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Schreiben - "nur" ein Hobby?

Begonnen von Runaway, 09. Oktober 2011, 11:09:00

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Runaway

Zitat von: Schommes am 09. Oktober 2011, 10:31:47
Das einzige, was es aus meiner Sicht vielleicht zu mäkeln gibt, ist der Stundenlohn, den man sich ausrechnen kann, wenn man mal seinen Vorschuss (denn in diesem Stadium kann wohl kaum jemand mit echten Tantiemen rechnen) auf die Arbeitsstunden umrechnet. Da fragt man sich dann schon, ob man seiner Familie und seinen Freunden gegenüber sein Hobby und die dadurch bedingte über den Hauptberuf hinausgehende zeitliche Beanspruchung rechtfertigen kann.
Weißt du, wenn ich so anfangen würde, müßte ich auf der Stelle mit dem Schreiben aufhören und nie wieder anfangen. Ich würd aber gar nicht erst auf die Idee kommen, mit Familie, Freunden und Beruf um das Schreiben zu feilschen. Wozu?

Malinche

[OT]

Schommes: Hobbys hat man grundsätzlich nicht über den Stundenlohn zu rechtfertigen. Das ist doch albern. Dafür ist der Brotjob da. Wenn man das Glück hat, dass man mit seinem Hobby - in diesem Fall Schreiben - Geld verdient, ist das immer ein Plus. Was man bei kreativen Hobbys als Produkt schafft, hat im Normalfall einen immateriellen Mehrwert - seien es nun Bilder, Freundschaftsbänder oder eben Geschichten und Romane. Und deswegen kannst du diesen Gedankengang getrost vergessen und die Zeit lieber ins Weiterschreiben investieren. ;)

[/OT]
»Be suspicious of the lemons.« (Roxi Horror)

Rigalad

#2
[OT]

Zitat von: Dani am 09. Oktober 2011, 11:09:00
Weißt du, wenn ich so anfangen würde, müßte ich auf der Stelle mit dem Schreiben aufhören und nie wieder anfangen. Ich würd aber gar nicht erst auf die Idee kommen, mit Familie, Freunden und Beruf um das Schreiben zu feilschen. Wozu?

Naja, Dani, du hast aber vermutlich auch mehr Zeit. Im Studium kann man die sich anders einteilen und es gibt immer Phasen, die ruhiger sind. Ich meine, wenn man einen Brotjob hat, dafür minimum ohne acht Stunden ohne Mehrarbeit und ohne Fahrzeit unterwegs ist, dann bleibt neben diversen Besorgungen und anderen Terminen vom Tag wirklich nicht mehr viel. Als ich die Ausbildung gemacht und danach Vollzeit gearbeitet habe, war das manchmal schon anstrengend, alles unter einen Hut zu bekommen und die Prioritäten so zu setzen, dass man niemanden vernachlässigt. Ich kann es schon verstehen, wenn Partner/Kinder/Familie/Freunde auch Ansprüche stellen. Gerade die Familie.

Die Stundenlohnsache würde ich allerdings auch nicht so eng sehen. Ich habe in einem Kleinverlag veröffentlicht, wenn ich das umrechnen würde, läge ich vermutlich im Centbereich. Bisher sehe ich das noch als Hobby, für das ich ein bisschen Geld bekomme. Wenn ich ihn zehn Jahren immer noch keinen Erfolg habe, würde ich mir allerdings überlegen, mir ein Hobby zu suchen, das weniger mit Zweifel und Tiefschlägen verbunden ist.

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Sven

Zitat von: Malinche am 09. Oktober 2011, 11:17:23
[OT]

Hobbys hat man grundsätzlich nicht über den Stundenlohn zu rechtfertigen.
[/OT]

Ich schätze mal, Schommes geht es da ähnlich wie mir. Das Schreiben ist für mich KEIN Hobby! Einem Hobby gehe ich nach, um mich zu entspannen. Ich wandere gerne. Ich habe einen geilen Wanderrucksack und Wanderschuhe. Ich fahre  zwei, drei Stunden, bis ich in Hessen bin, um da durch die Wälder zu streifen. Es ist ein Hobby. Ich käme nie auf die Idee, dabei 30, oder 40 Kilometer zu reißen. Ich will mich entspannen. Ich laufe zügig, genieße die Natur und gönne mir nach ein paar Kilometern ein Eis, falls ein Dörfchen in der Nähe sein sollte.
Das Schreiben ist eine ernste Sache, für die ich Freizeit beiseite schaufel. Für die ich auf mein Hobby verzichte. Ich mache es nicht nebenbei. Ich mache es gerne, aber bisher habe ich keinen Entspannungseffekt bemerkt. Im Gegenteil. Es ist nervenaufreibend. Deshalb ist es kein Hobby, und deshalb ist es durchaus okay, wenn man darüber nachdenkt, ob es sinnvoller wäre, etwas anderes zu machen. Das Problem ist nur, dass man innerlich weitergetrieben wird. Man KANN nichts anderes machen.
Ein Hobby kann ich auswechseln. Das Schreiben nicht.
Das wollte ich mal gesagt haben  ;)
Beste Grüße,
Sven

Malinche

Ich finde das sehr spannend und würde das auch gern weiterverfolgen. Aber dann sollte das vielleicht einen eigenen Thread bekommen, schließlich sind wir jetzt schon lang nicht mehr sauer.  ;)
»Be suspicious of the lemons.« (Roxi Horror)

Sorella

Svens Post spricht mir aus der Seele. Ich hätte es nur nicht so treffend formulieren können. Allerdings - wenn meine Familie nicht damit einverstanden wäre, dass ich so viel Zeit ins Schreiben investiere, würde ich es lassen. Meine Familie hat Nr. 1 in meinem Leben. Das ist auch eine Antriebsfeder. Denn, wenn ich schon stundenlang in den Laptop starre oder geistig abwesend bin, muss auch was bei rum kommen. Sonst verbringe ich lieber die Zeit mit den Kindern.

*Wartet auf Threadverschiebung, damit diese interessante Diskussion weiterläuft*

Runaway

Ich hab mit 16 zu meinem damaligen besten Freund gesagt: Jemand, der mal mit mir zusammensein will, muß akzeptieren können, daß ich schreibe. Ich kann das nämlich nicht einfach an- und ausknipsen, wie ich möchte. Es müßte eher ein Mann gehen, als daß das Schreiben geht.
Naja... der beste Freund ist jetzt mein Freund und wir heiraten nächstes Jahr ;)
Ich spreche oft mit ihm darüber und frage ihn, ob es ihn stört. Tut es nicht, weil es ihm Freiraum für seine eigenen Hobbys gibt. Wir suchen auch nach einem Weg, wie das weiterhin so bleiben kann.

Davon abgesehen aber pauschal so zu tun, als sei ein Studium nicht mit Vollzeitarbeit zu vergleichen... naja! Ich muß sagen, ich persönlich hatte tatsächlich vergleichsweise viel freie Zeit im Studium, aber das auch nur, weil es mir nicht so schwer gefallen ist und ich es auch vorgezogen hab, die Dinge selbst zu lernen, die ich selbst lernen kann. Nicht jede Vorlesung ist es wert, besucht zu werden (das lernt man ja im ersten Semester ;) )
Aber ich habe Kommilitonen, die das ganz anders gehandhabt haben und auch welche, die es anders handhaben mußten, weil sie nebenher jobben mußten.
Wollte ich nur mal so sagen... und vernachlässigt hab ich wegen dem Schreiben auch noch nie jemanden. Es ist nicht so, daß ich lieber schreibe als mich mit Leuten zu treffen.

Vor allem aber betrachte ich das Schreiben nie, nie, nie als verlorene Zeit. Nie. Nicht bei den Dingen, die bei einer Überarbeitung rausfliegen. Nicht bei den Geschichten, die hinterher in der Schublade landen, egal ob ich sie da nun freiwillig reingelegt hab oder nicht. Nicht beim Plotten, nicht beim Überarbeiten, nicht beim Lesen - nie. Ich rechne das nicht mit Stundenlohn gegen. Ich halte dagegen, daß es die Sache im Leben ist, die mir am meisten Erfüllung bietet (bis jetzt!) und daß es mir dabei gut geht.
Mehr brauch ich nicht.

Sven

Zitat von: Dani am 09. Oktober 2011, 13:54:12
Ich halte dagegen, daß es die Sache im Leben ist, die mir am meisten Erfüllung bietet (bis jetzt!) und daß es mir dabei gut geht.

Das ist bei mir übrigens anders. Es geht mir nicht besser, wenn ich schreibe. Aber es geht mir schlechter, wenn ich es nicht tue  ;)
Beste Grüße,
Sven

Schommes

Liebe Dani, das ändert sich aber alles noch einmal gewaltig, wenn ein Kind da ist. Da reicht dann der simple Kompromiss "Ich hab mein Hobby und Du hast Deins" nicht mehr aus. Außerdem wüßte ich gerne, ob Dein Freund wirklich weiß, dass er nur die Nummer Zwei in Deinem Leben ist. Meiner Frau würde das glaube ich nicht genügen und mir umgekehrt auch nicht.
Nein, es ist wie Sven sagt: Schreiben kann für mich kein Hobby sein. Nach 40 - 45 Stunden Job die Woche, Einkäufen, Erledigungen, Amtskram etc. kann ich meiner Frau und meinem Kind nicht zumuten, die komplette Restzeit hinter einem Bildschirm zu verbringen, ohne dass dabei für die Familie irgendwas positives rausspringt. So egoistisch konnte ich als Single oder in einer halbfesten Beziehung leben, aber jetzt nimmer. Und außerdem: Mein Vertrag mit Piper zum zweiten Buch sagt: Buch ist zu schreiben von Februar bis Ende Mai 2012. Vorher kann ich wegen Hauptjob nicht. Nachher braucht Piper das Manuskript, damit es rechtzeitig im Herbst wie geplant erscheinen kann. 500 Seiten Buch in vier Monaten in denen der Job zwar etwas abflaut, die Familie und alles andere aber bestimmt nicht. Und das soll dann natürlich möglichst auch noch schöner, besser, spannender werden als Asylon. So sieht ein Hobby für mich nicht aus. Versteh mich nicht falsch: Schreiben ist bei mir, genau wie bei Dir eine Leidenschaft. Aber irgendwann mag der Punkt kommen, wo ich feststellen muss, dass ich sie mir nicht mehr leisten kann, weil es Dinge gibt, die noch wichtiger sind, als dass, was man selbst gern möchte.

Runaway

Irgendwie komm ich nicht umhin, das Gefühl zu haben, daß du dir aus meinem Beitrag etwas zimmerst, was da nicht drinstand und was ich auch nicht gemeint habe. Warum so ablehnend? Bin ich dir mit irgendetwas auf die Füße getreten? Ich meine das zwar so, wie ich das sage, aber das gilt natürlich alles nur für mich! Andere Leute schreiben anders, das hab ich schon gemerkt. Mich stört nur dieser ökonomische Gedanke hinterm Schreiben.

ZitatLiebe Dani, das ändert sich aber alles noch einmal gewaltig, wenn ein Kind da ist.
Kann ich jetzt nicht beurteilen, aber ich werd's sehen, wenn es soweit ist.

Die Anekdote, die ich da erzählt hab, ist passiert. Wenn du es nicht glaubst, schreib ihm eine Mail und frag ihn, die Adresse kannst du haben ;) (Er hat mir eben über die Schulter geguckt und ich hab nochmal gefragt: Ist das wirklich okay? Seine Antwort: Wenn es das nicht wäre, hättest du jetzt nicht den Ring am Finger.)
ZitatAußerdem wüßte ich gerne, ob Dein Freund wirklich weiß, dass er nur die Nummer Zwei in Deinem Leben ist.
Daß du jetzt draus machst, daß er die Nummer 2 in meinem Leben ist, ist nicht das, was ich meinte. Das steht aber in meinem Beitrag auch nirgends. Daß ich schreibe, muß jemand genauso akzeptieren wie die Tatsache, daß ich eine Frau bin, wie groß ich bin, daß ich braune Augen hab, wie alt ich bin etc. Daraus würde ich aber keine Hierarchie machen.

Zitatdie komplette Restzeit hinter einem Bildschirm zu verbringen
Und das tue ich auch nicht. Wir haben sehr wohl auch noch gemeinsame Freizeit und das ist auch wichtig.

ZitatSo egoistisch konnte ich als Single oder in einer halbfesten Beziehung leben, aber jetzt nimmer.
Wenn das eine allgemeine Aussage ist - ok. Solltest du dabei an mich gedacht haben, muß ich entschlossen widersprechen, denn wenn ich egoistisch wäre, würde ich lieber alleine leben und meine Beziehung besteht seit fast 8 Jahren, von denen wir 6 Jahre in gemeinsamen Wohnungen verbracht haben. So definiere ich halbfest jedenfalls nicht ;)

Schommes

Nee, sorry, so wars nicht gemeint. Ich rede mich nur damit selber in Rage, weil mich diese Hin- und Hergehopse zwischen verschiedenen Verpflichtungen oft genug schwindlig und verzweifelt macht und ich das Schreiben zwar liebe, aber es längst nicht mehr als Hobby empfinden kann.

Runaway

Das kann ich gut verstehen. Das hat sich ja jetzt bei dir auch alles so getroffen - Kind und erstes Buch innerhalb weniger Wochen und wenn der Verlag erst mal Ansprüche stellt... Viele hier haben ja schon zum Ausdruck gebracht, daß sie sich diesen Druck gar nicht wünschen.
Mich würde im Gegenzug sogar sehr interessieren, wie sich das auswirkt, weil es ja oft so ist, daß man die Freude an einem Hobby verliert, wenn man es zum Beruf macht. Das wär so schade drum!! Bleibt nur, dir und uns allen die Daumen zu drücken, daß wir es hinkriegen!

HauntingWitch

Das finde ich ja spannend. Ich dachte bislang immer, Schreiben ist ein Hobby, weil man es ja macht, weil man es gerne macht. Obwohl es auch teilweise anstrengend ist, Energie und Zeit braucht und hin und wieder ganz schön an den Nerven nagt: Ich tue es in erster Linie, weil ich es will, deshalb ist es für mich ein Hobby, das nun eben zum "Nebenjob" in einem nicht-klassischen Sinn (also ohne Anstellungsvertrag und Lohn) wird. Natürlich ist Arbeit damit verbunden, aber es ist nicht die Art von Arbeit, die man nur macht, um ein Dach über dem Kopf zu haben. Dafür gibt es Brotjobs und sind wir ehrlich: Welchen Brotjob macht man jemals wirklich gerne? Zumindest habe ich noch keinen gefunden (wobei ich auch noch sehr jung bin ;)). Wenn mein Hobby nun aber zum Brotjob wird, dann ist auch gut, weil ich dann einen Job habe, der mir wirklich gut gefällt. Aber solange das nicht der Fall ist, bleibt es Hobby, wenn ich es auch (gerade um mir Zeit freizuschaufeln) nach aussen manchmal als Nebenjob bezeichne.

Möglicherweise bin ich da auch in der glücklichen Situation, dass ich a) einen Bürojob habe, wo man gut mal schnell über Mittag ein paar Zeilen tippen kann und b) Single bin. In Bezug auf Mann kann ich Dani nur zustimmen. Ich frage mich auch immer, wie ist das denn bei Musikern? Die teilweise monatelang on Tour - also effektiv auch körperlich abwesend - sind? Deren Freundinnen/Familien müssen auch damit klarkommen, bei mir soll das Gegenüber eben damit klarkommen, dass ich Zeit für das Schreiben brauche. Ich könnte niemals das eine oder andere vorziehen, das muss einfach irgendwie einhergehen und wenn das nicht möglich ist, funktioniert die Beziehung nicht. Punkt.

Alia

#13
Ich sehe es ähnlich wie Schommes. Wenn die Familie ein solches Opfer bringen soll, dann nur, wenn es sich "lohnt". Und im TZ gibt es doch einige, die mit Schreiben ihren Lebensunterhalt verdienen (wollen) oder zumindest einen guten Teil davon. Da muss man dann schon anfangen zu rechnen. Bei einem Stundenlohn im Centbereich wäre es meiner Ansicht nach nämlich auch "Hobby" und nicht "Job". Auch wenn der Lohn gering ist - wenn man einen Vertrag hat, muss man dann an den PC - ob man nun will oder nicht. Die Deadline steht. Die erste Zeit muss man investieren. Klar. Kaum ein Erstling wird ein Bestseller. Man muss sich erst hart einen Namen am Markt erarbeiten. Bloß wie lange und wie viel man investieren kann, hängt halt von den persönlichen Umständen ab.

Bei mir kippt schreiben immer schnell hinten unter, wenn der Zeitplan zu dicht wird. Mein anderes Hobby will halt jeden Tag gefüttert und versorgt werden und Kind, Ehepartner und Haushalt fordern auch unaufschiebbar ihre Zeit ein. Wenn ich einen Vertrag hätte, Geld für das Schreiben bekäme, dann würde es auf die Stufe "Job" aufsteigen und die Prioritäten sich verschieben. Da habe ich dann auch kein schlechtes Gewissen Kind und Mann auf den Spielplatz zu schicken, TK-Essen auf den Tisch zu stellen, den Ponys mal eben nur das Heu über den Zaun zu werfen und den Staubsauger mal Staubsauger sein zu lassen, wenn es enger wird. Aber wie gesagt: Nur weil ich "Spaß" habe, würde ich Partner und Kind nicht zusätzlich belasten wollen. Wenn es dabei um das Familieneinkommen geht, sieht es halt schon anders aus...

Schommes

Ich möchte alles was Alia gesagt hat so unterschreiben und noch anfügen, dass ich als ich Anfang zwanzig war, meine Hobbies oft höher priorisiert habe als meine Beziehungen. Deswegen habe ich damals meine Beziehungen auch deutlich schneller gewechselt als meine Hobbies. Damals war das für mich so richtig. Wie bei vielen Leuten haben sich über zwanzig Jahre diese Prioritäten verschoben. Das hat letztlich etwas damit zu tun, dass ich mich irgendwann mit Mitte dreißig selbst überprüft und festgestellt habe, dass ich kein Leben als ewiger Junggeselle anstrebe (was im Übrigen völlig OK ist, einige Freunde von mir leben dieses Modell, aber eben nicht mein Weg). Ich habe dann eine Frau gefunden, mit der ich den Rest meines Lebens verbringen will, die ich daher geheiratet habe und die mir nun völlig zu Recht die Ohren lang ziehen würde, wenn ich immer noch Sätze bilden würde, die nach "wenn Du mich dies oder das nicht tun lässt, funktioniert die Beziehung nicht. Punkt."

Im Übrigen ist es meiner Meinung nach falsch eigene Aktivitäten schwarzweißmalerisch in Hobby und Beruf zu unterteilen. Es gibt durchaus Anteile meines Hauptberufs, die mir großen Spaß machen. Ist er deshalb ein Hobby. Es gibt Anteile am Schreiben, die mir gar keinen Spaß machen. Ist es deswegen ein Beruf? Ich glaube, in Wahrheit ist der Übergang fließend. Und für jeden von uns Tintenzirklern hier liegt der Fall ein bisschen anders, je nachdem, was er mit dem Schreiben eigentlich anstrebt.
Beantworte Dir selber doch einmal folgende Fragen, liebe Hauntingwitch:
Schreibst Du nur für die Schublade oder möchtest Du Dein Werk gerne veröffentlicht sehen? Falls Du eine Veröffentlichung anstrebst, würde es Dir z.B. genügen, Dein Buch kostenlos im Internet zur Verfügung zu stellen? Wenn Du das nicht willst, strebst Du möglicherweise eine Veröffentlichung durch einen Verlag an? Falls ja, wärst Du auch mit einer Veröffentlichung zufrieden, bei der Du nichts verdienst, oder evtl. sogar noch ein bisschen reinsteckst? Strebst Du doch eher eine Veröffentlichung durch einen kommerziellen Verlag an, der Dir Vorschuss und Tantiemen zahlt? Welche Vorschuss- oder Tantiemenhöhe würdest Du dann für ein fünfhundertseitiges Werk als angemessen empfinden? Stell Dir vor, Dein Erstlingswerk ist veröffentlicht, hat Dir zwar keinen großen materiellen Gewinn erbracht aber der Verlag schreit nach einer Fortsetzung, allerdings unter der Bedingung, dass Du diese in einem Zeitraum fertigstellst, der so knapp bemessen ist, dass Du Dich entscheiden müsstest alle anderen Hobbies für einige Monate zu knicken, Deinen Partner und alle Freunde vorübergehend in die Wüste zu schicken und bei Deinem Hauptberuf halbtags zu gehen, würdest Du diese Opfer bringen? Sollte das Schreiben jemals soviel Geld abwerfen, dass es das Einkommen Deines Hauptberufs erreicht oder übersteigt, würdest Du Deinen Hauptberuf aufgeben und Dich nur noch auf das Schreiben konzentrieren?
Irgendwo zwischen Deinen Antworten auf diese Fragen liegt auch die Antwort auf die Frage, ob Schreiben für Dich eher ein Hobby oder eher ein Beruf oder irgendwie beides ist. Und ich schwöre Dir die Antwort auf diese Frage, wird sich über die Zeit verändern, je nachdem wie es mit Deiner Schriftstellerei vorangeht.