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eBook - Der falsche Weg für die Verlage?

Begonnen von Kaeptn, 07. Oktober 2010, 08:30:51

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treogen

Zitat von: Lomax am 04. März 2011, 22:46:58
Da kann ich derzeit also überhaupt nicht verstehen, dass gerade die kleinen Verlage, die eigentlich beweglicher sein sollten als die großen "Schlachtschiffe", diese historische Chance eines neuen Marktes so zögerlich annehmen.

Weil so mancher Autor - das ist ein Punkt, den ich oben nicht aufgeführt habe - ebenfalls Angst oder zumindest Unsicherheiten bei dem Thema hat.
Ich werde es immer mal wieder angehen, aber meine Bestrebungen in der Richtung waren bisher leider auch durch Ablehnung dieses Formates durch die Autoren bzw. Herausgeber geprägt. In einem Fall war durch die Diskussion dahingehend sogar die Antho als solches gefährdet, deswegen hatte ich dann auch die EBook-Grundsatzdiskussion vorerst wieder in der Versenkung verschwinden lassen.
Aber ich bleib auf jeden Fall dran, denn auch wenn ich nicht glaube, dass der EBook-Markt den Buchmarkt das Wasser abgräbt, glaube ich, dass in 10 Jahren ein Teil der Buchkäufer zu Ebookkäufern geworden ist.
www.verlag-torsten-low.de

Phantastik vom Feinsten

Kaeptn


Maria

Danke für den Link. Ist sehr interessant. Mal sehen wie sich das noch entwickelt.


Kaeptn

So, nun wird sich wohl zeigen, was das eBook hierzulande für Chancen hat. Amazon hat Kindle-Deutschland gestartet. Es gibt übrigens viele Klassiker (Bram Stoker, Karl May, Edgar Allen Poe, Mark Twain uvm) gratis!

Und für alle die darüber nachdenken, selber ein eBook bei Amazon zu veröffentlichen:
"Passend zum Start des Kindle Direct Publishing Programms auf Amazon.de freuen wir uns auch, unseren europäischen Verlegern ab jetzt die Möglichkeit zum Empfang Ihrer Tantiemenzahlungen über elektronischen Zahlungsverkehr (EZV) anbieten zu können." Also keine Dollar-Schecks mehr.

Flafi

Meine persönliche Meinung zu eBooks ist, dass ich sie mag.

Ich habe mir vor ein paar Wochen einen Oyo geholt. Dazu drei Bücher als eBook und ich finde es klasse.
Ich habe drei Bücher und ein selbst verfasste Texte immer dabei, habe ich eines bis zum Ende gelesen, kann ich sofort mit dem nächsten beginnen, ohne drei schwere Wälzer mit mir rumschleppen zu müssen.

Und es ist mir nicht nur einmal passiert, dass ich in der U-Bahn saß, und plötzlich vor dem Problem stand, dass ich noch ne halbe Stunde fahren muss, aber nichts mehr zu Lesen habe.
Die Werbung in der bahn ist auf Dauer auch nicht sonderlich interessant.

Ich versteigere gerade einen Haufen Bücher, die bei unserem anstehenden Umzug auch geschleppt werden wollen. Der oyo ist da wesentlich praktischer.

Natürlich hat die Sache aber auch zwei Haken.

Zum einen die hier schon angesprochene Sicherheit für Verlage und Autoren. Mir scheint es, als wären eBooks noch nicht wirklich brauchbar kopiergeschützt bzw. ist dieser Kopierschutz noch etwas umständlich für den Nutzer. Ich brauche einen Account bei Thalia und bei Adobe, um die eBooks auf dem Oyo zu lesen. Und trotzdem findet man massig eBooks kostenlos zum Download, die aber nicht kostenlos sei sollten....
Wobei es dieses Problem auch schon mit normalen Bücher gibt. Eingescannte Bücher findet man wie Sand am Meer. eBooks machen es nur unnötig, sich JPEGS anzusehen.

Dann die Hardware.
Ich stand vor der Entscheidung: Hole ich mir den Kindle aus den USA, einen teureren Sony Reader oder den OYO von Thalia.
Ich entschied mich aus Bequemlichkeit und des Preises wegen für den OYO.
Er ist nicht schlecht. Aber es hat mich ein bisschen was an zeit und nerven gekostet und vor allem viel Recherche, damit er nun vernünftig läuft. Dennoch reagiert der OYO langsam.
Aus Benutzerberichten weiß ich nun, dass der Kindle da etwas mehr Power hat. Nur wollte ich den nicht extra aus den USA importieren.
Im Moment halte ich bei eBay nach einem Sony Reader Ausschau. Denn von der Hardware her, ist dieser wirklich perfekt. Ich habe ihn mal live bei Media Markt getestet und war von den Reaktionszeiten und den Kontrasten des Readers begeistert.

Aber dann wäre da noch der Akku.
Die Hersteller versprechen ja monatelange Akkulaufzeit, da die eInk Technologie ja so stromsparend ist (jede Veränderung auf dem Bildshcirm kostet einen kurzen Stromimpuls und dann bleibt das Bild so, ohne weitere Stromzufuhr).
Aber der Akku hält nur so lange, wenn man das gerät auch stets komplett abschaltet und nicht nur in den Standby Modus versetzt. Denn im Hintergrund wird der Akku sonst noch belastet, durch z.B. dass sich das gerät merkt, welche Zeichen zuletzt zu sehen waren.

Da saß ich nämlich schon doof da, und konnte das Buch nicht weiter lesen...

Es hat alles Vor- und Nachteile. Im Prinzip finde ich eBooks eine gute Sache. Sie bieten durchaus komfort. Und das lesevergnügen an einem vernünftigen, dafür ausgelegten Reader, steht dem eines Buch aus Papier in fast nichts nach.

Nur Stecken eBooks meiner Meinung noch in den Kinderschuhen. Es gibt noch viel zu lernen und zu verbessern. Aber den Trend verfluche ich keineswegs und eine Koexistenz beider Formate ist nicht mehr abzuwenden, denke ich.


Schommes

Ich hatte neulich mal dieses Thema mit einem Kollegen Autoren am Wickel, der schon so Einiges veröffentlicht hat und er sagte mir, dass obwohl seine Werke zum Teil als eBooks angeboten werden, der Anteil, der auf diesem Weg verkauft wird, verschwindend gering ist. D.h. bei einer Auflage von mehreren zehntausend wurden eBooks im unteren zweistelligen Bereich verkauft. Will sagen, vielleicht wird das Medium ja auch einfach noch nicht so von der Leserschaft angenommen. Gruß, Thomas Elbel

Kaeptn

Das liegt zum Teil aber auch an der idiotischen Preispolitik der Verlage. Natürlich kauf niemand ein eBook zum beinahe gleichen Preis wie die Printausgabe. Schließlich weiß auch der einfache Leser, dass beim eBook keine Druck- und Transportkosten anfallen und er somit abgezockt wird.
Aber auch da wird ja allmählich umgedacht...

Schommes

Hmm, wenn ich als Verlag aber von vornherein weiß, dass die verkaufte Stückzahl eher gering sein wird, werde ich natürlich wiederum die Kalkulation der speziell auf die Herstellung dieses Mediums entfallenden Kosten bei der Preisbildung entsprechend hochschrauben (müssen).

Fizz

Zitat von: Kaeptn am 22. April 2011, 12:00:14
Das liegt zum Teil aber auch an der idiotischen Preispolitik der Verlage. Natürlich kauf niemand ein eBook zum beinahe gleichen Preis wie die Printausgabe. Schließlich weiß auch der einfache Leser, dass beim eBook keine Druck- und Transportkosten anfallen und er somit abgezockt wird.

Für mich ist das Problem eher, dass es nichts greifbares ist. In Deutschland hat man noch kein Gefühl für Datenwert. Wir sind halt eher materiell ausgerichtet. Aber wenn jetzt Amazon auch in Deutschland seinen Kindle vertreibt und Smartphones immer mehr auch auf ebook ausgerichtet werden, könnte sich dass (langsam) ändern.

Isabel

#39
Auch ich bin eher materiell ausgerichtet und finde es wenig reizvoll, ein eBook für 8,99 zu erwerben, wenn ich stattdessen den gleichen Titel als gedrucktes Buch für 9,99 haben könnte. Da habe ich doch lieber was "Richtiges" in der Hand. Aber vielleicht sind das Vorbehalte, die sich in den nächsten 1-2 Jahren in Luft auflösen, sobald die Reader ausgereifter und gebräuchlicher werden? Ich denke, wie sich das Medium in naher Zukunft entwickeln wird, ist jetzt noch überhaupt nicht vorauszusehen. Zwar kann ich mir nicht vorstellen, dass das gedruckte Buch komplett verschwindet - die Haptik gehört für mich untrennbar zum Leseerlebnis - aber spätestens die nächste Generation, die mit eBooks aufwächst, wird da vielleicht ganz anders denken.

Fizz

Zitat von: Isabel am 24. April 2011, 13:07:46
Zwar kann ich mir nicht vorstellen, dass das gedruckte Buch komplett verschwindet - die Haptik gehört für mich untrennbar zum Leseerlebnis - aber spätestens die nächste Generation, die mit eBooks aufwächst, wird da wohl ganz anders denken.

Und nicht zu vergessen: der Geruch von frisch gedruckten Buchstaben... <3

Isabel

Auf jeden Fall! Und nicht nur die frisch gedruckten, auch alte Bücher riechen toll,  finde ich. :)

Maria

Ich bin auch eher der altmodische Leser, der gern sein Buch in der Hand hält.
Dennoch freut es mich sehr, dass der Kindle Store auch bei Amazon.de jetzt offen ist und Autoren ihre Werke selbst als ebooks dort verkaufen können, ohne einen Verlag zwischenschalten zu müssen.

Weiß jemand,woran sich die Preise für ein ebook orientieren? Nach der Wortzahl? Nach der Seitenzahl?


treogen

#43
Zitat von: Kaeptn am 22. April 2011, 12:00:14
Natürlich kauf niemand ein eBook zum beinahe gleichen Preis wie die Printausgabe. Schließlich weiß auch der einfache Leser, dass beim eBook keine Druck- und Transportkosten anfallen und er somit abgezockt wird.
Aber auch da wird ja allmählich umgedacht...

5 gute Gründe dafür, warum EBooks von aktuellen Büchern nicht wahnsinnig viel billiger als die Printausgabe sein können:

  • Druckkosten sind für große Verlage Peenuts - das sind 50 Cent je Stück.
  • Werbung und Lektorat müssen trotzdem gemacht werden. Und wenn Ebook-Verkäufe die Printverkäufe (teil)kannibalisieren, müssen diese Kosten nunmal auf die Ebook-Fassung mit umgelegt werden.
  • EBook-Honorare für Autoren sind eventuell höher
  • Die Margen für den Buchhandel (bis zu 55%) fallen für EBooks genauso an, wie für gedruckte Bücher.
  • Mwst für Bücher - 7 %. Mwst für EBooks - 19 %. Und das wird sich auch nicht ändern, nachdem Klagen dagegen bereits niedergeschlagen wurden.

Das Klassiker billig zu haben sind, ist klar. Für "Robinson Crusoe" ist weder Werbung zu machen, noch ist ein Lektorat fällig. Und dank abgelaufenen Urheberrechten ist auch kein Honorar mehr zu zahlen.

Fazit: Am Ende bleiben zwar weniger Produktions- und Lagerkosten an dem Verlag hängen, die Kosten für Werbung, Lektorat und Buchhandel / Barsortiment bleiben aber gleich. Dafür geht das 2,7-fache an Vater Staat, als bei der Printausgabe.

Abzocke?
Eher eine ganz normale wirtschaftliche Rechnung.
www.verlag-torsten-low.de

Phantastik vom Feinsten

Sven

ZitatMwst für Bücher - 7 %. Mwst für EBooks - 19 %. Und das wird sich auch nicht ändern, nachdem Klagen dagegen bereits niedergeschlagen wurden.

19% für EBooks? Gab es eine Begründung beim Niederschlagen?

Was aus meiner Sicht gegen EBooks spricht, ist ihr Wert. In den meisten Köpfen wird der Wert eines Kaufes nach der "Griffigkeit" beurteilt. Je größer und schwerer etwas ist, desto wertvoller ist es auch in der Regel.
Software hat in den Augen der Konsumenten einen geringen Wert. Dass man sie ohne Probleme kopieren kann, senkt den Wert noch weiter (wie gesagt: in den Köpfen der Konsumenten).
Kaufe ich ein Buch, habe ich etwas in der Hand und es stellt somit einen Wert dar. Habe ich nur ein Stück schnöde Software, habe ich nicht das Gefühl tatsächlich etwas zu besitzen. Das Internet ist doch voll mit pdf-Dateien.

Erst wenn der ideelle Wert eines EBooks steigt, wird der Markt größer werden. Man darf auch nicht vergessen, dass ein Großteil der Buchkonsumenten ein Buch als Ausstellungsstück sieht. Wer im Wohnzimmer ein Bücherregal voller Bücher stehen hat, gilt im Allgemeinen als intelligent. Wer den Reader voller EBooks hat, ist bestenfalls ein Nerd  ;D
Beste Grüße,
Sven