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Pen and Paper veröffentlichen

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Annie:
Hallo zusammen,

ich habe in letzter Zeit an einem Pen and Paper geschrieben, das nun soweit fertig ist und nur noch einen letzten Feinschliff benötigt. Ich würde es gerne veröffentlichen, bin mir aber nicht sicher wie so etwas abläuft. Auch was das Copyright angeht. Ich weiss das ist ein recht spezielles Gebiet, aber vielleicht hat jemand bereits Erfahrungen diesbezüglich gesammelt und kann mir dazu ein paar Ratschläge geben? Vor allem würde mich interessieren, welche Stellen man dazu anlaufen muss und welche Schritte dafür erforderlich sind.

Vielen Dank schon mal :)

Maja:
Hast du ein Abenteuer für ein bestehendes Pen'n'Paper-System geschrieben, ein neues Setting, oder ein komplett eigenes System geschrieben? Und in welcher Form möchtest du es veröffentlichen - online über eine Webseite oder als gedrucktes Werk?

Wenn es ein Abenteuer oder ein Setting für ein bestehendes System ist: da gilt das Urheberrecht der veröffentlichten Systeme, sprich: Die Rechte an allen Namen (Eigenschaften, Zauber, etc) liegen bei dem Verlag, der das System herausgegeben hat, und deren Autoren. Du kannst das dann selbst nicht einfach zu Geld machen. Du solltest in der Lage sein, das kostenlos auf deiner Webseite zum Download anzubieten, sicherheitshalber aber beim Verlag um Erlaubnis bitten, auch, um die entsprechenden Namen und Logos verwenden zu dürfen.

Wenn es ein komplett neues System ist: Da liegen alle Rechte bei dir. Hast du als Grundlage ein offenes, zur eigenen Bearbeitung freigegebenes System wie das D20-System (SRD) verwendet, darfst du das veröffentlichen, auch kommerziell, musst aber die Quelle aufführen. Ich weiß nicht, wie die Lizenzbedingungen zur Zeit sind, zuletzt habe ich vor 15 Jahren dafür Sachen geschrieben, und mit dem Erscheinen von D&D 4 hat sich da einiges geändert - mach dich im Zweifelsfall schlau. Sind alle Regeln, die Welt, Fähigkeiten, Zauber etc komplett von dir entwickelt: Dann darfst du damit buchstäblich alles machen.

Grundsätzlich ist es sehr schwer, Rollenspieler dazu zu bringen, ein komplett neues, fremdes System zu kaufen, das sie noch nie vorher irgendwo gespielt haben. Was ich dir in dem Fall raten würde (und gerade wegen Corona nicht so ohne weiteres möglich ist), ist, mit dem System über die Cons zu tingeln, neue Spieler anzufixen, die Grundregeln erst einmal an diese Spieler zu verteilen (als PDF, das sie sich online runterladen können) und später, wenn das Spiel eine gewisse Basis und ein paar Spieler hat, gegen Geld anzubieten. Auch mit deinem örtlichen Spieleladen lässt sich da vielleicht etwas reißen - einfach mal fragen.

Ich sehe da den deutlichen Trend bei den Spielern, sich auf ein, zwei Systeme zu konzentieren und davon echt jeden noch so obskuren Quellenband zu kaufen, aber für neue Systeme ist es schwerer geworden. Dazu haben in Deutschland zu viele Rollenspielverlage schlappgemacht - außer Ulisses Spiele (DSA) und Uhrwerk (Splittermond) fällt mir keiner mehr ein. Feder & Schwert, einst DER Verlag für neue Rollenspielsysteme in Deutschland, hat sich erst von den Rollenspielen verabschiedet und auf Romane konzentriert, ist dann insolvent gegangen, und heute komplett vom Markt verschwunden.

Neue Rollenspielabenteuer und System kostenlos anbieten ist kein Problem - nur damit Geld verdienen ist in meinben Augen ziemlich unmöglich geworden.

Mindi:
Zumindest im englischsprachigen Bereich sehe ich sehr viele (neue, eigene) Rollenspielsysteme auf Kickstarter. Viele davon sind auch erfolgreich, also erreichen mindestens ihr Kampagnenziel. Da braucht es aber nochmal andere Kompetenzen, dort Unterstützer zu finden.

Feuertraum:

--- Zitat von: Maja am 09. März 2021, 02:22:26 ---
Was ich dir in dem Fall raten würde (und gerade wegen Corona nicht so ohne weiteres möglich ist), ist, mit dem System über die Cons zu tingeln, neue Spieler anzufixen, die Grundregeln erst einmal an diese Spieler zu verteilen (als PDF, das sie sich online runterladen können) und später, wenn das Spiel eine gewisse Basis und ein paar Spieler hat, gegen Geld anzubieten.
--- Ende Zitat ---

Ich kann mich da Majas Worten anschließen: Ruhig einmal einen Schnellstarter erstellen und als PDF auf einer Webseite anbieten. Dennoch sollten Sie darauf achten, den Schnellstarter zumindest so zu konzipieren und zu schreiben, dass die (wenigen) Grundregeln und das Abenteuer im Schnellstarter keine Fragen offen lassen (leider durfte ich schon bei wenigstens zwei kommerziellen Systemen - Midgard und RuneQuest - das Gegenteil erleben).



Annie:
Danke schon mal für die vielen Tipps. Das sind ja schon mal einige Aspekte, die es zu beachten gibt. Also die Welt, Hintergrundgeschichte, Storyline und auch die Monster sind komplett selbst erdacht. Das Abenteuer habe ich so konzipiert, dass es sich auf verschiedene Regelwerke anwenden lässt. Gespielt haben wir es jetzt einmal mit dem Pathfinder Regelwerk. Ich würde es gerne kostenlos zur Verfügung stellen, möchte es aber gerne abgesichert haben, damit es nicht irgendwer anders nehmen und damit Geld machen kann. Weiss nicht, inwiefern mein "Universal-Konzept" umsetzbar ist. Falls nicht, müsste ich mir dann wirklich erstmal Gedanken darüber machen, ob ich es doch als Abenteuer für ein bestimmtes Regelwerk auslege oder ob ich mir ein eigenes dazu ausdenke. Aber da sehe ich, wie ihr auch, die Schwierigkeit sich gegen bereits bestehende zu behaupten.

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