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Rückblicke im Roman

Begonnen von Luciel, 13. Oktober 2012, 11:21:44

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Churke

Zitat von: Zitkalasa am 26. Oktober 2017, 06:14:34
Hm, ich weiß nicht, ob in dem konkreten Fall nicht eher allgemein das Info-Management in Schräglage ist. Eine lange Rückblende mit Perpsektivwechsel zur Mutter würde ich nur machen, wenn es das Ende vom Roman ist und die letzten Plotenden aufgelöst werden sollen. Wobei ich selbst da überlegen würde, ob es mit einem knackigen Dialog nicht besser geht. Der Erklärbär ist immer recht anstrengend, egal ob langer Dialog mit großen Redeanteilen oder getarnt als Rückblende mit Bruch in der Perspektive.

Es gibt noch eine dritte Möglichkeit: Die Binnenerzählung. Ohne Dialog-Blabla und aus der Nasezieherei. Wie in einer klassischen Rahmenerzählung.
https://de.wikipedia.org/wiki/Rahmenerz%C3%A4hlung

Killt einem nicht den Aufbau, fügt sich nahtlos in die Handlung ein UND eröffnet Gestaltungs- und Charakterisierungsspielräume.

AlpakaAlex

Dieser Thread wird einfach alle fünf Jahre wiederbelebt.

Ich habe hier eine ungewöhnliche Meinung, glaube ich: Ich mag keine Rückblicke. Oder zumindest meistens nicht. Ich habe kein Problem damit, wenn ein Roman aus mehreren Erzählungen zu verschiedenen Zeitebenen besteht - sehr wohl aber damit, wenn einfach hier und da gefühlt random Rückblicke eingeworfen werden. Selbst nicht, wenn eine Figur sich gerade an etwas erinnert. Das funktioniert für mich in visuellen Medien sehr gut, in rein geschriebenen Medien aber überhaupt nicht. Es bringt mich raus, verwirrt mich und ist einfach sehr, sehr komisch für mich.

Einzige Ausnahme: Wenn es tatsächlich in Form einer wörtlichen Rede geschieht. Also ein ein Charakter einem anderen Charakter über seine Vergangenheit erzählt. Das finde ich in Ordnung und hilft in meinen Augen auch, um Sachen einzuordnen.

Aber komplette nicht dialogartige Rückblicke mag ich wirklich nicht.
 

Araluen

#17
Ich schließ mich dir an. Ich mag Rückblenden auch nicht und bin der Meinung, dass man sie sehr sparsam und sehr gezielt einsetzen sollte. Gute Rückblicke sind sehr schwer zu schreiben und selbst dann unterbrechen sie den Fluss der Geschichte und das ist selten gut für den Leser.
Gerade kämpfe ich auch damit meinen Sohn (8 ) bei der Stange zu halten. Wir lesen "Im Zeichen der Zauberkugel". Zuerst fällt die Geschichte mit der Tür ins Haus. Prota will die verbotene Tür öffnen! Wer ist er? Was ist das für eine Tür? Wo sind wir eigentlich? und warum will er sie öffnen? Die Antwort auf all diese Fragen erhalten wir eine halbe Seite später in einem Rückblick, in dem sich noch ein Rückblick versteckt. Dann gehts weiter in der Handlung und Prota findet ein Tagebuch (hinter der verbotenen Tür) und fängt an darin zu lesen. Von der graphischen Umsetzung her (das Buch richtet sich ja auch an 8jährige) ist das echt süß gemacht. Doch nun sind wir wieder in einem Rückblick gefanen - dem Tagebuch des Opas. Der wiederum erzählt von seiner Reise und wie ihm dort ein Händler eine Geschichte von einem Dschinn erzählt. Im Grunde wieder ein Rückblick im Rückblick. Dort sind wir gerade. Mein Sohn ist ein aufmerksamer Zuhörer und liebt es Geschichten vorgelesen zu bekommen. Aber er hat den Faden verloren und seine Lust auf die Geschichte schwindet gerade gegen Null, sodass wir gestern abend sogar zum x-ten Mal in Griffiths Tagebuch (Sonerband zur Reihe Drachenmeister) geblättert haben, das er eigentlich auswendig kennt.
Also Kinderbücher sind an der Stelle natürlich noch eine besondere Herausforderung in der Art des Erzählens, aber auch in der Erwachsenenliteratur lassen sich ähnliche Beispiele finden, die ein Buch echt nicht besser machen für mich.

Die Verwendung mehrerer Zeitebenen sind wieder was anderes. Das würde ich eher als unterschiedliche Perspektiven werten.

Yamuri

Ich habe im zweiten Band meiner Science-Fantasy Reihe Rückblicke. Sie sind Bestandteil der Erinnerungen, die mein Prota nach und nach aufsammelt. Ich habe die Rückblicke in Form von Traumsequenzen in den Text eingeflochten und finde das sehr elegant gelöst. Es kommt bei Rückblicken meiner Meinung nach darauf an, ob diese einen Zweck für die Charaktere erfüllen oder ob sie nur für den Leser sind. Wenn ich Rückblicke schreibe, dann eigentlich immer so, dass sie auch Dialoge enthalten und wie kurze Traum-/Erinnerungssequenzen daherkommen, die auch als andere Zeitebene gelesen werden könnten, nur eben in der Vergangenheit liegen. In dem Buch leidet mein Prota unter einer kompletten Amnesie und weiß anfangs nicht einmal wie er heißt. Jeder Rückblick ist für ihn eine Erinnerungssequenz, durch die ihm nach und nach wieder bewusst wird, wer er ist, auch wenn es anfangs schwierig ist, die Erinnerungsfetzen zu einem logischen Gesamtbild zu verknüpfen. An sich denke ich, Rückblicke braucht man eigentlich nur dann, wenn man mit Amnesie arbeitet und darstellen möchte, wie ein Chara mit Amnesie seine Erinnerungen langsam zurückgewinnt, sofern dies Thema sein soll und dem Plot dient.