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Autor Thema: breit oder länglich?  (Gelesen 2812 mal)

Rei

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breit oder länglich?
« am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
In "Falsches Spiel" will ich noch eine Traumszene einbauen, um nicht in der Perspektive zu verrutschen (Chadni bekommt die Pflege Parees' quasi als Schatten in ihrem Traum mit).

Fakt ist, daß Chadni in diesem Traum durch ein zwielichtes Dunkel geht, mit schwarzem Boden. Der bricht plötzlich auf und ein Strohdach bricht durch den Boden, gefolgt von einem Haus (das wächst quasi aus dem Boden). Das Problem ist, Chadni sieht zuerst das Stroh, das sich wie ein Dreieck aus demRiß im Boden schiebt. Da sie ja nicht weiß, daß es ein Dach ist, kann sie ja nur ein Dreieck sehen, das da kommt. Nur, ist das breit oder länglich?

Oder kann sie den Begriff "Dreieck" gar nicht kennen, da sie aus ärmlichen Verhältnissen und aus einem kleinen Dorf stammt? Wie beschreibe ich dann, was sie sieht?

*grübel*

Schelmin

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Re: breit oder länglich?
« Antwort #1 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Hat sie dann nicht eher das Gefühl, daß einfach nur ein (länglicher) Strohberg aus dem Boden bricht? Oder eine Strohwand? Dreieck finde ich nicht gut. Wenn sie da kein Dach erkennt (denn so hätte ich das sicher als kleines Kind benannt), dann erkennt sie auch keinen geometrischen Körper.

Ravenwild

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Re: breit oder länglich?
« Antwort #2 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Die Frage ist wahrscheinlich, wie detailliert willst du die Szene beschreiben. Ich würde das Problem so ähnlich wie Schelmin angehen und beschreiben wie zuerst das Stroh den Boden durchbricht, empor wächst, bis dann ein Dach zu erkennen ist, dem schließlich die Hauswände folgen... (war jetzt natürlich sehr lieblos ;) )
Dabei spielt es doch eigentlich keine Rolle, ob das Dach dreieckig, länglich oder rund ist. Sowas kann man eigentlich der Fantasie des Lesers überlassen Ich wette, 90% der Leute stellen sich dabei schon ein Haus mit recheckigem Grundriss und spitzem Strohdach vor.

Rei

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Re: breit oder länglich?
« Antwort #3 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Hmm, das klingt gut "Strohberg"... Wie gesagt, sie erkennt es nicht, erst als die Hauswände aus dem Boden brechen, dann weiß sie, daß es ein Dach ist.

Es ist schon verflixt, wieviele Wörter es gibt, die wir kennen und ganz natürlich verwenden, aber unsere Charaktere nicht...

Ja, ich denke, ich mache das so, daß erst das Stroh aus dem Boden quillt, so richtig lebendig wirkt und raschelt, sich dann zusammenrafft und zu einem Dach wird, sobald die Wände durchkommen... *notier*

Offline Arielen

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Re: breit oder länglich?
« Antwort #4 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Alles geht davon aus, daß das Haus mit der schmalen Seite vor ihr auftaucht, das finde ich lustig, aber was ist, wenn sie an der längeren Seite steht und dann die Strohschräge sieht? Je nach dem, inwieweit sie mit Strohdächern vertraut ist, dürfte sie so was aber erkennen. Dachstroh ist gebunden und nicht wirr draufgeschmissen. Schon mal Rieddächer gesehen?
Alles liegt im Auge des Betrachters

Rei

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Re: breit oder länglich?
« Antwort #5 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Ich habs jetzt so gemacht, daß das Stroh erstmal lose aus dem Boden kommt, dann... hier ist die ganze Szene (noch nicht ganz perfekt, aber für den Anfang reicht es... ;)):

Es ist so dunkel…
Chadni schaute sich um.
Graues Zwielicht umgab sie. Immer wieder flackerte ein Wetterleuchten auf, gefolgt vom dumpfen, weit entfernten Grollen eines Donners.
Hier gab es nichts außer diesem Zwielicht und einer dunklen Ebene, auf der sie mit nackten Füßen stand. Es war kühl, als ob ein leichter, stetiger Wind um sie strich, das leichte Gewand, das sie in diesem Traum trug, beinahe unmerklich aufbauschte. Chadni verspürte keine Angst, kein Unbehagen. Sie drehte sich einmal um sich selbst und sah sich mit großen Augen im Zwielicht um.
Nichts…
Sie lief los, ohne die Richtung bewusst zu wählen. Zuerst schritt sie vorsichtig aus, bedachte ihre Schritte, als ob sie fürchtete, etwas zu übersehen und zu stolpern.
Doch hier war nichts.
Nach einer Weile verlor sie die Angst und schritt kraftvoller aus.
Das Wetterleuchten hatte sich nicht verändert, flackerte nach wie vor. Das Donnergrollen schwoll manchmal an, manchmal klang es weiter entfernt, doch es war nie so nah, dass Chadni erschrocken zusammenzuckte.
Plötzlich spürte sie etwas.
Ein Zittern im Boden.
Chadni blieb stehen. Ihr Blick schweifte über das trostlose Nichts, das sie umgab.
Nichts hatte sich verändert. Nur das Zittern.
Es wurde stärker. Es steigerte sich zu einem heftigen Zittern, brachte den Boden zum Schwanken.
Chadni wich taumelnd zurück. Ihr Atem ging schneller, ihr Herz raste.
Was…?
Das Donnergrollen mischte sich mit dem Grollen, das aus dem Boden drang. Chadni spürte das Heben und Senken unter ihr. Es fühlte sich an, als ob etwas versuchte, durch den Boden zu brechen, sich dagegen warf.
Chadni stolperte und fiel auf die Knie. Sie stützte sich mit den Händen am sich bewegenden Boden ab und hob den Kopf.
Ein Donnerschlag ertönte, laut, kreischend.
Chadni schrie vor Schreck, zuckte zusammen. Doch sie bewegte sich nicht vom Fleck.
Gleichzeitig riß der Boden auf. Ein zickzackförmiger Riß brach auf und pulsierte, als ob von unten etwas nachdrängen würde, jetzt, wo ein Weg geschaffen war.
Chadni riß entsetzt die Augen auf.
Etwas Helles drang aus dem Riß, erst vereinzelt, dann immer mehr. Es war hell, gelb, raschelte, während es sich seinen Weg durch den stetig breiter werdenden Riß bahnte.
Stroh…?
Chadni starrte ungläubig auf die Halme, die aus dem Riß quollen. Sie wirkten so lebendig, als ob sie von sich aus drängten und schoben.
Das Rascheln wurde immer lauter. Das Beben und Zittern des Bodens verebbte nicht, nahm aber auch nicht mehr zu.
Inzwischen war schon so viel Stroh aus dem Boden gequollen, dass Chadni unwillkürlich dachte, dass man daraus ein Dach für eines der Häuser im Dorf bauen könnte.
Wieder grollte ein Donner über Chadni, ließ sie erneut zurückweichen.
Der Riß vergrößerte sich mit einem Schlag, und etwas Anderes brach aus ihm heraus. Lehm, wie er benutzt wurde, um die Hütten im Dorf zu bauen.
Eine… Wand…?
Chadni betrachtete das Schauspiel, das sich ihr bot. Vor ihr schob sich eine Hauswand aus dem Boden. Das Stroh sammelte sich in Bündeln, verband sich zu einem festen, wetterfesten Dach. Das Rascheln wurde leiser, bis es ganz erstarb und das Stroh fest an seinem Platz lag. Neben der einen Hauswand schoben sich noch die anderen aus dem Boden, Fenster bildeten sich wie von Geisterhand, eine Haustür. Die Rahmen waren aus Holz, die Tür ebenso.
Chadni atmete tief ein.
Meine… Hütte…
Der Riß bildete sich zurück, schloß den aufgerissenen Boden, bis Chadnis Hütte sicher auf dem dunklen Untergrund stand.
Chadni liefen Tränen über das Gesicht. Sie kam langsam auf die Füße und lief mit schwankendem Schritt auf ihre Hütte zu. Sie prallte gegen die Tür, versuchte, sie mit fahrigen Fingern zu öffnen.
Im gleichen Moment krachten zwei Blitze und deren Donner gleichzeitig vom Himmel.
Chadni zuckte zusammen, sackte in die Knie. Sie schrie vor Schreck, presste die Hände auf die Ohren, während sie sich auf den Boden warf, nach unten drückte, um sich so klein wie möglich zu  machen.
Neue Risse taten sich auf, zwei, vier, zehn.
Der Boden schwankte, bebte und bewegte sich, als aus allen Rissen mit unglaublicher Geschwindigkeit neues Stroh quoll, sich neue Hütten bildeten.
Chadni verfolgte das Geschehen sprachlos und entsetzt.
Mein… Dorf…
Entsetzt erkannte sie die anderen Hütten und deren Anordnung.
Ich bin daheim…
Sie nahm die Hände von den Ohren und kam mit dem Oberkörper nach oben. Sie stützte sich mit den Unterarmen auf dem Boden auf und sah sich um.
Ja, das ist mein Dorf…
Langsam kam sie auf die Knie, stützte sich auf die Hände ab und hockte sich auf ihre Fersen. Ihr Blick wanderte über die Hütten, erkannte jedes Detail wieder.
Erleichtert atmete sie ein und aus. Ein Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht. Chadni stand langsam auf.
Die Blitze flackerten noch über den Himmel, aber das Donnergrollen hatte nachgelassen und war kaum noch hörbar.
Sie ging einen schwankenden Schritt von ihrer Hütte weg und streckte die Arme aus, erst nach vorne, dann zur Seite, als ob sie die vertrauten Gebäude umarmen und an sich drücken wollte.
Ich bin daheim…
Chadni brach in lautes Gelächter aus, drehte sich um sich selbst. Sie konnte es kaum glauben.
Ich bin daheim…
Lachend kam sie zum Stehen, als sie es sah.
Rauch…
Chadni erstarrte. Ihr Lachen gefror zu einer Maske.
Der Rauch kräuselte sich hinter der ersten Reihe Häuser und stach brennend in ihre Nase.
Chadni ließ die Arme sinken. Ihr Mund schrumpfte zu einem dünnen Strich zusammen, als sie die Lippen aufeinander preßte.
Ich bin zu spät…
Sie sind… hier…
Hinter der ersten Reihe von Häusern bewegten sich Schatten in den Schatten. Rotglühende Punkte leuchteten im Dunkel zwischen den Häusern auf.
Sie… sind… hier…
Chadni wich einen Schritt zurück.
Die glühenden Punkte bewegten sich, kamen näher und rotteten sich zusammen. Die Schatten drängten nach vorne, bekamen Konturen, bekamen Farbe und wurden zu Menschen.
„Nein!“ Chadni stieß einen verzweifelten Schrei aus und wich noch einen Schritt zurück. Sie prallte mit dem Rücken gegen ihre Hütte.
Die Menschen schälten sich aus dem Zweilicht, vereinzelt erkannte Chadni die zu Fratzen verzogenen Gesichtern. Ihre Augen glühten auch im Zwielicht noch hell und rot.
Chadni presste sich fester nach hinten, suchte mit fahrigen Fingern nach dem Türöffner, rutschte aber immer wieder ab. Ihre Blicke huschten hin und her, starrten auf die Menschen, die ihr entgegenkam. Im Dunklen konnte sie noch immer neue Augenpaare sehen, die nach vorne drängten.
Sie… sind… alle… hier…
Chadni drehte sich in einer heftigen Bewegung herum, bekam den Griff zu fassen.
Gleichzeitig kam mehr Bewegung in die Menge, sie kam in einem großen Schwung nach vorne, schon waren die ersten so nah, dass sie Chadni berührten.
Chadni schrie, zerrte und drückte an der Tür, bis sie endlich nachgab. Sie stolperte ins Haus, fiel.
Die Bande drang mit ihr ins Haus. Sie quetschten sich durch den schmalen Türrahmen, quollen hindurch wie das Stroh durch die Erde.
Chadni krabbelte auf allen Vieren davon, verzog sich in den hintersten Winkel der Hütte. Mit großen Augen sah sie zu, wie sie immer näher kamen. Ihre Gesichter waren grinsende Fratzen, ihre Hände scharfe Klauen.
Chadni hob die Hände vors Gesicht.
„Nein!“
Sie waren bei ihr.
„Ich bin bei dir, ich bin bei dir, ich bin bei dir, bei dir…“
„Nein!“
Sie griffen nach ihr.
„Ich bin bei dir, ich bin bei dir, ich bin bei dir, bei dir…“
„Nein!“
Chadni schreckte auf. Sie saß kerzengerade auf dem Bett, bemerkte einen Schatten neben sich.
„Nein!“ schrie sie und schlug zu. Ihre Fäuste prasselten auf die dunkle Gestalt neben sich. Wie von Sinnen schlug sie zu, schrie immer wieder.
„Chadni…“
Sie zuckte zusammen und hielt in ihrer Bewegung inne.
„Chadni…“
Plötzlich war alles anders. Die Furcht war weg, die Panik versiegte. Chadnis Herz tat einen schmerzhaften Sprung, ihre verkrampften Fäuste lösten sich, ihre Finger glitten über den gekrümmten Körper, der neben ihr saß.
Das Wetterleuchten brachte nur wenig Licht in den Raum, aber Chadni brauchte kein Licht, um zu wissen, wer bei ihr war.
„Ich bin bei dir, ich bin bei dir, ich bin bei dir, bei dir…“
Schluchzend sackte sie zusammen.
Parees drehte sich zu ihr, schlang die Arme um ihren Körper.
Chadni presste sich fest an ihn. Ihre Finger schienen schier den Stoff seines Hemdes zerreißen zu wollen. Sie schluchzte heftig und zitterte bei jedem Atemzug.
„Dir passiert nichts“, murmelte Parees in ihre Haare. Sanft streichelte er über ihren Rücken, um sie zu beruhigen.
„Sie werden sie töten…“
„Niemand wird getötet, Chadni.“ Parees hauchte ihr einen Kuß auf die Stirn. „Meine Soldaten sind dort.“
Chadni presste sich fester an Parees. Ihre Finger rissen verkrampft an seinem Hemd, Tränen rannen über ihre Wangen und durchnässten den Stoff.
„Niemandem wird etwas geschehen.“
Chadni holte zitternd Luft und seufzte. Ihre Finger lösten sich langsam von seinem Hemd. Ihr Kopf sank schwer gegen seinen. Ihr Atem beruhigte sich von Zug zu Zug und war bald gleichmäßig und ruhig, ab und zu durchbrochen von tiefen, zitternden Atemzügen. Die Tränen auf seinem Hemd trockneten langsam.
Parees hielt sie einfach nur fest und murmelte beruhigende Worte. Als er sicher war, dass sie tief und fest schlief, drückte er sie sanft zurück in die Kissen und deckte ihren zitternden Körper sorgfältig zu. Er betrachtete ihr schlafendes, tränenverschmiertes Gesicht voller Zuneigung. Dann hauchte er ihr einen Kuß auf die Lippen und ging hinüber zu den Sesseln unter dem Dachfenster. Er warf einen müden Blick nach draußen, während er sich möglichst bequem hinsetzte.
Das Gewitter hatte nachgelassen, es regnete nur noch.
Parees warf einen letzten Blick zu Chadni, dann schlief auch er bald ein.

Offline Arielen

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Re: breit oder länglich?
« Antwort #6 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Nette Idee - jetzt wirkt es so als beeinflusse sie im Traum das was sie sieht. Das ist auch nicht schlecht - aus der Aussoziation Strohmenge= Dach wird dann auch die Hütte!
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Rei

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Re: breit oder länglich?
« Antwort #7 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Hihi, genau!

War zwar eher unbeabsichtigt, aber es hat sich dann einfach so entwickelt. Ich denke, so ist es ok, und ich umgehe die Sache "breit oder länglich"...  ;D

Offline Arielen

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Re: breit oder länglich?
« Antwort #8 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Klar, so kann man das auch umgehen. Wirkt aber auch viel eleganter!
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