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Autor Thema: Wenn der Zweifel an die Tür klopft  (Gelesen 93904 mal)

Offline Katido

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Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
« Antwort #960 am: 17. Mai 2018, 22:00:56 »
Puh, ja, wahrscheinlich hast du recht. Ich muss einfach wieder mal einen Gang runterschalten. Wächst mir im Moment alles über den Kopf   ???

Offline Turiken

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Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
« Antwort #961 am: 18. Mai 2018, 08:05:02 »
@ Katido
Ich weiß ganz genau, wie es dir geht! Bei meinem Herzensprojekt, das ich vor kurzem nach vielen Jahren der Arbeit, des Verwerfens und des Umbauens endlich fertiggestellt hab, ist es dasselbe. Ist es wirklich gut genug? Will das irgendeiner lesen? So was würde sich doch kein normaler Mensch antun usw. Wenn ich gut drauf bin, denke ich dagegen manchmal: Auf mich hat die Welt gewartet! Das soll nicht arrogant klingen ... manchmal ist meine Begeisterung für eine Idee, ein Thema oder eine Figur eben so groß, dass ich es super finde, auch wenns von mir selbst kam. ;D

Schau dir Passagen deines Textes an, die dir besonders gut gefallen und auf die du richtig stolz bist. Lies sie dir in Ruhe durch, erleb die Emotionen, die du vllt beim Schreiben hattest, noch mal neu. Ich habe eine Szene im Roman, in der eine Hauptfigur stirbt, und jedes Mal, selbst nach dem x-ten Lesen, flenne ich dabei, weil die Welt (also ich selbst) doch so verflucht ungerecht ist, gerade diese Figur sterben zu lassen. Aber es muss keine traurige Szene sein, die du dir durchliest - sie muss nur Emotionen wecken. Ich jedenfalls weiß danach immer wieder, warum ich eigentlich schreibe und dass es nicht der allerletzte Mist ist, der dabei rauskommt. :)

Offline Witch

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Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
« Antwort #962 am: 18. Mai 2018, 10:07:11 »
@Katido: Damit hatte ich auch lange Mühe (und habe ich teilweise immer noch. Oh Gott, ich habe soolche Angst, dass ich mein neues Projekt nicht richtig hinkriege!). Für mich ist die Angst vor dem Versagen, die Angst davor, was andere von einem denken. Diese Angst muss man beiseite schieben, was leichter gesagt als getan ist. Sie hält einen nämlich davon ab, das zu schreiben, was man wirklich möchte, zu sagen, was man wirklich möchte, weil es zu peinlich, zu kindisch, zu wenig oder zu viel von irgendetwas sein könnte oder man evtl. jemandem auf die Füsse treten könnte.
Weisst du, was der Witz daran ist? Man kann immer jemandem auf die Füsse treten, selbst wenn man die harmloseste Kunst der Welt macht. Es wird immer jemanden geben, dem nicht passt, was du machst. Es gibt aber normalerweise auch mindestens genauso viele Leute (meistens sogar mehr), die gut finden, was du machst. Ich glaube, man muss da einen Punkt setzen und sich sagen, dass man es vor allem selbst gut finden muss und alles andere ist nicht wichtig. Wenn ich meine Geschichte selbst gut und wichtig genug finde, dass ich sie der Welt zeigen kann, werden auch andere sie mögen. Seit ich mir das selbst auch immer wieder sage, ist es besser geworden. :omn: Ich kann aber natürlich nur von mir sprechen, ich denke, ein Patentrezept gegen diese Ängste gibt es nicht.
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Offline canis lupus niger

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Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
« Antwort #963 am: 18. Mai 2018, 10:44:57 »
Versagen ist, wenn du die Geschichte nicht beendest. Versagen ist, wenn du sie beendest und nicht überarbeitest. Nichts, was du schreibst, ist in Stein gemeißelt. Du kannst den größten Schrott schreiben, die Figuren völlig OOC (out of character) handeln lassen – am Ende kannst du immer noch alles editieren. ;)

Genau, was auch ich dazu sagen würde! Mach erstmal die Rohfassung fertig! Und sieh sie als Rohmaterial an, nicht als Endprodukt.

Wenn ich mit einem Romanprojekt auf das Ende zugehe, dann kommt mir mein Geschreibsel auch mit jedem Tag trivialer und langweiliger vor. Ich muss mich geradezu zwingen, trotzdem daran zu arbeiten. Inzwischen weiß ich, dass das daher kommt, dass ich mich schon so lange und so oft damit beschäftigt habe. Alles, was die Geschichte an intelligenten Wendungen und Lebendigkeit besitzt, kenne ich einfach schon auswendig. Da ist keine Überraschung mehr drin, keine Spontanität. Aber das ist doch auch logisch!

Schreib Deine Geschichte zuende und leg sie dann für mindestens vier Wochen ganz zur Seite. Wenn Du sie dann wieder in die Hand nimmst, wirst Du auch wieder einigermaßen objektiv darüber urteilen, ihre Stärken und Schwächen fair beurteilen können. Und dann denkst Du garantiert, dass das eigentlich doch eine ziemlich gute Geschichte ist.

Offline Katido

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Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
« Antwort #964 am: 18. Mai 2018, 16:10:43 »
Es ist wirklich ein tolles Gefühl zu wissen, dass es hier Menschen gibt, die die gleichen Probleme haben. Man vergisst das viel zu oft, wenn man in seinem stillen Kämmerchen sitzt und vor seiner Geschichte brütet.

@Turiken: So geht es mir auch. Wenn ich zum gefühlt tausendsten Mal drüberlese, kommt es mir irgendwann nicht mehr wirklich innovativ oder interessant vor, obwohl ich die Idee am Anfang richtig toll fand.
Du hast vollkommen recht, es gibt einige Szenen, die ich mir immer wieder gerne durchlese. Das sollte ich einfach mal wieder tun, vielleicht verschwinden dann auch die Zweifel Stück für Stück  ::)

@Witch: Weißt du, manchmal wünsche ich mir, dass vielen Leuten meine Story gefällt. Aber dann denke ich wieder, dann hätte ich wohl einen Roman schreiben müssen, der auf die breite Masse zugeschnitten ist. Das ist er allerdings auf keinen Fall  ;D
Viele gute Ideen verkommen leider, weil man Erfolg möchte. Das habe ich sowohl bei Büchern als auch bei Bands erlebt. Das ist immer sehr schade.

@canis lupus niger: Im Moment hänge ich nur noch an den letzten zwei Kapiteln, da muss ich wohl oder übel die Zähne zusammenbeißen  :pfanne:
Aber ja, bisschen Abstand danach täte mir dann sicher gut. Ich häng im Moment geistig viel zu viel in der Welt meiner Protagonisten ab  ;D

Danke auf jeden Fall für eure Zusprüche. Da ein langes Pfingstwochenende vor uns allen liegt, werde ich versuchen, endlich mal einen Punkt unter die Story zu setzen. *seufz*

Offline Witch

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Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
« Antwort #965 am: 20. Mai 2018, 14:31:36 »
@Witch: Weißt du, manchmal wünsche ich mir, dass vielen Leuten meine Story gefällt. Aber dann denke ich wieder, dann hätte ich wohl einen Roman schreiben müssen, der auf die breite Masse zugeschnitten ist. Das ist er allerdings auf keinen Fall  ;D
Viele gute Ideen verkommen leider, weil man Erfolg möchte. Das habe ich sowohl bei Büchern als auch bei Bands erlebt. Das ist immer sehr schade.

Jaa, da sagst du etwas! Das ist genau auch mein Dilemma, aber ich habe beschlossen, dass in erster Linie ich glücklich sein muss mit meiner Geschichte. Und wenn ich etwas schreiben würde, was mich nicht überzeugt, damit es in den Markt passt, wäre ich das nicht. Also, scheissegal. ;) Ich werde ja sehen, was herauskommt, bei meiner nicht-ganz-massentauglichen Geschichte. Jedenfalls weiss ich, dass es Menschen gibt, die lieber so etwas lesen als ein Generika.
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Offline Katido

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Re: Wenn der Zweifel an die Tür klopft
« Antwort #966 am: Gestern um 17:40:31 »
Zitat
Ich werde ja sehen, was herauskommt, bei meiner nicht-ganz-massentauglichen Geschichte. Jedenfalls weiss ich, dass es Menschen gibt, die lieber so etwas lesen als ein Generika.

Ich persönlich liebe ja alles, was anders und unkonventionell ist  ;D
Viele Bücher lege ich viel zu schnell wieder weg, da sich der Klappentext wie jedes andere hunderste Buch liest. Da ich selbst insgesamt bei Büchern so kritisch bin, ist das bei meinen eigenen Geschichten natürlich nicht anders. Zumindest habe ich die letzten beiden Kapitel endlich fertig und kann mich nun mit meinen Zweifeln aufs Expose stürzen  :rofl:

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