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Ausblick: No one buys books

Begonnen von Lino, 23. April 2024, 17:53:43

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Lino

Elle Griffin hat was zum Thema No one buys books geschrieben. Ist auf englisch, aber kann man sich auch übersetzen lassen:


https://www.elysian.press/p/no-one-buys-books

Da ist vielleicht nichts ganz Neues dabei, viele Probleme wurden hier ja schon diskutiert. Ich fand es aber trotzdem noch mal lesenswert und teilweise grafisch interessant zusammengestellt und wollte es mit euch teilen und wenn ihr wollt, gerne diskutieren.

Topaz

Den Artikel habe ich heute auch gesehen.
Der bezieht sich auf das Gerichtsverfahren letzen Sommer in den USA, wo zwei der fünf Großverlage fusionieren wollten. Das wurde abgelehnt. Monopolstellung oder sowas.

Wenn ich es richtig sehe, wurden die Infos aus dem Verfahren in einem 700 Seiten Buch veröffentlicht. Der verlinkte Artikel gibt jetzt eine Zusammenfassung des Buches und fokussiert sich auf die Highlights.

Spannend finde ich ja, wie die Verlage selber keine Ahnung zu haben scheinen, was sich verkauft und was nicht.

Plus: es heißt ja immer Verlage machen so viel für Autoren.
Wenn ich den Artikel richtig lese, dann muss ich als Selfpublisher nicht mehr machen. Die Verlagsautoren müssen ja auch Marketing machen, sonst verkauft sich nichts.

Welchen Aspekt wolltest du diskutieren @Lino ?

selkie

Danke für das Teilen des Artikels, ich fand die Lektüre sehr interessant und ich fände es sehr spannend, wie die Zahlen in dieser Hinsicht für den deutschen Buchmarkt aussehen, da sich der Artikel ja vor allem auf die USA bezieht. Mutmachend sind die Statistiken auf jeden Fall nicht, dennoch denke ich, dass gute Geschichten immer eine Chance haben werden  :)

Es ist halt ein bisschen schade, denn nur, weil eine Geschichte sich vielleicht nicht so gut verkauft, heißt das ja nicht, dass genau dieses Buch nicht trotzdem jemanden eine Menge bedeuten kann. Und durch die Fokussierung auf die Verkäuflichkeit eines Werks geht ein bisschen die Breite der Bücher verloren, von daher finde ich es nicht schlecht, dass es hier auch die Möglichkeiten gibt, als Autor*in Selfpublisher zu werden.

In dem Artikel fand ich den Punkt mit dem Romance-Genre sehr spannend, das hier quasi schon eine Verschiebung weg vom klassischen Verlag stattgefunden hat. Ich denke, dass es vielleicht auch ein bisschen daran liegen könnte, warum man ein Buch liest. Lieblingsbücher stellt man sich gerne ins Regal und nimmt sie immer wieder in die Hand. Doch manche Bücher liest man ja wirklich nur einmal und braucht sie nicht unbedingt für das Regal, weil sie dort Platz wegnehmen. Hier ist es dann praktisch, wenn man sie als günstiges E-Book erstehen kann oder halt ausleihen und hinterher zurückgeben.

Ich weiß noch nicht so ganz, wie ich zu einer Art Spotify für Bücher stehe. Auf der einen Seite fände ich es gut, weil es vielleicht mehr Stimmen ermöglichen würde, die es jetzt schwer haben, publiziert zu werden (z. Bsp. mehr Own Voices). Auf der anderen Seite würde es auch mehr Druck auf die Autor*innen legen, sich möglichst gut zu vermarkten.

Das wären so meine ersten Gedanken zu dem Artikel  :)
For whatever we lose(like a you or a me)
it's always ourselves we find in the sea

(E. E. Cummings)

Topaz

Da die Zahlen vor Gericht und unter Eid ausgesagt wurden, glaube ich nicht, dass wir ähnliches für Deutschland bekommen.
Leider. Wäre sicher spannend.  8)

Was Romance betrifft: Ich kenne einige Leute, die sich die sehr wohl in den Schrank stellen und zu ihren Lieblingsbüchern zählen.  :vibes:  :herzchen:

Was Spotify für Bücher angeht:
Bücherei? Kennt man das noch? Oder kindle unlimited? Oder Skoobe? Tolino Abo? Haben wir doch alles schon... Und es gibt noch Buchläden...

Ob own voices mit oder ohne Flatrate lesen mehr Chancen haben? Keine Ahnung. Leute gehen gewohnheitsmäßig vermutlich immer zum gleichen Genre und die Suchalgorithmen bieten nichts Fremdes, sondern immer Gleiches an. Stichwort Filterbubble.

Vermarktung: Für mich stand in dem Artikel, dass Autoren, die sich gut vermarkten einen Buchvertrag mit hohen Vorschüssen bekommen. D.h. das ist schon so, dass der Druck zum Marketing auf den Autoren liegt.

Lino

Ich hatte schon wieder vergessen, dass sich große Verlage immer noch erfolgreich gegen Kindle unlimited wehren. Und der Teil mit den Celebrities war mir zwar auch schon bekannt, aber irgendwie hatte ich das trotzdem alles etwas unterschätzt.

Ähnliche Zahlen für Deutschland wären schön, die werden wir wohl nicht kriegen, aber freuen würde ich mich für ein paar Einschätzungen.

Irgendwie trotz allem auch immer etwas traurig. Ich würde mir wünschen, dass jeder Klamottenladen ein Buchladen wäre und jeder Buchladen ein Klamottenladen. Das würde mir Freude bereiten.

Dämmerungshexe

Der Artikel bestätigt im großen und ganzen meinen Eindruck wie sich Verlagswesen und der Buchbranche in den letzten Jahren entwickelt haben. Vielleicht mit ein Grund, warum ich mehr und mehr wieder für mich selber schreiben wll, statt auf eine Veröffentlichung abzuzielen, die bedeuten würde, dass ich in diese "Maschinerie" reingezogen werde.
,,So basically the rule for writing a fantasy novel is: if it would look totally sweet airbrushed on the side of a van, it'll make a good fantasy novel." Questionable Content - J. Jacques

Alana

Laut meiner Info ist Deutschland das Land mit den niedrigsten Seitenpauschlen in KU. KU lohnt sich schon für SP deshalb nur gerade so, wenn man die Einnahmen auch noch teilen muss, nicht mehr.

Es liegt wohl daran, dass Deutsche das Abo viel stärker nutzen als andere, und es auch oft nur monatsweise nehmen. Für bestimmte Genres ist es trotzdem unabdingbar, da man es ohne die gelesenen Seiten nicht zu einer guten Sichtbarkeit bringt. Dass die Verlage es nicht machen, ist allerdings verständlich.
Alhambrana

Luna

War interessant, den Artikel zu lesen. Allerdings fällt mir auch auf, dass die einen sehr hohen Overhead bei den Kosten haben. Klar, irgendwo haben die auch dutzende Mitarbeiter, die bezahlt werden müssen – und zwar dauerhaft. Andererseits finde ich es auch Krass, welche Vorschüsse teilweise gezahlt werden. Und dass mit mehreren 100.000enden Buchverkäufen gerechnet wird. Bei den Größenordnungen wird schnell klar, warum nur große, bekannte Namen ziehen.

Dass sie nicht von Amazon plattgemacht werden wollen, kann ich verstehen, aber dass sie kein Konnurrenzprodukt mit E-Books aufzuziehen, wie es z.B. Thalia macht, kann ich nicht nachvollziehen. Für mich wirkt es so, als ob die großen Publisher da drüben gelähmt sind und nicht richtig agil reagieren können oder wollen.

Alana

@Luna Ja, die Verlagsbranche ist allgemein nicht als wendig und schnell bekannt. Behäbig trifft es eher.
Alhambrana