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Wieviele Personen kann eine Story ab

Begonnen von Darien, 17. November 2007, 20:40:44

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Smaragd

Hmm... ich denke, das Problem, dass so viele mit dem Rad der Zeit haben, ist, dass Robert Jordan sich eben viel Mühe gegeben hat, seine Nebencharaktere auch "lebendig" zu machen, ihnen einen Hintergrund und eigene Ziele zu geben. Dass diese Charaktere dann immer wieder mal auftauchen, lässt gerade noch soviel Wiedererkennungseffekt zu, dass man denkt: Moment mal, irgendwoher kenne ich den doch...? Wie war das nochmal? (Ok, ich hab das nicht, aber ich hab die Bücher auch schon einige Male gelesen... ich habe eine Schwäche für epische fantasy.)

Ich persönlich mag diese Komplexität sehr gerne und ich mag es, wie er hunderte von eigenen Geschichten andeutet und mit der Haupthandlung verwebt. Es lässt es für mich sehr echt wirken. Aber ich kann auch verstehen, dass es nervig sein kann, dauernd neue Charaktere und Handlungsstränge vorgesetzt zu bekommen, die einen eigentlich gar nicht interessieren.

Es ist Geschmackssache - und kommt vielleicht auch darauf an, was der Leser erwartet. Bei epischer fantasy rechnet man schon eher mit vielen Charakteren als bei einer sword and sorcery-Geschichte, in der sich der Prota schwertschwingend seinen Weg durch die Welt bahnt. Ok, schlechtes Beispiel, aber mir fällt gerade kein besseres ein. Was ich damit sagen will: Wie viele Figuren eine Story verträgt, kommt darauf an, was man schreiben will. Es muss zum Plot passen.

Wie ich das selber mache, kann ich ehrlich gesagt nicht ganz definieren. Mein nano hatte sechs Perspektivträger, wenn ich mich nicht irre, und zwei davon hatte eigentlich nur je eine Szene. Wenn ich das jemals überarbeite, werden die wahrscheinlich entweder ausgebaut oder eingestampft. Nebencharaktere gab es so einige (ich glaub, ich habe an die 30 Namen), aber davon sind nur vielleicht 10 wichtig, der Rest ist Dekoration. Fragt mich nicht, wie gut die alle zu unterscheiden sind, daran erinnere ich mich nicht. ;)
Und mein gegenwärtiges Machwerk hat nur einen Perspektivträger, bei dem ich ganz stur bleiben will. Mal schaun, ob das funktioniert. Nebencharas hab ich bisher zwei, von denen der zweite sich noch nicht hat blicken lassen.

Churke

Ich denke,  ob eine Welt aus Statisten bestehen soll oder aus Menschen, kommt auf den Plot an und das, was der Dichter damit sagen will. Figuren transportieren Meinungen und können Helfer oder Gegner des Protagonisten sein. Helfer oder Gegner würde ich auf jeden Fall namentlich erwähnen.

Aktuell sitze ich an einem Projekt mit 3 Hauptfiguren, weiteren 4 Perspektivträgern und und schätzungsweise 70 namentlich genannten Nebenfiguren. Plus ein paar, über die nur geredet wird, die aber nicht auftauchen. Dem Autor macht das vor allem Arbeit, aber die Figuren sind entweder historisch oder so plotrelevant, dass sie einen Namen brauchen. :hmhm?:

Mrs.Finster

Zitat von: Churke am 25. April 2009, 12:24:49
Aktuell sitze ich an einem Projekt mit 3 Hauptfiguren, weiteren 4 Perspektivträgern und und schätzungsweise 70 namentlich genannten Nebenfiguren.

Ähhh...über das ganze Buch verteilt oder regelmäßig erscheinend  :hmhm?: Das stelle ich mir als Meisterleistung vor  ;D

Ich habe leider auch zu viele Nebenfiguren. Am Anfang sind es zwei, dann vier und hinterher eine große Gruppe von 8 Reitern, die sich zusammen auf Reisen befinden. Ich bin wirklich am überlegen das zu dezimieren, denn das wird auf Dauer echt zu viel. Ich komme teilweise schon selbst durcheinander  :rofl: wie soll es da erst beim Leser sein? Das Problem ist, teilweise sind diese Personen unheimlich wichtig für die Story. Ich denke, ich sehe es wie Mogwied. Ein guter Mittelweg muss gefunden werden. Da passt doch das Sprichwort: zu viele Köche verderben die Suppe  ;)
Glück ist, wenn die Katastrophen in meinem Leben endlich mal eine Pause einlegen :-)

Mogwied

Ich sehe schon, da gehen die Meinungen auseinander.
Ich selbst habe beschlossen, wenig Figuren zu nutzen, weil ich selbst als Leser nie Interesse an Nebenfiguren habe. Ich sag mal so, meine Figur nimmt das Gewusel auf der Straße war, OHNE irgendjemanden zu sehen, den sie kennt. Dann ist es lebendig, aber dem Leser bleibt ein Name erspart.

Fand da, wie gesagt, Dawn Cook sehr angenehm. In den erste zwei Bänden gab es praktisch nur 4 oder 5 Hauptfiguren (etwa gleich wichtig, eine etwas wichtiger) und praktisch niemanden sonst. Andererseits hatte Dawn Cook in ihrem Buch andere Schwächen, passt hier aber nicht hin.

Robert Jordan finde ich ja selbst klasse. Und ich habe es auch 3x gelesen. Aber, abgesehen von den Handlungshängern in der Mitte) ist mein Gedächtnis teilweise einfach zu schlecht.

Churke

Zitat von: Mogwied am 25. April 2009, 13:53:07
Ich sag mal so, meine Figur nimmt das Gewusel auf der Straße war, OHNE irgendjemanden zu sehen, den sie kennt. Dann ist es lebendig, aber dem Leser bleibt ein Name erspart.

Sicherlich muss man sich beschränken, aber ich will mal ein griffiges Beispiel bilden: Angenommen, die Figur A ist Soldat. In einer Einheit von sagen wir 60 Mann. Figur redet immer nur vom Essen, Figur B drückt sich hinten und vorne, Figur C bereitet sich auf die Desertion vor, Figur D ist ein Schwerverbrecher, der Hauptmann ist ein spielsüchtiger Säufer... Aus der Ausarbeitung solcher Nebenfiguren entsteht erst ein lebendiges Bild. Und zu sehen, wie sich diese ganzen Figuren z.B. im Kampf gegen einen Drachen verhalten, kann die Story schon viel interessanter gestalten als ein simples "veni, vidi vici".

Figuren, die einen Beitrag für die Handlung leisten, sollte man mit dem Namen nennen. Die Frage ist natürlich, wie viele dieser Figuren man braucht. Conan arbeitet bekanntlich alleine, Harry Potter ist ohne Freunde aufgeschmissen  :engel:

Sprotte

Mein Negativbeispiel für viele, namentlich genannte Statisten ist Clive Cusslers "Hebt die Titanic". Viele Techniker, Taucher und was noch alles, die mit Namen und einer Minibeschreibung vorgestellt werden. Einige gehen nachher sogar bei drauf, aber sie interessierten mich beim Lesen nicht, da ich ohnehin nicht mehr wußte, wer das da gerade war.
Manche Geschichten brauchen viele Nebenfiguren; manche Geschichten wären reicher, wenn der Sklave, der morgens die Puschen ans Bett rückt, nicht namentlich erwähnt werden würde.
Ich mag keine zu großen Personenansammlungen. Ich habe Gruppen schon in zwei kleinere Grüppchen unterteilt, um nicht mit sieben Personen durch die Gegend zu rennen (zum Ende hin kommen sie natürlich wieder zusammen, aber zwei konnte ich dann im Lager lassen, einer frißt einen Apfelbaum leer, und nur die restlichen vier, die ich mal zusammen mal getrennt zuschlagen ließ, haben weitergemacht. Sehr entspannend!).

Georgette Heyer ist ein gutes Beispiel, wie man es richtig macht. Sie hat immer ein Hauptpaar - es sind nun einmal Liebesromane. Dazu kommt eine perfekt balancierte Gruppe an Nebenpersonen - Helfer des Paares, manchmal ein Antagonist, manchmal dessen Helfer. Sie beschreibt jede Person und zwar strikt mit Show don't Tell, indem sie sie sprechen läßt, nervös oder selbstsicher in einem Raum warten läßt. Jede Person ist je Roman einzigartig, unverwechselbar.

FeeamPC

Also, ich mag Geschichten mit vielen namentlich erwähnten, liebevoll ausgearbeiteten Nebenfiguren.
Ich mag sie gerne lesen und gerne schreiben.
Habe aber auch schon die Erfahrung gemacht, daß solche Szenarien manche Leute ganz schön nerven.
Wie immer scheint auch das Geschmackssache zu sein, und über Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten.

Tenryu

Ich denke, daß es weniger darauf ankommt, eine Person mit Namen zu nennen, als sie der Szene entsprechend lebendig zu beschreiben. Es gibt ja sogar Romane, in denen der Held bzw. Erzähler noch nicht einmal namentlich genannt wird.

Im allgemeinen mag ich es aber nicht mit überflüssigen Namen und Personen verwirrt zu werden. (Mit ein Grund, warum den "Herrn der Ringe" nicht mag.)

gbwolf

Ich habe das Thema mit einem älteren Thread zusammengfeührt. Also nicht wundern, warum das alles plötzlich etwas länger ist  :winke:

Drachenfeder

Hmm... also bei mir in der Saga kommen ziemlich viele Figuren vor. Wobei einige davon den engeren Kreis bilden und die restlichen Nebenfiguren sind, die jedoch recht häufig erwähnt werden. Ich versuche in Kurzgeschichten so wenige Figuren wie möglich einzubinden. In meinen Romanen sieht das jedoch ganz anders aus. Ich lese auch selbst gerne Romane in denen viele unterschiedliche Charaktere drin sind.



Mogwied

Ich glaube mein Problem mit vielen Namen hängt mit meinem total miesen Namensgedächtnis zusammen. Es kommt vor, dass mir aus dem Stehgreif nichtmal der Name des Helden des Buches, das ich aktuell Lese einfällt. Mein Nick stammt aus einem Buch, wo ich außer diesem nur noch einen weiteren Namen weiß, aber da kamen mindestens 100 eute drin vor. Eher 200. Da dreht sich mimmer alles in meinem Kopf :-)

Kann mir aber vorstellen, dass man das lebendiger findet, wenn man ein gutes Gedächtnis hat, wenn viele Figuren auftauchen. Geschmacksache, schätze ich.

Romy

#41
Zitat von: FeeamPC am 26. April 2009, 23:39:51
Also, ich mag Geschichten mit vielen namentlich erwähnten, liebevoll ausgearbeiteten Nebenfiguren.
Ich mag sie gerne lesen und gerne schreiben.
Habe aber auch schon die Erfahrung gemacht, daß solche Szenarien manche Leute ganz schön nerven.
Wie immer scheint auch das Geschmackssache zu sein, und über Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten.

Da kann ich jedes Wort unterschreiben!  :D Und als Leserin kann ich mir gewöhnlich auch alle Namen gut merken. Mein Paradebeispiel ist da Krieg und Frieden von Tolstoi. Alle Leute, die es gelesen haben, erzählen mir, dass sie sich eine Personenliste anfertigen mussten, aber ich bin auch ohne ganz wunderbar zurecht gekommen und die meisten Namen habe ich auch jetzt, nach bald 2 Jahren, immer noch im Kopf 8)

Protagonisten (also Perspektiventräger) habe ich meistens 2, meine maximale Zahl waren glaube ich mal 8, das war aber wirklich hart an der Grenze und das Ergebnis ist kein Meisterwerk ...
Personen an sich - also nicht unbedingt Perspektiventräger, sondern wichtige Nebenfiguren, Statisten etc. - habe ich aber meistens sehr viele. Man muss sich dann aber doch Mühe mit ihnen geben, um keine Stereotypen aus ihnen zu machen. - Wobei ich finde, dass es noch mal ein Unterschied hat, ob man einfach 8 Figuren hat, oder 8 Perspektiventräger. Es ist wohl logisch, dass Perspektiventräger ausführlicher dargestellt werden müssen, als Nebenfiguren, die der Leser nur von außen zu sehen bekommt - und trotzdem darf man sie nicht vernachlässigen.

Coppelia

Ich les ja grad die Vanguard-Reihe von Star Trek ... die ist eigentlich gar nicht schlecht. Aber sie hat einen wirklich merkwürdigen Tick, der irgendwie zu diesem Thread passt: Alle Figuren werden sehr ausführlich vorgestellt, auch unwichtige Nebenfiguren, die nur auf 2 Seiten vorkommen, weil sie gleich anschließend sterben. Es wird berichtet, welche Philosophie hinter ihrem Bartschnitt steht und welche Angewohnheit sie wann zeigen und noch sehr viel mehr. Und ich meine wirklich Nebenfiguren, nicht einmal Perspektiventräger, die kurz vorkommen, um die Tragik ihres Todes zu untermalen, sondern Leute, die sich auf den 2 Seiten, in denen der Perspektiventräger, der anschließend stirbt, vorkommt, zufällig mit ihm im selben Raum befinden.
Dadurch gewinnt die Geschichte an Glaubwürdigkeit ...
Aber sie verliert auch sehr an "Schwung". Und was dazu kommt, die eigentlich wichtigen Figuren geraten aus dem Blickfeld. Insgesamt macht die Reihe einen langsamen, schon fast langweiligen Eindruck, und ich glaube, das ist einer der Hauptgründe dafür, denn sonst kann man eigentlich gar nichts an ihr aussetzen. Ich dachte in Teil 1 erst, es sei eine Macke des Autors, aber in Teil 2 ist es immer noch so. Die Autoren haben offenbar entsprechende Anweisungen.
Ich frage mich, warum ...
Natürlich sterben nicht alle unwichtigen Nebenpersonen sofort, aber die meisten sind bisher auch nie wieder aufgetreten, und sollten sie es jemals wieder tun, kann ich mich bestimmt nach mehreren hundert Seiten nicht mehr an sie erinnern. ;)

Kati

Ich versuche immer nur so viele Personen in die Geschichte einzubauen, wie unbedingt sein muss. Es gibt meist bloß einen Protagonisten (kann daran liegen, dass ich aus der Ich-Perspektive schreibe) und einen Antagonisten und dann gibt es natürlich die Freunde des Protagonisten und die Bekannten. Und Leute die er/sie vielleicht mal irgendwann, irgendwie sieht, aber niemals kennenlernen oder wiedersehen wird. Die sind dann meistens in einem Satz erwähnt. Zum Beispiel:
"Als ich die Straße hinunterlief, folgten mir die Augen eines zwielichtigen Mannes, der an einer Hauswand lehnte und auf irgendetwas zu warten schien."
Der Kerl wird nie wieder vorkommen, aber er hilft halt dabei sich die Gegend vorzustellen, in der der Prota gerade unterwegs ist.
Jetzt könnte ich natürlich beschreiben was er für Kleidung trägt, vielleicht kommt der Mann, auf den er wartet auch noch dazu, aber wozu?
Was ich besonders ätzend finde war das, was Stephenie Meyer in "Breaking Dawn" gemacht hat: Tausende von Vampiren wurden auf den letzten Seiten vorgestellt und von den meisten hat man danach nie wieder etwas gehört.

LG,

Kati

Schreiberling

Ich versuche, so viele Personen einzubauen, wie ich für nötig halte, um die Geschichte möglichst lebendig werden zu lassen. Sind dafür 10 Personen nötig, baue ich zehn ein, sind dafür nur zwei nötig, baue ich nur zwei ein. Was ich jedoch nicht mag, ist wenn es viele Personenbeschreibungen/-einführungen auf wenigen Seiten gibt. Ich versuche es dort so zu Hand haben, dass es ausgewogen ist. (Hört sich leichter an, als es manchmal ist. ;) )

Meistens hilft mir die Überlegung, was ich selbst als Leser gerne lesen würde, bzw. wann ich als Leser gerne nähere Informationen zu der Person hätte. Da versuche ich auch immer, meine Betaleser nach zu fragen, ob sie mehr über die Person wissen wollen oder ob ihnen das reicht oder ob sie vielleicht finden, sie ist gänzlich unrelevant.

Liebe Grüße,
Schreiberling