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Autor Thema: Rächtschreibung  (Gelesen 11667 mal)

Offline Maja

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Rächtschreibung
« am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Wieder mal fordern Prominente, Autoren und Politiker die Rückname der Rechtschreibreform.

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,321776,00.html

Daher nun die Frage an euch: Wie schreibt ihr denn so - neu, alt, egal, kreativ? Oder habt ihr, wie die Stadt Köln, längst eine eigene Rächtschreibung entwickelt (mir Ä, kommt ja von Rache)?
Ich freue mich auf eure ernstgemeinten Zuschriften!

Offline Feuertraum

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Re: Rächtschreibung
« Antwort #1 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Dia alte!
Jawohl!
Und dazu stehe ich.
Zum einem weil ich - wie wohl die meisten Tintenzirkler hier - die alte RS gelernt habe, zum anderen, weil ich einige der ach so erleichterten Regeln als völligen Schwachfug ansehe.
Wie war das Beispiel eines Bildreds:

Es ist ein Unterschied, ob jemand wohl bekannt oder wohlbekannt sei.
Recht hat er, der Gute.

Ganz interessant wird für mich die Frage, wie ich nun mein Abitur schreiben werde (Anm.: ich hole dieses zur Zeit via Fernstudium nach).
Auf der einen Seite versuchen mich die Fernlehrer auf neue zu trimmen, mittlerweile aber heißt es, daß durch die Protestaktion evtl. doch die alte RS genommen wird, aber es beim Studium (ich will später Psychologie studieren) dann doch wieder anders laufen soll...
Ich jedenfalls bleibe der alten RS treu!

Feuertraum
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Offline Linda

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Re: Rächtschreibung
« Antwort #2 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Halli Hallo,

da ich seit Einführung der NDR faktisch nur noch neudeutsche Texte lese und korrigiere, schreibe ich selbst auch darin. Ist keine Frage der Überzeugung, mehr der Ökonomie. Ärgerlich alleine ist, dass ich in der alten Schreibweise ziemlich sicher war, bei der neuen aber regelmäßig nachschlagen muss.
Naja, es hätte schlimmer kommen können - eine gemäßigte Kleinschreibung zum Beispiel, finde ich schon gewöhnungsbedürftig, selbst wenn damit die Fehlerquote runtergeht.
Wenn's keine Fehler mehr gibt, braucht man auch keine Korrektoren mehr :-)

Kleiner Kalauer:
Können Linkshänder überhaupt recht schreiben?

Linda
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Offline Moni

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Re: Rächtschreibung
« Antwort #3 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Ich weigere mich, die neue Rechtschrebung anzuwenden, ich bin froh, mit der alten so einigermaßen zurecht zu kommen!
Außerdem sind einige der Wortänderungen einfach grauslich und teilweise sinnentstellend.
Mir ist auch aufgefallen, daß in Zeitschriften, Zeitungen und auch Büchern ein fürchterlicher Mischmasch aus alter und neuer Rechtschreibung verwendet wird.
Offenbar weiß halt keiner so recht, wie er was zu schreiben hat.  ::)
Solange ich keine wissenschaftlichen Arbeiten veröffentliche, ist es auch schnurzpiepegal welche Rechtschreibung ich verwende. Und falls ich irgendwann mein Opus Magnum fertig habe und den Mumm habe, damit zu einem Verlag zu gehen, gibt es immer noch Word mit integrierter neuer Rechtschreibung.  8)

Moni
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Lomax

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Re: Rächtschreibung
« Antwort #4 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Als Sprachwissenschaftler halte ich die neue Rechtschreibung zumindest für eine deutliche Verbesserung. Als ich 1996 in der Zeitung davon gelesen hatte, war ich Gegner. Aber zum Glück habe ich damals noch studiert, und nach einem Hauptseminar war ich überzeugt  ;D

Der große Wurf war die Reform sicher nicht, aber eine Rückkehr zu der alten wäre völliger Blödsinn. Lieber erst mal Gras über die Sache wachsen lassen und in weiteren hundert Jahren voll heftiger Diskussionen ein weiteres kleines Schrittchen tun  :)

Zitat
Offenbar weiß halt keiner so recht, wie er was zu schreiben hat.


Das ist allerdings richtig, aber peinlich für die Verantwortlichen Lektoren und vor allem die Schlussredakteure in den Zeitungen. Ich habe seinerzeit ca. 40-100 Arbeitsstunden investiert und danach alle systematischen Fehler, die ich heute in den Zeitungen lesen muss, nicht mehr gemacht. Dieses Maß an Fortbildung halte ich für jeden "Fachmann" noch für zumutbar. Aus meiner Zeit als Programmierer bin ich da ganz anderes gewöhnt.
 Allerdings vermute ich, dass die Fehlerquote in den Zeitungen noch einen ganz anderen Grund hat: Weil nämlich die Rechtschreibreform mit einer Einsparungswelle in den Verlagen einhergegangen ist und insbesondere die Schlussredaktionen im Pressewesen ganz enorm ausgedünnt wurden.

Heute in den Nachrichten habe ich übrigens gehört, dass die Rechtschreibreform wohl nicht abgeschafft werden soll, aber der Zeitplan vielleicht nachgebessert wird. Also ein typischer deutscher Kompromiss, wo nichts passiert, aber alle ihr Gesicht wahren können. Mal sehen, was der nächste Akt in diesem Schauspiel ist.
 Besonders peinlich ist nur, dass das ganze diesjährige Sommertheater von einem Politiker angestoßen wurde, der in einer Fernsehshow wegen schlechter Rechtschreibkentnisse auffiel und dafür einen Sündenbock brauchte - und der seinen Feldzug gegen die NDR mit den Worten begann: "Ich werde Schiffahrt und Sauerstoffflasche jedenfalls auch weiterhin mit zwei F schreiben" (Dieses Zitat wurde korrekt in alter Rechtschreibung geschrieben)

Offline Moni

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Re: Rächtschreibung
« Antwort #5 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Zitat
"Ich werde Schiffahrt und Sauerstoffflasche jedenfalls auch weiterhin mit zwei F schreiben" (Dieses Zitat wurde korrekt in alter Rechtschreibung geschrieben)

;D ;D
Bei Politikern wundert mich gar nix mehr...
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Stefan Quoos, WDR2-Moderator
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Offline Aryana

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Re: Rächtschreibung
« Antwort #6 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Hi zusammen,

ich benuzte auch immer noch bösartig und hartnäckig die alte Rechtschreibung. An ein "daß" mit Doppel-S kann ich mich sicherlich irgendwann einmal gewöhnen, aber nicht an einen "Delfin" oder ein "Portmonee". *schauder*

Liebe Grüße,

Aryana

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Lastalda

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Re: Rächtschreibung
« Antwort #7 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Ich finde die neue Rechtschreibung nicht einfacher und auch nciht wirklich logischer als die alte. Habe beide in der Schule gelernt und schreibe mittlerweile neue (schon weil ich glaubte, mein Abitur müsse in der neuen geschrieben werden, weil ich mich verrechnet habe und dachte, die Übergangszeit währe ein Jahr eher zu Ende). Zumindest meistens. Grade bei den ph-Dingern weigere ich mich. Filosofie - wenn ich das lese, krieg ich einfach das Grausen! Also werde ich es (außer in diesem abschreckenden Ausnahmefall) nicht machen. Punkt.
Allerdings halte ich eine Rücknahme des ganzen nicht für sinnvoll - das würde nur ncoh mehr Chaos verursachen!

Lastalda

Silva

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Re: Rächtschreibung
« Antwort #8 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Ich finde, einige der neuen Regelungen sinnvoll, andere nicht - und manche einfach schröcklich.

Das macht mich zu einem großer Verfechter einer sehr zweispurigen Lösung. Warum sollen nicht weiterhin beide Regelungen gelten?

Die Kinder in der Schule lernen die neuen Regeln, wir bleiben bei der alterthümlichen Form. 8) Zunächst werden natürlich viele - auch die frischgebackenen Leseratten und Schreiberlinge - beide Formen mischen - aber ist das denn sooo tragisch? Im Laufe der Zeit wird die neue Rechtschreibung die alte auf ganz natürliche Weise ablösen.

Lomax

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Re: Rächtschreibung
« Antwort #9 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Zitat
Grade bei den ph-Dingern weigere ich mich. Filosofie - wenn ich das lese, krieg ich einfach das Grausen!


Das Grausen hast du zu Recht, denn Filosofie ist sowohl nach den alten wie nach den neuen Regeln gleichermaßen falsch. Es hieß und heißt "Philosophie".

Ich frage mich ohnehin, weshalb bei jeder Diskussion zur neuen Rechtschreibung solche falschen "Horrorbeispiele" auftauchen, die angeblich zur NDR gehören sollen, die tatsächlich aber frei erfunden sind. Da frage ich mich doch, ob die Kritiker nicht genug echte Mängel finden, über die sie motzen können?

Letztens habe ich in der Zeitung einen Artikel gelesen, in dem gefordert wurde, auch die Rechtschreibkritiker in den neu zu gründenden Rat einzubeziehen, weil man sich z.B. auch "... die Fachkenntnis der Akademie für Deutsche Sprache und Dichtung zu Nutze machen sollte". Nun habe ich aber von dieser "Akademie" bisher noch keine Pressemitteilung gesehen, in der nicht zumindest die Hälfte der Beispiele solche Erfindungen waren. Und was ich noch schlimmer finde: So was wird von den Zeitungen gedruckt und geglaubt, obwohl da Schlussredakteure sitzen, die Ahnung haben sollten!

Ich erinnere mich an die 80er und frühen 90er, als in den Zeitungsartikeln über die Rechtschreibung diskutiert wurde, und das auf einem Niveau, bei dem man etwas lernen konnte. Heute ist es nur noch Theater, und ich habe das Gefühl, jeder sagt inzwischen, was ihm einfällt, weil ohnehin keiner mehr zuhört und daher auch Unsinn unkommentiert durchgeht.

Zitat
Die Kinder in der Schule lernen die neuen Regeln, wir bleiben bei der alterthümlichen Form.  Zunächst werden natürlich viele - auch die frischgebackenen Leseratten und Schreiberlinge - beide Formen mischen - aber ist das denn sooo tragisch? Im Laufe der Zeit wird die neue Rechtschreibung die alte auf ganz natürliche Weise ablösen.


Na ja, und so läuft es in der Praxis ja auch ;-)

Lastalda

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Re: Rächtschreibung
« Antwort #10 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Tut mir leid, unsere Lehrer haben uns das so erzählt (also dass ph grundsätzlich durch f ersetzt werden soll; bei Defin stimmt das doch auch, oder?) - woher sollte ich ahnen, dass es nicht stimmt?

Aber sag mal, das eindeutschen von Fremdwörtern, das habe ich doch wenigstens richtig verstanden, oder? So von wegen Portmonee und Ketschap?

Lastalda (jetzt ganz verwirrt)

Lomax

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Re: Rächtschreibung
« Antwort #11 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Zitat
Tut mir leid, unsere Lehrer haben uns das so erzählt


Tja, da sollte ich jetzt wohl entsetzt sein. Aber eigentlich überrascht es mich nicht. Lehrern nicht alles zu glauben ist sicher auch etwas, was man im Lauf der Schulzeit lernt  ;)

Wie ein Professor dazu mal anmerkte: "Das Problem mit Lehrern ist, dass sie auf jede Frage eine einfache, abprüfbare Antwort geben müssen, egal wie blödsinnig sie ist".

Ein Blick in den Duden zeigt: "Ketschap" gibt es so nicht, allerdings die eingedeutschte Variante "Ketschup". Sämtliche "Neudeutschen" Varianten ersetzen allerdings die alten Schreibweisen nicht, sondern sind nur als zusätzliche Schreibweisen ebenfalls erlaubt - das gilt auch für "Delfin" und "Portmonee". Und irgendwann soll dann mal geprüft werden, welche Variante sich durchgesetzt hat, und die soll dann als verbindlich gelten.

Also, ganz demokratisch  ;D

korrigiert: Posting zuende geschrieben, nachdem ich wohl vorher versehentlich auf Alt+S gekommen bin.

Lastalda

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Re: Rächtschreibung
« Antwort #12 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Das stimmt allerdings! Wenn ich meiner Englisch-Lehrerin alles geglaubt hätte, was die so englische Sprache nannte, könnte ich mein Englisch heute wohl komplett vergessen...
Aber in Deutsch finde ich das schon krass...

Edit (nach dem Rest des Posts):
Na, solange beide Fassungen in Ordnung und erlaubt sind, kann ich gut damit leben, denke ich.

Lastalda

Offline Linda

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Re: Rächtschreibung
« Antwort #13 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
[quote ]

Na, solange beide Fassungen in Ordnung und erlaubt sind, kann ich gut damit leben, denke ich.

Lastalda[/quote]

eben, es wird nichts so heiß gegessen, wie gekocht und die vehementesten Gegner der NDR sind häufig diejenigen, die am wenigsten Ahnung davon besitzen...
Undn irgendwann ist man es wirklich müde und leid, immer wieder die gleichen Vorurteile auszuräumen.

Man müsste sich da wohl eher die Lehrer mal vornehmen,  ;)

Gruß,

Linda
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Offline Manja

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Re: Rächtschreibung
« Antwort #14 am: 01. Januar 1970, 01:00:00 »
Ich schreibe die neue. Ich hab die seit der zweiten Klasse gelernt und finde sie in großen Teilen logischer als die alte. Von daher wäre ich sehr erzürnt über eine erneute Änderung.
Wobei mir grad einfält: jetzt lernen die Schüler in den Grundschulen ja nicht mehr die Scheribschrift. Wie findet ihrs? Ich alt es für affig; jeder Mensch hat sein eigenes Schriftbild; egal was wäre, über dieses Schrftbild(was bei mir die bezeichnung "sauklauenmäßiges Gekrakel" verdient) kan man sich immer noch seine Individualität bewahren. Und jetzt... *kopfscüttel*
     

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