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Gewalt, Blut und Gemetzel

Begonnen von Zealot, 31. Oktober 2006, 20:46:02

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Manja_Bindig

Hat Tolkien(der angebliche Urvater der Fantasy) lange Schlachtszenen gehabt? ;)

Kalderon

Mal anders gefragt: Wie soll es ablaufen?

Die Schlacht begann... und da war sie auch schon wieder zu ende. Der Held hat gewonnen. Tja, das war dann auch das Ende der Geschichte. :wums:

Schlachten sind meist deshalb langweilig, weil sie zu sachlich sind und sich auf die Masse beziehen. Wenn man den Blick auf den einzelnen Richtet, den Hauptcharakter, der verstört und angewidert zwischen den Leichen torkelt, dann ist man wieder dabei-

Und Duelle begeistern mich immer wieder.

Es geht wie bei allen Dingen, auch Liebesszenen oder ähnliches nur um eines: Ist es gut gemacht oder ist es das nicht?
Wenn man solche Sachen nicht schreiben kann, ist es ein Defizit. Keines, das man nicht anders ausbügeln kann. Aber wenn man es braucht...?

Arielen

Zitat von: Manja am 02. November 2006, 02:09:55
Hat Tolkien(der angebliche Urvater der Fantasy) lange Schlachtszenen gehabt? ;)

So lang waren die meiner Erinnerung nach auch nicht. Ich glaube er hat das ganze auf Sagenniveau gehalten.

Schlachten werden ohnehin nur selten akribisch beschrieben. Meistens konzentrieren die Autoren sich auf grobe Beschreibungen des Schlachtablaufs, die immer wieder in Schilderungen der Einzelschicksale von Haupt- und Nebenfiguren unterbrochen werden.

Selbst in Filmen ist das so. Du hast kurze Totalen, in denen ganze Heere auf einander los gehen, aber du nimmst nicht wirklich Anteil an den herumfliegenden Orks und aufgespießten Menschen. In dem Moment in dem das Bild zu Einzelschicksalen umblendet  fieberst du jedoch mit, wenn  z. B. wenn einer der Helden im Bild zu sehen ist und sich durch die Massen schlägt, Freunde fallen sieht und den feindlichen Anführer zu erreichen versucht.
Alles liegt im Auge des Betrachters

Manja_Bindig

DA ich selten in großen politischen Bahnen schreibe, fallen aber auch Schlachten für mich weg... dafür haben meine Charas immer die Bekanntschaft mit der Folterkammer vor sich...  :buch:

Zealot

ich mach es immer auf die Hitchcok-art, das heisst ich deutee nur an.
Ich schreibe einfach wie jemand sein Messer hervor holt und das wars, den Rest überlasse ich dem Leser...

Coppelia

 Für mich gilt: Ich will unterhalten werden und auch meine Leser unterhalten, und zwar mit Niveau.
Wenn ich ein Buch lese und darin sind unnötige Splatterszenen, die Gehirnmasse spritzt, jemand hält seine Gedärme in der Hand usw., kurz gesagt, Dinge, die ich nicht angenehm finde, dann unterhält mich das nicht. Ich denke mir nur: Was soll das? Und daher möchte ich es auch selbst nicht schreiben. Manche Leute werden ja von Gewaltdarstellungen unterhalten und schreiben sie dann sicher auch gern selbst, aber ich bin da eher zart besaitet. ;)

Die Lust an der Darstellung von Grausamkeit ist übrigens viel älter als die Erfindung von Fantasy-Literatur, ist mir heute klar geworden. Ich hatte ein römisches Epos in der Hand und hab es gelesen (die Thebais von Statius, wer's kennt), und darin sind einige Szenen, da fällt mir keine der moderneren Literatur ein, die ich kennen würde, die grausamere Gewaltdarstellungen verwendet. Ich hab nur noch gedacht: Igitt! Und das alles in hochpoetischer Sprache ...  :P

Das bedeutet nicht, dass ich ein Friede-Freude-Eierkuchen-Typ wäre. Aber ich finde, man kann auch gut Kampfszenen schreiben, ohne die Gewalt und jede eklige Einzelheit genüsslich zu schildern. Man kann entweder andeuten, sachlich sein oder besonders emotional werden. Ich finde, das hängt von der Geschichte und der Figur ab, was sich besonders anbietet. Es gibt allerdings auch Arten, etwas anzudeuten, die noch ekliger sind als die explizite Schilderung - und das finde ich nicht elegant, sondern eher unschön. ;)

MarkOh

Kann man sich nicht vielleicht einfach darauf einigen, dass es zur Geschichte passen muss? Denn was mich betrifft, bin ich auch nicht unbedingt scharf auf umherfliegende Gedärme, aber wenn es eben um eine recht kriegerische Auseinandersetzung geht, kann man eben dieses auch so umschreiben dass es eben nicht so anwidernd rüberkommt.
Der zweite Punkt dürfte die angestrebte Zielgruppe sein. Einem erwachsenen Horror-Fantasy-Fan kann ich nunmal was anderes vorsetzen als einer Zielgruppe ab 10 / oder 12 Jahren.
Beim ersten Teil von Devian & Corvina kam ich auch nicht drumherum eine Schlachtenszene zu beschreiben. Einerseits sollte sie nicht zu lahm erscheinen, so dass der Held nicht doch noch einnickend vom Pferd fällt, andererseits sollten jüngere Leser ( wie mein Sohnemann ) auch nicht überfordert werden. Und ich habe schon eine Weile überlegen müssen, wie sich der Kampf zwar interessant, aber dennoch nicht zu brutal umschreiben ließ. Zumindest meinem Sohnemann scheint es gefallen zu haben.

Manja_Bindig

Brrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr... *Schauder* Da hab ich mich genauso wie mit Bettszenen.

Arielen

Ich habe auch schon Jugendbücher gelesen/gehört, in denen gemetzelt wurde, das es schon nicht mehr schön war. Zwar gab es da noch keine Gedärme aber schon Blutlachen. So viele Unterschiede gibt es da auch nicht mehr.

Aber ich denke, der Tenor hier ist schon eindeutig. Gewalt sollte (wie auch schon Sex) der Geschichte angemessen verwendet werden. Nicht zu übertrieben, denn ich denke, dass man dann schon den Selbstzeweck merkt und die Gewalt dann nur noch aufgesetzt ist.
Alles liegt im Auge des Betrachters

Moni

Zitat von: Arielen am 06. November 2006, 09:35:55
Ich habe auch schon Jugendbücher gelesen/gehört, in denen gemetzelt wurde, das es schon nicht mehr schön war. Zwar gab es da noch keine Gedärme aber schon Blutlachen. So viele Unterschiede gibt es da auch nicht mehr.

Da fällt mir spontan der Titel "Schlachten" von Melvin Burgess ein... abgetrennte Gliedmassen und Blutströme en Masse.

Ich finde, Blut und Gewalt können durchaus vorkommen, aber sie sollten im plausiblen Rahmen bleiben und nicht aus reinem Selbstzweck drin sein. Ich hab auch schon nette Details in einer Schlachtszene verpackt, aber da passte es dann auch rein...  :engel:
Deutsch ist die Sprache von Goethe, von Schiller...
und im weitesten Sinne auch von Dieter Bohlen[/i]
Stefan Quoos, WDR2-Moderator

»Gegenüber der Fähigkeit, die Arbeit eines einzigen Tages sinnvoll zu ordnen,
ist alles andere im Leben ein Kinderspiel.«[/i]
Johann Wol

Coppelia

Also bei "Schlachten" fand ich weniger die Gewaltschilderung schlimm als die psychologischen Bestandteile ... eins von den Büchern, dass ich als erschreckendsten in Erinnerung hab von allen, die ich je gelesen hab! Arrr!

Moni

Zitat von: Coppelia am 06. November 2006, 20:14:39
Also bei "Schlachten" fand ich weniger die Gewaltschilderung schlimm als die psychologischen Bestandteile ... eins von den Büchern, dass ich als erschreckendsten in Erinnerung hab von allen, die ich je gelesen hab! Arrr!

Ich hab es während meiner Ausbildung als Leseex quergelesen, das reichte mir irgendwie schon... *graus*
Deutsch ist die Sprache von Goethe, von Schiller...
und im weitesten Sinne auch von Dieter Bohlen[/i]
Stefan Quoos, WDR2-Moderator

»Gegenüber der Fähigkeit, die Arbeit eines einzigen Tages sinnvoll zu ordnen,
ist alles andere im Leben ein Kinderspiel.«[/i]
Johann Wol

Arielen

#27
Um das Thema mal etwas von den Schlachten und Kriegsgemetzeln abzulenken, ohne es ganz zu verlassen.

Wie weit geht ihr in der Beschreibung von Folter? Was bevoirzugt ihr an Gewaltarten und wie pervers, bzw. grausam werdet ihr? Folter kann ja auch eine sexuelle Komponente enthalten...

Alles liegt im Auge des Betrachters

Hr. Kürbis

Hm, ich bin generell eigentlich kein Freund von Gewalt, schon gar nicht von unnötiger und unbegründeter. Wenn sie für den Text wichtig ist, ok, dann muß es halt sein.
Allerdings gibt es da Grenzen, die ich NIE überschreiten würde.
Manche Sachen sind einfach zu krank und übersteigen meine eigenen Moralvorstellungen, daher lasse ich sowas bleiben. Gewalt nur der Gewalt wegen zu schreiben, das finde ich Mist! Ich denke mal, da hat man eine gewisse Verantwortung seinem Leser gegenüber. Gibt genug Leute, die nichts raffen und da nicht mit umgehen können.
Ich erinnere mich da nur an meinen allerersten Text, der hieß "Otto der Motorsägenschlächter". Dummerweise wurde er haufenweise an der Schule kopiert und gelangte natürlich auch in Lehrerhand. Zum Glück hat mich keiner verpfiffen, denn einige Eltern forderten "psychologische Behandlung" für den Schreiber...
Fazit: Die Abgründe meiner Schreiberseele sind tief und dunkel :darth:, ich sehe mich nur nicht gezwungen, in ihnen herumzuwühlen!

Kalderon

Dafür, dass du kein Freund von Gewalt bist, sägst du aber munter drauf los, Hr. Kürbis. :hmhm?:

Keine Panik. Die dunkle Seite steckt in uns allen. :darth: