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Zeit zum Schreiben

Begonnen von Cailyn, 16. Juli 2013, 16:09:21

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Cailyn

Vermutlich gibt es ein paar, die es sich bereits leisten können, vollzeitlich an ihren Romanen zu schreiben. Doch ich vermute, auch hier ist dies die Minderheit.

Wie viel Zeit verbringt ihr beim Schreiben? Wie kriegt ihr so ein zeitintensives Hobby unter einen Hut mit allem anderen? Verzichtet ihr bewusst auf Sachen, damit ihr genügend Zeit zum Schreiben habt? Wenn ja, worauf?

Wenn es möglich wäre, 3-4 Mal die Woche 1 Stunde am Buch zu arbeiten, fände ich das wirklich toll. Aber bei mir funktioniert das so gar nicht. Ich muss mich da jedes Mal wieder in diese Welt hineindenken, muss verschiedene Erzählstränge der Geschichte in meinem Kopf auffrischen - daher brauche ich mindestens 3 Stunden Zeit. Darunter macht es gar keinen Sinn, mich hinter den Rechner zu setzen. Und wann hat man einfach so 3-4 Stunden Zeit?

Mann, Kind und Freunde wollen ja auch mal beachtet werden; Pflanzen brauchen Wasser; der Kühlschrank will Essen; der Kater gekrault werden; Bücher wollen, dass man sie liest; meine Beine verlangen ausdrücklich 3x wöchentlich ein Sportprogramm. Und manchmal meldet sich mein innerer Schweinehund und findet, jetzt sei auch mal Schluss mit Aktivitäten (...gerade dann, wenn ich bereits im Büro den ganzen Tag schon Sätze fabriziert habe).

Ich habe im Herbst nun eine Woche Ferien geplant, um vieles in meinem aktuellen Buch zu überarbeiten. Effektiv sind das aber nur drei Tage, denn an zwei Tagen steht dennoch die Betreuung von meiner Tochter auf dem Programm. Das ist schon mal ein Anfang, aber ich denke, es braucht eben schon einen regelmässieregen Output, um voranzukommen.   

LG, Cailyn

moonjunkie

Für mich habe ich festgestellt, dass es hilft dran zu bleiben. Einigermaßen regelmäßig am Schreiben zu arbeiten. Das muss nicht immer der Roman selbst sein, manchmal kommt Recherche dran, manchmal ein bißchen plotten, manchmal einfach schreiben, wieder lesen, überarbeiten. Ich versuche schon mich täglich mit dem Schreiben zu beschäftigen, aber natürlich klappt das nicht immer. Meistens schreibe ich abends, wenn meine Tochter im Bett ist. Dafür verzichte ich an fast allen Tagen aufs fernsehen. Manchmal schaffe ich es auch vormittags zu schreiben, wenn meine Tochter im Kindergarten ist - aber wie du schon sagst - es gibt tausend Dinge, die man ansonsten auch noch erledigen muss. Und vermutlich sollte ich mich öfter zum Sport aufraffen. Zum schreiben muss ich mich selten aufraffen, das will ich unbedingt und dann schaufele ich mir dafür die Zeit frei. Im Urlaub allerdings - also wenn wir wegfahren, komme ich weniger zum schreiben. Aber das weiß ich schon vorher und bin dann auch nicht traurig, wenn das nicht klappt.

Alaun

#2
Oh ja, das ist ein bekanntes Dilemma ... Das Gefühl, nie genug Zeit zum Schreiben zu haben.
Aber ist das wirklich so? Ich habe auch lange gedacht, ich müsste jeden Tag mindestens zwei Stunden dafür haben, bis ich feststellte, dass es auch anders geht. Ich schreibe effektiver, wenn ich weniger Zeit zur Verfügung habe. Ohne Rumbummeln, ohne Gesurfe zwischendurch, ohne Abstecher zum Kühlschrank, Telefon oder sonstwohin.
Trotzdem versuche ich, möglichst viel Zeit freizuschaufeln, weil ich einfach gerade viele Projekte anstehen habe, die fertig werden oder zumindest zügig vorankommen sollen. Den Juli habe ich mir z.B. freigenommen und alles, was ich tue, ist schreiben. Ein echtes Geschenk, ich genieße es sehr! Aber ich bin eben auch nicht ganz so effektiv wie in Phasen, in denen ich weiß, ich habe jetzt nur eine halbe Stunde. Man ist schon merkwürdig ...

Ich habe für mich beschlossen, dass Schreiben ein unverzichtbarer Teil meines Lebens ist und nehme es genauso ernst wie meine anderen beruflichen Tätigkeiten. Es ist ein Beruf für mich. Punkt. Und insofern wird da auch nicht gekniffen. Ich lasse ja auch nicht einfach Termine mit meinen Patienten ausfallen, nur weil ich gerade mehr Lust auf was anderes hätte. ;)
Aber ich gebe zu, es ist nicht immer einfach. Und mein Problem ist wirklich eher, mir genügend Freizeit zu gönnen. Ich muss immer aufpassen, dass ich es nicht übertreibe mit dem Arbeitswahnsinn.

RockSheep

Also ich habe begonnen morgens eine Stunde früher aufzustehen und zu schreiben. Das krieg ich aber nur im Sommer hin muss ich sagen und es geht bei mir leider auf Kosten vom Sport, den ich früher im Sommer immer am Morgen gemacht habe.
Am Abend bin ich dann irgendwie meistens zu geschafft von der Arbeit und am Wochenende komme ich nur sporadisch zum Schreiben, wenn ich ausnahmsweise nicht Freitagabend bis Sonntagabend komplett ausgebucht habe. 

So schreibe ich immerhin 3-4 mal in der Woche eine halbe bis eine Stunde. Aber es ist schon, wie du sagst: da kommt man nicht weit. Wenn man einfach nur Wörter produzieren müsste, ginge das vielleicht, aber da muss ja noch recherchiert und sich wieder eingearbeitet werden.
Da dies, wegen dem NaNo-Camp ein Vielschreibermonat für mich ist habe ich ab und zu tatsächlich auch Kollegen versetzt und Dinge wie Wohnungsputz niedriger priorisiert. Aber das kann auf Dauer irgendwie auch nicht funktionieren.

Was mir unglaublich viel zusätzliche Schreibzeit beschert hat ist mein Netbook, dass ich immer dabei habe. Ich fahre z.B. viel Zug und da wird jetzt einfach prinzipiell das Netbook ausgepackt und drangesessen, egal ob der Nachbar mir jetzt in den Bildschirm starrt.

Christian

Ich versuche mal meine Gedanken zu ordnen. Wichtig: Ich kann nur für mich sprechen. Mir ist klar, dass andere das anders sehen (wollen/müssen).

Zitat von: Cailyn am 16. Juli 2013, 16:09:21
Wie viel Zeit verbringt ihr beim Schreiben?
Jede wache Minute, die nicht meiner (anderen) Arbeit oder den Tieren gehört. Wenn ich unterwegs bin, plotte ich.

ZitatWie kriegt ihr so ein zeitintensives Hobby unter einen Hut mit allem anderen?
Es ist kein Hobby. Da ich damit (noch?  ;D ) nicht viel verdiene, weiß ich nicht, wie ich es nennen soll oder "darf". Eine Art "Ausbildung", "Weiterbildung", "mein anderer Beruf", Zwangsverhalten? Keine Ahnung. Ich habe gar keine Hobbies. So wie ich es sehe, habe ich zwei Berufe, vier Hunde und einen Kater. Mit Hobbies kann ich nichts anfangen. Wenn ich etwas anfange, höre ich nach kurzer Zeit auf oder gehe es richtig an. Es gibt Ablenkungen, aber keine Hobbies für mich.

ZitatVerzichtet ihr bewusst auf Sachen, damit ihr genügend Zeit zum Schreiben habt? Wenn ja, worauf?[/b]
Jein. Ich würde es nicht als Verzicht bezeichnen. Momentan verzichte ich auf Geld, weil ich in meinem anderen Beruf eine Pause einlege, um Zeit für das Camp zu haben. Ich habe nicht viele, dafür sehr enge Freunde, die es verstehen, dass ich mich selten melde und noch seltener blicken lasse. Menschen, die das nicht verstehen, haben keinen Platz in meinem Leben.

Ich schlafe relativ wenig. Mit vier, manchmal fünf Stunden pro Nacht bin ich zufrieden. Hin und wieder nehme ich mir ein paar Tage Auszeit. Dann schlafe ich fast nur. Ein  Vorteil ist wohl, dass ich recht schnell und viel schreiben kann. Und ich nutze die diversen NaNo-Zeiten.

Tinnue

ZitatWenn es möglich wäre, 3-4 Mal die Woche 1 Stunde am Buch zu arbeiten, fände ich das wirklich toll. Aber bei mir funktioniert das so gar nicht. Ich muss mich da jedes Mal wieder in diese Welt hineindenken, muss verschiedene Erzählstränge der Geschichte in meinem Kopf auffrischen

Da sagst du was! :D
Ich denke, es geht vielen so. Vielleicht nicht allen, aber vielen. Solange man (noch) einen Brotjob hat, ist man nun mal nicht so flexibel, wie man es vielleicht doch gerne hätte. Ich zum Beispiel bin dann auch ein Mensch (aber ich denke mal das sind wir alle), der natürlich auch einige Zeit für Familie und Freunde reserviert. Dann habe ich Zuhause meinen Mann, der auch nicht ständig allein am PC sitzen will - und irgendwann kommen dann noch Kinder dazu.

Ich versuche, so gut es geht Zeit abzuknöpfen. Da ich Selbstständig bin, geht das mal besser, mal schlechter. Im glücklichsten Fall kann ich mir ernsthaft mal 1- 1,5 Tage die Woche rausnehmen, die ich nur fürs Schreiben nutze. Meistens wird es aber das Wochenende. Abends, je nachdem wie kaputt ich da bin.


Bei mir ist es dann auch so, dass ich, wenn ich längere Zeit nicht zum Schreiben kam, eine gewisse "Anlaufzeit" brauche. Setzte ich mich dann neu an ein Kapitel, kann ich tatsächlichmal 2 Stunden oder so an einer Seite sitzen. Dann bin ich drin, und es geht auch wieder schneller. Aber das ist jedes Mal wie eine kleine Hürde.

Cailyn hat da, wenn ich's richtig verstanden hab, ähnliche Erfahrungen. Kennt noch jemand diese "Anlaufschwierigkeiten"?

Zit

#6
Momentan stecke ich ja nur in Anlaufschwierigkeiten. :rofl: Ich habe versucht, morgens zu schreiben. Nada. Habe versucht während Zugfahrten zu schreiben, wenn ich viel fahren musste. Nada. Habe abends geschrieben. Naja. Habe mich am Wochenende früh hingesetzt. Nada.
Wirklich regelmäßig produktiv war ich nur als ich nur 5h/5d die Woche arbeiten musste (entweder früh ab um 6 oder abends ab um 5). Ohne Arbeit bin ich genauso unproduktiv (weil verzerrter Tagesrythmus, viel Schlaf, viel Trägheit) wie aktuell mit einer 37,5h-Woche (blöde Arbeitszeiten zw. 9Uhr und 20 Uhr). Ich komme nur dann wirklich dazu etwas zu machen, wenn ich meine Freizeit am Stück habe, entweder vorne raus oder nach hinten. Zerhackstückelt wie es jetzt ist, ist es einfach doof. Im Moment habe ich zwar Urlaub, aber so wirklich etwas gemacht habe ich bisher nicht. Habe gestern stattdessen lieber viel gezeichnet.
"I think therefore I am
getting a headache."
Unbekannt

Sturmloewin

Ich habe immer so Phasen, in denen ich ganz viel schreibe und plotte. Dann aber auch überall und irgendwie. Egal ob Stift und Papier, Schreibmaschine oder Computer.
So richtig intensive Schreibphasen (also mehrere Stunden, in denen ich mich nur damit beschäftige) kenne ich nicht, hab ich auch keine Zeit für (leider). Früher habe ich das manchmal gemacht, dass ich zum Beispiel vor der Schule extra früher aufgestanden bin, um noch schreiben zu können und so etwas.
Dann hab ich aber auch wieder Phasen, in denen ich fast gar nicht am Buch arbeite und das irgendwie links liegen lasse (was ziemlich schade ist).
So when the world knocks at your front door
Clutch the knob tightly and open on up
And run forward and far into its widespread, greeting arms
With your hands outstretched before you
Fingertips trembling, though they may be
--- Anis Mojgani "Shake the Dust"

dat xrüsli

Bei mir ist es so, dass ich mehr schreibe je weniger Zeit ich dafür habe. Wenn früher also beispielsweise Referate oder Klausuren anstanden habe ich meine freie Zeit ungern darin investiert, sondern viel lieber geschrieben. Man könnte fast sagen, das Schreiben ist in solchen Phasen für mich eine Möglichkeit der Prokrastination. ;D

In stressigen Zeiten hilft es mir darüberhinaus aber auch, mir einen bestimmten, festen Termin für das Schreiben zu geben. Als ich noch zur Schule ging war das bei mir immer eine Stunde, bevor ich in den Unterricht musste. Ich kann morgens halt wesentlich konzentrierter Schreiben als nachmittags oder abends und ich schätze, ab September werde ich diesen regelmäßigen Schreibfluss am Morgen auch wieder für mich entdecken.

Naudiz

Momentan bin ich in der glücklichen (?) Lage, ausbildungs- und arbeitslos zu sein und deswegen den ganzen Tag für meine Hobbies zur Verfügung zu haben. So wirklich etwas bringen tut es mir aber nicht. Mir geht es nämlich genauso wie Aqua: Unter Zeitdruck bin ich sehr viel produktiver.
Deswegen funktioniert der NaNo für mich ja so gut - allerdings nur, wenn ich nicht den ganzen Tag frei habe. Das merke ich gerade im Camp NaNo sehr stark - ich habe ein kleines Ziel mit nur 30k und bin jetzt, an Tag 16, bei 25k. Während der beiden November-NaNos, die ich mitgemacht habe, war ich zu dem Zeitpunkt schon über dieses Ziel hinaus. Trotz Schule. Trotz anderer Verpflichtungen. Und jetzt ... dümpele ich herum und schaffe oftmals nicht mal mein Tagessoll.

Was das angeht, bin ich also ein sehr, sehr komischer Mensch. Um zur eigentlichen Frage zurückzukommen: Sofern ich mit Schule bzw. einem Job beschäftigt bin, nutze ich für gewöhnlich jede freie Minute, die ich nicht damit beschäftigt bin, zum Schreiben. Diese Zeit nehme ich mir. Aber ich achte auch darauf, genug Input reinzubekommen - mit Freunden weggehen, lesen, zocken, Filme schauen. Das brauche ich, um zu "funktionieren".
Alles in allem wende ich also im "Normalzustand" vielleicht 2-3 Stunden täglich auf, an Wochenenden natürlich mehr. Während des NaNos bin ich teilweise früher aufgestanden, um morgens vor der Schule noch ein bisschen schreiben zu können.

Fianna

Ich versuche, im Schreibfluß drin zu bleiben. Aus diesem Grund habe ich meist 2 Projekte (bei einem wird geplottet / recherchiert, das andere wird geschrieben).

Ich rechne nicht in Zeit, sondern in Wörtern. Ich versuche, durchschnittlich jeden Tag eine bestimmte Anzahl an Wörtern zu schreiben. Natürlich kommt mal einen Tag nichts, aber dann an einem anderen Tag umso mehr - dass ich am Ende der Woche praktisch mein "Pensum" erfüllt habe.

Dazu habe ich mit meiner Schreibgruppe einen Thread, in dem jeder postet, wieviel er geschafft hat - das wirkt aber nicht so gut, denn die Leute posten nur, wenn sie viel haben und nicht, was sie so steady schaffen  ;D

Außerdem habe ich einen neuen Freund, der auch so ein Vielschreiber ist, der mich antreibt oder mir (auf meinen ausdrücklichen Wunsch, er soll das tun) vorhält, wieviel er geschafft hat, um mich anzustacheln.

Momentan klappt es eher bescheiden, aber das liegt auch daran, dass ich noch andere Projekte habe.
Ab morgen wird es hoffentlich wieder funktionieren  ;D

Runaway

Schreibzeit ist meine liebste Lebenszeit. Mir hilft es sehr, kontinuierlich dranzubleiben und jeden Tag oder zumindest jeden zweiten dran zu arbeiten. Das verringert die mühselige Zeit, sich wieder einzudenken und weiterzuschreiben.
Schreiben kommt neben meiner Arbeit gleich als nächstes. Ich war schon immer so, daß ich eher an anderen Hobbies gespart habe. Während des Studiums konnte ich mir noch mehr Hobbies leisten, aber mir geht es halt einfach nur dann gut, wenn ich schreiben kann. Alles andere ist zweitrangig. Natürlich gucke ich, daß ich jeden Tag Zeit für meinen Mann habe und mich um unsere kleinen Fellratten kümmern kann und ich passe auch auf, daß die Bude nicht versumpft.
Aber ansonsten wird gespart. Erst kommt das Schreiben - glücklicherweise bin ich, wenn es gut läuft, so produktiv, daß ich 1-1,5k in der Stunde schreiben kann, wenn ich mich auch auf regelmäßige Pausen berufen und mich konzentrieren kann. Ich hab schon früher während der Schule regelmäßig 4k am Tag geschafft. Läßt man mich, geht das auch heute noch.
Der Rest wird drumherum drapiert. Natürlich besuche ich Freunde und ich gucke wahnsinnig gern Serien, aber das mache ich eben dann, wenn ich nicht inspiriert bin. Zumal ich auch so straight schreibe, daß ich ein Projekt in absehbarer Zeit durch habe und dann nehme ich mir bis zum nächsten Projekt auch mal schreibfrei. In der Zeit wird dann der Rest gemacht.

Woran ich leider überhaupt nicht sparen kann, ist Schlaf. Das ging noch nie und seit meine Schilddrüse sich selbst torpediert, erst recht nicht mehr. Unter 7 Stunden Schlaf werd ich zum Zombie und damit ist meiner Kreatitivät auch nicht gedient.
Ich spare dann eher an so blöden Lebensverplemperungszeiten wie Anfahrt zur Arbeit - ich hab das Glück, daß mein neuer Job 1 km von meiner Haustür entfernt ist, da kriege ich dann eine Stunde geschenkt. Mit meinem neuen Chef konnte ich mich drauf einigen, meine Arbeitszeit mit Vorankündigung flexibel auf 36 oder 32 Stunden anzupassen. Das sind alles Dinge, die helfen werden.
Zum Glück hat mein Mann für das alles viel Verständnis. Er erlebt, wie ungenießbar ich werde, wenn ich nicht schreiben kann und er ist auch nicht undankbar, daß er seinen Hobbies nachgehen kann, während ich schreibe. Wir sitzen dann sowieso nebeneinander und das macht viel aus.

Lucien

Im Augenblick habe ich außer meiner BA-Arbeit keine weiteren Verpflichtungen und ich könnte locker mehr schreiben (wenn ich grad nicht an der Arbeit sitze), allerdings habe ich mir auch angewöhnt, furchtbar lange zu schlafen!  ::)
Dafür bin ich aber dann nachts munter. Ich nutze also die späten Abendstunden, wenn das Haus und die Welt da draußen in Stille versinkt und ich schon zu müde bin, um mich noch ernsthaft auf die Uni zu konzentrieren.
Wie intensiv und lange ich dann schreibe oder plotte ist unterschiedlich und hängt auch davon ab, wie sehr mir immer noch der Unikram im Kopf herumschwirrt ... das ist ja sowas von lästig!  :wums:
Im Augenblick gehe ich noch optimistisch davon aus, dass ich nach dem Studium mehr Zeit zum Schreiben finde, z.B. nach der Arbeit oder am Wochenende.  ;D

Fynja

Hach, die Schreibzeit, ein leidiges Thema bei mir. ;)

Bis zur zehnten Klasse hatte ich mehr als genug Zeit zum Schreiben, weil ich die Schule mit nur wenig Zeitaufwand locker erledigen konnte und somit viele freie Nachmittage oder Abende zum Schreiben hatte ohne Freunde oder andere Hobbys vernachlässigen zu müssen.
Das hat sich dann jedoch abrupt geändert - vor allem in den Prüfungszeiten wurde es schwierig, Zeit zum Schreiben zu finden und wenn ich die dann doch mal hatte, hatte ich gleich wegen der Schule ein schlechtes Gewissen und das hat sich auf meine Noten ausgewirkt... Sogar in den Ferien hatte ich schulisch viel zu tun und es wurde immer schwieriger, alles unter einen Hut zu kriegen...
Und ja, als es dann ernst wurde mit dem Abschluss, war's das mit dem Schreiben. Da ich auch zu den Leuten gehöre, die sich erst in eine Geschichte einfühlen müssen, hätte es mir nichts gebracht, täglich eine halbe Stunde zum Schreiben zu haben, auch wenn die wohl noch drin gewesen wäre. Allerdings hätte ich dann entweder meine Schreibzeit überzogen und Schule doch wieder vernachlässigt oder auch in der halben Stunde herum prokrastiniert und dann doch nichts zu Papier gekriegt.
Diesem eher besch...eidenen Zeitmanagement-Talent meinerseits ist es zu verdanken, dass ich während anderthalb Jahren quasi gar nichts mehr geschrieben habe.  :-\

Und jetzt? Jetzt hätte ich eigentlich alle Zeit der Welt zum Schreiben. Dachte ich.
Seit einem Monat ist der ganze Stress vorbei und ich habe Ferien und mir schreibtechnisch vorgenommen, wieder voll durchzustarten. Denkste. Irgendwie bin ich nun doch ständig unterwegs und habe extreme Anlaufschwierigkeiten. Ich habe es nicht mal geschafft, meinen Roman zu überarbeiten und da ich in drei Tagen wieder in Urlaub fahre, weiß ich auch nicht, ob es sich lohnt, einen weiteren Roman jetzt weiterzuschreiben. Was ich eigentlich schon vor einem Monat machen wollte... Aber vor allem der erste Anlauf nach einer Pause ist bei mir sehr zeitintensiv und wenn der dann auch noch unterbrochen wird, ist das eigentlich eher kontraproduktiv.

Dabei weiß ich eigentlich, dass ich auch anders kann. Drei Mal habe ich am NaNo teilgenommen und mich jedes Mal selbst überrascht damit, wie viel ich in kurzer Zeit schreiben kann. Aber zurzeit habe ich das Gefühl, mich nicht mehr recht ans Schreiben zu wagen... Und auch bei meinem letzten NaNo habe ich nur an den ersten Tagen des Monats, in denen ich Ferien hatte und an den Wochenenden geschrieben. Während der Woche ist auch damals fast nichts bei mir gelaufen...

Ich muss also wohl dringend an meiner Zeiteinteilung arbeiten, sonst werde ich dauerhaft das Gefühl haben zu wenig Zeit zum Schreiben zu haben, obwohl ich sie, wenn ich mir alles besser einteilen könnte, sehr wohl finden würde. Hier vertraue ich darauf, dass ich während meines Studiums flexibler sein werde...

Ansonsten geht es mir wie Jenny. Erst mal muss ich meinen Schlafmangel vom Schuljahr aufholen und schlafe, wenn ich ansonsten keine Termine hab, sehr gern bis 11 oder gar 12 Uhr mittags.  ;D Allerdings habe auch ich festgestellt, dass ich nachts am produktivsten bin und dann ist es auch effizienter, wenn ich bis 3 oder 4 Uhr nachts schreibe, statt mich zu zwingen, zum Schreiben früh aufzustehen und dann doch nichts zustande zu kriegen.

Snöblumma

Mir war, als hätten wir das Thema irgendwo schon mal gehabt, aber das verwechsle ich wohl gerade mit dem Zu-viele-kreative-Hobbys-Thread (hier).

Schreibzeit... hätte ich gerne mehr davon, keine Frage. Zu Schulzeiten habe ich eigentlich jeden Abend (wenn ich nicht gezockt habe, oder genäht, oder Musik gehört, oder gelesen, oder tanzen war, oder eines der anderen tausend Dinge getan habe) geschrieben, aber damals war es wirklich nur planlos, für mich und einfach aus Spaß. Da war es auch kein Problem, wenn die Schreibzeit mal wegfiel. Ich hatte damals wieder Veröffentlichung im Sinn noch irgendein anderes Ziel. Ich habe Fanfictions geschrieben, die von Freunden gelesen wurden, da hatte ich ab und zu "Abgabetermine". An meinen eigenen Welten habe ich nach Lust und Laune gebastelt.

Im Studium habe ich dann einerseits nach und nach aus Zeitgründen die anderen Hobbys fallen lassen und andererseits das Schreiben verstärkt mit dem Fokus auf Veröffentlichung hin betrieben, bzw. es ernster genommen als zu Schulzeiten. Inzwischen haben sich meine Hobbys auf Sport, Freunde treffen und Schreiben reduziert, mehr ist einfach nicht mehr drin neben Arbeit, Dissertation und Lernen. Ich vermisse es ab und zu und würde vor allem gern wieder selber nähen, aber solange das Schreiben diese Leere füllt und ich mich darin ergehen kann, ohne den Burn-out zu erleiden, empfinde ich es nicht als Einschränkung. Ich schaue sehr, sehr wenig (oder besser: gar nicht) fern, das gibt Freizeit ohne Ende. Das einzige, das mir etwas zu kurz kommt, ist das Lesen, vor allem im Vergleich zu früher. Ich lese nicht mehr so viel Fantasy, sondern eher leichte Sachen, weil ich dazu nicht auch noch den Kopf habe. Woran ich noch spare, ist Schlaf, weil ich zum Glück mit sechs Stunden locker auskomme. Eigentlich ja auch mit fünf, wenn ich morgens länger schlafen könnte, aber nachdem bei uns um halb sechs der Wecker geht und das überhaupt nicht meine Zeit ist, brauche ich die Stunde mehr, um das auszugleichen. Spätestens um Mitternacht ist bei mir also Licht aus, was bedeutet, dass ich gegen halb zwölf die Textverarbeitung schließen muss (leider, da läuft es dann immer so schön. Ich wäre so gern ein Morgenmensch, und stattdessen bin ich die übelste Nachteule).

Ich habe noch den Vorteil, keine Kinder zu haben, und mein Mann kann sich abends gut selbst beschäftigen, liest oder geht ins Bett, sodass sich da Schreibzeiten auftun. Ich versuche, dreimal die Woche abends zu schreiben, also ab 21 Uhr etwa am Rechner zu sitzen und an meinen Sachen zu arbeiten. Das klappt leidlich, und damit habe ich etwa 3x2 Stunden zum Schreiben. Natürlich geht da immer wieder auch was für Recherche drauf, oder ich bleibe beim Einlesen hängen, oder ich verquatsche mich mit meinen Testleserinnen, oder ich plotte lieber. Das empfinde ich jedoch als normal und als dem Schreibprozess zugehörig. Schreiben ist eben nicht nur das bloße Tippen, sondern auch der ganze Rest drumherum, und diesen Rest mag ich genauso wie das reine In-Worte-fassen. Die Schreibzeit klappt auch nicht immer, manchmal bin ich nach dem Sport einfach zu müde oder mache doch lieber andere Dinge, aber hey, es ist ein Hobby. Ich bin in der glücklichen Lage, nicht vom Schreiben leben zu müssen und schreibe primär, weil es mir Spaß macht, nicht, um noch mehr Stress zu haben. Stress habe ich auf der Arbeit mehr als genug. Wenn es mal nicht läuft, läuft es eben nicht, dafür kommen dann wieder die Abende, an denen in den zwei Stunden mal locker 5.000 Wörter aus der Feder fließen. Ich gebe jedoch offen zu, dass ich extrem diszipliniert bin, was das Zeitmanagement angeht, gelegentlich sogar etwas zu krass geplant. Ich lebe nach Stundenplan, mehr oder weniger, gerade um das Lernen und Arbeiten und Schreiben unter einen Hut zu bringen. Das ist sicherlich nicht jedermanns Sache, aber ich liebe diese Struktur in meinem Tag und würde anders ganz kirre werden. So kann ich guten Gewissens nach elf Stunden Lernen die Segel streichen und zum Sport oder Schreiben gehen, auch wenn man immer noch mehr lernen und machen könnte. Das gibt mir dann die innere Freiheit, in meine Texte abzutauchen.

Wobei ich mir die Zeit vor dem Abi schon sehr zurückwünsche. Gerade in der Kollegstufe hatte ich so extrem viel Zeit, und habe so viel dieser Zeit schlafend verbracht... aber gut, jetzt ist es auch schön. Nur eben etwas stressiger ;).