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Probleme mit und Arbeit von Bibliothek(ar)en

Begonnen von Kaeptn, 30. März 2010, 17:18:32

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Kaeptn

Hallo,

wir haben doch hier diverse Bibliotheks-Fachleute, vielleicht kann mir ja jemand helfen.

Es geht um die Stadtbibliothek Ratingen, die mich in Sachen Fantasy in den Wahnsinn zu treiben droht. z.B. haben sie von Garth Nix "Abhorsen" im Regal stehen. Ich habe sie schon mal drauf hingewiesen, dass der dritte Teil einer Trilogie ist und sie die ersten beiden (laut Computer) nicht im Angebot haben.

Die Frau guckte nach: "Ach tatsächlich. Deswegen wird das wohl so selten ausgeliehen."  Das war vor 12 Monaten, passiert ist seither nix - passend zum Autor :(.

Oder "Die Schattenkämpferin Band 2", stand ganz allein in der Außenstelle Ratingen-Hösel. Ich zur dortigen Bibliothekarin: "Haben sie auch Band 1?" Sie guckt nach: "Nö, die gibt es nur in Ratingen-Homberg. Und die haben Teil 2 nicht." Ah ja.

Und heute freute ich mich auf weitere Sapkowski-Romane: Erbe der Elfen und Feuertaufe haben sie, Zeit der Verachtung (2. Band der bisher erschienenen dreien) haben sie laut Computer nicht.

Was ich wissen möchte: Wenn nette Hinweise offensichtlich nix bringen, an wen kann man sich dann wenden? Gibts da in einer Bibliothek jemanden der für den Einkauf zentral zuständig ist? Kann ja schließlich auch nicht in deren Sinne sein, von einer Trilogie nur den letzten Band zu haben.

Maja

#1
Ich kenne eigentlich keine Bibliothekare, die aus Reihen nur hintere oder mittlere Bände bestellen würden - man hat einen Etat, mit dem muß man auskommen, und man mag keinen Mist damit machen. Wenn der erste Band einer Reihe gar nicht geht, wird man wahrscheinlich die folgenden nicht anschaffen, auch wenn es natürlich Leser gibt, die lieber warten, bis eine Reihe abgeschlossen ist. In deinem Fall kann ich mir vorstellen, daß diese Bücher über Spenden und Schenkungen in die Bib gekommen sind. Es kommt öfter vor, als man meinen sollte, daß Leser eine Kiste ausgelesener oder abgelegter Schätzchen schenken, und dann wird geschaut, was man behält und was auf den Bücherflohmarkt geht, um dort einen Euro in die Stadtkasse zu spülen. Dann kann natürlich leicht vorkommen, daß die zuständige Bibliothekarin denkt "Oh, Fantasy, das geht immer gut, den behalten wir", auch wenn es nur Band zwei oder drei von fünf ist. Damit sind aber noch nicht automatisch die Gelder da, um die anderen Bände anzuschaffen.

Je nach Größe der Bibliothek sind mehrere Bibliothekare für das Lektorat (die Auswahl neuer Bücher) zuständig, du kannst fragen, wer Fantasy macht, aber die beste Chance, die fehlenden Bände ins Regal zu bekommen, ist, sie der Bücherei zu spenden. Das ist keine Frage von Fähigkeit, sondern mehr von Geld. Für jedes Buch, das gekauft wird, kann ein anderes nicht gekauft werden. Und es mit einem begrenzten Etat jedem Recht zu machen, ist ganz schön schwer.

Was die Zweigstellen angeht: Das ist schon ganz schön sinnlos, aber vielleicht möchte keiner derjenige sein, der zurücksteckt und das Buch abgibt, wenn er nichts anderes dafür bekommt. Gibt es wenigstens einen Bücherfahrdienst, daß man auch aus der Zweigstelle Bücher bekommen kann?
Niemand hantiert gern ungesichert mit kritischen Massen.
Robert Gernhardt

Kaeptn

Büchertaxi gibt es, fährt aber nur 1x die Woche. Für mich in Ordnung.

Wobei ich eigentlich nicht den Eindruck habe, dass die Stadtbibliothek knapsen müsste. Viele Bestseller haben sie allein in der Hauptstelle schon zigfach (Harry Potter z.B. ).
Aber klar, kann natürlich sein, dass sie nur Band 3 geschenkt bekommen haben. Aber dann sollten sie doch den auch verkaufen oder einmotten, nachdem sie drauf hingewiesen wurden, dass es ein einsamer letzter Trilogieteil ist. Ist doch frustrierend für Leute, die nicht genau hingucken und erst zuhause merken, dass es ein dritter Teil ist.

Die Frau in der Nebenstelle wo ich normalerweise hingehe ist auch nett und die Schattenkämpferin ist wohl mittlerweile in Homberg beim ersten Teil angelangt, aber in der Hauptstelle wurde mein Hinweis wegen Garth Nix nur mit einem Schulterzucken abgetan. Das finde ich halt schade.

Franziska

ich habe gerade Abhorsen zu Hause bei meiner Ausgabe steht nirgendwo, dass es Teil einer Trilogie ist. Das kommt leider oft vor, ich stand auch schon öfter in der Bibliothek mit Büchern, wo nirgends stand, welches erster und zweiter Teil war. Ich kann mir vorstellen, dass wenn die Bibliothekare das Buch nicht kennen, das einfach nicht wissen. Oder dass es, wie Maja sagte, eine Schenkung war. Man kann in Hamburg auch Anschaffungsvorschläge machen, auf der Homepage. Meistens schaffen sie es an. Kommt wahrscheinlich auf das Budget deiner Bibliothek an. Sonst würde ich es noch mal mit einem anderen Mitarbeiter versuchen.

gbwolf

Also für den verallgemeinernden Threadtitel muss ich mal  :pfanne:

Als ich vor zwei Jahren in "meiner" Bücherei angefangen habe, war der Bestand an phantastischen Romanen ziemlich Kraut und Rüben, weil sich keiner für das Genre interessiert hat. Wenn niemand in der Bücherei da ist und sich auskennt, dann wird stur nach den Besprechungszetteln der ekz eingekauft und da ist es mir auch schon passiert, dass ich übersehen habe, dass es Vorgängerbände gab, bzw., es war nicht gut gekennzeichnet (Und in aufmerksamen Büchereien auch über Anschaffungsvorschläge - dafür geht bei mir ein Löwenanteil Etat drauf). Weil ich zu der Zeit Etat hatte, habe ich die anderen Bände peinlich berührt nachbestellt  :-[ Hat mich ganz schön Zeit gekostet, alles auszumisten und den Bestand in Form zu bringen, aber nu kommen die Leser zu mir und erwähnen, wie schön gepflegt die Regale mittlerweile sind. Und in vielen Büchern steht wirklich nicht drin, dass es Reihen sind, oft nichtmal, dass es weitere Bände gibt. Heute erst habe ich bei den Krimis ein ganzes Nest gefunden, das eigentlich zusammengehört, aber wir mussten lange knobeln, bis wir die richtige Reihenfolge hatten.
Desinteresse ist meiner Meinung nach übrigens kein Grund, sich nicht um seinen Bestand zu kümmern ... ich bestelle für die Jugendlichen auch Knutsch-Bücher, obwohl ich damit nix anfangen kann und für die Erwachsenen Vampirschnulzen.

Die Bände gleichmäßig über die Büchereien verteilen mache ich bei langen Reihen übrigens deswegen, weil die Leser in Bücherei A sonst nicht wissen, dass die Reihe in B vorhanden ist, die meisten stöbern nur am Regal. Meistens können wir innerhalb von zwei Tagen den gewünschten Titel rüberbringen. Ich habe kein Geld, um die Reihen für beide Büchereien komplett zu bestellen.

Nicht zuletzt gehen Bücher auch mal kaputt und werden von Kollegen gelöscht ohne nachzuschauen, ob es ein mehrbändiges Werk ist!

Shay

ZitatUnd in vielen Büchern steht wirklich nicht drin, dass es Reihen sind, oft nichtmal, dass es weitere Bände gibt.
Ich bin zwar selten in Bibliotheken, da es mir als voll berufstätigem Menschen leichter fällt, mir Bücher zu kaufen, als zu Öffnungszeiten eine Bücherei zu erwischen, aber das ist mir auch schon oft aufgefallen. Und selbst wenn mal drauf steht, daß ein Buch zu einer Reihe gehört, dann oft nicht, welcher Band es ist. Was das den Verlagen bringen soll, ist mir unklar.

zDatze

Als unfähig würde ich das Personal in der Bib, wo ich manchmal Bücher borge nicht bezeichnen. Nur ist es eine Tatsache, dass sich dort niemand für Fantasy interessiert und das merkt man dann stark daran, dass das Fantasy-Regal "lieblos" behandelt wird.
Man findet die Fantasybücher im Regal für "junge Erwachsene" - also Lesegruppe 14+ würde ich sagen. Das wird ungeordnet in ein Regal mit den typischen (?) Jugendproblembüchern gepfercht (aus Platzmangel, muss ich anmerken).
Mich ärgert dieses "zusammenquetschen". Es passt nicht, aber gut, geht halt nicht anders.

Da tratscht man dann halt ein bisschen mit dem werten Personal und erwähnt so nebenbei, dass es seit zwei Jahren irgendwie nicht wirklich was neues im Regal gibt. Und schwups, wird diese "Beschwerde" weitergegeben. Antwort war: "Das stimmt doch gar nicht, wir haben da einige neue Bücher gekauft." Nachgeguckt. Ja, sie haben Bücher gekauft. Genau gesagt nachgekauft, weil die alten zerfleddert waren.
Ob sich jetzt trotzdem weiter was am Bücherbestand ändert, weiß ich nicht. Mal abwarten.  :)

Geli

Bibliotheken funktionieren hierarchisch. Das heißt, es gibt das Fußvolk, das Ihr sehr, wenn Ihr Bücher ausleiht und es gibt die Chefs ... die den Etat letztlich bestimmen. Daraus folgt: Natürlich haben die Chefs ein offenes Ohr für Kundenwünsche, die ihnen vom Fußvolk zugetragen werden. Aber dann geht es ans Eingemachte und da reagieren Bib.Chefs sehr, sehr konservativ. Sprich, keine Experimente. Harry Potter wird ausgeliehen, also wird Harry Potter gekauft. Die Fan-Gemeinde der Fantasy-Leser müsste schon massiv mit Wünschen in Erscheinung treten, um diese Wünsche erfüllt zu bekommen. Kommt derselbe Buchwunsch über Wochen hinweg mehrmals von unterschiedlichen Personen, kann er - Geld vorausgesetzt - wahrscheinlich erfüllt werden.
Machen wir uns nichts vor: Fantasy-Leser sind (nicht nur in Bibliotheken) Exoten.
Guckt Euch einfach der Verhältnis Regalmeter pro Buchhandlung für Fantasy und "Alles Andere" an; und Ihr wisst, wie das läuft.

gbwolf

Ich wünsche mir eine eigene Statistikgruppe für die phantastischen Romane, damit ich meine guten Ausleihzahlen belegen und mehr Etat fordern kann (allerdings würden mich die SF und Horror wahrscheinlich wieder runterziehen). Die Krimis kann ich dann zwar immer noch nicht toppen, aber es wäre ein Anfang ...

Nach zwei Jahren zähen ringens bekomme ich von meiner Chefin immerhin immer mehr Geld (wenn welches da ist), aber es ist im Vergleich zum restlichen Belletristik-Etat sehr wenig.

Am besten Wünsche schriftlich abgeben. Wenn die Bib einen Zettel für Anschaffungsvorschläge hat, natürlich darauf. Abgeben an der Infotheke, denn wie Geli schon sagt, sitzen an der Ausleihe normalerweise Leute, die mit der Bestellung nichts zu tun haben und die in der ganzen Hektik meistens nicht all die Buchtipps und Hinweise im Kopf behalten können, die sich über den Tag ansammeln.

Alaun

Hallo Ihr Lieben!

Hier sind ja einige Bibliothekare unterwegs und ich habe da mal eine Frage an euch. Die hat nichts mit Fantasyliteratur zu tun, aber ich hoffe, ihr helft mir trotzdem weiter...

Ich bekam heute eine Mahnung von der hiesigen Staatsbibliothek, dass ich ein Buch nicht zurückgebracht hätte. Ich habe dieses Buch aber nie ausgeliehen. Habe eben mal die Signatur gecheckt, dieses Buch sagt mir gar nichts. Ist irgendwas von einem afrikanischen Autor, das Thema hat mit mir und meinem Leben und meinen Interessen gar nichts zu tun. Dennoch steht es bei mir als gebucht auf meinem Ausweis. Hä???

Die Frau am Telefon eben meinte, sie würde im Magazin anfragen, ob das Buch noch da sei. Könnte aber 2 Tage dauern. (Da frage ich mich schon wieder: wieso braucht man 2 Tage, um etwas im Magazin anzufragen, bitteschön?)

Tja, und wenn das Buch nicht auffindbar wäre, dann müsste ich dafür haften.  :o

Ist man eigentlich als Bibliotheksbenutzer überhaupt nicht vor solcher Willkür geschützt? Ich meine, ich habe in den letzten Wochen keinen Fuß in die StaBi gesetzt, und dann sowas? Bin ein wenig beunruhigt und ärgere mich gerade.
Was meint ihr, wie stehen die Chancen, falls das Buch wirklich weg ist? (Kann ich mir zwar nicht vorstellen, aber man weiss ja nie, was da so schiefläuft. Vielleicht hat sich das wer unter den Nagel gerissen und ich muss es jetzt ausbaden!)

Liebe Grüße von der echt genervten
*Aquamarin

Maja

Erstmal würde ich sagen: Ruhe bewahren. Die wollen dir nichts böses. Wenn du ihnen erklärst, daß du nicht in der Bibliothek warst und da irgendwie eine Fehlbuchung zustandegekommen ist, können sie das untersuchen. Schlimmstenfalls mußt du eidesstattlich versichern, daß du das Buch nie hattest.

Ich weiß nicht, auf welcher Software eure Bib läuft und wie verbucht wird, deswegen kann ich über die technischen Hintergründe nichts sagen.
Niemand hantiert gern ungesichert mit kritischen Massen.
Robert Gernhardt

gbwolf

#11
Hallo Aquamarin,

ohne Kenntnis von Software, Scannern und Verbuchungssystem kann ich dir auch nicht viel sagen.

Es kann immer sein, dass jemand seinen Ausweis am Selbstverbucher falsch eingelesen oder jemand an der Theke den Scanner schräg gehalten hat und die Barcodereste haben zufällig ein falsches Kundenkonto öffnet (In diesem Fall sollte die Bibliothek mit ihrer Softwarefirma sprechen, ob eigentlich eine Prüfziffer eingebaut ist und anschließend mit ihrer EDV, ob die Scanner die Codes auch so einlesen, dass die Prüfziffer erfasst wird).
Es kann sein, dass die Bücherei neue Scanner bekommen hat und niemand hat sich darum gekümmert, dass diese Scanner einen Code nur dann einlesen, wenn er eine bestimmte Länge hat.

In den meisten Fällen bringt der Kunde, der das Buch aus Versehen auf den falschen Ausweis ausgeliehen hat, ganz normal zurück, manchmal taucht es auch ganz geheimnisvoll in einem Regal auf. Deswegen ist es immer gut, ein wenig Zeit zu haben und zu warten, bis das Problem sich von alleine in Wohlgefallen auflöst - was es auch in 80% der Fälle tut.

Die Sache mit dem Magazin halte ich für eine Taktik, im Haus in Ruhe suchen zu können und abzuwarten, ob das Buch nicht von alleine wieder auftaucht. In jedem Fall solltest du die Bibliothek bitten, dir das Buch zu verlängern, damit keine weiteren Gebühren entstehen.

Grüße,
Nadine

Geli

Auf jeden Fall mit den Leuten reden!

Möchtegernautorin


Ich würde mir da ersteinmal auch keinen zu großen Kopf drum machen :)
Wenn du nachschauen oder erfragen kannst, wann das Buch ausgeliehen wurde. müsstest du auch abschätzen können, wann es zurückgegeben werden muss. Danach kannst du dich auch richten. Wurde es ganz normal von jemand anderem ausgeliehen, wie die Wölfin angemerkt hat, müsste es dann ja auch entsprechend zurückgehen.

Sollte das Buch nicht wieder auftauchen und wenn du nicht irgendwie beweisen kannst, dass du das Buch nie hattest, müsstest du vermutlich Ersatz leisten (musste ich auch schon und ja, ich bin Bibliothekarin, warum? Ist zugegebenermaßen etwas peinlich, das zu regeln, aber was soll's ;)). Das kann je nach Buch teuer werden, aber ich gehe nicht davon aus, dass dir am Ende mehr passieren kann, als das.

Her plants and flowers, they're never the same - Blue and silver, it's all her gain
flying dragons, an enchanted would - She decides, she creates
It's her reality
Within Temptation - "World of Make Believe"

Thaliope

Hey Aquamarin,

in der StaBi brauchen die immer zwei Tage, um irgendwas aus dem Magazin zu holen, auch bei ganz normalen Bestellungen. Ich weiß auch nicht, warum das so ist. Vielleicht sind die Gänge seeeehr lang, und sie müssen immer erst eine kleine Expedition zusammenstellen ...

Scherz beiseite: ich drück dir die Daumen, dass sich das ganz schnell regelt! Und lass dich nicht ärgern von denen!

LG
Thali