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Zu viel Welt, zu wenig Geschichte?

Begonnen von Villyana, 28. November 2022, 12:55:40

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Villyana

Hallo zusammen,
Romane schreiben ist noch neu für mich - vor allem sie zu beenden - und ich versuche das mit viel Liebe zu machen.
Ich habe mir viel Mühe mit meiner Welt gegeben. Evtl. etwas zu viel? Natürlich findet nicht alles davon Platz in meiner Geschichte. Für meine Leser ist es nicht interessant, wie die Monate ihre Namen bekommen haben. Aber in letzter Zeit frage ich mich, ob ich mich da ein wenig in etwas verrenne?
Ich habe zum Beispiel lange gebraucht, für verschiedene Einheiten, wie Längenmaße oder Flächen, habe mich damit beschäftigt, wie und wo man was benutzt. Nach Volk? Nach Region? (Es ist die Region geworden)
Ganz früh bin ich auf das Problem der Wochentage gestoßen und habe diese dann an meinen eigenen Göttern orientiert. Lustigerweise kam hier auch gleich ein Vorschlag der Aufgaben und der Speißen für die einzelnen Tage zustande. Nach den Tagen mussten auch Monate her. Oder? Diese habe ich noch nicht. Aber wie lang ein Tag ist, wie lang ein Monat, wie lang ein Jahr, es gibt 2 unterschiedliche Arten der Zeitrechnung für einen Tag, die die gleichen Begriffe benutzen (Ja, dieser Konflikt ist gewollt!)
und vieles, vieles mehr...
Ein Kalender, ein komplexes militärisches System, eine grobe Landkarte, Einheiten... vielleicht noch Dialekte?

Findet ihr, dass ich mich da in etwas verrenne? Ist es zu viel drum herum? An der Geschichte arbeite ich ja trotzdem weiter. Was ich im Hintergrund erarbeite wird vermutlich nie jemand erfahren, aber ich habe schon ganz viel gelernt über Heraldik  ;)
Was allerdings das Wahrzeichen der ersten Stadt in der es spielt ist, weiß ich leider immer noch nicht. Außerdem habe ich keine klare Vorstellung von dem Tempel, in dem eigentlich die ganze Story beginnt.

Geht es euch auch so? Bin ich da noch auf dem richtigen Weg? Findet ihr das zu viel? Ich bin da mit allem etwas verunsichert... mein erstes Kapitel hatte auch 75 Seiten (muss mal nachsehen wie viele Wörter) und eine Freundin meinte für ein "Kapitel" wäre es zu viel. So wie alles bei mir zu viel ist? Trotzdem bekomme ich die Rückmeldung, es wäre leicht zu lesen, was in meinen Augen ein riesen Kompliment ist!

Bitte sagt mir, dass es so normal ist, wie "normal" bei Fantasy eben möglich ist. ;)

Maubel

Ich habe schon Welten mit solcher Sorgfalt erschaffen, allerdings nicht für jeden Fantasyroman. Genaugenommen habe ich es so extrem detailliert nur mit einem gemacht und der ist... noch nicht fertig ;D

Wenn dich das basteln inspiriert, ist alles super. Du brauchst vielleicht nicht jedes Detail dann auch für deine Geschichte, aber es ist da und deine Welt so dicht, dass sie wirklich etwas eigenes ist. Irgendwann wirst du sicher die Entscheidung treffen müssen, wann Schluss ist, denn am Ende willst du eine Geschichte schreiben und keine Abhandlung über eine fiktive Welt.

Was das Kapitel angeht. Ich würde auch sagen 75 Seiten sind zu viel, ABER mach dir da jetzt noch keine Gedanken drüber. Schreib erstmal. So etwas kann man dann nämlich in der Überarbeitung angehen und zum Beispiel Punkte finden, wo man das Kapitel doch teilt oder gar kürzt. Sich da jetzt den Kopf drüber zu zerbrechen, blockiert nur, also schreibe. So lang und ausufernd wie du magst ;D

Kaeptn

Erstmal gebe ich Maubel recht, schreib erstmal, lass dich inspiereren, mach es so, wie es dir Spaß macht. Was dann am Ende wirklich noch im Roman drin ist, ist dann eine andere Sache, dafür muss er aber erstmal roh fertig werden.

Weltenbau kann faszinierend sein, aber wenn man die Welt über die Geschichte stellt, kann das für den Leser auch zu viel werden. Vor allem stellt ergibt sich oft das Problem: Wie erkläre ich das alles dem Leser? Denn wieso sollte eine Figur groß über Monatsnamen nachdenken, wenn sie für die Figur ganz normal sind. Da besteht dann immer die Gefahr von Infodumps, also endlosen Erklär-Absätzen.
Auch hier gebe ich Maubel recht: Nutze, was deine Geschichte braucht. Dass da noch mehr dahintersteckt, merkt der Leser trotzdem, wenn du nur hier und da mal was andeudest.

75 Seiten sind für ein Kapitel schon sehr viel. Aber wenn es mittendrin öfter ein *** oder wenigstens einen Absatz gibt, kann der Leser das ja auch als Wiedereinstiegspunkt nutzen. Gerade bei der immer kürzer werdenden Aufmerksamkeitsspanne der Leute heutzutage, sollte man sich da schon etwas Gedanken machen.

ABER, wie gesagt, erstmal fertig werden. Aus einem Kapitel zwei zu machen, ist ja kein Akt.
Jörg Benne
.....................
http://www.joergbenne.de

Sanjani

Hallo Villyana,

spannendes Thema, das du da mit deiner Welt hast. Ich persönlich finde es immer ganz faszinierend, wenn jemand in der Lage ist, sich Welten auszudenken, die so detailliert sind. Ich selber habe das früher immer ziemlich on the flow gemacht, aber hab irgendwann gemerkt, dass einem das auch ganz schön auf die Füße fallen kann, wenn man sich adhoc irgendeinen Konflikt ausgedacht hat und dann feststellt, dass der tiefer im Verständnis der Welt eingewoben sein muss. Oder wenn man vor sich hin schreibt und irgendwann denkt, also es macht keinen Sinn, dass alle Völker und Rassen dieselbe Sprache sprechen, dann muss da erst mal irgendein Konstrukt her usw.

Ich bin mittlerweile dazu übergegangen, einfach alles aufzuschreiben, nicht nur über die Welt, sondern generell alles, auch was ich über Charaktere und deren Erlebnisse weiß usw. Hab es zu oft bereut, dass eine Idee weg war, die ich später nicht mehr zusammenbekommen habe. Außerdem kann so etwas auch inspirierend für die Geschichte sein. Mir fällt es wie gesagt extrem schwer. Auch sollte man sich m. E. die Frage stellen, wie kleinteilig das Ganze sein soll, gerade wenn man so vieles erklären müsste. Warum ist es z. B. für deine Welt überhaupt wichtig, dass es spezielle Einheiten für Längen und Flächen gibt? Wenn's eine typische Fantasy-Welt wäre, könnte man ja auch mit den dort gebräuchlichen Maßen wie Fuß und Ellen usw. arbeiten. Und warum sind die Tage und Monate nicht einfach genauso lang wie hierzulande? Damit würde man sich einiges an Arbeit und Erklärungen ersparen und müsste die Monate eben nur irgendwie anders nennen, der erste und der zweite Monat oder Mondzyklus oder so. Aber wenn es für deine Geschichte wichtig ist, weil z. B. alle 10 Jahre irgendein besonderes Phänomen auftreten muss oder so ... dann bitte, warum nicht auch das?

LG

Sanjani
Die einzige blinde Kuh im Tintenzirkel :)

Villyana

wow, das ging ja schnell mit Antworten!

Erst mal vielen Dank euch allen!

Ich hatte schon angefangen zu schreiben und war echt weit (über die Hälfte), bis ich "gezwungen" wurde mein erstes Kapitel zu schreiben. Davor habe ich mich nicht etwa gedrückt, weil ich nicht wusste, wie ich starten sollte, sondern wegen dem, wie es jetzt kam: ich muss es dann ständig ändern!

Erst hatte ich keine militärischen Ränge, die musste ich nachträglich noch einfügen, dann kam das mit den Wochentagen, dann hier ein Fest und dann da eine Redewendung, hier eine Figur, die ganz zum Schluss nochmal auftaucht... und ich mag das nicht, wenn jemand auftaucht, den alle kennen, nur der Leser nicht. Vielleicht bin ich da eigen.

Deswegen habe ich jetzt ein wenig die Angst, am Schluss alles immer und immer wieder editieren zu müssen, nicht wegen der Geschichte an sich, wegen dem Lesefluss oder ähnliches, sondern wegen fehlender "Formalitäten". Ein "Angsterschaffen" also  :o
Mein zweites Kapitel hatte ich an einem Tag geschrieben. Da war ich selbst völlig überrascht... die genauen Begriffe muss man da vermutlich eh nochmal klären. Es war gar nicht als eigenes Kapitel gedacht. Danach habe ich es Wochenlang editiert... das hat allerdings wenigstens Spaß gemacht... so irgendwie... Leuten im Nachhinein Titel und Ränge zu verleihen finde ich dagegen nicht sehr spaßig.

Oder glaubt ihr /sagt euch eure Erfahrung das ergibt sich so oder so, dass sich solche Dinge änernd, erweitern oder ihr Eigenleben entwickeln?

Arcor

Geschichten entwickeln absolut ihr Eigenleben. Figuren werfen immer wieder Plots um, machen ihr eigenes Ding. Und ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass viele Details sich einfach ergeben, wenn man der Geschichte ein wenig Zeit zum Reifen gibt.
C.S. Forrester hat das mal schön beschrieben als ein Stück Holz, das im Meer liegt, und je länger man wartet, bis man es aus dem Wasser zieht, umso mehr Leben hat sich an dem Holz angesetzt und umso spannender ist es, was man da so alles entdeckt. Mit Geschichten geht es - jedenfalls mir - oft ähnlich.

Ich schließe mich ansonsten den anderen an. Mach erst einmal, worauf du Spaß hast, und entwirf deine Welt. Wenn darüber das Schreiben erst einmal hintenrüber fällt, ist das auch nicht schlimm. Wer weiß, für welche weiteren Geschichten all die Details noch einmal sinnvoll sind.  ;D

Das mit dem Infodump hat @Kaeptn ja schon angesprochen. Ich will noch ergänzen, dass zu viele Abweichungen von der "Norm", wenn man es so nennen will, die Lesenden sehr verwirren kann. Es ist natürlich logisch, dass in einer eigenen Welt Wochentage, Monate, Redewendungen etc. eigentlich komplett eigen sein müssten. Wenn die Lesenden aber alle paar Zeilen über eine Formulierung stoßen, die sie nicht kennen, einen Namen, der zu keiner bisherigen Figur gehört (weil es ein Fest ist oder ein Wochentag oder oder oder), das durchaus ermüdend werden kann, wenn es überhand nimmt. Das bremst dann auch einfach den Lesefluss. Oder du brauchst ein horrend großes Glossar, worauf manche Lesende stehen, andere gar nicht. Das wollte ich nur als Hintergedanke mitgeben. Ich baue so etwas selbst gern ein, versuche aber inzwischen, mich zu bremsen, weil mich solche Dinge außerhalb meiner eigenen Geschichten durchaus selbst ausbremsen.  :engel:
Not every story is meant to be told.
Some are meant to be kept.


Faye - Finding Paradise

Skalde

#6
Hm, sicherlich muss da jeder bis zu einem gewissen Grad seinen eigenen Weg finden.

Ich persönlich finde, dass die eigentliche Geschichte sehr viel mehr Augenmerk verdient als die Hintergrundwelt. Eine gute Geschichte kann letztlich in jedem Setting funktionieren. Ist die Geschichte jedoch schlecht (konzipiert), rettet sie auch kein noch so ausgefeiltes Setting.

Soll nicht bedeuten, dass es Dir nicht beim Schreiben sehr helfen kann, wenn Du viele Dinge über Deine Welt schon vorab geklärt hast. Und natürlich ist es wichtig zu wissen, was für grundlegende Gesellschaftsschichten existieren, Religionen etc. Aber ich persönlich finde, dass man das Hauptaugenmerk auf die eigentliche Geschichte und die Figuren legen sollte.

Also Charakterblätter für alle wichtigen Personen, genaue Handlungsabläufe, etc. Auch mache ich mir persönlich beim Schreiben der 1. Fassung nicht allzu viele Sorgen über bestimmte Fakten, die noch etwas unklar sind. Ich setze mir einfach eine Notiz, dass ich sie später halt, in der 2. Fassung, noch klären muss.

Auch mit der Aussage, inweiweit Personen und Geschichten ihr Eigenleben entwickeln, kann ich persönlich nur bedingt etwas anfangen. Das hat wohl viel damit zu tun, ob Du eher ein "Plotter" oder "Pantser" Autor bist, also jemand, der den Plot genau vorab plant oder mehr oder weniger einfach drauf losschreibt. Ich gehöre mittlerweile ziemlich eindeutig zu dem Plotter-Typus und feile solange VORAB am Konzept, der Struktur und den Charakteren, bis ich zufrieden bin. Das ist der eigentlich kreative Teil, dann folgt das Handwerk ...  ;)

Aber da gibt es natürlich nicht den einen richtigen Weg, sondern jeder muss seinen eigenen finden.

P.S.: Ein Tipp noch für Dich, wenn Du es nicht schon längst benutzt, ich finde es für das Hinterlegen der ganzen ausgedachten Fakten, Personen, Gegenstände, Religionen, Landschaften etc. sehr nützlich, ein entsprechendes Datenbank-Programm zu nutzen. Da geht es dann sehr schnell, wenn man mal etwas nachschlagen will (alles schön geordnet nach Themen und Unterthemen etc.)

Petitcreiu

#7
Wenn gleich die Warnungen vor Infodump von @Kaeptn, Überforderung von @Arcor und Irrelevanz für den Plot von @Skalde natürlich mehr als berechtigt sind, kam mir in vielen der neueren Fantasy-Romane das Worldbuilding viel zu kurz. Als Lesende verliere ich mich gerne in fremden Welten, darum habe ich ja dieses Genre ausgesucht, und wenn es dann wie die Kopie der Kopie der Kopie der ... von Tolkien klingt, dann fällt mir die Immersion einfach schwerer.
Darum freue ich mich immer sehr, wenn man merkt, dass der, die Schreibende auch viel Liebe in den Weltenbau gesteckt hat!
Ich will überhaupt nicht sagen, dass die bis jetzt genannten Punkte nicht sehr wichtig sind, um einen spannenden Roman zu schreiben. Aber ich habe schon mehr Romane abgebrochen, weil sich die Welt plastikartig angefühlt hat, als weil ich von zu vielen Begriffen überfordert gewesen wäre. Man kann diese ja auch beim ersten Mal einfach überlesen und lernt sie nach und nach kennen, falls sie immer wieder auftauchen.

Man sollte also die Warnungen unbedingt beachten, aber @Maubel's Rat ist Gold wert.

ZitatWenn dich das basteln inspiriert, ist alles super.

Falls es nur darum geht, eine Welt als vorindustriell zu zeichnen, dann stimme ich auch @Sanjani zu, alte Maße erfüllen oft denselben Zwecke. Wenn aber Deine Ideen für den Plot relevant sind, was etwa bei Dienstgraden der Fall sein könnte, dann wäre es sehr schade, wenn Du Dich hier beschränken würdest. Vereinfachen kann man ja immer noch, wenn Testlesende überfordert sind. Ein schönes Beispiel finde ich die Königsmörderchroniken von Patrick Rothfuss, all die Währungen und wie man sie umtauscht, sind für die Hauptfigur sehr wichtig und darum auch für die Lesenden interessant. (Aber das mag wohl auch, wie vieles, Geschmacksache sein).
,,Das Leben ist verrückt! (...)  Und ich finde das wunderbar. Wer das nicht merkt, verschläft das Schönste."

Hans Bemmann: Stein und Flöte, und das ist noch nicht alles

Fianna

Das Editieren ist in solchen Fällen schwieriger, ich mache mir oft während des Schreibens Kommentare an den Rand, was ich später stimmiger anpassen muss.

Häufig habe ich einige interessante Weltendetails auch erst während des Schreibens überlegt: aus plottechnischen Gründen brauche ich ein Hindernis, Spezialwissen oder einige Teile passen nicht stimmig zusammen - die aus der Not geborenen Ideen sind dann nicht nur gut für den Plot, sondern auch für den Weltenhintergrund bereichernd.
Und ohne das Plotproblem oder eben die Arbeitsweise, dass ich bei diesem Projekt vor allem erst plotte und schreibe, wäre ich da nie drauf gekommen, so etwas zu erfinden.


Nächstes Jahr wollte ich meine ultimative Plotmethode und Weltebbau-Checkliste niederschreiben, aber ich fürchte, bei jedem Projekt werde ich etwas anders vorgehen und andere Weltenbau-Dinge benötigen und mich manchmal auf dem Weg dahin in ein oder zwei unnötigen Arbeitsschritten verirren.

Maja

Aus leidiger Erfahrung kann ich sagen: Zu viel Wordbuilding lässt sich beim Überarbeiten rauskürzen, zu wenig hingegen schlecht nachträglich unterheben.

Ich bin bei meiner Neraval-Sage von vielen Lesern dafür abgewatscht worden, dass die Welt nicht fühlbar genug war - ich hatte mich beim Schreiben sehr auf meine Figuren konzentriert und den Weltenbau vernachlässigt, und ich habe die Quittung dafür bekommen. Zwar habe ich beim Überarbeiten im Lektorat noch versucht zu retten, was zu retten war und den Weltenbau nachzureichen, aber es ist wirklich sehr schwer, ein solches Grundgerüst nachträglich unterzuheben.

Deswegen tob dich ruhig im Weltenbau aus. Rausschmeißen kannst du all die unnötigen Details immer noch, aber es ist schön, wenn man merkt, dass du sie kennst.
Niemand hantiert gern ungesichert mit kritischen Massen.
Robert Gernhardt

Villyana

Zitat von: Skalde am 28. November 2022, 18:33:55Das hat wohl viel damit zu tun, ob Du eher ein "Plotter" oder "Pantser" Autor bist,

Tja, ich hatte mich immer für einen Plotter gehalten... bis ich dann angefangen habe, die Geschichte wirklich aus zu arbeiten und in ein gutes Gerüst zu packen. Vorher habe ich einfach drauf losgeschrieben, jetzt war alles durchdacht. Aber 2 Figuren von mir haben das große Talent nach jedem Kapitel etwas rauszuhauen, dass echt super für die Geschichte und ein Albtraum für die Geschichtsschreiberin ist... Kaum einer der Plots hat danach noch funktioniert, zum Teil musste ich ganze Kapitel neu schreiben, deswegen fühle ich mich jetzt in der Pflicht nicht nur "nicht zu plotten", sondern auch in der richtigen Reihenfolge schreiben zu müssen, was mir immer schwer fiel...

Zitat von: Skalde am 28. November 2022, 18:33:55sehr nützlich, ein entsprechendes Datenbank-Programm zu nutzen.
Das tue ich! Ich benutze Scrivener nachdem ein paar Texte verloren gegangen sind. Bisher komme ich damit gut zurecht und kann mich viel besser organisieren. Das hilft mir wirklich weiter und dass man sich hier auch chronologisch durch die letzten Texte durchklicken kann und mit Farben arbeiten, sowie im Vordergrund schreiben und im Hintergrund die Unterteilungen zu sehen, finde ich echt hilfreich! Dazu gibt es aber sicher noch einen Threat, wer wie was benutzt, da will ich mich auch mal einlesen :)

@Fianna eine Weltenbau Checkliste klingt doch echt interessant. Vielleicht wäre auch ein Fragebogen dazu im Forum nicht schlecht? Was hast du schon über deine Welt oder existiert es irgendwie bzw ist das für dich notwendig? Ich habe vor kurzem einen Fragebogen irgendwo gefunden 70 Fragen über deinen Main :) 69 davon konnte ich beantworten. Leider bezieht sich sowas nie auf Fantasy und ist oft etwas "langweilig" aber ich finde es gut, dass man sich hier auch Anregungen holen kann oder sich mal selbst hinterfrägt.

@Maja: Das was du da sagst, hilft mir wirklich weiter! Es ist nämlich genau das, was ich befürchtet habe. Es ist einfach schwer im Nachhinein ein zu bauen. Danke, dass du hier die Erfahrung mit mir teilst. Du hast absolut Recht: rauskürzen kann man immer. Dazu mache ich mir gleich eine Notiz für meinen Schreibtisch  ;)

Dann schreibe ich mal weiter und danke euch allen für eure Antworten! Und mache mich gleich mal über ein paar Redewendungen und spezielle Lebensmittel her ;)


Fianna

Bisher mache ich das bei jedem Projekt anders und instinktiv, ich möchte aber in Zukunft mit weniger kreativen Pausen , Umwegen oder Sackgassen arbeiten.
Sobald ich nächstes Jahr eine Art Weltenbau-Checkliste habe, poste ich hier etwas.


Vesto

Ich freue ich sehr, all diese Kommentare hier zu lesen, da ich mir schon lange genau dieselbe Frage wie Villyana gestellt habe, da auch ich mich vollkommen in dem Weltenbau verrenne und mich auch schon gefragt habe, ob ich das übertreibe.
Es geht auch einfach so schnell, dass man vom Hundertsten ins Tausendste gelangt.
"Hmm, ich muss mir Gedanken zum Kalender machen" -> "Der 'normale' Gregorianische Kalender ist mir für meine Welt zu 'langweilig', also etwas Eigenes bauen" -> "Wie benenne ich die Wochentage und Monate?" -> "Ich brauche (ehemalige) Herrscher und Götter" -> "Wie sollen die Herrscher und Götter denn heißen und was für Eigenschaften haben/hatten diese" -> und so weiter und so fort ;)

Ich finde Majas Hinweis hierbei auch sehr hilfreich, dass man später zu viel Background leichter rauskürzen kann, als zu wenig reinquetschen. Und auch wenn ich dadurch vermutlich noch ewig brauchen werde, bevor ich einmal so richtig ans Schreiben zu kommen, gefällt mir der 'Akt' des Weltenbaus schon sehr und ich habe hierdurch auch schon die eine oder andere Inspiration gehabt, die ich anschließend in den Plot, den ich versuche parallel nach und nach aufzubauen, einbauen konnte.

Mein Vorteil ist natürlich auch, dass mir niemand im Nacken sitzt und ein fertiges Skript bis zu einem bestimmten Stichtag erwartet. Mir ist bewusst, dass viele von euch diesen Luxus nicht haben und sich daher vermutlich nicht so ewig viel Zeit fürs Weltenbauen herausnehmen können. Aber da dies ja mein so richtiger erster Versuch ist, nehme ich einfach einmal alles mit und versuche jeden Schritt der Erschaffung zu genießen :)

Nichtsdestotrotz finde ich es äußerst hilfreich eure Meinungen und Tricks hier zu lesen und bin auch schon sehr gespannt auf Fiannas Weltenbau-Checkliste. So etwas kann sicherlich auch sehr hilfreich sein, um nichts wichtiges zu vergessen.
»Man muss mit allem rechnen. Auch mit dem Guten.« - Gabriel Barylli

Masseliwriter

Ich bin immer begeistert von einer detaillierten Welt. Ich kann es sehr nachvollziehen sich sowohl in einen Charakter, als auch in die verzwickten Eigenheiten einer Welt zu verlieben. Das macht schreiben ja auch aus  :) .

Persönlich als Leser kann ich jedoch vieles nachvollziehen, was hier gesagt wurde. Wenn einzelne Monatsnamen den Namen von Göttern entsprechen und das als singulärer Fakt beeindrucken soll (ohne in die Tiefe zu gehen), lese ich darüber schnell hinweg. Wenn aber, wie in dem Buch "Jonathan Strange & Mr.Norrell", der Autor versucht zu erklären, warum in der modernen Welt alle Zauberer, die Großes und Wunderbares leisten können plötzlich aufhören zu zaubern und er das über mehrere Seiten "nachvollziehbar" erklärt, bin ich stark gefesselt. Wenn man von so einer Welt hört, reißt man erst einmal die Augen auf und will dem auf den Grund gehen. Da schleckt man sich die Lippen bei jedem weiteren Detail, das der Autor einem zuwirft. Damit will ich gar nicht sagen, dass Monatsnamen von Göttern unnötig sind. Es kommt darauf an, wie tief dieser Fakt in das Gehirn des Lesers schneidet und was dies für die Welt bedeutet, in der sich der Leser wiederfindet. Klar gibt es andere Gründe für Worldbuildung. Es muss ja einen nicht immer aus den Socken hauen, aber so eine Art von Worldbuilding lässt mich erstmal breit grinsen und denken "Wie kommt man auf so etwas?"

Klingt in der Theorie immer ganz toll, aber ich kann auch nur Susanne Clarkes Buch beschreiben und sagen, wie sehr mich ihre Welt packt. Wie man selbst darauf kommt, was nun reingehört und was nicht (weil seine eigene Welt denkt man sich ja nicht aus, weil sie uninteressant ist) können nur die Schreibgötter sagen  ::).

Villyana

Ich dachte halt, wenn die Personen in der Geschichte über alltägliche Dinge auch sprechen, als ob diese ganz alltäglich und gewöhnlich sind, dann wirkt die Welt einfach "echt und lebendig".
Da meine Welt rein gar nichts mit unserer zu tun hat und mir hier grad die römischen/griechischen Götter ein wenig ein Dorn im Auge sind, hinterfrage ich immer mehr den Ursprung der Dinge und ob es dann in meine Geschichte passt.

Mein größter Albtraum - im wahrsten Sinne - ist hier tatsächlich das Wort Albtraum.
Der Ursprung des Wortes, geht in meiner Geschichte nämlich gar nicht... ein Alb-Traum ist etwas, dass man erlebt, wenn ein Alb (also ein Elf) einer schlafenden Person auf der Brust sitzt/drückt. Ein Alb-Traum bedeudetet also in gewisser Weise eine Art "Elfendiskriminierung", denn die Elfen haben tatsächlich nichts mit schlechten Träumen zu tun.
Allerdings ist es ein Wort, dass sich meiner Erfahrung nach schlecht umgehen lässt. Ich kann da nur hoffen, dass meine Leser es entweder nicht wissen oder mir vergeben :(

Das war eigentlich so der erste Knackpunkt an dem ich festgestellt habe, dass sich "meine Welt" mit "unserer Welt" nicht so ganz vereinen lässt. Hier ein völlig neues Wort zu erfinden macht keinen Sinn, denn jeder weiß, was ein Albtraum ist und was es bedeutet und es kommt einem ja auch schnell über die Lippen. Alternativen wirken beim Lesen auch immer sehr umständlich.
Ich glaube, die meisten stören sich da nicht annähernd so daran, wie ich. Ich hätte es aber gerne gesehen, wenn sich meine Elfe (die die Hauptperson ist) daran stört und einen Menschen wegen seines Aberglaubens anfährt. Ja... meine Elfen sind nicht so hoheitsvoll, wie in vielen anderen Geschichten und obwohl oder vielleicht gerade weil sie so lange leben, lernen sie echt langsam dazu  ;D

Aber es stimmt: nicht einen Termin im Nacken zu haben macht natürlich auch frei. Immer wieder bin ich froh darüber und würde meine Geschichte gerne mit anderen öffentlich teilen. Andererseits frage ich mich, wenn ich mich dann doch umentscheide und verzweifelt um die Aufmerksamkeit von Verlegern bettele, ob es dann so klug ist, wenn ich mein Werk schon mit der ganzen Welt geteilt habe :P also mit vielleicht 20 Lesern   :hmhm?: