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Wenn der Zweifel an die Tür klopft

Begonnen von Alaun, 06. August 2009, 09:47:55

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Aljana

Und nicht zuletzt braucht der Kopf auch einfach Pause von dem ewigen Gedanken, man müsse was Weltbewegendes Schreiben. Ich hab mich die letzten Wochen auch ganz schön gequält. Dann musste mein Laptop in die Reparatur. Ich hatte zwar das Bedürfnis und den Drang was machen zu müssen, aber gar nicht die Möglichkeit. Also hab ich mich wieder meinem Leben gewidmet und grad seit gestern steht die Muse wieder da mit dem Köfferchen in der Hand und fragt, ob sie wieder einziehen darf.
Wie Fee schon sagt, manchmal muss man einfach leben, um dann was erzählen zu können oder um einfach einen neuen Blickwinkel zu kriegen.

Gabryel

Wenn mich die Zweifel treffen, steck ich oft erstmal den Kopf in den Sand. Im Sinne von: Ich mach alles zu, spiele PC-Spiele, räume die Wohnung auf oder gehe ein anderes Projekt an (nähen, basteln, Brownies backen) ... und dann heule ich mich an einer Schulter aus, wahlweise die einer Freundin oder meines Mannes, wie schlecht ich bin und wie viel besser andere sind. Die nehmen mich meistens kurz in den Arm, geben mir dann einen Klaps auf den Hinterkopf und sagen mir, dass ich üben soll statt rumzuheulen. Und dass es doch gar nicht so schlecht ist, ich nur dies und das und jenes verbessern muss. Das mache ich dann schlechtgelaunterweise, da ich viel lieber zocken oder schlafen würde, aber am Ende ist das Ergebnis besser, als es vorher war. Das hilft mir über die Selbstzweifel und Blockaden gut hinweg.

Wahlweise, wenn keine Schulter zur Verfügung, schmeiße ich alles in die Luft wie Konfetti und vergrabe mich für ein, zwei Wochen. So lange unproduktiv zu sein macht mich meistens so fertig, dass ich dann doch wieder rausgekrochen komme und weitermache.

@ Assantora: Es gibt in einem meiner Lieblingsfilme aus der Kindheit (Kikis Delivery Service) ein Gespräch zwischen einer Malerin und der kleinen Hexe. Die Hexe hat von ihrer Mutter eigentlich nur das Fliegen mit dem Besen gelernt, und auch das mehr schlecht als recht - und als sie jetzt mit neuen Lebenssituationen konfrontiert ist, funktioniert es plötzlich nicht mehr. Sie versucht's und versucht's, zerbricht am Ende sogar den Besen ihrer Mutter, schnitzt einen neuen Stiel und versucht es wieder - ohne Erfolg. Und sie fragt die Malerin nun: Was tust du, wenn du nicht mehr malen kannst? Und sie antwortet: Ich hör auf. Ich mache Spaziergänge, ich gehe einkaufen, ich lese Bücher und denke nicht mehr ans Malen. Und irgendwann sehe ich dann etwas, das will ich malen, und dann fange ich wieder an.
Wieso stresst es dich so, dass du nicht schreiben kannst? Was fehlt dir daran? Lebst du davon? Wenn du nur für dich selber schreibst und keine Erfüllung mehr darin findest, ist es sicher nicht hilfreich, dich in Projekten zu verbeißen.

Vielleicht musst du es nicht als Zwangspause sehen, sondern richtig Abstand nehmen? Angefangene Projekte rümpeln dein Unterbewusstsein zu,  du fühlst dich im Zugzwang, weil andere weitermachen, und dir fehlt vermutlich Feedback. Ich an deiner Stelle würde damit anfangen, etwas zu tun, was mir Spaß macht; lesen, Filme sehen, Spiele spielen, mich mit Leuten unterhalten. Wenn das Schreiben in deinem Blut liegt, dann wird es sich wieder melden. Wie FeeamPC schon sagt: Manchmal dauert es eben länger als man denkt.

Nachtblick

Tja, ich habe jetzt mit meinem Debüt gleich mit einer sehr langen, sehr sorgfältigen 1-Sterne-Kritik eröffnet, deren Fazit lautete, dass ich ein gewaltverherrlichender Mensch bin, den man nicht nachts treffen will, und dass man das Buch nicht mal als Tischstütze tauge. Das muss man halt auch erstmal hinkriegen. Was macht man denn jetzt so am besten damit?

Sprotte

Oh, ich bin unfähig, mein Roman nur ein Versuch. Es tut weh, aber ich versuche, es zu ignorieren. Mein Fantasy-Debüt Arrion hat auch was vergleichbar Vernichtendes kassiert.

Nachtblick

Ich frag mich jetzt halt doch dreimal, ob es eben doch nur meine Freunde und Familie mögen. Klar, es sind auch einige grundlegende Punkte dabei, wo ich jetzt sagen kann, die hat das Buch eben gar nicht verstanden, so wie ich es gemeint habe, aber puh ... das ist erst der Anfang, was, wenn das so weitergeht?

Grummel

Zitat von: Nachtblick am 07. September 2016, 21:17:05
Tja, ich habe jetzt mit meinem Debüt gleich mit einer sehr langen, sehr sorgfältigen 1-Sterne-Kritik eröffnet, deren Fazit lautete, dass ich ein gewaltverherrlichender Mensch bin, den man nicht nachts treffen will, und dass man das Buch nicht mal als Tischstütze tauge. Das muss man halt auch erstmal hinkriegen. Was macht man denn jetzt so am besten damit?

Hallo Nachtblick. Ich kenne das Buch nicht aber habe ein ganz schlechtes Gefühl bei dieser Rezension. Ist nur so eine Meinung, ein Gefühl halt... aber will dir evtl. jemand schaden? Die / der Rezensent hat extrem ausführlich und extrem ausufernd so ziemlich alles nieder gemacht, was du geschrieben hast. Extrem fundiert und extrem bildhaft. Wie von einem Autor geschrieben. Das ist keine Rezension, sondern eine Kurzgeschichte. Die Rezensentin hat genau diese eine Rezension geschrieben oder für diese Rezension einen neuen Account gemacht. Das ist bei dieser Ausführlichkeit nicht normal. Für mich stinkt das zum Himmel. Ist aber nur meine Meinung. Wie gesagt, ohne das Buch zu kennen. Evtl. liege ich ja auch falsch und dein Buch ist grottenschlecht... aber das glaube ich einfach nicht.  :knuddel:
"Kaffee?"
"Ja, gerne."
"Wie möchtest du ihn?"
"Schütte ihn mir einfach ins Gesicht!"

Alana

#831
Erst mal Ruhe bewahren. Es ist natürlich sehr gemein, wenn man gerade bei der allerersten Veröffentlichung als erstes gleich so eine Kritik bekommt. Aber es ist nur eine Kritik und jeder bekommt schlechte Kritiken. Du hattest einfach Pech, dass du die gerade als erste bekommen hast. Was ich machen würde? Klar nehme ich sowas schon ernst und frage mich, habe ich Mist verzapft oder habe ich halt den Geschmack dieser Person nicht getroffen? Aber von einer einzigen Rezension kann man da einfach nicht ausgehen. Also wäre mein Rat: versuche möglichst schnell an die Meinung anderer, unbeteiligter Leute zu kommen. Eine gute Möglichkeit ist eine Leserunde auf Lovelybooks oder auch Leserunden.de etc. Allerdings sind die Leser dort auch sehr kritisch, das sollte einem klar sein. Wahrscheinlich löst sich dadurch alles in Wohlgefallen auf und du bekommst einen Haufen gute Rezensionen und positive Rückmeldungen. Sprich doch mal mit deinem Verlag, was es für Möglichkeiten gibt.
Alhambrana

gbwolf

Zitat von: Nachtblick am 07. September 2016, 21:17:05
Was macht man denn jetzt so am besten damit?
Ignorieren. Am besten gar nicht lesen.

Im schlimmsten Fall hat der Verlag dich für eine Zielgruppe beworben, zu der das Buch nicht passt. Wahrscheinlicher ist, dass es eine Rezensentin bekommen hat, die es einfach nicht ausstehen kann. Wenn ich Bücher nicht ausstehen kann, bzw., wenn ich mich auf jeder Seite über vergebene Chancen aufrege, mit denen eine Autorin - meiner Meinung nach - ein grandioses Buch hätte schreiben können, dann spornt mich das so richtig an, eine ausführliche Kritik zu schreiben. Und da gibt es halt Leute, die über die Stränge schlagen. Wer weiß schon, ob es ein Geltungsbedürfnis des Rezensenten ist, oder blanke Wut auf jeder Seite ... entweder hat dieser Rezensent ein falsches Ehrgefühl und denkt, er müsse ein Buch lesen, das er für eine Rezension bekommen hat, obwohl er es nicht mochte, oder er war dann doch gefangen, wie in einer Art Freakshow, geschüttelt von seiner eigenen Abscheu - und konnte nicht aufhören zu lesen.  :snicker:

Warte die nächsten Rezensionen ab und vor allem die Verkaufszahlen. Jugendbücher spielen sich großteils auf den Tischen der Buchhandlungen ab. Meine App hat sich gar nicht so schlecht verkauft, existiert im Internet aber quasi nicht.

gbwolf

@Alana : Lovelybooks wäre für diesen Roman eher nicht die Adresse, die ich wählen würde. Lieber den Verlag und die ehemalige Schule fragen, ob man es im Deutsch-LK als Klassenlektüre haben möchte oder mal den Agenten darauf ansetzen, die Vorbestellerzahlen aus dem Verlag herauszukitzeln.

Alana

#834
Ich gewöhne mir das Nicht-Lesen gerade an. Das macht das Leben sehr viel leichter. Also als Langzeitstrategie würde ich das ganz unbedingt auch empfehlen. :) Wobei ich schon versuche, mir ein Bild zu machen, was den Lesern gefallen hat und was nicht, und was davon nur Geschmack ist oder wo ich mich wirklich verbessern könnte. Aber das geht wie gesagt mit einer einzelnen Rezension absolut nicht, sondern das sind eher Dinge, die man aus einem Querschnitt der Rezensionen herauslesen kann, wenn mehrere Leser das gleiche Detail als nicht gut beschreiben. (Und dann muss man sich immer noch überlegen, was man mit dieser Erkenntnis anfängt. Bei Seelenmagie 3 zum Beispiel sagen einige, dass sie den großen Twist vorhergesehen haben, aber das, was sie meinen, war gar nicht als Twist gedacht, sondern mit Absicht ausgehend von Band 2 als vorhersehbar angelegt, weil es eigentlich um was ganz anderes geht. Fazit: Ich hätte es wohl besser machen können, dass die Leser nicht denken, das wäre der große Twist.) Zumal es ist, wie Nadine schreibt, manchmal schaukelt sich das hoch, vielleicht war der Leser auch in der falschen Stimmung für das Buch. Ist bei mir oft so, dass ich es im Februar doof und langweilig finde und im November lese ich es dann fertig und liebe es. :P

@Nadine: Ach ich weiß nicht, auf LB gibt es gerade einige Bücher, die mehr in Richtung E-Literatur gehen, auch Jugendbücher in der Art. Aber so genau hab ich da natürlich noch nicht recherchiert. :)
Alhambrana

Valkyrie Tina

Ich stimme Grummel zu. Die Rezension ist buchstäblich so lang wie eine Kurzgeschichte, 3000 Wörter, 20000 Zeichen! Da hat sich jemand wirklich für Stunden hingesetzt um das zu verfassen. Du hast also auf jeden Fall einen Nerv getroffen. Entweder du hast mit dem Buch so starke Gefühle ausgelöst, dass jemand sein eigenes Epos verfassen musste, um sein seelisches Gleichgewicht wiederzufinden (hab ich in der Oberstufe mit Kafka gemacht, irgendwo müssen die Geschichten noch liegen), oder aber... jo, es geht um was Anderes. Ist denn bekannt, wer hinter dem Pseudonym steht?

Aber egal, ob du der persönliche Kafka von jemandem geworden bist, oder nur mal jemanden angepisst hast - ich glaube nicht, dass du deswegen deine Fähigkeiten als Autorin bezweifeln solltest. Was du damit machen sollst? Ignorieren. Oder selbst ein paar Rezensionsexemplare rausgeben, evtl. in Zusammenarbeit mit dem Verlag. Einfach, damit ein paar andere Stimmen reinkommen. Ansonsten - ich drück dich! Egal, was es war, da hat jemand richtig reingehauen, und sowas tut weh.  :knuddel:

gbwolf

Zitat von: Alana am 07. September 2016, 21:53:24
Wobei ich schon versuche, mir ein Bild zu machen, was den Lesern gefallen hat und was nicht
Ja, ich auch. Da kommt es auch auf die Zielgruppe an. Gerade bei Liebesromanen habe ich das Gefühl, Leserinnen halten gerne Kontakt zu Autorinnen und tauschen sich stark über das Internet aus. Wenn ich weiß, dass 80%-90% der Verkäufe über die Buchhandlung gehen und ich offline von ganz normalen Lesern die Rückmeldung bekomme, dass sie ein paar unterhaltsame Stunden hatten, dann linse ich in Rezis nur rein - Rezensionen dienen ja vor allem den Lesern dazu, sich untereinander auszutauschen und Empfehlungen auszusprechen.

Zitat von: Alana am 07. September 2016, 21:53:24Ist bei mir oft so, dass ich es im Februar doof und langweilig finde und im November lese ich es dann fertig und liebe es. :P
Alana, ich will ein T-Shirt mit dem Spruch von dir!  :rofl: Ja, ob ja, das trifft auf mich so voll und ganz zu!

@Valkyrie: Da sagst du was, mit den Emotionen! Wenn man die trifft, hat man einiges geschafft und gerade solche Rezensionen spornen Leser an, sich mit dem Buch zu beschäftigen und darüber zu sprechen.

Nachtblick

Danke euch allen, Leute, das macht es etwas besser! :knuddel: Ich muss erstmal ein Glas Wasser trinken, Gott. Ich bin leider ganz schlecht darin, nicht zu lesen, was Leute über mich sagen. Ich versuche mir das zumindest bei den Verrissen vielleicht angewöhnen, aber ich will auch damit klarkommen können, wenn jemand mir sowas hinknallt. Ich bin eh nicht gut mit Kritik, will mich dann immer rechtfertigen, gerade hier, wo ich finde, dass zumindest ein oder zwei Dinge ziemlich weit hergeholt sind. Die Kritik daran, dass einer der Charaktere, Nachfahre deutscher Immigranten, Schill heißt, was Amerikaner nicht aussprechen können oder könnten, halte ich doch für etwas abenteuerlich.

@Grummel: Die Verschwörungstheorie hat mich am meisten aufgeheitert. :knuddel: Ich würde das ja glatt so unterschreiben, aber ich wüsste leider speziell niemanden, der mich hasst, jedenfalls nicht genug für diese doch sehr leidenschaftlichen Textwall. Da hat sich ja wer wirklich Mühe gegeben. Das mit dem Account nur für diese Rezension wundert mich auch ein bisschen und auch der generische Name, aber ich weiß wirklich nicht, wer das sein könnte außer eventuell die gleiche Person, die sich bei mir beschwert hat, dass die einzig bisexuelle Figur im Buch der Antagonist ist.

@Alana: Im Oktober habe ich eine Leserunde auf Leserunden.de, aber da bin ich zum Beispiel auch persönlich dabei und kann etwas erklären, auch wenn ich das natürlich eigentlich nicht müssen sollte.

@Nadine: Ich beschwere mich in Rezensionen auch gern ausgiebig, aber so lang und so vernichtend habe ich es selbst noch nicht geschafft. Ich wüsste halt schon gern, was die Person gut findet. Aber ja, ich versuche, abzuwarten und hoffe, dass sich bis zur Buchmesse da ein bisschen was tut, da bin ich dann auf dem Bloggertreffen, das tut vielleicht dem Buch nochmal gut.

Und ich hoffe natürlich, dass meine Mutter mir jetzt keine Gegenrezension schreibt ;D

Alana

#838
@Nadine: Genau so mache ich es inzwischen auch. Ich kriege über Facebook so viele Nachrichten von Lesern, dass sie meine Bücher mochten und das hilft mir sehr, denn leider schreiben die meisten dieser Leser keine Rezensionen und das verzerrt das Bild der Rezensionen manchmal. Ganz extrem ist das bei einem meiner Erotikromane, das ist das Buch, für das ich in der Regel die meisten begeisterten privaten Nachrichten bekomme, aber auf den gängigen Plattformen ist es mein Buch mit den kritischsten und schlechtesten Rezensionen, auch wenn es zum Glück trotzdem noch einen guten Schnitt hat. Anfangs habe ich mir die schlechten Rezensionen sehr zu Herzen genommen. Mittlerweile kann ich mich durch diese Zuschriften von Lesern meist davon abhalten, die schlechten Rezensionen zu lesen, was mir wirklich sehr gut tut. Es wäre also auf jeden Fall auch eine gute Strategie, Wege zu schaffen, auf denen einen die Leser erreichen könnten, falls es die noch nicht gibt. (Facebook, Twitter etc.)

@T-Shirt: Unbedingt. ;D

@Nachtblick: Abgesehen von der Überlegung, sich vielleicht noch andere Meinungen einzuholen, möchte ich noch mal meinen Buchtipp anbringen, der mir das Leben wirklich leichter gemacht hat:

Resilience https://www.amazon.de/Resilience-Rejection-Criticism-Success-English-ebook/dp/B009V37U1Y/

Ein Seelenstreichler und Notfallhelfer für alle kreativ Tätigen. :)

Alhambrana

Angela

Ich warte ja selbst noch auf meinen ersten 'Niedermacher', aber deine Rezi hat mich schon umgehauen, Nachtblick. Normal finde ich die von der Länge absolut nicht. Wie Grummel vermute ich da eher einen persönlichen/versteckten Grund. Lass dich  :knuddel:.