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Leanpub und frühe Veröffentlichung

Begonnen von Deven, 01. Dezember 2022, 11:35:48

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Deven

Hallo allerseits!
Ich bin gerade auf etwas gestoßen, das mein Herz höher schlagen und mich hoffen lässt. Dazu gibt es zwei Links, die ich euch hier mit reinstellen werde.

Die Fakten:
Es gibt eine Plattform auf der man unvollendete Bücher in Form von E-Books veröffentlichen kann. Man gibt einen Mindestkaufpreis, einen empfohlenen und einen Höchstkaufpreis an und jeder, der das Buch lesen will, kann es für schmales Geld erstehen und bekommt die Neuerungen dann als Updates dazu.

Was haltet ihr davon? Ich finde persönlich, dass es ein sehr spannendes Konzept ist und ich, der ich wirklich WIRKLICH damit kämpfe mal etwas fertig zu bringen und der ich hier Bücher mit 10-60k Worten auf meiner Platte rumfliegen habe würde davon glaube ich profitieren. Gerade was meine große Buchreihe angeht würde es ja schon reichen, wenn ein Teil davon dort erfolgreich wird und ich beim Rest den Preis dann erhöhen kann.

Ich freue mich darauf von euren Ansichten zu hören!  :winke:

https://swizec.com/blog/i-made-dollar730-by-selling-an-unfinished-book-for-3-days/

https://leanpub.com/
Books serve to show a man that those original thoughts of his aren't very new after all.
- Abraham Lincoln

Wildfee

Puhh...ich persönlich kann mir das Konzept nur für Reihen vorstellen, aber nicht für unfertige Romanprojekte. Ich bin da zu sehr Perfektionistin und schreibe selbst bei meinen KGs oft noch etwas um, wenn es von den Betaleser*innen zurückkommt. Aber wenn einem das Konzept liegt, warum nicht?

Leann

Interessant. Für mich kommt das eher nicht in Frage, denn wenn ein Roman noch nicht fertig ist, dann ist der auch noch nicht überarbeitet. Ich überarbeite ein Werk immer erst dann, wenn die Rohfassung komplett steht. Und eine Rohfassung würde ich niemals veröffentlichen. Wenn es um Bände einer Reihe bzw. Folgen einer Serie geht, würde ich die einzelnen Folgen einfach fertig direkt als SP-Buch veröffentlichen, auch wenn die Serie noch nicht komplett fertiggeschrieben ist.

Hast du schon mal in so ein hochgeladenes Werk reingeschaut? Sind das echt die Rohfassungen?

Yamuri

#3
Lies dir deren Konditionen und Vertrag erstmal genau durch, würde ich sagen. Es hört sich wirklich cool an, so auf den ersten Blick. Aber ich habe vor einem Jahr in einer Autorengruppe von FB auch mal eine Anfrage von jemandem bekommen, ob ich mich nicht auf einer Plattform aus Malaysia registrieren möchte, wo man auch Geld bekommt fürs Hochladen seiner Texte. Liest man sich dann aber deren Vertrag durch und recherchiert dazu, merkt man schnell, dass wenn man nicht grade plant ausschließlich dort zu veröffentlichen, das Ganze leider unbrauchbar ist. Ich würde das bei dem, was du hier gefunden hast, nicht gleich vermuten, aber grade bei den englischsprachigen Angeboten gibt es sehr viel und man kann dann auch plötzlich versehentlich seine Rechte verkauft haben, wodurch das Buch dann auf einmal nicht mehr woanders veröffentlicht werden darf. Daher würde ich vorsichtig sein und mir zuerst deren Konditionen usw. genau ansehen.

Edit: Ich hab' jetzt mal gezielt gesucht und Leanpub hat offenbar keine Einschränkungen. Das ist dann auf jeden Fall schon mal gut ^^

Topaz

#4
Klingt spannend. An der Webseite bin ich schon mal vorbei gekommen.

A) was @Yamuri sagt
B) Stichwort Buchpreisbindung in DE, die pay what you want unmöglich macht

Ich bin gespannt auf deinen Erfahrungsbericht.

Wirst du fiction oder non fiction veröffentlichen?
Der Beispiel Link ist ja für ein Sachbuch, soweit ich das sehe.

Maja

Der Focus von Leanpub scheint klar auf Non-Fiction zu liegen, ein Großteil der veröffentlichten Titel kommen aus der EDV-Sparte. Auch das von @Deven genannte Beispiel ist ein Buch über Programmierung, und beim Browsen der Leabpub-Seite habe ich kaum Romane finden können - das heißt, auch das Klientel, das sich auf der Seite herumtreibt, ist eher nicht auf der Suche nach Romanen. Und das Prinzip "unfertiges Buch kaufen, Updates erhalten" bietet sich für Romane nicht an. Wenn ich einen Roman kaufe, für Geld, will ich den lesen - und nicht nochmal neu lesen, nachdem der überarbeitet worden ist, oder nur ein halbes Buch bekommen, das der Autor vielleicht niemals fertigstellt, weil es auch so schon eine Unmenge fertiger, guter, überarbeiteter Romane für kleines Geld zu bekommen gibt.

Da sehe ich keinen Mehrwert für die Leserschaft. Wissen, dass der Autor mehr von meinem Geld behält? Dann kann ich dem auch gleich etwas spenden, wenn mir der so sehr am Herzen liegt. Aber als Leser ziehe ich lektorierte, gut gemachte, fertige Bücher einer unfertigen Rohfassung vor. So hätte ich eher das Gefühl, dass da ein Autor auf meine Kosten eine schnelle Mark machen will, und das erhöht meinn Sympathiefaktor nicht maßgeblich. Da fördere ich lieber jemaden auf Patreon, werde da auch mit neuen Kapiteln gefüttert, und habe das Gefühl, jemandem etwas Gutes zu tun. Und ein Problem mit Buch-Piraterie (was wohl Leanpub-Veröffentlichungen stark zu betreffen scheint) haben wir da auch nicht.

Dazu kommt: Wer auch nur mit dem Gedanken spielt, seine Bücher über Verlage zu veröffentlichen, verbaut sich mit so einem Angebot alles. Das Buch zählt damit als veröffentlicht und ist dann für die meisten Verlage komplett vom Tisch. Auch wenn man später als Selbstverleger dann die fertige Buchfassung herausbringt, sind die (piratisierten) Exemplare von Leanpub immer noch um Umlauf und können die Suchergebnisse zukleistern.

Alles in allem sieht mir das Angebot von Leanpub für deutschsprachige Romanautoren unattraktiv aus. Schreibt man hingegen auf Englisch übers Programmieren, sieht das anders aus - aber für Tizis bietet es sich meiner Ansicht nach nicht an.
Niemand hantiert gern ungesichert mit kritischen Massen.
Robert Gernhardt