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Ravensburger prüft gegen Zahlung Manuskripte

Begonnen von Fianna, 28. November 2023, 13:35:05

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Fianna

Gerade bin ich bei Instagram auf ein Video von Kuddel gestoßen, dass Ravensburger jetzt nur noch gegen Zahlung von EUR 35,00 Manuskripte prüft.

Uneingefordert eingesendete Manuskripte sind schon eine Belastung für Verlage, aber dann soll man die Annahme halt schließen (außer für Agenturen oder Bestands-Autor*innen).

Wenn Ravensburger zum einen schreibt, sie suchen folgende Manuskripte und dann auf die Überweisung einer Gebühr verweist, würde ein*e unerfahrene Autor*in sich vermutlich eine Chance ausrechnen.

Immerhin schreiben sie, dass sie Manuskripte suchen und wenn man schon jemanden bezahlt, das Manuskript zu prüfen, wirds bestimmt genau angeguckt  :brüll:

ZitatEinsendung von Manuskripten
Du hast eine Geschichte zu erzählen und suchst einen Verlag?
Wunderbar, denn wir sind immer auf der Suche nach guten Büchern und Geschichten!

Stelle dir folgende Fragen:

Was hast du geschrieben – ein Vorlesebuch, ein Bilderbuch, eine Erstleser-Geschichte, ein Sachbuch oder einen Roman?
Für wen hast du es geschrieben? Für Jungen, für Mädchen, für welches Lesealter?

Die große Anzahl der Einsendungen hat dazu geführt, dass der Verlag keine unaufgefordert eingesandten Manuskripte mehr direkt im Haus bearbeiten kann. Der Ravensburger Verlag lässt initiativ eingereichte Manuskripte durch die externe, freie Lektorin Luisa Götze betreuen.

Bestehende Rechte an deinem Manuskript werden selbstverständlich gewahrt. Ebenfalls wird dein Manuskript vertraulich behandelt und ausschließlich von unserer Lektorin und ggf. von der zuständigen Redaktion der Ravensburger Verlag GmbH geprüft.

Ablauf:

Überweisen Sie die 35€ Bearbeitungsgebühr auf nachstehendes Konto mit folgenden Angaben: Name Nachname; Betreff: Ravensburger Manuskript *Titel*
            Konto:

            Inhaberin: Luisa Götze

            Bank: Sparkasse Leipzig

            IBAN: DE63 xxxxxxxxxxxxx

            BIC: xxxxxxxx

Senden Sie Ihr Manuskript mit dem Überweisungsnachweis an folgende E-Mail Adresse: lektorat@luisa-goetze.de
 
Sie erhalten Rückmeldung innerhalb der nächsten 8 Wochen von unserer Lektorin.

(Die Kontonummer habe ich im Zitat ge-x-t.)

Link zur Ravensburger Seite

Maja

Das zieht mir doch gerade etwas die Schuhe aus. In meinen Augen sollte ein Verlag unter keinen Umstänen Geld von seinen Autoren nehmen, und dass dieser doch durchaus renommierte Verlag jetzt diesen Weg beschreitet, finde ich zum Kotzen. Ich hoffe sehr, dass das keine Schule macht.

Früher hatten wir ein paar Agenturen, die eine Prüfgebühr nahmen (so die nicht mehr existente Agentur Bienia in Tübingen), die hatten bei uns deswegen den Daumen runter. Für Verlage sehe ich das genauso. 

Wenn sie keine unverlangt eingesandten Manuskripte annehmen wollen, sollen sie das sagen. Aber Geld kassieren (und am Ende mit größter Wahrscheinlichkeit eine Absage verschicken), das geht gar nicht.
Niemand hantiert gern ungesichert mit kritischen Massen.
Robert Gernhardt

Yamuri

Der Text stellt eigentlich klar, dass die Prüfung ein Lotteriespiel für denjenigen ist, der ein Buch einsendet. Für manche mögen ja 35 Euro nicht viel sein, für andere sind das die Kosten für einen Nahrungsmitteleinkauf für ein paar Tage Mahlzeiten. Haben oder nicht haben macht einen Unterschied. Langsam denke ich mir wirklich - wir Autor:innen sollten mal anfangen genauso dreist zu sein wie all diese Dienstleister:innen, Coaches, Mentor:innen und co. da draußen. Die verdienen sich teils eine goldene Nase mit heißer Luft, während hinter einem Buch echte Arbeit steckt, die entlohnt gehört, auch dann, wenn das Buch noch gar nicht veröffentlicht ist. Und mir stinkt das langsam immer mehr. Darüber hinaus enttäuscht mich Ravensburger mit dieser Meldung. Sehe das wie Maja, wenn sie keine unangeforderten Manuskripte wollen, sollen sie das einfach sagen und nicht so eine Abzocke veranstalten - nichts andres ist das in meinen Augen.
"Every great dream begins with a dreamer. Always remember, you have within you the strength, the patience, and the passion to reach for the stars to change the world."
- Harriet Tubman

Avery

#3
Wir hatten das Thema heute Morgen im Co-Working (inklusive Kuddel), und ich bin auch immer noch maximal irritiert von dem gesamten Vorgehen. Wenn ich keine Kapazitäten mehr habe, die Vielzahl zu prüfen, gibt es drei Möglichkeiten:

1) Annahmestopp, bis wieder Kapazitäten frei sind
2) Neues Personal einstellen, um Kapazitäten zu schaffen
3) Outsourcen

Ravensburger hat sich für die letzte Option entschieden und die Kosten dabei direkt auf die Autor*innen abgewälzt. Für sie natürlich ein super günstiges Vorgehen, allerdings bezweifle ich, dass sie sich damit einen Gefallen getan haben. Das Thema wird jetzt schon heiß diskutiert und in Social Media sicher schnell hohe Wellen schlagen. Insofern bin ich gespannt, wie lange sie bei dem Modell bleiben werden ...  :gähn:

Malinche

#4
Ich sehe das auch enorm kritisch. Angefangen bei dem hier schon genannten Aspekt, dass 35 Euro für manche durchaus ein Betrag sind, den man nicht so einfach potenziell aus dem Fenster wirft. Und falls Ravensburgers Beispiel (was ich nicht glaube und hoffe) Schule macht, würde das langfristig bedeuten, dass Autor:innen ohne Agentur nur noch dann an Verlage herantreten können, wenn sie es sich leisten können. Einen barrierefreieren Buchmarkt schafft das jedenfalls nicht, und ich frage mich auch, wie kontraproduktiv so eine Gebühr (für den Verlag) in einer Zeit ist, in der professionelles Selbstveröffentlichen leichter und zugänglicher ist als je zuvor.

Ein anderer Punkt (zusätzlich zu den hier genannten) ist auch ein Stück weit meine Perspektive als freie Lektorin: Wie fundiert kann diese Prüfung ausfallen? (Vor allem, wenn es offenbar eine einzige Person für verschiedene Sparten und Genres macht? Die Marktchancen für ein Sachbuch einzuschätzen ist etwas anderes als für Romantasy oder Kinderbücher.)

Viele eingesandte Projekte lassen sich vielleicht so fix aussortieren, dass sich das für die freie Lektorin lohnt, aber für eine oberflächliche Prüfung und eine knappe Standardabsage sind 35 Euro dann schon viel Geld - also für die Autor:innen. Eine tiefergehende Prüfung mit wirklich konstruktivem Feedback kann eine freie Lektorin aber zu den Konditionen nicht so stemmen, dass es sich rechnet. Also vielleicht finanzieren dann die schnell abgearbeiteten Manuskripte die Arbeitszeit für die, die doch länger begutachtet werden, aber das ändert nichts daran, dass es entweder für die einsendenden Autor:innen oder für die prüfende Lektorin miese Konditionen sind.
»Be suspicious of the lemons.« (Roxi Horror)

PinkPuma

Ich kann mich meinen Vorredner*innen da eigentlich nur anschließen. Ich habe mich wirklich zuerst gefragt, ob ich etwas übersehe, da es durchaus Stimmen (auf Social Media) gibt, die das okay finden. Von "ein Verlag muss auch Geld verdienen" bis "seid doch froh, dass sie überhaupt noch prüfen, andere nehmen gar keine Skripte mehr an". Aber letztlich lande ich immer wieder an dem Punkt, dass es für Autor*innen mit hoher Wahrscheinlichkeit rausgeworfenes Leergeld ist und es die Bewerbung an sich gewissermaßen elitär macht und nur denjenigen zugänglich, die das Geld eben haben. Noch dazu den Punkt, den @Malinche angesprochen hat: Wenn die Lektorin noch zusätzlich vom Verlag bezahlt würde, okay, aber das wage ich auch zu bezweifeln.
Letztlich sieht es für mich einfach nach einem "Verlag wälzt Kosten auf Autor*innen (und die Lektorin) ab" aus.

Maja

Danke, @Malinche, für die Perspektive!

An der Stelle frage ich mich auch: Geht das Geld komplett an die Lektorin? Das Konto, auf das die Gebühr überwiesen werden soll, ist ja das Konto der Lektorin, insofern bleibt zu hoffen, dass sie es auch komplett behalten darf, aber ich mag die Vorstellung nicht, dass da Leute, die eine Formabsage bekommen, die Arbeit derjenigen subventionieren, die in die engere Wahl kommen.

Was mir von Seiten des Verlag fehlt, sind schärfere Eingrenzungen zum Verlagsprofil. Da schreiben sie nur "Kinder- und Jugendbuch, blah blubb", ohne zum Beispiel dabei zu sagen, wo sie ihre Schwerpunkte setzen (Romantasy, zB). Und der Tonfall, mit dem sie Debütautor:innen ansprechenn ("Du hast eine Geschichte zu erzählen und suchst einen Verlag? Wunderbar, denn wir sind immer auf der Suche nach guten Büchern und Geschichten!" klingt auch mehr nach den Tönen, die ein DKZV anschlägt, wenn der auf Autorenfang geht.

Was mir auch fehlt: Irgendein Hinweis darauf, dass diese Bearbeitungsgebühr zumindest dann erstattet wird, wenn ein Manuskript beim Verlag angenommen wird. Wollen sie wirklich jemanden, der bei ihnen einen Vertrag unterschreibt, dafür bezahlen lassen? Ich nehme an, die Antwort ist ja ...

Und wirklich, ich hoffe, daraus entwickelt sich kein Trend. Aber ich bin, was das angeht, pessimistisch. Da hat Ravensburger eine Tür aufgestoßen, die sich schwer wird wieder schließen lassen.
Niemand hantiert gern ungesichert mit kritischen Massen.
Robert Gernhardt

Evanesca Feuerblut

Aus Lektoratssicht: Im Prinzip soll für die Gebühr wahrscheinlich nur der berühmt-berüchtigte 20-Sekunden-Blick abgegolten werden (Profis aus Großverlagen behaupten ja immer, nur so lange zu brauchen, um zu wissen, ob sie sich mit dem Manuskript überhaupt beschäftigen sollen oder ob es direkt in Ablage P wie Papierkorb landet).
Und unter DIESER Bedingung ist der Deal für die externe Lektorin extrem lukrativ. Entschieden wird in dieser Instanz ja nur, ob das Manuskript überhaupt an Ravensburger weitergereicht wird oder ob es direkt da schon an der ersten Hürde ausscheidet. Pro Manuskript sind das vermutlich im Schnitt unter fünf Minuten.

Ein Gutachten über Exposé und Leseprobe, wie ich sie auch schon geschrieben habe, wäre ja wenigstens sowas wie nützlich. Aber ich nehme nicht an, dass das vorgesehen ist.

Fianna

Es wirkt auch nicht sehr vertrauenseinflößend, dass man keinerlei Website oder anderes findet. Wenn man die Lektorin schon so namentlich hinhängt, gibt es keinerlei Referenzen oder Website von ihr?

Mein original erster Gedanke war: das ist ein Scam, um dem Ruf der Lektorin zu schaden (vielleicht durch Konkurrenz).
Ich habe 2 x die Domain angeschaut (ich bin nicht Kuddels Link gefolgt, sondern hatte es über Google aufgerufen).

Vielleicht war die mal Volontärin oder Praktikantin im Verlag (weil, wie kommt man sonst auf so eine freie Lektorin für die Auswahl?) aber den Namen und alles komplett ohne weitere Infos oder Referenzen hinschreiben, damit haben sie der Lektorin keinen Gefallen getan...

Evanesca Feuerblut

@Fianna Du hast Recht. Ecosia wirft mir ein LinkedIn-Profil aus, das als Qualifikation u.a. listet:

ZitatPraktikantin Books+Praktikantin Books+
Ravensburger · PraktikumRavensburger · Praktikum Apr. 2023–Sept. 2023 · 6 Monate
Die Stadt täte auch passen, also ist das vermutlich die richtige Person. Über die Absichten des Verlages würde ich nicht spekulieren wollen, aber es handelt sich definitiv um eine ehemalige Praktikantin.

Fianna

#10
Vielleicht liegt es daran, dass ich schlecht google oder die Website ist unübersichtlich - ich finde nicht mal dem Namen der Personen, die für die einzelnen Buchgenres verantwortlich sind, auf der Ravensburger Website.

Das sind sensible Informationen, die Hinz und Kunz nicht erhalten dürfen!

Aber wenn man eine neue Manuskript-Prüfungspraxis einführt, die möglicherweise zu Kritik führt - egal.
Name, Mailadresse, Kontonummer, alles von der Lektorin einfach öffentlich einsehbar hinstellen.

(Eine Kontonummer öffentlich einstellen ist übrigens leichtsinnig, damit können Leute mit krimineller Energie schon einiges anfangen.)

Mondfräulein

Mich würde die rechtliche Situation interessieren. Wenn ich 35€ bezahle, um ein Manuskript prüfen zu lassen, und dann eine Standardabsage bekomme, könnte ich dann theoretisch klagen, wenn ich das Gefühl habe, mein Manuskript wurde nicht gründlich genug geprüft? Ich habe dann ja theoretisch eine Dienstleistung eingekauft, oder? Wie viel vom Manuskript muss die Lektorin dann lesen? Gibt mir die Gebühr eine rechtliche Handhabe, die ich sonst nicht hätte?

Janika

Ich bin einfach nur fassungslos. Zum einen über dieses Vorgehen von Ravensburger, zu dem hier schon alles gesagt wurde. Zum zweiten, dass da eine frische Praktikantin quasi extern weitergenutzt wird – per se nicht verwerflich, aber im Gesamtbild hats doch ein arges Geschmäckle.

Und dann gibt es auf Social Media eine ganze Reihe Leute, die diese Neuerung tatsächlich befürworten und Leute, die sich kritisch äußern, als geizig oder unwissend darstellen.

Was ist mit der Verlagswelt los? :no:
Immer eine Handbreit Plot unter dem Federkiel haben.

Zit

Zitat von: Janika am 28. November 2023, 18:49:00Und dann gibt es auf Social Media eine ganze Reihe Leute, die diese Neuerung tatsächlich befürworten und Leute, die sich kritisch äußern, als geizig oder unwissend darstellen.

Was ist mit der Verlagswelt los? :no:

Das ist doch auch das Gleiche in Grün, wenn Leute Aufschlüsselungen posten, was vom Buchpreis an wen geht. Da sieht es immer so aus als würde der Buchhandel mit 30% den großen Reibach machen, weil der Rest so genau aufgeschlüsselt ist (Cover, Lektorat, etc.), dass gar nicht ersichtlich wird, dass die restlichen 70% komplett erstmal an den Verlag gehen.

Wenn das Schule macht, für eine Verlagsprügung zu zahlen, werden Agenturen und SP vielmehr Zulauf bekommen. Sehe auch nicht ein, warum ich für eine Standartabsage Geld bezahlen soll. Was mich auch interessiert: Was passiert denn, wenn das Manuskript weitergereicht wird – und wenn es dann veröffentlicht wird – kriegt man da die 35 EUR zurück?
"I think therefore I am
getting a headache."
Unbekannt

Golden

Ich weiß zumindest jetzt, von welchem Verlag ich keine Bücher kaufen werde. :omn: