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Autor Thema: Wie viel (Voraus-)Planung braucht eine Buchreihe? Was tun als Discovery Writer?  (Gelesen 554 mal)

Offline Malou

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Hallo zusammen!

Das ist mein allererster Thread, macht mich also bitte darauf aufmerksam, wenn ich etwas nicht richtig mache :) Ich habe nach diesem Thema gesucht und den Thread "Serien planen und schreiben" gefunden (https://forum.tintenzirkel.de/index.php?topic=22573.105). Er hat nicht ganz das abgedeckt, was ich fragen wollte. Hier also meine Frage(n):

Wie plant ihr Buchreihen, wenn ihr von Anfang an oder noch vor Ende von Buch 1 wisst, dass es mehrere zusammenhängende Bände geben wird? 

- Plottet ihr schon grob für die anderen Bände? 
- Wie sieht euer Outlining dann aus? 
- Wisst ihr schon genau, wie das Ende aussieht?
- Habt ihr euch schonmal durch (zu) wenig Planung bestimmte Ideen / Möglichkeiten “versaut”?

Ich hatte nicht von Anfang an eine Reihe geplant, aber während des Schreibens kamen mir so viele Ideen, dass bald klar war, dass es weitergeht und das vermutlich über mehrere Bände. Mein "Problem": Obwohl ich gerne organisiere, bin ich zu meinem eigenen Erstaunen ein Discovery Writer  :d'oh: Ich hatte mir schon so manchen Plan gemacht und das für gut befunden – bis meine Geschichte sich plötzlich anders entwickelt hat und ich das dann besser fand. Es passiert einfach.
Einfach aus einer Laune und Spaß heraus hatte ich begonnen, Szenen für die folgenden Bände meiner Reihe zu schreiben. Dabei kamen mir soooo viele Ideen, die mir beim reinen da sitzen und grübeln niemals gekommen wären. Ich merke also, meine Geschichte spinnt sich durch das Schreiben. Das ist ein Problem. Ohne die zusätzlichen Szenen hätte ich Buch 1 niemals auf das, was später vermutlich kommt, anpassen können. In diesem Fall hätten diese Szenen teilweise gar nicht so geschrieben werden können, da Buch 1 entweder in eine andere Richtung gedeutet hätte oder Dinge gesagt / getan worden wären, die eine bestimmte Möglichkeit nachher versaut hätten. 

Zwei grobe Beispiele: 
1. Im Roman kommen Portale vor. Beim Schreiben einer Szene eines Folgebandes kam mir eine Idee, wie diese Portale eigentlich entstanden sind (anders, als zunächst geplant), was viel besser in die Story passt und sehr interessante Möglichkeiten bietet, auch für das Ende. Das bedeutet, dass anders mit den Portalen interagiert werden muss, damit es funktioniert.
2. Ein Charakter war als “böse” prädestiniert (ich male mal schwarz-weiß), aber als ich ein paar Szenen mit ihm geschrieben habe (kommt NICHT in Buch 1 vor), hat das einfach nicht gepasst. Das hat einen großen Einfluss auf die Story.

Mir ist klar, dass man niemals jedes Detail wissen kann, aber es graut mir davor, eine tolle Geschichte zu verbauen, nur weil mir in einem der nächsten Bände etwas Geniales einfällt, was dann nicht mehr eingebaut werden kann, weil Buch 1 schon steht und dem entgegengeht  :brüll:

Wie handhabt ihr das? Habt ihr Ratschläge? Geht es Discovery Writern hierbei anders und habt IHR besondere Tipps?

Aus dem Thread LuB Liste ungeschriebener Bücher (https://forum.tintenzirkel.de/index.php?topic=19501.0) meine ich herauszuziehen, dass viele schon sehr viel von den weiteren Bänden geschrieben und geplottet haben, bevor der erste rausgeht? Lasst ihr das auch schon wen sehen und bewerten, “ob das gut so ist”?


Ich danke euch für eure Ratschläge!  :flausch:


Ein “m/panischer” Discovery Writer

Offline Robin

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Ich bin so eine halbe Discovery Writerin, aber das Problem habe ich auch öfter, als mir lieb ist.  :rofl:

Mir hilft es, mir wirklich zu überlegen, ob die Geschichte wirklich mehr Bände als einen hergibt, und welche Gründe es für mehr als einen Band geben könnte.

Ich habe einmal eine Trilogie geschrieben (gut, angefangen und dann den dritten Band... äh, ja, der ist abgestorben, weil ich gemerkt habe, dass ich nicht breit genug angelegt überlegt habe), bei der ich wirklich von Anfang an einfach einen groben Faden überlegt hatte, der mindestens vorhanden sein muss, um mehr als einen Band zu rechtfertigen. Ich habe mir da schon überlegt, wo ungefähr die Enden der Bücher sein müssten, wo der nächste Teil einsetzt, so was eben.

Auf der anderen Seite habe ich vor... puh, das war der NaNo 2012, da musste ich jetzt wirklich zurückdenken.  ;D  Jedenfalls, Punkt war, ich habe da einen einzigen, wirklich dicken Schinken geschrieben, der ist einfach so zustande gekommen, weil mir SO VIEL zu der Geschichte eingefallen ist. Da hätte ich auch niemals gedacht, dass es so viel wird, und da habe ich einfach dem Ganze freien Lauf gelassen. Wenn ich das heute bearbeiten würde, würde ich auch vielleicht drei oder vier Teile draus machen können. Da hatte ich allerdings auch von Anfang an eine recht lange Timeline, was alles an Ereignissen stattfinden muss, bis ich von A nach B komme.


Wenn ich versuche, rein frei Schnauze mehrbändig zu schreiben, funktioniert das für mich nicht. Ich brauche quasi diesen einen Faden mindestens, dieses Tau, an dem ich mich entlanghangeln kann, während ich sämtliche andere Storyfäden relativ frei drum herum knüpfen kann. Aber diese eine Timeline muss das Rückgrat der ganzen Sache bilden, sonst wird das auch bevorzugt als Discovery-Writer (bei mir zumindest) zu einem absoluten Cluster, bis ich komplett den Faden verliere und im Grunde genommen für die Tonne geschrieben habe.

Mein Rat wäre hier wirklich - und bitte mit einem Schuss Vorsicht zu verstehen, weil das halt sehr ich-bezogen ist:
 - Überleg dir, ob es wirklich genug Material für mehrere Bände geben kann. Wenn dich die Story als Discovery-Writer überrascht und mehr hergibt, als du erst gedacht hattest, dann ist das toll - aber wenn sie viel früher fertig ist, weil du beim Schreiben merkst, dass du sehr viel mehr abkürzen kannst als gedacht, dann kann das sehr schnell die Luft aus den Segeln nehmen.
 - Versuch dir, eine Art Rückgrat / Rettungstau zu basteln. Die Timeline, die du dabei aufzeichnest, muss nicht bis ins Detail gehen. Mein Monsterprojekt von 2012 hatte, glaube ich, 20 Zwischenstationen, die in sehr unterschiedlichem Kapitelabstand dann wirklich umgesetzt wurden, weil ich dann jeweils erst die Brücke schlagen konnte. (Endgültige Wortzahl lag da dann bei... 450k. Also, ja, so durchschnittlich alle 22.000 Worte mal einen Punkt auf der Timeline abgearbeitet.)
 - Mehrere Bände zu erzwingen geht schnell nach hinten los, siehe meine Erfahrung mit dem Versuch, mich auf eine Trilogie einzuschießen. Das habe ich aber auch generell beobachtet, bei ehemaligen Autoren-Freunden (gerade im Self-Publishing Bereich). Erzwungene Folgebände können schnell ins Absurde/Belanglose abgleiten.

Offline Malou

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@Robin

Bei mir ist es so, dass ich nicht im Voraus festlege, wie viele Bände ich schreiben will. Klar habe ich auch jetzt eine Anzahl im Kopf aufgrund der ganzen Geschichte, aber diese Zahl ist für mich flexibel, es geht vielmehr darum, dass die Geschichte von vorne bis hinten erzählt wird und alles schlüssig ist. Natürlich könnte es trotzdem passieren, dass man beim vermeintlich letzten Band angelangt und dann merkt, dass es irgendwie nicht so hinhaut, wie gedacht. Aber Folgebände würde ich rein aus dem Bedürfnis heraus, mehr als ein Buch zu schreiben, niemals erzwingen - ich spiele erst mit dem Gedanken, wenn (meiner Meinung nach) genug Inhalt da ist.

Wie aber weiß man, ob genug Inhalt da ist bzw. der Inhalt auch interessant ist? Zeigt man Außenstehenden schon, wie es weitergehen soll und lässt sie abschätzen, ob die Story interessant genug ist oder was vielleicht ihrer Meinung nach bereits verändert werden sollte? Ich finde es sowieso total schwer, zu versuchen, jeden Band als einigermaßen in sich geschlossen zu schreiben, wenn die Hauptaufgabe oder der Hauptgegner noch gar nicht bestritten wurde... Man stelle sich nur mal vor, Eragon hätte nach Band 1 aufgehört, weil aus irgendeinem Grund die Fortsetzungen nicht zustande gekommen wären. Das wäre ein Abbruch mittendrin gewesen. Wie hätte hier ein Ende gesponnen werden können, das die Leser nach Band 1 nicht total frustriert zurückgelassen hätte, wenn kein weiterer Roman gefolgt wäre? Knifflig...

Gibt es denn bestimmte Strategien, wie Discovery Writer ihre Geschichte bereits einigermaßen im Voraus kennen können, ohne sie bereits zu schreiben? Für mich ist das wie gesagt äußerst schwierig, obwohl ich es echt versuche... Dann setze ich mich vor den Bildschirm und wundere mich selber darüber, was dabei auf einmal rauskommt. Ich würde ja  :pfanne:, aber meistens finde ich das sogar ziemlich gut und bin begeistert, wohl wissend, dass das subjektiv ist  ;D

Offline Waldhex

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Ich habe bisher nie so viel geschrieben, dass es zwei oder mehr Bücher geworden wären (wobei es von meinem Fantasy-Krimi Band 1 und 2 gibt, die aber unabhängig von einander lesbar sind).
Eine Romanidee habe ich, bei des es passieren kann, dass es zwei Bände werden. Ich werde auf jeden Fall erstmal den ganzen Roman schreiben, dann schauen, wie viel es tatsächlich geworden ist und dann entscheiden, ob ich den Roman teile oder nicht. Gerade weil ich Bauchschreiber bin, funktioniert es bei mir nicht anders. Ich habe einen Teil der Geschichte schon geschrieben und weiß, wo ein Cut möglich wäre, aber ob der Cut kommt ... da lasse ich mich selbst überraschen.

Aus meiner persönlichen Sicht würde ich daher dazu raten, erst den gesamten Roman zu schreiben, mit allem was dazu gehört, bis Du das Gefühl hast, dass alles erzählt ist. Dann schauen, wie lang die Geschichte geworden ist und beim Überarbeiten überlegen, wo man (ja nach Länge) den Schnitt zum nächsten Buch machen könnte. Dann kann das, was Du geschrieben hast (was wäre wenn es keinen Band 2 gibt), kein Problem, d.h. Du kannst auch mit einem Cliffhanger aufhören, weil ja der nächste teil auf jeden Fall kommt, weil schon geschrieben. Außerdem kannst Du dann immer noch im Band 1 gewisse Änderungen vornehmen, wenn sich diese aus Band 4 zwingend ergeben.


Offline Herbstblatt

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Zitat
Du kannst auch mit einem Cliffhanger aufhören, weil ja der nächste teil auf jeden Fall kommt, weil schon geschrieben.
Ich bin mir nicht sicher,wie gut so etwas ankommt. Jeder Band sollte seinen eigenen Subplot haben, der den Gesamtplot weiterbringt und dieser Subplot sollte am Ende des Bandes abgeschlossen sein. Idealerweise kommt gleichzeitig mit diesem Ende der Auftakt des nächsten Subplotes. Äh ja, ich habe das mal wo gelesen und ich gebe es bloß wieder. Ich habe selbst kaum Erfahrung im Reihen schreiben, aber als Leser ist mir dieses Konzept schon oft untergekommen. Mir gefällt es als Leser jedenfalls.

Ich bin ja mehr Discovery-Writer und ähnlich wie du, Malou, habe ich keine Reihe geplant. Nun, jetzt stecke ich in einer Reihe und hab eine grobe Outline gemacht. Ich glaube, es geht nicht anders. Ich achte auch auf dieses oben genannte Konzept.

Plottet ihr schon grob für die anderen Bände?
In diesem Fall ja.

- Wie sieht euer Outlining dann aus?
Grob. Einzelne Fragmente, die schon in einer Reihenfolge feststehen, das Wie steht noch im Raum.

- Wisst ihr schon genau, wie das Ende aussieht?
Nein, aber ich habe mehrere Ideen. Welche es wird, kommt auf meine Figuren, ihre Entscheidungen und Entwicklungen an.

- Habt ihr euch schonmal durch (zu) wenig Planung bestimmte Ideen / Möglichkeiten “versaut”?
Ne. Aber ohne der groben Outline hätte ich mir wohl etwas verbaut. Ein großer Logikfehler wär mir da passiert und ich hab immer noch keine Lösung dafür. Echt schade, dieses eine Event muss nämlich unbedingt passieren, weil es für die Charakterenwicklung meiner Figuren wahnsinnig wichtig ist. Ist noch in weiter Ferne, mal schauen, ob sich bis dahin etwas ergibt.

Ich glaube, die Vorgehensweise zum Outlinen könnte sich unterscheiden, je nachdem ob die Geschichte von den Charakteren oder von der Handlung angetrieben wird. Mir scheint, wenn die Figuren im Vordergrund stehen, gibt es mehr Möglichkeiten und Freiheiten, wie sich die Geschichte entwickelt, weil die Handlung so mit der Charakterentwicklung zusammenhängt. Manchmal passiert es ja, dass die Figuren nicht so wollen, wie man sie vorgesehen hat, da könnten schon verschiedene Enden infrage kommen. Aber vielleicht bin das nur ich.

Zitat
Zeigt man Außenstehenden schon, wie es weitergehen soll und lässt sie abschätzen, ob die Story interessant genug ist oder was vielleicht ihrer Meinung nach bereits verändert werden sollte?
Hm. Die Frage stelle ich mir auch oft. Meistens behalte ich meine Ideen für mich, weil ich sehen möchte, ob das für meine Probeleser jetzt überraschend kam oder ob das vorhersehbar war. Ich weihe Außstenstehende nur ein, wenn ich irgendwo festhänge. Es genügt oft, wenn man darüber redet und man von ihnen Inputs gibt, und wenn sie noch so unsinnig sind, ich will sie hören. Ausschlussverfahren ist auch schon was und vielleicht kommt man durch die schlechten Ideen auf gute Ideen. <:

Offline Waldhex

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Du kannst auch mit einem Cliffhanger aufhören, weil ja der nächste teil auf jeden Fall kommt, weil schon geschrieben.
Ich bin mir nicht sicher,wie gut so etwas ankommt. Jeder Band sollte seinen eigenen Subplot haben, der den Gesamtplot weiterbringt und dieser Subplot sollte am Ende des Bandes abgeschlossen sein. Idealerweise kommt gleichzeitig mit diesem Ende der Auftakt des nächsten Subplotes.
In diesem Fall ja.
Mir scheint, wenn die Figuren im Vordergrund stehen, gibt es mehr Möglichkeiten und Freiheiten, wie sich die Geschichte entwickelt, weil die Handlung so mit der Charakterentwicklung zusammenhängt. Manchmal passiert es ja, dass die Figuren nicht so wollen, wie man sie vorgesehen hat, da könnten schon verschiedene Enden infrage kommen. Aber vielleicht bin das nur ich.

Da bin ich schon bei Dir, Herbstblatt. Natürlich muss jeder Band einen eigenen Subplot haben, aber genau dieses "mit dem Ende der Auftakt des nächsten Subplots" kann, muss aber kein Cliffhanger verbunden sein.
Dass die Figuren ein Eigenleben entfalten und nicht immer so wollen, wie man sich das gedacht hat, kenne ich zu gut.   :P
Deshalb ja eben auch mein Vorschlag, zuerst alles schreiben, so dass man ggf. noch vor der Veröffentlichung nachjustieren kann.

Offline Malou

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Aus meiner persönlichen Sicht würde ich daher dazu raten, erst den gesamten Roman zu schreiben, mit allem was dazu gehört, bis Du das Gefühl hast, dass alles erzählt ist.

Uiiii da wartet in dem Fall VIEL Arbeit auf mich  :o ;D

Da ich noch ein Frischling bin, stellt sich mir jetzt daraufhin eine weitere Frage: Wenn Band 1 durch das Feedback von Betalesern etc. noch einmal verändert wird, hat man dann nicht teilweise das Problem, dass alle anderen Bände auch verändert werden müssen und es teilweise gar nicht mehr so rausgeht, wie man sich das vorgestellt hatte?  ???


Zitat
Zeigt man Außenstehenden schon, wie es weitergehen soll und lässt sie abschätzen, ob die Story interessant genug ist oder was vielleicht ihrer Meinung nach bereits verändert werden sollte?

Meistens behalte ich meine Ideen für mich, weil ich sehen möchte, ob das für meine Probeleser jetzt überraschend kam oder ob das vorhersehbar war. Ich weihe Außstenstehende nur ein, wenn ich irgendwo festhänge.

Interessant, ich wäre gespannt, ob andere das genauso handhaben?

Lieben Dank auf jeden Fall für eure Tipps! @Waldhex @Herbstblatt

Offline Herbstblatt

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Da ich noch ein Frischling bin, stellt sich mir jetzt daraufhin eine weitere Frage: Wenn Band 1 durch das Feedback von Betalesern etc. noch einmal verändert wird, hat man dann nicht teilweise das Problem, dass alle anderen Bände auch verändert werden müssen und es teilweise gar nicht mehr so rausgeht, wie man sich das vorgestellt hatte?  ???


Deswegen solltest du eine grobe Outline machen. Das minimiert auf jeden Fall das Risiko. Ich habe es bis Band 2 geschrieben, beide Bände betalesen lassen und erst dann die Outline gemacht, haha. Ich habe die Charaktere mal machen lassen und geschaut, was passiert, mich ein bisschen inspirieren lassen. Diese Vorgehensweise würde ich aber nicht für die ganze Reihe empfehlen. [: Ich halte es für eine gute Idee, Kurzgeschichten mit den Figuren zu schreiben, bevor man sich an die Reihe setzt oder auch währenddessen, das tu ich auch. Das inspiriert mich und mir fällt es leichter, den Charakter mehr herauszuarbeiten. Wenn man es noch jemandem zum Lesen gibt, kann man fragen, wie die Figur auf ihn wirkt oder ob sich jetzt schon Logikfehler ergeben.
Alternativ tun es auch einzelne Szenen. Manchmal fallen mir spontan Szenen ein, hier aber mit dem Gedanken, dass ich das niemandem zum Lesen gebe, deswegen darf's so kitschig sein, wie es nur will. Das beugt mir eine Schreibblockade vor.

Trotzdem muss ich keine großen Änderungen in der Handlung vornehmen. Ich musste ein paar Logikfehler bereinigen, deswegen Dialoge umschreiben, eine Szene einfügen,eine Szene ändern. Mit dem zweiten Band gab es mehr Backstory für die Charaktere und auch für die Länder, das lasse ich jetzt beim Editieren vom ersten Band einfließen. Also, so schlimm ist es bei mir nicht. Vielleicht bauscht du deine Bedenken zu sehr auf.

Also: Das Risiko, viel umschreiben zu müssen, kannst du minimieren, indem du deine Figuren und vielleicht auch Stücke der Handlung ausprobierst, mithilfe von einzelnen Szenen oder Kurzgeschichten. Und auf jeden Fall mit Outlines. Ich schätze, abhängig davon, wie sehr du zu Logikfehlern tendierst und wie kompliziert die Handlung ist, brauchst du eine genauere Outline.

Offline Marta

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Interessante Frage.  ;D Ich bin 70-80% Bauchschreiberin, je nach Projekt, und ich schreibe gerade eine Serie. Bin allerdings noch nicht fertig, also könnte es sein, dass mir noch alles um die Ohren fliegt. Behandle meine GENIALEN Tipps lieber mit Vorsicht.

Vorher wusste ich eigentlich nur sehr wenig. Ich hatte eine ganz gute Vorstellung von den Hauptfiguren, ansonsten wusste ich nur zwei Sachen:

Spoiler (click to show/hide)
Vermutlich werden die Bösen besiegt, aber wie? Keine Ahnung. Sterben die? Keine Ahnung. Kämpfen die Helden zwischendurch gegen Goblins, Zentauren oder doch lieber Regenwürmer? Ich weiß es nicht. Ich verlasse mich darauf, dass sie alles schon irgendwie fügt, weil es das bisher immer tat.

Zitat
- Plottet ihr schon grob für die anderen Bände? 
Jaa, aber wirklich SEHR grob. Ich habe zu den nächsten Bänden jeweils ein paar Sätze von Dingen, die passieren könnten. Die Hälfte davon passiert aber erfahrungsgemäß früher oder später, je nachdem, wie es passt.

Zitat
- Wie sieht euer Outlining dann aus? 
Ich mache "reverse outlining" d.h. Ich schreibe entspannt bauchig voran und notiere mir zwischendurch/während der Überarbeitung alles, was passiert ist. Insbesondere Dinge, die später relevant werden könnten. Das hilft, Unstimmigkeiten zu verhindern. Und ich bekomme beim Durchlesen oft Ideen, wie ich zukünftige Plotprobleme lösen kann.

Zitat
- Wisst ihr schon genau, wie das Ende aussieht?

Teilweise. Habe leider auch nur einen sehr groben Plan, wie ich da hin kommen will.

Zitat
- Habt ihr euch schonmal durch (zu) wenig Planung bestimmte Ideen / Möglichkeiten “versaut”?
Eher durch zu viel Planung. Die besten Ideen habe ich während des Schreibens. Bauchschreiberin halt. Ich denke, wie man eine Reihe/Serie angeht, ist wirklich Typsache. Sowohl von Plottern als auch von Bauchschreibern wurden sehr schöne Reihen geschrieben, das geht also alles. Man sollte nur herausfinden, wo man selbst sich auf dem Spektrum befindet.


Routine is my god.

Offline Malou

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@Herbstblatt Lieben Dank für deine Tipps! Interessant zu hören, wie du das machst, vor allem das mit den Kurzgeschichten.


Deswegen solltest du eine grobe Outline machen. Das minimiert auf jeden Fall das Risiko. [...] Ich musste ein paar Logikfehler bereinigen, deswegen Dialoge umschreiben, eine Szene einfügen, eine Szene ändern. Mit dem zweiten Band gab es mehr Backstory für die Charaktere und auch für die Länder, das lasse ich jetzt beim Editieren vom ersten Band einfließen.
Also: Das Risiko, viel umschreiben zu müssen, kannst du minimieren, indem du deine Figuren und vielleicht auch Stücke der Handlung ausprobierst, mithilfe von einzelnen Szenen oder Kurzgeschichten. Und auf jeden Fall mit Outlines. Ich schätze, abhängig davon, wie sehr du zu Logikfehlern tendierst und wie kompliziert die Handlung ist, brauchst du eine genauere Outline.

Auf die Gefahr hin, dass das eine doofe Frage ist - lässt man denn das Outline wen sehen um zu beurteilen, ob das "gut" und logisch ist? Klar, dass mit einer Outline prinzipiell mehr Linie drin ist (höhö), aber ich stelle mir eben immer noch die Frage, ob man das unter Verschluss hält oder nicht... Denn man kann auch eine Outline schreiben, die zwar logisch aber "kacke" ist bzw besser sein könnte.

@Marta Danke für den Einblick in deine Vorgehensweise! Das mit dem Reverse Outlining klingt interessant.

Damit man rausfinden kann, wo man sich selbst auf diesem Plan-Spektrum befindet und dann dementsprechend handeln kann, hilft es auf jeden Fall, wenn man hört, wie andere es so machen!

Offline Herbstblatt

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Freut mich, wenn dir meine Tipps helfen.  :)

@Marta : Stimmt, guter Einwand, zu viel Planung kann einem auch etwas verbauen, daran habe ich gar nicht gedacht.


Auf die Gefahr hin, dass das eine doofe Frage ist - lässt man denn das Outline wen sehen um zu beurteilen, ob das "gut" und logisch ist? Klar, dass mit einer Outline prinzipiell mehr Linie drin ist (höhö), aber ich stelle mir eben immer noch die Frage, ob man das unter Verschluss hält oder nicht... Denn man kann auch eine Outline schreiben, die zwar logisch aber "kacke" ist bzw besser sein könnte.

Nee, ist keine doofe Frage. Erst gestern hatte ich so einen Fall, lasse ich das jetzt jemanden anschauen oder nicht?
Dein Thread hat mich motiviert, mich mal hinzusetzen und die Outline zu vervollständigen. Mein Logikfehler ist jetzt weg. <: Keine Ahnung, ob dieser Weg gut ist, ich möchte es in dem Fall keinem zeigen. Noch bin ich  nicht an der Stelle und bis dahin merke ich vielleicht selbst, ob es mir nicht mehr gefällt.
Dafür hing ich an einer anderen Stelle, da habe ich beschlossen, jemanden einzuweihen und mit ihm darüber zu reden. Hat geholfen. Ich habe ihm die Outline aber nicht gezeigt, nur kurz die Stelle zusammengefasst.

Um deine Frage konkret zu beantworten: Ob du die Outline jemandem zeigst, ist dir überlassen. Du kannst - wie ich - nur Teile preisgeben.
 
Ich tendiere dazu, möglichst viel für mich zu behalten, weil ich wissen möchte, ob die Plottwists überraschend kommen. Und wenn es daneben geht, nun ja, mich stört es nicht, wenn ich gröbere Änderungen vornehmen muss.

Und ja, die erste Outline ist normalerweise grässlich, würde ich sagen. Ebenso wie der erste Entwurf. Beides ist dazu da, dass es mal da ist.  ;D Erst beim dritten Mal überarbeiten beginne ich, zufrieden zu wirken. Mir hilft es, jede Idee aufzuschreiben und wenn sie noch so schrecklich ist. Wenn mir etwas davon gefällt, lass ich das einige Zeit auf mich wirken und schau, ob es mir später immer noch gefällt. Wenn man es so unter Verschluss hält, hat man nur sein eigenes Gespür. Hierfür stelle ich mir am Ende, wenn ich etwas zu Papier bringe, sei es das Manuskript oder nur die Outline, die Frage: Bin ich damit zufrieden?
Wenn ja, dürften Testleser ran. Wenn nein: warum, was stört?

Grundsätzlich würde ich sagen, es ist immer Luft nach oben und ich versuche diesen Raum möglichst auszuschöpfen. Ich denke auch, es ist wichtig, wer deine Outline als hm... schlecht bezeichnet. Du selbst oder die Leute, denen du sie gezeigt hast? Und noch viel wichtiger: Überzeugen dich ihre Argumente? Es ist letzten Endes eine Frage des Geschmacks.

(Für deinen Flachwitz kriegst du übrigens 4 von 10 Punkten von mir.  :D )

Offline Malou

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@Herbstblatt Haha 4 von 10 Punkten sind aber nicht sehr viel :d'oh: Flachwitze sind eigentlich nicht mein Gebiet, aber nachdem ich es versehentlich so geschrieben hatte, wollte ich es stehen lassen  :rofl:

Danke für deine Ausführungen!  :)

Offline Sonnenblumenfee

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Das ist ein spannendes Thema. Da es ums Schreibhandwerk geht, gehört es allerdings in den Workshop.
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Offline Gizmo

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Auch wenn ich mittleweile deutlich mehr plane als früher, bin ich im Prinzip immer noch Bauchschreiber. Die eigentlichen Einfälle, was Dialog, Details in Szenen, Besonderheiten der Handlung usw. angeht, kommen mir immer erste beim Schreiben.
Ein ganzes Buch auf diese Art schreiben kann ich aber nicht. Ich neige dazu (auch jetzt noch) je nach Einfällen oder Stimmungen im Manuskript hin und her zu springen und eben dort zu schreiben, wo mir gerade etwas einfällt. Ganz ohne Planung führt das dann dazu, dass ich rasch die Übersicht verliere und das Projekt dann so chaotisch wird, dass die Unordnung am Ende meine Kreativität erstickt. Endeffekt: Das Buch wird nicht fertig.

Mittlerweile fahre ich sehr gut damit, mir Eckpunke für das Projekt zu setzen. Ich muss zumindest wissen, wie ich anfange und wie der Schluss aussehen soll. Dazu am besten noch ein Wendepunkt. Dann habe ich ein festes Ziel, auf das ich zuschreiben kann, auch wenn ich dazwischen in einzelnen Teilen hin und herspringe. Während ich dann schreibe, halte ich die Eckpunkte in einer Outline fest und aktualisiere sie um meine Einfälle, sodass ich quasi die Outline während des Schreibens erhalte. Will ich etwas ändern, weil ich einen guten Einfall habe (oder das zumindest glaube) trage ich ihn ein und kann leichter sehen, wie er sich auf die bestehenden Teile auswirkt. Das ist keine echte Planung, aber es hilft mir, Überblick und Ordnung in meinem Projekt zu bewahren.
Seit ich das so mache, klappt's auch mit dem Fertigschreiben. ;D
"Appears we just got here in the nick of time. What does that make us?"
"Big damn heroes, sir!"
- Joss Whedon's "Firefly", Episode 5, "Safe"

Offline Mefisto

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Interessantes Thema. Bei mir ist der grobe Rahmen der Geschichte ausgearbeitet. Während des Ausarbeitens kommen dann immer mehr Ideen dazu bis eine „Szenenrahmen“ besteht. Ich versuche es mal zu skizieren

•   Idee (um was geht es)
•   Protagonisten – eventuell schon Antagonisten
•   Grobe Akte – ein Akt ist meist ein Zusammenhängendes Gebilde wie zum Beispiel die Reise irgendwohin
•   Kapitel – die Stationen in den Akten wie eine Stadt, ein Wald
•   Szenen – In der Stadt auf dem Markt, in der dunklen Gasse, im Kämmerlein im Gasthaus

Das „Discovery Writing“ beginnt dann innerhalb der Szenen, denn ich habe diese nur mit Personen und groben Ablauf vorgeplant. Die Kleinigkeiten ergeben sich erst beim Schreiben.

Das Plotten in „Akten“ kenne ich vom Pen & Paper Rollenspiel und nach 20 Jahren Erfahrung im basteln von Geschichten (ich bin (fast) immer der sogenannten Spielleiter hat man ein Gefühl für die Länge. Dadurch ergibt sich, dass ich nach der ersten Entwurfsphase eine Idee habe wie lange die Geschichte wird (wie viele Bände/wie viel Zeit). Ich setzte mich aber nicht hin und sage ich will jetzt eine Trilogie schreiben …

Ich finde das „entwerfen“ vorher sehr wichtig – zum einen Hilft es für den roten Faden, zum zweiten für die Timeline, zum dritten wenn mir eine Idee kommt kann ich die in den Rahmenentwurf notieren als Hinweis und dann – weil ich das Gesamtkonzept schon sehe auch bewerten wo der beste Punkt zum Ansetzen wäre.
Zudem – ich kann in dem Entwurf (Outlining ??) schnell wieder streichen ohne 3 Stunden geschrieben zu haben und dann erst zu erkennen, das etwas nicht passt. Ich finde es also auch „effektiv“ im Entwerfen der Geschichte.

Last not least. Einmal ein grober Entwurf da muss ich mir auch keine Gedanken machen was ich als Nächstes schreibe …

Das Ende kenne ich sehr oft sehr gut – ich tue mir eher schwer mit dem Anfang.

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