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Autor Thema: Zeitsprünge und Flashbacks  (Gelesen 4693 mal)

DEckel

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Re: Zeitsprünge und Flashbacks
« Antwort #15 am: 18. März 2014, 11:11:26 »
Das ist genau der Punkt - Ich habe am Ende der Geschichte noch so viele Zeichen übrig :)
Das passiert mir eigentlich eher selten, aber ich brauche tatsächlich nur die Hälfte der angegebenen maximalen Zeichenzahl.
Der... Im Prinzip hast du Recht - Der Epilog ist auch nicht unbedingt nötig, aber er ist so schön geflossen und passt sich gut an die Geschichte an.
An sich würde ich ihn gerne drin lassen, aber ich möchte mich auch nicht selbst disqualifizieren :-/

Churke

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Re: Zeitsprünge und Flashbacks
« Antwort #16 am: 18. März 2014, 12:26:11 »
Wie handhabt ihr das bei Kurzgeschichten? Zeitsprünge, keine Zeitsprünge?

Die Länge einer KG entspricht in etwa dem Kapitel eines Romans. Für lange Handlungsfäden bleibt da keine Zeit.
Aber es kommt auf die Art der Geschichte an. Wenn ich Entwicklungen splotlightartig beleuchten möchte, sind Zeitsprünge recht geeignet. Und wenn du einen Epilog machen willst - warum nicht?

Offline Czara

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Re: Zeitsprünge und Flashbacks
« Antwort #17 am: 28. Oktober 2020, 19:17:08 »
*Staub abpust* Wenigstens kann ich einen "alten" Beitrag benutzen.  ;) Ich habe die Antworten zu dem Thema gelesen. Trotzdem bin ich mir unschlüssig bei meinem aktuellen Projekt. Ich habe zwei Erzählperspektiven, ich nenne sie einfachheitshalber Figur A und Figur B. Allerdings sind aus der Sicht von Figur B 25 Jahre vergangen. Figur A ist bereits tot, aber davon weiß Figur B noch nichts. Figur A und Figur sind sich nie begegnet. Genau genommen, weiß keiner von der Existenz des jeweils anderen. Trotzdem verknüpfen sich die Geschehnisse von damals.
Ich hatte überlegt mich auf Zeitreisen einzulassen. Aber das bringt ehrlich gesagt nur wieder Probleme mit sich, so dass ich das Konzept (so gut wie) verworfen habe. Dafür stehe ich jetzt vor einem neuen, mir unlösbaren Problem. Ich als Autorin habe jegliches Hintergrundwissen zu den Charakteren, der Welt und der Geschichte. Wenn ich mich versuche in die Rolle des Lesers zu versetzen, dann würde ich mich fragen, was ist in den 25 Jahren passiert? Was ist mit den Charakteren, und vor allem was ist mit der Handlung? Die Geschehnisse von damals haben Auswirkungen auf die Welt und Charakter B. Und doch würde ich mich als Leser über einen so großen Zeitsprung wundern. Anmerkung: Dem Leser ist der Zeitsprung in dem Ausmaß nicht sofort bewusst. Und wenn es keine vernünftige Erklärung gibt, dann erscheint alles noch unglaubwürdiger bzw. "zurechtgebogen". Ich hoffe mir kann einer von euch einen Tipp geben, oder einen ordentlichen Schlag mit der  :pfanne:, dann habe ich vielleicht wieder etwas mehr Durchblick.

Offline Jen

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Re: Zeitsprünge und Flashbacks
« Antwort #18 am: 28. Oktober 2020, 19:35:28 »
Liebe Czara, das klingt erst einmal sehr spannend!
Ich kann mich grob erinnern, dass ich so etwas schon einmal gelesen oder gesehen habe. Das geht allein mit einem „Charakter A, 1965“ am Beginn des Kapitels relativ simpel. Vor allem erweckt so etwas die Neugierde bei den Leser:innen. „Wie kommen die beiden Zeitfäden zusammen?“
Beim Wolkenatlas von David Mitchell (der dazugehörige Film „Cloud Atlas“ ist mein Lieblingsfilm) wird das auf zwei unterschiedliche Weisen gelöst.

Im Buch: Erste Geschichte, zweite, dritte, vierte, fünfte, sechste, fünfte, vierte, dritte, zweite, erste, Ende des Romans.
Im Film: Selbe Struktur für die erste halbe Stunde, danach wechseln die verschiedenen Geschichten ständig. Es gibt viele Verbindungen zwischen den Geschichten, meist 1-2, 2-3, 3-4 usw. und aber auch 1-6 haben eine sehr große Verbindung. Alle Protagonisten haben dasselbe Muttermal, was sie (in der Rezeption) als Wiedergeburten verbindet. Ich würde dir den Film echt ans Herz legen. Ansonsten evtl. das Buch „This Is How You Lose The Time War“, in dem sich zwei Zeitreisende begegnen.

Derart komplex wie beim Wolkenatlas muss es ja nicht werden. In „This Is...“ kommunizieren beide über Briefe, ähnlich könntest du es ja auch machen. Zeitreisende Gegenstände oder eben eine einseitige Kommunikation aus der Vergangenheit in die Zukunft, zum Beispiel über Notizbücher, Tagebücher, Briefe oder ähnliches.

Deine Handlung kann ich noch nicht so ganz nachvollziehen, tschuldigung, aber ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen.
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Trippelschritt

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Re: Zeitsprünge und Flashbacks
« Antwort #19 am: 28. Oktober 2020, 20:21:15 »
Es kommt ganz darauf an, was du willst. Wenn es nur um eine Orientierung für den Leser geht, reichen Zeitmarken. Gerne werden fiktive Kalender benutzt in solchen Fällen.
Wenn aber die Welt vom Leser erschlossen werden soll, dann brauchst du genügend Querverweise (Ball im frühen Teil hochwerfen und im späten Teil auffangen). Ob dieses Rätsel beim Leser verfängt, bleibt abzuwarten.

Liebe Grüße
Trippelschritt

Churke

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Re: Zeitsprünge und Flashbacks
« Antwort #20 am: 29. Oktober 2020, 10:52:37 »
Allerdings sind aus der Sicht von Figur B 25 Jahre vergangen.

Die Frage ist: Warum? Solche Konstruktionen sind oft nachteilig, weil der Leser dazu neigt, einen Erzählstrang zu priorisieren und den anderne las lästige Unterbrechung zu empfinden. Denn durch die Verschiebung der Zeitebene gilt nicht "zur gleichen Zeit in Mordor", sondern "vor 25 Jahren in Mordor" - womit du die Handlung kapitalweise auseinander reißt, anstatt sie voran zu treiben.

Technisch gesehen erzählt man 2 unabhängige Geschichten parallel und verschachtelt sie ineinander. Aus meiner Sicht nur dann geschickt, wenn durch die parellele Erzählung nach und nach Bezüge hervortreten, die man dem Leser nicht sofort auf die Nase binden will.

Wenn ich mich versuche in die Rolle des Lesers zu versetzen, dann würde ich mich fragen, was ist in den 25 Jahren passiert? Was ist mit den Charakteren, und vor allem was ist mit der Handlung?

Wenn dein Aufbau sinnvoll ist, dürften sich die Fragen nicht stellen.
 

Offline Aphelion

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Re: Zeitsprünge und Flashbacks
« Antwort #21 am: 30. Oktober 2020, 16:00:55 »
@Czara
Sobald du eine Struktur hast, die nicht linear ist, gehst du immer das Risiko ein, dass manche Menschen die Struktur nicht verstehen. Dasselbe Problem hast du, überspitzt ausgedrückt, bei jeder Abweichung vom 0815-Schema. Das ist einfach so. Die Konsequenz sollte aber nicht sein, solche Geschichten nicht zu schreiben. :)

Zitat
Wenn ich mich versuche in die Rolle des Lesers zu versetzen, dann würde ich mich fragen, was ist in den 25 Jahren passiert?
Die Frage stelle ich mir beim Lesen quasi nie - beziehungsweise nicht so, wie du es anzunehmen scheinst. Wenn die Geschichte nicht erwähnt, was in der Zwischenzeit geschehen ist, dann gehe ich davon aus, dass es für die Geschichte halt nicht wichtig ist. Irgendwas passiert ja immer, aber Geschichten reduzieren zwangsläufig Informationen. Du beschreibst ja auch nicht jedes Blatt an einem Baum und zählst auf, wie viele Blätter angefressen sind und wo sich ein Kratzer im Ast befindet - außer, es ist wirklich wichtig. :)

Ich halte es für einen (saublöden) aktuellen Trend, jedes Fitzelchen erklären zu wollen. Viele Leser, Filmzuschauer usw. mögen das überhaupt nicht. In meinen Augen steckt dahinter ein fundamentales Missverständnis: Wenn Fans sich Gedanken über die "Lücken" in einer Geschichte machen, dann wollen sie eben NICHT, dass die Lücken vom Autor erklärt werden. Es geht um das Spekulieren als solches, nicht um definitive Antworten. Wenn jedes Randdetail erklärt wird, hat die Fantasie nichts mehr zu tun. Als Autoren sollten wir das nicht anstreben. In keinem Genre.

Die Geschichte darf keine funktionellen Lücken aufweisen, aber sie sollte nicht versuchen, absolut alles restlos zu berichten. Das bremst nicht nur die Fantasie des Lesers, sondern stört auch den Fokus der Geschichte.

Wenn in den 25 Jahren etwas Wichtiges geschehen ist, dann lass es in den Text einfließen. Sorry, wenn das so banal klingt - aber manchmal sieht man beim Schreiben ja den Wald vor lauter Bäumen nicht.  :hmmm: Wenn du nur eine Zeitebene hättest, dann würdest du wichtige Infos ja auch hin und wieder einfließen lassen. Das ist nicht automatisch Infodump, falls du das befürchtest.

Zitat
Was ist mit den Charakteren, und vor allem was ist mit der Handlung? Die Geschehnisse von damals haben Auswirkungen auf die Welt und Charakter B.
Siehe vorheriger Absatz. Abgesehen davon: Als Leserin ist mir wichtig, dass mir jeder Abschnitt der Geschichte etwas bietet, das auch für sich genommen wert ist, erzählt zu werden.

Das "Außeneinanderreißen" (wie Churke es nennt) kann die Spannung auch erhöhen. Es ist ein Stilmittel, das per se weder gut noch schlecht ist - du musst es "nur" so anwenden, dass es die Wirkung erzielt, die du im Sinn hast.

Zitat
Und doch würde ich mich als Leser über einen so großen Zeitsprung wundern. Anmerkung: Dem Leser ist der Zeitsprung in dem Ausmaß nicht sofort bewusst. Und wenn es keine vernünftige Erklärung gibt, dann erscheint alles noch unglaubwürdiger bzw. "zurechtgebogen".
Das Aha-Erlebnis beim Lesen macht den Reiz solcher Erzählstrukturen aus. Das ist keine Schwäche, sondern eine Stärke.

Falls eine Geschichte zurechtgebogen wirkt, dann liegt das daran, dass die Teile noch nicht gut genug zusammenpassen. Oder du machst dir unnötig viele Gedanken. ;)

Du hast in Erzählungen immer mehrere Schichten. Ich vergesse immer wieder die beiden Fachbegriffe aber die kann vielleicht jemand anderes ergänzen: Das Eine ist der Inhalt der Erzählung, also die Realität der Figuren. Das Andere ist die Erzählebene an sich.

Du kannst als Autorin eine bestimmte Erzählstruktur frei wählen, ohne dafür in der Realität der Figuren eine Erklärung zu liefern. Das hat nichts mit "zurechtbiegen" zu tun, das ist eine stilistische Entscheidung. Diese Entscheidung sollte zum Erzählten passen - aber sie braucht keine explizite "vernünftige Erklärung" wie Zeitreisen auf der Inhalts-Ebene.

Offline Phlox

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Re: Zeitsprünge und Flashbacks
« Antwort #22 am: 05. November 2020, 10:52:08 »
@Czara
Ich halte es für einen (saublöden) aktuellen Trend, jedes Fitzelchen erklären zu wollen.
Ich mag das auch nicht so, aber ich glaube, es ist eher ein bestimmter Stil als ein Trend, jedenfalls ist mir das schon früher aufgefallen, vor allem bei Krimis: Opfer, Täter, Kommissarin, Kind der Kommissarin - alle bekommen abwechselnd Erzählperspektive, und es wird alles ausgewalzt, was sie an Gefühlen und Gedanken so haben... Die Romane von Deborah Crombie sind da ein gutes  Beispiel. Manche davon les ich trotzdem ganz gern, wenn Crombie es dennoch schafft, einen Spannungsbogen zu halten und einem die Figuren nahe zu bringen. Aber das hinzukriegen, ist womöglich noch schwieriger als "Mut zur Lücke"!  :)
@Czara
Du hast in Erzählungen immer mehrere Schichten. Ich vergesse immer wieder die beiden Fachbegriffe aber die kann vielleicht jemand anderes ergänzen: Das Eine ist der Inhalt der Erzählung, also die Realität der Figuren. Das Andere ist die Erzählebene an sich.
Heißt das nicht genauso? Ich habe hier ein Buch zur "Erzähltextanalyse", da steht es so drin: Erzähltes Geschehen/erzählte Welt <=> Erzählvorgang <=>Erzählkonzept <=>usw. (ganz am Ende taucht dann mal der "Autor als historische Person" auf). 
     

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