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Autor Thema: Frauen in militärischen Führungspositionen  (Gelesen 8746 mal)

canis lupus niger

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Re: Frauen in militärischen Führungspositionen
« Antwort #30 am: 25. Oktober 2013, 18:14:43 »
Was haltet ihr von meiner Nutzung einer Generälin?
Für mich ist das völlig in Ordnung, wenn die Qualifikation stimmt. Aus meine Zeit als als Aufsicht bei einem großen Dienstleistungsbetrieb (150 Mitarbeiter in einer Schicht) kann ich sagen, dass es genauso schlechte (schwache) männliche Führungskräfte gibt, die nicht respektiert werden, wie weibliche. Und genauso gibt es weibliche Führungskräfte, die Überblick haben, klare Anweisungen geben können, schnell und entschlossen entscheiden können, und die von ihren (auch männlichen) Mitarbeitern respektiert werden. Das ist keine Frage des Geschlechts, sondern der Kompetenz.

Habt ihr selber Frauen in militärischen Fühungspositionen/warum nicht?
Naja, militärsch nicht, aber in zwei einem meiner unfertigen Projekte sind Frauen in der Position, dass sie die Befehlsgewalt haben. Eins ist die hier schon diskutierte Isabell von Draepon, eine junge Adelige, die ihren Mann in der Regierung vertritt. Die andere ist Kriegerin eines Volkes, in dem Frauen mit der vollen Akzeptanz ihrer Familien aus der traditionellen Rolle aussteigen und in eine Art Amazonen-Orden eintreten können, um sich in kriegerischen Künsten ausbilden zu lassen. Sascha ist die Schwester des Protagonisten und spielt in der Geschichte eine Nebenrolle. 


Oder erinnert ihr euch an ein Buch, wo das besonders gut/schlecht umgesetzt wurde?
Mir gefällt die Admiralin in einem Buch meines Isrogant-Kollegen Gerhard Ludwig. In der Multi-Kulti-Stadt Boasp ist die Orkin eine der Befehlshaberinnen der Kriegsflotte. Sie zeichnet sich durch Selbstbeherrschung, Sachverstand, Entschlusskraft und Vorurteilslosigkeit aus.

Wer mir gar nicht gefällt, ist diese Widerstands-Anführerin aus der Eragon-Reihe, Nasuada. Sie ist eine eher planlose und emotional entscheidende Persönlichkeit. Ein ganzes Volk von Flüchtlingen dadurch zu ernähren, dass sie einen Handel mit magisch erzeugten textilen Spitzen beginnt? Hallo? Hätte sie ihre Magier nicht zu anderen Zwecken einsetzen können? Das liest sich, als hätte eine Hausfrau die Verantwortung für die Truppe übernommen, und nicht die einzige Nachkommin des bisherigen Rebellenführers, die ihr Leben lang neben ihrem Vater und dessen Offizieren gestanden und von deren Vorbild gelernt hat. Ich habe immer so halb damit gerechnet, dass sie ihre Feinde mit ihrer Häkelwolle zu bewerfen beginnt. Vermutlich stammte die Idee von Paolinis Oma oder so. 


Grundsätzlich finde ich, dass es bei hohen Offizieren ohnehin nicht auf die Körperkraft ankommt. Dafür haben sie ihre Truppen. In "Ein kampf um Rom" gibt es einen körperlich behinderten Heerführer, der noch dazu Epileptiker ist. In Leon Uris "Exodus" kämpfen die Frauen an der Seite ihrer Männer um den Staat Israel - mit der Waffe in der Hand. Noch immer müssen Männer und Frauen  in Israel übrigens Wehrpfllicht und Reservedienst leisten. In Game of Thrones ist Tyrion auch nicht gerade der körperlich größte und stärkste. Es gibt genug Beispiele erfolgreicher Bücher, in denen Generäle und sonstige militärische Befehlshaber Männer mit körperlichen Einschränkungen sind. Warum sollte eine gesunde, kräftige Frau schlechter geeignet sein als ein (politisch unkorrekt, aber ich nenne es bewusst so:) Krüppel? 
Aus der realen Geschichte: Mohammed war ebenfalls Epileptiker und trotzdem ein erfolgreicher Heerführer.
Der genialste militärische Gegner von Napoleon war Prinz Eugen von Savoyen, ein kleiner, zierlicher Mann. Als er sich zunächst voller Begeisterung Napoleon zur Verfügung stellen wollte, hat dieser ihn nicht haben wollen, mit der Begründung "Ich will nur große, schöne Offiziere um mich haben." Er hat das später sehr bedauert, als der Prinz sich auf die Seite seiner Gegner geschlagen hat.


Die Bedenken Deiner Freunde sind wohl doch eher ideologisch bedingt.
In einer Fantasy-Welt geht alles, wenn es gut begründet ist.

Offline AlpakaAlex

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Re: Frauen in militärischen Führungspositionen
« Antwort #31 am: 02. September 2021, 21:33:52 »
Ich denke mal, @Fianna, deine Frage ist lange nicht mehr aktuell, aber ich denke das Thema allgemein ist es schon noch.

Prinzipiell muss ich sagen, dass ich nur einen guten Grund - abseits vom allgemeinen Patriarchat natürlich (aber das ist kein guter Grund) - sehe, warum Frauen nicht militärisch aktiv waren: Bevölkerungserhalt. Wenn man sich so ein Dorf mit 100 Leuten, 49 Frauen, 49 Männern denkt, und dann 40 Leute in den Krieg ziehen müssen, macht es halt mehr Sinn die Männer zu schicken, weil die 9 übrigens Männer mit den 49 Frauen noch genug Kinder zeugen können. Ziehen 20 Frauen und 20 Männer in den Krieg, werden halt danach weniger Kinder gezeugt, weil während ein Mann in einem Jahr zig Kinder zeugen kann, geht bei der Frau in der Regel halt nur eins.

Davon abgesehen gibt es allerdings wenig Gründe, warum Frauen nicht ins Militär sollten. Das heißt bei einer ausreichenden Bevölkerungsdichte (und Überlebensrate von Kindern) oder halt auch weil wir es mit einer Spezies zu tun haben, die sehr, sehr lange lebt und damit auch nicht so fix Gefahr läuft, auszusterben, macht es halt wenig Sinn, dass Frauen nicht ins Militär sollten.

Letzten Endes ist der häufigste Grund, warum Frauen historisch vom Militär ausgeschlossen waren, sowieso das Patriarchat. Und ja, das muss es halt nicht in Fantasy-Welten geben. Das ist eine vollkommen freiwillige Entscheidung der Autor*innen, das Patriarchat in dieser fiktionalen Welt zu erhalten (außer natürlich, man schreibt historische Fantasy oder Urban Fantasy). Frei nach dem Motto: Ja, auch das erhalten von patriarchalen Strukturen ist politisch und nicht einfach nur "die Norm".

Ich selbst habe mit Pakhet/Joanne halt einen weiblichen Charakter, mit militärischer Vorgeschichte. Zugegebenermaßen spielt bei ihr allerdings der Sexismus im Militär eine große Rolle in der Vorgeschichte, weil zu der Zeit, als sie in der Army war, Frauen nur eingeschränkt am aktiven Kampf teilnehmen durften und auch sehr selten war, weshalb sie effektiv immer damit kämpfen mussten, dass genug Männer der Meinung waren, dass sie nicht dahin gehörten.

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