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Vermiedene Wörter

Begonnen von Schattenlicht, 11. Juni 2014, 17:26:00

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Herbstblatt

Uuuh, schaut mal, was ich rausgekramt habe, einen in meinen Augen interessanten Thread.  :D


Zitat von: Ary am 19. Juni 2014, 10:02:14
Ich mag das Wort "plötzlich" nicht, weil es so plakativ ist,

Dem schließe ich mich an. Grundsätzlich wirkt es auf mich, als hätte der Autor keinen passenden Übergang von einer Szene zur nächsten geschafft und dieses Wort als Notlösung verwendet. Das empfinde ich als eine ungeschickte Technik. Mir kamen allerdings auch schon Bücher unter, in denen es spärlich und natürlich eingebaut wurde. Ich habe auch schon öfter gelesen, dass plötzlich eines dieser Wörter ist, das man tendenziell rauskürzen sollte und wurde damit auf eine Stufe der unliebsamen Adjektiven gestellt.

Zitat von: Sternsaphir am 19. Juni 2014, 17:05:53
Es gibt auch Wörter, die ich nicht mag. Manche erinnern mich an unliebsame Personen oder unschöne Ereignisse. z.B. "schmunzeln" hasse ich irgendwie. Ich glaube, ich habe dieses Wort in meinem letzten Buch nur ein einziges Mal verwendet (bei 380 Seiten).
Geht mir ähnlich. Das Wort erinnert mich auch an eine unliebsame Person.

Zitat von: Waldkatze am 26. Juni 2014, 18:26:58

Aber meine ganz persönliche Achilles Ferse ist das "nicht". Vorm Korrekturlesen meines aktuellen Projektes war mir nicht bewusst - ähm unbewusst, dass ich so negativ bin  :seufz:
Das dachte ich bei mir auch. Seither versuche ich, die Sätze so zu umschreiben, dass dieses nicht wegfällt, aber manchmal geht es einfach nicht (haha) anders.

Ich mag das Wort gruselig nicht. Wenn ich eine düstere Atmosphäre möchte, macht diese Wort alles zunichte. Für mich klingt es nach Kinderbuch. Liegt wohl daran, dass die Fear-Street- und Gänsehaut-Bücher als gruselig vermarktet wurden, so wie andere Horrorgeschichten für Kinder... ich hatte eines, das hieß sogar Gruselgeschichten.

Und kichern. Das verwende ich nur für Mädchen oder Tratschtanten, denn damit assoziiere ich das Wort.

Manouche

Danke für Ausgraben, finde ich auch interessant

Das mit dem "plötzlich" habe ich auch schon gelesen. Und ich bin da grundsätzlich gleicher Meinung, vor allem wenn irgendwie steht: Dann zuckte sie plötzlich zusammen... Für die Protagonistin ist es ja nicht plötzlich, sondern sie zuckt halt einfach zusammen. :hmmm:
Aber ich erinnere mich genau: als Kind und vermutlich auch Jugendliche, verspürte ich immer eine Art Vorfreude, wenn ich aus dem Augenwinkel sah, dass weiter unten "plötzlich" geschrieben stand. Dieses Wort kündete für mich an, dass jetzt dann gleich etwas spannendes passieren wird. Irgendwie lustig, finde ich.
Trotzdem versuche ich es jetzt auch strickte zu vermeiden.

Das mit dem "nicht" war mir bis gerade jetzt überhaupt nicht :D bewusst. ich bin jetzt gespannt, ich werde gleich ein paar meiner Seiten durchlesen und schauen, ob ich häufig "nicht" geschrieben habe.


Herbstblatt

Zitat von: Manouche am 28. März 2021, 22:26:46

Aber ich erinnere mich genau: als Kind und vermutlich auch Jugendliche, verspürte ich immer eine Art Vorfreude, wenn ich aus dem Augenwinkel sah, dass weiter unten "plötzlich" geschrieben stand. Dieses Wort kündete für mich an, dass jetzt dann gleich etwas spannendes passieren wird. Irgendwie lustig, finde ich.


Haha, du also auch.  ;D

Linda

@Herbstblatt und @Manouche

Ich lese mit den Augen auch immer schon weit voraus - und kenne das Gefühl, dass sich etwas ankündigt, dass ich noch nicht gelesen habe, aber unbedingt will.

Vielleicht sollten wir eine Petition starten, dass
plötzlich
ab sofort  immer fett und in einer extra Zeile gedruckt werden sollte.  Statt Worte zu vermeiden, eine neue Technik zur Erzeugung von Spannung.  :rofl:

Annie

Ich weiss nicht, ob es noch jemanden so geht, aber ich mag das klassische "sagte" nach der wörtlichen Rede nicht. Das kommt mir immer etwas einfallslos vor. Hinzu kommt, dass es meiner Meinung nach die Art des Sprechens nicht so präzise rüber bringt wie z.B. ein "entwich es ihm/ihr" oder "käuchte er/ sie". Ich versuchen es daher zu vermeiden. Natürlich hat es aber auch seine Berechtigung und ist nicht immer schlecht. Wie bei "plötzlich" ist das Geschmackssache und kann auch auf natürliche Art und Weise eingebaut werden. Für mich hauchen andere Ausdrucksweise der Geschichte halt nur mehr Leben ein.
Das "nicht" finde ich nicht  :ätsch: so schlimm. Versuche es aber auch im Grenzen zu halten. Genauso, wie das obligatorische "hat"  z.B. "hat erwähnt" oder "hat gejagt'. Ich versuchen darauf zu achten in solchen Situationen "erwähnte" oder "jagte" zu verwenden. In der wörtlichen Rede kommt es da jedoch immer drauf an, ob das auch zum Charakter passt.

Manouche

#20
@Linda
ZitatVielleicht sollten wir eine Petition starten, dass
plötzlich
ab sofort  immer fett und in einer extra Zeile gedruckt werden sollte.  Statt Worte zu vermeiden, eine neue Technik zur Erzeugung von Spannung.  :rofl:

  :rofl:

@Annie
"sagte" stört mich tatsächlich nicht. Am liebsten habe ich es aber, wenn ich gar nicht erwähnen muss, wer was sagt, sondern es aus der Handlung klar ist. "keuchen, knurren etc." darf meiner Meinung nach auch gerne vorkommen, wenns wirklich passt und nicht zu häufig ;)

Annie

@Manouche
Das stimmt. Ich brauche auch nicht hinter jedem Satz einen Hinweis darauf, wer was gesagt hat, aber in längeren Dialogen kann es verwirrend sein, wenn sowas ganz fehlt :)

Sikania

Zitat von: Annie am 30. März 2021, 16:43:21
Ich brauche auch nicht hinter jedem Satz einen Hinweis darauf, wer was gesagt hat, aber in längeren Dialogen kann es verwirrend sein, wenn sowas ganz fehlt :)

Absolut. Ich versuche, es dann mit Hinweisen im Dialog klar zu machen. Aber ganz ohne Begleitsatz komme ich auf längere Strecke nie aus. (Will ich aber in der Regel auch nicht  :ätsch:)

Gegen "sagte" habe ich nicht wirklich was, da es manchmal doch auch besser ist, als immer wieder neue Varianten herauszusuchen, wenn es eigentlich nur neutral ist. Aber wie immer, die Dosis macht das Gift.
Was ich vermeide, sind (gefühlt) umgangssprachliche Begriffe wie zum Beispiel: guckte.

Mindi

#23
Sagte ist so ein Wort, das überlese ich und erfasse nur die "wichtigere" Information, nämlich wer es gesagt hat. Ich neige dann aber auch dazu, den Rest des Satzes zu überlesen.

"Blub Blub", sagte Finn und schoss sich anschließend ins Knie.

Da neige ich dazu, nur das "Finn" zu lesen und den Rest der Information als unnötig zu erfassen. Ups. Dann verliere ich ab und an den Zusammenhang. Ganz nach dem Motto - alles nach "sagte" ist überflüssiger Ballast. Ist aber vermutlich nur mein seltsames Leseverhalten. Aber prinzipiell habe ich kein Problem mit sagte, sofern es nicht 10x auf einer Seite steht.
Über Inquit-Formeln haben wir auch irgendwo einen Thread, daher schweife ich da jetzt mal nicht weiter aus, was die anderen Wörter betrifft.

Mein Nerv-Wort ist aber. Ich habe es jetzt mal nicht editiert - das würde ich normalerweise regelmäßig beim Schreiben machen und das reißt mich manchmal auch mitten aus dem Schreibfluss raus. Allein in oben dem Absatz habe ich es schon wieder 3x verwendet. Arrrg!  :brüll:
"When we are asleep in this world, we are awake in another." - Salvador Dalí

Annie

@Sikania und @Mindi
Da habt ihr Recht: die Anzahl und der Zweck macht dabei viel aus!
Generell geht's mir da aber wie dir Mindi. Ich überlesen danach auch häufiger den Rest und springe dann direkt zum nächsten Satz weiter, wodurch ich dann ggf. nochmal auf den vorherigen Satz zurückkommen muss.
"Aber" finde ich auch nicht optimal, allerdings fällt mir das eher beim selber schreiben auf als beim lesen.

Archibald

Meine vermiedene Wörter in einer Geschichte:

Plötzlich schreckte Kurti hoch. Aber da war nichts. Verunsichert schleckte er ungeniert weiter an seinem Eis, als würde es kein Morgen geben.
Kati kam hereingeschlendert.
"Kurti, ich warte schon eine gefühlte Ewigkeit auf dich." Sie lächelte verschmitzt, knuffte ihm freundschaftlich in die Seite nur um kurz darauf ihr Schmunzeln zu einem ausgewachsen breiten Lächeln zu vergrößern, dass ihr weißen Zähne bestens zu Geltung brachte.
"Aber -", stammelte Kurti.
"Ich veräppel dich doch nur." Ihr Lachen perlte mit den Kohlensäurebläschen ihrer Sektflöte um die Wette, dann strich sie ihr geblümtes Cocktailkleid glatt, unter dem sich aus ihm unerfindlichen Gründen deutlich die Träger eines Tank Tops abzeichneten.
"Oh" gluckste Kurti und klemmte sich eine widerspenstige Haarsträhne hinter das Ohr. Er war ihr einen schmachtenden Blick zu, nestelte nervös an den Bändeln seines prachtvoll bestickten Lederwamses, nur um kurz darauf ein – seiner Meinung nachpfiffiges Gesicht aufzusetzen.
"Jetzt bin ich aber ganz baff".

Ich habe natürlich geschummelt, nicht alle Worte vermeide ich, versuche aber sie so wenig wie möglich zu verwenden. Wie so viele hier habe auch ich eine Aversion gegen "schmunzeln", aber auch gegen das "verschmitzte Lächeln".

Dazu kommen noch noch das "perlende Lachen", das "glucksen", aber auch das "prusten".

Viel schlimmer als das finde ich allerdings die Phrasen, wobei mein Top-Favorit zweifellos die "gefühlte Ewigkeit" ist.

Coppelia

#26
@Archibald
Das hat mich heute Morgen wirklich zum Schmunzeln bzw. zum perlenden Lachen gebracht. ;D Vieles davon finde ich auch total nervig und abgedroschen.

Obwohl es eine extra grausige Stelle ist, mag ich sie irgendwie. Vor allem das Detail mit dem Tank Top unter dem geblümten Cocktailkleid. Und wie er ein Lederwams trägt, es passt so gar nicht.  :rofl:

Leann

 ;D Sehr schön. Dieses Rumgetüddel mit den Haaren nervt mich auch oft. Hab mal ein Buch gelesen, da wurde jeder Satz im Dialog mit einer Haar-Handlung verbunden. (sagte sie und strich sich das Haar zurück, sagte er und fuhr sich durch sein blondes Haar ...).

Seit einiger Zeit vermeide ich "unfassbar". Dieses Wort begegnet mir seit Wochen unfassbar oft und es nervt mich einfach unfassbar.

Zauberfrau

@Archibald :

Ja, das Wörtchen 'plötzlich' mag ich auch überhaupt nicht. Grruuuuselig!

Allerdings finde ich das Wort 'schmunzeln' eher neutral. Ich verwende es nur nicht (mir fällt kein Text ein, wo ich es wirklich verwendet hätte).

Du hast tatsächlich sehr viele "gute" Beispiele gebracht. Nur habe ich eine Anmerkung dazu: In der wörtlichen Rede ist in meinen Augen mehr erlaubt. Während im Erzähltext eine "gefühlte Ewigkeit" nichts verloren hat, könnte sie vielleicht in der Rede einer Figur durchaus passend sein, weil das eben ihrem Charakter entspricht. Andererseits sollte man mit solchen Kniffen sparsam umgehen,  weil das ziemlich schnell nervt, wenn das überstrapaziert wird. Hab mal ein Buch gelesen, wo der Protagonist den breitesten Dialekt gesprochen hat (kann auch durch andere Sprechweisen ergänzt werden - z.B. Jugendsprache oder Sprache der Leute, die nur wenig Kerzen auf der Torte haben). Irgendwann wollte ich keine Dialoge mehr lesen, weil dieses gezwungene, "wohl witzig gemeinte" Stilmittel zu häufig vorkam. Da würde ich lieber in einen hochdeutschen Text nur ab und zu ein paar färbende Wörter einbringen wollen.

Mein Fazit: Nervige Wörter im Erzähltext NEIN, in der wörtlichen Rede möglich, aber nur sehr dosiert.

Ary

Ich hatte mal eine Zeitlang eine Vorliebe für das Wort "sanft". Es kam in beinahe jedem Satz meines Debutrimans vor, wesegen ich auch zu recht vom damaligen Lektor eins aufs Dach bekam.
"Glucksen" für leises Lachen oder Kichern mag ich auch nicht so sehr, aber ich schaffe es, darüber wegzulesen, wenn es nicht zu häufig auftaucht. Schlimmer als bestimmte Wörter finde ich es, wenn jemand auf Krampf versucht "show, don't tell" zu beherzigen und dann eine schräge blumige Beschreibung die nächste jagt. Das wird ganz schnell unfreiwillig komisch.