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Autor Thema: Fragezeichen und Rufzeichen  (Gelesen 1667 mal)

Offline Nikki

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Re: Fragezeichen und Rufzeichen
« Antwort #15 am: 05. Oktober 2020, 23:15:59 »
Zitat
Wenn es denn sein muss, würde ich aber !? bevorzugen. In der deutschen Sprache steht beispielsweise in zusammengesetzten Nomen ja das wichtige Nomen, das ausdrückt, um was für eine Sache es sich handelt, immer hinten. (Eine Giftschlange ist eine Schlange und kein Gift). Also sollte bei einer Frage das Fragezeichen hinten stehen. Ganz logisch.

Geniale Argumentation  ;D (eigentlich wollte ich ein Rufzeichen setzen, habe es mir aber nochmal überlegt :P)

Offline Araluen

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Re: Fragezeichen und Rufzeichen
« Antwort #16 am: 06. Oktober 2020, 08:18:32 »
Mir selbst ist bisher nur ?! über den Weg gelaufen. Auf die andere Variante wäre ich gar nicht gekommen ;) Ich finde, die Verwendung kommt stark aufs Medium an. In Textformen, die vorrangig auf Dialog basieren wie Comics, Drehbücher oder auch Forenbeiträge finde ich die Verwendung durchaus stimmig, da andere Mittel fehlen oder sehr rar gesäht sind, um die Ausdrucksweise zu verdeutlichen. Bei Fließtexten gehöre aber auch ich zu der Fraktion, dass Satzzeichen keine Rudeltiere sind.
Was  Inquits anbelangt: Ich verzichte großteilig auf sie. Entweder stellt die Dialogstruktur von selbst klar, wer gerade spricht und wie oder ich nutze Handlungs- oder Beschreibungseinschübe.
"Haben wir noch Milch?", fragte Tom.
Das ist für mich ein überflüssiges Inquit. Das Fragezeichen macht bereits deutlich, dass hier gefragt wird. Warum also noch einmal darauf hinweisen? Für mich ist das wie ein weißer Schimmel oder eine tote Leiche. Müsste ich an dieser Stelle deutlich machen, dass Tom spricht, sähe das bei mir eher so aus:
"Haben wir noch Milch?" Tom schaute von seinem Einkaufszettel auf und tippte sich mit dem Bleistift ans Kinn.
Das gleiche gilt für Ausrufezeichen. Wenn eines steht, brauche ich kein Iquit mit rufen oder befehlen. Das ergibt sich automatisch aus dem Satzzeichen und/oder der verwendeten Verbform. Ausrufezeichen sähe ich aber auch selten, eigentlich nur bei  Verwendung des Imperativs.

Churke

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Re: Fragezeichen und Rufzeichen
« Antwort #17 am: 06. Oktober 2020, 11:39:50 »
Irgendwer sagte mal, in seinen Texten ein Ausrufezeichen zu benutzen sei das Äquivalent dazu, über seinen eignen Witz zu lachen.

Drei klassische Zitate mit Ausrufezeichen:

Hannibal ante portas!
Qualis artifex pereo!
How beauteous mankind is!

Das Ausrufenzeichen markiert die Emotionalität des Sprechenden. Geradezu genial (wenn auch nachgebildet, da die Römer keine Satzzeichen hatten) in "Qualis artifex pereo!", den letzten Worten Neros: "Welch ein Künstler geht mit mir zugrunde!" Das Ausrufezeichen als Kondensat von Selbstmitleid, Größenwahn, Melodramatik und Lächerlichkeit.
Analog dazu sehe ich Rudeltier-Satzzeichen oder !? oder oder oder - sie können Befindlichkeiten des Sprechenden ausdrücken.

Offline Koboldkind

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Re: Fragezeichen und Rufzeichen
« Antwort #18 am: 14. Oktober 2020, 19:16:12 »
Analog dazu sehe ich Rudeltier-Satzzeichen oder !? oder oder oder - sie können Befindlichkeiten des Sprechenden ausdrücken.
Darum verwende ich es auch nur bei wörtlicher Rede. Ich bin es über, hinter meine Sätze etwas wie "rief er ungläubig" zu schreiben, was für mich das augeschriebene "!?" ist. Oder "?!" bei einer Frage, da mache ich den Unterschied.
(Ketzerisch: Aaaallerhöchstens in einem Roman mit überaus emotionalen Ich-Erzähler, aber da wird jeder vernünftige Lektor den Rotstifft ansetzen.)
Wer jetzt nicht wahnsinnig wird, muss verrückt sein.

FeeamPC

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Re: Fragezeichen und Rufzeichen
« Antwort #19 am: 15. Oktober 2020, 19:48:35 »
Und ich hasse es, wenn Autoren ihre Protas rufen oder sogar brüllen lassen, und dann da kein Ausrufezeichen steht. Wofür soll das denn wohl sonst dasein?

Offline Nikki

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Re: Fragezeichen und Rufzeichen
« Antwort #20 am: 15. Oktober 2020, 20:04:19 »
Was ich auch interessant finde, ist, dass hier scheinbar viele einen gravierenden Unterschied zwischen Comic-/Manga(-Sprechblasen) und direkter Rede in einem Roman sehen? Wenn Interrobangs/!? in einer Sprechblase vorkommen (dürfen), wieso dann nicht auch in wörtlicher Rede? Eine Sprechblase ist nur eine andere graphische Darstellung von Anführungszeichen.

Seid ihr, was Onomatopoetika, also lautmalerische Begriffe, betrifft, ebenso konsequent? Das ist wieder eine Sache, die ich bis jetzt nicht verwende, "hm", "ähm" etc., wenn dann wirklich nur sehr, sehr selten und mir wirklich keine Alternative einfallen will. (Lohnt sich dazu ein eigener Thread? Gibt es den womöglich schon? :buch:)

Churke

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Re: Fragezeichen und Rufzeichen
« Antwort #21 am: 16. Oktober 2020, 12:56:50 »
Eine Sprechblase ist nur eine andere graphische Darstellung von Anführungszeichen.

Ich denke, die Ablehnung beruht a) auf der Regelwidrigkeit und b) auf der Unseriösität. Nun sind Comics per se unseriös. Die dürfen das. ;)

Offline Araluen

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Re: Fragezeichen und Rufzeichen
« Antwort #22 am: 16. Oktober 2020, 12:58:27 »
Zitat
Das ist wieder eine Sache, die ich bis jetzt nicht verwende, "hm", "ähm" etc., wenn dann wirklich nur sehr, sehr selten und mir wirklich keine Alternative einfallen will.
Verwende ich nur sporadisch, sondern beschreibe die Art des Sprechens lieber. Was gar nicht geht für mich sind Lautmalereien wie "Ratsch, der Hosenboden riss."

Im Comic fehlt die Alternative zum Interrobang (gerade gesehen, dass das "echte" Interrobang ein Sonderzeichen mit übereinander gelegten Frage- und Rufzeichen ist). Hier gibt es nur Graphik und wörtliche Rede. Daher kann ich mich hier damit abfinden, schöner wird es dadurch für mich aber nicht ;) Im Fließtext gibt es andere Möglichkeiten, die meiner Meinung nach ausgeschöpft werden sollten, auch wenn in der Kürze des Interrobangs (aber dann vielleicht besser als das Sonderzeichen) ein gewisser Reiz liegt. Aber das ist alles hier rein subjektives Empfingen.

Offline Zit

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Re: Fragezeichen und Rufzeichen
« Antwort #23 am: 16. Oktober 2020, 19:19:01 »
Ich bin sporadisch meine Comicsammlung durchgegangen, und die Kombi ?! kam eher selten vor. Die Figuren waren da immer sehr/ plötzlich überrascht. Und an sich sehe ich das dann wie Araluen: Weil der beschreibende Text fehlt, müssen solche Sachen in den Sprechblasen mit vermehrten Satzzeichen und/ oder Rudelbuchstaben ("Hiiiiiilfeeee!!") gelöst werden. Auch wenn die Figuren an sich natürlich schon überrascht aussehen oder deutlich in Schwierigkeiten stecken, sind Rudelzeichen da ein sehr graphisches Mittel, das sich beim graphischen Medium anbietet.

Was die andere Frage angeht: Meine Figuren benutzen Interjektionen, aber ich versuche es in Grenzen zu halten. Kommt immer auf den Fluss an. Manchmal ist so ein Hm im Satz der wortlichen Rede besser als die wörtliche Rede zu unterbrechen und zu "tellen", dass die Figur ein Geräusch der Zustimmung von sich gibt oder überlegt, oder oder.

Und ich hasse es, wenn Autoren ihre Protas rufen oder sogar brüllen lassen, und dann da kein Ausrufezeichen steht. Wofür soll das denn wohl sonst dasein?

Um mit Nachdruck zu sprechen? Ich interpretiere ein Ausrufezeichen nicht immer mit lauten Stimmen oder Rufen. Nicht alles, was ein Ausrufenzeichen hat, ist ein Streit, aber jeder Streit braucht Ausrufezeichen; sozusagen.

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