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Autor Thema: Haben die Unterhaltungsmedien nachgelassen?  (Gelesen 4538 mal)

Offline Maja

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Re: Haben die Unterhaltungsmedien nachgelassen?
« Antwort #75 am: 11. August 2021, 18:28:02 »
Ich schaue gerade "Star Trek: TNG" und muss sagen, die Unterhaltungsmedien haben sich seitdem sowas von nach vorne bewegt. In den 90ern fand ich TNG richtig gut, wenn auch nicht ganz so gut wie Babylon 5. Aber aus heutiger Sicht … uiuiui. Geht gar nicht.

Und das betrifft nicht nur solche Dinge wie Erzähltempo, Rote Fäden, und Konsistenz der Handlung (auf das meiste, was passiert, wird später nie wieder Bezug genommen, damit man jede Folge unabhängig voneinander betrachten kann - heute bauen Serienfolgen aufeinander auf, das Sehverhalten hat sich durch Streamingdienste und die Unfähigkeit, eine Folge einfach zu verpassen, komplett geändert), sondern auch den hier so oft beschworenen moralischen Zeigefinger.

Nichts, was ich heute als aktuelle Serie konsumieren kann, schiebt mir so penetrant den erhobenen Zeigefinger in den Hintern wie TNG. Das Guttümelnde dieser Serie, die moralische Überlegenheit der zukünftigen Zivilisation (Drogen? Haben wir nicht mehr nötig. Sklaven? Dunkle Vergangenheit! Wir sind Menschen, wir nehmen unseren Sendungsauftrag als Krone der Schöpfung ernst …) gepaart mit übelstem Sexismus (wir sind im 24. Jahrhundert, aber jede Frau in Führungsposition wird so erstaunt kommentiert, als wäre sie ein sprechendes Meerschweinchen, und ganz besonders eklig in der Folge "Angel One"), , Rassismus (in der Folge "Coder of Honor", ich bin dann mal kotzen gegangen), und Diversität spielt keine Rolle, so weit reichten Roddenberrys oft beschworene utopische Visionen dann doch nicht.

Klar, es gibt Schrott, es gab immer Schrott, und es wird immer Schrott geben. Aber derart blauäugige moralische Überlebenheit wird heute nicht mehr zelebriert. Heute sind Schattierungen an der Tagesordnung, und das hat dem Medium Fernsehen nur gutgetan.
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Robert Gernhardt

Offline Araluen

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Re: Haben die Unterhaltungsmedien nachgelassen?
« Antwort #76 am: 12. August 2021, 09:55:53 »
Ohja TNG war Meister darin Plotelemente wieder zu vergessen vor allem Serienkinder und aufgegabelte Crewmitglieder/Passagiere. Und der moralisch erhobene Zeigefinger ist wirklich nicht zu übersehen bei TNG. Das kriegen die Nachfolger DS9 und Voyager besser hin. Man muss Star Trek aber auch zu gute halten, dass durchaus Dinge versucht wurden. Als Kirk bei TOS die Schwarze Uhura küsste, sorgte das für einen medialen Aufschrei, der die Serie beinahe sterben ließ und die Folge durfte in  einigen Bundesstaaten nicht gesendet werden. Später bei DS9 wurde eine lesbische Beziehung angedeutet und es gab einen leidenschaftlichen Kuss zwischen zwei Frauen und wieder war das Medienspektakel darum gewaltig. Und auch bei TNG dachte ich mir jetzt immer wieder bei einigen Folgen und Themen: Durfte man das damals echt so darstellen oder hat einen dann die Gesellschaft zerfleischt?
Also ich geb dir vollkommen recht, @Maja, aus heutiger Sicht ist TNG in vielen Punkten schwer erträglich (Spaß macht mir die Serie trotzdem). Würde man TNG heute drehen, sähe es ganz anders aus, wohl eher wie "Picard". Aber zur Erstausstrahlung waren einige Folgen durchaus kontrovers.

Online Alana

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Re: Haben die Unterhaltungsmedien nachgelassen?
« Antwort #77 am: 12. August 2021, 12:33:12 »
Komisch, ich sehe das ganz anders. Ich finde, TNG ist extrem gut gealtert. Ich hab es letztes Jahr zum ersten Mal gesehen und fand unglaublich, wie aktuell die Themen sind und wie unglaublich fortschrittlich sie teilweise diskutiert wurden. Das hatte fast was unheimliches, wie gut das zu heutigen Themen und Problemen passt. Den erhobenen Zeigefinger fand ich persönlich auch nicht so störend und ich bin jemand, der das eigentlich hasst. Es ist natürlich Geschmackssache, aber da gibt es sehr viele Sachen, die deutlich schlechter gealtert sind als TNG, finde ich.
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Re: Haben die Unterhaltungsmedien nachgelassen?
« Antwort #78 am: 12. August 2021, 12:53:01 »
Star Trek war schon immer sehr fortschrittlich, aber am Vergleich zwischen TNG und Picard zeigt sich finde ich eher ein allgemeiner Wandel in unserer Weltanschauung und wie wir Geschichten erzählen. In TNG ist die Förderation eine Utopie, ein Idealbild dessen, wie wir die Gesellschaft gerne hätten. Picard regt dazu an, bestehende Systeme und Regeln zu hinterfragen. Auch die Förderation macht Fehler und ist nicht immer so gerecht, wie wir es gerne hätten. Das passt finde ich mehr zum aktuellen Klima.

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Re: Haben die Unterhaltungsmedien nachgelassen?
« Antwort #79 am: 12. August 2021, 13:25:19 »
Da stimme ich dir zu, aber das meine ich auch nicht. Das ist ja bei TNG nur Framework. Aber die einzelnen Folgen sind teilweise so on point aktuell, dass es gruselig ist.

Dass ich grundsätzlich der Meinung bin, dass die Industrie eher große Fortschritte gemacht hat und keine Rückschritte, habe ich ja vorn schon geschrieben. Natürlich ist TNG nichts, was man filmisch heute noch so umsetzen würde.
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