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Die Frage nach dem Sinn

Begonnen von Der Inspektor, 16. März 2022, 14:56:44

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Der Inspektor

Hallo zusammen,

ich habe gerade eine kleine Krise und ich glaube nicht, dass mir jemand besser helfen könnte als ihr. Ihr seid fast ausnahmslos älter als ich (ich bin gerade mal 20) und ich glaube, Erfahrung ist in Fragen des Schreibens doch mit das Wichtigste. Weil ihr davon zum größten Teil mehr habt als ich, hoffe ich darauf, dass meine Frage euch auch einmal gekommen ist, und dass ihr sie mittlerweile für euch beantwortet könnt.

In meinem Leben habe ich bisher natürlich viel Jugendliteratur und Literatur für Junge Erwachsene gelesen, aber in letzter Zeit wage ich mich zum ersten Mal auch an "Anspruchsvolleres". "Anspruch" in Anführungszeichen, weil das die Kategorie ist, in die die jeweiligen Autoren gesteckt werden. Nicht weil ich anderen einen weniger hohen Anspruch unterstellen würde o.Ä. - Ihr wisst, was ich meine.
Dinge, die ich früher geschrieben habe, waren natürlich von den Büchern beeinflusst, die ich damals gelesen habe, und ebenso ist das, was ich aktuell zu Papier bringe, wahrscheinlich irgendwie ein Amalgam von den aktuell für mich interessanten Autoren. Ich denke, bis hierhin ist das völlig normal, aber je mehr ich mich mit "anspruchsvoller" Literatur befasse, desto mehr fällt mir doch ein Unterschied zu "populärer" Literatur auf. Sie scheint mir stärker "sinngetrieben", und das gibt mir zu denken.
Um ein Beispiel zu nennen: Dostojewskij hätte nichts einfach nur "für den Plot" geschrieben. Alles was man von ihm lesen kann, behandelt auf hohem Niveau Fragen und Probleme, die in der petersburger Gesellschaft des 19. Jahrhunderts wichtig waren. Alle Figuren sind psychologisch komplex und interessant, aber sie existieren auch nicht einfach nur deswegen, sondern weil sie auf ihre Art dem Sinn des Romans dienen, dem "Warum" nach der Existenz des Buchs. Und dieser Sinn ist eben nicht einfach, dass die Geschichte schön ist, die Figuren gut oder der Plot spannend.

Das beschäftigt mich, weil ich in den Dingen, die ich bis jetzt geschrieben habe, keinen Sinn sehe, der ähnlich stark wäre. Manchmal vielleicht noch ein interessantes Gedankenexperiment, oft ist es aber dann doch nur der Plot. Am Ende gibt es keine Message. Keinen Denkanstoß, keine wirklich neue, augenöffnende Sicht der Dinge, nichts dergleichen.

Wie seht ihr das? Schreibt ihr mit einem tieferen Sinn im Hinterkopf? Ist Literatur auch etwas wert, wenn sie keinen hat?

Ich danke euch für eure Zeit und für jeden Gedanken, der euch kommt.

LG, Der Inspektor
"Ich habe die Schlimmste aller Sünden begangen, die ein Mensch begehen kann. Ich war nicht glücklich." -Jorge Luis Borges, Die Reue

Christopher

Da kommt mir sofort ein - meiner Meinung nach sehr wichtiges - Zitat von Stan Lee in den Sinn.

Den genauen Wortlaut habe ich nicht, aber sinngemäß hat er sich die Frage gestellt, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn er all die Energie und Kreativität die er hatte in etwas "sinnvolles" gesteckt hätte. Der Suche nach einer Heilung für Krebs o.ä.

Dann hat er aber gemerkt, dass auch Ärzte, Krankenschwestern und all diese anderen "sinnvollen" Leute, auch mal etwas brauchen, mit dem sie einfach entspannen können. Etwas, das ihnen neue Energie gibt weil es sie von ihren Sorgen und ihrer Arbeit ablenkt. Und er glaubte, dass er daher durch seine Arbeit durchaus etwas beitragen kann zu der Arbeit dieser Leute.

Da gebe ich ihm absolut Recht. Wenn du etwas schreibst, das "nur unterhält" aber keinen literarischen "Wert" hat, ist das nichts schlechtes. Und durchaus auch völlig erstrebenswert. ich z.b. lese durchaus gerne Bücher die einen "Sinn" oder Erkenntnisse vermitteln - aber ganz sicher nicht nach einem langen Arbeitstag wo ich entspannen und Spaß haben will. Du bist da denke ich noch etwas stark von Schulliteratur geprägt, die eben nur diese Art Literatur verbreitet und als toll und lesenswert erachtet. Aber ganz im ernst: Ich finde, die Schule macht da einen großen Fehler, den Schülern nur so schwere Kost vorzulegen die vielleicht "wertvoll" ist, aber nicht besonders viel Lesefreude vermittelt. Zumindest bei den meisten. Kein wunder, dass so wenige Leute gerne lesen  ::)
Be brave, dont tryhard.

Malou

Ich hab durchaus schon gehört, dass Literatur nur Fragen stellen, aber keine beantworten soll. Dass sie dem Leser keine Antworten vorgeben soll nach dem Motto "So soll es gemacht werden".

Ich erkenne durchaus die Wahrheit darin, denke aber gleichzeitig, dass man durchaus Bücher schreiben darf, die eine Message haben. Mir persönlich ist das wichtig, da es für mich ein zentraler Grund zum Schreiben ist. Wie tiefgründig meine Geschichten am Ende wirklich werden bzw. wie weit Messages wiederholen, die es schon tausendfach gab, sei dahingestellt, aber das ist hier nicht wichtig. Deine Frage war ja, ob wir Romane mit Messages und tiefgründigerem Sinn schreiben (wollen). Von mir bekommst du hier also ein klares Ja. Das ist mein Motor. In einer meiner Geschichten greife ich bspw. das Thema Epigenetik auf und versuche, mithilfe einer Fantasywelt aufzuzeigen, dass und wie Veränderung möglich sein kann. Es geht also um das Thema Genesung von Erbkrankheiten. In einer anderen Geschichte lautet die Message am Ende, dass sogenannte "negative" Emotionen positiv eingesetzt werden können und für uns wichtig sind.

Ich würde daraus aber nicht schließen, dass es eine Message geben muss. James Bond hat auch nicht wirklich eine (tiefgründige), sondern dient einfach nur der Unterhaltung. Wenn du also eher Unterhaltung schreiben magst, tu das ruhig. Wenn du einen Roman mit unzähligen offenen Fragen beenden willst, tu das ruhig. Wenn du eine Message mitgeben willst, tu das ruhig. Ich bin mir sowieso sicher, dass du Messages hast, denn ganz ohne geht es nicht. Die Fragen, die du dir meiner Meinung nach stellen musst, sind:

Warum schreibe ich? Was will ich vermitteln? Was ist der Funke, der mir meine Motivation gibt? Welches Gefühl will ich beim Leser auslösen?

Wenn du unzufrieden bist, weil deine Geschichten dir nicht tiefgründig genug sind, ändere das. Sonst hast du irgendwann ganz sicher keine Lust mehr aufs Schreiben. Wenn du Begeisterung findest, so zu schreiben, wie du es im Moment tust... ist doch alles gut :)

Lg, Malou
»Anders als die Kultur, die die Unterschiede zwischen uns betont, die Menschen und Gruppen voneinander trennt, verbindet die Natur uns miteinander. In ihr sind alle Menschen gleich.« (Der Gesang des Eises, Bakic)

Nina Louise

Das ist mir in deinem Alter ganz ähnlich ergangen.

Mir geht das machmal immer noch so - ich habe nämlich einen überflüssigen Wohlstands-Beruf. Kein Mensch braucht mich, aber ich bereite vielen Freude (und versorge dadurch noch eine Menge Leute mit einem Job) und eine Kundin hat mir mal gesagt, ich hätte auch einen kulturellen Auftrag.
Wir Menschen leben halt von mehr als Brot und Wasser.

Dazu gehört auch Unterhaltung.
Und nichts gegen Dostojewskij - aber Walter Moers z.B. würde ich auch nicht missen wollen. Ich habe Tränen gelacht und ab und zu brauche ich das auch. (Jetzt z.B.) Auch die Bücher, die ich als Jugendliche verschlungen habe, waren nicht alle "künstlerisch wertvoll", aber trotzdem habe ich sie geliebt und sie haben mir auf ihre Art und Weise beim Erwachsenwerden geholfen. Und zwar sowohl "Hanni und Nanni" als auch "Romeo und Julia".

Gut zu unterhalten, zu amüsieren, zum Lachen bringen ist eine hohe Kunst. Das ist längst nicht jedem gegeben und ist nicht gleichbedeutend mit banal. Und manchmal erreicht man so auch mehr als mit einer schweren Schrift und gestochen scharfen Worten.

Aber es schadet überhaupt nicht, wenn du dich selbst hinterfragst und deine persönliche Messlatte etwas höher legen willst. Dein ganzes Werk in Frage zu stellen, ist allerdings dir selbst gegenüber extrem unfair. 20 ist sehr jung (aus meiner Sicht), da kommt allein in den nächsten 10 Jahren ein komplett anderes Leben auf dich zu. Es ist die coolste Dekade, freu dich drauf.

Nicht, dass ich nicht auch mal solche schlechten Phasen hätte, wo ich wirklich alles von mir dumm finde, aber die gehen auch wieder vorbei. Und wenn nicht, solltest du nicht zögern, nach den Ursachen dafür zu suchen.
Fantastische Geschichten aus der Luftschlosserei.

Rhagrim

#4
Ich frage mich, wie weit man sich da wirklich mit anderen vergleichen sollte. Jeder von uns sieht die Welt anders, denkt anders, schreibt anders, beschäftigt sich mit anderen Themen und Fragen und arbeitet die (bewusst oder unbewusst) auf andere Art und Weise in seine Werke ein. Und genau das macht unsere Geschichten so unterschiedlich, und spricht dadurch auch unterschiedliches Publikum an.

Ich denke, dass wir dadurch bis zu einem gewissen Grad automatisch Sinn in unsere Geschichten fließen lassen, zumindest den, dass wir uns das von der Seele schreiben, was da aus uns heraus drängt.
Dabei glaub ich nicht, dass "tiefsinnigere" Geschichten mehr Berechtigung haben, als oberflächlichere Unterhaltungsliteratur. Schon gar nicht, wenn man es verkrampft versucht und das ganze dadurch dann erzwungen wirkt.

Ich glaube, wichtiger ist es, authentisch zu schreiben und so, wie es sich für dich richtig und gut anfühlt. Wenn du gerne über Gott und die Welt philosophierst, die über die Menschheit, die Gesellschaft, oder was auch immer Gedanken machst und es dir Spaß macht, Botschaft und Sinn in deine Texte miteinfließen zu lassen - toll :)
Wenn es dir Spaß macht, deine Helden einfach "nur" auf ein Abenteuer zu schicken, ohne dir dabei über irgendwelche anspruchsvollen Themen den Kopf zu zerbrechen, weil es davon eh schon genug in unserer Welt gibt - auch toll :)
Ich lese, je nach Stimmung, beides gerne.

Ich glaube, oft schränkt man sich nur selbst ein, wenn man sich zu sehr mit anderen vergleicht, die in den eigenen Augen viel "besser" sind, als man selbst. Weil man sich dann vielleicht zu sehr darauf versteift, etwas oder jemandem nachzueifern und dabei das Gute übersieht, das man selbst erschaffen kann, weil es vielleicht einfach nur... anders ist, als man es in diesem Augenblick gern hätte.
Außerdem entwickelt man sich im Laufe des Lebens ja sowieso beständig weiter und dementsprechend verändern sich auch die Texte immer mit einem mit.  :)

Ich finde es gut und wichtig, sich inspirieren zu lassen, solange es einen dabei nicht entmutigt.
"No tree can grow to Heaven unless it's roots reach down to Hell."
- C.G. Jung

Phlox

Lieber @Der Inspektor,
mach's nicht  :).
Ich meine: Sag dir nicht "Ab heute schreib ich nur noch bedeutende Sachen" - ich denke, das ist ein ziemlich sicherer Weg, sich die Freude am Schreiben zu verderben. Zu schreiben, was du selber gerne liest - oder gerne lesen würdest - ist ein prima Ausgangspunkt, den du nicht in Frage zu stellen brauchst.
Da gibt es doch das berühmte Wort von Tolkien, das ich aktuell nur ungefähr zusammenbekomme: Konfrontiert mit dem Vorwurf, Fantasy sei Realitätsflucht und deshalb nicht ernst zu nehmen, soll er sinngemäß gesagt haben, dass es ja mindestens zwei Arten von Flucht gibt - die vor Problemen oder Ängsten (, denen man sich vielleicht lieber stellen sollte,) und die Flucht aus dem Gefängnis (der eigenen Gedanken, des Alltags, des Gefühls der eigenen Nichtigkeit...) und letzteres ist doch eine wunderbare Funktion von jeder Art von Geschichten. Und übrigens auch vom Schreiben selbst!
Ich vermute, viele heute berühmte Schreibende haben ihr Tun auch so genutzt, z.B., in dem sie in ihrem Werk Fragen untersucht haben, die sie selbst beschäftigten, z.B. wie wird jemand Spieler, was bedeuten die rasanten Entwicklungen ab dem 19. Jahrhundert für den einzelnen (du merkst, ich kenne Dostojewski nicht so gut und improvisiere gerade  ;).) Diese Chance hast du auch jederzeit, in jedem Alter und mit jeder Art von Erfahrungshorizont, denn dafür brauchst du keine Antworten zu kennen oder definiert zu haben.
Persönlich denke ich, es gibt keinen wirklichen Unterschied zwischen E- und U-Literatur. Es gibt so viele Romane, die zu ihrer Zeit reine Unterhaltung waren und heute als historische Dokumente von großer Bedeutung sind, und umgekehrt - Werke, die die die Menschen früher erhebend fanden, und die als bahnbrechend und erneuernd galten, mit denen wir heute aber nicht mehr viel anfangen können.
Lade dir also nicht den Erwartungsdruck auf, etwas "Augenöffnendes" schreiben zu müssen, um nur dann etwas zu gelten als Schriftsteller. Du schreibst das, was nur du so schreiben kannst, und das ist vollkommen (genug).     

Wintersturm

Ich stimme da @Rhagrim zu.
Zitat von: Der Inspektor am 16. März 2022, 14:56:44
Ist Literatur auch etwas wert, wenn sie keinen hat?
Ich gehe auf den Punkt als erstes ein. Es gibt da irgendeine Regel aus irgendeiner Kommunikationstheorie (irgendwann mal von gelesen, alles drum herum vergessen). Die Kernaussage war soviel wie: "Man kann nicht nicht kommunizieren."
ZitatWie seht ihr das?
Wenn du dir irgendeine Geschichte schnappst, egal von wem, ob das jetzt todeslangweilige, >100 Jahre alte Schullektüre, die größte Anfänger-Fantasy auf Wattpad, ein Meisterwerk wie Der Herr der Ringe oder die übliche moderne Romantasy oder Weltretter-High-Fantasy ist. Oder auch irgendwelche anderen Genres, ist an sich ja Bockwurst.
Du schaust dir die Geschichte an und wirst überall zwischenmenschliche und gesellschaftliche Probleme finden. Da ist jede Geschichte mit vollgestopft, man muss sie nur sehen. Und man kann das dann so machen wie der Deutschlehrer bei den Klassikern und in jedem Wort irgendeine Anspielung und Symbolik und haste nich alles gesehen finden oder du gehst einfach auf die Metaebene und schaust dir die Gedanken an, die Gefühle und das Gespür, was du beim Lesen davon bekommst. Und dann wirst du in jeder Geschichte so viel tieferen Sinn finden, denn genau das baut jeder Autor ganz unbewusst (oder doch bewusst, je nachdem) in der Geschichte ein.
Um damit den ersten Punkt aufzugreifen, du kannst nicht ohne tieferen Sinn schreiben. Selbst wenn du eine Geschichte nimmst und alles bis auf die Gewaltszenen (ok, dafür braucht´s ne Geschichte mit genug Gewalt) rausschmeißt, wird sich in denen schon so viel zeigen, wird da schon die tiefere Aussage drin sein. Wenn die Geschichte authentisch ist und sich nicht in Widersprüchen verhakt von wegen "bester und einziger Freund gestorben, aber kein Ding, alles bestens" und du da mit menschlichen Empfindungen rangehst, wird sich der tiefere Sinn schon ganz von allein aufzeigen. Allein den Bettler an der Straßenecke zu erwähnen bringt schon wirklich viel Inhalt hinein und sagt viel über die Welt aus, und damit sagst du zugleich dem Leser, dass deine Welt ungerecht (oder gerecht, weil der Typ es weswegen auch immer verdient hat) ist. Noch so ne Sache, mit der man wunderbar spielen kann...
ZitatSchreibt ihr mit einem tieferen Sinn im Hinterkopf?
Von daher, wirklich mit dem Gedanken an einen tieferen Sinn schreibe ich nicht. Der ergibt sich ganz von selbst und spätestens konfrontiert mit mehreren Entscheidungsmöglichkeiten (mit größerer Bedeutung, z.B. rettet A jetzt seinen Bruder oder seine große Liebe oder entscheidet er sich gegen die Entscheidung, womit er dann auch wieder eine Entscheidung trifft, nämlich gegen beide... du siehst, worauf es hinausläuft) und der folgenden Entscheidung findet sich immer die Antwort auf die Frage nach dem Sinn. In solchen Szenen sagst du automatisch viel über die persönlichen Ansichten und die Philosophie deines Perspektivträgers aus und triffst damit die entsprechende gesellschaftliche, persönliche oder welche Aussage auch immer.
Deswegen musst du dir keinen Kopf machen. Du kannst deiner Geschichte nicht keinen tieferen Sinn geben. Einfach schreiben, das passt dann schon.

KaPunkt

Ich werde versuchen, mich kurz zu halten.

1. Was du bewusst schreibst, und was deine Leser finden, sind zwei sehr verschiedene Dinge. Hab mal mit achtzehn eine sehr schlichte, brutale, Werwolf story geschrieben, in der es meiner Meinung nach um Gewalt und den Ausweg daraus ging. Sie geriet ein paar Literaturwissenschaftlern in die Finger, die Themen von Selbstbestimmung und Erwachsenwerden darin fanden.
Sie hatten Recht. Hab ich beim Schreiben nur nicht gewusst.
Und ich glaube, dass geht sehr vielem so. Schreib so, dass es sich für dich stimmig anfühlt, dann bist du schon auf einem guten Weg.

2. Schreib ehrlich. Wenn du über deine Geschichten, deine Figuren, deine Settings nachdenkst und sie ernst nimmst. Dich fragst, welche Lösung für welchen Konflikt am besten wäre, triffst du bereits Entscheidungen darüber, welche "tiefere" Aussage du mit deiner Geschichten treffen willst.
Wenn du dabei eben deine Antworten benutzt anstatt die Dinge, die dir bei anderen gefallen haben, oder die "halt so gemacht werden" bist du ebenfalls auf dem richtigen Weg.

3. "Kunst" wird überbewertet. Wenn ich die Wahl zwischen sauberem Handwerk und selbst deklarierter Kunst habe, nehme ich immer das Handwerk. Weil sauberes Handwerk seine Aussagen auf den Leser bezieht, "Kunst" viel zu oft nur die eigene Überlegenheit beweisen will. Also, Beschäftige dich ein bisschen mit Theorie und Handwerk, mit innerer und äußerer Entwicklung, mit Themen und wie man sie variieren kann ... und schreib Geschichten, die dir wichtig sind. Warum sie dir wichtig sind, wegen Botschaft, Spannung, Fluff-Faktor, ist mir egal.

4. Was ich oben beschrieben habe ist meiner Erfahrung nach eine natürliche Entwicklung und Erkenntnis. Meister zu finden, deren Leistungen man nie erreichen oder übertreffen kann, kann begeistern, und einschüchtern, und sogar lähmen. Die einzige Lösung ist: Weitermachen. Rumprobieren, Ausprobieren, Freude haben, lernen, man selbst bleiben und wachsen.

Liebe Grüße,
KaPunkt
She is serene
with the grace and gentleness of
the warrior
the spear the harp the book the butterfly
are equal
in her hands.
(Diane di Prima)

Zauberfrau

Hallo @Der Inspektor ,

ich schließe mich da @KaPunkt zu 100% an. Handwerk ist wichtig. Und wenn man länger schon dabei ist, merkt man irgendwann schnell, wann einer "schwafelt" und wann einer wirklich spannende Lektüre schreibt.

Bei meinem ersten Versuch eine Geschichte aufzuschreiben (etwa mit Anfang 20), da merkte ich schnell, dass die Szenen nicht den Spannungsbogen hatten, den ich ihnen geben wollte. Aber ich wusste nicht, was ich falsch mache. Also habe ich Schreibwerkstätten und Autorentreffen bei der VHS besucht, die alle auf ihre Weise einen Nutzen hatten. In einer habe ich gelernt, erst mal locker alles herunterzuschreiben und den inneren Lektor auszuschalten. In einer anderen habe ich gelernt, Adjektive, Verben und Füllwörter sinnvoll bis gar nicht zu gebrauchen. Und so puzzelte ich mir im Laufe meines Lebens einen eigenen Stil zusammen.

Gut geholfen hat mir dabei auch der wirklich tolle Ratgeber "Wie man einen verdammt guten Roman schreibt" von James N. Frey, den ich dir wärmstens ans Herz legen möchte. Hier erfährst du, dass jedem Roman eine "Prämisse" unterliegt, eine These, die in jeder (wirklich jeder) Szene, in jedem Dialog bewiesen wird. Und du erfährst, dass eine Figur nur dann interessant ist, wenn sie von Konflikten getrieben wird und sie wesentlich leidenschaftlicher ist, als es ein normaler Durchschnittsmensch wäre. Feinheiten, die eine Rolle spielen, wenn der Leser am Ball - äh - Buch bleiben soll.
Das Wissen um solche Dinge sind die Werkzeuge des Schreibhandwerks. Man kann natürlich auch ohne all dies ein Buch schreiben. Aber stell dir mal vor, jemand will zum Schrank-Bauen einfach keine Säge und keinen Hammer verwenden. Der Schrank wäre wohl für Kunden nicht so attraktiv. Zumindest für die meisten Kunden nicht.

Mit 20 bist du tatsächlich noch sehr jung (mein Sohn wird demnächst 21). Wenn ich auch an meine Zeit als 20-Jährige zurückdenke, merke ich, dass ich auch noch nicht viel Erfahrung mit dem Leben und mit dem Wirken auf andere hatte. Natürlich kann man auch als Jugendlicher jede Menge Erfahrungen sammeln. Mobbing, Liebesbeziehungen, Parties, Fehltritte oder Verzweiflungen von Freunden... All dies lassen einen wachsen. Bei manchen Ereignissen denkt man sich vielleicht sogar, ob man das Erlebte nicht in eine Geschichte wandeln sollte. Und genau dann ist man reif, es zu versuchen. Dann hat man schon den ersten Schritt zur Prämisse getan, einem Thema, um das es in deiner Geschichte geht. Die Prämisse ist der Grund, warum ein Autor die Geschichte schreiben will. Das kann auch etwas "Seichtes" sein. Zum Beispiel "Parties sind wichtig und festigen Freundschaften, wenn sie jedoch ausufern, können sie auch Freundschaften trennen." Damit kann man arbeiten. Es wird wahrscheinlich eine Geschichte mit vielen fröhlichen Parties und der Protagonist ist mittendrin und feiert. Seicht? Nur auf den ersten Blick. Denn da ist ja noch die Prämisse, die überall bewiesen werden will. Und so wird der Protagonist nicht nur die schönen Feierseiten erleben, sondern auch in extreme Konflikte geraten. Denn ohne Konflikte ist es ja langweilig (toll, er hat ne Party geschmissen, und jetzt?). Vielleicht wird das Buch nicht jeden vom Hocker hauen. Aber die Leute, die Parties lieben, werden sich vielleicht im Text wiederfinden und es gerne lesen. Seicht ist also nicht immer seicht! Es kommt auf den Blickwinkel an.

Ich fass mich mal zusammen:

Oberstes Gebot: Handwerk ist wichtig!
Immer. Und sein Handwerkzeug sollte man kennen! (Wissen, wie Adjektive wirken, wissen, dass Füllworter eher so bäh sind, wissen, dass Dialoge den Text auflockern, aber auch hier immer Konflikte eine Rolle spielen und so weiter...). Es gibt sehr viele Werkzeuge, sehr viele Regeln, die man beachten sollte. Einige Regeln bekommt man auch durch das Ausprobieren selber raus (Text schreiben - meh, lahm - warum ist er lahm - die Stelle ist irgendwie nix -warum ist sie nix - usw.). Manche muss man erst erklärt bekommen (Adjektive neigen zu Klatsch und Tratsch - ganz ohne wird's zum Zeitungsbericht - finde deine persönliche Mitte!).

Man kann jedes Thema zu einem spannenden Thema machen. Ist halt wichtig, wie man es verpackt. Der Grund (die Prämisse), weswegen man die Geschichte schreiben will, muss interessant sein. Nicht unbedingt tiefgründig, aber interessant.

Figuren brauchen Konflikte, sonst will man von ihnen nichts wissen und legt sie zur Seite. Wieder mal ein Handwerksbegriff: eine "Mary Sue" (falls du sie nicht kennst, Wikipedia kennt sie!) will keiner vor sich haben.

So. Genug vollgetextet. Die alten Meister sind wichtig. Aber sie sind nicht zwingend notwendig, weil sie in einer anderen Zeit unter anderen Bedingungen gelebt haben. Natürlich sind sie immer noch wertvoll, treffen aber vielleicht auch nicht mehr so den Nerv der heutigen Zeit. Ich mag z.B. Faust sehr, weil einfach viele tolle und weise Sprüche drin sind. Aber die Story ist ja mittlerweile so angestaubt... ach nee, lass ma... Trotzdem ist das Werk mit seinem geschichtlichen Hintergrund immer noch wertvoll. Passt aber heute nicht mehr so ganz (meine Meinung).

Ich hoffe, ich habe dich jetzt nicht zu sehr verwirrt. Nimm dir mal den Frey zur Brust! Da steht viel Sinnvolles drin. Die anderen Ratgeber waren zwar auch ganz unterhaltsam, aber der Frey, der hat mir die Augen geöffnet.

Viele Grüße und nicht unterkriegen lassen, einfach weitermachen und weiterlernen (das Handwerk)!

Die Zauberfrau

Ary

Hallo @Der Inspektor ,
ich habe mir die Frage nach dem Sinn meiner Schreiberei, und ob ich in Zeiten wie diesen überhaupt noch reine Unterhaltungsliteratur schreiben "darf", auch vor ein paar Tagen gestellt. Auch, ob ich mich in diesen Zeiten mit meiner Klampfe hinsetzen und singen "darf" oder klavierspielen, oder malen. Und bin zu dem Schluss gekommen: definitiv ja, und wann, wenn nicht gerade jetzt? Wir haben den Krieg, wir haben die Pandemie, wir haben den Klimawandel, und viele Menschen sind beunruhigt und verunsichert. Viele Menschen möchten sich wenigstens für eine gewisse Zeit aus der Realität ein wenig zurückziehen, um neue Kraft zu tanken, damit sie mit ihrem Alltag, ihrem Job und all den verunsichernden Faktoren weiter klarkommen und dabei auch mental gesund bleiben.
Also schreibe ich weiter. Für die Menschen, die in meinen Geschichten ihre kleine Alltagsflucht finden und beim lesen vielleicht genauso viel Spaß haben, wie ich ihn beim schreiben hatte.

Schreib du auch weiter. Mach dein Ding und bleibe echt, verbiege dich nicht, sei authentisch und mach, was DU gerne machen willst. Ohne den Blick auf "Wert", "Kunst" oder den Buchmarkt. Wenn du echt bist, wirst du auch Menschen mit deinen Geschichten erreichen. Und das ist für mich zumindest Sinn genug. 
Einfach mal machen. Könnte ja gut werden.

Der Inspektor

#10
Wow, erst einmal vielen Dank an euch alle! Das ist viel Feedback, und ich werde sicher noch öfters auf den Thread zurückkommen um mich daran zu erinnern. Ich würde gerne sehr viel mehr zu jeder/m einzelnen von euch schreiben, aber das wäre mir doch etwas zu viel, also vielleicht erst einmal das Nötigste. :)

@Christopher
Zitat von: Christopher am 16. März 2022, 15:42:45Wenn du etwas schreibst, das "nur unterhält" aber keinen literarischen "Wert" hat, ist das nichts schlechtes. Und durchaus auch völlig erstrebenswert.
Dazu sagen auch andere im Thread etwas, deswegen gehe ich da erst einmal nicht näher darauf ein, bedanke mich aber für den Input. Bei dem mit der Schulliteratur stimme ich dir auf jeden Fall zu. Ich habe die ganzen Klassiker damals extrem ungerne gelesen, obwohl sie mir heute wahrscheinlich Spaß machen würden. Ich glaube aber, der Grund dafür war eher ein generelles Problem mit der Schule. Ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber bei uns gab es immer einen großen Anpassungs- und einen sehr unproduktiven "Anti-Schule"-Druck. Es war cool, keine Lust auf die Schule zu haben, und natürlich war es auch leicht, keine Lust auf die Schule zu haben; ich weiß nicht, ob es so viel besser funktioniert hätte, uns den Herrn der Ringe lesen zu lassen.

@Malou
Zitat von: Malou am 16. März 2022, 15:53:34Wenn du unzufrieden bist, weil deine Geschichten dir nicht tiefgründig genug sind, ändere das.
Ich glaube, das ist es wahrscheinlich vor allem, was ich tun muss. Jedenfalls jetzt gerade. Im Moment habe ich keine große Lust darauf, James Bond zu schreiben (bei aller Liebe), aber vielleicht geht es mir da irgendwann auch wieder anders. Danke für deine Gedanken. :)

@TinkersGrey
Erleichtert mich irgendwie, dass ich tatsächlich nicht der Einzige bin, dem es mal so ging.
Du hast natürlich Recht, gut zu unterhalten und zum Lachen zu bringen ist nicht banal und sicher nicht jedem gegeben. Mir vielleicht auch nicht, das werde ich wahrscheinlich noch herausfinden - insofern praktisch, dass ich erst 20 bin. Ich danke dir sehr für deine aufmunternden Worte, du hast mich bestätigt und zuversichtlich gemacht. :)

@Rhagrim
Tja, das mit dem Vergleichen ist so eine Sache. Irgendwie ist mein Anspruch ja schon besser zu sein als andere, aber natürlich hast du Recht, das schränkt auch ein... Ich muss da wahrscheinlich ein gewisses Mittelmaß finden, damit ich mich nicht verliere (und authentisch bleibe, was auch immer das wieder genau heißen mag ::)). Ich danke dir auf jeden Fall für das "Do whatever you want". Das macht es einfacher.

@Phlox
Zitat von: Phlox am 16. März 2022, 18:38:41Zu schreiben, was du selber gerne liest - oder gerne lesen würdest - ist ein prima Ausgangspunkt, den du nicht in Frage zu stellen brauchst.
Vielleicht blöd, dass ich vielleicht doch gerne Dostojewskij schreiben würde. ;D Was den Unterschied zwischen E- und U-Literatur angeht widerspreche ich dir, wenn auch vorsichtig. Was mir zum Beispiel schon auffällt, ist dass aktuelle E-Literatur einen anderen Anspruch an Sprache hat als U-Literatur. Die Sprache ist komplexer, gewählter, zwar auch schwieriger, aber oft präziser und deutlich kreativer. Ich habe das Gefühl, U-Literatur benutzt Sprache oft eher dazu, alles möglichst reibungslos darzustellen, und nicht unbedingt dazu, möglichst schön und "perfekt" zu erzählen. Was ältere Literatur angeht, die dann später erst so einen Stempel bekommen hat, hast du aber natürlich Recht, und eine klare Grenze zwischen solchen Kategorien zu ziehen, wäre unmöglich und sowieso Quatsch.

@Wintersturm
Klar, einen unabsichtlichen "Sinn" gibt es immer, und Interpretationsmöglichkeiten ergeben sich, egal was man schreibt. Aber ich glaube, da meine ich etwas anderes. Natürlich kann man in jeder Literatur irgendwelche moralischen Dilemmas lesen, aber es ist ja eine Sache, wenn sie zum Plot gehören wie tausend andere Dinge, oder wenn es tatsächlich genau darum geht. Ob ich den Bettler einfach in den Hintergrund setze und dann mit meinem High-Fantasy Weltretter-Epos weitermache, oder einen Roman über Armut schreibe, sind doch zwei verschiedene Dinge.

@KaPunkt
Einige der Dinge, die du schreibst, würden sich jetzt doppeln, deswegen vor allem zum dritten und vierten Punkt. Ich glaube, was Kunst betrifft, widerspreche ich dir ein bisschen. Kunst kann ja erst einmal alles sein, und es gibt natürlich auch total dumme und uninteressante Kunst. Aber wenn Kunst gut ist, dann zeigt sie doch einen neuen Blickwinkel und regt zum Denken an. Das halte ich doch für wichtig. Ob der Künstler mir dabei seine Überlegenheit beweisen will, ist mir eigentlich egal, solange ich sein Werk gut finde.
Aber was ich aus deiner Nachricht mitnehme, ist das Weitermachen. Anders geht's so oder so nicht, denn diese Lähmung würde ich gern vermeiden. ;D Das nehme ich mir zu Herzen, danke dafür.

@Zauberfrau
Danke erstmal für deine lange und ausführliche Antwort und auch für deine Empfehlung. Ich muss aber leider sagen, dass ich mir eigentlich vorgenommen habe, mich von diesen Schreibratgebern fernzuhalten. ;D Ich habe mich eine ganze Weile viel mit Handwerk beschäftigt und werde vielleicht auch in Zukunft wieder auf das eine oder andere zurückkommen, aber ich glaube, viel bringen tut es (mir) nicht. Meiner Erfahrung nach lernt man schreiben vor allem durch lesen und durch... naja, schreiben. Klar, wenn ich möchte, dass sich mein Text möglichst reibungslos und schnell liest, dann lasse ich "Füllwörter" weg und vermeide "Purple Prose". Ganz wichtig: "Show don't tell" und ja keine "Mary Sue"! Manche dieser Dinge mögen schon sinnvoll sein, aber vielleicht möchte ich auch gar nicht schreiben wie jeder X-Beliebige und habe auch gerade nicht unbedingt vor, von einer Million Leuten gelesen zu werden. Und dann bringt mir das alles schon nicht mehr so viel.
Das heißt natürlich nicht, dass ich dir widerspreche! Es geht immer mehr um das "wie" als um das "was" - eine Idee kann noch so neuartig und genial sein, wenn das Buch schlecht geschrieben ist, und das ist ja deine Hauptaussage. Der stimme ich auf jeden Fall zu. Und danke auch für das "nicht unterkriegen lassen". Ich versuch's! :')

@Ary
Zuletzt auch dir danke für deine empowernden Worte! :)
Manchmal frage ich mich ja, was eigentlich Authentizität ist... bin ich authentisch, wenn ich schreibe, was ich früher geschrieben habe, auch wenn ich damit unzufrieden bin? Oder bin ich authentisch, wenn ich versuche, so zu schreiben, wie ich gerne schreiben würde, auch wenn das eine Veränderung bedeuten würde?  :rofl: Spaß beiseite, ich verstehe natürlich deinen Punkt, und danke dir für die Message. :)

EDIT:
Wow, das war viel. Ich glaube, ich antworte ab jetzt vielleicht nicht mehr auf alle, so schlecht ich mich auch dabei fühle. :P Lesen tu ich aber natürlich alles.

"Ich habe die Schlimmste aller Sünden begangen, die ein Mensch begehen kann. Ich war nicht glücklich." -Jorge Luis Borges, Die Reue

Rhagrim

#11
@KaPunkt
Zitat"Kunst" wird überbewertet. Wenn ich die Wahl zwischen sauberem Handwerk und selbst deklarierter Kunst habe, nehme ich immer das Handwerk. Weil sauberes Handwerk seine Aussagen auf den Leser bezieht, "Kunst" viel zu oft nur die eigene Überlegenheit beweisen will.
und
@Zauberfrau
ZitatOberstes Gebot: Handwerk ist wichtig!
Immer. Und sein Handwerkzeug sollte man kennen! (Wissen, wie Adjektive wirken, wissen, dass Füllworter eher so bäh sind, wissen, dass Dialoge den Text auflockern, aber auch hier immer Konflikte eine Rolle spielen und so weiter...). Es gibt sehr viele Werkzeuge, sehr viele Regeln, die man beachten sollte.

Hm. Ja, aber... Ich möchte dazu gern noch etwas ergänzen. Ich finde auch, dass das Handwerk sehr wichtig ist und das man bei vielen Künstlern den Eindruck gewinnen kann, dass sie nur ihre Überlegenheit präsentieren wollen - beziehungsweise das von uns leicht so wahrgenommen werden kann.
Dass Handwerk wichtig ist und sehr vielen auch als Stütze dienen kann, um das Schreiben zu lernen, stimmt schon. Aber an der Stelle möchte ich einwerfen, dass nicht jeder von uns gleich funktioniert und es - meiner Meinung nach - auch Autoren geben kann und darf, die anders arbeiten und anders lernen.

Ich spreche hier mal nur für mich. Ich habe sowohl beim Illustrieren, als auch beim Schreiben immer wieder mal versucht, Techniken zu erlernen, das Handwerk zu meistern, Theorie zu pauken. Und bei beiden hab ich festgestellt, dass es mir die Freude daran nimmt und die Inspiration regelrecht verpufft, weil ich mich durch all die Regeln und Techniken und allem drum und dran eingesperrt fühle.
Für mich ist das Zeichnen und Schreiben nicht nur Handwerk, sondern auch Kunst und letztere kann ich nur schaffen, wenn ich sie nicht einschränke.
Und das tue ich, wenn ich zu sehr versuche, mir das Handwerk einzuprägen, weil ich dann immer anfange zu zweifeln und alles zu hinterfragen. Weil es sich für mich so anfühlt, als müsste ich alles in diese von vornherein definierte Form pressen, um überhaupt etwas "Gutes" schreiben/zeichnen zu können. Also hab ich das irgendwann mehr oder weniger aufgegeben und arbeite beinahe nur noch intuitiv.
Damit will ich nicht gegen das Handwerk sprechen. Gar nicht. Ich bewundere es, wenn Menschen sich all das erarbeiten, dieses ganze theoretische Wissen im Kopf behalten und reihenweise handwerklich perfekte Geschichten auf die Beine stellen können. Ich könnte es gerne, aber allein bei dem Gedanken daran sträubt sich alles. Macht das meine Arbeiten schlechter?
Ich weiß es nicht. Vielleicht.
Aber ich denke, hier sollte man sich auch wohl die Frage stellen, warum und für wen man schreibt.

Um sich möglichst gut zu verkaufen, von seinen Büchern vielleicht sogar leben zu können und regelmäßig Geschichten zu schreiben, die bei den Menschen gut ankommen? Dann wird das Handwerk eine umso wichtigere Stütze sein, um die man vermutlich nicht herumkommen wird, wenn man dauerhaft erfolgreich sein will.

Oder für sich selbst, weil die Geschichten da sind und geschrieben werden wollen? Weil das Schreiben ein Weg ist, sich auszudrücken, Themen aufzuarbeiten, oder um Ungesagtes, das sonst nur im eigenen Kopf routieren würde, in Worte zu fassen?
Für mich ist es so ein Ventil. Klar würde es mich freuen, wenn das Geschriebene dann auch noch gut ist und begeisterte Leser findet - aber wenn ich mich entscheiden müsste zwischen "So wie es mir am Herzen liegt = Weniger Leser und vielleicht nie davon leben können" und "Gesellschaftstauglicher und leichter zu veröffentlichen = Mehr Leser und erfolgreicher" .... dann freu ich mich über die 3 Leser, die ich vielleicht mal haben werde und die sich für die Geschichte begeistern können. ^^


@Der Inspektor
Das meine ich auch mit authentisch sein. Egal, ob du schreibst um Erfolg zu haben, ob nur für dich selbst, oder ob du versuchst, beides zu verbinden. Schreib, was du schreiben möchtest. Über die Themen und auf die Art und Weise, wie du sie schreiben möchtest. Egal, ob sie gerade in und besonders mainstreamtauglich sind, oder nicht. Egal, ob du Angst hast, vielleicht schiefe Blicke zu ernten.
Lass dich nicht einschüchtern, oder dich dazu drängen, aufgrund von gesellschaftlichen Normen oder äußerer Erwartungen Dinge zu schreiben, die dir vielleicht unangenehm sind, oder dich nicht interessieren.
Lass dich von deinen eigenen Ideen begeistern, ohne sie zu rechtfertigen und ohne dich zu fragen, ob das jetzt Sinn macht. Jetzt tut es das offenbar. Und selbst wenn du dir deine jetzigen Geschichten in 10 Jahren nochmal durchliest, dir die Hände über dem Kopf zusammenschlägst und dir denkst "omg, was hab ich mir dabei denn gedacht?  :d'oh:"  ....  ;D Ich glaub, das haben wir alle hinter uns.
"No tree can grow to Heaven unless it's roots reach down to Hell."
- C.G. Jung

Fianna

Ich denke ähnlich KaPunkt: Unterhaltungsliteratur und "sinnvolle Botschaften" schließen sich nicht aus. Zum Beispiel, dass man sich Gruppendruck nicht beugen muss, dass man feste Meinungen / Weltanschauungen überdenken und neu bewerten kann oder dass queere Figuren in der Geschichte existieren ohne dass sie Diskriminierung erfahren "müssen".

Viele Leute, die nur zur Unterhaltung schreiben, haben solche Dinge als Aussage in ihren Geschichten.
Jede Geschichte kann mehr sein als bloße Unterhaltung.

Mondfräulein

Ich halte erst einmal nicht viel von der Unterscheidung zwischen anspruchsvoller Literatur und Unterhaltungsliteratur. Eine Folge davon ist, dass ganze Genres oder Erzählweise grundsätzlich abgewertet werden. Häufig trifft das Genres, die vor allem von Frauen gelesen oder geschrieben werden oder von Frauen handeln. Die Unterscheidung erscheint mir außerdem komplett willkürlich. Fantasybücher gelten grundsätzlich nicht als anspruchsvolle Literatur, aber konsequent ist man da auch nicht, weil man Murakami dann zum Beispiel auch wieder eher unter "richtiger Literatur" einsortiert, obwohl das auch Fantasy ist. Und darf anspruchsvolle Literatur nicht unterhalten? Darf Unterhaltungsliteratur keine ernsten Themen behandeln? Viele Romane, die die Literaturkritik eher als Unterhaltungsliteratur einstufen würde, tun das doch. Insgesamt finde ich das absolut nicht hilfreich. Die Unterscheidung ist außerdem eher deutsch und zum Beispiel im englischen Literaturmarkt so nicht vorhanden soweit ich weiß.

Ebenso würde ich nicht zwischen anspruchsvoller und populärer Literatur unterscheiden. Anspruchsvolle Literatur kann durchaus populär sein. Dostojewskis Romane sind ursprünglich als Fortsetzungsromane in Zeitschriften erschienen, er hat nicht nur für eine kleine, elitäre Gruppe geschrieben sondern schon für ein breiteres Publikum. Die Cliffhanger und Spannungsbögen, die Dostojewski gut lesbar und zugänglich machen, entstammen eben eher der Unterhaltungsliteratur, denn sie sollen wortwörtlich unterhalten. Shakespeares Publikum war nicht nur die Oberschicht, sondern auch die gesamte Mittelschicht. The Hunger Games halte ich immer noch für eine der cleversten und vielschichtigsten Dystopien, die es so gibt. The Song of Achilles ist super populär, auch bei jungen Leuten, und in seinen Themen und Figurenkonstellationen definitiv ziemlich komplex, der Schreibstil ist sehr lyrisch.

Was macht einen Roman jetzt also zur ersten Literatur und was zur Unterhaltungsliteratur? Darf ernste Literatur nicht unterhalten? Dann zählt Dostojewski eindeutig auch nicht dazu. Ist Unterhaltungsliteratur einfach schlechtere Literatur ohne Anspruch? Die Denkweise finde ich gefährlich. Der Schreibstil? Das finde ich auch schwierig. Ein Schreibstil ist erstmal nur ein Schreibstil und was man da mag ist ganz ehrlich auch Geschmackssache. Ich mochte The Invisible Life of Addie LaRue sehr gerne und finde das Buch wahnsinnig komplex und wunderschön geschrieben, andere kommen mit dem Stil gar nicht klar. Du schreibst:

ZitatDie Sprache ist komplexer, gewählter, zwar auch schwieriger, aber oft präziser und deutlich kreativer. Ich habe das Gefühl, U-Literatur benutzt Sprache oft eher dazu, alles möglichst reibungslos darzustellen, und nicht unbedingt dazu, möglichst schön und "perfekt" zu erzählen.

Was macht einen komplexen Schreibstil aus? So wie du das beschreibst, meinst du damit einen Schreibstil, der schwieriger zu lesen ist, viele Metaphern, Sinnbilder, langer und komplexer Satzbau, ungefähr so? Das finde ich aber auch schwierig. Sprache ist unser Werkzeug. Ein eher "simpler" Schreibstil, der alles reibungslos darstellen will, kann manchmal auch zielführend sein. Nicht jeder Schreibstil passt zu jeder Figur und zu jeder Geschichte. Am Wichtigsten ist, dass wir bewusst entscheiden, welche Wirkung wir erzielen wollen und unseren Stil entsprechend anpassen. Aber letztendlich hat jeder von uns wahrscheinlich einen individuellen Schreibstil, der zum Großteil auf individuellen Vorlieben beruht und das ist letztendlich auch nicht mehr als das: eine Vorliebe. Snickers ist nicht automatisch besser als eine Tafel Milchschokolade, manche mögen eher das eine, manche mögen eher das andere.

Besonders weil du Dostojewski als Beispiel nimmst: Wenn wir uns sprachlich aus dem germanisch-romanischen Sprachraum fortbewegen, finde ich es irgendwann schwierig, einen Schreibstil zu beurteilen. Englisch ist Deutsch vom Aufbau her immer noch sehr ähnlich, aber wenn wir Bücher lesen, die zum Beispiel aus dem japanischen übersetzt wurden, weiß ich manchmal nicht, inwieweit ich den Schreibstil überhaupt beurteilen kann, weil das im Original bestimmt nochmal ganz anders klingt. Japanisch als Sprache funktioniert einfach vollkommen anders als Deutsch. Bevor ich sage, dass mir ein Schreibstil nicht gefällt, denke ich mir, dass das auch an der Übersetzung liegen könnte und dass ich nicht beurteilen kann, wie ein Buch im Original wirkt, bevor ich es nicht im Original lese. Ich lese trotzdem sehr gerne übersetzte Bücher, aber dessen muss man sich glaube ich einfach bewusst sein. Und genauso wie verschiedene Sprachen anders funktionieren, gibt es mehr Erzählkonventionen als die westliche. Im deutschsprachigen und englischsprachigen Literaturmarkt ist man sehr an westliche Erzählkonventionen gewöhnt, das betrifft sowohl Struktur als auch Stil. Das hat ebenfalls einen Einfluss.

Wer beurteilt, wie gut ein Buch ist und wie man es einordnen soll, spielt auch eine Rolle. Wenn die Literaturkritik zum Beispiel vor allem weiß, männlich, heterosexuell und über 50 ist, dann werden dieser Kritiker sich von Büchern, die sich vor allem an junge Mädchen zwischen 13 und 16 wenden, nicht angesprochen fühlen (kommt natürlich auch darauf an, ob sie sich davon angesprochen fühlen wollen oder ob sie das einfach aus Prinzip abwerten, weil unsere Gesellschaft weibliche Teenager und alles was sie mögen einfach grundsätzlich gerne abwertet). Was bedeutet das? Haben 13 bis 16 jährige Mädchen nicht auch ihre eigenen Bücher verdient? Sind ihre Probleme, Gedanken und Gefühle weniger wichtig?

Müssen Bücher anspruchsvoll sein? Ehrlich gesagt nicht. Manche Bücher wollen einfach nur unterhalten und das ist auch okay. Es ist nichts daran auszusetzen, einen schnulzigen Liebesroman zu lesen, einfach weil man Lust drauf hat und sich wohlfühlen will. Ich habe solche Bücher auch. Es ist okay, sich beim Lesen unterhalten lassen und sich nicht mit anspruchsvollen Themen auseinandersetzen zu wollen. Es ist okay, einfach nur Spaß haben zu wollen. Es ist okay, beim Lesen nicht nachdenken zu wollen. Aber es ist genauso okay, anspruchsvolle Bücher lesen und schreiben zu wollen. Ich mag das persönlich auch lieber, aber gleichzeitig müssen wir aufpassen, was wir aus welchen Gründen abwerten, weil die Art, wie bestimmte Erzählweisen, Genres und Geschichten in unserer Gesellschaft seit Jahrzehnten abgewertet werden ziemlich toxisch ist. Uns das bewusst zu machen ist der erste Schritt, diese Muster zu durchbrechen.

Insofern: Was macht einen anspruchsvollen Roman aus? Aus deinem ersten Post lese ich heraus:
- ein Thema, an dem sich alles andere orientiert
- komplexe Figuren
- gesellschaftlich relevante Fragestellungen

John Truby geht in The Anatomy of Story ausführlich darauf ein, wie man das Thema seiner Geschichte herausarbeiten kann. Grob zusammengefasst: Finde das Thema der Geschichte und arbeite heraus, wie jede Figur eine andere Weise darstellt, mit diesem Thema umzugehen, nicht nur Protagonist*in und Antagonist*in, dadurch vermeidest du, eine platte Geschichte zu schreiben, in der es nur Gut und Schlecht, Gut gegen Böse gibt. Dann bring die unterschiedlichen Herangehensweise in Konflikt miteinander. Ein gutes Beispiel dafür ist The Haunting of Hill House. Jede Figur hat irgendwie mit Trauma zu kämpfen und stellt eine andere Art dar, mit Trauma umzugehen. Das war einer der Aspekte, der von Kritiker*innen und Fans immer wieder positiv hervorgehoben wurde. Und was uns das alles auch zeigt: Eine Geschichte mit Tiefgang zu schreiben, die komplexe Thematiken von unterschiedlichen Seiten beleuchtet, ist kein Hexenwerk, sondern letztendlich auch wieder nur Teil des Handwerks. Wie man das umsetzen kann, ist etwas, mit dem sich viele schon auseinandergesetzt haben und das man genauso erlernen kann wie andere Aspekte des Handwerks.

The Anatomy of Story hat mir viele hilfreiche Anregungen gegeben, in einigen Punkten stimme ich aber nicht zu. Aber genauso würde ich dir auch empfehlen, an Schreibratgeber heranzugehen: Lies sie und nimm mit, was dir hilft, was nicht, das lass liegen. Viele stellen zu viele "Regeln" als universell dar, obwohl es einfach nur darum geht, zu lernen, womit ich als Autorin welchen Effekt erzielen kann. Ich würde nie empfehlen, mich dogmatisch daran zu halten. Aber ich würde trotzdem empfehlen, sie zu lesen, weil sie ungemein helfen, ein Verständnis für das Handwerk zu entwickeln. Es geht nicht darum, sich daran zu halten und am laufenden Band Bestseller zu produzieren, die alle austauschbar und gleich sind. Das mit den Adjektiven ist glaube ich ein gutes Beispiel. "So wenig Adjektive wie möglich" ist eine Regel, die am Anfang vielleicht hilft, aber letztendlich geht es nicht darum, alle Adjektive zu streichen, sondern zu verstehen, wann ein Adjektiv welchen Effekt hat, wann es nötig ist und wann nicht, wann es den Text besser macht und wann schlechter, damit man irgendwann selbst beurteilen kann, welches Adjektiv mich dahin bringt, wo ich mit meinem Text hin möchte, und welches nicht. Um deinen eigenen Stil zu entwickeln, musst du vor allem verstehen, was du da warum machst und was warum welche Wirkung auf die Leser*innen hat. Und dafür sind Schreibratgeber oft extrem hilfreich. Wenn ich das Grundhandwerk beherrsche und die Regeln kenne, kann ich jede einzelne von ihnen brechen, um genau den Effekt zu erzielen, den ich haben will, aber dafür muss ich das Handwerk eben wirklich erstmal erlernen.

KaPunkt

Zitat von: Der Inspektor am 17. März 2022, 09:55:36

@KaPunkt
Einige der Dinge, die du schreibst, würden sich jetzt doppeln, deswegen vor allem zum dritten und vierten Punkt. Ich glaube, was Kunst betrifft, widerspreche ich dir ein bisschen. Kunst kann ja erst einmal alles sein, und es gibt natürlich auch total dumme und uninteressante Kunst. Aber wenn Kunst gut ist, dann zeigt sie doch einen neuen Blickwinkel und regt zum Denken an. Das halte ich doch für wichtig. Ob der Künstler mir dabei seine Überlegenheit beweisen will, ist mir eigentlich egal, solange ich sein Werk gut finde.
Aber was ich aus deiner Nachricht mitnehme, ist das Weitermachen. Anders geht's so oder so nicht, denn diese Lähmung würde ich gern vermeiden. ;D Das nehme ich mir zu Herzen, danke dafür.

@Zauberfrau
Danke erstmal für deine lange und ausführliche Antwort und auch für deine Empfehlung. Ich muss aber leider sagen, dass ich mir eigentlich vorgenommen habe, mich von diesen Schreibratgebern fernzuhalten. ;D Ich habe mich eine ganze Weile viel mit Handwerk beschäftigt und werde vielleicht auch in Zukunft wieder auf das eine oder andere zurückkommen, aber ich glaube, viel bringen tut es (mir) nicht. Meiner Erfahrung nach lernt man schreiben vor allem durch lesen und durch... naja, schreiben. Klar, wenn ich möchte, dass sich mein Text möglichst reibungslos und schnell liest, dann lasse ich "Füllwörter" weg und vermeide "Purple Prose". Ganz wichtig: "Show don't tell" und ja keine "Mary Sue"! Manche dieser Dinge mögen schon sinnvoll sein, aber vielleicht möchte ich auch gar nicht schreiben wie jeder X-Beliebige und habe auch gerade nicht unbedingt vor, von einer Million Leuten gelesen zu werden. Und dann bringt mir das alles schon nicht mehr so viel.
Das heißt natürlich nicht, dass ich dir widerspreche! Es geht immer mehr um das "wie" als um das "was" - eine Idee kann noch so neuartig und genial sein, wenn das Buch schlecht geschrieben ist, und das ist ja deine Hauptaussage. Der stimme ich auf jeden Fall zu. Und danke auch für das "nicht unterkriegen lassen". Ich versuch's! :')


Ich habe mich bewusst kurz gefasst und über Kunst, was Kunst ist und nicht ist ließe sich noch viel mehr sagen und natürlich ist sehr viel Kunst sehr großartig und trifft an Stellen, an die nichts anderes herankommt.
Ich glaube, was ich sagen möchte ist: "Versuch nicht, unbedingt Kunst machen zu wollen", oder eher "Versuch nicht krampfhaft, ganz besonders beeindruckend oder heraussragend oder besonders zu sein" sondern einfach, versuch zu teilen, was dir wichtig ist.

Diese Schreibratgeber sind nicht verpflichtend. Vor allem enthalten sie nicht die einzig selig machende Wahrheit. Sie können nützliche Werkzeuge vermitteln und ein paar Dinge deutlich machen, die man zwar auf einer Gefühlsbene bemerkt, aber nicht recht definieren kann.
Dass müssen auch nicht Bücher sein. Kurse, Blogs, Youtube, dieses Forum, mit anderen Autoren reden, sind da ebenso nützlich. Was Mary Sues angeht, bin ich zum Beispiel schon wieder anderer Meinung und frag meinen Lektor mal nach Adjektiven, oder Verben, in meinen Texten. ;)
Aber es ist gut, diese Regeln zu kennen, um dann frei entscheiden zu können, ob man sie anwenden will.
Aber ich denke, wir meinen grundsätzlich schon das gleiche.  :)

@Rhagrim Ich wollte dir oder irgendjemanden wirklich nicht den Prozess absprechen, der für dich / euch funktioniert! Ich will auch nicht sagen, dass man das Handwerk befolgen muss. Und wenn man verkrampft, weil man glaubt, dass alles immer genau nach Rezept machen zu müssen, dann ist das einzig richtige, den Wekzeugkasten über Bord zu werfen.  :vibes:
Ich denke nur, dass Wissen über Techniken, Strukturen, Effekte, niemals schadet, solange man auch lernt, frei damit zu spielen. Das Handwerk soll bitte nicht einengen, sondern 1. Neue Möglichkeiten zeigen und 2. Erklären, warum was wie funktioniert. Was man mit diesem Wissen anstellt, bleibt jedem selbst überlassen.

Und @Inspektor schien an einem Punkt zu sein, an dem er wissen möchte, wie er seinen Arbeiten mehr Tiefe und bleibenden Eindruck verleihen kann, und dazu gehören ein paar handwerklich grundsätzliche Dinge wie: "Was ist das Thema der Geschichte?" "Wie hängen äußere und innere Entwicklung zusammen" "Wie spiegelt sich das Thema in der Handlung (und in den Nebenhandlungen)"

Liebe Grüße,
KaPunkt
She is serene
with the grace and gentleness of
the warrior
the spear the harp the book the butterfly
are equal
in her hands.
(Diane di Prima)