Tintenzirkel - Das Fantasyautorenforum

Handwerkliches => Das Sprachbastelboard => Thema gestartet von: Mithras am 31. Oktober 2015, 20:28:12

Titel: Synonyme für irdische Begriffe in Fantasywelten [Sammelthread]
Beitrag von: Mithras am 31. Oktober 2015, 20:28:12
Salvete!

Die Suche ergab nicht Konkretes, weil mir kein konkreter Suchbegriff einfallen wollte, und beim Überfliegen des Unterforums ist mir auch nichts aufgefallen. Falls es ein solches Thema doch schon geben sollte, bitte ich um Verzeihung!

Die Idee ist zum einen, Synonyme für Wörter zu finden, die zu offensichtlich aus der irdischen Welt stammen und auf Personen oder Ereignisse verweisen, die es in fiktivenwelten gar nicht geben dürfte. Ich würde im ersen Beitrag diese Wörter inkl. Synonyme sammeln, damit man eine Liste auf den ersten Blick hat.
Unabhängig davon können wir darüber diskutieren, ob es überhaupt Sinn ergibt, sie ersetzen zu wollen. zum anderen möchte ich auch gerne wissen, wie ihr dazu steht und ob ihr vielleicht einige besonders krasse Beispipele kennt.

Eines meiner liebsten Problemwörter ist Kaiser, ganz einfach weil es von Caesar kommt, und den gab's nur in unserer Welt. Aber eine wirkliche Alternative will mir halt auch nicht einfallen und irgendwie ist das Wort mittlerweile "Gemeingut"... Problematischer wird's da mit Burunderrot, was mir in den deutchen ASOIAF-Bänden aufgefallen ist. GRRM bzw. der Übersetzer spielt damit natürlich auf die Farbe des Weins an, aber der Name dieser Rebsorte verweist nun einmal auf ein historisches Volk, das sich in der Region niedergelassen hat, aus der der Wein stammt. Da ist meine persönliche Schmerzgrenze klar überschritten.
Wie seht ihr das?



Die Liste, die ich auch gleich zur Diskussion stelle:

Echo: Name einer Nymphe.
Alternativen: Widerhall, Nachhall

Ketzer: Kommt von den Katharern, den Ketzern schlechthin (ich bekenne mich schuldig, das Wort ebenfalls zu verwenden - aber ich habe mir über die Etymologie in meiner Welt Gedanken gemacht).
Alternativen: Häretiker, ... ?

Mäzen: Kommt von Maecenas, einem römisch-etruskischen Vertrauten des Augustus, der zahlreiche Schriftsteller förderte, darunter Vergil, Horaz und Livius.
Alternativen: Förderer, ... ?

Mentor: Figur aus der Odyssee, sprichwörtlicher Mentor von Odysseus' Sohn.
Alternativen: Lehrmeister, ... ?

Quarantäne: Von ital. quaranta = 40 wegen vierzigtägiger Isolation
Alternativen: Isolation, ... ?



Valete,
Mithras
Titel: Re: Synonyme für irdische Begriffe in Fantasywelten [Sammelthread]
Beitrag von: Naudiz am 31. Oktober 2015, 20:38:04
Eines meiner liebsten Problemwörter ist Kaiser, ganz einfach weil es von Caesar kommt, und den gab's nur in unserer Welt.

Okay, DAS ist jetzt gruselig. Ich habe vorhin erst mit dem Harlekin darüber gesprochen, dass mein fieser Magierlord mangels eines Caesars in der Welt unmöglich ein Kaiser sein kann, und dass du ja vor einem ähnlichen Problem stehst. Und jetzt kommst du und eröffnest diesen Thread. An Halloween. Unheimlich.
Titel: Re: Synonyme für irdische Begriffe in Fantasywelten [Sammelthread]
Beitrag von: KaPunkt am 31. Oktober 2015, 21:38:07
Die Synonym-Liste ist praktisch und immer eine Betrachtung wert, schon allein, um Wiederholungen zu vermeiden, aber die wenigsten Synonyme sind wirklich bedeutungsgleich. laufen / gehen ist nicht das selbe. Mentor / Lehrmeister auch nicht.
Außerdem haben auch die Synonyme immer eine eigene Etymologie, die schwierig sein könnte.

Es hängt natürlich immer von der Welt ab, aber ich habe für mich zumindest beschlossen, dass Kaiser, Quarantäne etc. kein Probleme darstellen.
Begründung:
Die Leute in meinen Welten sprechen kein Deutsch.
Also ist das, was ich schreibe, ohnehin eine Übersetzung ins Deutsche ( sozusagen )
Also kann ich, wie ein guter Übersetzer, auch Deutsche Begriffe verwenden, wenn sie sinngleich sind. Ein Kaiser ist ein weltlicher Herrscher, der über Königen steht. Dafür könnte ich mir jetzt eine Entsprechung in der Sprache der Welt erfinden aber wozu? Das neue Wort gibt keinerlei erweiterten Sinn Zusammenhang.

Nur, wenn es keine genaue Entsprechung in Deutsch gibt, erfinde ich ein neues Wort.

Liebe Grüße,
KaPunkt
Titel: Re: Synonyme für irdische Begriffe in Fantasywelten [Sammelthread]
Beitrag von: der Rabe am 01. November 2015, 00:07:07
Hm, die Wörter oben finde ich im Großen und Ganzen jetzt auch nicht so problematisch, einfach weil sie, wie der Kaiser weitestgehend Allgemeingut sind. Beim Lesen des Thread-Titels hatte ich jetzt eher an solche Wörter wie Osterglocke oder Ausrufe wie "Oh, mein Gott", "Himmel" oder "Zum Teufel mit dir" gedacht. Diese sind noc han aktuelle Glaubenskonzepte gebunden, die in vielen Fantasy-Romanen schlecht auftauchen können wegen anderer Konzepte in der Welt.

Davon mal ab dürfte es irgendwann schwierig werden, einen verständlichen Text zu schreiben, wenn man tatsächlich alles umbenennen muss, das in irgendeiner Art und Weise auf historischen Personen, Legenden oder Sprachen beruhen. Insofern ist vermutlich die Frage, wo mache ich den Schnitt? Was lasse ich noch durchgehen und was geht gar nicht mehr in meinem Setting?

Vielleicht mache ich mir aber auch zu wenig Gedanken darüber.
Titel: Re: Synonyme für irdische Begriffe in Fantasywelten [Sammelthread]
Beitrag von: Mithras am 01. November 2015, 11:10:34
Okay, DAS ist jetzt gruselig. Ich habe vorhin erst mit dem Harlekin darüber gesprochen, dass mein fieser Magierlord mangels eines Caesars in der Welt unmöglich ein Kaiser sein kann, und dass du ja vor einem ähnlichen Problem stehst. Und jetzt kommst du und eröffnest diesen Thread. An Halloween. Unheimlich.
Ich find's nicht unheimlich - eher lustig. Und die Diskussion führen wir ja nicht zum ersten Mal.

@KaPunkt: So habe ich das tatsächlich noch nie gesehehen, interessant! Trotzdem fasse ich einige Begriffe nur mit den Fingerspitzen an, weil sie aus meiner Sicht der Authentizität des Settings eher schaden, und dazu gehören z. B. Verweise auf konkrete völker oder Regionen wie z. B. den Burgund. Meine Aufzähungen sind aus meiner Sicht grenzwertig, ich würde die Begriffe unter bestimmten Umständen wohl benutzen, wenn ihre Etymologie in meiner Welt Sinn ergibt.

@der Rabe: Osterglocke ist klar. In einem anderen Thema zur Flora in phantastischen Wlten hatte ich mal Chrisrosen als Beispiel verwendet. Oh mein Gott finde ich wiederum nicht ganz so problematisch, eben weil es ja durchaus auch monotheistische Religionen in derFantasyliteratur gibt, die dem Christentum sehr ähnlich sind. Für mich wäre der Spruch nur einfach zu salopp! :D
Titel: Re: Synonyme für irdische Begriffe in Fantasywelten [Sammelthread]
Beitrag von: Guddy am 01. November 2015, 11:18:50
Sehe das exakt wie KaPunkt. Gedanken habe ich mir definitiv darum gemacht, sogar ziemlich intensiv, nur komme ich trotzdem (oder gerade deswegen! ha! ;D ) zu dem Schluss. ISt aber natürlich Ansichtssache.

Im Prinzip haben unglaublich viele Wörter ihren Ursprung woanders. "Prinzip" bspw. Würde ich nun jedes dieser Worte streichen wollen, würde der Text vermutlich verkrampfen und sich angestrengt lesen und anfühlen. Habe auch nichts dagegen, wenn Leute Latein benutzen, um in einer Fantasywelt eine wissenschaftliche Sprache zu verdeutlichen. DSA macht das bspw. und ich finde es absolut nicht störend. Das ist aber wiederum sicher ein Grenzfall. Außerdem: Wenn man Wörter wie Diskrepanz etc. nicht mehr benutzen "darf", wie soll man dann einen gebildeten Sprachstil/Wortschatz eines Charakters verdeutlichen? Wir haben nunmal gewisse Assoziationen.

Das, was wir schreiben, ist wirklich nur eine Übersetzung aus dem "Fantasysch", finde ich, insofern dürfen da auch Worte hinein, die wir kennen, aber nicht aus dem Urgermanischen stammen. Probleme hätte ich mit englischen, neumodischen Ausdrücken. "Cool" geht natürlich absolut nicht und leider auch kein Shirt, kein String, kein Whiskey. Buhu.
Titel: Re: Synonyme für irdische Begriffe in Fantasywelten [Sammelthread]
Beitrag von: Mithras am 01. November 2015, 11:29:39
Im Prinzip haben unglaublich viele Wörter ihren Ursprung woanders. "Prinzip" bspw.
Das sehe ich schon etwas anders. Prinzip ist einfach nur ein Fremdwort, das wir in unseren Sprachgebrauch übernommen haben. Gäbe es diese Sprache in einer Fantasywelt, könnte das Wort ohne weiteres im dortigen Sprachgebrauch existieren. Da bin ich halbwegs schmerzristent, wobei ich mich natürlich um einen möglichst stimmigen und authentischen Sprachgebrauch bemühe. Doch selbst, wenn es in dieser Fantasywelt Latein gäbe, müsste es dort theoretisch auch einen Machtpolitiker namens Caesar dort gegeben haben, dass der Titel Kaiser existieren kann.
Titel: Re: Synonyme für irdische Begriffe in Fantasywelten [Sammelthread]
Beitrag von: Guddy am 01. November 2015, 11:31:53
Gut, da sind wir einfach anderer Meinung ;)
Der Ursprung eines Wortes kann in (m)einer Fantasywelt durchaus ein anderer sein (Deshalb finde ich persönlich durchaus, dass es einen Begriff wie Kaiser auch ohne Caesar geben kann) - wenn es das überhaupt sein muss, denn an sich ist es schlichtweg eine Übersetzung.
Titel: Re: Synonyme für irdische Begriffe in Fantasywelten [Sammelthread]
Beitrag von: Pygmalion am 01. November 2015, 13:43:40
Die Frage ist ja auch, ob du die Herkunft des Wortes erklärst. Man muss ja nicht den ganzen etymologischen Weg eines Wortes zu seiner heutigen Bedeutung aufrdröseln. Dass Kaiser von einem Namen entlehnt wurde, muss man ja einfach nicht thematisieren - genau so wenig wirst du die Namensherkunft des Wortes König näher beleuchten, oder? Spätestens seit dem frühen Mittelalter ist es eben ein Titel für den "Herrscher über die (christlichen) Könige", aber der japanische Tenno wird ja auch z.B. mit Kaiser übersetzt. Aus dem Eigennamen ist ein allgemeiner Begriff geworden und ich finde so können wir ihn auch verwenden.

Aber wenn dir Kaiser einfach nicht gefällt: Wie wäre es denn mit Großkönig? ;)

Wo ich dir aber zustimme ist die Nennung von Völkern, Regionen, Persönlichkeiten, die tatsächlich bei uns existieren. Wenn plötzlich Karl der Große durch eine Fantasywelt hüpften würde, wäre ich tatsächlich erstmal irritiert.

@Guddy: Warum denn kein Whisky?  :schuldig:Die Wahrscheinlichkeit, dass Leute das erfinden ist in etwa genau so groß wie die, dass sie Wein produzieren und Bier herstellen können. Whisky ist ja weder ein neumodisches Wort noch ein neu erfundenes Getränk.
Titel: Re: Synonyme für irdische Begriffe in Fantasywelten [Sammelthread]
Beitrag von: Sternsaphir am 01. November 2015, 16:12:23
Wenn man die Wortherkunft genauer betrachtet, dürfte man ja fast gar keine Begriffe verwenden.

Ich persönlich vermeide zumindest Begriffe, die mit Personen oder Orten der irdischen Geschichte zu tun habe (siehe Beispiel Caesar). Oder ich versuche es zumindest, denn die Geschichte von Echo, die von Hera dazu verdammt worden war, nur die letzten an sie gerichteten Worte wiederholen zu können, kennt nicht jeder.

In einer Fantasywelt können ja auch Begriffe einen ähnlichen Ursprung haben wie in der realen Welt. Dann war z.B. Mentor halt nicht eine Figur aus der Odyssee, sondern stammte aus einer anderen Sage.
Titel: Re: Synonyme für irdische Begriffe in Fantasywelten [Sammelthread]
Beitrag von: Guddy am 01. November 2015, 16:15:49
Warum denn kein Whisky?  :schuldig:Die Wahrscheinlichkeit, dass Leute das erfinden ist in etwa genau so groß wie die, dass sie Wein produzieren und Bier herstellen können. Whisky ist ja weder ein neumodisches Wort noch ein neu erfundenes Getränk.
Das ist auch wieder nur mein persönliches Empfinden, es klingt mir einfach zu englisch ;)
Titel: Re: Synonyme für irdische Begriffe in Fantasywelten [Sammelthread]
Beitrag von: cryphos am 02. November 2015, 08:07:12
Wie nennt man in Deutschland den obersten weltlichen Herrscher Chinas in den Jahren 221 v.Ch. bis 1912 n.Ch.?
Kaiser - und das obwohl Cäsar erst später lebte (100vCh.-44v.Ch.).

Von daher sehe ich es eher wie KaPunkt. Wir haben nun einmal als Ausgangslage, die deutsche Sprache und sollten diese auch nutzen. Wenn mir beim Schreiben ein gutes Synonym einfällt, dann nutze ich es, fällt mir eine geniale Wortschöpfung ein und ich kann die gekonnt in der Geschichte einführen ohne ins Infodumping abzugleiten, dann mache ich dies. Jedoch bevor ich mich und meine Sprache krampfhaft verbiege um allgemeine gebräuchliche Begriffe zu ersetzen, nutze ich lieber das Gegebene.

Was ich zu vermeiden suche sind Worte, die das Setting zerstören, weil sie in unserer Welt zu stark vorbelegt sind. Beispiel: Ein Lichterfest im Winter darf nur dann Weihnachten heisen, wenn dort Christen agieren. Ein Destillat aus Gerstenmalzmaische mit 40-94,8 Vol.-% Alkeholgehalt. welches mindestens drei Jahre im Holzfass reifte sollte ein Whisky sein aber kein Scotch und der Maisschnapps sollte Maissschnapps sein und kein Whisky.  ;)
Titel: Re: Synonyme für irdische Begriffe in Fantasywelten [Sammelthread]
Beitrag von: Lupa am 02. November 2015, 13:11:09
Ich fnde Cryphos hat es super auf den Punkt gebracht.
Wir haben nun einmal als Ausgangslage, die deutsche Sprache und sollten diese auch nutzen. Wenn mir beim Schreiben ein gutes Synonym einfällt, dann nutze ich es, fällt mir eine geniale Wortschöpfung ein und ich kann die gekonnt in der Geschichte einführen ohne ins Infodumping abzugleiten, dann mache ich dies. Jedoch bevor ich mich und meine Sprache krampfhaft verbiege um allgemeine gebräuchliche Begriffe zu ersetzen, nutze ich lieber das Gegebene.
Was mich in der Fantasy immer wieder extrem stört ist erzwungener Lokalkolorit, für den man dann ein Glossar braucht oder gleich nachgeschobenen Infodump.
Allerdings gebe ich zu, dass ich auch manchmal gerne damit spiele, gängige Wörter unserer Sprache zu ersetzen. Dann ist es mir aber wichtig, dass man sofort versteht, was gemeint ist (z.B. Nachrichtenblatt anstatt Zeitung).
Meine Probleme habe ich auch mit solchen Formulierungen wie "oh Gott", "verdammt", "zum Teufel" (ja meine Protas fluchen gerne). Das rutscht mir ziemlich oft durch und ich tue mich sehr schwer, adäquaten Ersatz zu finden. "Ach Mist" ist zwar universell, aber einfach nicht das selbe. Und jedes Mal zu schreiben, "bei Obergott XYs Donnerknüppel" finde ich auch nicht so prickelnd. Aber dafür Synnyme zusammen zu tragen ist natürlich schwer, weil es immer auf die Kultur der jeweiligen Welt ankommt.
Titel: Re: Synonyme für irdische Begriffe in Fantasywelten [Sammelthread]
Beitrag von: Araluen am 04. Dezember 2015, 12:23:17
Ich bin auch der Meinung, dass nicht alles synonymisiert (was für eine Wortkonstruktion... könnte von meiner Tochter sein) werden muss. Wir schreiben ja nur die Übersetzung des Phantasischen, wie schon gesagt wurde.
Bei Phrasen lohnt es aber schon zu schauen. Allerdings hängt das auch immer stark von der Welt ab und lässt sich schwer pauschalisieren.
Im MMO Rift meinte meine Kelari (ein sehr meerbezogenes Elfenvolk) einmal: "[...] dann schaut er jetzt wie eine Jungrobbe und alles ist wieder gut[...]"
Gemeint war natürlich der Dackelblick. Aber Dackel sind in Fantasywelten ja eher selten verbreitet ;)
Meine Charr (römisch/spartanisch angehauchtes Katzenmenschenvolk) aus Guildwars 2 sagt gerne verflammt statt verdammt. Die Flammenlegion ist in dem Setting nach langer Geschichte quasi aussätzig.
Meine Lieblingsbeleidigungen für und von Wüstenbewohnern: Du elender Sohn eines Sandwurms! oder Du Sohn von Kamelpisse!

Was den Kaiser angeht: Ein Kaiser macht meist göttliche Herkunft oder Stellvertreterschaft geltend. Es hat also immer sakralen Bezug. Wenn man den Titel Kaiser also nicht mag, könnte man auf oberster Herrscher oder Gottkönig ausweichen. Man könnte ihn auch je nach Setting und vorherrschender Religion Hand oder Weiser nennen zum Beispiel.
Aber sagen wir mal so. Auch ich musste den genauen Unterschied zwischen Kaiser und König erst googlen. Das tat ich anlässlich mehrerer gesehenen Geschichtsdokus, in denen der Unterschied zwar gemacht, aber nie wirklich erklärt wurde. Ich denke mal, da bin ich nicht allein. Der Titel Kaiser ist allgemein bekannt. Was es jedoch im Detail damit auf sich hat wohl aber nur Interessierten. Also wird auch niemand vor der Geschichte sitzen und sagen: "Boah das geht ja gar nicht! im Traumland gabs doch gar keinen Caesar. Wie wollen die denn dann auf den Titel gekommen sein. Jetzt ist die Atmosphäre völlig kaputt. Total unglaubwürdig."
Mit den anderen eingangs genannten Wörtern ist das meiner Meinung nach das Gleiche. Gerade bei Echo würde ich vermuten, dass das Wort damals zuerst da war und dann die Geschichte um das arme Mädchen gesponnen wurde, die ebenfalls Echo hieß.

Der Titel Caesar leitet sich zwar von Julius Caesar ab nebenbei. Aber er ist weder sein Vor- noch Nachname, sondern ein Beiname und bedeutet der Herausgeschnittene (sprich Kaiserschnitt) vom lateinischen caedere für schneiden oder anderen Quellen zufolge bezieht sich Caesar auf das punische Wort für Elefant, da einer der Vorfahren von Julius im ersten punischen Krieg einen Elefanten tötete. Man kann das jetzt noch wissenschaftlich diskutieren. Was ich nur sagen will: Man muss sich nicht darauf festbeißen, dass Kaiser von Caesar stammt und man für diesen Caesar unseren Julius braucht. Den Beinamen gab es schon vorher. Er wurde nur durch Julius Caesar so populär, dass daraus der Kaisertitel irgendwann gemacht wurde, was selbst auch wieder eine Germanisierung ist. wenn man möchte kann man sich stundenlang im Kreis drehen oder bei manchen Worten einfach Fünfe gerade sein lassen. ;)
Titel: Re: Synonyme für irdische Begriffe in Fantasywelten [Sammelthread]
Beitrag von: Rakso am 12. Dezember 2015, 10:40:24
Ich würde zwei Dinge von einander trennen: Zum einen, wie bereits mehrfach gesagt, sind erdachte Welten in der Regel eigenständig, sie haben ihre eigenen Sprachen und ihre eigenen Begriffe, zumindest theoretisch. In unserem Fall übertragen wir sie ins Deutsche. Somit ist es egal, ob diese Wörter von Eigennamen abgeleitet sind oder nicht.
Aber ich persönlich habe auch kein Problem damit, dass man sich als Autor ein Wort ausdenkt (egal ob aus deutschen Wörtern zusammengesetzt oder aus der erdachten Welt entlehnt), das man anstatt „Kaiser“, „König“, etc, verwendet. Meist wird es ja mehr oder weniger explizit gesagt, außerdem kann man sich so etwas auch aus dem Kontext erschließen.

Zum anderen muss auch den „Stil“ einer Geschichte bedenken. Fantasy spielt ja oft in pseudo-mittelalterlichen Welten, daher verwenden viele Autoren eben Begriffe, die man als mittelalterlich empfindet (unabhängig davon ob sie auch wirklich aus „unserem“ Mittelalter stammen). Gleiches gilt dann auch für Anlehnungen an andere Epochen, etwa Antike oder Industrielle Revolution.

Denkbar wäre auch, dass man sich ganz andere Konzepte ausdenkt und versucht die Sprachrealität der erfundenen Welt auch für einen deutschsprachigen Leser erfahrbar zu machen, in dem man eben Wörter wörtlich übersetzt.

@Mithras: Die Liste, die Du im ersten Post aufstellst, finde ich weniger problematisch.Ich würde alle diese Wörter verwenden. Wir nehmen ja nicht mehr war, dass sie aus Eigennamen entstanden sind (Mentor etwa wäre ja wörtlich „der Denker“).
Folglich müssten ja noch weitere Wörter aufgenommen werden wie „Vulkan“, schlussendlich vom Gott Volcanus, „Ozean“, vom griechischen Titan Okeanos, „Zeppelin“ (würde ich persönlich nicht verwenden, da mir Luftschiff oder Aerostat besser gefällt, wäre halt eine Frage des Stils) oder „Sklave“, das man ja gerne von einer alten Bezeichnung für Slawen ableiten will. Ebenso wie „Person“, dass man ja gerne von einem etruskischen Fabelwesen oder einer Gottheit, bzw. einem maskentragenden Priester, ableiten will.
Dazu kämen noch Adjektive wie „mäandern/mäandrisch“, vom Flussnamen Mäander in der heutigen Türkei abgeleitet, oder „gigantisch“, wiederum von „Gigant“, einer bestimmten Sorte griechischer Riesen.
„Echo“ ist, wie ich finde ein Sonderfall. Bei den Griechen finden sich haufenweise Geschichten über Nymphen, Menschen, Götter, etc., die nach natürlichen Phänomen benannt sind, um eben diese zu erklären.
Ich verstehe nicht, warum Du „Quarantäne“ auf die Liste gesetzt hast. Nur weil es sich von einer Zahl ableitet? Für mich wäre es nur ein „normales“ Lehnwort.

@Guddy: Wenn Du den Begriff Whisky nicht verwenden magst, übersetze ihn einfach: „Wasser des Lebens“ oder „Lebenswasser“
Titel: Re: Synonyme für irdische Begriffe in Fantasywelten [Sammelthread]
Beitrag von: Lupa am 29. Dezember 2015, 12:24:05
Denkbar wäre auch, dass man sich ganz andere Konzepte ausdenkt und versucht die Sprachrealität der erfundenen Welt auch für einen deutschsprachigen Leser erfahrbar zu machen, in dem man eben Wörter wörtlich übersetzt.
Ich finde es sehr schön, wenn dem Autor das gelingt, denn es trägt für mich sehr dazu bei, in die fantastische Welt einzutauchen.

Das sind aus meiner Sicht sehr gelungene Beispiele dafür, Araluen.
Im MMO Rift meinte meine Kelari (ein sehr meerbezogenes Elfenvolk) einmal: "[...] dann schaut er jetzt wie eine Jungrobbe und alles ist wieder gut[...]"
Gemeint war natürlich der Dackelblick. Aber Dackel sind in Fantasywelten ja eher selten verbreitet ;)
Meine Charr (römisch/spartanisch angehauchtes Katzenmenschenvolk) aus Guildwars 2 sagt gerne verflammt statt verdammt. Die Flammenlegion ist in dem Setting nach langer Geschichte quasi aussätzig.
Meine Lieblingsbeleidigungen für und von Wüstenbewohnern: Du elender Sohn eines Sandwurms! oder Du Sohn von Kamelpisse!
Inspirieren lasse ich mich da gerne aus anderen Sprachen, die ich dann wörtlich ins Deutsche übersetze. Das bringt immer wieder ganz schöne Ergebnisse wie ich finde (spontan aus dem Ärmel geschüttelt): Es regnet Hunde und Katzen oder Da kommt man ja von der Bratpfanne ins Feuer



EDIT: im Zitat Urheber korrigiert
Titel: Re: Synonyme für irdische Begriffe in Fantasywelten [Sammelthread]
Beitrag von: Tintenteufel am 30. Dezember 2015, 11:35:59
Ich stimme Cryphos auch zu. Lustigerweise wollte ich das gleiche Argument mit dem Kaiser von China bringen.  ;D
Dann werfe ich ein weiteres Argument in den Raum:
Bei TvTropes gibt es dafür eine eigene Seite: Einen Hasen einen Smeerp nennen (http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/CallARabbitASmeerp)
Das wirkt in den meisten Fällen einfach nur komisch, oft genug überkreativ. Ich bin allerdings auch einer, der etwas gegen diese unnötig komplizierten Elfennamen hat, also...keine Ahnung.
Wenn jedenfalls einer was von Lebenswasser oder Wasser des Lebens oder Feuerwasser schreibt, wenn er Schnaps meint, dann stöhne ich oft einfach nur und überblättere das. Abgesehen von der bereits erwähnten Tatsache, dass wir nun einmal auf Deutsch oder auf Englisch schreiben, liest der Leser auch in der Sprache. Klingt trivial, macht aber eines klar: Die Leseerfahrung bildet sich durch die deutsche Sprache. Nicht durch elfisch, quenya oder klingonisch. Die allermeisten Leser finden das meiner Erfahrung nach nicht witzig - ich z.B. überspring den ganzen Elfenquarks immer bei Herr der Ringe.
Insofern ist es unsinnig aus etymologischen Gründen auf die Verwendung von bestimmten Wörtern für existierende Konzepte zu verzichten.

Völlig anders sieht es aus, wenn Wörter für nicht-existierende Konzepte verwendet werden. Also wenn die Elfenarmee mit Pfeil und Bogen plötzlich "Feuer frei" erhält, obwohl es keine Feuerwaffen gibt.  :rofl:
Titel: Re: Synonyme für irdische Begriffe in Fantasywelten [Sammelthread]
Beitrag von: Evanesca Feuerblut am 24. Februar 2016, 23:55:44
Ich gehöre zu denen, die mööööglichst versuchen, ohne irgendwie zu sehr in der Realität und (Kultur)Geschichte verankerte Worte auszukommen.
Zum Einen gehört das für mich zur Immersion dazu - ich reagiere unheimlich pingelig, wenn in einem Text, den ich lese, schlampig damit umgegangen wird. Egal ob Highfantasy oder historische Fantasy - manche Wörter und Sätze, die dann nicht zeit- oder welttypisch sind, katapultieren mich aus dem Lesefluss. Und dann ist die Folgerung für mich ganz einfach. Dinge, die ich schon nicht mag, wenn ich sie lese, vermeide ich natürlich doppelt, wenn ich schreibe :).
(Womit sich bitte niemand beleidigt fühlen soll. Ich kenne viele Leute, die das, was mich aus dem Lesefluss reißt, nicht mal bemerken würden, es daher nicht so furchtbar pingelig sehen wie ich und trotzdem tolle Menschen sind.)
Das liegt daran, dass meine Wahrnehmung stark in Richtung "Details" verschoben ist und mein Hirn ein Hort für 50000000 Fakten, die kein Mensch braucht. Wenn also in einem an das Mittelalter angelehnten High-Fantasy-Roman ein Wort aus der Moderne vorkommt - und ich weiß rein zufällig, dass das Wort zwar altertümlich klingt, aber eine moderne Wortschöpfung ist - wird diese Info aufgerufen, sobald ich das Wort lese. Ich bin genervt, nicht mehr in der Geschichte drin und... mag das Buch nicht, wenn sowas öfter vorkommt.

Zum anderen bin ich leidenschaftliche Sprachbastlerin und sehe es auch als sportliche Herausforderung, Wortneuschöpfungen für unserweltliche Begriffe zu kreieren, die trotzdem ohne Glossar verstanden werden können. Es hat für mich den Reiz des Bastelns, auch wenn ich dann unter Umständen das Web nach etymologischen Wörterbüchern durchforste und drei Stunden in der Recherche versinke, statt zu schreiben.
Solche Problemwörter zu ersetzen, bereitet mir einfach Vergnügen.

Da ich selbst einen Roman schreibe, der auf der Erde in der Prä-Antike spielt, musste ich feststellen, dass es nicht nur Tabuwörter gibt, die man vermeiden könnte (so man will), sondern auch Konstruktionen. In der Urversion siezten sich gewisse Figuren noch, bis ein aufmerksamer Betaleser mich darauf aufmerksam machte, dass das Siezen erst irgendwann im 5 Jh.n.u.Z. aufkam, im postlateinischen Sprachraum, und die meisten älteren Sprachen diese Art der Honorifica gar nicht kennen.
Mit Problemwörtern auf Listen ist es also oft nicht getan. Aber es ist ein praktischer Anfang :).

(Ich selbst ersetzte "König/Königin" durchgängig durch "Herrscher/Herrscherin", eben weil es Jahrtausende vor Karl dem Großen spielt. Aber das störte dann mich viel mehr als sämtliche Betaleser)
Titel: Re: Synonyme für irdische Begriffe in Fantasywelten [Sammelthread]
Beitrag von: Phlox am 11. Oktober 2020, 10:54:31
Was haltet ihr von dem Wort "Kloster" für eine entsprechende religiöse Einrichtung in einer nichtchristlichen Fantasy-Welt?
Zwar habe ich in Reiseführern auch schon von "buddhistischen" oder "hinduistischen Klöstern" gelesen, aber ich denke, das Wort ist schon ziemlich mit dem Christentum verknüpft.
Als Alternative bin ich bisher lediglich zu so Sätzen gekommen wie "...gab ihn für einige Zeit zu den weisen Männern des xy-Tempels", aber richtig gelungen finde ich das nicht bzw. denke ich, es müsste eigentlich noch andere Lösungen geben?

Titel: Re: Synonyme für irdische Begriffe in Fantasywelten [Sammelthread]
Beitrag von: Trippelschritt am 11. Oktober 2020, 11:36:01
Ich nehme mal auf, was Cryphos gesagt hat. In Fantasy klingen eine ganze Menge Begriffe aus unserer Sprache wie ein Anachronismus. Da reicht ein falsches Wort und die Atmosphäre ist zerstört oder noch schlimmer, das Gedankenkonzept, das hinter dem Wort steht passt nicht.

Man sollte aber nun nicht unbedingt über jedes einzelne Wort streiten, weil nicht jeder das gleiche Sprachempfinden hat und solche Diskussionen nicht weit führen.
Kaiser beispielsweise würde ich bedenkenlos verwenden, dann aber in der Geschichte deutlich machen, was für eine extrem herausgehobene Position das ist, denn sonst könnte auch König genügen, das aber ebenfalls seinen eigenen hintergrund hat.
"Whisky" ginge für mich gar nicht, weil es im Grunde genommen ein Regionalbegriff für einen Getreideschnaps ist, der später etwas verändert wurde. Da liefe bei mir im Kopf einfach der falsche Film ab. Als Hilfsbegriff habe ich zunächst Brantwein verwendet, nahm dann aber lieber "Gebrannten" als altertümlichen und allgemeinen Begriff.
Und ganz schwer tue ich mich persönlich bei "Verdammt!", weil ich Verdammnis mit einem christlichen Konzept verbinde. Ich rette mich immer mit verflucht, aber das is tleider nicht immer kraftvoll genug und ich muss dann improvisieren.

Mit gefällt dieser Thread ausgesprochen gut, weil sich jeder Fantasyautor (hoffentlich ;D) mit diesem Problem herumschlägt. Und es würde  mir auch viel Spaß machen, über einzelne Beispiele zu diskutieren, wenn man im Hintergrund weiß, dass es nicht unbedingt immer und in jeder Geschichte ein richtig oder falsch gibt.

Horrido
äh - Liebe Grüße
Trippelschritt

Titel: Re: Synonyme für irdische Begriffe in Fantasywelten [Sammelthread]
Beitrag von: Felix Fabulus am 13. Oktober 2020, 16:42:50
Oh ja, und da hätten wir noch "verflixt", ein Euphemismus von "verdammt". Das ist mir mehrmals reingerutscht, in einer Welt, in der Verdammnis nicht bekannt ist. Warum habe ich es drin gelassen? Weil bekannte Wörter bekannte Assoziationen hervorrufen, wohingegen ein unbekanntes, also erfundenes Wort (k.A., z.B. "vertrampt"?) unweigerlich einen Bremser des Leseflusses, letztlich des Lesegenusses wäre. Eleganter wäre vielleicht ein Synonym, das gebräuchlich ist, aber keinen Bezug zu unserer Welt hervorruft. Und da frage ich mich: Weckt "verdammt" heute  bei einer Mehrheit der Leser*innen überhaupt noch Assoziationen zum christlichen Glauben?
Titel: Re: Synonyme für irdische Begriffe in Fantasywelten [Sammelthread]
Beitrag von: Zit am 13. Oktober 2020, 17:23:42
Verwenden überhaupt viele Leute noch „verdammt“? In AC Odyssey wird universal „Malaka“ für alles mögliche verwendet, von Idiot über verflucht bis Mist ist da alles dabei. Ich denke, fürs Deutsche kann man vergleichsweise „Scheiße“ für alles mögliche nehmen. (Gibt ja auch die Beleidigung Scheißer.) Wobei es schon recht derb ist und dann auch wieder nicht, sodass es seinen ganz eigenen Reiz hat, sowohl Prinzessin als auch Bettlerin so fluchen zu lassen.
Einen interessantes Konzept hingegen wäre mal eine Gesellschaft, in der man seinen Mitmenschen nichts Böses wünscht. Dann würde sich das Fluchen als solches ja von selbst erledigen. :hmmm:
Titel: Re: Synonyme für irdische Begriffe in Fantasywelten [Sammelthread]
Beitrag von: Churke am 13. Oktober 2020, 21:57:01
Weckt "verdammt" heute  bei einer Mehrheit der Leser*innen überhaupt noch Assoziationen zum christlichen Glauben?

Bei mir jedenfalls nicht. Außerdem ist das ein eher harmloses Lehnwort aus dem Lateinischen
Titel: Re: Synonyme für irdische Begriffe in Fantasywelten [Sammelthread]
Beitrag von: FeeamPC am 14. Oktober 2020, 08:55:23
@Phlox  : Kloster betrachte ich nicht als Konfessions gebunden. Hat eher damit zu tun, dass im Gegensatz zu einem Tempel die Menschen in den Klöstern in einer gewissen Isolation leben.

Was das Fluchen und verfluchen angeht: Erst mal vorstellen, was das jeweilige Volk am meisten füchtet, z.B. die Wassergeister, und dann sagt man z.B. Mögen die Wassergeister dich ertränken, oder Beim schuppigen Schwanz der Wassergeister. Damit hat man elegant einen exotischen, aber gleichzeitig gut verständlichen Begriff.
Titel: Re: Synonyme für irdische Begriffe in Fantasywelten [Sammelthread]
Beitrag von: Churke am 14. Oktober 2020, 11:47:24
Sprache ist ein Code und Kraftausdrücke beziehen ihre Kraft daraus, dass der Code bekannt ist. Mit dem auf Zwischenerde so gefürchteten Gott Fridolin kann Otto Normalleser gemeinhin nichts anfangen und es wird daraus *irgendein Fluch*.