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Wenn die Realität die Geschichte überholt

Begonnen von Guddy, 14. November 2015, 10:32:21

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Araluen

Ich schließe mich hier dem Tenor an. Aus purer Sensationslust und Geldgier sollte man derartige Themen nicht verarbeiten oder vielmehr ausschlachten. Aber Dinge passieren eben und wenn ich das richtig sehe, hattest du dich damit bereits auseinander gesetzt, bevor es passierte. Das wirkt mit Sicherheit gruslig auf dich, sollte dich aber nicht daran hindern, zu dem zu stehen, was du geschrieben hast. Man muss die gesunde Mitte finden zwischen Tabuisieren und Ausschlachten. Die beiden Extreme spielen letztlich nur denen in die Hände, die für solche Ereignisse verantwortlich sind.

Fianna

Zitat von: FeeamPC am 07. Dezember 2015, 09:59:26
Wenn wir bei so etwas sicher sein wollen, nicht mit der Realität zu kollidieren,müssen wir konsequent auf unmögliche Katastrophen ausweichen- z.B. Überfälle von Ogern und Drachen.
Ansonsten kann die Wirklichkeit uns immer einholen.
Andererseits- wie oft ist die Titanic verfilmt oder als Buch geschrieben worden?
Die Schiffskatastrophe der Titanic wurde sogar schon vor dem Bau literarisch verarbeitet, 1898 von Morgan Robertson. Info

Churke

Wenn wir es nicht ausschlachten, macht es jemand anders... irgendwann.  ::)
Nur: Wer glaubt einem schon, dass man sich das vorher ausgedacht hat.

Ich habe z.B. eine Story, in der ein Genozid mit einem synthetischen Ebola-Erreger geplant wird.
Und dann brach die Ebola-Epidemie aus. Das war echt gruselig.  :ithurtsandstings!:

Araluen

#18
Ja, das ist gruslig. Es wurde ja schon so einiges vorhergesehen von Autoren: Vulkanausbrüche, Unfälle, Epidemien. Oder vielmehr beschäftigen sie sich mit realistischen Szenarien, die dann zufällig tatsächlich Wirklichkeit werden.
Ausschlachten würde ich das aber noch lange nicht nennen. Ausschlachten ist für mich, wenn ich mich hinsetze und sage: So, Paris. Viele Tote, viel Blut, Fanatiker. Welch guter Stoff für die sensationsgierigen Gaffer von heute. Das wird mir viele Leserzahlen bringen.
Klar, wenn du es nicht machst, dann wer anderes. Das ist dann aber eine Frage der Ethik. Nur weil andere etwas machen können, heißt das ja noch lange nicht, dass ich das auch tun muss/will.
Du fängst einen Frosch. Du kannst ihn aufpusten oder an die Wand werfen. Du kannst ihn aber auch frei lassen. Klar, wenn du ihn frei lässt, fängt ihn der nächste und wirft ihn vielleicht an die Wand. Ist das dann aber ein Grund es selbst zu tun?

Aber ich nehme mal an, so ernst gemeint, war es eh nicht ;)

Slenderella

Es kämpfen halt an diesem Brunnen (Weg zum Louvre hoch) Engel mit Dämonen. Inmitten des normalen Stadtlebens - und die Menschen bekommen logischerweise Panik, denn die Engel sind gut bewaffnet. Also Polizei, etc. alles dabei.
Es ist einfach ein unangenehmes Setting plötzlich, weil ich mich da örtlich wirklich im Herzen von Paris befinde. Andersrum glaube ich nicht, dass irgendein Franzose je das Buch zu sehen bekommen würde. Na, wie gesagt, das Kind ist eh im Brunnen, abgeschickt habe ich es ja schon.
Ich brauch noch eine Katze
Und ein Beil wär nicht verkehrt
Denn ich gehe heute abend
Auf ein Splatter-Pop-Konzert

Sascha

Zitat von: Churke am 07. Dezember 2015, 10:33:31
Wenn wir es nicht ausschlachten, macht es jemand anders... irgendwann.  ::)
"Wenn ich den Schulkindern keinen Stoff verticke, macht's ein Anderer." (Xbeliebiger Drogenhändler)
"Wenn wir den Saudis keine Waffen liefern, macht's ein Anderer." (Xbeliebiger Politiker)

Ich entnehme dem Augenrollersmiley, daß Du ähnliche Assoziationen hattest. ;)

Big Kahuna

So, nachdem mein Handy irgendwie Mist gebaut hat, hier nochmal meine Antwort:

Ich habe die bisherige Diskussion nicht mitverfolgt, daher gebe ich mal nur meine Meinung zum einleitenden Post ab. Ich bin durchaus der Meinung, dass man auch in der Fantasy sehr gut Kritik an der Gesellschaft, Religion usw. anbringen kann. Zwar mit einer etwas abstrahierten Symbolik, aber es geht. Und natürlich sollte man sich als Autor auch nicht davor scheuen, kritische Themen anzusprechen, sofern diese einem am Herzen liegen bzw. man eben eine Aussage dazu treffen möchte. Ich selbst z.B. behandle laufend Themen wie Krieg, religiösen Fanatismus und Gewalt. Das Problem hierbei ist vermutlich, dass man schnell in die Schublade des Kriegsverherrlichers gesteckt wird, wie es Bernhard Hennen in Dreieich schon ganz gut gesagt hat. Daher sollte die Kritik dann schon deutlich rüberkommen.

Was ist geschmacklos? Ich denke, diese Frage kann man nicht beantworten, denn es wird immer jemanden geben, der deine Aussage vielleicht nicht versteht oder der Meinung ist, dass du sensationsgeil bist, weil du kritische Themen und Tabus ansprichst. Von daher würde ich da einfach schreiben, was du für richtig hältst. Sicherheitshalber würde ich zwar im Augenblick darauf verzichten, große Schlachten mit Fantasywesen in Paris oder Syrien spielen zu lassen, aber ansonsten kann man da durchaus etwas zu diesen Themen schreiben oder sie abstrahiert in der Fantasy behandeln.