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Die Leiden des jungen Nowrimo

Begonnen von Rabenfeder, 15. November 2015, 14:28:00

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Rabenfeder

Leise, flüsternd, zaghaft fliegen leere Seiten durch den Sturm. Sturm im Geist, er wird nicht siegen?
Worte wachsen im Raum und segeln davon. Küssen die Seiten, kurz und kürzer, wollen nicht bei mir bleiben, fühlen sich entwurzelt.
Silben regnen aufs Gemüt, das sich nach langen Sätzen sehnt, spülen zynisch alle Buchstaben davon.
Die Zeit verrinnt, wird dünn und dünner, der Komplize der Leere lacht mich aus. Lockt die Ideen fort mit einem Versprechen, das ich nicht halten kann.
Sinnlosigkeit schwingt nun das Zepter in meinem leeren Thronsaal. Wann hat das letzte Wort das Tor verriegelt?

Hinaus! Hinaus! Allesamt! Still! Mitten im Nichts wische ich Staub und falte Plastiktüten, singe leise ein Lied. Locke die Abtrünnigen nach Haus.

*******

Bei mir steht das "No" jedesmal für NOT.   :brüll:  Seid ihr noch Dirigenten vor einem vollen Konzertsaal, oder fegt ihr einsam die Schnipsel zwischen den leeren Reihen?

Nuya

Ich habe keine Ahnung, was du damit sagen willst.  :hmmm:

Rabenfeder

Dass ich gerade entgegen meiner Vorsätze NICHTS aufs Papier bringe. Im Gegenteil, ich lösche und streiche.... es wird weniger statt mehr.

Und das auch noch als jährlich wiederkehrendes Phänomen ausgerechnet im November. Ich wollte nur mal hören, ob ich alleine bin mit diesem Problem. Ich hatte nun ene Woche Urlaub. Statt besonders viel zu schreiben habe ich nun eine besonders saubere Wohnung.  :wums:

Mogylein

Das ist normal, Rabenfeder.  :knuddel: Fang klein wieder an, erinnere dich, warum du gesagt hast, dass du genau dieses Buch schreiben willst. Und dann beiss dich ein Mal durch, bis du wieder in einer Szene bist, die Spaß macht.
   "Weeks of Writing can save you hours of plotting."
- abgewandeltes Programmiersprichwort

foxgirl

Das gibt sich sicher wieder, jeder hat mal ein Tief  :knuddel:. Wenn du nicht zwangsläufig chronologisch schreibst, könntest du ja auch versuchen, dir schonmal eine Szene heran zu nehmen, die du besonders gern umsetzen möchtest. Dann kommt die Motivation vielleicht eher wieder. Ich drück dir auf jeden Fall fest die Daumen und für alle Fälle schicke ich mal noch eine Motivations-Pfanne mit ;D, da ist sie:  :pfanne:

Trippelschritt

Es ist schwer, einen Rat zu geben, wenn man die Ursachen nicht kennt. Ich denke mir mal ein paar mögliche aus.
1. Du hast keine Geschichte zu erzählen. wer nichts zu erzählen hat, kann auch keine Geschichte schreiben. Aber er kann sich mit Methodik oder Handwerk auseinandersetzen, interessante Beobchtungen oder Erkenntnisse sammeln oder sich ein Sachthema schnappen und eine Beispielssammlung erstellen, wie beispielsweise andere ihre Figuren einführen.
2. Du hat eine halbe Idee, die vielleicht zu einer Geschichte führen könnten, wenn nur ... Schreibe irgendetwas, von dfem Du meinst, dass es zu Deiner halben Idee passt. Egal was und küre Deinen besten Satz.
3. Du bist in der bösen Stimmung: Ich will aber unbedingt was Vernünftiges Schreiben und das diese Woche, weil ich da Urlaub habe.
Da hilft überhaupt kein Schreibrat außer "lass es mit dem Schreiben". Aber vielleicht hast ja mal was geschrieben, das Dir selbst gefallen hat. Dann sammele mal diese Texte und notiere Dir dazu, wie dieser Text damals entstanden ist, in welchen Schritten, was Du gemacht hast und wie du dich gefühlt hast. aus der Erinnerung heraus. Ich bin immer noch der Meinung, dass es zu den wichtigsten Eigenschaften eines Autors gehört, seinen eigenen Kreativprozess zu verstehen. Nicht wissenschaftlich. Meinetwegen intuitiv, aber die Intuition versagt, wenn keine entsprechenden Erfahrungen vorliegen. Und den Kreativprozess versteht man erst, wenn man sich beim Schreiben beobachtet.
4. Ich bin Romanschreiber, Kurzgeschichten liegen mir nicht. Nur habe ich gerade keinen Stoff und auch keine Idee für einen Roman.
Ich wüsste nicht, wie jemand eine gute Szene schreiben kann, wenn er nicht weiß, wie man eine Kurzgeschichte schreibt. Antwort: "Ich schreibe aber gute Szenen. Das sagen alle. Und ich habe noch nie eine Kurzgeschichte geschrieben." Ooops. Aber das glaube ich sogar. Nur - wetten Dass Du in dem Fall Kurzgeschichten schreiben kannst. Hast es nur noch nicht probiert. In kurzen Texte sind immer einige der Dinge enthalten, die jeder Roman braucht. Wer die nicht beherrscht - ob er sie praktiziert, ist eine andere Sache - wird keinen Roman schreiben können. Deshalb sind Kurztexte der Trainingsboden für die große Show.

Kurzum: Es gibt viel zu tun und noch mehr Möglichkeiten.

Ich wünsche Dir viel Erfolg
Trippelschritt

Rabenfeder

Danke :-)

Ich glaube, ich nehme Tor Nummer drei...
Der Druck JETZT! JETZT! JETZT! produktiv zu werden ist wohl nichts für mich. Ich habe Testleser im Rücken, die auf die nächsten Kapitel warten und ich dachte, ich kann liefern. Dabei bin ich dieses Mal gar kein "echter" NaNoWriMo Teilnehmer, dazu ist mein Roman im Moment zu präsent. Ich wollte lediglich 50.000 Wörter weiter kommen. Produzieren. Stattdessen bin ich gerade bei 25.000 weniger als vor meiner Überarbeitung. Das blöde Buch grinst mich an und liegt vor mir wie der Mount Everest. Und ich hasse Bergsteigen. Dabei habe ich den Plot komplett ausgearbeitet! Ich weiß genau, was kommt. Vielleicht bremst mich auch mein Protagonist, der hier gerade interviewt wird. Manchmal liegt es ja an Kleinigkeiten.

Die Pfanne habe ich jetzt griffbereit....  :pfanne:

Sturmloewin

Bei den Tipps der anderen kann ich mich nur anschließen.

Zähne zusammenbeißen und dann durchziehen. Ich kenne dein Problem sehr gut und kann es tatsächlich gerade sehr gut nachvollziehen.
Dagegen hilft:
a) einfach weitermachen, bis du zu einer Szene kommst, die dir mehr Spaß macht. Versuch dich mit der Vorfreude darauf zu motivieren. Fühl dich wie...ein Marathonläufer, der weiß, dass in einem Kilometer der nächste Stand mit Wasser und Müsliriegeln kommt, dem aber verdammt nochmal JETZT die Beine weh tun. Du kannst rumjammern und diesen einen Kilometer in drei Stunden kriechen... oder du ziehst durch und erreichst mit schmerzenden Beinen und tierischem Durst, aber dafür früher den Fressstand.
Deine Entscheidung. Aber du weißt, wenn du erstmal wieder einen Müsliriegel intus hast, siehst du die Sache gleich ganz anders und bist viel motiverter ;) *methapherende*
b) schreib schonmal eine von den Szenen, auf die du gerne hinarbeiten möchtest und auf die du gerade Bock hast, das motiviert dich vielleicht, weiter zu machen und quasie die "Brücke" zwischen deinem jetzigen Stand und der tollen Szene zu schaffen. Das mache ich auch ganz oft.

Egal, für was du dich entscheidest - nicht aufgeben. Nicht auf morgen vertagen. Heute. Machen. Los.
So when the world knocks at your front door
Clutch the knob tightly and open on up
And run forward and far into its widespread, greeting arms
With your hands outstretched before you
Fingertips trembling, though they may be
--- Anis Mojgani "Shake the Dust"