• Willkommen im Forum „Tintenzirkel - das Fantasyautor:innenforum“.
 

Konjunktiv in indirekte Rede?

Begonnen von Franziska, 18. Dezember 2007, 21:52:00

« vorheriges - nächstes »

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Franziska

Ich schreibe einen Text, der von einem Ich-Erzähler im Präsens erzählt wird.
Es spielt in dieser Zeit und mein Ich-Erzähler erzählt eher in der Jugendsprache.
Jetzt habe ich ein Problem mit der inidirekten Rede, ich wollte kein Konjunktiv benutzen, aber meine Betaleserin hat das angekreidet. Wie seht ihr das? Ist kein Konjunktiv zu umgangssprachlich? Würde euch das stören?

Als Beispiel:
...sie erzählt mir, wie sie ihn kennen gelernt hat, und wie toll er ist (sei) und dass er auch Kinder hat (habe).

Er erzählt mir, dass er hier alles schön findet, dass die Häuser alle heil sind (seien), aber dass alles zu teuer ist (wäre).

Maja

Laß dir von deiner Betaleserin nicht reinreden: Du schreibst das Buch in Umgangssprache. Und so, wie du das in Klammern gesetzt hast, redet kein Mensch.
Niemand hantiert gern ungesichert mit kritischen Massen.
Robert Gernhardt

Julia

Hm, ich finde beides nicht besonders flüssig zu lesen - entweder es wirkt irgendwie "falsch" beim Lesen, oder gestelzt.
Gibt es einen bestimmten Grund, warum Du im Präsens schreiben möchtest? Ich weiss zwar, dass das im Moment mehrere Autoren machen, aber so richtig glücklich bin ich als Leser damit meist nicht (vielleicht bin ich aber in meinem Alter auch schon vollkommen vom Präteritum verdorben  ;D ). Bei einer Erzählung in der Vergangenheit würde das Problem jedenfalls weniger auffallen.

Ansonsten mußt Du wohl im Präsens schlicht einen Tod sterben - entweder umgangssprachlich und ... na ja, eben irgendwie "falsch", oder grammatikalisch zwar richtig, aber sperrig.

Liebe Grüße,

Julia

Franziska

Also mein Text war am Anfang ein Experiment. Ich wollte mal ausprobiern, umgangssprachlich aus Sicht eines männlichen Erzählers und im Präsenz zu schreiben.
Inzwischen ist daraus der Anfang eines Romans geworden und ich finde, dass das Präsens zur Geschichte passt.
Ich weiß nicht, ob es im Preteritum besser klingen würde, finde ich eigentlich nicht.

@Maja: danke für die Unterstützung, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich dich richtig verstanden habe.
ZitatUnd so, wie du das in Klammern gesetzt hast, redet kein Mensch.

Meinst du jetzt, da keiner so redet, sollte ich meinen Erzähler auch nicht so erzählen lassen oder dachtest du, das ganze wäre wörtliche Rede? ???

Grey

Ich muss Maja zustimmen - lass es so wie es ist. Kein Konjunktiv. Prinzipiell ist so ein Text, wie du ihn beschreibst, ja eine sehr lange wörtliche Rede ...

Rein zufällig schreibe ich derzeit ein ganzes Buch auf diese Art. Und mir hilft es immer, den Text laut zu lesen, dann merkt man viel besser, ob ein (mehr oder weniger) normaler Mensch das auf diese Art ausdrücken würde. Ein bisschen rotzig klingt es schon. Aber das liegt am Satzbau an sich, nicht am Konjunktiv. Wenn das also mit dem erzählenden Charakter zu vereinbaren ist, gut! Sonst stell die Sätze um. Aber lass den Konjunktiv raus. Klingt sonst unnatürlich, ist einfach so.

Franziska

Danke für die Hilfe!
Schön, dass ihr das so seh wie ich.
Ich habe die entsprechenden Sätze jetzt etwas geändert und die indirekte Rede teilweise rausgenommen.

Shayariel

Auch, wenns eigentlich schon erledigt ist, nochmal ein Nachtrag zum Konjunktiv^^

Konjunktiv wird benutzt, um klar zu machen dass der Erzähler/Schreiber nicht das gesagt hat, was da steht und es unter Umständen auch nicht seine Meinung widerspiegelt, sondern er es eben nur wiederholt.
Vor allem bei Textanalysen, wenn man nicht zitieren will, oder journalistischen Texten ist das angebracht und auch nötig und sinnvoll. Also, eher auf der wissenschaftlichen Basis.

Umgangsprachlich redet wirklich keiner so, von daher würde ich den Konjunktiv auch weglassen. Wenn du grammatikalisch auf der richtigen Seite sein willst, leite deine indirekte Rede mit "dass" ein, also z.B. "er sagte, dass", denn beim "dass" braucht man keinen Konjunktiv zu nehmen (zumindest hat mir das irgendein Deutschlehrer irgendwann in meiner Schullaufbahn gesagt.. mit der neuen Rechtschreibung und Grammatik kann sich allerdings alles schon wieder geändert haben..^^").

Maja

Es gibt auch Alternativen zum "Dass", die man verwenden kann, damit es sich nicht zuviel wiederholt, wie zum Beispiel: "Er erzählt, wie er ..." oder "sie redet über..."
Aber letztlich ist die ganze Fragestellung die Wahl zwischen Pest und Cholera: Denn warum nimmst du nicht einfach wörtliche Rede? Konjunktivfrei, lebendig und umgangssprachlich. Das wäre echt meine erste Wahl.
Niemand hantiert gern ungesichert mit kritischen Massen.
Robert Gernhardt

Franziska

Ja, genau das ist das Problem.
Ich habe auch nur indirkete Rede genommen, um das ganze abzukürzen. Aber ich denke, beim zweiten Beispiel werde ich doch wörtliche Rede nehmen. Dann muss ich wohl doch einen Weißrussen in gebrochenem Englisch erklären lassen, was er von Deutschland hält ... aber nunja, man wächst an Herausforderungen.

Coppelia

#9
ZitatKonjunktiv wird benutzt, um klar zu machen dass der Erzähler/Schreiber nicht das gesagt hat, was da steht und es unter Umständen auch nicht seine Meinung widerspiegelt, sondern er es eben nur wiederholt.
Nur der Konjunktiv 2 wird in indirekter Rede dazu verwendet, darzustellen, dass das In-indirekter-Rede-Wiedergegebene in den Augen des Sprechers nicht stimmt. Der Konjunktiv 1 ist die neutrale Wiedergabe des Gesagten.

"Mein Prof kann mich am 10. 2. nicht prüfen, er sagt, seine Mutter habe dann Geburtstag." (ich gebe wieder, was mein Prof gesagt hat)
"Mein Prof kann mich am 10. 2. nicht prüfen, er sagt, seine Mutter hätte dann Geburtstag." (aber das glaube ich nicht, ich glaube, er hat nur eine Ausrede gesucht)

Konjunktiv 2 ist auch umgangssprachlich noch gebräuchlich, 1 nicht mehr.
Das mit den Dass-Sätzen stimmt, die stehen immer mit Indikativ, auch wenn etwas Indirektes wiedergegeben wird. Bevor ich einen langen Absatz mit "falscher" Grammatik verwende (wir wissen ja alle, dass es keine wirklich falsche Grammatik gibt, solange man verstanden wird), würde ich mich da lieber auf Dass-Sätze verlegen. Einige Sätze hintereinander, in denen der Konjunktiv nicht stimmt, lassen mich persönlich immer denken, der Autor könne den Konjunktiv nicht korrekt verwenden. Ob jemand so redet oder nicht, ist dabei nicht so wichtig, denn wenn man schreiben wollte, wie die Leute wirklich reden, würden da die merkwürdigsten Sachen bei rumkommen.
Wörtliche Rede ist ja eh viel interessanter. ;)
Ich hatte neulich auch mit einem seitenlangen Absatz zu tun, in dem ein Geschehen aus der Erzählung einer Person wiedergegeben wird. Puh, das war echt unlustig! Ich muss da noch mal alles umschreiben, vor allem die Absätze in indirekter Rede, weil sie nicht lebendig genug sind.

Shay

Zitat von: Maja am 18. Dezember 2007, 22:33:39
Und so, wie du das in Klammern gesetzt hast, redet kein Mensch.

Doch, ich.  ;D
Ich bin sonst durchaus ein Dialektsprecher (wenn auch kein besonders starker "Jugendsprach-Sprecher"), aber in der indirekten Rede verwende ich im Normalfall Konjunktiv (welchen man wann nimmt, hat ja Coppelia schon erläutert). Das ist aber scheinbar tatsächlich dermaßen ungebräuchlich, daß ich darauf schon öfters angesprochen wurde. Sind wohl mal wieder meine Lateinlehrer-Gene am Werk. ;D