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Wer sich als Fantasyautor outet...

Begonnen von Moni, 01. Januar 1970, 01:00:00

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Goldrabe

Obwohl ich eigentlich sehr zurückhaltend bin, habe ich ziemlich früh meinem Umfeld erzählt, dass ich schreibe. Es wurde auch durchweg positiv aufgefasst. Niemand hat mich dafür belächelt, dass es sich um Fantasy handelt. Da kam überhaupt nichts Negatives rüber. Vielleicht liegt es daran, dass ich von Beginn an ganz deutlich gesagt habe, wie wichtig mir das Schreiben ist. Die meisten haben das dann verstanden und mich ermutigt, weiter zu machen. Das hat mir ziemlich geholfen.

Zitat von: Brillenkatze am 24. März 2022, 18:58:46
Und im Büro weiß keiner, dass ich schreibe. Vielleicht spreche ich es demnächst doch einfach mal an und schaue, was passiert.  8)
Das habe ich gemacht und auch hier haben es alle toll gefunden. Allerdings glaube ich, dass ich es da viel zu früh erzählt habe. Die wenigsten Kollegen verstehen etwas vom schriftstellerischen Handwerk und haben keine Vorstellung davon, dass es durchaus Jahre dauern kann, bis das erste Manuskript veröffentlichungsreif ist (So ist das zumindest bei mir, mit meinen Ansprüchen). Nach einer gewissen Zeit hat es dann angefangen, dass einige immer wieder gefragt haben, wann ich denn endlich fertig werde. Der Unterton dabei war unmissverständlich...

Noch etwas später kamen dann die Witze und Sprüche hinzu:
,,Schreibst du ein Lebenswerk?"
,,Wie viel Seiten schriebst du... eine millionen?"
,,Wann ist dein Buch fertig... wenn du in Rente gehst?"
,,Wie viele Bücher willst du in deinem Leben schreiben... ein halbes?"
Ist natürlich alles nicht böse gemeint, nervt aber irgendwann und vermittelt mir das Gefühl, zu langsam zu sein. Mittlerweile werde ich sogar schon vom Geschäftsführer im Personalgespräch gefragt, wie weit ich mit meinem Manuskript bin... unangenehm
   
Mit Fantasy habe ich auf der Arbeit aber auch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Niemand hat unser schönes Genre verurteilt. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob jeder ehrlich ist, und nicht still und heimlich etwas anderes denkt.
"Die Tugend nistet, wie der Rabe, mit Vorliebe in Ruinen."
Anatole France

Damiano

Ich kann mich Goldrabe anschließen: Rein negativ waren die Reaktionen nicht. Aber hier muss ich differenzieren.

Meine Frau und mein Freundeskreis sind dem Ganzen gegenüber sehr aufgeschlossen und verfolgen die Entwicklung auch seit gut 20 Jahren mit viel Engagement und Unterstützung. Das ist äußerst motivierend für mich, an den noch unvollendeten Bänden weiterzuarbeiten, wofür ich wiederum sehr dankbar bin. 

Wenn man die Reaktion meiner Eltern und meiner Großmutter vor 28 Jahren anspricht, muss dazu fairerweise aber auch erwähnt werden, dass mein Schreibstil damals eine Katastrophe war und meine erste Fantasygeschichte ein Potpourri, ein schlechtes Potpourri, zusammengeklauter Ideen war. Wären hier Stil und Inhalt in Kritik geraten, könnte ich dem nichts entgegensetzen, jedoch sind meine Verwandten derart überzeugte Anhänger des Realismus, dass sie mit dem, was ich damals zusammengeschrieben habe, nicht umgehen konnten, obwohl es nur ein Abklatsch all dessen war, was Andere vor mir schon um Welten besser niedergeschrieben hatten. Meine Großmutter war durch das, was laut ihrer Aussage in meinem Kopf vorginge, so überfordert, dass sie mich als schizophren bezeichnete.  ;D

Meine Erfahrung: Fantasy bringt bei Realisten nichts. Sie haben andere Interessen, was Literatur angeht, und können nicht verstehen, was reizvoll daran sein soll, Irreales zu lesen oder zu erschaffen.

Goldrabe

ZitatMeine Erfahrung: Fantasy bringt bei Realisten nichts. Sie haben andere Interessen, was Literatur angeht, und können nicht verstehen, was reizvoll daran sein soll, Irreales zu lesen oder zu erschaffen.
Ja, das kommt wohl vor. Dabei steckt doch so viel Wirklichkeit in Fantasy. Die Empfindungen der Figuren, ihre Konflikt, die Themen sind nicht irreal.
"Die Tugend nistet, wie der Rabe, mit Vorliebe in Ruinen."
Anatole France

Damiano

Zitat von: Goldrabe am 29. April 2022, 09:27:43
ZitatMeine Erfahrung: Fantasy bringt bei Realisten nichts. Sie haben andere Interessen, was Literatur angeht, und können nicht verstehen, was reizvoll daran sein soll, Irreales zu lesen oder zu erschaffen.
Ja, das kommt wohl vor. Dabei steckt doch so viel Wirklichkeit in Fantasy. Die Empfindungen der Figuren, ihre Konflikt, die Themen sind nicht irreal.

Sehe ich auch so! Meine Geschichte hat sich parallel zu den von mir gemachten Erfahrungen stetig entwickelt. So kanalisiere ich Schmerz und Traumata in der Regel durch die Hintergrundgeschichten der Antagonisten. Es ist ja alles ein Portal für Verarbeitung.