitze!) Deine Namensrune entspringt deiner Namensbedeutung, deine Familienrune beinhaltet alle lebenden Personen und Ahnen (wurde anscheinend nach jeder Geburt also erweitert) Diese Rune setzt sich also aus vielen anderen zusammen. Jeder Rune wird ein Klang/Tier/Geist/ Instrument usw. nachgesagt und darin spielen sie dann bei Rituellen Gesängen und Tänzen eine Bedeutung.

Wie gesagt dazu gibt es viele Bücher, ich kenne da leider nur dicke Wälzer.

Die Wichtigsten Zeiten für die Nord waren eigentlich die Sommersonnenwende und Wintersonnenwende, letzte Ernte, erste Saat und Samhaim(Totentag - heute bekannt als Halloween oder Día de Muertos (spanisch/mexinanisch)

Ich hoffe, es hilft dir ein wenig? Ich habe mein Hirn für dich mal etwas durchgefeudelt XD  :flausch:

Malinche

Zitat von: Wolfson am 27. Mai 2022, 10:57:35
Ich kenne einige Bücher über Horuskope, die auch das Nordische oder Indianische aufgreifen. Darin findest du dann auch deine Rune (Achtung hier! *), dein indianisches Tier, deinen Baum fürs nordische und noch vieles mehr.

@Wolfson: Ein Hinweis/Bitte, weil es mir hier gerade auffällt (gilt aber auch allgemein): »Indianisch« gibt es nicht.

Zum einen gehört das I-Wort zu den Begrifflichkeiten, die wir hier im Forum nicht sehen wollen – es ist aufgrund seiner Begriffsgeschichte problematisch und diskriminierend. Wenn ihr über indigene Gruppen sprecht, dann sagt bitte auch »indigen« – oder benennt konkret die Gruppe, über die ihr sprecht.

Zum anderen suggeriert der Begriff in diesem Zusammenhang eine Einheitlichkeit indigener kultureller Praxis, die es so in der Realität nicht gibt. Es gibt weltweit indigene Gruppen, daher ist der Verweis hier nicht sehr hilfreich. Wenn die Bücher nicht selbst genau eingrenzen, um welche konkreten Gruppen in welchem geographischen Raum es geht, wäre ich in Bezug auf die inhaltliche Qualität skeptisch. Ebenso, wenn es darum geht, ein Kraft- oder Seelentier nach indigenen Vorstellungen zu finden.

Ich bin im nordamerikanischen Raum nicht wirklich firm und habe daher jetzt nicht parat, bei welchen Gruppen es dieses Konzept in welcher Form gibt – ich weiß aber, dass das oft sehr spezifische, quasi heilige Vorstellungen sind, die auch mit entsprechenden Riten einhergehen, und dass es indigene Menschen mehr als kritisch sehen, wenn Weiße sich quasi aus Spaß an der Freude selbst ein »Krafttier« o.ä. zuweisen (und dabei eben auf eine indigene Praxis Bezug nehmen). Insofern wäre ich sehr, sehr vorsichtig, zur Recherche Formate zu benutzen, die mit so etwas arbeiten.

Den Día de los Muertos würde ich auch nicht 1:1 mit Samhain/Halloween gleichsetzen, auch wenn da durch die spanisch-katholischen Einflüsse seit der Eroberung natürlich europäisch tradierte Elemente reingekommen sind, aber insgesamt ist das alles schon etwas komplexer, weil da eben auch vorspanische mesoamerikanische Vorstellungen mit reinspielen.

On topic kann ich gerade auch nicht viel weiterhelfen, nur noch einmal aus kulturanthropologischer Perspektive anmerken, dass ich mit Begriff und Konzept »Schamanismus« grundsätzlich vorsichtig wäre und es sich lohnt, bei den Quellen ganz genau hinzugucken, von wem die stammen und welche Hintergründe die Leute haben (und eben auch, was sie jeweils alles unter den Begriff fassen) – also insbesondere, ob sie vor Ort/evtl. im Austausch mit Own Voices geforscht haben und/oder ethnologisches Wissen und Methodik mitbringen. Schamanismus ist generell nicht mein Fachgebiet, aber soweit ich das sehe, gibt es dazu eben auch viel vereinfachendes, esoterisch verklärendes Material, das für fundierte Recherche dann wenig Wert hat. 
»Be suspicious of the lemons.« (Roxi Horror)

Wolfson

#5
Danke für den Hinweis Malinchen, ich kanns zwar abändern, ist aber leider auch defakto, dass es so in den Büchern steht und die kommen auch aus den Esotherikbereichen von eben jenen "Professoren?"
Aber Horoskopbücher sind allgemein unterschiedlich, was eben auch mit am Selben allgemeingrund liegt, wie bei den Runen. Ich würde es mal soweit auf Nordamerikanisch umändern, aber gemeint sind glaube ich meistens die Navajos, Apachen, Sioux, Shoshonen, Hopis, Algonquin aus Amerika gemeint, wenige beziehen sich dann noch auf die Aborigines.

Das mit Samhaim war mal der Mittlere Tag (wenn wir mal die drei Tage vom Dia de Moertos betrachten) Halloween ist am Ersten Tag. Allgemein war Samhaim der "Gedenktag des Todes" zumindest war das mal die Übersetzung nach den Runen die man so halbwegs fand. Ich hatte dazu mal einen schönen Artikel in einer zeitschrift der Gothik-Szene, aber die hab ich nicht mehr in Besitz :(.
Das Dia de Moertos ist da anders, man gedenk ja der Verstorbenen und noch vielem mehr, es ist ja jeder Tag speziel ausgerichtet. Dazu kann man sich eigentlich den Film Coco- lebendiger als das Leben.

Aidan

Hallo Malou!

Ich habe mal ein Interview mit Angaangaq Angakkorsuaq gehört und mir seine Webseite gespeichert. Vielleicht findest du da ein paar interessante Informationen: https://icewisdom.com/de/ (Ich hoffe, es ist okay, dass ich den Link so reinstelle.) Er ist ein Schamane und traditioneller Heiler aus Westgrönland. Ein sehr spannender Mensch, der seinem Ruf folgt.
"Wenn du fliegen willst reicht es nicht, die Flügel auszubreiten. Du musst auch die Ketten lösen, die dich am Boden halten!"

,,NEVER loose your song! Play it. Sing it. But never stop it, because someone else is listening."

Malou

#7
Hallo ihr Lieben! Vielen Dank für eure Tipps, ich habe mir alle notiert und werde mir das mal ansehen  :wolke:

@Fianna
Das erste Buch klingt echt spannend, schade dass es kein Taschenbuch gibt, denn solche Bücher lese ich nicht gern im Kindle-Format. 16€ bei 140 Seiten ist da schon etwas happig, aber mal sehen, das Inhaltsverzeichnis spricht mich schon sehr an  :) Vom zweiten Buch "Heilung für Mutter Erde" hab ich kein Inhaltsverzeichnis gefunden und kann mir daher kein rechtes Bild davon machen. Kennst du das Inhaltsverzeichnis?

@Rhagrim
Oh da hast du aber ganz schön was auf Lager, das ist ja cool! Vor allem das erste spricht mich an, auch wenn das preislich ebenfalls etwas reinhaut und da hat man keine Möglichkeiten, eine andere Option zu wählen. Ich gucke mal, was alles zusammenkommt und suche mir dann max. 3-4 Bücher noch aus, hab ja bereits zwei und mein Geldbeutel findet, ich soll nicht übertreiben  :rofl: Die anderen setz ich mir mal auf meine Bücherliste und da kann ich dann schauen, ob ich noch etwas brauche. Den Youtube-Vortrag gucke ich mir auf jeden Fall an, Danke!

@Wolfson
Ja, das hilft, danke! Über das Thema scheinst du ja einiges zu wissen. Ich notiere mir das alles mal :) Als ich die Geistergeschichte begonnen habe, war zwar durchaus der Gedanke da, Schamanismus mit reinzunehmen, aber ich war mir bis vor Kurzem gar nicht bewusst, wie sehr der europäische / nordische Schamanismus mit Gottheiten wie Thor und Odin und Welten wie Asgard zusammenhängt. Hätt ich mir eigentlich auch denken können aber naja  :rofl: Es war überhaupt nicht geplant, ein Buch über diese nordischen Gottheiten usw. zu schreiben, meine Geisterwelt "Theia" ist anders. Das bringt mich jetzt in eine zwiegespaltene Lage. Aber je mehr Informationen ich sammele, umso eher kann ich sicher ein paar Dinge einfließen lassen, ohne dass es ein Roman über die nordische Mythologie werden muss. Denk ich zumindest. Ich muss noch drüber nachdenken, was ich jetzt mache. Danke auf jeden Fall für all deine Tipps und Infos!

@Malinche
ZitatOn topic kann ich gerade auch nicht viel weiterhelfen, nur noch einmal aus kulturanthropologischer Perspektive anmerken, dass ich mit Begriff und Konzept »Schamanismus« grundsätzlich vorsichtig wäre und es sich lohnt, bei den Quellen ganz genau hinzugucken, von wem die stammen und welche Hintergründe die Leute haben (und eben auch, was sie jeweils alles unter den Begriff fassen) – also insbesondere, ob sie vor Ort/evtl. im Austausch mit Own Voices geforscht haben und/oder ethnologisches Wissen und Methodik mitbringen. Schamanismus ist generell nicht mein Fachgebiet, aber soweit ich das sehe, gibt es dazu eben auch viel vereinfachendes, esoterisch verklärendes Material, das für fundierte Recherche dann wenig Wert hat.
Und wie genau kann man das feststellen? Wenn jemand schamanisch ausgebildet wurde und so tätig ist, reicht das nicht als guter Hintergrund? Was genau fällt für dich unter "vereinfachendes" und "esoterisch verklärendes" Material? Wenn du genaue Kenntnis darüber hast, dass viel davon im Umlauf ist, hast du sicherlich explizite Beispiele und könntest ein paar nennen? Ich frage so genau nach, weil es so allgemein leider für mich persönlich nicht hilfreich ist, nur theoretisch zu wissen, dass es draußen viel "Humbug" gibt. Das gibt es vermutlich bei allem, was man recherchieren kann. Solange man nicht genau weiß, wie man diesen Humbug erkennt, wird es schwierig. Was sind die Qualitätskriterien? Eine schamanische Ausbildung? Wenn jemand mit nordischem/europäischem Hintergrund nordischen/europäischen Schamanismus erlernt, dann ist das doch die Own Voice? Wann sind denn Europäer nicht mehr Own Voice, wenn es europäisch ist? Solange sie einen Lehrer hatten, der weiß, wovon er spricht? Muss denn dieser Lehrer unbedingt europäisch sein, um Own Voice zu sein, oder kann es auch ein Nicht-Europäer sein, der jedoch die gefragten Kenntnisse hat?
Ok ich merke, dass ich mich gerade in Verwirrung verliere. Vielleicht hast du ja ein paar weitere Anregungen dazu, das würde mich sehr freuen :)

@Herr Hazel
Dankeschön, die Seite sieht interessant aus. Es hilft ungemein, wenn ich auch verlässliche Infos aus dem Internet beziehen kann :) Grönland steht ganz weit oben auf meiner Reiseliste, da möchte ich unbedingt mal hin! Passt also perfekt  :D


Ich bin gespannt, ob es hier weitere Kenner mit ein paar Tipps gibt  :vibes:
»Ich werde dich nicht töten, Ossian von Cumhaill. Nein, ich werde zusehen, wie du lebst.«.


Anj

Ich kann wenig zu Literatur über europäischem Schamanismus beitragen, aber ganz grundsätzlich wiederholen sich meines Erachtens bestimmte Aspekte in den verschiedenen Kulturen - einfach deswegen, weil sie wirksam sind.
Als Autoren würde ich neben Harner ebenfalls Sandra Ingerman (bei Insight Timer kannst du auch einige kostenlose Talks von ihr hören und sie hat sicher auch eine informative Homepage) empfehlen und Hank Wesselman (die Nainoa-Bücher lassen sich im Zweifel auch als Fantasywerke unterhaltsam lesen^^) und auch Alberto Villoldo wäre da vielleicht zu nennen.

Um einen Einblick in eine schamanische Ausbildung zu bekommen, wäre vielleicht auch "Der Ruf der Geister" von Sonia Emilia Rainbow sehr interessant.

Wenn es dir um Aspekte der schamanischen Heiltechniken geht, kann es neben dem Bereich alternativer Heilmethoden (hier würde ich als Autor Tobias Esch empfehlen) auch interessant sein, sich mit NLP, Hypnose und Trancetechniken, Hypnotherapie, Focusing, humanistischer Psychologie, dem systemischen Ansatz, Traumatherapieformen wie Somatic Experiencing oder EMDR und der Auswirkung von musikalischen Rhythmen auf den Körper zu beschäftigen. Aber da fällt natürlich der mystisch-religiöse Aspekt des Schamanismus weg. Dennoch sind die Techniken und Wirkungen im Grunde genommen vielfach dieselben und könnten in ein eigenes System verwandelt werden.

Und auch wenn ich vermutlich damit wieder Gefahr laufe, verwarnt zu werden: Ich würde mich vom gesundem Menschenverstand leiten lassen und mir aus all den verschiedenen Dingen das für meine Welt zusammensuchen, was dafür passend ist. Sonst können wir dann in Zukunft nur noch Bücher über unsere aktuelle Lebensrealität schreiben (also vielleicht wenigstens das noch) und jegliche Magie-Konzepte und Genres der Phantastik in die Tonne kloppen, weil irgendein Aspekt eines Magie-Konzeptes immer Ähnlichkeit mit irgendeinem realen Glaubensaspekt irgendeiner realen Kultur aus irgendeiner Zeit haben wird.

Vorsichtig wäre ich bei diesem Thema allerdings auch grundlegend bei allem was ein schnelles Schamanen-Zertifikat verspricht oder den Schamanismus nur als eine Technik von vielen betrachtet, denn echter Schamanismus geht aus meiner Sicht und Erfahrung weit darüber hinaus. Und ich ganz persönlich habe in Deutschland noch niemanden getroffen, der mich wirklich überzeugt hätte echte*r Schamane*in zu sein. Daher wäre ich auch hier bei Quellen eher vorsichtig. Ich kenne allerdings durchaus einige, die erfolgreich schamanistische Techniken in der Unterstützung oder Heilung von Menschen anwenden.
"Wenn du andere Leute ansiehst, frage dich, ob du sie wirklich siehst, oder ob du nur deine Gedanken über sie siehst."
Jon Kabat-Zinn.

Malou

#9
Hallo @Anj

Vielen Dank für deine zahlreichen Tipps, ich werde mir das in Ruhe ansehen  :vibes: Homepages sind immer gut - kostet ja nix, sich da schlau zu machen  ;D

ZitatIch würde mich vom gesundem Menschenverstand leiten lassen und mir aus all den verschiedenen Dingen das für meine Welt zusammensuchen, was dafür passend ist. Sonst können wir dann in Zukunft nur noch Bücher über unsere aktuelle Lebensrealität schreiben (also vielleicht wenigstens das noch) und jegliche Magie-Konzepte und Genres der Phantastik in die Tonne kloppen, weil irgendein Aspekt eines Magie-Konzeptes immer Ähnlichkeit mit irgendeinem realen Glaubensaspekt irgendeiner realen Kultur aus irgendeiner Zeit haben wird.

Glücklicherweise habe ich durch das Forum bereits gelernt, dass es ein paar explizite No Go's zu geben scheint, auch wenn ein Teil von mir das sehr schade findet, sich nicht mit manchen Dingen befassen bzw. sie selbst (kreativ) artikulieren zu dürfen. Prinzipiell bin ich allerdings froh drum, etwas mehr über solche Dinge nachzudenken und nicht wie ein quiekender Welpe einfach ins Unglück zu stürmen  :rofl: Allerdings bin ich vom Typ her ebenfalls eher Team "grenzenlos" und eigentlich total begeistert über all die Möglichkeiten, die Fantasy bietet und was man alles an Neuem erschaffen kann, oft dann eben inspiriert von Dingen, die es bereits gibt. Daher bin ich ebenfalls sehr froh drum, solche Einschätzungen wie deine zu hören, denn als unveröffentlichte Autorin, die noch nicht lange im Pool der Autoren drin ist, weiß ich manchmal nicht mehr, wo genau ich nun welchen Fuß vorsichtig aufsetzen sollte und bin teilweise sehr verunsichert und etwas gedämpft in meiner Freude, Geschichten zu erzählen. Plötzlich sehe ich ständig irgendwelche "Fallen" und befürchte, dass man meine Welten niedermähen würde, wenn sie nicht zur Genüge dem realen Konzept entsprechen. Ja ich weiß, eigentlich ist das total dämlich. Aus diesem Grund: Danke für deine Worte :knuddel:


Ja Menschen, die alles "schnell" versprechen, sollte man grundsätzlich immer mit Vorsicht begegnen. Ein sehr wichtiger Tipp für alle, die hier mitlesen  :winke:
»Ich werde dich nicht töten, Ossian von Cumhaill. Nein, ich werde zusehen, wie du lebst.«.


Waldhex

@Malou
So wie ich die Buchempfehlungen überflogen habe, war keines zum Thema "Besessenheit" dabei. Grundsätzlich wird bei der Geistheilung Bessessenheit ja als Überlagerung der eigenen Seele durch Fremdeinflüsse definiert.
Hier könnte eventl. "Befreiungstherapie" von Robert Gruber ein paar Anhaltspunkte bieten. (ISBN 3-8334-3175-X)

Außerdem könnten folgende Bücher zu dem (Schreib-)Thema passen.
Geistführer von Ted Andrews (ISBN 978-3-442-21773-1) und
Der Weg des Schamanen von Michael Harner (ISBN 978-3-548-74182-6).


Sparks

Hallo Malou


Zitat von: Malou am 26. Mai 2022, 08:52:51noch ein bisschen schlau gemacht habe, habe ich herausgefunden, dass es durchaus nordisch und europäisch verwurzelten Schamanismus gibt, der bereits Jahrhunderte, eher sogar Jahrtausende zurückreicht und damit meines Wissens nach nicht "angeeignet" ist. Das hat mich ermutigt und nun ist die Entscheidung gefallen, dass meine Protagonistin Schamanin sein soll


Es mag nordisch und europäisch verwurzelten Schamanismus, sehr wahrscheinlich sogar, gegeben haben, aber konkret nachweisbar ist er eigentlich nicht.

Meine private Vermutung ist, das Schamanismus und Animismus halt die ersten und direkten Versuche sind, mit den Gesetzten einer Natur umzugehen, und weil es noch keine Naturwissenschaften gab, waren die damaligen Menschen auf reine Erfahrung und deren direkte Interpretation angewiesen. Und sie machten natürlich das naheligendste und personalisierten dieses unbekannten Gesetzmäßigkeiten in Form von Geistern.
Das ist eigentlich nichts anderes, als das wir heute immer noch machen: Wir projezieren uns selber bzw. unsere Vorstellung von uns selber auf unsere Gottesvorstellungen.

Ich gehe einmal davon aus, das die Methoden, die Schamanen verwendetn, überall auf der Welt ähnlich sind. Man versucht, irgendwie diese Mächte zu beeinflussen, in dem man mit ihnen Kommuniziert, so wie man auch versuchen würde, mit einem menschlichen Gegner zu kommunizieren, um Probleme miteinander möglicht aufwandslos zu umgehen oder zu lösen. Gewalt ist möglicherweise sehr aufwändig, sie kann das eigene Leben kosten.

Dazu versuchen sie, sich in Trance zu versetzten, und das ist ein biologisch/neurologischer Zustand, der auch überall auf der Welt sehr ähnlich ist, weil die Menschen überall gleich sind. Man verwendet dazu externe Drogen aus dem Genuss von lokal vorhandenen Kräutern, die geschluckt oder geraucht werden, und körpereigene Substanzen, die durch exessive körperliche Belastungen (Fasten/Schwitzkuren) oder durch rythmisches Sprechen/Singen/Musizieren/Tanzen freigesetzt werden. Diese Methoden sind irgendwie alle sehr ähnlich, und nur die verfügbaren Mittel sind im Detail, je nach Klima, Vegetation und Fauna, lokal anders.

Daher kann es dort eben auch keine kulturelle Aneignung in der Methodik selber, aber sehr wohl im Stil der Methodik geben.

Daher müsstest Du, um eine Aneignung zu vermeiden, eben das verwenden, was lokal verfügbar ist, und versuchen, Dich zwar an anderen Kulturen zu orientieren, aber nicht deren Stil zu kopieren, sondern einen eigenen erfinden.

Und es gibt weitere Fallstricke. Dieser Schamanismus entwickelt sich weiter. Unterschiedliche Geister werden zusammengefasst und übergeordneten Gottheiten zugewiesen. Vermutlich spiegelt dieser Vorgang von Arbeitsteilung und Hierarchien bei Göttern auch komplexer werdende gesellschaftliche Hierarchien wieder. "Technologische" Neuerungen in der neolitischen Revulution brachten dan weitere Verwerfungen und komplexere Göttesvorstellungen*).
So sind z.B. bei Stonehenge und auch bei anderen Jungsteinzeitlichen Heiligtümern Nutzungen durch vermutlich geänderte Rituale und ein geändertes kulturelles Umfeld erkennbar.


Diese "Göttersysteme" beeinflussen sich aber auch gegenseitig. So wird vermutet, dass die mesopothamischen Göttervorstellungen sich weiterentwickelten, und die Göttervorstellungen weiter westlich in der Levante und im hellenischen und italischen Einflußbereich beeinflussten. Weiter beeinflussten diese wiederum die Kelten. Germanen und Slaven existierten damals vermutlich noch nicht, die kristalisierten sich erst später heraus. Echnaton in Ägypten "erfand" den Monotheismus, und obwohl dieser in seiner extremen Form schnell wieder ausstarb, könnte er die Wurzel dazu sein, dass in der Levante sich allmälich die Zahl der Götter wider bis zum Monotheismus verringerte.

Wieweit solche Göttersysteme, die den Schamanismus überlagerten, sich nach unten durchsetzten, und wie weit noch schamanistische Vorstellungen in der Bevölkerung verblieben, ist schwer abzuschätzen, und hängt vermutlich am Organisationsgrad und Stil des lokalen politischen Systems. Vermutlich bildete er sich sofort neu, falls er verschwunden sein sollte, und die elaborierteren religiösen Systeme aus irgendeinem Grunde nicht mehr langten oder funktionale Lücken hatten. z.B. wenn in einer stark sozial gegliederten Gesellschaft bestimmte Gruppen abgehängt wurden und sich in der aktuellen Religion nicht emotional wiederfinden.

Der neu entstandene Schamanismus wird aber wieder in seiner Methodik ähnlich allem anderen Schamanismus sein, und sich der lokalen Möglichkeiten bedienen, und sein Stil wird aber von der vorhergehenden bzw. gleichzeitig existierenden Religion inspiriert sein, und eine historische Kontinuität mit der vorhergehenden Phase wird kaum existieren. Diese Vorgänge dürften sich mit der wechselnden Geschichte der Kulturen und politischen Systeme mehrmals widerholt haben.

Daher wird auch ein germanischer/nordischer Schamanismus kein wirklich originaler sein, sondern ein Neugewächs aus den biologischen/neurologischen/psychologischen Grundlagen der Menschen und den sie beinflussenden parallel existierenden weiterentwickelten komplexeren Religionen.

Hinzu kommt, dass die Germanen und Kelten keine schriftliche Überlieferung haben. Die Kelten waren kulturell vermutlich auf eine orale Überlieferung fixiert, bei den Germanen weiss man es nicht, es ist aber anzunehmen. Falls sie etwas schriftlich niedergelegt haben sollten, ist es nicht erhalten geblieben. Wenn wir also überlieferungen von ihnen haben, so ist das immer indirekt durch Hellenen oder Römer, und später zwar durch sie selber, aber eben nicht durch Schamanen selber, sondern durch christliche Mönche, die auch nur einen eher Aussenseiterblick auf die Verhältnisse hatten.

Du bist also auf eine "Neuerschaffung" angewiesen, was mir, nach meiner oben geschilderten Vorstellung, auch keine Schande zu sein scheint, weil "normal". Was die Rituale angeht: Trommeln, Tanzen, hypnotische rythmische Gesänge, Kräuter rauchen und Rituale mit Knochen sind wohl weltweit verbreitet, eine Aneignung ist nach meiner Ansicht daher eigentlich nicht möglich.

Ein Leopardenfellumhang, Bilderbuchindiander Federkopschmuck und Malereien im Röntgenstil z.B. sind aber deutlich kulturspezifisch. Die must Du meiden oder aber scharf aufpassen, wo eine Grenze ist, die einzuhalten ist.

Was ich an Literatur dazu empfehlen würde sind die Grimmschen Märchen und die Theorien dazu. Ebenfalls Material über die allemanische Fastnacht. Da schimmern an einigen Stellen vermutlich tatsächlich alte religiöse Substrate hindurch, die aber weniger auf Schamanismus als auf früheren entwickelteren Religionen beruhen. Aber das dürfte das sein, wie Du am dichtesten an Dein Thema herankommst.
Alle direkteren Zugänge existieren nicht mehr. Aber wenn Du Dir den Schamanismus anderswo in arktischen Gegenden anschaust, und dazu die allemanische Fastnacht und Märchen wie "Frau Holle", könntest Du ein Feeling für das machbare und realistische Bekommen.


Das sind auch von mir alles nur ideen und Spekulationen aus dem Bauch heraus von angelesenem und meist lange vergessenem/im unbewussten schlummerndem Kram. Ich bin weder Kultur- noch Religionswissenschaftler oder gar Priester, sondern Elektroniker. Wenn Dir meine Ausführungen nicht weiterhelfen, so hoffe ich doch, dass sie Dich vieleicht unterhalten haben.

*) Auch Ahnenverehrung ist eigentlich schon eine Weiterentwicklung des Schamanismus. Und die hochkomplexen Vorstellungen der australischen Uhreinwohner sowieso.

Nachtrag:

Falls sich jemand auf "alte" Überlieferungen bezieht, so ist das auf jeden Fall ein Warnsignal für Unseriösität, weil diese alten Überlieferungen nicht existieren.


Bei der aktuelleren Literatur dazu musst Du schwer aufpassen, weil die Geschichte der letzten 250 Jahre macht, dass Dir viele bewusst oder unbewusst "rechtsradikalen völkischen Kram" unter die Jacke jubeln wollen.

Nützliche Links zum Gegenchecken:
https://www.psiram.com/de/index.php/Plastikschamane
https://www.psiram.com/de/index.php/Braune_Esoterik




Malou

#12
@Waldhex

Vielen Dank für deine Buchtipps! Habe ich mir alle mal notiert :) bei allen Vorschlägen, die hier kamen, muss ich dann noch schauen, welche Tipps ich schlussendlich rausfische und welche ich mir auf die "Some day"-List setze. Es gibt einfach so viel spannende Literatur  :d'oh: "Der Weg des Schamanen" von Michael Harner habe ich gelesen  :vibes:

@Sparks

Ich mag die Diskussion, die hier entsteht :)

Schamanismus in Europa?

Dass die Kelten und Germanen nicht wirklich schriftliche Überlieferungen haben (höchstens noch sekundär durch die Beobachtungen anderer Völker / Kulturen) weiß ich zum Glück mittlerweile, dank der lieben @Yamuri und nun auch durch dich bestätigt :) Ich habe u.a. Schamanismus bei den Germanen von Thomas Höffgen gelesen. Darin werden damalige Gegebenheiten, Geschichten und Mythen analysiert, die durchaus darauf hinweisen, dass es irgendeine Form von Schamanismus in Europa gegeben haben 'müsste'. So wird behauptet bzw. angeführt, warum Odin in der germanischen Mythologie als der erste Schamane gilt, der Weltenbaum, das Symbol des Schamanismus weltweit, war Teil der (mythologischen) Kultur und auch in Europa wurden einige Höhlenmalereien gefunden, die beispielsweise zoomorphe Kreaturen darstellen (eine Gestalt, die Mensch und Tier zugleich ist), was auf die Verwandlung des Schamanen in der geistigen Welt hindeutet. Ich kann natürlich nun nicht einschätzen, wie akkurat dieses und andere Werke nun tatsächlich die Quellen zusammenträgt und analysiert, aber der Autor gibt andere Quellen an und argumentiert meistens, warum ein bestimmtes Element zum Schamanismus passt oder passen könnte. So werden dort auch Figuren wie "Frau Holle" und selbst Festlichkeiten wie etwa Weihnachten (Weihnachtsbaum könnte ein Äquivalent zum Weltenbaum sein) angeführt. Die Frage ist natürlich, wie viel von den aktuellen Überlieferungen Spekulation ist, wie viel der Realität entspricht und wie viel möglicherweise aus anderen Kulturen übernommen wurde, auch damals bereits. Die Übernahme kultureller Elemente hat meines Wissens nach historisch wiederholt stattgefunden - vor allem, wenn die Kulturen / Völker sich gegenseitig denn eher wohlgesonnen waren. Zu diesem Kommentar möchte ich jedoch hinzufügen, dass ich in dieser Hinsicht weit weg von einem Experten-Status bin. Ich mag einfach die Vorstellung, dass Kulturen sich damals wahrlich gegenseitig bereichert haben könnten.

Alles in allem ergibt es meiner Ansicht nach durchaus Sinn, dass es damals Schamanismus in Europa gegeben hat. Allein aufgrund der Gegebenheit, wie weit der Schamanismus weltweit verbreitet ist. Irgendwie vermag ich es mir nur schlecht vorzustellen, dass nahezu ganz Europa sich einem derartigen Phänomen "entziehen" konnte.

Die Umsetzung im Roman

ZitatWas die Rituale angeht: Trommeln, Tanzen, hypnotische rythmische Gesänge, Kräuter rauchen und Rituale mit Knochen sind wohl weltweit verbreitet, eine Aneignung ist nach meiner Ansicht daher eigentlich nicht möglich.
Ein Leopardenfellumhang, Bilderbuchindiander Federkopschmuck und Malereien im Röntgenstil z.B. sind aber deutlich kulturspezifisch. Die musst Du meiden oder aber scharf aufpassen, wo eine Grenze ist, die einzuhalten ist.
Ängste und Unsicherheiten
Sorry but you are not allowed to view spoiler contents.


Deine Unterscheidung zwischen den Dingen, die eher als kulturelle Aneignung wahrgenommen werden könnten, empfinde ich als sehr sinnig. Ich wage zu bezweifeln, dass ich wirklich all diese Stolpersteine überwinden kann, aber ich werde natürlich weiterhin versuchen, es in meine Überlegungen einzubeziehen  :) Die Gedanken darum sind einer der Gründe, weswegen mein Roman beispielsweise in Europa, bisher im Norden, spielen wird und andere Settings schon per se ausgeschlossen sind, zumindest, was das "Hauptsetting" angeht. Es wird zusätzlich auch noch eine eigene Geisterwelt geben.

ZitatDu bist also auf eine "Neuerschaffung" angewiesen, was mir, nach meiner oben geschilderten Vorstellung, auch keine Schande zu sein scheint, weil "normal".
Genau das versuche ich. Natürlich inspiriere ich mich an Literatur, darunter nicht nur Literatur zum angeblich europäischen Schamanismus. Hier muss ich natürlich aufpassen, was ich wie einbringen könnte, aber viele Elemente ähneln sich auch einfach stark bzw. gibt es weltweit. So wie den Weltenbaum, Runen, Trommeln usw., das hast du ja auch bereits angeführt. Weltenbautechnisch baue ich zurzeit meine eigene Geisterwelt auf. Diese Geisterwelt finde ich so auf diese Weise in keiner Literatur, wenn man auch erkennen kann, dass ich mich an manchen Elementen inspiriert habe. So gibt es neben Weltenbäumen beispielsweise eine silberne Göttin, um deinen spannenden Diskurs um die Götter kurz aufzugreifen :)

ZitatFalls sich jemand auf "alte" Überlieferungen bezieht, so ist das auf jeden Fall ein Warnsignal für Unseriösität, weil diese alten Überlieferungen nicht existieren. Bei der aktuelleren Literatur dazu musst Du schwer aufpassen, weil die Geschichte der letzten 250 Jahre macht, dass Dir viele bewusst oder unbewusst "rechtsradikalen völkischen Kram" unter die Jacke jubeln wollen.
Danke für den Hinweis, ich versuche, darauf zu achten :)

ZitatWenn Dir meine Ausführungen nicht weiterhelfen, so hoffe ich doch, dass sie Dich vielleicht unterhalten haben.
Oh doch, das hat mir weitergeholfen  :knuddel: Du argumentierst meiner Ansicht nach sehr gut und auf eine Weise, die mich bestärkt und nicht tiefer in meine Unsicherheiten hinunterzieht. So habe ich das Gefühl, dass ich es schaffen könnte. Dafür danke ich dir :)

Du wärst ein spannender Betaleser. Werfe ich mal als Kompliment rein :) Keine Sorge, ich bin noch Monate entfernt von der Phase, in der ich Betaleser bräuchte  :rofl:


Grundsätzlich bin ich echt happy über all die tollen Tipps, Anmerkungen und Diskussionen hier im Thread :vibes:
»Ich werde dich nicht töten, Ossian von Cumhaill. Nein, ich werde zusehen, wie du lebst.«.


Anj

#13
Noch ein weiterer Autorentipp zum Thema europäischer Schamanismus wäre Ya'Akov Darling Khan: https://www.darlingkhan.com/
In seinen Büchern kommt unter anderem der Punkt vor, dass es in Europa im Grunde keinen direkten Linien mehr gibt und es für ihn auch darum geht, aus den Lehren aus anderen Ecken der Welt wieder eine eigene Tradition zu schaffen. Bei ihm geht es dabei allerdings auch um seine jüdischen Wurzeln. Mein Tipp wäre das Buch "Jaguar in the Body, Butterfly in the Heart"
Ich fand seine Bücher sehr interessant, allerdings ist seine Arbeit (Movement Medicine) nicht unbedingt das, was man sich so ganz typisch unter Schamanismus vorstellt (viele Aspekte seiner Ausbildung bei den Indigenen allerdings schon).
"Wenn du andere Leute ansiehst, frage dich, ob du sie wirklich siehst, oder ob du nur deine Gedanken über sie siehst."
Jon Kabat-Zinn.

Madrisa

Ich habe mich mal beruflich etwas mit "Schamanismus" auseinandergesetzt und würde Malinches kritische Anmerkungen gerne noch etwas stützen. Ich hoffe, ich steche damit jetzt nicht in ein Wespennest. "Schamanismus" ist ein meines Erachtens heikles Konzept, das Ähnlichkeiten konstruiert, wo es keine gibt. Das, was heute gängigerweise unter "Schamanismus" gezählt wird, ist eine Erfindung von europäischen Wissenschaftlern (oft männlich), die einen religionsvergleichenden Blick auf verschiedene Kulturen anwenden wollten. Das Konzept basiert auf unterschiedlichen Religionen sibirischer Kulturen, aber es wurde schnell auf alles Mögliche übertragen. Ein solcher Vergleich schert (zu) viel unter einen Kamm; die verschiedenen religiösen Ausprägungen werden nicht mehr betont. Hinzu kommen die mit diesem Begriff verbundenen Wertungen, die mal exotisierend, mal diffamierend waren (je nach Blick und je nachdem, was man betonen wollte), aber auf jeden Fall problematische Othering-Prozesse anstiessen.

Seither wurde der Terminus in den New Age und die Esoterik übertragen und dort als Eigenbegriff verwendet. Was dort aber unter "Schamanismus" verstanden wird, ist eine Neuerfindung (nicht, dass das schlecht ist, aber es hat eben nicht sehr viel mit historischen Kulturen zu tun).

Für einen Fantasy-Roman kann eine solche neue Religionsform natürlich perfekt passen und sicher viele Lesende ansprechen, aber vielleicht könnte ein anderer Begriff dafür gefunden werden, der nicht ganz so "vorbelastet" ist? Oder zumindest wäre es hilfreich, wie Malinche sagt, genau zu überlegen, welche Quellen man verwendet und diese auch kritisch zu hinterfragen. ;)