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Neueste Beiträge

#1
Das Willkommensboard / MisterT: Wer keine Phantasie h...
Letzter Beitrag von Maubel - Heute um 03:29:20
Ich darf heute mal aushelfen und unser neustes Mitglied, MisterT begrüßen, der schon einiges im Schreiben ausprobiert hat und seine Phantasie nie verloren hat. Herzlich Willkommen!

Wer bist du?
Leute, die mich kennen, nennen mich MisterT. Unter diesem Nickname bin ich auch in diversen Schreibforen aktiv. Geboren wurde an einem Apriltag in der Stadt, in der auch Lessing geboren ist und seine ersten Jahre verbracht hat. Wie ihn hat es mich ebenfalls frühzeitig in die weite Welt, zunächst nach Dresden, getrieben, wo ich meine Schul- und Lehrzeit zugebracht habe. Bevor ich lesen und schreiben konnte, habe ich meine eigene Schrift entwickelt und gern Geschichten erzählt. Kaum dass ich lesen konnte, war kein Buch mehr vor mir sicher. An Phantasie hat es mir nie gemangelt. Was mir in der Schule genutzt, aber auch manchen Ärger eingehandelt hat, da es im DDR-System so eine Sache war seine Phantasie auszuleben (zu wollen), vor allem, wenn sie über Ländergrenzen hinausging. Während meiner Lehre zum Bürokaufmann hatte ich kaum Zeit zum Schreiben. Was nichts daran ändert, dass meine schreibende Leidenschaft und meine Liebe zur Literatur allgemein nie verschwunden war und ich froh bin, diese heute ausleben zu dürfen.

Was schreibst du?
Meine ersten Texte habe ich während meiner Schulzeit verfasst. Sei es für Talentwettbewerbe, Wandzeitung, Gruppenchronik, Aufsätze oder zum Spaß. Meine Ambition fürs Schreiben blieb nicht lange unbemerkt, wodurch es mir möglich war, eine Schülerzeitung mit ins Leben zu rufen und mitzugestalten. Zudem habe ich mich an einer Schreib-AG beteiligt, die von einem Heimatschriftsteller geleitet wurde, wo ich einiges über das Schreibhandwerk gelernt habe, was mir heute zugutekommt. Inzwischen habe ich einige kleinere Projekte realisiert und ein Theaterstück, was ursprünglich eine Kriminalkurzgeschichte werden sollte, geschrieben und in einer Agentur unterbringen können. Momentan arbeite ich an einem Phantasieroman für ältere Kinder und bin aktuell an der Überarbeitung, da ich mich noch dieses Jahr auf die Suche nach einer geeigneten Agentur begeben möchte.

Warum wir? Warum du?
Ich bin überzeugt, dass der Austausch und die Vernetzung mit Gleichgesinnten in der heutigen Zeit umso wichtiger ist, um sich gegenseitig mit Rat und Tat unter die Arme zu greifen. Und wo kann man dies am besten, wenn nicht in einem Forum wie den Tintenzirkel, wo viele Phantasten zusammenkommen? Ich bin sicher, dass ich ein nützliches Mitglied dieses Forums sein kann. Sei es als Testleser, Fehlersucher, Logikstopfer oder nur als jemand, der ein offenes Ohr hat und hilft, so gut er kann. Ich will aber auch selber weiter dazulernen und mich entwickeln.

Kurze Kostprobe
War dieser Basar mit seinen bunten Verkaufsständen, Gerüchen, den unzähligen Farben und Klängen, anders als alles, was Claudia bisher gesehen hatte. Schien er geradewegs aus einem ihrer Bücher entsprungen zu sein, in deren Geschichten sie sich in einsamen Nächten flüchtete und die sie für einige Stunden alles vergessen ließ.
»Letztes mal wollte ich einen Traumleser kaufen, doch den hatte sie nicht«, maulte Mia. Dabei machte sie ein Gesicht, als wenn sie in eine Zitrone gebissen hatte.
»Sicher klappt es heute«, meinte Tia, die sich ihre gute Laune nicht verderben lassen wollte.
#2
Das Willkommensboard / Re: Vesto: Heute plot' ich, mo...
Letzter Beitrag von Vesto - Heute um 02:05:49
Zitat von: Topaz am Gestern um 06:23:48Herzlich Willkommen, Vesto.

Ich wünsche dir viel Freude beim Lernen und Schreiben und ganz allgemein im Forum unterwegs sein.  :winke:

Vielen Dank @Topaz, bislang gefällt es mir hier sehr gut, auch wenn ich noch sooooo viel zum Nachlesen habe. Aber gut, man muss, denke ich nicht das gesamte Forum innerhalb von 2 Wochen nachgelesen haben - hoffe ich zumindest ;)

Zitat von: TinkersGrey am Gestern um 09:27:50Hier gibt es keine Krähen, die sich auf jemanden stürzen, um ihm/ihr die Augen auszuhacken. Du kannst alles fragen.
 :vibes:


Auch dir vielen Dank für deine nette Begrüßung, @TinkersGrey. Ich mag Krähen, wie die allermeisten Rabenvögel, ja eigentlich ganz gerne, aber stimmt schon, die Augen aushacken sollten sie einem auch nicht. ;)

Zitat von: Federstreich am Gestern um 11:52:51Herzlich willkommen! Schreiben kann heilender Balsam für die Seele sein. Einen Großteil meiner Depression bin ich jedenfalls auf diese Weise losgeworden. Würde mich freuen, wenn es dir genauso ergehen würde.

Vielen lieben Dank für die Begrüßung @Federstreich und den Mut machenden Worten. Der Gedanken, mich dem Schreiben zu widmen, hatte jetzt zunächst gar nicht die Intension gehabt, hierdurch meine psychischen Probleme lindern zu können. Sollte es trotzdem hierauf einen positiven Effekt haben, würde es mich natürlich sehr freuen, wobei ich auch eine Gefahr sehe, dass es "nach Hinten losgehen" könnte, nämlich dann, wenn mein übertriebener Perfektionismus mir wieder im Weg steht und ich mich zu schlecht fürs Schreiben halte. ::)
Darf ich dich fragen, ob dir das allgemeine Schreiben dabei geholfen hat, deine Depressionen zu bändigen, oder hast du auch ganz konkret über die Thematik geschrieben und dich so damit auseinandergesetzt?
#3
Das Sprachbastelboard / Re: Gibt es diese Wörter eigen...
Letzter Beitrag von Vesto - Heute um 01:50:04
Ich denke auch, dass die Übersetzung mit der Fuchtel am ehesten passend und verständlich ist. Unter "jemanden in die Finger bekommen" würde ich zum Beispiel wieder etwas anderes verstehen. Hierbei steht, finde ich weniger im Mittelpunkt, dass man Kontrolle über die andere Person übernehmen möchte, sondern eher, dass man sie eventuell für (negative) Taten bestrafen möchte.

Ich habe den Urspungssatz mal automatisiert zurück ins Englische übersetzt: "Yes, and I would have spent my days just making sure my mother didn't get me under her thumb!" und dies dann wiederum per Translator zurück ins Deutsche übersetzen lassen. Dabei sagt Google dann: "Ja, und ich hätte meine Tage damit verbracht, nur dafür zu sorgen, dass meine Mutter mich nicht unter ihre Fuchtel bekommt!" und DeepL: "Ja, und ich hätte meine Tage damit verbracht, dafür zu sorgen, dass meine Mutter mich nicht unter ihre Fuchtel nimmt!"

Weitere Recherchen haben anschließend ergeben, dass zumindest "unter die Fuchtel nehmen" wohl auch nicht vollkommen ungeläufig ist und ich stimme Romy völlig zu, dass auch "unter die Fuchtel bekommen" sicherlich ohne Probleme verstanden wird (vermutlich besser als die Ausgangsformulierung mit dem "unter den Daumen bekommen". 
#4
Weltenbau / Re: Der richtige Handlungsort
Letzter Beitrag von Vesto - Heute um 01:32:25
Sowohl Lewis Carroll als auch Alice Liddell lebten zu der Zeit, in der sich die beiden kannten (bzw. er hatte ja Kontakt zur gesamten Familie Liddell) in Oxford. Da die Themse auch durch Oxford verläuft, würde ich vermuten, dass diese Fahrt auf der Themse in der Oxforder Region geschehen ist, ohne jetzt konkrete Beweise dafür vorlegen zu können.
Ich denke ein grundsätzlich geschichtsträchtiger Ort wie Oxford, der ja auch schon durchaus einen recht bekannten Namen hat und trotzdem nun auch nicht zu riesig ist, würde sich für deine geplante Geschichte doch ganz gut machen?

Sollte dir Oxford selbst doch noch zu groß sein, könntest du dir natürlich auch einen Ort in der Region aussuchen, oder alternativ einen fiktiven Ort, der eben nahe Oxford liegt ausdenken, da mit der Beschreibung "nahe Oxford" relativ klar sein sollte, wo man sich befindet.

Zitat von: Hüterin der Feder am Gestern um 19:38:24Wie geht ihr in diesen Situationen vor? Wie plant ihr fiktive Dörfer oder gar Geschichten in euch völlig fremden Geschichten? Wieviel künstlerische Freiheiten sind hierbei noch erlaubt und ab wann wird es zu viel?

Da meine komplette Welt inklusive der darin vorkommenden Figuren rein fiktiv sind, habe ich dieses Problem nicht, da ich (leider und auch zum Glück) jegliche Freiheiten habe, alles frei zu erfinden. "Zum Glück", da einem so wirklich keinerlei Grenzen gesetzt sind, "leider" da ich doch merke, es anstrengend wird (oder zumindest werden kann), wenn wirklich alles von Grund auf selbst erstellt werden muss  ;)

Würde ich ein ähnliches Projekt wie deines mir vorstellen, könnte ich mir durchaus beide Optionen vorstellen. Also entweder einfach einen realen Ort verwenden oder eben einen ausgedachten, dessen Lage dann eben durch eine größere bekannte Stadt in der Nähe erklärt werden kann. Ich persönlich finde es klasse, dass du den Ort auch etwas genauer spezifizieren möchtest und eben nicht einfach sagst "irgendwo in England". Durch einen konkreten Ort (ob nun real oder fiktiv) macht die ganze Geschichte irgendwie greifbarer, wie ich finde.
#5
Das Sprachbastelboard / Re: Gibt es diese Wörter eigen...
Letzter Beitrag von Romy - Heute um 00:21:43
"Jemanden unter die Daumen bekommen" kannte ich bisher nicht, aber im Kontext kann man sich ja leicht denken, was gemeint ist.
Was ich in dem Zusammenhang als ganz gebräuchlich kenne, ist, "jemanden in die Finger bekommen". Das dürfte wohl die gleiche Bedeutung haben. :hmmm:


Bei der "Fuchtel" kenne ich bisher auch nur "unter jemandes Fuchtel stehen", aber bei "jemanden unter die Fuchtel bekommen", sehe ich es wie mit den Daumen, man weiß worum es geht.
#6
Weltenbau / Re: Der richtige Handlungsort
Letzter Beitrag von Nikki - Gestern um 23:09:30
Ich finde, du machst dir da schon ganz wichtige Gedanken, was die Ortswahl deiner Geschichte betrifft. Eine Frage würde ich mir aber noch stellen: Inwiefern ist es wichtig, dass du deine Geschichte lokalisierst?

Gewisse Genres (Regiokrimis zB.) setzen eine disktinktive, wenn nicht sogar "typische" Lokalisierung voraus, bei anderen sind sie wiederum optional. In deinem Fall Alice im Wunderland z.B. Egal, ob die Geschichte ihren Ursprung in England nimmt, wird sie dann doch so abstrus, dass sie sich in eine ganz andere Welt entrückt. Gerade, wenn du dich solcher Motive bedienst, finde ich, dass es gar keine konkrete Lokalisierung braucht, um dem Stoff gerecht zu werden. Du sagst, du assoziierst Alice mit England und Rosengärten. Was ist denn England für dich konkret? Die Landschaft? England hat mehr als nur eine Landschaft. Die Leute? England besteht aus mehr als nur einer Person. Das Essen? England hat mehr als nur eine Speise.

Was ich damit sagen will: Wenn du für dich einmal in einem Brainstorming festgehalten hast, worin der Zauber von Alice für dich besteht, kannst du diese einzelnen Aspekte ausarbeiten, ohne sie zwingend mit geographischen Orte zu verbinden. Ich bin in Geographie z.B. ganz schlecht. Wenn du nun irgendeine Ortschaft, abgesehen von London, zum Schauplatz deiner Geschichte kürst, werde ich mit dem Namen nicht viel anfangen können, vermutlich werde ich ihn sogar überlesen. Was ich aber nicht überlesen werde, sind die Ortsbeschreibungen, weil die ein Teil der Atmosphäres deines Textes sind. Ein Ortsname ist auch nur ein Wort, dem erst Bedeutung verliehen werden muss.

ZitatSpielen vielleicht euch bereits bekannte Geschichten an fiktiven Orten an der Themse, die ich daher eher meiden sollte?

Solange an jenem Ort noch keine Alice ihre Praxis entworfen hat, finde ich nicht, dass ein Ort tabu wird, nur weil eine andere Geschichte dort bereits spielt. Die Erde hat auch nur eine begrenzte Zahl an Quadratmetern.

Angenommen, du entscheidest dich jetzt wirklich für einen realen Ort und machst es dir zum Ziel, möglichst viel über die Ortschaft zu recherchieren, und möglichst viele Details in deinem Text zu verarbeiten - was ist, wenn es zu Umbauten, Abrissen etc. kommt? Das nette Café, dessen Website du eingehend studiert hast, mit dessen Eigentümer*in du sogar telefoniert hast, um Anekdoten in Erfahrung zu bringen, schließt. Stattdessen kommt ein Supermarkt hin. Leser*innen, die die genannte Ortschaft erst vor Kurzem besucht haben, kennen das Café nicht und denken, es wäre deiner Fantasie entsprungen.

ZitatDa meine Protagonistin erfolgreich mit ihrer Praxis sein möchte, sollte es wohl auch keine völlige Hinterwäldlergegend sein.

Ich sage: Du entscheidest, über welche Infrakstruktur dein Schauplatz verfügt. Weil hier England so im Mittelpunkt steht, muss ich an Mord ist ihr Hobby (Murder, she wrote) denken. Cabot Cove, das Kleindstädchen, an dem die Serie spielt, gibt es scheinbar wirklich, dennoch wurden manche Folgen scheinbar in anderen Städten mit einer anderen Flora gedreht, als Cabot Cove aufgrund seiner geographischen Lage haben sollte. Du musst nicht erst Nadelbäume einpflanzen, um sie schreiben zu können.  ;)

Wenn du dennoch konkret werden willst, gäbe es auch die Möglichkeit, englische Dörfer zu recherchieren (Inspector Barnaby bietet hier viel Augenfutter, was die Kulissen, Infrastruktur etc. betrifft) und dir einfach das Beste, was für dein Vorhaben passt, herauszupicken, um es dann zu einem stimmigen Ganzen zu vermengen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Ortswahl und -beschreibung sollte meiner Meinung nach im Text selbst stimmig sein, Abweichungen von der Realität sind (abhängig vom Genre) vernachlässigbar.

ZitatWie geht ihr in diesen Situationen vor?

Ich beantworte jetzt diese Frage, obwohl ich keine fiktiven Dörfer, dafür aber ein fiktives Wien als Handlungsort habe. Meine Urban Fantasy Serie spielt in Wien - nachdem ich lange überlegt habe, ob und wie viel "Farbe" ich bekennen will. Lange Zeit wollte ich den Handlungsort möglichst namenlos halten, weil ich um keinen Preis Angriffsfläche bieten wollte, etwas falsch darzustellen. Das Ergebnis: Ein austauschbares Setting, das beliebig und farblos war.

Irgendwann habe ich mir gedacht: Okay, wenn schon, denn schon. Habe Mut gefasst, mich zu Wien bekannt, mich dem österreichischen Hochdeutsch und dem Bundesdeutschen den Rücken zugewandt (der Großteil meiner Vergleichswerke für Urban Fantasy ist in Bundesdeutsch verfasst, das war wirklich ein längerer Abnabelungsprozess).

Ich nenne Wien jetzt war beim Namen, schreibe aber keinen Städteführer. Was das heißt: Wahrzeichen wie der Stephansdom, Prater etc. kommen sehr wohl vor, aber ich halte mich nicht auf den Millimeter genau an den Stadtplan. Meine alte Schule ist Vorbild für die Schule meiner Protagonist*innen, einfach weil es mir leichter fällt, an mein erstes Herzflattern oder die Nervosität während eines Tests zu denken, ganz so, wie meine halbstarken Held*innen empfinden.
Aber ich erlaube mir auch Freiheiten: Wien ist für seine Kaffeehäuser bekannt, dass eines davon im näheren Umkreis von der Schule meiner Figuren ist, ist jetzt nicht so abwegig - tatsächlich gibt es dort aber keines. Mir ist auch nicht bekannt, dass es dort je eines gegeben hat. Seit ich an der Geschichte schreibe (und das sind bald 20 Jahre), hat es an jenem Fleck aber über 5 andere Lokale/Geschäfte gegeben. Das Kaffeehaus passt aber an diese Stelle. Wenn ich mich felsenfest an die reale Vorlage gehalten hätte, hätte ich bei jedem Umbau meine Szenen umschreiben müssen.
Fun Fact: Das Umspannwerk, das es sehr wohl gibt, hat einer meiner Leser*innen mit Verwunderung kommentiert, das Kaffeehaus keine Sekunde lang aber hinterfragt. Meine Lektorin war sogar enttäuscht, als sie das Umspannwerk in real gesehen hat und meint, sie hätte es lieber weiter nur aus dem Text gekannt. ;D

Ich denke, der Unterschied, ob man nun einen Ort persönlich kennt oder nicht, besteht fürs Schreiben in dem Selbstbewusstsein, eigenmächtige Entscheidungen treffen zu können. Je besser man sich auskennt, desto selbstsicherer ist man, gewisse Veränderungen vorzunehmen. Ob ich nun etwas aus Überzeugung oder Unwissenheit verändere, ist mMn egal, solange es nicht mein Anspruch ist, etwas wirklichkeitsgetreu abzubilden.

Willst du Alice aus dem Wunderland in ein englisches Dorf in der Jetzt-Zeit verfrachten und zeigen, wie Alice als Engländerin (oder eben nicht) im 21. Jahrhundert lebt?
Oder:
Willst du eine Adaption von Alice im Wunderland im Jetzt schreiben und dabei gewisse Elemente, die auf dich Eindruck gemacht haben, wie z.B. die Rosengärten, beibehalten?
#7
Tintenzirkel / Re: 40. Kurzgeschichtentriell ...
Letzter Beitrag von TinkersGrey - Gestern um 20:34:03
Über den NaNo gab es keine Triells, da waren alle zu beschäftigt. Aber das ist kein Muss und außerdem ist erst Oktober! Vielleicht melden sich ja noch Schreibwillige.
#8
Auskunft und Recherchen / Re: Schamanismus - suche Liter...
Letzter Beitrag von Sparks - Gestern um 20:17:05
Hallo Malou


Zitat von: Malou am 26. Mai 2022, 08:52:51noch ein bisschen schlau gemacht habe, habe ich herausgefunden, dass es durchaus nordisch und europäisch verwurzelten Schamanismus gibt, der bereits Jahrhunderte, eher sogar Jahrtausende zurückreicht und damit meines Wissens nach nicht "angeeignet" ist. Das hat mich ermutigt und nun ist die Entscheidung gefallen, dass meine Protagonistin Schamanin sein soll


Es mag nordisch und europäisch verwurzelten Schamanismus, sehr wahrscheinlich sogar, gegeben haben, aber konkret nachweisbar ist er eigentlich nicht.

Meine private Vermutung ist, das Schamanismus und Animismus halt die ersten und direkten Versuche sind, mit den Gesetzten einer Natur umzugehen, und weil es noch keine Naturwissenschaften gab, waren die damaligen Menschen auf reine Erfahrung und deren direkte Interpretation angewiesen. Und sie machten natürlich das naheligendste und personalisierten dieses unbekannten Gesetzmäßigkeiten in Form von Geistern.
Das ist eigentlich nichts anderes, als das wir heute immer noch machen: Wir projezieren uns selber bzw. unsere Vorstellung von uns selber auf unsere Gottesvorstellungen.

Ich gehe einmal davon aus, das die Methoden, die Schamanen verwendetn, überall auf der Welt ähnlich sind. Man versucht, irgendwie diese Mächte zu beeinflussen, in dem man mit ihnen Kommuniziert, so wie man auch versuchen würde, mit einem menschlichen Gegner zu kommunizieren, um Probleme miteinander möglicht aufwandslos zu umgehen oder zu lösen. Gewalt ist möglicherweise sehr aufwändig, sie kann das eigene Leben kosten.

Dazu versuchen sie, sich in Trance zu versetzten, und das ist ein biologisch/neurologischer Zustand, der auch überall auf der Welt sehr ähnlich ist, weil die Menschen überall gleich sind. Man verwendet dazu externe Drogen aus dem Genuss von lokal vorhandenen Kräutern, die geschluckt oder geraucht werden, und körpereigene Substanzen, die durch exessive körperliche Belastungen (Fasten/Schwitzkuren) oder durch rythmisches Sprechen/Singen/Musizieren/Tanzen freigesetzt werden. Diese Methoden sind irgendwie alle sehr ähnlich, und nur die verfügbaren Mittel sind im Detail, je nach Klima, Vegetation und Fauna, lokal anders.

Daher kann es dort eben auch keine kulturelle Aneignung in der Methodik selber, aber sehr wohl im Stil der Methodik geben.

Daher müsstest Du, um eine Aneignung zu vermeiden, eben das verwenden, was lokal verfügbar ist, und versuchen, Dich zwar an anderen Kulturen zu orientieren, aber nicht deren Stil zu kopieren, sondern einen eigenen erfinden.

Und es gibt weitere Fallstricke. Dieser Schamanismus entwickelt sich weiter. Unterschiedliche Geister werden zusammengefasst und übergeordneten Gottheiten zugewiesen. Vermutlich spiegelt dieser Vorgang von Arbeitsteilung und Hierarchien bei Göttern auch komplexer werdende gesellschaftliche Hierarchien wieder. "Technologische" Neuerungen in der neolitischen Revulution brachten dan weitere Verwerfungen und komplexere Göttesvorstellungen*).
So sind z.B. bei Stonehenge und auch bei anderen Jungsteinzeitlichen Heiligtümern Nutzungen durch vermutlich geänderte Rituale und ein geändertes kulturelles Umfeld erkennbar.


Diese "Göttersysteme" beeinflussen sich aber auch gegenseitig. So wird vermutet, dass die mesopothamischen Göttervorstellungen sich weiterentwickelten, und die Göttervorstellungen weiter westlich in der Levante und im hellenischen und italischen Einflußbereich beeinflussten. Weiter beeinflussten diese wiederum die Kelten. Germanen und Slaven existierten damals vermutlich noch nicht, die kristalisierten sich erst später heraus. Echnaton in Ägypten "erfand" den Monotheismus, und obwohl dieser in seiner extremen Form schnell wieder ausstarb, könnte er die Wurzel dazu sein, dass in der Levante sich allmälich die Zahl der Götter wider bis zum Monotheismus verringerte.

Wieweit solche Göttersysteme, die den Schamanismus überlagerten, sich nach unten durchsetzten, und wie weit noch schamanistische Vorstellungen in der Bevölkerung verblieben, ist schwer abzuschätzen, und hängt vermutlich am Organisationsgrad und Stil des lokalen politischen Systems. Vermutlich bildete er sich sofort neu, falls er verschwunden sein sollte, und die elaborierteren religiösen Systeme aus irgendeinem Grunde nicht mehr langten oder funktionale Lücken hatten. z.B. wenn in einer stark sozial gegliederten Gesellschaft bestimmte Gruppen abgehängt wurden und sich in der aktuellen Religion nicht emotional wiederfinden.

Der neu entstandene Schamanismus wird aber wieder in seiner Methodik ähnlich allem anderen Schamanismus sein, und sich der lokalen Möglichkeiten bedienen, und sein Stil wird aber von der vorhergehenden bzw. gleichzeitig existierenden Religion inspiriert sein, und eine historische Kontinuität mit der vorhergehenden Phase wird kaum existieren. Diese Vorgänge dürften sich mit der wechselnden Geschichte der Kulturen und politischen Systeme mehrmals widerholt haben.

Daher wird auch ein germanischer/nordischer Schamanismus kein wirklich originaler sein, sondern ein Neugewächs aus den biologischen/neurologischen/psychologischen Grundlagen der Menschen und den sie beinflussenden parallel existierenden weiterentwickelten komplexeren Religionen.

Hinzu kommt, dass die Germanen und Kelten keine schriftliche Überlieferung haben. Die Kelten waren kulturell vermutlich auf eine orale Überlieferung fixiert, bei den Germanen weiss man es nicht, es ist aber anzunehmen. Falls sie etwas schriftlich niedergelegt haben sollten, ist es nicht erhalten geblieben. Wenn wir also überlieferungen von ihnen haben, so ist das immer indirekt durch Hellenen oder Römer, und später zwar durch sie selber, aber eben nicht durch Schamanen selber, sondern durch christliche Mönche, die auch nur einen eher Aussenseiterblick auf die Verhältnisse hatten.

Du bist also auf eine "Neuerschaffung" angewiesen, was mir, nach meiner oben geschilderten Vorstellung, auch keine Schande zu sein scheint, weil "normal". Was die Rituale angeht: Trommeln, Tanzen, hypnotische rythmische Gesänge, Kräuter rauchen und Rituale mit Knochen sind wohl weltweit verbreitet, eine Aneignung ist nach meiner Ansicht daher eigentlich nicht möglich.

Ein Leopardenfellumhang, Bilderbuchindiander Federkopschmuck und Malereien im Röntgenstil z.B. sind aber deutlich kulturspezifisch. Die must Du meiden oder aber scharf aufpassen, wo eine Grenze ist, die einzuhalten ist.

Was ich an Literatur dazu empfehlen würde sind die Grimmschen Märchen und die Theorien dazu. Ebenfalls Material über die allemanische Fastnacht. Da schimmern an einigen Stellen vermutlich tatsächlich alte religiöse Substrate hindurch, die aber weniger auf Schamanismus als auf früheren entwickelteren Religionen beruhen. Aber das dürfte das sein, wie Du am dichtesten an Dein Thema herankommst.
Alle direkteren Zugänge existieren nicht mehr. Aber wenn Du Dir den Schamanismus anderswo in arktischen Gegenden anschaust, und dazu die allemanische Fastnacht und Märchen wie "Frau Holle", könntest Du ein Feeling für das machbare und realistische Bekommen.


Das sind auch von mir alles nur ideen und Spekulationen aus dem Bauch heraus von angelesenem und meist lange vergessenem/im unbewussten schlummerndem Kram. Ich bin weder Kultur- noch Religionswissenschaftler oder gar Priester, sondern Elektroniker. Wenn Dir meine Ausführungen nicht weiterhelfen, so hoffe ich doch, dass sie Dich vieleicht unterhalten haben.

*) Auch Ahnenverehrung ist eigentlich schon eine Weiterentwicklung des Schamanismus. Und die hochkomplexen Vorstellungen der australischen Uhreinwohner sowieso.

Nachtrag:

Falls sich jemand auf "alte" Überlieferungen bezieht, so ist das auf jeden Fall ein Warnsignal für Unseriösität, weil diese alten Überlieferungen nicht existieren.


Bei der aktuelleren Literatur dazu musst Du schwer aufpassen, weil die Geschichte der letzten 250 Jahre macht, dass Dir viele bewusst oder unbewusst "rechtsradikalen völkischen Kram" unter die Jacke jubeln wollen.

Nützliche Links zum Gegenchecken:
https://www.psiram.com/de/index.php/Plastikschamane
https://www.psiram.com/de/index.php/Braune_Esoterik



#9
Tintenzirkel / Re: 40. Kurzgeschichtentriell ...
Letzter Beitrag von Biene - Gestern um 20:10:54
Ich würde gerne wieder lesen.
Ich weiß gar nicht wie es die letzten Jahre war? Sind die Triells über den Nano zustande gekommen?
#10
Weltenbau / Der richtige Handlungsort
Letzter Beitrag von Hüterin der Feder - Gestern um 19:38:24
Huhu ihr Lieben,

ich hoffe, dass ich richtig in dieser Rubik bin. Falls nicht, bitte einmal richtig rücken, Dankeschön.

Während meiner Vorbereitungen für den NaNo fühle ich mich mit einem grundlegendem Problem konfrontiert: Wo spielt die Geschichte? In der Gegenwart, so viel steht fest. In der Gegenwart, aber in einem wahrscheinlich fiktiven Ort. Aber damit ihr mir bei meinen Überlegungen helfen könnt, gebe ich euch erst einmal ein paar Hintergrundinformationen zu meinem Plot.

Ganz grob und im Kern zusammengefasst: Eine Psychiaterin wird mit Figuren aus Alice im Wunderland konfrontiert und soll mindestens eine davon auch therapieren.

Da meine Protagonisten am Anfang der Geschichte ihre Praxis eröffnet und im Zuge dessen umzieht, dürfte es kein Problem darstellen, ein fiktives Dorf zu entwerfen, von dem sie selbst noch nie gehört hat. Aber ... auf welchen Kontinent und in welcher Region befindet sich dieses Dorf? Anfangs dachte ich "na ja, nimmst den Odenwald, da ist viel Platz, es gibt hier viele Märchen ..." etc. pp. Aber... es fühlt sich nicht richtig an. Alice verknüpfe ich einfach viel zu sehr mit England und Rosengärten. Also habe ich meine Suche nun schon einmal auf England eingegrenzt, muss hier aber noch unbedingt recherchieren, ob es in England ähnliche Unterscheidungen zwischen Psychologen und Psychiater gibt. Das nur nebenbei.

Ich hätte das Ganze aber nun doch gerne mehr eingegrenzt als nur "spielt irgendwo in England." Mein Problem bei dem Ganzen dürfte auch sein, dass ich noch nie in England war und somit die Gegenden nur aus Film, Bücher und Bilder kenne. Beim Versuch, das Ganze nun einzugrenzen, bin ich nun darauf gestoßen, dass Carroll seine erste Idee während einer Fahrt auf der Themse bekam. Schön. Das fände ich ganz passend. Da ich bislang aber nicht rausfinden konnte, wo er auf der Themse unterwegs war, grenzt es das Ganze auf gut 346km ein, abzüglich der Städte und Dörfer um die Themse herum.

Folgende Fragen stellen sich mir nun: Kann ich das Dorf direkt an die Themse setzen oder tritt diese vielleicht regelmäßig über, weshalb davon abzuraten ist? Welche Orte an der Themse sind besonders geeignet dafür, um dort ein fiktives Dorf hinzusetzen? Dann gibt es ja noch bestimmte Bereiche, die als Naturschutzgebiet gelten. Was meint ihr, inwiefern ich diese bei meiner Planung berücksichtigen sollte? Spielen vielleicht euch bereits bekannte Geschichten an fiktiven Orten an der Themse, die ich daher eher meiden sollte? Gibt es noch etwas, was ich nicht bedacht habe, euch aber direkt einfällt?
Da meine Protagonistin erfolgreich mit ihrer Praxis sein möchte, sollte es wohl auch keine völlige Hinterwäldlergegend sein. Hier stehen dann aber tatsächlich meine sehr begrenzten geografischen Englandkenntnisse im Weg.

Wie geht ihr in diesen Situationen vor? Wie plant ihr fiktive Dörfer oder gar Geschichten in euch völlig fremden Geschichten? Wieviel künstlerische Freiheiten sind hierbei noch erlaubt und ab wann wird es zu viel?

Ganz viele Fragen und Gedanken, die erst einmal sortiert werden möchten. Ich hoffe, ihr könnt mir ein bisschen dabei helfen?  :versteck: