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Gefühle schreiben-Gefühle beschreiben

Begonnen von Ary, 01. Januar 1970, 01:00:00

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Moni

@Maja: da hst du definitiv recht, aber es fällt manchmal wesentlich schwerer, Gefühle "erlebt" auszudrücken, als "beschrieben". Ich werde mal versuchen, in meinen Texten darauf zu achten...
Deutsch ist die Sprache von Goethe, von Schiller...
und im weitesten Sinne auch von Dieter Bohlen[/i]
Stefan Quoos, WDR2-Moderator

»Gegenüber der Fähigkeit, die Arbeit eines einzigen Tages sinnvoll zu ordnen,
ist alles andere im Leben ein Kinderspiel.«[/i]
Johann Wol

Manja_Bindig

Das Problem ist nur, wenn man Gefühle durchgängig erlebt schreibt, klingen sie dann übertrieben und kitschig... hin und wieder ein "Fühlen" und "spüren" ist da schon sehr sinnvoll...

(hab ich schon mal erwähnt, dass die Aussprache von Mouwsal total putzig klingt?)

Schelmin

Ich finde es nicht so schlimm, die Begriffe zu verwenden, aber wenn man es nur tut, dann wird es natürlich platt.
Es klingt sehr nach bewußter (oder bewußt gemachter) Wahrnehmung.

Unicorn

Sciuru trat langsam auf den leblos am Boden liegenden Körper, beugte sich hinab und sreichelte zart über die kalten Wangen. Er glitt den Hals hinab, doch auch dort war kein pochen zu fühlen, schlieslich lies er seine Hand auf ihrer Brust ruhen. In der verzweifelten Hoffnung einen Herzschlag zu spühren, und sei es nur ein einziger der ihm Hoffnung gab. Doch nichts, seine Geliebte Bruja war tot. Tränen rannen ihm das Gesicht hinab, wärend er seinen Kopf an ihren kalten Hals legte. Die Tränen rannen durch sein Fell, an das sie sich so gerne gekuschelt hatte, hinab und tropften auf ihre Brus. Nie mehr würde sie sich in sein Fell schmiegen, nie mehr würden ihre weichen Lippen die seinen berühren. Sie war tot, und sein Herz war leer und mit ihr gestorben.

Villeicht Inspiriert dich das, wenn nicht auch gut.

lg Nicole

Astrid

ZitatGenerell zum Thema.
"Mowsal spürte, wie Angst in ihm aufstieg" ist viel emotionsloser und distanzierter als "Angst stieg in Mowsal auf".
"Mowsal fühlte sich schrecklich" -

Ihm war übel und kalt, er versuchte, nachzudenken, aber alles zerfaserte, sein Herz klopfte schmerzhaft laut, das Blut rauschte in seinen Ohren, es war viel zu heiß, und er zitterte. Etwas knackte hinter ihm, und er wirbelte herum - was war das? Ein Schatten -

"Angst" gibt es nicht. Es gibt nur einen Haufen körperlicher Zustände, während das Adrenalin ins Blut schießt und alle Kampf- oder Fluchtinstinkte mobilisiert werden. Daß er sich dabei "schrecklich" fühlt, dürfte klar sein. Aber so Wörterhülsen wie "er fühlte, wie" sind tatsächlich vollkommen überflüssig. Natürlich FÜHLT man es, wenn einem plötzlich kotzübel wird. Die Distanz entsteht dadurch, daß die tatsächlichen Veränderungen zuerst durch eine Analyse laufen und als Gefühl erkannt werden (er fühlt, wie) und dann erst passieren dürfen.

Kalderon

#35
Ich habe einmal gelesen, dass ein Autor am besten ohne Gefühle schreiben sollte. Dass heißt, er geht ganz sachlich an die Themen und Charaktere heran.
Ich für meinen Teil schreibe sehr emotional. Die Qualität des Textes ist natürlich sehr subjektiv, wenn man emotional schreibt, aber ich finde, auch so gelingen einem manchmal wahre Glanzstücke. Man darf eben nur nicht vergessen, es auch anschaulich zu erklären ohne dabei zu langweilen, da der Leser sich ja auch dafür interessieren soll.

Wie schreibt ihr? Objektiv und distanziert (emotionslos wäre wohl nicht das passende Wort) oder subjektiv und nah? Würde gerne eine Umfrage daraus machen, hoffe das ist in Ordnung???  ::)

Dorte

Ich habe in jüngeren Jahren auch sehr emotional geschrieben - was man an den Texten sieht. Sie taugen nicht viel. Völlig irrelevante Szenen, die mir nahe gingen, sind viel zu ausgewalzt, essentielle Fakten fehlen. Schreiben ist ein Handwerk, und handwerken unter zu großem Emotionseinfluss verschlechtert das Resultat, weil man die Augen vor Fehlern verschließt.
Zumindest geht das mir so.

Ich erlaube mir allerdings an absoluten Schlüsselszenen schonmal ein Grinsen oder feuchte Augen - aber halt nicht auf jeder Seite oder in jedem Kapitel.

Rei

Hmm, bei mir ist es inzwischen eine gemischte Angelegenheit. Manche Szenen schreibe ich ganz einfach runter (Beschreibungen, etc.), aber manche Szenen brauchen einfach ein paar Emotionen, um richtig zu funktionieren.  Wenn ich beim Schreiben ein Kratzen im Hals bekomme, weil mein Charakter gerade eine Niederlage erlitten hat oder wenn ich mich einfach nur mit ihm freue, dann weiß ich, daß ich die Szene gut getroffen habe *sich selber auf die Schulter klopf*

Und ich muß zugeben, das emotinale Schreiben gefällt mir um vieles besser... Es geht mehr an mich heran und damit - so meine Gedanken - auch an den Leser...

Termoniaelfe

So wohl als auch. Mir geht es da nicht viel anders als unserer Rei. Zu viele Emotionen sind Gift für einen Text aber ganz ohne ist er auch glanzlos. Die gesunde Mischung macht es, finde ich.

LG
Termi

lapaloma

Ich bin ein äusserst emotionaler Mensch und schreibe daher auch emotional. Ich lebe und fühle mit meinen Geschichten, sie sind ein Stück von mir. Wie könnte ich denn über die Sehnsucht schreiben, wenn mein Herz nicht vor Sehnsucht zerspringt, wie über die Trauer, wenn nicht in einem Moment tiefsten Unglücks? Und wie könnte ich über Freude schreiben, würde ich die nicht gerade in dem Moment empfinden, wenn ich mich an die Tasten setze?
Ja, ich bin wohl nicht weit weg vom Borderliner.
Das ist mühsam und oft bleibe ich stecken. Lustlose Phasen ohne ein einziges Wort wechseln mit Perioden höchster Produktivität.
Wenn ich schreibe, gebe ich alles und öffne mein Herz. Ich lebe meine Emotionen und so schreibe ich auch.
Distanz versuche ich nur in der langen Phase der Korrektur, des Feinschliffs zu halten, wenn ich meine Texte überarbeite.
Liebe Grüsse, Lapaloma

Kalderon

#40
Ich selbst habe auch für beides gestimmt, obwohl es mir ähnlich wie lapaloma geht. Ich bin entweder mit dem Herz bei der Sache oder eben nicht. Und mit dem Herz bedeutet für mich, dass ich mich hineinfühle. Es ist aber natürlich ein Unterschied, ob man sich damit auseinandersetzt, es versteht, Empathie hat (das ist vielleicht das richtige Wort) oder ob man sich in seinen Gefühlen verliert, man nur noch schreibt und schreibt, aber gar nicht mehr, um dem Leser etwas zu vermitteln, sondern um sich selbst den Frust von der Seele zu schreiben. Das kann jedenfalls bei realen Gefühlen schnell passieren.

Fiktive Gefühle finde ich mittlerweile aber auch sehr interessant, weil es mir immer besser gelingt, mich in erdachte Krisen hineinzufühlen. Das ist sehr spannend, weil man meist selbst nicht weiß, wie sich dieser Knoten irgendwann lösen wird und weil man so Gefühle kennenlernt, die man selbst gar nicht hat.

Lapislazuli

Ich habe für auch für beides gestimmt.

Natürlich muss man sich in die Personen, die man beschreibt einfühlen, und fühlen was man beschreibt. Genauso wichtig ist es, sich distanzieren zu können und die Person, die das und das fühlt oder erlebt von außen betrachten. Sich fragen: Was tut er? Wie reagiert er? Was würde diese Person in der Situation tun? Und nicht: Was würde ich in dieser Situation tun?

Man plant beim Schreiben nicht immer im Voraus, was eine Person fühlen wird - aber nachdem man eine Stelle im Rausch der Emotionen heruntergeschrieben hat, kann es ganz nützlich sein sie nach einiger Zeit und mit Abstand noch einmal zu lesen und vor allem zu überarbeiten. Oft wird sie dadurch gewinnen.

Ich bin der Meinung, dass man Gefühle besser beschreiben kann, wenn man sie zwar kennt, aber in dem Moment, in dem man sie niederschreibt, nicht selbst in ihrem Bann steht. Nicht den ganzen Strudel der Gefühle niederschreiben und sich darin verlieren, sondern das herausfiltern, was charakteristisch für dieses Gefühl ist. Das geht am Besten wenn man die Emotion um die es geht aus gewisser Distanz und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet.

Das wäre vielleicht der Idealfall. Aber man lässt sich eben nur allzu leicht von einer Szene die man gerade schreibt und von einem Charakter, der einem ans Herz gewachsen ist, mitreissen.



Meriamon

Interessante Frage. Ich habe für "emotional" gestimmt, da ich im Sinne dieser Frage wahrscheinlich eher emotional als distanziert bin. Andererseits liegt mir die Antwort "beides" auch nicht fern - eigentlich ist es so, daß ich emotional schreibe, aber distanziert überarbeite.

Beim Schreiben schalte ich meinen "inneren Zensor" aus und bin wirklich völlig in der Geschichte drin (wenn es gut läuft). Daß ich mich da manchmal in den Gefühlsbeschreibungen verliere und viel Zeug schreibe, was hinterher gestrichen oder verbessert werden muß, ist klar.

Das emotionale Schreiben ist aber gerade das, was mir am Schreiben Spaß macht. Ich will die Freude/Trauer/etc. mitfühlen, genau, wie ich das auch beim Lesen eines guten Buchs will. Und ich liebe doch die Charaktere, also ist es klar, daß ich mitfühle.

Seltsamerweise war das nicht immer so. Früher habe ich Geschichten um ihrer selbst willen geschrieben, und die Charaktere gingen mir nicht besonders nahe (was dann in diversen Kurzgeschichten resultierte, deren Hauptcharaktere das Ende nicht überlebten *g*).

Shaevairc

Ich schreibe ganz eindeutig emotional. Wenn mein Charakter Freundensprünge macht, mach ich auch Freundensprünge, wenn mein Charakter wütend ist, bin ich auch wütend. Ich kann anders nicht schreiben.
Ich finde aber auch, dass es der Leser merkt, wenn der Autor nicht hinter seinen Figuren steht. Das ist genauso wie mit der Musik.

Arielen

Beides. Ich schreibe emotional, um eine Figur zum Leben zu erwecken, werde aber auch sehr distanziert, wenn es sein muss.
Alles liegt im Auge des Betrachters