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Autor Thema: ich wendete und wandte mich  (Gelesen 22730 mal)

Vali

  • Gast
ich wendete und wandte mich
« am: 30. November 2009, 19:19:38 »
... wie ein Wurm bei diesen Wörtern! EDIT: Mist, passt jetzt nicht. Das kommt ja von "sich winden"  ;D Jetzt stolper ich wahrscheinlich schon zum zwanzigsten Mal über die Vergangenheitsform von "wenden" und brauche jetzt endlich Aufklärung! Wann nimmt man "wendete" und wann "wandte"? "wendete" habe ich jetzt eher im Sinne von "umdrehen" verwendet (;)) und "wandte" eher im Zusammenhang mit Blicken und Zuneigung. Trotzdem bin ich mir nicht sicher. Gibt es dazu eine Regel?

Ein paar Beispiele:
Sie wendete ihren Blick in die andere Richtung.
Er wandte sich von seinem Meister ab.
"So geht das aber nicht", wandte er ein.
Er wendete seinen Wagen.
Verunsichert wandte er sich an seinen Vater.
Sie wendete die alte Zauberformel an.

Julia

  • Gast
Re: ich wendete und wandte mich
« Antwort #1 am: 30. November 2009, 20:20:40 »
Also:

Sie wendete ihren Blick in die andere Richtung.  => Sie wandte ihren Blick ...

Er wandte sich von seinem Meister ab. => Richtig, im Sinne von "abwenden"

"So geht das aber nicht", wandte er ein. => Auch richtig, im Sinne von "einwenden"

Er wendete seinen Wagen. => Stimmt ebenfalls, kommt von "wenden" (kennt man vom Navi ;))

Verunsichert wandte er sich an seinen Vater. => Stimmt auch

Sie wendete die alte Zauberformel an. => Kommt umgangssprachlich vor, richtig ist aber: Sie wandte die alte Zauberformel an

Also:
Alles, was von einwenden, abwenden, anwenden, etc. abgeleitet werden kann, hat als Präteritum "wandte".
Alles, was mit dem Wenden (im Sinne von Drehen) zu tun hat (Heu wenden, Auto wenden, etc.) steht mit "wendete" im Präteritum.

Hoffe, ich konnte helfen :)

Liebe Grüße,

Julia

Joscha

  • Gast
Re: ich wendete und wandte mich
« Antwort #2 am: 30. November 2009, 20:23:26 »
Mit einer Regel kann ich nicht dienen, aber vom Sprachgefühl her tendiere ich eindeutig zu "wandte". Das würde in allen deinen Beispielen passen. "wendete" verwende ich eigentlich nur im Bezug z.B. auf Autos.

Dabei kommt mir allerdings gerade eine mögliche (erfundene) Regel in den Sinn, die sich mit allen mir bekannten Präzedenzfällen deckt: Wendete im Bezug auf Gegenstände (nicht Körperteile) und wandte für alles andere.

Grüße
Joscha

Offline Maja

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Re: ich wendete und wandte mich
« Antwort #3 am: 30. November 2009, 21:37:02 »
BTW, die Vergangenheitsform von "sich winden" ist "wand".
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Robert Gernhardt

Moa-Bella

  • Gast
Re: ich wendete und wandte mich
« Antwort #4 am: 01. Dezember 2009, 16:53:45 »
Also:

Sie wendete ihren Blick in die andere Richtung.  => Sie wandte ihren Blick ...

Er wandte sich von seinem Meister ab. => Richtig, im Sinne von "abwenden"

"So geht das aber nicht", wandte er ein. => Auch richtig, im Sinne von "einwenden"

Er wendete seinen Wagen. => Stimmt ebenfalls, kommt von "wenden" (kennt man vom Navi ;))

Verunsichert wandte er sich an seinen Vater. => Stimmt auch

Sie wendete die alte Zauberformel an. => Kommt umgangssprachlich vor, richtig ist aber: Sie wandte die alte Zauberformel an

Also:
Alles, was von einwenden, abwenden, anwenden, etc. abgeleitet werden kann, hat als Präteritum "wandte".
Alles, was mit dem Wenden (im Sinne von Drehen) zu tun hat (Heu wenden, Auto wenden, etc.) steht mit "wendete" im Präteritum.

Hoffe, ich konnte helfen :)

Liebe Grüße,

Julia

Irgendwie muss ich bei "wendete" immer an einen Pfannkuchen in der Pfanne denken... ich finde "Ich wandete mich ihm zu" schöner als "Ich wendete mich ihm zu", dann werde ich nicht an Pfannkuchen erinnert...

Offline Maja

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Re: ich wendete und wandte mich
« Antwort #5 am: 01. Dezember 2009, 16:59:02 »
Leider gibt es "Ich wandete" nicht. Du kannst höchsten "ich wandte mich" sagen, ohne E, aber das bedeutet etwas anderes.

Ich wendete mich ihm zu: Vorher hatte ich ihn weniger beachtet, nun bekam er meine ungeteilte Aufmerksamkeit zu spüren
Vergleiche hierzu auch "Zuwendung"

Ich wandte mich ihm zu: Eben noch hatte ich ihm dem Rücken gekehrt; nach einer halben Drehung blickte ich ihn direkt an.
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Robert Gernhardt

Moa-Bella

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Re: ich wendete und wandte mich
« Antwort #6 am: 01. Dezember 2009, 17:27:40 »
wandete, wie komme ich denn darauf... manchmal kann ich wirklich nciht tippen. ich meinte natürlich wandte

Offline Nycra

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Re: ich wendete und wandte mich
« Antwort #7 am: 01. Dezember 2009, 17:34:53 »
Hi Leute,

jetzt mus die Sekretärin auch mal ihren Senf dazu geben. Ich habe Meister Duden gefragt  :buch: und der sagt Folgendes:

In den Bedeutungen "die Richtung während der Fortbewegung ändern" und "umkehren, umdrehen [und die andere Seite zeigen]" werden nur die Formen mit "e" verwendet:

- sie wendete mit dem Auto,
- er hat gewendet
- das Blatt hat sich gewendet
- Heu wurde gewendet

und

ansonsten sind die Formen mit "a" häufiger:

- er wandte sich ihr zu; eher selten: er wendete sich ihr zu [geht aber auch!]
- er hat sich zu ihr gewandt; eher selten: gewendet
- sie wandte; eher selten: wendete; viel Sorgfalt auf ihre Arbeit

So, nur für die Leute, die noch die Regel wissen wollte..

LG

Nycra

Offline Maja

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Re: ich wendete und wandte mich
« Antwort #8 am: 01. Dezember 2009, 17:35:56 »
Ich habe auch gerade im Archiv des Zwiebelfischs gesucht, aber leider nichts passendes zum Thema gefunden.
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Robert Gernhardt

Vali

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Re: ich wendete und wandte mich
« Antwort #9 am: 02. Dezember 2009, 19:21:49 »
Danke euch allen für eure Antworten! Hab mal wieder was dazugelernt. Dann passt das mit "wenden" im Sinne von "umdrehen" und "Richtung wechseln" schon recht gut. Muss mich nur daran halten. ;) Habe bisher überwiegend "wandte" genommen, aber je länger ich darüber nachdenke, umso mehr zweifle ich. Diese Nachdenkerei hat mich sogar mal dazu gebracht, mich zu fragen, ob man Quelle wirklich nicht "Kwelle" schreibt ;D

Offline Maja

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Re: ich wendete und wandte mich
« Antwort #10 am: 02. Dezember 2009, 20:34:03 »
"Quelle" schreibt man in Zukunft nur noch "Neckermann"
*wegrenn*
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Robert Gernhardt

Offline Maja

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Re: ich wendete und wandte mich
« Antwort #11 am: 26. Mai 2018, 17:53:06 »
BTW, die Vergangenheitsform von "sich winden" ist "wand".
Danke, @Maja. Ich habe gerade Tante Google benutzt, um die Antwort auf diese Frage zu finden, und war erstaunt, von wem ich diese Info am Ende bekommen sollte.
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Robert Gernhardt

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