Tintenzirkel - Das Fantasyautorenforum

Handwerkliches => Das Sprachbastelboard => Thema gestartet von: Mondfräulein am 26. Dezember 2020, 17:19:57

Titel: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: Mondfräulein am 26. Dezember 2020, 17:19:57
Mein Buch spielt in Deutschland, aber eine der Nebenfiguren ist japanischer Abstammung. Ich habe den Namen Sousuke ausgesucht. Meine deutschen Augen lesen das zuerst als "Susuke", gesprochen wird es aber "Soske", die Us sind dabei jeweils stumm. Als ich so über den Namen nachgedacht habe, hat sich mir generell die Frage gestellt, wie ich damit umgehen soll, wenn Namen anders ausgesprochen werden, als es das deutsche Kernpublikum erwarten würde.

Bei Fantasynamen kann ich die Schreibweise einfach anpassen, sodass ich als deutscher Leser irgendwie erahnen kann, wie der Name ausgesprochen werden soll. Bei real existierenden Namen aus anderen Kulturen würde ich mich das aber nicht so einfach trauen. Sousuke ist aber ein realer japanischer Name. Im Japanischen wird er so-u-su-ke geschrieben und ich will die japanische Schreibweise nicht einfach so verändern. Ich habe häufiger gesehen, dass bei japanischen Namen das ou als ō übersetzt wird und Sōsuke ist schon näher an der ursprünglichen Schreibweise, aber das zweite U ist ebenfalls stumm. (Da hilft es auch nicht, dass Naruto hier eine Weile lang sehr populär war und die deutsche Synchronisation Sasuke konsequent als "Sasuke" ausgesprochen hat und nicht als "Saske".) Aber wäre es in diesem Fall überhaupt schlimm, wenn die Leser nicht genau wissen, wie der Name ausgesprochen wird?

Sousuke ist dabei aber noch nicht das einzige Problem, denn selbst wenn die Leser den Namen falsch aussprechen, sie sprechen ihn irgendwie aus. In meinem Buch spielt die irische Mythologie aber auch eine große Rolle und da wird das schon schwieriger. Saoirse beispielswiese wird "Sirscha" ausgesprochen, Róisín wird "Rosheen" ausgesprochen. Die Namen klingen richtig ausgesprochen wirklich schön, wenn ich aber nicht weiß, wie ich sie aussprechen soll, und ich würde behaupten die allermeisten Leute kommen da nicht einfach so drauf, dann klingen sie auf einmal wirklich nicht mehr so schön. Es gibt zu vielen irischen Namen anglisierte Versionen, für Róisín zum Beispiel Rosheen oder das englische Äquivalent Rosaleen, aber in meinem Fall würde es keinen Sinn ergeben, warum die Figuren ihre Namen so schreiben würden. Gerade zwischen England und Irland gab es ja viele Konflikte, die bis heute andauern, die irische Sprache ist vom Aussterben bedroht, da fühlt es sich falsch an, die Namen zu anglisieren.

Wie kann man also mit solchen Namen umgehen? Das Problem existiert ja auch nicht nur bei Vornamen, sondern auch bei allen anderen Namen und Begriffen aus anderen Sprachen, die man nicht mal eben eigenhändig eindeutschen will. Einfach so lassen und es dem Leser überlassen, sich über die Aussprache zu informieren? Die Möglichkeiten, die Aussprache natürlich in den Dialog einzubauen, sind finde ich auch eher begrenzt. Sollte man so etwas in Fußnoten erklären? Oder solche Namen grundsätzlich vermeiden? Wie geht ihr damit um?
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: Barra am 26. Dezember 2020, 17:35:13
Ich hatte schon oft Probleme mit gälischen Namen (von japanischen ganz zu schweigen).
Vor allem als Leserin hat es mich eine Weile echt genervt, wenn mir die richtige Aussprache vorenthalten wurde.
"Rhys" ist auch so eine Sache. Es heisst einfach verdammt noch mal nicht Rüs.

Oder japanisch: "Suzuki" weiss doch jeder Deutsche, dass das ein Susuki ist. Und der japanische Mitarbeiter bei meinem Mann nur so: Wovon reden die? Ach, das? Das ist eine: "Tzutzki" und die andere japanische Mitarbeiterin: "Ja, aber Tzuski geht auch." Na schönen Dank auch.

Seitdem bin ich wieder bequemer geworden.
Lösung A) es "Intime" lösen, in dem die Figur sich vorstellt und es entsprechend lautmalerisch oder mit einem "Reim" klarmacht.
"Hi Annie, das ist mein guter Freund." - "Hi, ich bin Keyser Söze - so wie Soße. Und ja, alle Witze wurden schon darüber gemacht." - "Oh hi woher kommt der Name?" Und während die beiden noch erörterten... bla bla Prota schaut sich um, usw.
Lösung B) es im Nach oder Vorwort klarstellen, woher die Namen kommen und die Leser selber suchen lassen (darf man ruhig zumuten).
Lösung C ) Fußnote: Find ich unschön, wenn es nur dafür benutzt wird. Wenn man eh noch mehr ab und an da unten winzig hinsetzt, geht das aber auch.

Ich mah A) am meisten, weil es "natürlich" ist und tatsächlich hängen bleibt. Geht aber vielleicht nicht mit allem.
"Ich bin Sousuke - wie Socke...." hinkt, aber könnte auch gleich Eis brechen, sympathsich sein oder eben auch in einem ernsten Moment funktionieren, wenn der Anta das gleich nutzt:
"Wie war das? Stuß-ke?" Oder was weiss ich... sind nur spontane Beispiele. :ätsch:
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: Angela am 26. Dezember 2020, 18:43:43
Das ist echt ein wichtiges Thema. Ich habe Schwiegertöchter in zwei Ländern, eins englischsprachig, eins deutsch, die beide ihre asiatischen Namen so gut wie nie benutzen, weil sie sagen, dass die anderen ihn ohnehin nicht richtig aussprechen können.
Mein Ältester nutzt seinen ersten Vornamen Arne wiederum nicht in China, weil sie den kaum richtig herausbringen können.

In einem Land, in dem diese Namen eher fremd sind, kann man die Aussprache erklären, wie Barra das vorschlägt. Aber sonst wird es schwer, und ob das dann am Ende auch nur halbwegs richtig klingt, ist auch nicht sicher.
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: Antigone am 26. Dezember 2020, 19:49:03
Wie kann man also mit solchen Namen umgehen? Das Problem existiert ja auch nicht nur bei Vornamen, sondern auch bei allen anderen Namen und Begriffen aus anderen Sprachen, die man nicht mal eben eigenhändig eindeutschen will. Einfach so lassen und es dem Leser überlassen, sich über die Aussprache zu informieren? Die Möglichkeiten, die Aussprache natürlich in den Dialog einzubauen, sind finde ich auch eher begrenzt. Sollte man so etwas in Fußnoten erklären? Oder solche Namen grundsätzlich vermeiden? Wie geht ihr damit um?

Ich glaube, du solltest dich für diese Variante entscheiden:
Zitat
Einfach so lassen und es dem Leser überlassen, sich über die Aussprache zu informieren?
Denn egal, wieviel Mühe du dir damit geben wirst, die Aussprache korrekt zu erklären, letztendlich macht der Leser doch eh das draus, was ihm am geläufigsten ist.

lg, A.
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: Fianna am 26. Dezember 2020, 20:23:04
Ich würde es einfach in die Handlung integrieren. Iren oder Japaner, die in Deutschland leben, müssen doch auch ständig die Aussprache ihres Namens korrigieren oder überhaupt einmal vorsprechen, weil sich das Gegenüber gar nicht rantraut.
Auch wenn Alltagsrassismus keine Rolle in dem Buch spielen wird, finde ich es in Ordnung und wichtig, das einzubinden, dass die Figuren mal wieder jemand korrigieren müssen (und vielleicht auch von der Reaktion genervt sind).

Falls Du es jedoch in irgendeiner Weise dem Leser als Glossar präsentieren möchtest, fände ich es ganz vorne (nur auf einer 1 Seite und am besten nur die Aussprache) am besten. "Sie finden dies ganz hinten" ist gerade bei Ebooks unpraktisch. Wenn es keine Content Notes sind, würde ich niemals "nach hinten" im Buch verweisen, es ist zu nervig zu blättern, vor allem mit einem EbookReader.
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: Mondfräulein am 26. Dezember 2020, 20:31:07
Ich habe auch darüber nachgedacht, es im Text zu integrieren, ganz praktisch sehe ich da aber das Problem, dass Figuren sich in den meisten Fällen nicht schriftlich vorstellen. Sousuke trifft jemanden, den er noch nicht kannte und sagt dann "Mein Name ist Sousuke." oder etwas in der Art. Aber er spricht seinen eigenen Namen ja richtig aus. Wenn man den Namen einmal richtig hört ist er auch nicht so schwer auszusprechen. Ich schreibe den Namen zwar aus, aber in der Geschichte wird er laut ausgesprochen. Das sehe ich hier als das größte Problem, denn dann stellt sich die Frage eigentlich nicht und ich bin nicht sicher, wie ich das sinnvoll integrieren würde. Die Möglichkeiten, um die Aussprache zu erklären sind relativ begrenzt, besonders, wenn der Name an sich nicht schwer auszusprechen ist, sondern wenn sich die Aussprache nur nicht gut vom Schriftbild ableiten lässt. Mir fällt hier nur ein, dass es aufkommen könnte, wenn die Schreibweise eine Rolle spielt. Oder habt ihr noch Ideen?
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: Herbstblatt am 26. Dezember 2020, 20:37:42
Ich kann mich erinnern, dass Thomas Brezina in der Knickerbocker-Bande immer wieder in Fußnoten erklärt hat, wie man ausländische Namen ausspricht, das fand ich ganz hilfreich. Damals war ich ein Kind und das war ja auch ein Kinderbuch, ich weiß nicht, ob ich das in einem Buch machen würde, das eine ältere Zielgruppe anspricht, hmm.
In einem Sachbuch über Japan wurden die japanischen Namen alle so ausgeschrieben, wie man sie ausspricht, das gab ein sehr merkwürdiges Schriftbild ab, das hat mich sehr gestört, vor allem weil ich weiß, wie man japanische Namen ausspricht, eeeh... und dieses Buch ist nicht einmal auf Popkultur ausgelegt.

Mir persönlich gefällt Barras Idee, die Aussprache in Dialogen einfließen zu lassen, funktioniert aber auch nicht immer und käme seltsam gestellt rüber, wenn es bei jedem einzelnen fremdländischen Namen passiert.

Ich versuche die Schreibweise der Namen zu ändern, damit die Aussprache intuitiver wird, zum Beispiel hab ich den Namen "Fynn" auf "Finn" geändert, nachdem ich gelesen habe, dass viele Leute das y wie ein ü aussprechen.  :P Bei japanischen Namen lässt sich allerdings nicht viel verändern, huh?


Zu dem ō: Das kommt vom Hepburn-System. Das ist eine Umschrift des Japanischen in unsere lateinischen Zeichen. Alle langezogenen o und u, die noch zusätzlich mit einem u versehen sind, bekommen so einen Strich. Wenn du dich für diese Umschrift entscheidest und noch mehr japanische Wörter und Namen vorkommen, solltest du dir das Hepburn-System genauer ansehen, da sind noch ein paar Regeln darin, die ich dir jetzt nicht erläutern möchte, das würde den Rahmen sprengen. (Keine schwierigen, das sollte nicht aufwändig klingen, haha)
Es gibt noch ein zweites System, aber das Hepburn ist weltweit am meisten verbreitet.

Ich würde noch sagen, dass das auch von der Zielgruppe abhängt. Ältere Leser, die sich auch noch mit Japan oder anderen Kulturen befassen, werden vielleicht hinter die korrekte Aussprache kommen? Im Gegensatz zu jüngeren, Teenager zum Beispiel, die viel mit deutsch synchronisierten Anime in Berührung kommen? Wenn die irische Mythologie eine so große Rolle spielt, wird sie auch Leser anziehen, die Interesse und etwas Wissen dazu mitbringen?

Ich würde es wohl dem Leser überlassen, sich über die Aussprache zu informieren. Da ist eben der Haken, dass sie das nicht tun werden, wenn sie überzeugt sind, sie richtig zu lesen. Bei Saoirse wäre ich nie auf die Idee gekommen, es Sirscha zu lesen, ich hätte es irgendwie französisch ausgesprochen  :P
Wäre es denn so schlimm für dich, wenn die Leser Sousuke falsch aussprechen würden?
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: Mondfräulein am 26. Dezember 2020, 20:46:51
Das Hepburn-System schaue ich mir auf jeden Fall an, das ist sehr hilfreich, weil ich tatsächlich nicht weiß, wie man Japanisch korrekt ins lateinische Alphabet überträgt. Ich kann Hiragana lesen und tendiere dazu, das sehr direkt zu übertragen. Japanische Namen und Begriffe finde ich als Deutsche noch relativ verständlich und gut auszusprechen, auch wenn man manchmal falsch liegt und stumme Us oder Is mitspricht. Ob der Leser das jetzt Soske oder Sosuke ausspricht ist wahrscheinlich am Ende nicht so dramatisch.

Die irischen Namen sind da denke ich eine viel größere Herausforderung. Aber da fühlt es sich noch schlechter an, die Schreibweise zu verändern. Schwierig, schwierig.
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: Fianna am 26. Dezember 2020, 20:53:06
Ich habe auch darüber nachgedacht, es im Text zu integrieren, ganz praktisch sehe ich da aber das Problem, dass Figuren sich in den meisten Fällen nicht schriftlich vorstellen.
Ich dachte an ganz banale Alltagssituationen, da nach meinen Erfahrungen jeder irgendwo seinen Namen schriftlich anzeigt an einem Tag: (Straßen-)Bahnkontrolleur, Rezept abholen, Bibliotheksbücher abholen oder zurückgeben, Massagetermin / Kosmetikerin / Friseurtermin wahrnehmen... grade bei den zuletzt genannten Beispielen zahlt man oft nach Erhalt der Leistung und muss dazu nochmal Leistung, Termin oder Namen sagen.

Das sind jetzt nur die ersten gewesen, die mir einfallen, da gibts noch viele andere - ich hatte das Gefühl, man könnte bei einem zeitgenössischen Roman sehr einfach eine Situation kreieren, die nicht lange dauert und eben dieses Ausspracheproblem transportieren kann. 

Ansonsten fände ich ein Glossar vorne oder Fußnoten nicht schlecht.
Fußnoten wären besser, da wäre die Frage, wie das außerhalb des Brezina- oder Pratchett-Leserkreises ankommt  ;D
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: Maubel am 26. Dezember 2020, 20:55:35
Ich würde es einfach lassen. Egal wie sehr du dich bemühst, irgendein Leser wird es trotzdem falsch aussprechen und das ist okay. Wer sich dafür interessiert, wird es sich selbst aneignen. Aber genau wie Leute sich ihre Charaktere vorstellen, wie sie wollen, liest man auch einfach die Namen. Du willst ja nicht, dass sie jedes Mal stoppen und nach hinten blättern oder so ähnlich. Problematisch wäre es erst, wenn es vertont wird und der Sprecher sich nicht informiert.

Man kann sicher sowas auch im Text anbringen, aber wie du schon sagst, ist das wirklich natürlich? Manchmal kann das funktionieren, aber vielleicht habe ich einfach zu wenige "Hallo, ich bin Maubel"-Szenen (apropos, die lautmalerische deutsche Schreibweise hat z.B. @Grummel nicht davon abgehalten Maubel ins Französische zu lesen ;)).
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: Herbstblatt am 26. Dezember 2020, 21:00:49
Hmm... ich weiß nicht, wie lange deine Geschichte wird, aber vielleicht zahlt es sich aus, am Ende des Buches eine Liste der Charaktere nachzureichen, so wie in Büchern wie Das Lied von Eis und Feuer? Dann könnte man die Aussprache in Klammer setzen? Nicht sehr elegante Lösung und immer noch Knickbocker-Bande-ähnlich, huh.

Oder du lässt deine Namen so stehen und die Leser übernehmen die Aussprache, spätestens dann, wenn du Lesungen gibts, werden sie berichtigt.  :D
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: Araluen am 26. Dezember 2020, 21:50:41
Ich würde ein Glossar nit Aussprachehilfe machen und die Namen in der Originalschreibweise belassen. Marillier hat das in ihrer "Sevenwaters"- Reihe auch so gehandhabt. Die Reihe spielt im mittelalterlichen Irland und es wimmelt nur so von fürs deutsche Auge unlesbare Namen. Da war das Glossar sehr hilfreich.
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: Zit am 26. Dezember 2020, 23:39:33
Wenn man es richtig sicher machen will, muss man wohl das Phonetische Alphabet bemühen – aber selbst das kann nicht alle realen Aussprachen abbilden (es gibt Standartdeutsch und Standartfranzösisch – gibts das auch für Japanisch oder Irisch?) und die wenigsten Leute können das Alphabet nicht einmal in ihrer eigenen Sprache lesen. :omn: Insofern bin ich da bei Antigone, einfach eine Schreibweise wählen und die LeserInnen machen lassen.
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: Herbstblatt am 26. Dezember 2020, 23:53:44
Wenn man es richtig sicher machen will, muss man wohl das Phonetische Alphabet bemühen – aber selbst das kann nicht alle realen Aussprachen abbilden (es gibt Standartdeutsch und Standartfranzösisch – gibts das auch für Japanisch oder Irisch?)

Das Japanisch, das man in der Provinz Tokyo spricht, gilt als das Standardjapanisch. Ich bin sicher, jede Sprache hat ihren Standard, geht ja sonst nicht anders, nach irgendwas muss man sich ja richten. Also demnach auch beim Irischen.  :P
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: Angela am 27. Dezember 2020, 09:27:28
@Maubel
Zitat
"Hallo, ich bin Maubel"-Szenen (apropos, die lautmalerische deutsche Schreibweise hat z.B. @Grummel nicht davon abgehalten Maubel ins Französische zu lesen ;)).
Wie denn sonst, wenn nicht mit französischem Einklang? Etwa MAU- BELL? Für mich ist das Moh-Bäl mit so 'nem Akzentzeichen drauf . Du erschütterst mein Weltbild.
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: FeeamPC am 27. Dezember 2020, 15:04:58
Bei real existierenden Sprachen gebe ich keine Anweisung. Wenn der Leser das wirklich wissen will, kann er sich informieren, Google macht's möglich.
Bei meiner Fantasy-Sprache habe ich eine Anleitung gegeben, weil in den Namen sehr viele Vokale aufeinanderfolgen und sie, im Gegensatz zum Deutschen, nicht zusammengezogen werden. Saawa wird dann Sa-a-wa gesprichen. Und die Anleitung ist im Anhang, in dem ich auch ein paar Erläuterungen zu den Völkern, Staaten und Religionen gebe. Wen's nicht interessiert, der braucht das nicht zu lesen.
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: Herbstblatt am 27. Dezember 2020, 15:09:31
Saawa wird dan Sa-a-wa gesprichen.

Da hätte ich in dem Fall in Erwägung gezogen, im Fließtext stattdessen Sa'awa zu verwenden.
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: FeeamPC am 27. Dezember 2020, 16:22:28
Nope. Ich hasse schlicht und einfach diese ganze Aposthropherei. Meine persönliche Vorliebe ist ohne, und die Leser müssen damit leben. Über DEN Teil meines Schreibens hat sich bislang auch noch keiner beschwert.
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: Phlox am 03. Januar 2021, 14:43:38
zu @Mondfräuleins konkretem Projekt: Wenn ich das richtig verstanden habe, ist das eine japanische Figur unter lauter Deutschen, und auch wenn der Name vielleicht nicht so kompliziert für deutsche Zungen ist, haut das vermutlich nicht gleich beim ersten Versuch richtig hin. Vielleicht hat Sousuke sich angewöhnt, seinen Namen bei der Vorstellung gleich zwei Mal zu nennen, um dem üblichen Stirnrunzeln und Nachfragen zuvorzukommen, und beim 2. Mal könntest du den Namen schreiben "wie die Deutschen ihn hören/sprechen".   
Wenn es in deinem Roman überwiegend Deutsche sind, die sich mit irischer Mythologie beschäftigen, werden sie sich vielleicht auch einmal angelegentlich über die Aussprache (und Klangschönheit) der irischen Namen unterhalten, und du könntest die wichtigsten Namen und ihre korrekte Aussprache hier unterbringen.
Glossare finde ich grundsätzlich auch ok, besonders wenn es sich um viele Namen aus einer bestimmten Sprachfamilie handelt.
Den Ansatz "wer es genauer wissen will, wird es schon googeln", finde ich dagegen nicht so glücklich - zum einen sollte man meiner Erfahrung nach nie die Trägheit seiner Mitmenschen unterschätzen  ;) - zum anderen muss man ja auch erst mal auf die Idee kommen, dass die Namen anders ausgesprochen werden könnten, als sie dastehen - nicht, weil die Lesenden zu doof sind, sondern einfach, weil geschriebene Texte nun mal eine gewisse Beharrungskraft haben.
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: Anjana am 03. Januar 2021, 17:12:38
Ich lese relativ viele Romane/Serien in denen irische oder gallische Namrn vorkommen und wenn ich die Namen immer nur lese finde ich es unglaublich schwer mir die korrekte Aussprache anzueignen, weil ich das Klangbild nicht damit verbinde. Ich hab erst mach dem 3. Oder 4. Buch erfahren, dass es nicht englisch ausgesprochen wird. Da war aber die falsche Aussprache schon mit den Namen verknüpft und ich muss jetzt immer aktiv korrigieren was mich aus jedem Lesefluss reißt. Wenn dann noch ein Glossar vorne im Buch fehlt, ärgere ich mich inzwischen. Denn googeln ist dann extrem aufwendig und vielleicht hab ich nicht immer ein internetfähiges Gerät da und schon habe ich keine Chance es beim lesen nochmal nachzuschauen. Von daher find ich ein Glissar absolut notwendig und würde einen Link oder eine Homepage sehr begrüßen, auf der ich die Aussprache anhören könnte. Was für Selfpublisher ja vielleicht sogar zusätzlich Leser auf die Homrpage zieht.
Und wers nicht will kann drüberherblättern. (Ich ganz persönlich würde sogar die Lautmalerei in Klammern im Fließtext begrüßen, aber damit bin ich vermutlich recht allein^^) Aber ich finde, wenn ich sowas als Autor nutze gehört es dazu wenigstens dazmeauf hinzuweisen, dass es anders gesprochen wird, als die Zielgruppe es intuitiv tun wird.
Und im Zuge der Diskussion um Rassismus bzw. Inklusion finde ich, stellt es sich nicht mehr als Frage, ob man sich die Mühe sparen soll, weil es eh alle falsch aussprechen. Wenn "es machen eh alle so wie sie es meinen, also spare ich mir die Mühe zu informieren" hier ein plausibles Argument ist, dann ja wohl auch in der anderem Diskussion. Oder es ist in beiden Fällen kein echtes Argument... (Btw frage ich mich auch bei inklusiven Worten immer wir sie gesprochen werden: "sier" mit langem ihr? Jeder Buchstabe geschmeidig geschliffen oder wie zwei Worte mit Apostroph? Ist das hier auch zu viel Mphe es zu erklären, weil es eh jeder so liest wie er, sie oder sier (ist das jetzt korrekt angewendet?) meint? Ich plädiere in all diesen Fälken mindestens für einen Hinweis auf die Aussprache oder darauf, dass es entgegen verbreiteter Intuition ist.
Außerdem würde ich mich sehr freuen, wenn ein Buch mir beibringt wie Namen korrekt ausgesprochen werden und ich mal Kursteilnehmer ad hoc korrekt ansprechen könnte, weil ich mir der Aussprache sicher bin.
Übrigens könnte man Vorstellungen auch mal so machen, dass es einen Zusatz gibt wie "Hi, ich bin Souzuke. Ganz leicht auszusprechen, aber wem du meinen Namen aufschreiben willst, frag mich vorher besser wie er geschrieben wird."
Ist vielleicht nicht wahnsinnig oft möglich, aber für den Leser vielleicht mal denkbar.
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: Kraehe am 03. Januar 2021, 20:24:53
Ich persönlich favorisiere einen - zu Beginn stehenden - Glosar (oder wenn es sein muss auch Fußnoten). Das gibt allen die Chance, sich mit den Namen und Aussprachen in dem Maß zu befassen, in dem es sie interessiert, und im Idealfall lernen die Leser*innen so noch was. :)

Bei real existierenden Sprachen gebe ich keine Anweisung. Wenn der Leser das wirklich wissen will, kann er sich informieren, Google macht's möglich.
Bei meiner Fantasy-Sprache habe ich eine Anleitung gegeben, weil in den Namen sehr viele Vokale aufeinanderfolgen und sie, im Gegensatz zum Deutschen, nicht zusammengezogen werden.
Das finde ich sehr schade. Gerade ein real existierender Name, in dem sich auch Leser*innen repräsentiert sehen könnten, und dessen Verwendung somit auch Einfluss auf deren Leben haben kann, sollte die Mühe einer Erklärung wert sein, wenn man sich dieselbe Mühe auch für fiktive Namen macht.

Denn:
Den Ansatz "wer es genauer wissen will, wird es schon googeln", finde ich dagegen nicht so glücklich - zum einen sollte man meiner Erfahrung nach nie die Trägheit seiner Mitmenschen unterschätzen  ;) - zum anderen muss man ja auch erst mal auf die Idee kommen, dass die Namen anders ausgesprochen werden könnten, als sie dastehen - nicht, weil die Lesenden zu doof sind, sondern einfach, weil geschriebene Texte nun mal eine gewisse Beharrungskraft haben.
Wir müssen dafür nicht einmal in die Literatur gehen, sondern uns nur Kamala Harris und den Gebrauch ihres Namens anschauen. Die Frau wird jetzt Vizepräsidentin der USA, und selbst bei ihr machen sich 90% der Leute keine Mühe, die korrekte Aussprache ihres Vornamens zu recherchieren oder einzuüben, sondern interpretieren lieber eine Kamilla-Variante hinein. Und Kamala ist weder schwierig auszusprechen, noch ist die Frau dahinter eine triviale Persönlichkeit.

Um auch hier wieder den Bogen zu schließen: Diversität und Repräsentation in einem Buch sind was tolles, und sollten nicht einfach nur über Board geschasst werden, weil einem die Namen zu umständlich sind. Aber wenn schon Repräsentation stattfindet, dann finde ich, gehört auch eine gewisse Verantwortung dazu, nicht nur das Hinschreiben anderen Kulturen entnommener Namen. Die Aussprache und Beschäftigung mit Namen hat auch mit Respekt zu tun, und deshalb würde ich den Lesern unbedingt ein Instrument an die Hand geben, wie sie es richtig machen können. Ob sie das dann wahrnehmen ist eine andere Sache, aber du als Autorin hast damit deinen Beitrag zu vollwertigerer Repräsentation geleistet.

Dass Leute wiederum den Namen falsch aussprechen werden, sobald sie ihn lesen, ist eine andere Sache - dann kann man ihn immer noch vokal im Text erklären lassen. Und glaub mir. Leute werden Namen selbst dann falsch aussprechen, wenn sie sie schon x-mal gehört haben und dann zum ersten mal lesen, weil "da steht es ja anders". Die Gelegenheiten, es noch bildlich zu veranschaulichen, sollte also schaffbar sein, wenn dir das wirklich lieber ist. :lehrer:
(Nur ob sich dann beim Erklären jemand absichtlich selbst ausgerechnet zum 100. Mal mit Soße vergleichen oder nicht doch ein besseres lautmalischeres Bild wählen wird, stelle ich mal dahin... ;))
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: Volker am 03. Januar 2021, 20:53:14
Gerade im Britischen sind Namen und Aussprache nicht immer gut herleitbar. Man Vergleiche beispielsweise "Simon" und "Siobhan"... 

Oder im alten Hebräischen  oder Arabisch - da fehlen die Vokale in der Schrift komplett. Man weiß also nicht, ob für die altägyptische Göttin  "Keket" oder "Kauket" korrekter wäre. Oder gar wenn beim Gott Israels nachträglich die Vokale des Begriffs "Herr" (weil man den Namen des Herrn nicht nennt) über die Konsonanten des Namens 'drübergeschrieben wurden.
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: Mondfräulein am 05. Januar 2021, 01:45:51
Ihr habt in der Zwischenzeit auf jeden Fall einige sehr interessante Punkte genannt, über die ich erstmal ein wenig nachdenken musste, vielen Dank dafür!

Ich dachte an ganz banale Alltagssituationen, da nach meinen Erfahrungen jeder irgendwo seinen Namen schriftlich anzeigt an einem Tag: (Straßen-)Bahnkontrolleur, Rezept abholen, Bibliotheksbücher abholen oder zurückgeben, Massagetermin / Kosmetikerin / Friseurtermin wahrnehmen... grade bei den zuletzt genannten Beispielen zahlt man oft nach Erhalt der Leistung und muss dazu nochmal Leistung, Termin oder Namen sagen.

Das sind jetzt nur die ersten gewesen, die mir einfallen, da gibts noch viele andere - ich hatte das Gefühl, man könnte bei einem zeitgenössischen Roman sehr einfach eine Situation kreieren, die nicht lange dauert und eben dieses Ausspracheproblem transportieren kann. 

Für mein Buch passt das nicht unbedingt, zumindest ist mir noch keine Situation eingefallen. Das liegt aber einfach daran, dass Sousuke ein Leben führt, in dem es sehr, sehr wenige Situationen gibt, in denen er seinen Namen aufschreiben würde. Selbst wenn, müsste ich erstmal überlegen, warum er ihn nicht auf Japanisch aufschreiben würde, gerade weil meine Hauptfigur das nicht lesen kann und selbst wenn sie es könnte, gibt es für Namen, die als Kanji geschrieben werden, manchmal verschiedene mögliche Aussprachen.

Aber prinzipiell ist das etwas, was man machen könnte, wenn man die Aussprache direkt in den Text einbauen will. Es ist durchaus eine Möglichkeit, die für manche Namen passen könnte, aber eben nicht immer funktioniert, ohne dass die Situation zu konstruiert wirkt. Wenn ich eine ganze Szene einbauen muss, in der die Figuren zur Pediküre gehen, nur damit die Aussprache des Namens erklärt werden kann, ist das ja nicht Sinn der Sache, aber wenn ich so eine Szene ohnehin schon im Roman habe, kann ich sie dafür nutzen und Sousuke macht dann eben die Reservierung anstatt einer anderen Figur.

Ansonsten fände ich ein Glossar vorne oder Fußnoten nicht schlecht.
Fußnoten wären besser, da wäre die Frage, wie das außerhalb des Brezina- oder Pratchett-Leserkreises ankommt  ;D

Das ist glaube ich so eine Sache. Ich habe die Fußnoten in der Bartimäus-Reihe geliebt, aber andere haben sie gehasst und sie haben sie so sehr rausgerissen, dass sie das Buch dann weggelegt haben. Da gehörten die Fußnoten aber noch zur Geschichte. Hier geht es ja um Fußnoten, in denen ich mich als Autorin quasi kurz melde und von außen die Aussprache eines Namens erkläre. Ich glaube, mich würde das nicht stören, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es andere stören würde.

Ich würde ein Glossar nit Aussprachehilfe machen und die Namen in der Originalschreibweise belassen. Marillier hat das in ihrer "Sevenwaters"- Reihe auch so gehandhabt. Die Reihe spielt im mittelalterlichen Irland und es wimmelt nur so von fürs deutsche Auge unlesbare Namen. Da war das Glossar sehr hilfreich.

Danke auf jeden Fall für den Hinweis auf die Reihe! Das kommt meinem Problem ja ziemlich nahe.

Bei real existierenden Sprachen gebe ich keine Anweisung. Wenn der Leser das wirklich wissen will, kann er sich informieren, Google macht's möglich.

Ich glaube das Problem ist ja auch, dass die Leser häufig gar nicht wissen, dass sie den Namen falsch aussprechen, wie Phlox schon geschrieben hat:

Den Ansatz "wer es genauer wissen will, wird es schon googeln", finde ich dagegen nicht so glücklich - zum einen sollte man meiner Erfahrung nach nie die Trägheit seiner Mitmenschen unterschätzen  ;) - zum anderen muss man ja auch erst mal auf die Idee kommen, dass die Namen anders ausgesprochen werden könnten, als sie dastehen - nicht, weil die Lesenden zu doof sind, sondern einfach, weil geschriebene Texte nun mal eine gewisse Beharrungskraft haben.

Dem kann ich nur zustimmen, sowohl bei der Trägheit und beim Unwissen. Ich merke das vor allem bei schwedischen Namen. Skarsgård zum Beispiel sprechen die meisten sehr problemlos und selbstsicher aus, nur leider falsch, denn das å wird zum Beispiel wie ein O ausgesprochen, aber woher soll ich das wissen, wenn ich nicht zufällig aus Langeweile mal einen Schwedischkurs an der Uni belegt habe? Köttbullar spreche ich auch eher wie "Schöttbullar" aus, aber wenn ich das Wort lese, komme ich gar nicht darauf, es nicht so auszusprechen, weil viele schwedische Worte und Namen doch deutsch genug anmuten. Wenn ich mich mit der Sprache also überhaupt nicht auskenne, dann komme ich gar nicht darauf, mich zu informieren. Besonders bei Köttbullar ist das so ein Fun Fact, den man hier und da mal hört, aber von selbst kommt da niemand drauf. Bei vielen anderen ausländischen Namen habe ich als Leser auch eher den Instinkt, die Aussprache, die ich mir anhand der Schreibweise zurechtlege, für bare Münze zu nehmen.

Wenn ich das richtig verstanden habe, ist das eine japanische Figur unter lauter Deutschen, und auch wenn der Name vielleicht nicht so kompliziert für deutsche Zungen ist, haut das vermutlich nicht gleich beim ersten Versuch richtig hin. Vielleicht hat Sousuke sich angewöhnt, seinen Namen bei der Vorstellung gleich zwei Mal zu nennen, um dem üblichen Stirnrunzeln und Nachfragen zuvorzukommen, und beim 2. Mal könntest du den Namen schreiben "wie die Deutschen ihn hören/sprechen".   

Ich glaube das Problem ist hier, dass der Namen gar nicht schwer auszusprechen ist. Ich glaube, wenn sich jemand einem Deutschen mit diesem Namen vorstellen würde, dann hätte die Person damit kaum Probleme. Die Schwierigkeit ist eher, dass er für deutsche Augen anders geschrieben wird als man ihn ausspricht und dass das, was im Roman gesprochen wird, den Lesern ja in verschriftlichter Form vorliegt.

Ich lese relativ viele Romane/Serien in denen irische oder gallische Namrn vorkommen und wenn ich die Namen immer nur lese finde ich es unglaublich schwer mir die korrekte Aussprache anzueignen, weil ich das Klangbild nicht damit verbinde. Ich hab erst mach dem 3. Oder 4. Buch erfahren, dass es nicht englisch ausgesprochen wird. Da war aber die falsche Aussprache schon mit den Namen verknüpft und ich muss jetzt immer aktiv korrigieren was mich aus jedem Lesefluss reißt.

Ich glaube ein Faktor, der hier eine große Rolle spielt, ist auch wie wichtig der Name innerhalb der Geschichte überhaupt ist. Beim Namen der Hauptfigur sollte das definitiv erklärt werden.

Gerade ein real existierender Name, in dem sich auch Leser*innen repräsentiert sehen könnten, und dessen Verwendung somit auch Einfluss auf deren Leben haben kann, sollte die Mühe einer Erklärung wert sein, wenn man sich dieselbe Mühe auch für fiktive Namen macht.
[...]
Um auch hier wieder den Bogen zu schließen: Diversität und Repräsentation in einem Buch sind was tolles, und sollten nicht einfach nur über Board geschasst werden, weil einem die Namen zu umständlich sind. Aber wenn schon Repräsentation stattfindet, dann finde ich, gehört auch eine gewisse Verantwortung dazu, nicht nur das Hinschreiben anderen Kulturen entnommener Namen. Die Aussprache und Beschäftigung mit Namen hat auch mit Respekt zu tun, und deshalb würde ich den Lesern unbedingt ein Instrument an die Hand geben, wie sie es richtig machen können. Ob sie das dann wahrnehmen ist eine andere Sache, aber du als Autorin hast damit deinen Beitrag zu vollwertigerer Repräsentation geleistet.

Das ist finde ich ein sehr wichtiges Argument. Es geht ja nicht um irgendwelche Fantasynamen sondern echte Namen, mit denen Menschen auch hier in Deutschland leben. Gerade beim Irischen gibt es da auch politische Spannungen, die eine große Rolle spielen und ein Grund sind, warum ich die Schreibweise auf keinen Fall ändern will. Wenn ich mich in meinem Roman dieser Kulturen bediene, dann will ich das Problem mit der Aussprache auch nicht einfach ignorieren.

Gerade im Britischen sind Namen und Aussprache nicht immer gut herleitbar. Man Vergleiche beispielsweise "Simon" und "Siobhan"... 

Ich denke bei englischen Vornamen sind die meisten an die Aussprache gewöhnt (obwohl ich damals als Kind bei vielen Büchern englische Namen sehr, sehr falsch ausgesprochen habe), aber Siobhán zum Beispiel ist auch wieder ein irischer Name. Die englische Entsprechung ist glaube ich Joan. Jemand, der Irisch spricht, weiß wahrscheinlich auch, wie der Name ausgesprochen wird, aber mit der englischen Aussprache komme ich hier eben nicht weit. Simon würde ich denke ich voraussetzen, Siobhán aber nicht.
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: FeeamPC am 07. Januar 2021, 12:53:52
Bei einer mir völlig fremden Sprache wie Irisch würde ich vermutlich im Glossar Aussprachehinweise und übersetzte Bedeutung aufnehmen.
Bei geläufigen Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Latein) bin ich zwar auch ziemlich sicher, dass ich selbst nicht immer die richtige Aussprache kenne, aber da ignoriere ich sowohl bei mir als auch beim Leser dieses Nicht-Wissen.
Mag vielleicht nicht richtig sein und zudem eine ordentliche Portion Faulheit, aber, wie schon gesagt, darüber hat sich bislang noch nie auch nur ein Leser beschwert.
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: Volker am 08. Januar 2021, 10:48:28
Gerade im Britischen sind Namen und Aussprache nicht immer gut herleitbar. Man Vergleiche beispielsweise "Simon" und "Siobhan"... 

Ich denke bei englischen Vornamen sind die meisten an die Aussprache gewöhnt (obwohl ich damals als Kind bei vielen Büchern englische Namen sehr, sehr falsch ausgesprochen habe), aber Siobhán zum Beispiel ist auch wieder ein irischer Name. Die englische Entsprechung ist glaube ich Joan. Jemand, der Irisch spricht, weiß wahrscheinlich auch, wie der Name ausgesprochen wird, aber mit der englischen Aussprache komme ich hier eben nicht weit. Simon würde ich denke ich voraussetzen, Siobhán aber nicht.

Wenn ich das richtig im Hinterkopf habe, dann so ganz grob nach (deutscher Umschrift-Versuch): "Schewonnn", englisch vielleicht: "Jevaughn"?
Sozusagen ein "ev" in "Sean" hineingeschoben.
Aber ich bin da auch kein Experte.
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: Maubel am 08. Januar 2021, 10:54:55
Zitat
Wenn ich das richtig im Hinterkopf habe, dann so ganz grob nach (deutscher Umschrift-Versuch): "Schewonnn", englisch vielleicht: "Jevaughn"?

"Schewonn" ist richtig. Auf englisch eher: Shevaughn, das ist schon ein scharfes Sch, während Je ja weich wäre.

Anderes Beispiel, die Schauspielerin Saiorse Ronan wird "Sierscha" mit scharfem S am Anfang ausgesprochen. Fürs Irische findet man ganz leicht Aussprachehilfen, weil die Namen so verbreitet sind, aber ja, es gibt viele englische Entsprechungen, wo man sich manchmal denkt... okay, einfach mal die Hälfte aller Buchstaben weggelassen. Oder zum Beispiel aus Niamh wird dann Neve, oder aus Eoghan wird Owen.
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: Araluen am 08. Januar 2021, 11:31:42
Für Síobhan kenne ich auch die Aussprache Sche-wahn. So wurde es in der Serie "Ringer" ausgesprochen, sowohl in der Synchro als auch im Original und auf einer Seite zur Aussprachehilfe irischer Namen finden sich beide Varianten von Muttersprachlern (so es stimmt) vorgesprochen. Die Schwierigkeit im Rischen liegt auch darin, dass wir es zwar mit einem kleinen Land zu tun haben, was die Iren aber nicht davon abhält je nach Region anders zu sprechen wenn auch nur in Nuancen. So sind meines Wissens für den Namen Deirdre die Aussprache Dierdra und Dierdri beide korrekt.
Niamh kenne ich durch die Sevenwaters-Reihe als Ni-ev
Eoghan mit Owen im Englischen gleichzusetzen ist gar nicht mal so falsch.
Titel: Re: Ausländische Namen und ihre Aussprache
Beitrag von: Yamuri am 16. Juni 2021, 13:15:52
Ich habe ja ein Manuskript mit mehrheitlich chinesischen Namen, zum Teil auch koreanisch bzw. japanisch und ein Chara hat auch einen arabischen Namen. Da werde ich wohl ein Glossar auch mit der richtigen Schreibweise anlegen, also auch mit den korrekten Zeichen dafür und eben der Lautschrift. Glücklicherweise habe ich jemanden an der Hand, die ich dann nochmal drüber schaun lassen kann, wenn das Glossar dann fertig ist. Zwar habe ich auch begonnen chinesisch zu lernen und habe intensive Recherchen betrieben, aber es fühlt es besser an, wenn man jemanden hat, der sich auskennt und nochmal seinen Segen dazu geben kann. :) Besonders bei solch schwierigen Sprachen wie Chinesisch, Koreanisch oder Japanisch finde ich wichtig, dass man den Leser:innen auch die Möglichkeit gibt die Namen korrekt auszuprechen, auch wenn sie es vielleicht nicht zu 100% korrekt hinbekommen, weil das bei chinesischen Namen schon ordentlich Übung braucht. Wobei ich bewusst Namen ausgewählt habe, die etwas leichter zum aussprechen sind und man sich besser merken kann, meiner Meinung nach.